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Fachinformation zu Norcuron®:MSD Merck Sharp & Dohme AG
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Zusammensetzung

Wirkstoff
Vecuroniumbromid
Hilfsstoffe
Acidum citricum, Dinatriiphosphas, Mannitolum (E 421), Natrii hydroxidum (zur pH Anpassung), Acidum phosphoricum (zur pH Anpassung).
Solvens: Aqua ad iniectabilia
 

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Lyophilisat zur Herstellung einer i.v. Injektionslösung
Stechampulle à 10 mg Vecuroniumbromid
 

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Norcuron ist bei der Allgemeinanästhesie indiziert, um die tracheale Intubation zu erleichtern und für die Dauer des chirurgischen Eingriffs die Skelettmuskelrelaxation zu erhalten.
 

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung
Norcuron sollte nur von einem erfahrenen Kliniker, der mit der Wirkung und Anwendung dieser Arzneimittel vertraut ist, oder unter dessen Aufsicht, verabreicht werden.
Wie bei allen neuromuskulären Blockern sollte die Dosierung von Norcuron für jeden Patienten individuell bestimmt werden. Bei der Festlegung der Dosierung sind die Anästhesiemethode, die zu erwartende Dauer des Eingriffs, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, die vor oder während der Operation verabreicht werden, sowie der Zustand des Patienten zu berücksichtigen.
Die Anwendung einer geeigneten neuromuskulären Überwachungstechnik zur Beurteilung der neuromuskulären Blockade und Wiederherstellung wird empfohlen.
Inhalationsanästhetika verstärken den neuromuskulären Hemmeffekt von Norcuron. Im Verlauf einer Anästhesie sollte eine Anpassung der Norcuron-Dosen erfolgen, entweder kleinere Erhaltungsdosen in grösseren Intervallen oder eine niedrigere Infusionsrate während länger dauernder Eingriffe (länger als 1 Stunde) (siehe auch «Interaktionen»).
Erwachsene
Folgende Dosierungsangaben können für Erwachsene als allgemeine Richtlinie für die tracheale Intubation und die Muskelrelaxation bei kurzen bis langandauernden operativen Eingriffen dienen:
Tracheale Intubation
Die Standard-Intubationsdosis für eine routinemässige Anästhesie beträgt 0,08-0,1 mg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht. Bei fast allen Patienten entwickeln sich innerhalb von 90-120 Sekunden akzeptable Intubationsbedingungen.
Dosis bei chirurgischen Eingriffen nach Intubation mit Suxamethonium
0,03-0,05 mg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht.
Wenn Suxamethonium für die Intubation benutzt wird, sollte Norcuron erst gegeben werden, wenn die Wirkungen der durch Suxamethonium ausgelösten neuromuskulären Blockade beim Patienten abgeklungen sind.
Empfohlene Erhaltungsdosis
0,02-0,03 mg/kg Körpergewicht.
Die Erhaltungsdosis sollte optimalerweise dann gegeben werden, wenn die Wiederherstellung der Kontrollzuckungsstärke im Bereich von 25% liegt.
Dauerinfusion
Nach Verabreichung einer initialen Intubationsdosis (s. «Tracheale Intubation») soll die Infusion eingeleitet werden, sobald die Erholung von der initialen neuromuskulären Blockade einsetzt. Die Infusionsrate sollte so gewählt werden, dass eine Zuckungsstärke von 10% der Kontrollzuckungsspannung eingehalten wird oder 1 bis 2 Reizantworten bei Vierfach (TOF)-Stimulation erhalten bleiben. Bei Erwachsenen beträgtdie dazu notwendige Infusionsrate unter intravenöserAnästhesie erfahrungsgemäss0,8-1,4 μg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht pro Minute. Kinder und Neugeborene siehe unten. Eine kontinuierliche Überwachung der neuromuskulären Blockade ist notwendig, da die Infusionsrate von Patient zu Patient variiert und von der angewandten Anästhesiemethode abhängt.
Spezielle Dosierungen
Dosierung bei älteren Patienten
Die Intubations- und Erhaltungsdosis ist die gleiche wie bei jüngeren Erwachsenen (0,08-0,1 mg bzw. 0,02-0,03 mg/kg Körpergewicht). Die Wirkdauer ist in diesem Kollektiv verlängert; die Anschlagszeit ist aber ähnlich wie bei jüngeren Erwachsenen.
Dosierung bei pädiatrischen Patienten
Aufgrund möglicher Sensitivitätsunterschiede der neuromuskulären Übertragung, insbesondere bei Neugeborenen bis zu 4 Wochen und möglicherweise auch bei Kleinkindern bis zu einem Alter von 4 Monaten, wird eine anfängliche Testdosis von 0,01-0,02 mg/kg Vecuroniumbromid empfohlen, gefolgt von weiteren Einzeldosen, bis eine neuromuskuläre Blockade von 90%-95% erreicht ist. Bei operativen Eingriffen am Neugeborenen sollte die Dosis von 0,1 mg/kg nicht überschritten werden.
Die Dosis für Neugeborene (0-1 Monat) und Kleinkinder (1-23 Monate) entspricht derjenigen von Erwachsenen. Aufgrund der beträchtlich kürzeren Anschlagzeit dieser Patientengruppe sind hohe Intubationsdosen generell nicht erforderlich, um frühzeitig gute Intubationsbedingungen zu erzielen. Da die Wirkdauer und die Wiederherstellungszeit bei Neugeborenen und Kleinkindern verlängert ist, sollten die Erhaltungsdosen von Norcuron weniger häufig gegeben werden (längeres Dosierungsintervall).
Bei Kindern (2-11 Jahre) reichen die Intubations- und Erhaltungsdosen für Erwachsene (0,08-0,1 mg bzw. 0,02-0,03 mg/kg Körpergewicht) in der Regel aus. Da die Wirkdauer jedoch kürzer ist als bei Erwachsenen, muss in der Regel das Dosisintervall verkürzt werden.
Obwohl sehr wenige Informationen zu Dosierungen bei Jugendlichen vorliegen, empfiehlt es sich – basierend auf dem Entwicklungsstand in diesem Alter - die gleichen Dosen wie bei Erwachsenen anzuwenden.
Übergewichtige adipöse Patienten
Bei adipösen Patienten wird eine Reduktion der Dosis empfohlen. Die Dosierung sollte auf Basis des Lean body mass (fettfreies Körpergewicht) erfolgen.
Höhere Dosierungen
Besteht die Notwendigkeit zur Verwendung höherer Dosen, so kann man sich auf folgende Erfahrung stützen. Nach Erstdosierungen zwischen 0,15 mg und bis zu 0,3 mg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht konnten während operativer Eingriffe unter Halothan-Anästhesie bzw. Neurolept-Anästhesie keine unerwünschten kardiovaskulären Effekte beobachtet werden, solange auf eine ausreichendeBeatmung geachtet wurde. Die Verabreichung hoher Dosen reduziert die Anschlagzeit und verlängert die Wirkdauer.
Beim Kaiserschnitt sowie bei operativen Eingriffen beim Neugeborenen sollte die Dosierung 0,1 mg/kg nicht übersteigen.
Sectio Caesarea
Untersuchungen mit Norcuron in Dosen bis zu 0,1 mg/kg haben dessen sichere Anwendung bei der operativen Entbindung gezeigt.
Korrekte Art der Anwendung
Norcuron wird nach Zubereitung der gebrauchsfertigen Lösung intravenös verabreicht, entweder als Bolusinjektion oder als Dauerinfusion (s. Kapitel «Sonstige Hinweise/Hinweise für die Handhabung»).
 

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber Vecuronium, dem Bromid-Ion oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.
 

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Wie andere neuromuskuläre Blocker sollte Norcuron nur von oder unterAufsicht von erfahrenen Klinikern verabreicht werden, die mit der Wirkung und Anwendung dieser Arzneimittel vertraut sind.
Da Norcuron eine Lähmung der Atemmuskulatur bewirkt, muss der Patient solange künstlich beatmet werden, bis die Spontanatmung wieder einsetzt.
Wie mit anderen neuromuskulären Blockern wurde unter Norcuron über Restkurarisierung berichtet. Um Komplikationen als Folge einer residuellen neuromuskulären Blockade zu vermeiden, sollen die Patienten erst extubiert werden, wenn sie sich von der neuromuskulären Blockade ausreichend erholt haben. Andere Faktoren, die zu einer Verlängerung der neuromuskulären Blockade führen können (Interaktionen mit anderen Arzneimitteln, Gesundheitszustand des Patienten), sollten auch in Betracht gezogen werden. Eine Antagonisierung der neuromuskulären Blockade durch Sugammadex oder einen anderen Hemmstoff am Ende des Eingriffs und ein neuromuskuläres Monitoring sollte insbesondere bei Patienten erwogen werden, bei denen die Wahrscheinlichkeit von residuellen neuromuskulären Blockaden erhöht ist.
Anaphylaktische Reaktionen können nach Verabreichung von neuromuskulären Blockern vorkommen. Vorsorgemassnahmen zur Behandlung solcher Reaktionen sollten daher immer getroffen werden, insbesondere bei vorausgegangenen anaphylaktischen Reaktionen auf Muskelrelaxantien, da von allergischen Kreuzreaktionen berichtet wurde.
Norcuron hat innerhalb des empfohlenen Dosisbereichs keine kardiovaskulären Effekte. Deshalb wirkt es einer allfälligen Bradykardie infolge Anwendung verschiedener Anästhetika und Opiate oder aufgrund von Vagusreflexen während der Operation nicht entgegen.
Die Anwendung und/oder Dosierung von Vagolytika zur Prämedikation oder zur Anästhesie-Einleitung bei operativen Eingriffen (z.B. Augenoperationen, Abdominal- oder Anorektal-Eingriffenusw.), bei denen vagale Reaktionen zu erwarten sind, sollte daher genau abgewogen werden.
Die Langzeitanwendung von Kortikosteroiden und Norcuron in der Intensivmedizin kann zu einer verlängerten Dauer der neuromuskulären Blockade oder Myopathien führen (s. Kapitel «Interaktionen»).
Folgende Krankheiten können die Pharmakokinetik und/oder Pharmakodynamik von Norcuron beeinflussen.
Erkrankungen der Leber und/oder des Gallentrakts und Niereninsuffizienz
Da Vecuroniumbromid über die Galle und die Nieren ausgeschieden wird, sollte Norcuron bei Patienten mit signifikanten Erkrankungen der Leber und/oder des Gallentraktes und/oder der Nieren mit Vorsicht eingesetzt werden. Bei diesen Gruppen von Patienten wurde eine dosisabhängige Verlängerung der Wirkdauer beobachtet, insbesondere wenn hohe Vecuronium-Dosen (0,15-0,20 mg/kg Körpergewicht) bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen verabreicht wurden.
Verlängerte Kreislaufzeit
Erkrankungen, die mit einer langsameren Kreislaufzeit einhergehen, so etwa kardiovaskuläre Krankheiten, hohes Alter und Ödemzustände, die zu einem erhöhten Verteilungsvolumen führen, können zu einer Verlängerung der Anschlagzeit beitragen.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Ebenso wie andere Muskelrelaxanzien sollte auch Norcuron in Fällen von neuromuskulären Erkrankungen oder nach Poliomyelitis mit grösster Vorsicht eingesetzt werden, da bei diesen Patienten die Reaktion auf neuromuskuläre Blocker erheblich verändert sein kann. Ausmass und Richtung dieser Veränderung können stark variieren. Bei Patienten mit Myasthenia gravis oder pseudomyasthenischem Syndrom (Lambert-Eaton) haben kleine Norcuron-Dosen mitunter eine tiefgreifende Wirkung. Es ist also äusserste Vorsicht geboten; in diesen Fällen sollten sehr geringe Dosen verwendet werden.
Hypothermie
Bei Operationen unter Hypothermie ist der neuromuskuläre Hemmeffekt von Norcuron verstärkt und die Wirkdauer verlängert.
Adipositas
Wird bei Adipösen zur Berechnung der Dosis das tatsächliche Körpergewicht berücksichtigt, kommt es zu einer relativen Überdosierung mit verlängerter Wirkung und verzögerter Spontanerholung. Bei diesen Patienten sollte die Dosis reduziert werden (s. Kapitel «Dosierung/Anwendung»).
Verbrennungen
Patienten mit Verbrennungen können eine Resistenz gegen nichtdepolarisierende neuromuskuläre Blocker entwickeln. Die Dosierung ist individuell anzupassen.
Sonstige Zustände
Bedingungen, die zu einer Steigerung der Norcuron-Wirkung führen können, sind: Hypokaliämie (z.B. nach schwerem Erbrechen, Durchfall und diuretischer Therapie), Hypermagnesiämie, Hypokalzämie (nach Massivtransfusionen), Hypoproteinämie, Dehydration, Azidose, Hyperkapnie, Kachexie.
Schwere Elektrolytenstörungen, veränderter Blut-pH oder Dehydration sollten deshalb möglichst vermieden werden.
 

Interaktionen

Die folgenden Medikamente können das Ausmass und die Dauer der Wirkung von nichtdepolarisierenden neuromuskulären Blockern beeinflussen:
Gesteigerte Wirkung
Halogenierte flüchtige Anästhetika (z.B. Enfluran, Isofluran, Sevofluran, Desfluran, Halothan) steigern die neuromuskuläre Blockade von Norcuron. Die Wirkung ist aber erst während der Erhaltungsdosis (s. Kapitel «Dosierung/Anwendung») ersichtlich. Die Antagonisierung der neuromuskulären Blockade mittels Anticholinesterase-Inhibitoren kann auch gehemmt sein.
Suxamethonium (siehe unter Kapitel «Dosierung/Anwendung»).
Die Langzeitanwendung von Kortikosteroiden und Norcuron in der Intensivmedizin kann zu einer verlängerten Dauer der neuromuskulären Blockade oder Myopathien führen (s. Kapitel «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Andere Medikamente
Antibiotika: Aminoglykoside, Lincosamide und Polypeptidantibiotika, Acylaminopenicillin, Diuretika, Quinidin, Magnesium-Salze, Kalziumantagonisten, Lithium-Salze, Cimetidin, Lidocain, akute Verabreichung von Phenytoin oder Beta-Blockern.
Es gibt Berichte über Rekurarisierung nach post-operativer Verabreichung von Aminoglykosiden, Lincosamiden, Polypeptidantibiotika, Acylaminopenicillin, Quinidin und Magnesium-Salzen (s.Kapitel «WarnhinweiseundVorsichtsmassnahmen»).
Verminderte Wirkung
Vorherige Dauermedikation mit Phenytoin oder Carbamazepin.
Wechselnde Wirkung
Die Verabreichung von anderen nicht-depolarisierenden neuromuskulären Blockern in Kombination mit Norcuron kann zu einer Verminderung oder einer Steigerung der neuromuskulären Blockade führen. Dies hängt von der Reihenfolge der Verabreichung und vom neuromuskulären Blocker selber ab. Suxamethonium, das nach Gabe von Vecuroniumbromid zugeführt wird, kann eine Steigerung oder Minderung der neuromuskulären Blockade von Norcuron bewirken.
Wirkung von Norcuron auf andere Arzneimittel
Norcuron, das gleichzeitig mit Lidocain verabreicht wird, kann zu einer kürzeren Anschlagszeit von Lidocain führen.
 

Schwangerschaft/Stillzeit

Es gibt keine hinreichenden Daten zur Anwendung bei Schwangeren.
Tierexperimentelle Daten haben keine reproduktionstoxischen Wirkungen gezeigt, aber sie sind unzureichend, um einen potenziellen Schaden für den Föten zu beurteilen (s.«Präklinische Daten»). Norcuron sollte schwangeren Frauen nur verabreicht werden, wenn der anwesende Arzt bzw. die anwesende Ärztin entscheidet, dass dies eindeutig erforderlich ist.
Sectio Caesarea
Untersuchungen mit Norcuron in Dosen bis zu 0,1 mg/kg haben dessen sichere Anwendung bei der operativen Entbindung gezeigt. Bei Kaiserschnitten sollte die Dosis von 0,1 mg/kg Körpergewicht nicht überschritten werden.
Norcuron beeinflusst weder den Apgar Score, noch den Muskeltonus des Fötus, noch die kardiorespiratorische Umstellung des Neugeborenen.Die Untersuchung von Blut aus den Umbilicalgefässen hat gezeigt, dass die plazentäre Passage von Norcuron sehr gering ist und nicht ausreicht, um beim Neugeborenen unerwünschte Wirkungen hervorzurufen.
Warnung
Die Aufhebung der Norcuron-bedingten neuromuskulären Blockade kann bei Patienten, die Magnesiumsulfat zur Therapie einer Schwangerschaftstoxikose erhalten, ungenügend sein, da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade steigern.
Deshalb sollte bei Patienten, die Magnesiumsulfat erhalten, die Dosierung reduziert und sorgfältig auf die Zuckungsreaktion eingestellt werden.
Zur Verwendung während der Stillzeit bestehen keine Angaben. Während der Stillzeit darf das Arzneimittel nicht verabreicht werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich.
 

Unerwünschte Wirkungen

Gelegentlich/selten (<1%, >0,01%); Sehr selten (≤0,01%) 1
Immunsystem
Sehr selten:Hypersensibilität, anaphylaktische Reaktionen, anaphylaktoide Reaktionen, anaphylaktischer Schock, anaphylaktoider Schock
Nervensystem
Sehr selten:Schlaffe Lähmung
Herzkreislauf-/kardiovaskuläre Störungen
Gelegentlich/selten:Tachykardie
Vaskuläre Störungen
Gelegentlich/selten:Arterielle Hypotonie
Sehr selten:Kreislaufkollaps, Schock
Atmungsorgane
Sehr selten:Bronchospasmus
Haut und Unterhautgewebe
Sehr selten:Angioödem, Urtikaria, Hautausschlag, erythematöser Hautausschlag
Muskelskelettsystem und Knochen
Sehr selten:Muskelschwäche 2 , Myopathie 2
Allgemeine Störungen
Gelegentlich/selten:Wirkversagen, abgeschwächte oder stärkere pharmakologische Wirkung/therapeutische Antwort
Sehr selten:Gesichtsödem, Schmerzen an der Injektionsstelle, Reaktionen an der Injektionsstelle
Verletzungen/Vergiftungen
Gelegentlich/selten:Verlängerung der neuromuskulären Blockade, verzögerte Erholung von der Anästhesie
Sehr selten:Atemwegs-Komplikationen bei der Anästhesie
1)   Die Häufigkeiten sind Schätzungen aus Post-Marketing-Surveillance Berichten und Daten aus der Literatur.
2)   Nach Langzeitanwendung in der Intensivmedizin
Verlängerung der neuromuskulären Blockade
Die häufigste unerwünschte Wirkung ist eine Verlängerung der pharmakologischen Wirkung des Arzneimittels über die notwendige resp. gewünschte Zeitperiode hinaus. Sie reicht von einer Schwäche der Skelettmuskulatur bis zu einer verlängerten neuromuskulären Blockade, die zur Ateminsuffizienz und Apnoe führt. Es wurde über wenige Fälle von Myopathien bei der Anwendung von Norcuron in Kombination mit Kortikosteroiden in der Intensivmedizin berichtet (siehe auch Kapitel «Warnhinweise/Vorsichtsmassnahmen»).
Anaphylaktische Reaktionen
Obwohl sehr selten, wurde über schwere anaphylaktische Reaktionen auf neuromuskuläre Blocker, einschliesslich Norcuron, berichtet. Beispiele einer anaphylaktischen/anaphylaktoiden Reaktion sind: Bronchospasmen, arterielle Hypotonie, Tachykardie, Kreislaufkollaps, Schock, Hautveränderungen (z.B. Angioödem, Urtikaria). In einigen Fällen waren diese Reaktionen letal. Weil schwere Reaktionen auftreten können, sollten stets die nötigen Vorsichtsmassnahmen getroffen werden.
Histaminfreisetzung und histaminoide Reaktionen
Da neuromuskuläre Blocker eine Histaminfreisetzung sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch auslösen können, sollte dem Auftreten von Juckreiz und von Erythemen an der Injektionsstelle und/oder generalisierten histaminoiden (anaphylaktoide) Reaktionen stets Beachtung geschenkt werden (siehe auch unter «Anaphylaktische Reaktionen»).
Experimentelle Studien mit intradermalen Injektionen von Norcuron zeigten, dass dieses Arzneimittel nur ein schwaches Potential für die Auslösung einer lokalen Histaminfreisetzung besitzt.
Bei kontrollierten Studien am Menschen konnte nach intravenöser Verabreichung von Norcuron kein signifikanter Anstieg des Plasma-Histaminspiegels festgestellt werden. Bei der breiten Anwendung von Norcuron wurde über solche Fälle selten berichtet.
 

Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung und verlängerten neuromuskulären Blockade sollte der Patient unter künstlicherBeatmung und Sedation bleiben. In dieser Situation gibt es zwei Optionen für die Aufhebung der neuromuskulären Blockade: (1) Sugammadex kann zur Aufhebung einer intensiven (profunden) und tiefen Blockade verabreicht werden.Die zu verabreichende Dosis von Sugammadex hängt vom Grad der neuromuskulären Blockade ab. (2) Ein Acetylcholinesterase-Hemmer (wie Neostigmin, Edrophonium, Pyridostigmin) kann bei ersten Anzeichen der spontanen Erholung verwendet werden und soll in adäquaten Dosen verabreicht werden.
Falls trotz der Verwendung eines Acetylcholinesterase-Hemmers die neuromuskuläre Blockade weiter besteht, muss die Beatmung solange fortgesetzt werden, bis die spontane Atmung wieder einsetzt. Wiederholte Dosen von Acetylcholinesterase-Hemmern können gefährliche Auswirkungen haben.
 

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
M03AC03
Wirkungsmechanismus
Norcuron (Vecuroniumbromid) ist ein nicht-depolarisierender neuromuskulärer Blocker. Er unterbricht den Übertragungsprozess zwischen der motorischen Nervenendigung und den quergestreiften Muskeln. Dies geschieht durch Bindung an die im Bereich der motorischen Endplatte der quergestreiften Muskulatur gelegenen Nikotinrezeptoren kompetitiv zu dem Neurotransmitter Acetylcholin.
Im Gegensatz zu depolarisierenden neuromuskulären Blockern wie Suxamethonium ruft Norcuron keine Muskelzuckungen hervor. Norcuron hat innerhalb des empfohlenen Dosisbereichs keine vagolytische und ganglienblockierende Eigenschaften.
Pharmakodynamik/Klinische Wirksamkeit
Tracheale Intubation
90-120 Sek. nach intravenöser Gabe einer Dosis von 0,08-0,1 mg/kg bestehen gute bis ausgezeichnete Bedingungen für die endotracheale Intubation. Innerhalb von 3 bis 4 Minuten nach Applikation ist die Lähmung der Skelettmuskulatur allgemein und ausreichend für jeden chirurgischen Eingriff erreicht.
Die Wirkdauer (Zeit bis zur Wiederherstellung einer 25%igen Kontrollzuckungsstärke) beträgt bei dieser Dosierung 24-60 Minuten.
Eine 95%ige Wiederherstellung wird nach ca. 60-80 Minuten erreicht.
Die Anschlagzeit bis zum Auftreten der maximalen neuromuskulären Blockade ist bei höheren Dosierungen verkürzt; die Wirkdauer ist verlängert. Mit Dosen von 0,15 mg, 0,2 mg, 0,25 mg und 0,3 mg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht werden unter Neurolept-Anästhesie durchschnittliche Anschlagzeiten von 146 Sek., 110 Sek., 92 Sek. bzw. 77 Sek. erreicht. Die mittlere Wirkdauer beträgt bei diesen Dosierungen 41 Min., 55 Min., 70 Min. bzw. 86 Min. Mit diesen hohen Dosen kann eine graduelle, aber relativ leichte Zunahme des Wiederherstellungsindex auftreten.
Dauerinfusion
Im Fall der Verabreichung mittels einer laufenden intravenösen Infusion kann eine neuromuskuläre Steady-state-Blockade von 90% durch konstante Wirkstoff-Zufuhr beibehalten werden. Nach Beendigung der Infusion tritt keine klinisch relevante Verlängerung der Wiederherstellung von der neuromuskulären Blockade ein.
Norcuron kumuliert nicht. Deshalb können mehrere Erhaltungsdosen (bei 25%iger Kontrollzuckungsstärke) nacheinander gegeben werden.
Durch diese Eigenschaft ist Norcuron sowohl für kurze als auch für langdauernde operative Eingriffe sehr gut geeignet.
Aufhebung der neuromuskulären Blockade
Die Wirkung vonVecuroniumbromid kann entweder durch Sugammadex oder durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren wie Neostigmin, Edrophonium und Pyridostigmin antagonisiert werden. Sugammadex kann verabreicht werden zur routinemässigen Aufhebung bei 1-2 Post-Tetanic Counts bis zum Wiedererlangen von T 2. . Acetylcholinesterase-Inhibitoren können beim Auftreten von T 2 oder bei ersten Anzeichen der klinischen Erholung verabreicht werden.
Pädiatrische Patienten
Neugeborene und Kinder bis zu einem Jahr
Während der Lachgas Anästhesie bei Neugeborenen und Säuglingen wird eine ähnliche ED 95 (ca. 0,047mg/kg KG) wie beim Erwachsenen (ca. 0,043 mg/kg) gefunden. Die Anschlagzeit bei Neugeborenen und Säuglingen ist beträchtlich kürzer. Eine grössere Sensitivität der neuromuskulären Übertragung auf die neuromuskulären Blocker kann ein Grund für die kürzere Anschlagszeit sein.
Die Wirkdauer und die Wiederherstellungszeit ist bei Neugeborenen und Kleinkindern im Vergleich zu Erwachsenen länger. Das Dosisintervall sollte deshalb verlängert werden.
Kinder (2-11 Jahre)
Während der Lachgas Anästhesie bei Kindern werden höhere Dosen als bei Erwachsenen benötigt (0,081 vs. 0,043 mg/kg KG). Im Vergleich zum Erwachsenen sind die Wirkdauer und die Wiederherstellungszeit im Allgemeinen ca. 30% bzw. 20-30% kürzer.
Analog zum Erwachsenen gibt es bei Kindern keinen kumulativen Effekt bei der wiederholten Verabreichung von Erhaltungsdosen, wenn diese ein Viertel der Initialdosis betragen und die Kontrollzuckungsstärke im Bereich von 25% der Wiederherstellung liegt.
 

Pharmakokinetik

Distribution
Vecuronium wird nach intravenöser Applikation von 0,1-0,15 mg/kg mit einer Halbwertszeit von etwa 1,2-1,4 Minuten rasch, vorwiegend im extrazellulären Flüssigkeitsvolumen, verteilt.Das Steady-State-Verteilungsvolumen bei Erwachsenen beträgt 0,19-0,51 l·kg -1 . Die Plasma-Clearance von Vecuronium beträgt 3,0-6,4 ml·kg -1 ·min -1 , die Plasma-Eliminations-Halbwertszeit beträgt 36-117 min.
Metabolismus
Die Metabolisierung von Vecuronium ist relativ gering. Beim Menschen ist ein 3-Hydroxy-Metabolit, der eine um ca. 50% verminderte neuromuskulär blockierende Aktivität aufweist, in Galle und Urin nachweisbar. Bei Patienten, die weder an Erkrankungen der Leber noch der Niere leiden, befindet sich die Plasmakonzentration dieses Derivats unter der Nachweisgrenze. Der Metabolit trägt nach der Applikation von Norcuron nicht zur neuromuskulären Blockade bei.
Elimination
Vecuronium wird hauptsächlich biliär ausgeschieden. Es wird angenommen, dass innerhalb von 24 Stunden 40% bis 60 % der intravenös verabreichten Menge in monoquarternisierter Form in die Galle abgegeben werden. Etwa 95% dieser Ausscheidungsprodukte sind unverändertes Vecuronium und weniger als 5% der Metabolit 3-Hydroxy-Vecuronium.
Die renale Elimination der monoquarternisierten Derivate ist relativ gering. Innerhalb von 24 Stunden konnten 20-30% des applizierten Vecuroniums im Urin nachgewiesen werden.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Leber-/Gallen-Insuffizienz
Eine Verlängerung der Wirkdauer wurde bei Patienten mit Krankheiten der Leber und/oder der Galle beobachtet, vermutlich bedingt durch eine reduzierte Clearance.
Niereninsuffizienz
Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist die Wirkdauer verlängert. Dies ist vermutlich bedingt durch eine erhöhte Sensitivität auf Vecuronium und auf eine reduzierte Plasma-Clearance.
 

Präklinische Daten

Vecuroniumbromid hat kein genotoxisches Potenzial.
Studien an Ratten und Kaninchen haben keine embryotoxischen oder teratogene Wirkungen gezeigt. Da diese Studien jedoch mit sub-pharmakologischen Dosen durchgeführt werden mussten, ist die Relevanz dieser Daten für den Menschen ungewiss.
Toxizitätsstudien bei Ratten, Hunden und Katzen mit einfacher oder wiederholter Verabreichung haben keine speziellen Risiken für den Menschen gezeigt.
 

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten
Wie viele andere Arzneimittel ist auch Norcuron mit Thiopental und mit Thiopental-haltigen Lösungen nicht kompatibel.
Mit Ausnahme derjenigen Lösungen mit denen Norcuron kompatibel ist (s. unten), soll Norcuron nicht mit anderen Lösungen oder Arzneimitteln in derselben Spritze oder in demselben Beutel vermischt werden.
Wenn Norcuron mit demselben Infusionsgerät verabreicht wird wie andere Arzneimittel, muss darauf geachtet werden, dass dieses Gerät sorgfältig ausgespült wird (z.B. mit NaCI 0,9%). Dies gilt insbesondere, wenn Norcuron und Arzneimittel verabreicht werden, bei denen eine Inkompatibilität mit Norcuron gezeigt wurde oder bei denen eine Kompatibilität mit Norcuron nicht erwiesen wurde.
Kompatibilitäten
Wird Norcuron mit Aqua dest. zu Injektionszwecken rekonstituiert, ist die daraus resultierende Lösung mit den folgenden Infusionslösungen in Behältern aus Glas oder PVC mischbar. Die maximale Verdünnung beträgt 40 mg/l.
-0,9% Natriumchlorid-Lösung;
-5% Glucose-Lösung;
-Ringerlösung;
-Ringer-Glucose.
Die mit Aqua dest. rekonstituierte Lösung kann aber auch in den Schlauch einer schnell-laufenden Infusion folgender Lösungen injiziert werden:
-Dextran-40 5% in 0,9% Natriumchlorid-Lösung;
-Glucose 5% und 0,9% Natriumchlorid-Lösung;
-Haemaccel;
-Ringer-Lactat-Lösung;
-Ringer-Lactat-Lösung und 5% Glucose
Die laufende Infusion kann die folgenden Arzneimittel enthalten: Fentanyl, Droperidol, Nicomorphin HCI, Pancuroniumbromid.
Es wurden keine Kompatibilitätsstudien mit anderen Infusionslösungen durchgeführt.
Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP»bezeichneten Datum verwendet werden.
In rekonstituierter Lösung bleibt Norcuron chemisch und physikalisch für 24 Stunden bei Raumtemperatur und Tageslicht stabil. Falls eine sofortige Anwendung nicht möglich ist, ist der Anwender für die Haltbarkeit von Norcuron in rekonstituierter Lösung bei 2-8°C Lagerung während max. 24 Stunden verantwortlich, es sei denn, Norcuron wurde unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen aufbereitet. Zur Vermeidung bakterieller Kontaminationen wird empfohlen, die rekonstituierte Lösung sofort zu benutzen.
Besondere Lagerungshinweise
Das Arzneimittel muss vor Licht geschützt in der Faltschachtel (Originalpackung) bei Raumtemperatur (15-25°C) gelagert werden.
Hinweise für die Handhabung
Stechampullen zu 10 mg:
Durch Zugabe von 5 ml Aqua dest. für Injektionszwecke erhält man eine isotonische Lösung mit einem pH von 4, die 2 mg Vecuroniumbromid pro ml enthält (2 mg/ml).
Um Lösungen geringerer Konzentrationen herzustellen, kann Norcuron 10 mg mit Volumen bis zu 10 ml der folgenden Infusionsflüssigkeiten rekonstituiert werden:
5% Glucose Injektionslösung;
0,9% Natriumchlorid Injektionslösung;
Ringerlactat-Lösung;
Ringerlactat-Lösung und 5% Glucose;
5% Glucose und 0,9% Natriumchlorid Injektionslösung.
 

Zulassungsnummer

45190 (Swissmedic)
 

Packungen

Stechampullen zu 10 mg: 10 (B)
 

Zulassungsinhaberin

 MSD MERCK SHARP & DOHME AG
  Luzern
 

Stand der Information

Mai 2013
RA 8720 CH S5 (ref 4.0)

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