Warnhinweise und VorsichtsmassnahmenDie speziellen Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen bei der Anwendung im Zusammenhang mit Atorvastatin und Perindopril gelten auch für Lipercosyl.
Einfluss auf die Leber
Aufgrund des in Lipercosyl enthaltenen Atorvastatins müssen regelmässig Leberfunktionstests vorgenommen werden. Leberfunktionstests sind erforderlich, falls Anzeichen oder Symptome auftreten, die auf eine Leberfunktionsstörung hindeuten. Patienten mit einem Anstieg der Transaminasen-Werte müssen bis zum Verschwinden dieser Abweichung(en) überwacht werden. Falls eine Erhöhung der Transaminasen-Werte auf mehr als das 3fache des oberen Normalwertes (ULN, upper limit of normal) fortdauert, empfiehlt sich eine Reduktion der Atorvastatin-Dosis unter Verwendung der Einzelkomponenten oder das Absetzen von Atorvastatin (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).
Selten wurden ACE-Hemmer mit einem Syndrom in Zusammenhang gebracht, das mit cholestatischem Ikterus beginnt und zu fulminanter nekrotisierender Hepatitis und (manchmal) zum Tod führen kann. Der Mechanismus dieses Syndroms ist nicht bekannt. Patienten, die unter Einnahme von Lipercosyl einen Ikterus oder eine deutliche Erhöhung der Leberenzym-Werte entwickeln, müssen die Lipercosyl-Behandlung abbrechen und eine geeignete medizinische Überwachung erhalten (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).
In Anbetracht der Wirkungen von Atorvastatin und Perindopril ist Lipercosyl kontraindiziert bei Patienten mit aktiver Lebererkrankung oder mit dauerhafter unklarer Erhöhung der Serum-Transaminasen auf mehr als das 3fache des oberen Normalwerts. Lipercosyl muss mit Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit Leberinsuffizienz und bei solchen, die beträchtliche Mengen Alkohol konsumieren und/oder eine Lebererkrankung in der Anamnese aufweisen. Wenn eine Dosisänderung notwendig ist, muss die Dosisanpassung mit den Einzelkomponenten durchgeführt werden.
Einfluss auf die Skelettmuskulatur
Wie andere HMG-CoA-Reduktase-Hemmer kann Atorvastatin in seltenen Fällen Auswirkungen auf die Skelettmuskulatur haben und Myalgie, Myositis oder Myopathie hervorrufen. Daraus kann sich eine Rhabdomyolyse entwickeln, ein möglicherweise letales Krankheitsbild, das charakterisiert ist durch eine erhebliche Erhöhung des Kreatinphosphokinase (CPK)-Serumspiegels (>10×ULN), Myoglobinämie und Myoglobinurie, die zu Niereninsuffizienz führen kann.
Kreatinphosphokinase-Bestimmung:
Der Kreatinphosphokinase (CPK)-Spiegel soll nicht nach einer intensiven körperlichen Anstrengung oder beim Vorliegen anderer möglicher Ursachen eines CPK-Anstiegs gemessen werden, da in diesen Fällen die Interpretation der Messwerte verfälscht werden könnte. Falls der CPK-Wert anfänglich wesentlich erhöht ist (>5×ULN), muss zur Bestätigung des Resultats innerhalb von 5 bis 7 Tagen eine erneute Messung durchgeführt werden.
Vor Behandlungsbeginn:
Atorvastatin muss bei Patienten mit prädisponierenden Faktoren für eine Rhabdomyolyse mit Vorsicht verschrieben werden.
Vor Beginn einer Behandlung mit einem Statin muss in folgenden Fällen der CPK-Spiegel gemessen werden:
·Niereninsuffizienz
·Hypothyreose
·erbliche Muskelerkrankungen in der Eigen- oder Familienanamnese
·Muskeltoxizität im Zusammenhang mit der Gabe eines Statins oder Fibrats in der Anamnese
·Lebererkrankungen in der Anamnese und/oder übermässiger Alkoholkonsum
·Bei älteren Patienten (>70 Jahre) sollte die Notwendigkeit einer solchen Messung erwogen werden, wenn weitere prädisponierende Faktoren für eine Rhabdomyolyse vorliegen.
·Situationen, in denen eine Erhöhung der Plasmakonzentration vorkommen kann, aufgrund von Interaktionen (siehe «Interaktionen») und aufgrund der Anwendung bei speziellen Populationen einschliesslich genetischer Polymorphismen (siehe «Pharmakokinetik»).
In solchen Situationen wird eine regelmässige Nutzen-Risiko-Neubewertung der Behandlung sowie eine regelmässige klinische Überwachung empfohlen. Wenn der Ausgangswert des CPK-Spiegels erheblich (>5× ULN) erhöht ist, darf die Behandlung nicht begonnen werden.
Während der Behandlung:
·Die Patienten sind anzuweisen, Muskelschmerzen, -krämpfe oder -schwäche unverzüglich mitzuteilen, besonders wenn diese von Unwohlsein oder Fieber begleitet sind oder wenn die Anzeichen und Symptome nach dem Absetzen von Lipercosyl weiter bestehen.
·Wenn solche Symptome während der Behandlung eines Patienten mit Lipercosyl auftreten, muss der CPK-Spiegel gemessen werden. Ist dieser signifikant erhöht (>5× ULN), so muss die Behandlung abgebrochen werden.
·Wenn die muskulären Symptome ausgeprägt sind und zu täglichen Beschwerden führen, muss der Abbruch der Behandlung erwogen werden, auch wenn der CPK-Wert gleich oder kleiner ist als das 5fache der ULN.
·Wenn die Symptome verschwinden und sich der CPK-Spiegel normalisiert, kann die Wiederaufnahme von Atorvastatin oder die Einführung eines anderen Statins in der niedrigsten Dosierung und unter engmaschiger Überwachung erwogen werden.
·Lipercosyl ist sofort abzusetzen, wenn klinisch bedeutsam erhöhte CPK-Werte (>10× ULN) festgestellt werden oder eine Rhabdomyolyse diagnostiziert oder vermutet wird.
Gleichzeitige Anwendung von anderen Arzneimitteln
Aufgrund des enthaltenen Atorvastatins ist das Risiko einer Rhabdomyolyse erhöht, wenn Lipercosyl gleichzeitig mit bestimmten Arzneimitteln verabreicht wird, welche die Plasmakonzentration von Atorvastatin erhöhen können, wie starke Inhibitoren von CYP3A4 oder von Transportproteinen (z.B. Ciclosporin, Telithromycin, Clarithromycin, Delavirdin, Stiripentol, Ketoconazol, Voriconazol, Itraconazol, Posaconazol, Letermovir und HIV-Protease-Inhibitoren einschliesslich Ritonavir, Lopinavir, Atazanavir, Indinavir, Darunavir, Tipranavir/Ritonavir usw.). Das Risiko einer Myopathie kann ebenfalls erhöht sein bei gleichzeitiger Anwendung von Gemfibrozil oder anderen Fibrinsäure-Derivaten, antiviralen Medikamenten gegen Hepatitis C (Elbasvir/Grazoprevir), Erythromycin, Niacin und Ezetimib. Mögliche Arzneimittelwechselwirkungen sollten vor und während der Behandlung mit antiviralen Medikamenten, die zur Behandlung von Hepatitis C (HCV) eingesetzt werden, berücksichtigt werden und können zum Absetzen von Atorvastatin oder zur Reduzierung der Atorvastatin-Dosis führen (siehe Abschnitt «Interaktionen»). Soweit möglich, sind anstelle dieser Arzneimittel andere Behandlungsmöglichkeiten (die keine Interferenz verursachen) in Betracht zu ziehen.
Wenn gleichzeitige Verabreichung dieser Arzneimittel und Lipercosyl notwendig ist, sind Nutzen und Risiken der Begleitbehandlung sorgfältig abzuwägen. Für Patienten, die Arzneimittel erhalten, welche die Plasmakonzentration von Atorvastatin erhöhen, gilt eine niedrigere maximal empfohlene Dosis von Atorvastatin und deshalb muss eine Dosisreduktion der Einzelkomponenten in Betracht gezogen werden. Ausserdem sollte im Falle von starken CYP3A4-Inhibitoren eine niedrigere Initialdosis von Atorvastatin in Erwägung gezogen werden und es wird eine geeignete klinische Überwachung dieser Patienten empfohlen (siehe «Interaktionen»).
HMG-CoA-Reduktasehemmer (Statine) einschliesslich Lipercosyl dürfen nicht mit systemischen Fusidinsäure-Präparaten kombiniert werden.
Es wurden Fälle von Rhabdomyolyse (darunter einige Todesfälle) bei Patienten gemeldet, die systemische Fusidinsäure-Präparate in Kombination mit Statinen erhalten hatten (siehe «Interaktionen»).
Während jeglicher unverzichtbaren systemischen Behandlung mit Fusidinsäure ist die Einnahme von Lipercosyl zu unterbrechen. Die Patienten sind anzuweisen, sofort ärztlichen Rat zu suchen, wenn sie Zeichen der Muskelschwäche, -schmerzen oder -empfindlichkeit bemerken.
Die Behandlung mit Statinen kann 7 Tage nach der letzten Einnahme von Fusidinsäure wieder aufgenommen werden.
Ausnahmsweise, wenn eine kontinuierliche systemische Behandlung mit Fusidinsäure erforderlich ist, darf die Kombination von Lipercosyl mit Fusidinsäure nur nach Prüfung des einzelnen Falls und unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle erfolgen.
Immunvermittelte nekrotisierende Myopathien
Während oder nach der Behandlung mit bestimmten Statinen wurden sehr seltene Fälle von immunvermittelter nekrotisierender Myopathie (IMNM, immune-mediated necrotizing myopathy) mitgeteilt. Die immunvermittelte nekrotisierende Myopathie ist klinisch durch eine proximale persistierende Muskelschwäche und eine erhöhte Kreatinphosphokinase im Serum gekennzeichnet, die trotz Abbruch der Behandlung mit dem Statin weiter bestehen.
Interstitielle Pneumopathie
Bei einigen Statinen wurden aussergewöhnliche Fälle von interstitiellen Lungenerkrankungen berichtet, insbesondere bei Langzeitbehandlung (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Charakteristische Symptome sind Dyspnoe, unproduktiver Husten und Verschlechterung des Allgemeinzustands (Müdigkeit, Gewichtsverlust und Fieber). Falls bei einem Patienten der Verdacht auf eine interstitielle Lungenerkrankung besteht, muss die Behandlung mit Lipercosyl abgebrochen werden und es ist eine Behandlung nur mit Perindopril zu erwägen.
Diabetes
Es gibt Hinweise darauf, dass Statine als Substanzklasse den Blutzuckerspiegel erhöhen und bei manchen Patienten, die ein hohes Risiko für die künftige Entwicklung eines Diabetes mellitus haben, eine Hyperglykämie hervorrufen können, deren Höhe eine strikte Diabetesbehandlung erforderlich macht. Dieses Risiko wird jedoch aufgewogen durch die Statin-bedingte Reduktion des vaskulären Risikos und stellt deshalb keinen Grund für einen Abbruch der Behandlung mit Lipercosyl dar. Im Falle einer Behandlung mit Lipercosyl müssen Risikopatienten (Nüchternblutzucker 5,6 - 6,9 mmol/l, BMI >30 kg/m², Hypertriglyceridämie, arterielle Hypertonie) gemäss den nationalen Richtlinien klinisch und in Bezug auf die Laborwerte überwacht werden.
Bei Diabetikern, die mit oralen Antidiabetika oder Insulin behandelt werden, muss der Blutzuckerspiegel während des ersten Monats einer Behandlung mit Arzneimitteln wie Lipercosyl, die einen ACE-Hemmer enthalten, engmaschig kontrolliert werden (siehe «Interaktionen»).
Arterielle Hypotonie
Die Anwendung des ACE-Hemmers kann einen plötzlichen Abfall des Blutdrucks bewirken, insbesondere bei Patienten mit starker Stimulierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron Systems (RAAS). Dies kann vor allem der Fall sein bei Patienten mit renovaskulärer Hypertonie oder anderen Formen sekundärer Hypertonie, mit Hypovolämie, Herz- oder Leberinsuffizienz, sowie bei solchen, die im Rahmen einer medikamentös unterstützenden Behandlung insbesondere Diuretika oder Vasodilatatoren einnehmen.
Patienten mit erhöhtem Risiko für eine symptomatische arterielle Hypotonie sind zu Beginn der Therapie und bei Dosisanpassungen engmaschig zu überwachen (siehe «Dosierung/Anwendung» und «Unerwünschte Wirkungen»). Dasselbe gilt für Patienten mit ischämischer Herzkrankheit oder zerebrovaskulärer Erkrankung, bei denen ein übermässiger Blutdruckabfall einen Myokardinfarkt oder einen Schlaganfall verursachen kann.
Aortenklappen- und Mitralklappenstenose/hypertrophe Kardiomyopathie
Wie andere Arzneimittel, die ACE-Hemmer enthalten, zum Beispiel Perindopril, ist Lipercosyl mit Vorsicht anzuwenden bei Patienten mit Stenose der Mitralklappe und Obstruktion des linksventrikulären Auswurfs wie eine Aortenstenose oder eine hypertrophe Kardiomyopathie.
Nierentransplantation
Es liegen keine Daten vor zur Anwendung von Perindopril oder Lipercosyl bei Patienten nach kürzlich erfolgter Nierentransplantation.
Renovaskuläre Hypertonie
Die adäquate Behandlung der renovaskulären Hypertonie besteht in der Revaskularisierung.
Bei Patienten mit beidseitiger Stenose der Nierenarterie oder Stenose der Nierenarterie nur einer funktionsfähigen Niere besteht bei Behandlung mit einem ACE-Hemmer ein erhöhtes Risiko für Hypotonie und Niereninsuffizienz (siehe «Kontraindikationen»). Die Behandlung mit Diuretika kann zu diesem Risiko beitragen. Ein Verlust der Nierenfunktion kann bei Patienten mit einseitiger Stenose der Nierenarterie selbst bei geringfügigen Veränderungen des Serumkreatinins vorkommen.
Niereninsuffizienz
Lipercosyl kann bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance ≥60 ml/min angewendet werden, ist jedoch bei mässiger Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 60 ml/min) nicht geeignet. Bei diesen Patienten wird eine individuelle Anpassung der Dosierung der einzelnen Komponenten empfohlen. Die systematische Kontrolle von Kalium und Kreatinin gehört bei niereninsuffizienten Patienten zur ärztlichen Routinepraxis.
Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance weniger als 30 ml/min) ist die Behandlung mit Lipercosyl kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen»).
Die arterielle Hypotonie als Folge der Behandlungseinleitung mit einem ACE-Hemmer wie Perindopril kann die Abnahme der Nierenfunktion noch verschlimmern. Fälle von akuter, im Allgemeinen reversibler Niereninsuffizienz sind unter diesen Umständen beschrieben worden.
Bei bestimmten Patienten mit bilateraler Stenose der Nierenarterie oder Stenose der versorgenden Arterie einer solitären Niere wurde unter Behandlung mit ACE-Hemmer ein Anstieg des Harnstoffs im Blut und des Serumkreatinins beobachtet, der nach Absetzen der Behandlung im Allgemeinen reversibel war. Dies kann insbesondere bei niereninsuffizienten Patienten vorkommen. Wenn zudem eine renovaskuläre Hypertonie vorliegt, ist das Risiko einer schwerwiegenden arteriellen Hypotonie und einer Niereninsuffizienz erhöht. Bei diesen Patienten ist die Behandlung unter engmaschiger ärztlicher Überwachung, mit geringer Dosis und vorsichtiger Dosissteigerung einzuleiten. Da die Behandlung mit Diuretika ein zusätzlicher Risikofaktor ist, muss sie unterbrochen und die Nierenfunktionen in den ersten Behandlungswochen überwacht werden.
Bei manchen Hypertonikern ohne vorbestehende manifeste renovaskuläre Erkrankung zeigte sich ein gewöhnlich geringfügiger und vorübergehender Anstieg des Harnstoffs im Blut und des Kreatinin-Serumspiegels, insbesondere wenn Perindopril zusammen mit einem Diuretikum verabreicht wurde. Dies ist wahrscheinlicher bei Patienten mit vorbestehender Niereninsuffizienz. Eine Verminderung der Dosis der einzelnen Komponenten und/oder das Absetzen des Diuretikums und/oder von Lipercosyl kann erforderlich werden.
Die Wirkung des Kombinationspräparats Lipercosyl bei Niereninsuffizienz ist nicht beurteilt worden. Die Dosis von Lipercosyl muss sich an die Dosierungsempfehlungen für jede Komponente separat halten.
Patienten in Hämodialyse
Anaphylaktoide Reaktionen wurden bei Patienten beschrieben, welche eine Dialyse mit Membranen hoher Permeabilität erhielten und begleitend mit einem ACE-Hemmer behandelt wurden. Bei diesen Patienten sollte ein anderer Typ der Dialysemembran oder das Antihypertonikum einer anderen Klasse verwendet werden.
Überempfindlichkeit, Angioödem
Selten wurde bei Patienten unter Behandlung mit ACE-Hemmer, darunter Perindopril, ein Angioödem des Gesichts, der Gliedmassen, der Lippen, der Schleimhäute, der Zunge, der Glottis und/oder des Larynx beschrieben (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Dies kann jederzeit im Laufe der Behandlung auftreten. Lipercosyl muss dann unverzüglich abgesetzt und eine geeignete Überwachung eingeleitet und bis zum vollständigen Verschwinden der Symptome beibehalten werden. Wenn das Ödem auf Gesicht und Lippen beschränkt war, verschwanden die Beschwerden im Allgemeinen ohne Behandlung, jedoch erwiesen sich Antihistaminika zur Linderung der Symptome als nützlich.
Ein Angioödem in Verbindung mit Larynxödem kann tödlich verlaufen. Sind Zunge, Glottis oder Larynx betroffen, was eine Atemwegsobstruktion zur Folge haben kann, so muss unverzüglich eine Notfallbehandlung erfolgen. Diese kann in der Verabreichung von Adrenalin und/oder dem Offenhalten der Atemwege bestehen. Der Patient muss bis zum vollständigen und andauernden Abklingen der Symptome unter strenger ärztlicher Überwachung bleiben.
Patienten mit Angioödem in der Anamnese können unabhängig von einer Behandlung mit ACE-Hemmer unter Behandlung mit Lipercosyl einem erhöhten Risiko für Angioödem ausgesetzt sein (siehe «Kontraindikationen»).
Über seltene Fälle von intestinalem Angioödem bei Patienten unter Behandlung mit ACE-Hemmer wurde berichtet. Diese Patienten hatten Bauchschmerzen (mit oder ohne Übelkeit oder Erbrechen); in manchen Fällen ging kein Angioödem im Gesicht voraus und der C-1 Esterase-Spiegel war normal. Die Diagnose wurde mittels abdominaler Computertomographie (CT-Scan), Ultraschall oder während eines chirurgischen Eingriffs gestellt und die Symptome verschwanden nach Absetzen des ACE-Hemmers. Ein intestinales Angioödem sollte bei mit Lipercosyl behandelten Patienten, die Bauchschmerzen haben, in die Differentialdiagnose einbezogen werden.
Gleichzeitige Behandlung mit mTOR-Inhibitoren (z.B. Sirolimus, Everolimus, Temsirolimus): Patienten unter gleichzeitiger Behandlung mit mTOR-Inhibitoren können ein erhöhtes Risiko für Angioödem haben (z.B. Schwellung der Atemwege oder der Zunge mit oder ohne Atembeschwerden) (siehe «Interaktionen»).
Gleichzeitige Anwendung von Gliptinen (z. B. Linagliptin, Saxagliptin, Sitagliptin, Vildagliptin): Bei Patienten, die gleichzeitig mit Gliptin behandelt werden, kann ein erhöhtes Risiko für Angioödeme (z. B. Schwellungen der Atemwege oder der Zunge, mit oder ohne Atembeschwerden) bestehen (siehe «Interaktionen»).
Die gleichzeitige Anwendung von Neprilysin-Inhibitoren (neutrale Endopeptidase, NEP) kann ebenfalls das Risiko für ein Angioödem erhöhen (siehe «Kontraindikationen» und «Interaktionen»).
ACE-Hemmer – darunter Lipercosyl – dürfen nicht gleichzeitig mit NEP-Inhibitoren angewendet werden (z.B. die Kombination Sacubitril/Valsartan oder Racecadotril), denn das Angioödem-Risiko kann bei Patienten erhöht sein, die gleichzeitig mit der Kombination Sacubitril/Valsartan oder Racecadotril behandelt werden. Zwischen dem Beginn einer Behandlung mit Lipercosyl und der letzten Dosis von Sacubitril/Valsartan muss ein Intervall von mindestens 36 Stunden eingehalten werden.
Zwischen dem Beginn einer Behandlung mit Sacubitril/Valsartan und der letzten Dosis von Lipercosyl muss ein Intervall von mindestens 36 Stunden eingehalten werden (siehe «Kontraindikationen» und «Interaktionen»).
Anaphylaktoide Reaktionen während der Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Apherese
In seltenen Fällen erlitten Patienten, welche ACE-Hemmer erhielten, während einer LDL-Apherese mit Adsorption an Dextransulfat eine lebensbedrohliche anaphylaktoide Reaktion. Diese Reaktionen lassen sich durch vorübergehende Unterbrechung der Behandlung mit ACE-Hemmer vor jeder Apherese vermeiden.
Anaphylaktoide Reaktionen während der Desensibilisierung
Fälle von anaphylaktoiden Reaktionen bei der Verabreichung eines ACE-Hemmers wie Lipercosyl während einer Behandlung zur Desensibilisierung (zum Beispiel mit Hymenopteren-Gift) wurden gemeldet. Die Reaktionen konnten durch ein vorübergehendes Absetzen des ACE-Hemmers bei diesen Patienten vermieden werden, traten aber bei versehentlicher Wiederaufnahme der Behandlung erneut auf.
Neutropenie/Agranulozytose/Thrombozytopenie/Anämie
Bei Patienten, die ACE-Hemmer erhielten, wurden Fälle von Neutropenie/Agranulozytose, Thrombozytopenie und Anämie beschrieben. Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion und ohne andere Risikofaktoren wird eine Neutropenie selten beobachtet. Lipercosyl muss mit extremer Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit kollagener Gefässerkrankung, Behandlung mit Immunsuppressiva, Allopurinol oder Procainamid, oder bei einer Kombination dieser Risikofaktoren, insbesondere einer vorbestehenden Einschränkung der Nierenfunktion. Einige dieser Patienten entwickelten schwere Infektionen, die in etlichen Fällen auf eine intensive Antibiotikatherapie nicht ansprachen. Wenn Lipercosyl bei diesen Patienten angewendet wird, empfiehlt sich eine regelmässige Kontrolle der Leukozytenzahl und die Patienten sollten angewiesen werden, jedes Zeichen einer Infektion (z.B. Halsschmerzen, Fieber) zu melden.
Ethnische Gruppe
ACE-Hemmer verursachen bei Patienten schwarzer Hautfarbe eine höhere Inzidenz von Angioödemen.
Lipercosyl, das den ACE-Hemmer Perindopril enthält, kann bei Patienten schwarzer Hautfarbe weniger wirksam zur Blutdrucksenkung sein.
Husten
Unter der Anwendung von ACE-Hemmern wurde über Husten berichtet. Typischerweise ist der Husten nicht-produktiv, persistierend und klingt nach Beendigung der Behandlung ab. Ein durch ACE-Hemmer induzierter Husten muss bei hustenden Patienten, die mit Lipercosyl behandelt werden, differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden.
Chirurgische Eingriffe/Anästhesie
Bei Patienten, die sich einer grossen chirurgischen Operation oder einer Narkose mit blutdrucksenkenden Wirkstoffen unterziehen müssen, kann Lipercosyl die Produktion von Angiotensin II blockieren. Die Behandlung sollte einen Tag vor dem Eingriff abgesetzt werden.
Hyperkaliämie
Eine Erhöhung des Kaliumspiegels im Blut wurde bei manchen Patienten beobachtet, die mit ACE-Hemmern, darunter Perindopril, behandelt wurden. Risikofaktoren für die Entwicklung einer Hyperkaliämie sind unter anderem Niereninsuffizienz, Einschränkung der Nierenfunktion, Alter (>70 Jahre), Diabetes mellitus, interkurrente Ereignisse wie Dehydration, akute kardiale Dekompensation, metabolische Azidose, gleichzeitige Verwendung von kaliumsparenden Diuretika (zum Beispiel Spironolacton, Eplerenon, Triamteren oder Amilorid), Kaliumsupplementen oder kaliumhaltigen Salzersatzstoffen oder andere Behandlungen, die eine Erhöhung des Kaliumspiegels im Blut bewirken (zum Beispiel Heparin, andere ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten, Acetylsalicylsäure ≥3 g/Tag, COX-2-Hemmer und nicht selektive NSAID, Immunsuppressiva wie Ciclosporin oder Tacrolimus, Trimethoprim oder auch Co-Trimoxazol (auch bekannt als Trimethoprim/Sulfamethoxazol). Die Verwendung von Kaliumsupplementen, kaliumsparenden Diuretika oder kaliumhaltigen Salzersatzstoffen kann insbesondere bei Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion zu einem signifikanten Anstieg des Kaliumspiegels im Blut führen. Hyperkaliämie kann schwerwiegende und manchmal tödliche Arrhythmien verursachen. Wenn die gleichzeitige Anwendung von Lipercosyl und den oben genannten Arzneimitteln notwendig ist, müssen diese mit Vorsicht und unter häufiger Kontrolle des Kaliumspiegels im Blut angewendet werden (siehe Abschnitt «Interaktionen»).
Lithium
Die Kombination von Lithium mit perindoprilhaltigen Medikamenten wie LIPERCOSYL wird nicht empfohlen (siehe «Interaktionen»).
Duale Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS)
Siehe «Interaktionen».
Primärer Hyperaldosteronismus
Patienten mit primärem Hyperaldosteronismus sprechen im Allgemeinen nicht auf antihypertensive Behandlungen an, die durch Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems wirken. Aus diesem Grund wird dieses Medikament bei solchen Patienten nicht empfohlen.
Hilfsstoffe
Da dieses Arzneimittel Saccharose enthält, soll Lipercosyl nicht von Patienten mit dem seltenen hereditären Problem der Fruktose-Intoleranz genommen werden, ebenso wenig mit einem Syndrom der Malabsorption von Glukose und Galaktose oder einem Sucrase/Isomaltase-Mangel.
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