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Fachinformation zu Haemocomplettan® HS:CSL Behring AG
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06.01.1 Blutkonserven und PlasmafraktionenHuman-Fibrinogen-Konzentrat, vireninaktiviert 

Zusammensetzung

1 Flasche mit 1925-3010 mg bzw. 3850-6020 mg Trocken­substanz enthält als Wirkstoff 1 bzw. 2 g Human-Fibrinogen und als Hilfsstoffe Human Albumin, L-Argininhydrochlorid, Natriumchlorid und Natriumzitrat.

Eigenschaften/Wirkungen

Eigenschaften
Haemocomplettan HS wird aus gepooltem, humanem Plasma gewonnen. Das Präparat ist aus Plasma von freiwilligen, bezahlten Einzelspenden hergestellt. Die Plasmaspenden stammen zum überwiegenden Teil von Plasmapheresen und zum kleineren Teil von Einzelspenden. Die Herkunftsländer der Plasmen sind Deutschland, Österreich und USA. Plasma von Plasmapheresen stammt aus Österreich und USA. Die Kriterien für die Zulassung des Spenders und die Durchführung der Plasmapheresen entsprechen dem US Code of Federal Regulation, 1.4.1986 (USA), den Richtlinien der Bundesärztekammer und des Bundesgesundheitsamtes (Deutschland) bzw. dem Plasmapheresegesetz (Österreich).
Um das Risiko einer Übertragung von infektiösem Material zu reduzieren, erfolgt eine sorgfältige Auswahl der Plasmaspender und -spenden. Der Herstellungsprozess von Haemocomplettan HS beinhaltet Massnahmen zur Eliminierung/Inaktivierung von Viren.
Für die Herstellung von Haemocomplettan HS werden ausschliesslich Plasmaspenden verwendet, die mit negativem Ergebnis auf Antikörper gegen HIV-1, HIV-2 und HCV sowie auf HBs-Antigen getestet worden sind. Der ALT(GPT)-Wert darf das Doppelte des methoden-spezifischen Normalwertes nicht überschreiten.
Eine weitere Testung auf Antikörper gegen HIV-1, HIV-2, HCV, auf HBs-Antigen sowie auf Viruserbmaterial von HBV, HCV und HIV-1 mittels einer Nukleinsäure-Vermehrungstechnik (Nucleic acid Amplification Technology, NAT), z.B. Polymerasekettenreaktion (Polymerase Chain Reaction, PCR) erfolgt am Plasmapool. PCR ist eine hoch empfindliche Testmethode mit welcher ein direkter Test auf Viruserbmaterial möglich ist. Nur bei negativen Ergebnissen all dieser Tests wird der Plasmapool weiterverarbeitet.
Der Herstellungsprozess von Haemocomplettan HS beinhaltet verschiedene Schritte, die zur Eliminierung/Inaktivierung von Viren beitragen. Dazu gehören Adsorptions- und Fällungsschritte sowie die Hitzebehandlung des Präparates in wässriger Lösung bei 60 °C über 20 Stunden.
Einige Viren, insbesondere Parvovirus B 19 oder Hepatitis A Virus, lassen sich mit heutiger Technik besonders schwer entfernen oder inaktivieren. Parvovirus B 19 kann bei seronegativen Schwangeren oder immungeschwächten Personen schwere Krankheitsbilder hervorrufen (siehe auch Kap. «Unerwünschte Wirkungen»).
Das weisse Lyophilisat enthält kein Konservierungsmittel. Nach Auflösen entsteht eine farblose bis gelbliche, klare bis opaleszente Flüssigkeit.

Wirkungen
Haemocomplettan HS ist ein gereinigtes Konzentrat des humanen Fibrinogens. Fibrinogen wird unter dem Einfluss von Thrombin, aktiviertem Gerinnungsfaktor XIII (F XIIIa) und Calciumionen zu einem festen, mechanisch belastbaren dreidimensionalen Fibrinnetz umgewandelt, das die plasmatische Blutstillung bewirkt.

Pharmakokinetik

Haemocomplettan HS wird intravenös appliziert und ist sofort in der verabreichten Dosierung verfügbar. Haemocomplettan HS verhält sich bei Verteilung und Abbau im Organismus wie der körpereigene plasmatische Gerinnungsfaktor I. Die biologische Halbwertszeit von Fibrinogen liegt bei 3 bis 4 Tagen.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Belegte Indikationen
Hämorrhagische Diathese bei kongenitaler Hypo-, Dys- und Afibrinogenämie.

Anwendungsmöglichkeiten
Erworbene Hypofibrinogenämie infolge
Synthesestörungen bei schweren Leberparenchymschäden;
gesteigerten intravasalen Verbrauchs durch disseminierte intravaskuläre Gerinnung und Hyperfibrinolyse. Die wichtigsten Krankheitsbilder, die mit einem Defibrinisierungssyndrom einhergehen können, sind geburtshilfliche Komplikationen, Hämolyse nach Fehltransfusionen und Intoxikationen, alle Schockformen, Verletzungen, operative Eingriffe und Tumoren an Lunge, Pankreas, Uterus und Prostata, Leberzirrhose sowie akute Leukämien.

Dosierung/Anwendung

Die zu verabreichende Menge sowie die Häufigkeit der Gaben von Haemocomplettan HS sollten sich zudem stets an dem Ausmass der jeweiligen Blutung und an der klinischen Wirksamkeit im Einzelfall orientieren. Im allgemeinen werden zunächst 1-2 g verabreicht, weitere Infusionen folgen nach Bedarf. Bei schweren Blutungen, z.B. nach vorzeitiger Plazentalösung, können jedoch sofort Mengen von 4-8 g erforderlich werden.
Dosierung bei Kindern: 20-40 mg/kg Körpergewicht.
Bei Bedarf ist die Gabe zu wiederholen.
Eine präzise Überwachung der Substitutionstherapie mit Hilfe von Laboruntersuchungen (mittels geeigneter Methoden zur Bestimmung der Fibrinogen-Aktivität, z.B. Methode nach Clauss) ist insbesondere zur Vermeidung einer Überdosierung unerlässlich.
Nach Substitution sollte die Menge an Fibrinogen im Blut nicht höher als die untere Grenze des Normalwertes sein, um die Gefahr von thromboembolischen Komplikationen gering zu halten.

Art der Anwendung
Haemocomplettan HS 1 g/2 g wird mit 50/100 ml Wasser für Injektionszwecke gelöst (siehe «Allgemeine Hinweise»). Das Präparat soll vor der Anwendung auf Raum- oder Körpertemperatur angewärmt werden und langsam intravenös injiziert oder infundiert werden. Die Injektionsgeschwindigkeit soll ca. 5 ml pro Minute nicht überschreiten.
Der Patient soll auf sofortige Reaktionen beobachtet werden. Wenn eine Reaktion erfolgt, die mit der Verabreichung von Haemocomplettan HS in Zusammenhang gebracht werden könnte, soll - in Abhängigkeit vom klinischen Zustand des Patienten - die Infusionsgeschwindigkeit gesenkt bzw. die Infusion abgebrochen werden (s. auch Kapitel «Unerwünschte Wirkungen»).

Allgemeine Hinweise
Zubereitung und Verabreichung müssen unter aseptischen Bedingungen erfolgen.
Trübe Lösungen oder Lösungen mit Rückständen (Niederschlägen/Partikeln) dürfen nicht verwendet werden.

Zubereitung
Lösungsmittel und Trockensubstanz in ungeöffneten Behältnissen auf Raum- oder Körpertemperatur erwärmen (nicht über 37 °C).
Die Zubereitung von Haemocomplettan HS erfolgt mit Wasser für Injektionszwecke (50 ml für 1 g bzw. 100 ml für 2 g, nicht mitgeliefert).
Kappe der Haemocomplettan HS- Flasche entfernen, um den Mittelpunkt des Infusionsstopfens freizulegen.
Oberfläche des Infusionsstopfens mit antiseptischer Lösung desinfizieren und trocknen lassen.
Lösungsmittel kann nun mittels eines geeigneten Überleitungsgerätes in die Infusionsflasche überführt werden. Dabei ist sicherzustellen, dass die Trockensubstanz vollständig benetzt wird.
Die Flasche mit kreisenden Bewegungen schwenken, bis das Pulver gelöst und die Lösung gebrauchsfertig ist. Kräftiges Schütteln mit Schaumbildung ist zu vermeiden. Die Trockensubstanz sollte innerhalb von maximal 15 Minuten komplett aufgelöst sein (im allgemeinen 5 bis 10 Minuten).
Man erhält eine farblose bis gelbliche, klare bis leicht opaleszente und pH-neutrale Lösung.
Das zubereitete Präparat muss sofort verabreicht werden (siehe Kap. «Sonstige Hinweise/Haltbarkeit»). Nach Zubereitung nicht in den Kühlschrank stellen.
Es ist darauf zu achten, dass kein Blut in mit Präparat gefüllte Behältnisse gelangt.

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Bestandteilen des Präparates. Manifeste Thrombosen oder Herzinfarkt, ausser bei lebensbedrohlichen Blutungen.

Vorsichtsmassnahmen
Bei Patienten mit bekannten allergoiden Reaktionen auf das Präparat sind entsprechende Vorsichtsmassnhamen zu ergreifen. Antihistaminika und Kortikosteroide können vorbeugend verabreicht werden.

Massnahmen bei Auftreten von allergischen Reaktionen
Bei leichten Reaktionen: Gabe von Kortikosteroiden und Antihistaminika.
Bei schweren oder lebensbedrohlichen Reaktionen (anaphylaktischer Schock): unverzügliches Absetzen des Präparates. In Abhängigkeit vom Schweregrad: sofort Adrenalin langsam i.v. geben, zusätzlich Kortikosteroide hochdosiert, z.B. Urbason® solubile forte langsam i.v. geben, Volumenauffüllung, Sauerstoffgabe.
Bei Patienten mit allergischer Diathese sollten Antihistaminika und Kortikosteroide prophylaktisch verabreicht werden.
Die kongenitale Dysfibrinogenämie kann mit einem Thromboserisiko einhergehen. In diesen Fällen ist eine Fibrinogensubstitution kontraindiziert.
Vor der Anwendung von Haemocomplettan HS sollte der Fibrinogenspiegel nach Clauss bestimmt werden. Die kritische Grenze des Plasmafibrinogens, bei welcher Blutungen auftreten können, liegt bei Werten unter 100 mg/dl. Die Normalwerte betragen 200-450 mg/dl.
Wegen der potentiellen Gefahr thromboembolischer Komplikationen oder einer Verbrauchskoagulopathie (DIC) ist bei der Anwendung von Haemocomplettan HS Vorsicht geboten bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung oder Myokardinfarkt, Lebererkrankungen, nach Operationen, bei Neugeborenen oder bei Patienten mit Risiko einer Thromboembolie. In jedem dieser Fälle soll der mögliche Nutzen einer Therapie mit Haemocomplettan HS gegen das mögliche Risiko solcher Komplikationen abgewogen werden.
Patienten, die Haemocomplettan HS erhalten, sollen engmaschig auf Zeichen einer Thrombose oder Verbrauchskoagulopathie (DIC) beobachtet werden.
Bei der Therapie von Blutungen aufgrund eines erworbenen Fibrinogenmangels sollte berücksichtigt werden, dass je nach Art der primären Erkrankung neben Fibrinogen noch weitere Gerinnungsfaktoren vermindert sein können. Dies gilt vor allem bei Lebererkrankungen. Ausser der Verabreichung von Haemocomplettan HS kann in diesen Fällen die Gabe von Prothrombinkomplexkonzentrat, das die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X in angereicherter Form enthält, indiziert sein.
Bei der Therapie der Verbrauchskoagulopathie ist zu beachten, dass eine Substitution von Gerinnungsfaktoren nur unter Heparin-Schutz und Normalisierung des Antithrombin-III-Spiegels erfolgen darf.
Für Patienten, die regelmässig Präparate aus menschlichem Blut oder Plasma (einschliesslich Haemocomplettan HS) erhalten, wird ein angemessener Hepatitis Impfschutz (Hepatitis A und Hepatitis B) empfohlen.

Schwangerschaft/Stillzeit
Schwangerschaftskategorie C.
Es sind weder kontrollierte Studien mit Tieren noch bei schwangeren Frauen verfügbar. Unter diesen Umständen soll das Medikament nur verabreicht werden, wenn der potentielle Nutzen das foetale Risiko übersteigt. Haemocomplettan HS wird häufig bei geburtshilflichen Komplikationen eingesetzt. Negative Erfahrungen über die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen bisher nicht vor.

Unerwünschte Wirkungen

In seltenen Fällen werden allergoide/anaphylaktoide Reaktionen und/oder Temperaturanstieg beobachtet. Bei Auftreten von allergoiden/ anaphylaktoiden Reaktionen ist Haemocomplettan HS sofort abzusetzen (z.B. Unterbrechung der Injektion/Infusion) und eine situationsgerechte Behandlung einzuleiten. Die aktuellen medizinischen Richtlinien zur Schockbehandlung sind zu beachten (siehe auch Kap. «Vorsichtsmassnahmen»).
Nach der Anwendung von Fibrinogenkonzentrat vom Menschen kann es zu thromboembolischen Komplikationen (bis hin zu Herzinfarkt oder Lungenembolie) kommen.
Bei der Anwendung von aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellten Arzneimitteln können Infektionserkrankungen durch die Übertragung von Erregern - auch bisher unbekannter Natur - nicht völlig ausgeschlossen werden.
Eine Infektion mit Parvovirus B 19 kann schwere Krankheitsbilder hervorrufen bei immungeschwächten Personen, bei seronegativen Schwangeren (Infektion der Frucht, Abort) oder bei Personen mit erhöhter Produktion roter Blutkörperchen (z.B. bei hämolytischer Anämie). (Siehe auch Kap. «Eigenschaften/Wirkungen»).

Interaktionen

Wechselwirkungen von Fibrinogenkonzentrat vom Menschen mit anderen Arzneimitteln sind bisher nicht bekannt.

Überdosierung

Im Fall einer Überdosierung ist die Gefahr einer thromboembolischen Komplikation bei Risikopatienten erhöht.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilität
Haemocomplettan HS darf nicht mit anderen Arzneimitteln vermischt und soll über einen separaten Zugang verabreicht werden.

Hinweis für Patienten mit salzarmer Diät
Haemocomplettan HS enthält Natriumchlorid und kann deshalb bei Patienten ungünstig sein, die eine salzarme Diät einhalten sollen.

Haltbarkeit
Haemocomplettan HS ist bei + 2 bis + 8 °C in der geschlossenen Faltschachtel aufzubewahren. Haemocomplettan HS darf nach Ablauf des auf Packung und Behältnis angegebenen Verfalldatums nicht mehr angewendet werden.
Nicht einfrieren.
Aus mikrobiologischer Sicht und da Haemocomplettan HS kein Konservierungsmittel enthält, sind die zubereitete Lösung sofort zu verbrauchen.
Nicht verbrauchte Lösungen müssen fachgerecht entsorgt werden.
Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren.

IKS-Nummern

50203.

Stand der Information

Dezember 2001.
RL88

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