Eigenschaften/WirkungenATC-Code
G03DA02
Wirkungsmechanismus
Der Wirkstoff von Prodafem ist Medroxyprogesteronacetat, ein Derivat des endogenen Gestagens Progesteron. Medroxyprogesteronacetat besitzt neben gestagenen auch androgene, antiöstrogene, antigonadotrope und adrenokortikoide Eigenschaften.
Pharmakodynamik
Bei Frauen mit adäquaten Östrogenspiegeln wandelt Medroxyprogesteronacetat das Endometrium von der proliferativen in die sekretorische Phase um. In der Hormonsubstitutionstherapie in der Peri- und Postmenopause wird so eine Hyperplasie des Endometriums verhindert und das unter alleiniger Östrogentherapie erhöhte Risiko eines Endometriumkarzinoms reduziert.
Oral verabreichtes Medroxyprogesteronacetat kann in höheren Dosen die Gonadotropin-Sekretion und somit die Ovulation beeinflussen. In den hier empfohlenen Anwendungen und Dosierungen bietet es jedoch keinen kontrazeptiven Schutz.
Klinische Wirksamkeit
Medroxyprogesteronacetat hat einen günstigen Einfluss auf vasomotorische Störungen im Klimakterium, wie Hitzewallungen und Schweissausbrüche.
Klinische Sicherheit
Für intramuskulär appliziertes Depot-MPA ist bekannt, dass es die Knochenmineraldichte (BMD) reduzieren kann. Mit Prodafem wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt. In wie weit die nachfolgenden Befunde auch auf Prodafem zutreffen, ist daher nicht bekannt.
Der Einfluss von Depot-MPA (150 mg i.m. alle 12 Wochen zur Kontrazeption) auf die Knochenmineraldichte (BMD) wurde in zwei klinischen Studien untersucht.
In einer prospektiven, nicht-randomisierten Studie an insgesamt n=608 erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter wurde die BMD an Lendenwirbelsäule (LWS) und Femur zu verschiedenen Zeitpunkten bestimmt und verglichen zwischen Anwenderinnen von Depot-MPA und Frauen ohne hormonale Kontrazeption. Nur 42 Frauen im Depot-MPA-Arm wurden dabei über die gesamte vorgesehene Dauer von 5 Jahren behandelt. Unter Depot-MPA fand sich eine durchschnittliche Reduktion der BMD um 5-6%, während in der Kontrollgruppe keine statistisch signifikanten Veränderungen der BMD beobachtet wurden. Die Reduktion der mittleren BMD an der LWS nach 1, 2, 3, 4 und 5 Jahren lag bei 2.86%, 4.11%, 4.89%, 4.93% bzw. 5.38%. Die Befunde an Oberschenkelhals und gesamter Hüfte waren ähnlich.
Nach Absetzen von Depot-MPA kam es zu einer teilweisen Erholung der BMD. Zwei Jahre nach Behandlungsende war sie an LWS und Hüfte gegenüber dem Ausgangswert vor Therapiebeginn noch um 2.1% reduziert. Eine längere Behandlungsdauer wurde mit einer langsameren Erholung der BMD in Zusammenhang gebracht.
Eine offene klinische Studie an insgesamt n=389 Jugendlichen im Alter von 12-18 Jahren, in welcher Anwenderinnen von Depot-MPA und Jugendlichen ohne hormonale Kontrazeption untersucht wurden, lieferte analoge Befunde. Während bei unbehandelten Jugendlichen die Knochendichte erwartungsgemäss zunahm, fand sich unter Depot-MPA im selben Zeitraum eine signifikante Abnahme der BMD gegenüber dem Ausgangswert. Dabei war die Reduktion an Hüfte und Schenkelhals stärker als an der LWS. An der Hüfte lag die Reduktion der mittleren BMD nach 60, 120 und 240 Wochen bei 2.8%, 5.4% bzw. 6.4%. Die durchschnittliche Zeitdauer nach dem Absetzen von MPA, bis der jeweilige Ausgangswert wieder erreicht war, lag zwischen 1.2 Jahren an der LWS und 4.6 Jahren an der Hüfte. Bei Raucherinnen erfolgte die Erholung der BMD langsamer als bei Nichtraucherinnen.
In einer grossen, retrospektiven Kohortenstudie an Daten der britischen «General Practice Research Database» (GPRD) lagen für n=41‘876 Frauen unter Kontrazeption mit Depot-MPA Daten zur Inzidenz von Knochenfrakturen vor für 6-24 Monate vor der ersten Anwendung von Depot-MPA sowie für durchschnittlich 5.5 Jahre (maximal 15 Jahre) nach der ersten Depot-MPA Injektion. Das Frakturrisiko wurde verglichen für das Zeitintervall nach der ersten Depot-MPA Injektion mit jenem vor der ersten Injektion. Für die Gesamtheit aller Frakturen (d.h. osteoporotische Frakturen plus traumatische Frakturen) fand sich ein Risiko-Verhältnis von 1.01 (95%-KI: 0.92, 1.11). Diese Befunde deuten nicht auf eine Erhöhung des Risikos für osteoporotische Frakturen durch Depot-MPA hin.
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