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Fachinformation zu Suprane®:Baxter AG
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Zusammensetzung

Wirkstoff: Desfluran (1, 2, 2, 2-Tetrafluoroethyl-Difluoromethyl-Ether)
Hilfsstoffe: keine

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Flüssigkeit zur Herstellung eines Dampfes zur Inhalation
351,6 g (240 ml) Desfluran pro Flasche

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Einleitung und Erhaltung von Anästhesien für ambulant oder stationär ausgeführte chirurgische Eingriffe bei Erwachsenen jeden Alters.
Bei Kindern nur zur Erhaltung der Anästhesie, wegen des erhöhten Risikos von Husten und Laryngospasmen bei Anästhesieeinleitung.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung der Allgemeinanästhesie muss auf die Reaktion und den Zustand des Patienten individuell angepasst werden.
Desfluran darf nur mit Hilfe eines speziell für Desfluran entwickelten Verdampfungsgerätes verwendet werden.
Zur Prämedikation können die üblicherweise zur Anästhesieeinleitung verwendeten Medikamente entsprechend den Bedürfnissen der Patienten gewählt werden. Zur Reduktion verstärkter Speichelproduktion sind Anticholinergika geeignet.
Die Inhalation kann sowohl in Kombination mit Sauerstoff als auch mit einem Lachgas/Sauerstoff-Gemisch erfolgen.
Die minimale alveoläre Konzentration (MAC) ist abhängig von derjenigen Konzentration, bei welcher 50% der Patienten sich bei einer bestimmten chirurgischen Stimulation (Hautinzision) bewegen. Diese Konzentration ist altersabhängig und umso niedriger, je älter der Patient ist und kann mit Hilfe der folgenden Tabelle ermittelt werden:

MAC

Alter

N*

100% O2

N*

60% N2O/ 40% O2

2 Wochen

6

9,2 ± 0,0

-

-

10 Wochen

5

9,4 ± 0,4

-

-

9 Monate

4

10,0 ± 0,7

5

7,5 ± 0,8

2 Jahre

3

9,1 ± 0,6

-

-

3 Jahre

-

-

5

6,4 ± 0,4

4 Jahre

4

8,6 ± 0,6

-

-

7 Jahre

5

8,1 ± 0,6

-

-

25 Jahre

4

7,3 ± 0,0

4

4,0 ± 0,3

45 Jahre

4

6,0 ± 0,3

6

2,8 ± 0,6

70 Jahre

6

5,2 ± 0,6

6

1,7

* N= Anzahl der Crossover-Paare (unter Anwendung der Up-and-Down-Methode)
Anästhesieeinleitung bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen wird eine Anfangskonzentration von 3 % empfohlen, die alle 2 bis 3 Atemzüge um 0,5 - 1,0 % erhöht wird. Eine für chirurgische Zwecke ausreichende Anästhesie wird mit 4-11% Desfluran im inhalierten Gasgemisch innerhalb von 2-4 Minuten erreicht. In klinischen Versuchen wurden Konzentrationen bis zu 15% verwendet. Da Desfluran-Konzentrationen in dieser Höhe die Sauerstoff-Konzentration proportional verdünnen, muss die Anfangs-Sauerstoffkonzentration 30 % oder mehr betragen.
Während der Anästhesieeinleitung bei Erwachsenen betrug die Gesamtinzidenz der Oxyhämoglobin-Entsättigung 6 % (SpO2 < 90 %). Hohe Desfluran-Konzentrationen können unerwünschte Wirkungen in den oberen Atemwegen hervorrufen. Nachdem bei einem Erwachsenen die Narkose unter Anwendung intravenös verabreichter Arzneimittel wie etwa Thiopental oder Propofol eingeleitet wurde, kann die Applikation von Desfluran mit einem MAC-Wert von ca. 0,5 - 1 beginnen. Dabei eignen sich sowohl O2 als auch N2O/O2 als Trägergas.
Anästhesieerhaltung bei Erwachsenen
Eine ausreichende Anästhesietiefe kann mit Konzentrationen von 2-6% Desfluran aufrechterhalten werden, wenn gleichzeitig Lachgas verwendet wird. Bei Mischung mit reinem Sauerstoff oder einem Sauerstoff-Luft-Gemisch ist Desfluran in Konzentrationen von 2,5-8,5% erforderlich.
Anästhesieeinleitung bei Kindern
Desfluran ist wegen häufigen Husten, Anhalten des Atems, Apnoe, Laryngospasmen und verstärkter Sekretion nicht geeignet für die Anästhesieeinleitung bei Kindern.
Anästhesieerhaltung bei Kindern
Desfluran ist zugelassen zur Anästhesieerhaltung bei Kleinkindern und Kindern nach Einleitung der Anästhesie mit anderen Anästhetika und Intubation. Die für chirurgische Eingriffe ausreichende Anästhesietiefe kann bei Kindern mit endtidalen Konzentrationen von 5,2 - 10 % Desfluran - mit oder ohne gleichzeitigem Einsatz von Lachgas - aufrechterhalten werden. Es wurden zwar kurzzeitig endtidale Konzentrationen von bis zu 18 % Desfluran verabreicht, doch muss bei höheren Konzentrationen in Kombination mit Lachgas sichergestellt werden, dass das eingeatmete Gasgemisch mindestens 25 % Sauerstoff enthält (siehe unter „Warnhinweise und Vorsichtmassnahmen“).
Dosierung bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion
Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- und/oder Leberfunktion soll die Desflurankonzentration im Hinblick auf die hämodynamischen Wirkungen reduziert werden.
Werden höhere Desflurankonzentrationen in Kombination mit Lachgas verwendet, muss zur Vermeidung von Hypoxien der Gehalt an Sauerstoff mindestens 25% betragen. Desflurankonzentrationen über 17% sind daher nicht zu verwenden.
Dank der geringen Löslichkeit in Blut und Gewebe sind Anästhesien mit Desfluran gut steuerbar. Die Anästhesietiefe kann laufend den chirurgisch bedingten Erfordernissen angepasst werden.
Desfluran kann mit allen Medikamenten kombiniert werden, die üblicherweise während einer Anästhesie verwendet werden.
Desfluran verstärkt seinerseits die Wirkung von Muskelrelaxantien. Somit kann besonders gegen Ende einer Operation die Zufuhr von Muskelrelaxantien reduziert werden (siehe unter «Interaktionen»).
Bei der kombinierten Anwendung von Desfluran mit Benzodiazepinen, Opiaten oder anderen sedierenden Medikamenten ist die Dosierung von Desfluran zu reduzieren (siehe unter «Interaktionen»). Die Aufwachphase kann durch diese sedierenden Medikamente verlängert sein. Ebenso reduziert die gleichzeitige Anwendung von Lachgas die benötigte Menge Desfluran (siehe Tabelle).

Kontraindikationen

-Patienten, bei denen eine Totalanästhesie nicht gemacht werden darf.
-Bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Desfluran oder halogenierten Kohlenwasserstoffverbindungen, ist Desfluran kontraindiziert.
-Desfluran kann eine maligne Hyperthermie auslösen (siehe unter „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“). Daher darf Desfluran bei Patienten mit Prädisposition zu maligner Hyperthermie nicht eingesetzt werden. Zur Behandlung einer malignen Hyperthermie wird neben Sofortmassnahmen die intravenöse Anwendung von Dantrolen empfohlen.
-Bei Patienten mit Risiko zu koronarer Herzkrankheit oder bei Patienten bei denen ein Anstieg von Herzfrequenz oder Blutdruck nicht wünschenswert ist, soll Desfluran nicht zur Narkoseeinleitung verwendet werden.
-Desfluran soll nicht eingesetzt werden bei Patienten, in deren Vorgeschichte es nach einer Inhalationsnarkose mit halogenierten Anästhetika zu einer bestätigten Hepatitis oder zu unerklärten, moderaten bis starken Leberfunktionsstörungen (z.B. Ikterus assoziiert mit Fieber und/oder Eosinophilie) gekommen ist.
-Desfluran ist nicht zur Anästhesieeinleitung bei Kindern geeignet, da es unter Desfluran gehäuft zu Husten, Anhalten des Atems, Apnoe, Laryngospasmus und verstärkter Sekretion kommen kann.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Anästhesien mit Desfluran sollen nur durch ausgebildetes Anästhesiepersonal ausgeführt werden, und ein speziell für Desfluran bestimmtes Verdampfungsgerät ist zu verwenden (siehe auch unter „Unerwünschte Wirkungen“: Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen).
Ausrüstungen zum Freihalten der Atemwege, zur künstlichen Beatmung, zur Sauerstoffapplikation und zur Reanimation müssen sofort verfügbar sein.
Blutdrucksenkung und Atemdepression verstärken sich mit zunehmender Narkosetiefe.
Maligne Hyperthermie
Bei empfindlichen Personen können Inhalationsanästhetika wie Suprane einen hypermetabolischen Zustand der Skelettmuskulatur auslösen, der zu dem bekannten klinischen Syndrom der malignen Hyperthermie und einem erhöhten Sauerstoffbedarf führt. Suprane (Desfluran) kann möglicherweise eine maligne Hyperthermie auslösen. Das klinische Syndrom manifestiert sich durch Hyperkapnie und kann mit Muskelsteife, Tachykardie, Tachypnoe, Zyanose, Arrhythmien und/oder Blutdruckschwankungen einhergehen. Manche dieser unspezifischen Beschwerden können bereits bei leichter Narkose auftreten: akute Hypoxie, Hyperkapnie und Hypovolämie. Die Behandlung umfasst das sofortige Absetzen von Suprane bzw. des auslösenden Mittels, die intravenöse Gabe von Dantrolen-Natrium sowie das Ergreifen symptomatischer Massnahmen. Da ein Nierenversagen zeitverzögert auftreten kann, ist die Harnproduktion zu überwachen und gegebenenfalls zu unterstützen. Suprane darf bei Patienten mit einer Prädisposition zu maligner Hyperthermie nicht eingesetzt werden (siehe unter “Kontraindikationen”). Es gibt Berichte über maligne Hyperthermie mit tödlichem Ausgang unter Desfluran.
Perioperative Hyperkaliämie
Die Anwendung von Inhalationsanästhetika, einschliesslich Desfluran, führte bei Patienten vereinzelt zu einer Erhöhung des Serum-Kaliumspiegels und in der Folge zu Herzrhythmusstörungen in der postoperativen Phase, manchmal mit letalem Verlauf. Patienten mit latenter oder manifester Muskeldystrophie, insbesondere vom Typ Duchenne, scheinen am anfälligsten zu sein. Die meisten, aber nicht alle diese Fälle wurden mit der gleichzeitigen Gabe von Succinylcholin in Verbindung gebracht. Bei diesen Patienten kam es auch zu einem signifikanten Anstieg des Serum-Kreatininkinasespiegels und in einigen Fällen zu Veränderungen im Urin, die denen einer Myoglobinurie entsprechen.
Trotz der Ähnlichkeit mit einer malignen Hyperthermie zeigten sich bei keinem Patienten Anzeichen oder Symptome einer Muskelrigidität oder eines erhöhten Gesamtstoffwechsels. Eine frühzeitige und aggressive Behandlung der Hyperkaliämie sowie der persistierenden Arrhythmien wird empfohlen, ebenso wie die anschliessende Abklärung einer latenten neuromuskulären Erkrankung.
Pädiatrische Neurotoxizität
In veröffentlichten tierexperimentellen Studien führt die mehr als dreistündige Verabreichung von Anästhetika und Sedativa, die die NMDA-Rezeptoren blockieren und/oder die Aktivität von GABA verstärken, nachweislich zu einer gesteigerten neuronalen Apoptose im sich entwickelnden Gehirn und zu kognitiven Langzeitdefiziten. Die klinische Bedeutung dieses Befunds ist unklar. Gestützt auf artenübergreifende Vergleiche geht man allerdings davon aus, dass das vulnerable Zeitfenster für diese Veränderungen mit Expositionen im dritten Trimenon und über die ersten Lebensmonate hinweg korreliert, sich jedoch beim Menschen auch etwa bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres erstrecken kann (siehe unter «Schwangerschaft/Stillzeit” und “Präklinische Daten”).
Anästhesieerhaltung bei Kindern
Aufgrund der limitiert verfügbaren Daten bei nicht-intubierten pädiatrischen Patienten ist Desfluran bei diesen Patienten nicht für die Anästhesieerhaltung zugelassen.
Bei Kindern mit Asthma oder einer kurz zurückliegenden Atemwegsinfektion sollte Desfluran mit Vorsicht angewendet werden, da die Möglichkeit verengter Atemwege und von erhöhtem Atemwegswiderstand besteht.
Vorsicht ist geboten bei der Anwendung von Desfluran besonders bei Kindern von bis zu 6 Jahren zur Anästhesieerhaltung mit einer Larynxmaske (LMA) oder einer Gesichtsmaske, da hier ein erhöhtes Risiko für Atemstörungen besteht, z. B. Husten und Laryngospasmus, vor allem wenn die LMA während der tiefen Anästhesie abgenommen wird.
Postoperative Aufregung bei Kindern
Das Aufwachen aus der Narkose kann bei Kindern zu einem kurzen Zustand der Aufregung führen, welcher die Kooperationsbereitschaft beeinträchtigen könnte.
Geburtshilfe
Da nur begrenzte Erfahrungen im Bereich der Geburtshilfe vorliegen, kann Desfluran bei derartigen Operationen nicht empfohlen werden (siehe unter «Schwangerschaft/Stillzeit»).
Verlängerung des QTc-Intervalles
Desfluran verlängert signifikant das QTc-Intervall. Sehr selten wurde über Torsades de pointes berichtet (siehe unter «Unerwünschte Wirkungen»). Suprane sollte mit Vorsicht verwendet werden bei entsprechend prädisponierten Patienten, z.B. solchen mit kongenitalem langem QTc-Syndrom oder bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die für eine Verlängerung des QTc-Intervalles bekannt sind.
Es liegen Meldungen über Fälle vor, bei denen es durch halogenierte Anästhetika zu Leberfunktionsstörungen, Gelbsucht und fataler Lebernekrose kam. Derartige Reaktionen deuten auf eine Überempfindlichkeit hin. Desfluran kann bei Patienten, die durch vorangegangene Narkosen gegen halogenierte Anästhetika sensibilisiert wurden, eine Sensibilisierungshepatitis auslösen. Zirrhose, Virushepatitis oder andere bereits bestehende Lebererkrankungen können dafür ausschlaggebend sein, dass ein anderes Anästhetikum einem halogenierten Produkt vorgezogen wird.
Desfluran kann zu einer Liquorzunahme und einem Anstieg des intrakraniellen Druckes bei Patienten mit raumfordernden Hirnläsionen führen. Bei diesen Patienten sollte Desfluran mit einer MAC von 0,8 oder weniger verabreicht werden. Zusätzlich sollten während der Narkoseeinleitung Barbiturate verwendet werden. Bis zur kranialen Dekompression sollte im Hyperventilations-Modus (Hypokapnie) gearbeitet werden. Besondere Aufmerksamkeit muss der Aufrechterhaltung des zerebralen Perfusionsdruckes gegeben werden.
Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist die Aufrechterhaltung der normalen Blutdruckverhältnisse erforderlich, um eine Myokardischämie zu vermeiden. Deutliche Steigerungen der Pulsfrequenz, des durchschnittlichen Arteriendrucks und der Epinephrin- und Norepinephrinspiegel stehen mit einer schnellen Zunahme der Desfluran-Konzentration in Zusammenhang. Bei Patienten mit Risiko zu koronarer Herzkrankheit oder bei Patienten, bei denen ein Anstieg von Herzfrequenz oder Blutdruck nicht wünschenswert ist, soll Desfluran nicht als alleiniger Wirkstoff zur Narkoseeinleitung verwendet werden. Das Anästhetikum sollte in Kombination mit anderen Arzneimitteln verabreicht werden, bevorzugt mit intravenös verabreichten Opioiden und Hypnotika.
Desfluran sollte nicht angewendet werden bei Patienten mit einer Neigung zu Bronchokonstriktion, da es bei solchen Patienten zu Bronchospasmen kommen kann.
Die Anwendung von Desfluran bei hypovolämischen, hypotensiven oder geschwächten Patienten ist nicht eingehend untersucht worden. Für diese Patienten wird eine niedrigere Konzentration empfohlen.
Kommt es während der Anästhesieerhaltung nach rascher inkrementeller Erhöhung der endtitalen Desfluran-Konzentration zu einem Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks, ist dies nicht unbedingt auf eine unzureichende Anästhesie zurückzuführen. Veränderungen, die auf eine Sympathikus-Aktivierung zurückzuführen sind, klingen nach ca. 4 Minuten ab. Ein Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks ohne eine bzw. vor einer raschen Erhöhung der Desfluran-Konzentration kann als leichte Anästhesie interpretiert werden.
Während der Anästhesieerhaltung müssen im Rahmen der Beurteilung der Anästhesietiefe Blutdruck und Puls sorgfältig überwacht werden.
Wird Suprane in Rückatmungssystemen mit Kohlendioxidabsorbern verwendet, kann es in Ausnahmesituationen durch Interaktion mit trockenem Kohlendioxid-Absorber zur Bildung von Kohlenmonoxid kommen. Das entstehende Carboxihaemoglobin und die verminderte Sauerstofftransportkapazität des Blutes wird durch das Routinemonitoring wie z.B. die Pulsoximetrie nicht erkannt.
Um das Risiko einer Kohlenmonoxid-Bildung im Rückatmungssystem möglichst gering zu halten, sollen nur feuchte Kohlendioxid-Absorber gebraucht werden.
Um dessen Austrocknung zu vermeiden, soll der Absorberkalk nach Gebrauch des Narkoseapparats nicht langdauernd zur «Spülung» einem hohen Fluss von O2 oder von Pressluft ausgesetzt werden. Stattdessen kann Raumluft verwendet werden.
In seltenen Fällen wurde bei der Anwendung von Anästhetika dieser Klasse (halogenierte Anästhetika) in Verbindung mit ausgetrocknetem CO2-Absorptionsmittel (besonders bei Kaliumhydroxid-haltigen wie z.B. Baralyme®) über extreme Hitzeentwicklung, Rauchentwicklung und/oder Spontanentzündung in der Anästhesieapparatur berichtet. Wenn vermutet wird, dass das CO2-Absorptionsmittel ausgetrocknet ist, muss es ersetzt werden, bevor Desfluran angewendet wird.
Der Farbindikator der meisten CO2-Absorber muss sich nicht notwendigerweise infolge einer Austrocknung verändern. Das Ausbleiben einer signifikanten Farbveränderung darf deshalb nicht als Gewährleistung einer ausreichenden Hydratation des CO2-Absorptionsmittels angesehen werden. CO2-Absorber sollten, unabhängig vom Zustand des Farbindikators, regelmässig ausgetauscht werden.
Bei Anwendung von Desfluran ist, wie bei anderen schnell wirksamen Anästhetika, ein rasches Aufwachen des Patienten möglich. Dies ist zu berücksichtigen, wenn postanästhetische Schmerzen zu erwarten sind. Deshalb sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dem Patienten gegen Ende des Eingriffs bzw. kurz nach Verlegung in die Aufwachstation ein geeignetes Analgetikum verabreicht wird.
Um eine endgültige Empfehlung für wiederholte Anwendung von Desfluran zu geben, liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Eine mehrmalige Anwendung innerhalb kurzer Zeit sollte mit Vorsicht erfolgen.

Interaktionen

Bei der Anwendung von Desfluran in Zusammenhang mit der Verwendung von Thiopental ist wegen der kumulativen Wirkung Vorsicht geboten.
Bei zusätzlicher Verabreichung von Fentanyl sollte eine Dosis von 6 µg/kg KG nicht überschritten werden (vgl. auch Tabelle 2, unten).
Bei gleichzeitiger Anwendung von Opiaten, Benzodiazepinen oder anderen Sedativa werden geringere Dosen von Desfluran benötigt.
Der gleichzeitige Einsatz von Lachgas mindert die minimale alveoläre Konzentration (MAC) von Desfluran (siehe unter «Dosierung/Anwendung»).
Da Opiate eine Unterdrückung der Spontanatmung verursachen können, sollten bei gleichzeitiger Anwendung von Desfluran entsprechende Vorsichtsmassnahmen getroffen werden.
Nicht-depolarisierende und depolarisierende Muskelrelaxantien
Desfluran verstärkt die Wirkung von Muskelrelaxantien. Im Vergleich zu einer Narkose mit N2O/Opioiden senken narkosefähige Konzentrationen von Desfluran in der Erhaltungsphase den ED95-Wert von Suxamethonium um ca. 30 % und den von Atracurium und Pancuronium um etwa 50 %. Die erforderlichen Dosen von Pancuronium, Atracurium, Suxamethonium und Vecuronium für eine 95%ige (ED95) Herabsetzung der neuromuskulären Transmission bei verschiedenen Desfluran-Konzentrationen sind in Tabelle 1 dargestellt. Die ED95 von Vecuronium ist bei Desfluran 14 % niedriger als bei Isofluran. Zudem dauert die Erholung von der neuromuskulären Blockade mit Desfluran länger als mit Isofluran.
Für andere Muskelrelaxantien sind entsprechende Dosisanpassungen vorzunehmen. Zur exakten Dosierung ist eine Relaxometrie zu empfehlen.
Tabelle 1: Dosierung (mg/kg) von Muskelrelaxantien zur 95%igen Herabsetzung der neuromuskulären Transmission

Desflurankonzentration

Pancuronium

Atracurium

Suxamethonium

Vecuronium

0,65 MAC/60% N2O/O2

0,026

0,133

keine Daten

keine Daten

1,25 MAC/60% N2O/O2

0,018

0,119

keine Daten

keine Daten

1,25 MAC/O2

0,022

0,120

0,360

0,019

Prämedikation
Im Rahmen der klinischen Studien wurden keine klinisch signifikanten
Wechselwirkungen mit allgemein gebräuchlichen präanästhetisch verabreichten
Arzneimitteln oder Arzneimitteln, die während der Narkose verabreicht werden (intravenös applizierte Wirkstoffe und Lokalanästhetika) beobachtet. Die Wirkung von Desfluran auf die Disposition anderer Arzneimittel wurde nicht untersucht.
Opiate und Benzodiazepine
Patienten unter Narkose mit verschiedenen Konzentrationen Desfluran, die ansteigende Dosen von Fentanyl erhielten, zeigten eine ausgeprägte Reduzierung des zur Narkose erforderlichen Bedarfs bzw. MAC von Desfluran.
Die intravenöse Anwendung ansteigender Dosen von Midazolam bewirkte eine geringe MAC-Reduzierung. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 dargestellt. Es ist anzunehmen, dass andere Opiate und Sedativa den MAC-Wert ähnlich beeinflussen.
Tabelle 2: Desfluran 0,6-0,8 MAC/O2

 

*MAC (%)

% MAC Reduktion

ohne Fentanyl

6,33 - 6,35

-

Fentanyl (3 µg/kg)

3,12 - 3,46

46 - 51

Fentanyl (6 µg/kg)

2,25 - 2,97

53 - 64

ohne Midazolam

5,85 - 6,86

-

Midazolam (25 µg/kg)

4,93

15,7

Midazolam (50 µg/kg)

4,88

16,6

* Altersbereich: 18 - 65 Jahre

Schwangerschaft, Stillzeit

Aufgrund der beschränkten Anzahl von untersuchten Patienten wurde die Sicherheit von Desfluran nicht für den Einsatz in der Geburtshilfe etabliert.
Desfluran hat eine relaxierende Wirkung auf den Uterus und verringert den Blutfluss zwischen Uterus und Plazenta, was das potentielle Risiko für Uterusblutungen erhöht.
Es gibt keine hinreichenden Daten zur Anwendung von Desfluran bei schwangeren oder stillenden Frauen. In tierexperimentellen Studien an trächtigen Ratten und Kaninchen fand sich eine Reproduktionstoxizität (siehe unter «Präklinische Daten»). Weiterhin haben publizierte tierexperimentelle Studien gezeigt, dass die mehr als dreistündige Verabreichung von Anästhetika und Sedativa zu Neurotoxizität im sich entwickelnden Gehirn der Nachkommen führen kann (siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Desfluran darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich. Insbesondere ist seine Anwendung im 1. Trimenon zu vermeiden.
Es sind keine Informationen vorhanden bezüglich der Ausscheidung von Desfluran in die Muttermilch. Bei Stillenden soll Desfluran nicht angewandt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Obwohl das Wiedererlangen des Bewusstseins nach einer Suprane-Verabreichung in der Regel sehr rasch eintritt, sollten ambulante Patienten bis 24 Stunden nach der Anästhesie auf das Lenken eines Fahrzeuges und das Bedienen von Maschinen verzichten.

Unerwünschte Wirkungen

Wie alle Inhalationsanästhetika, kann Desfluran dosisabhängig zu einer Erniedrigung des Blutdrucks führen. Eine dosisabhängige Atemdepression wurde ebenfalls beobachtet. Andere dosisabhängige unerwünschte Wirkungen sind Zunahme der Hirndurchblutung mit nachfolgendem Anstieg des Hirndrucks und Myocardischämie. Bei der Narkose-Einleitung mit Desfluran wurde über respiratorische Funktionsstörungen (Husten, Atemanhalten, Bronchospasmus) und einen vorübergehenden Anstieg der Herzfrequenz sowie des Blutdrucks berichtet.
Die meisten unerwünschten Wirkungen sind nicht schwerwiegend und vorübergehend. Übelkeit und/oder Erbrechen wurden häufig in der postoperativen Phase beobachtet und sind bekannte Folgeerscheinungen nach Operationen in Allgemeinnarkose. Diese können nicht nur durch Inhalationsanästhetika, sondern auch durch intraoperativ oder postoperativ verabreichte Substanzen oder auch durch die individuelle Reaktion des Patienten auf das operative Verfahren selbst verursacht werden.
Infektionen und parasitäre Erkrankungen
Häufig: Pharyngitis
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Häufig: Vorübergehende Leukozytose
Psychiatrische Erkrankungen
Häufig: Anhalten des Atems
Gelegentlich: Unruhe
Erkrankungen des Nervensystems
Häufig: Kopfschmerzen, Zunahme der Hirndurchblutung mit nachfolgendem Anstieg des Hirndrucks
Gelegentlich: Benommenheit
Augenerkrankungen
Häufig: Konjunktivitis
Herzerkrankungen
Häufig: Herzrhythmusstörungen (Tachykardie, Bradykardie),
nodale Arrhythmie, Hypertonie, abnormales EKG
Gelegentlich: Myocardischämie, Myokardinfarkt, Arrhythmie
Gefässerkrankungen
Häufig: Abfall, Anstieg des Blutdrucks
Gelegentlich: Vasodilatation
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Sehr häufig: Apnoe (15%), Atemanhalten (30%), Husten (34%)
Häufig: Dämpfung der Spontanatmung, Abnahme der Sauerstoffsättigung, Laryngo- und Bronchospasmus, erhöhter Speichelfluss (besonders bei Kindern)
Gelegentlich: Hypoxie
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Sehr häufig: Übelkeit (19,7%), Erbrechen (10,6%)
Häufig: Übermässige Speichelsekretion
Erkrankungen der Leber und Gallenblase
Sehr selten: Immunvermittelte Hepatitis
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Häufig: Erhöhte Kreatininphosphatkinase
Gelegentlich: Myalgie
Allgemeine Erkrankungen
Sehr selten: Maligne Hyperthermie
Zusätzlich zu den in klinischen Studien beobachteten unerwünschten Wirkungen wurde über die folgenden Ereignisse während der Post-Marketing-Phase berichtet.
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Koagulopathie
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Hyperkaliämie, Hypokaliämie, metabolische Acidose
Erkrankungen des Nervensystems
Konvulsionen
Augenerkrankungen
Okulärer Ikterus
Herzerkrankungen
Herzstillstand, Torsade-de-pointes-Tachykardie, Ventrikelversagen, ventrikuläre Hypokinesie, Vorhofflimmern, Veränderung der ST-T-Strecke und Inversion der T-Welle, Verlängerung QTc-Intervall (siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Gefässerkrankungen
Maligne Hypertonie, Hämorrhagie, Hypotonie, Schock
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Atemstillstand, respiratorische Insuffizienz, Atemnot, Hömoptyse, Bronchospasmus
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Akute Pankreatitis, Bauchschmerzen
Erkrankungen der Leber und der Gallenblase
Leberversagen, Lebernekrose, Hepatitis, zytolytische Hepatitis, Cholestase, Ikterus, anormale Leberfunktion, Lebererkrankungen, Werte von Alanin- (GPT) und Aspartat-Aminotransferase (GOT), Anstieg der Transaminase, Bilirubin im Blut erhöht, erhöhte Ammoniak-Werte, abnormaler Blutgerinnungstest,
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Urtikaria, Erythem
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Rhabdomyolyse
Allgemeine Erkrankungen
Maligne Hyperthermie, Asthenie, Malaise
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
Postoperative Unruhe, Benommenheit*, Migräne*, Tachyarrhythmie*, Herzklopfen*, Augenbrennen*, ulcerative Keratitis*, vorübergehende Blindheit*, Enzephalopathie*, okuläre Hyperämie*, verringerte Sehschärfe*, Augenreizung*, Augenschmerzen*, Müdigkeit*, brennendes Gefühl auf der Haut*
*Bei den aufgeführten UAW handelt es sich um versehentliche Expositionen beim Anästhesiepersonal.

Überdosierung

Mögliche Symptome einer Überdosierung von Desfluran sind eine Vertiefung der Narkose, kardiale und/oder respiratorische Depression bei spontan atmenden Patienten sowie kardiale Depression bei beatmeten Patienten, bei denen es lediglich bei längerem Fortbestehen der Überdosierung zu Hyperkapnie und Hypoxie kommen kann.
Bei Verdacht auf Überdosierung sollte die Zufuhr von Desfluran abgebrochen und mit reinem Sauerstoff beatmet und, falls notwendig, Herz, Kreislauf- und Atemfunktion unterstützt werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N01AB07
Desfluran ist eine klare, farblose Flüssigkeit mit einem stechenden Geruch und einem Siedepunkt von 22,8 °C. Der Dampfdruck beträgt bei 20 °C 680,9 mm Hg. In Konzentrationen wie sie für die Anästhesie verwendet werden, ist Desfluran weder brennbar noch explosiv. Desfluran ist chemisch stabil, reagiert nicht mit in Anästhesiegeräten verwendetem rostfreiem Stahl und die Löslichkeit in Kunststoff und Gummi ist unbedeutend.
Desfluran ist ein Inhalationsanästhetikum aus der Gruppe der halogenierten Ether.
Desfluran führt dosisabhängig zu Bewusstseinsverlust, Anästhesie, Suppression der willkürlichen Muskelaktivität, Reduktion der autonomen Reflexe sowie zu Herz-/Kreislauf- und Atemdepression.
Im Tierversuch sensibilisiert es kaum das Myokard auf Katecholamine und kann deswegen in der Anwesenheit von kleinen Mengen Adrenalin (Vasokonstriktor in Lokalanästhetika) verwendet werden.
Bedingt durch die geringe Löslichkeit in Blut und Gewebe tritt die Wirkung von Desfluran schnell (2-4 Minuten) ein und klingt sehr rasch ab. 10-15 Minuten nach Absetzen von Desfluran sind die Patienten wieder ansprechbar.

Pharmakokinetik

Desfluran wird praktisch vollständig in unveränderter Form über die Lungen ausgeschieden. Nur 0,02% des aufgenommenen Anteils wird metabolisiert. Nach Inhalation von Desfluran ist der Blutgehalt und die Urinausscheidung von Fluoridionen nicht signifikant erhöht.

Präklinische Daten

Toxikologische Eigenschaften
Präklinische Daten zur akuten und subchronischen Toxizität von Desfluran zeigen, dass es konzentrationsabhängig eine vorhersehbare und kontrollierbare Depression von Atmung und Kreislaufsystem auslöst. Eine gezielte Organtoxizität entwickelte Desfluran hierbei nicht.
Reproduktionstoxikologie
Embryotoxizitätsstudien, bei denen Ratten und Kaninchen 1 MAC Desfluran während der Organogenese verabreicht wurde, zeigten embryotoxische Wirkungen nach einer Expositionsdauer von 4 MAC-Stunden pro Tag. An Ratten wurden Auswirkungen auf Zyklus, Fertilität, Trächtigkeit, Geburt, Laktation und die Peri-Postnatalentwicklung der Nachkommen untersucht. Bei einer Exposition der Muttertiere mit 4 MAC-Stunden wurden bei Neugeborenen geringere Geburtsgewichte und eine verminderte Gewichtszunahme während der Säugeperiode beobachtet. Die Fertilität von männlichen und weiblichen Ratten wurde bei dieser Dosis vermindert. Die reproduktionstoxikologischen Effekte waren auf Dosisgruppen beschränkt, bei denen auch andere toxische Wirkungen auf die Elterntiere auftraten.
Veröffentlichte fetale Rhesus-Makaken-Studien zeigten, dass die Verabreichung von Anästhetika (Isofluran) und von Medikamenten zur Sedierung (Propofol, Ketamin), welche die NMDA-Rezeptoren blockieren und/oder die GABA-Aktivität verstärken, neuronale und oligodendrozytische Apoptose im sich entwickelnden Gehirn der Nachkommen erhöhen. Die klinische Bedeutung dieser nichtklinischen Befunde ist unklar. Studien in juvenilen Tieren lassen vermuten, dass Neuroapoptose mit langfristigen kognitiven Defiziten korreliert.
Mutagenität
Eine ausführliche Prüfung mit In-vivo- und In-vitro-Untersuchungen ergab für Desfluran keine Hinweise auf mutagene Eigenschaften.
Kanzerogenität
Langzeituntersuchungen zur kanzerogenen Wirkung von Desfluran wurden nicht durchgeführt.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Suprane darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Flaschen stehend und gut verschlossen bei Raumtemperatur (15 – 25 °C) lagern.
Für Kinder unzugänglich aufbewahren.
Hinweise für die Handhabung
Suprane darf nur mit einem für Desfluran vorgesehenen Verdampfer angewendet werden.
Bei der Verwendung von Absorberkalk mit geringem Feuchtigkeitsgehalt kann es in Gegenwart von Suprane zur CO-Bildung kommen (siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Zulassungsnummer

52'611 (Swissmedic)

Packungen

Packung: 6 Flaschen zu 240 ml. (B)

Zulassungsinhaberin

Baxter AG, CH-8604 Volketswil

Stand der Information

März 2018

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