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Fachinformation zu Clindamycin Zentiva®:Helvepharm AG
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Zusammensetzung

Wirkstoffe
Clindamycinum ut Clindamycini hydrochloridum.
Hilfsstoffe
Lactosum monohydricum 214,08 mg (150 mg) resp. 283.24 mg (300 mg), maydis amylum, talcum, magnesii stearas.
Hartkapselmaterial:
Gelatina, titanii dioxidum (E171), lacca, ferri oxidum nigrum (E172), propylenglycolum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung von Infektionen mit gegenüber Clindamycin empfindlichen anaeroben Bakterien und grampositiven aeroben Bakterien, insbesondere Bacteroides-Arten, mikroaerophilen Streptokokken, Staphylokokken und Pneumokokken:
·Infektionen des oberen Respirationstrakts wie Tonsillitis, Pharyngitis, Sinusitis, Otitis media und Scharlach.
·Infektionen des unteren Respirationstrakts wie Bronchitis, Pneumonie.
·Haut- und Weichteilinfektionen wie Akne, Furunkel, Zellulitis, Impetigo, Abszesse und Wundinfektionen. Spezifische Haut- und Weichteilinfektionen wie Erysipel und Paronychia (Panaritium) müssten ihrer Natur gemäss gut auf eine Clindamycin-Therapie ansprechen.
·In Kombination mit einem Antibiotikum mit gramnegativem, aerobem Spektrum: Infektionen des weiblichen Beckens und Genitaltraktes, wie Endometritis, Parametritis, Salpingitis, Tuboovarialabszesse (Pelvic Inflammatory Diseases PID), sowie postoperative Vaginalinfektionen.
·Septikämie und Endokarditis. Die Wirksamkeit von Clindamycin in der Behandlung ausgewählter Endokarditis-Fälle wurde dokumentiert, falls Clindamycin sich bei der In-vitro-Testung der adäquaten erreichbaren Serumkonzentrationen gegenüber dem Erreger als bakterizid erwies.
·Zahninfektionen wie Parodontalabszess und Periodontitis.
·Toxoplasmose-Enzephalitis bei Patienten mit AIDS. Bei Patienten, die die konventionelle Behandlung nicht vertragen, kann Clindamycin in Kombination mit Pyrimethamin zur Akuttherapie eingesetzt werden. Es liegen nur begrenzte Erfahrungen aus klinischen Studien vor.
·Pneumocystis jirovecii Pneumonie bei Patienten mit AIDS. Bei Unverträglichkeit gegenüber der herkömmlichen Therapie kann Clindamycin in Kombination mit Primaquin eingesetzt werden. Es liegen nur begrenzte Erfahrungen aus klinischen Studien vor.
Fortsetzung der oralen Behandlung von Knocheninfektionen wie Osteomyelitis nach parenteraler Behandlung mit Clindamycin.
Wie bei allen Antibiotika empfiehlt sich die Durchführung von invitro Sensibilitätsprüfungen.
Offizielle Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika sollen beachtet werden, insbesondere Anwendungsempfehlungen zur Verhinderung der Zunahme von Antibiotikaresistenzen.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung und Applikationsart sollen nach der Schwere der Infektion, dem Zustand des Patienten und der Empfindlichkeit des Erregers bestimmt werden.
Hartkapseln können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
Für Kinder, die Hartkapseln noch nicht ganz schlucken können, sind Clindamycin Zentiva Hartkapseln nicht geeignet.
Da mit den Hartkapseln keine genau berechnete Dosierung in mg/kg verabreicht werden kann, ist es in bestimmten Fällen erforderlich, Clindamycin in einer anderen galenischen Form zu verwenden.
Zur Verhinderung einer Oesophagitis sollen die Hartkapseln mit einem Glas Wasser eingenommen werden.

Grad der Infektion

Erwachsene
(mg/Tag)

Aufgeteilt in Dosen pro Tag

Mittelschwer

600-1200

3 oder 4

Schwer

600-1200

3 oder 4

Sehr schwer

1200-1800

3 oder 4

Dosierung bei akuter Streptokokken-Tonsillitis/Pharyngitis:
Bei Überempfindlichkeit auf Penicillin und Beta-Lactam-Antibiotika (Typ I Hypersensitivität) ist Clindamycin Zentiva als Therapiealternative bei Erwachsenen mit bestätigter bzw. vermuteter Streptokokken Pharyngitis in Betracht zu ziehen. Die Dosierung beträgt in diesem Fall 2x eine Hartkapsel Clindamycin Zentiva 300 mg während 10 Tagen. Bei beta-hämolysierenden Streptokokken-Infektionen sollte die Behandlung über mindestens 10 Tage fortgeführt werden.
Kombinationstherapien
Gynäkologische Infektionen (Pelvic Inflammatory Diseases PID)
Nach der Behandlung mit Clindamycin iv anderer Hersteller, weiterhin die Behandlung oral Clindamycin Zentiva 450 mg alle 6 Stunden bis zu einer Therapiedauer von total 10–14 Tagen weiterbehandelt.
Pneumocystis jirovecii Pneumonie bei Patienten mit AIDS
Kombinationstherapie Clindamycin mit Primaquin: Clindamycin Zentiva Kapseln 300–450 mg p.o. alle 6 Stunden über 21 Tage.
Primaquin: 15–30 mg p.o. 1x täglich über 21 Tage.
Toxoplasmose Enzephalitis bei Patienten mit AIDS
Kombinationstherapie Clindamycin mit Pyrimethamin: Clindamycin 600–1200 mg 4x täglich oral zwei Wochen lang, dann 300–600 mg 4x täglich.
Pyrimethamin: 25–75 mg 1x täglich. Bei höherer Dosierung von Pyrimethamin sollte 10–20 mg Folsäure täglich zusätzlich eingenommen werden.
Die Dauer der Therapie sollte insgesamt 8–10 Wochen betragen
Spezielle Dosierungsanweisung
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Bei schwerer Leberinsuffizienz (Child Pugh C) ist die Halbwertszeit von Clindamycin verlängert. Bei diesen Patienten sollen während einer hochdosierten Therapie die Clindamycin-Spiegel überwacht werden.
Bei leichter bis mässiger Leberinsuffizienz (Child Pugh A und B) ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Bei schwerer Niereninsuffizienz ist die Halbwertszeit von Clindamycin verlängert. Bei diesen Patienten sollen während einer hochdosierten Therapie die Clindamycin-Spiegel überwacht werden.
Bei leichter bis mässiger Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Ältere Patienten
Eine Dosisanpassung in Abhängigkeit vom Alter ist vermutlich nicht erforderlich.
Kinder und Jugendliche
Die Hartkapseln sind nicht geeignet für die Behandlung von Kindern.

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Clindamycin oder Lincomycin.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen, einschliesslich schwerer Hautreaktionen wie DRESS-Syndrom (drug rash with eosinophilia and systemic symptoms), Stevens-Johnson Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse (Lyell-Syndrom) und akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP) wurden bei Patienten, die eine Clindamycin Therapie erhielten, gemeldet. Bei Auftreten von Überempfindlichkeits-oder schweren Hautreaktionen soll Clindamycin abgesetzt und eine geeignete Therapie initiiert werden.
Clindamycin Zentiva sollte in der Behandlung der Meningitis nicht eingesetzt werden, da Clindamycin nicht in genügenden Mengen in die Zerebrospinalflüssigkeit diffundiert.
Wie bei nahezu allen antibakteriellen Wirkstoffen wurde auch unter Behandlung mit Clindamycin über das Auftreten einer pseudomembranösen Kolitis berichtet, welche auf Toxine von Clostridium difficile zurückgeführt wird. Die Behandlung mit antibakteriellen Wirkstoffen verändert die normale Dickdarmflora, was zum Überwuchern durch C. difficile führt.
Das klinische Spektrum der Clostridiumdifficile-assoziierten Diarrhoe (CDAD) reicht von einer leichten wässrigen Diarrhoe bis hin zu schweren, potentiell letal verlaufenden Fällen mit persistierender Diarrhoe (gelegentlich mit Blut- und Schleimabgängen einhergehend), schweren Bauchkrämpfen, Fieber und Leukozytose. Als Komplikationen können Peritonitis, toxisches Megakolon und Schock auftreten. Bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand muss mit einem schwereren Verlauf gerechnet werden.
Die Diagnose einer CDAD wird gewöhnlich anhand der klinischen Symptome gestellt. Sie kann durch endoskopischen Nachweis einer pseudomembranösen Kolitis und/oder durch den Nachweis von C. difficile in Stuhlkulturen auf selektiven Nährmedien bzw. den Nachweis von C.-difficile-Toxin(en) gesichert werden.
Tritt während der Behandlung mit Clindamycin eine persistierende Diarrhoe auf, muss das Präparat abgesetzt und eine geeignete Therapie eingeleitet werden. Ausser bei sehr leichtem Verlauf wird bei allen durch Antibiotika-Gebrauch ausgelösten Fällen eine Antibiotika-Behandlung empfohlen; geeignet ist eine Behandlung mit Metronidazol oder Vancomycin: Bei leichten/mittelschweren Fällen wird eine Initialbehandlung mit Metronidazol per os empfohlen. Bei Patienten mit schwerer C. difficile Infektion erfolgt die Behandlung geeigneter Weise mit Vancomycin (125 mg, 4x täglich während 10 Tagen, was auf 500 mg, 4x täglich erhöht werden kann). Im Falle einer schweren CDAD ist zudem eine adäquate Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Proteinsubstitution erforderlich. Die Vancomycin-Therapie führt im Allgemeinen zu einem raschen Verschwinden des Toxins aus den Stuhlproben und klinisch zu einem Nachlassen der Diarrhoe. In seltenen Fällen kam es nach Absetzen von Vancomycin zu einem Rezidiv der Kolitis.
C. difficile produziert die Toxine A und B, die zur Entstehung der CDAD beitragen. Hypertoxin produzierende Stämme von C. difficile bedingen eine erhöhte Morbidität und Mortalität, da diese Infektionen gegenüber der antimikrobiellen Therapie resistent sein können, was eine Kolektomie erforderlich machen kann.
Bei allen Patienten ist auch bei Auftreten einer Diarrhoe nach antibiotischer Behandlung eine CDAD in Betracht zu ziehen; CDAD-Fälle wurden noch mehr als zwei Monate nach einer Antibiotika-Therapie beschrieben.
Arzneimittel, die zu einer Hemmung der Darmperistaltik führen (z.B. Loperamid), sind bei Verdacht auf CDAD (d.h. bei jeder schweren Diarrhoe unter/nach Antibiotikatherapie) kontraindiziert.
Bei Vorliegen einer der folgenden Erkrankungen bzw. Risikosituationen sollte Clindamycin Zentiva mit Vorsicht angewendet werden: Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (insbesondere Kolitis), auch in der Anamnese; vorbestehende schwere Nieren- oder Lebererkrankungen; Störungen der neuromuskulären Übertragung (z.B. Myasthenia gravis, Parkinson-Syndrom); atopische Diathese; Asthma bronchiale.
Bei einer Therapiedauer von mehr als 10 Tagen sollten das Blutbild sowie die Leber- und Nierenfunktion überwacht werden.
Die Anwendung von Antibiotika kann zu übermässigem Wachstum unempfindlicher Keime und/oder Pilze führen. Beim Auftreten einer solchen Super-Infektion muss sofort eine spezifische Therapie eingeleitet werden.
Lactose
Clindamycin Zentiva Hartkapseln enthält Lactose. Patienten mit Galaktose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glukose-Galaktose-Malabsorption (seltene Erbkrankheiten) sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.

Interaktionen

Pharmakokinetische Interaktionen
Clindamycin wird vorwiegend über CYP3A4 und – in geringerem Ausmass – über CYP3A5 zum Hauptmetaboliten Clindamycin-Sulfoxid und dem Nebenmetaboliten N-Demethylclindamycin metabolisiert. Dementsprechend kann die Clindamycin-Clearance durch Inhibitoren von CYP3A4 und CYP3A5 vermindert bzw. durch Induktoren dieser Isoenzyme beschleunigt werden.
Die gleichzeitige Verabreichung von Clindamycin und starken CYP3A4 Induktoren sollte wenn möglich vermieden werden, da dies zu einer klinisch relevanten Senkung der Plasmakonzentration von Clindamycin führen kann. Über Fälle einer tiefen Plasmakonzentration von Clindamycin mit Wirkungsverlust nach gleichzeitiger Verabreichung von Clindamycin und Rifampicin wurde berichtet.
Vorsicht ist geboten, wenn Clindamycin zusammen mit starken CYP3A4 Inhibitoren verabreicht wird, da dies zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Clindamycin führen kann.
In-vitro Studien
Gemäss in-vitro Studien inhibiert Clindamycin CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19, CYP2E1 und CYP2D6 nicht und CYP3A4 nur in geringem Ausmass. Klinisch relevante Interaktionen von Clindamycin mit gleichzeitig verabreichten Wirkstoffen, welche über diese CYP Isoenzyme metabolisiert werden, sind daher unwahrscheinlich.
Pharmakodynamische Interaktionen
Clindamycin besitzt neuromuskuläre Hemmeigenschaften, die die Wirkung anderer neuromuskulärer Hemmstoffe möglicherweise verstärken. Bei Patienten, die mit solchen Mitteln behandelt werden, ist Clindamycin daher mit Vorsicht anzuwenden.
Vitamin-K-Antagonisten
Bei Patienten, die Clindamycin zusammen mit Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Warfarin, Acenocoumarol oder Fluindion) erhielten, wurde über erhöhte Blutgerinnungswerte (PT/INR) und/oder Blutungen berichtet. Die Blutgerinnungswerte sollten daher bei Patienten, die mit Vitamin-K-Antagonisten behandelt werden, häufig kontrolliert werden.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft
Es liegen keine adäquaten, kontrollierten Studien an Schwangeren im ersten Schwangerschaftstrimenon vor. Die Befunde klinischer Studien, in welchen Schwangere im zweiten und/oder dritten Trimenon mit Clindamycin behandelt wurden, lieferten keine Hinweise auf eine Schädigung des Foeten.
Clindamycin ist beim Menschen plazentagängig; nach multiplen Dosen betrug die Konzentration im Fruchtwasser ca. 30% der Konzentration im Blut der Mutter.
Bei der Anwendung von Clindamycin Zentiva während der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Clindamycin soll während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist.
Stillzeit
Clindamycin tritt in die Muttermilch über und wurde dort in Konzentrationen von bis zu 3.8 µg/ml nachgewiesen. Bei einer Trinkmenge von 500 ml pro Tag würde dies einer Aufnahme von 1.9 mg Clindamycin pro Tag entsprechen.
Clindamycin kann die Darmflora des gestillten Kindes beeinflussen, was zu Symptomen wie Diarrhoe, Hämatochezie und/oder Hautausschlägen führen kann. Vor allem unreife Frühgeborene könnten ein erhöhtes Risiko für solche unerwünschten Wirkungen aufweisen.
Eine orale oder parenterale Anwendung von Clindamycin während der Stillzeit wird nicht empfohlen. Falls eine Behandlung mit Clindamycin erforderlich ist, sollte abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt. Unter der Anwendung von Clindamycin wurde jedoch über unerwünschte Wirkungen wie Schwindel und Schläfrigkeit berichtet, welche Konzentrationsvermögen und Reaktionszeit beeinflussen und dadurch die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können.

Unerwünschte Wirkungen

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystem und Häufigkeit angegeben, welche in klinischen Studien und/oder während der Marktüberwachung unter der Anwendung von Clindamycin Zentiva beobachtet wurden.
Definition der Häufigkeitskategorien: «häufig» (≥1/100, <1/10), «gelegentlich» (≥1/1000, <1/100), «selten» (≥1/10'000, <1/1000), «sehr selten» (<1/10'000), «nicht bekannt»: Häufigkeit kann nicht genau angegeben werden, da auf Spontanmeldungen aus der Post-Marketing-Surveillance beruhend.
Infektionen und parasitäre Erkrankungen
Nicht bekannt: Clostridium difficile Kolitis.
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Häufig: Eosinophilie.
Selten: Agranulozytose (nur während der Marktüberwachung gemeldet), Leukopenie, Thrombopenie, Neutropenie.
Erkrankungen des Immunsystems
Selten: Angioödem.
Nicht bekannt: anaphylaktischer Schock, anaphylaktoide Reaktionen, anaphylaktische Reaktionen, Überempfindlichkeit.
Erkrankungen des Nervensystems
Gelegentlich: Dysgeusie.
Nicht bekannt: Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit.
Herz- und Gefässerkrankungen
Gelegentlich: Hypotonie (v.a. bei parenteraler Applikation), Herz-/Atemstillstand (nach (zu) schneller intravenöser Applikation).
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Häufig: Diarrhoe, pseudomembranöse Kolitis.
Gelegentlich: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen (v.a. unter oraler Anwendung).
Nicht bekannt: Oesophagitis und Oesophagus-Ulzera (v.a. bei oraler Anwendung beobachtet).
Leber- und Gallenerkrankungen
Häufig: Anomalien der Leberfunktionstests (Bilirubin, AST, alkalische Phosphatase).
Sehr selten: Hepatitis.
Nicht bekannt: Ikterus (einschliesslich cholestatischem Ikterus).
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
Häufig: makulopapulöses Exanthem, morbilliformes Exanthem (nur während der Marktüberwachung gemeldet).
Gelegentlich: Urtikaria (häufiger unter parenteraler als unter oraler Gabe).
Selten: Pruritus, Erythema multiforme, exfoliative Dermatitis, vesikulobullöse Dermatitis, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse (Lyell-Syndrom) (nur während der Marktüberwachung gemeldet).
Nicht bekannt: akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP), DRESS-Syndrom (drug rash with eosinophilia and systemic symptoms).
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Sehr selten: Polyarthritis.
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
Selten: Vaginitis.
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung ist mit einem vermehrten bzw. verstärkten Auftreten der oben beschriebenen unerwünschten Wirkungen zu rechnen. Hämodialyse und Peritonealdialyse sind ineffektiv bei der Elimination von Clindamycin aus dem Serum. Ggf. sind supportive Massnahmen zu ergreifen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
J01FF01
Wirkmechanismus
Der Wirkstoff von Clindamycin Zentiva ist Clindamycin (7-Chlor-7-desoxy-lincomycin), ein Derivat des aus Streptomyces lincolnensis gewonnenen Lincomycins.
Clindamycin bindet sich an die 50S-Untereinheit bakterieller Ribosomen und hemmt dadurch die Proteinsynthese. Die Wirkung ist primär bakteriostatisch, kann je nach Konzentration und Empfindlichkeit des Erregers aber auch bakterizid sein.
Die Wirksamkeit korreliert mit der Zeitspanne während derer die Antibiotika-Konzentration über der minimalen Hemmkonzentration (MIC) des Erregers liegt.
Resistenz
In den meisten Fällen beruht die Resistenz gegenüber Clindamycin auf Mutationen an der rRNA Antibiotika Bindungsstelle oder auf der Methylierung bestimmter Nukleotide in der 23S RNA der 50S Ribosomen-Untereinheit. Derartige Veränderungen können die in-vitro Kreuzresistenz gegenüber Makrolid- und Streptogramin-B-Antibiotika (MLSB Phänotyp) determinieren. Die Mehrzahl der Methicillin-resistenten S. aureus (MRSA) zeigen den konstitutiven MLSB-Phänotyp und sind daher Clindamycin-resistent. Infektionen durch makrolid-resistente Staphylokokken sollten bei Fehlen einer adäquaten Empfindlichkeitsprüfung, inkl. der Prüfung auf induzierbare Clindamycin-Resistenz, nicht mit Clindamycin behandelt werden. Gelegentlich bedingen auch Veränderungen an den ribosomalen Proteinen eine Resistenz.
Resistenz gegenüber Clindamycin kann in makrolid-resistenten Bakterien Stämmen durch Makrolide induziert werden; eine induzierbare Resistenz kann mittels eines Hemmhof- (D-Zonen-Test) oder Reihenverdünnungs-Tests bestimmt werden. Weniger häufig beobachtete Resistenz-Mechanismen beinhalten Modifikationen des Antibiotika- bzw. des aktiven Efflux-Mechanismus. Zwischen Clindamycin und Lincomycin besteht völlige Kreuzresistenz. Resistenz gegenüber Clindamycin kommt häufiger vor bei methicillin-resistenten Staphylococcus und penicillin-resistenten Pneumococcus Stämmen als bei Erregern, welche auf diese Wirkstoffe ansprechen.
Antimikrobielles Wirkungsspektrum
Für Clindamycin konnte eine In-vitro-Aktivität gegenüber den meisten Stämmen der folgenden Erreger gezeigt werden: grampositive aerobe, grampositive und gramnegative anaerobe Mikroorganismen sowie bestimmte Stämme von Chlamydia trachomatis. Gramnegative Aerobier sind im Allgemeinen nicht empfindlich gegenüber Clindamycin.
In-vitro erwiesen sich darüber hinaus folgende Erreger als sensibel gegenüber Clindamycin: Bordetella melaninogenicus und Mycoplasma hominis.
Literaturberichten zufolge hat Clindamycin im Rahmen einer Kombinationstherapie auch eine therapeutische Wirkung bei Infektionen durch manche nicht-bakterielle Erreger. Zumeist sehr kleine, nicht nach heutigem Standard durchgeführte Studien deuten auf eine gewisse Wirksamkeit gegenüber Toxoplasma gondii (Erreger der Toxoplasmose Enzephalitis, nur in Kombination mit Pyrimethamin) und Pneumocystis jirovecii (Pneumonieerreger, nur in Kombination mit Primaquin) hin.

Üblicherweise empfindliche Keime

Aerobe Bakterien
Grampositive Bakterien

·Staphylococcus aureus (methicillin-empfindliche Stämme)
·Koagulase-negative Staphylococci (methicillin-empfindliche Stämme)
·Streptococcus pneumoniae (penicillin-empfindliche Stämme)
·Beta-hämolysierende Streptococci der Gruppen A, B, C und G
·Streptococci der Viridans Gruppe
·Corynebacterium diphtheriae
Gramnegative Bakterien

·Chlamydia trachomatis

Anaerobe Bakterien
Grampositive Bakterien

·Actinomyces israelii
·Clostridium perfringens
·Eggerthella (Eubacterium) spp.
·Peptococcus spp.
·Peptostreptococcus spp. (Finegoldia magna, Micromonas micros)
·Propionibacterium acnes
Gramnegative Bakterien

·Bacteroides spp.
·Fusobacterium spp.
·Gardnerella vaginalis
·Prevotella spp.
·Veillonella spp.

Andere
Pilze

·Pneumocystis jirovecii
Protozoen

·Toxoplasma gondii

Spezies, bei denen erworbene
Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können

Aerobe Bakterien
Grampositive Bakterien

·Staphylococcus aureus (methicillin-resistent)
·Coagulase-negative Staphylococci (methicillin-resistent)

Anaerobe Bakterien
Gramnegative Bakterien

·Bacteroides fragilis

Von Natur aus resistente Keime

Aerobe Bakterien
Grampositive Bakterien

·Enterococcus spp.
Gramnegative Bakterien

·Enterobacteriaceae
·Haemophilus influenzae
·Moraxella catarrhalis

Anaerobe Bakterien
Grampositive Bakterien

·Clostridium difficile
Gramnegative Bakterien

·Eikenella corrodens
·Fusobacterium varium

Breakpoints
Die von EUCAST (European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing) festgelegten Breakpoints der minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) sind wie folgt:
EUCAST Empfindlichkeitskriterien für Clindamycin

MIC Breakpoints (mg/l)

Erreger

S ≤

R >

Staphylococcus spp.

0.25

0.5

Streptococcus
Gruppen A, B, C und G

0.5

0.5

Streptococcus pneumoniae

0.5

0.5

Streptococci der Viridans Gruppe

0.5

0.5

Grampositive Anaerobier

4

4

Gramnegative Anaerobier

4

4

Corynebacterium spp.

0.5

0.5

S=sensibel; R=resistent

Die Prävalenz von erworbenen Resistenzen kann für ausgewählte Spezies geographisch und zeitlich variieren; lokale Angaben zur Resistenz sind daher von Vorteil, insbesondere für die Behandlung schwerer Infektionen. Wenn die Zweckmässigkeit der Antibiotikabehandlung aufgrund der lokalen Resistenzprävalenzen bei zumindest einigen Infektionstypen in Frage zu stellen ist, ist gegebenenfalls Expertenrat einzuholen. Insbesondere bei schweren Infektionen oder Therapieversagen werden eine mikrobielle Differentialdiagnose mit Erregeridentifizierung sowie die Prüfung des Ansprechens auf Clindamycin empfohlen.
In-vitro wurde ein Antagonismus zwischen Clindamycin und Erythromycin gezeigt. Da dies möglicherweise von klinischer Bedeutung ist, sollten die beiden Arzneimittel nicht gleichzeitig angewendet werden.
Pharmakodynamik
Siehe «Wirkungsmechanismus».
Klinische Wirksamkeit
Keine Daten vorhanden.

Pharmakokinetik

Absorption
Nach oraler Applikation wird Clindamycin rasch und nahezu vollständig (90%) resorbiert. Nach oraler Applikation von 150 mg werden bei Erwachsenen innerhalb von 45 bis 60 min durchschnittliche Serumspiegel von 2.5 µg/ml erreicht. Nach 3 h bzw. 6 h wurden Serumspiegel von 1.5 µg/ml bzw. 0.7 µg/ml gemessen.
Die Resorption von oral appliziertem Clindamycin wird durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme quantitativ nicht wesentlich beeinflusst. Die Resorption kann jedoch etwas verlangsamt sein.
Eine Kumulation nach oraler Applikation über 14 Tage wurde nicht beobachtet.
Distribution
Clindamycin bindet primär an das saure Alpha-1-Glycoprotein, die Proteinbindung ist konzentrationsabhängig und liegt im therapeutischen Bereich bei 60 bis 94%. Clindamycin dringt leicht in die meisten Körperflüssigkeiten und -gewebe ein. Das Verteilungsvolumen VdSS beträgt 43-74 l. Im Knochengewebe werden ca. 40% (20-75%) der Serumkonzentration erreicht, in der Muttermilch 50-100%, in der Synovialflüssigkeit 50%, im Sputum 30-75%, in der Peritonealflüssigkeit 50-90%. Clindamycin passiert jedoch die Blut-Liquor-Schranke nicht, auch nicht im Fall einer Meningitis.
Clindamycin passiert die Plazentaschranke und tritt in die Muttermilch über.
Metabolismus
Clindamycin wird in der Leber relativ extensiv durch CYP3A4, und in geringerem Ausmass durch CYP3A5,zu Abbauprodukten mit unterschiedlicher antibakterieller Wirksamkeit, wie N-Dimethylclindamycin (pharmakologisch aktiver als Clindamycin) und Clindamycinsulfoxid (weniger aktiv als Clindamycin) metabolisiert.
Elimination
Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich in Form inaktiver Metaboliten über Galle und Faeces (Q0 = 0.9). Nur ca. ein Viertel der applizierten Dosis wird in Form der Muttersubstanz bzw. pharmakologisch aktiver Metaboliten ausgeschieden (10-20% mit dem Urin, 4% über die Faeces). Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 1.5-3.5 h.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Leberfunktionsstörungen
Bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion ist die Halbwertszeit verlängert. Bei Patienten mit leichter oder mässiger Leberinsuffizienz wurde die Pharmakokinetik von Clindamycin nicht untersucht.
Nierenfunktionsstörungen
Bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion ist die Halbwertszeit von Clindamycin verlängert. Bei Patienten mit leichter oder mässiger Niereninsuffizienz wurde die Pharmakokinetik von Clindamycin nicht untersucht.
Clindamycin ist nicht dialysierbar.
Ältere Patienten
Die Pharmakokinetik von Clindamycin wurde bei Patienten ≥65 Jahre nicht spezifisch untersucht.

Präklinische Daten

Karzinogenität, Mutagenität
Tierexperimentelle Langzeitstudien zur Evaluation des karzinogenen Potentials wurden mit Clindamycin nicht durchgeführt. Die durchgeführten Tests zur Genotoxizität beinhalteten einen Micronukleus-Test bei Ratten und einen Ames-Test mit Salmonella. Beide Tests waren negativ.
Fertilitätsstörungen
Fertilitätsuntersuchungen bei Ratten unter oraler Behandlung mit Dosierungen bis zu 300 mg/kg/d (entsprechend ungefähr 1.1x der höchsten für erwachsene Patienten empfohlenen Dosis, basierend auf mg/m2) zeigten keine Effekte auf Fertilität oder Paarungsbereitschaft.
Reproduktionstoxizität
In embryo-foetalen Entwicklungsstudien mit oral angewandtem Clindamycin an Ratten bzw. mit subkutan appliziertem Clindamycin an Ratten und Kaninchen, konnte – ausser in Dosen, welche eine maternale Toxizität bedingten – keine Entwicklungstoxizität festgestellt werden. Die Sicherheitsabstände zu klinischen Expositionen waren jedoch sehr gering.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

61727 (Swissmedic).

Packungen

Clindamycin Zentiva Hartkapseln 150 mg 16. (A)
Clindamycin Zentiva Hartkapseln 300 mg 16. (A)

Zulassungsinhaberin

Helvepharm AG, Frauenfeld.

Stand der Information

Januar 2021.

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