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Fachinformation zu AGAMREE:Santhera Pharmaceuticals (Schweiz) AG
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Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Veränderungen endokriner Funktionen
Vamorolon verursacht Veränderungen endokriner Funktionen, insbesondere bei Langzeitanwendung.
Darüber hinaus können Patienten mit veränderter Schilddrüsenfunktion (siehe auch "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen - Hinweise zur Anwendung bei Patienten mit veränderter Schilddrüsenfunktion" ) oder Phäochromozytom (siehe auch "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen – Phäochromozytom-Krise" ) einem erhöhten Risiko für endokrine Wirkungen ausgesetzt sein.
Risiko einer Nebenniereninsuffizienz
Vamorolon führt zu einer dosisabhängigen und reversiblen Unterdrückung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) und kann zu einer sekundären Nebenniereninsuffizienz führen, die nach Beendigung einer längeren Behandlung über Monate andauern kann. Der Grad der hervorgerufenen chronischen Nebenniereninsuffizienz ist bei den Patienten unterschiedlich und hängt von der Dosierung und Dauer der Therapie ab.
Eine akute Nebenniereninsuffizienz (auch als Nebennierenkrise bezeichnet) kann in Phasen von erhöhtem Stress auftreten oder wenn die Vamorolon-Dosis abrupt reduziert oder abgesetzt wird. Dieser Zustand kann tödlich sein. Zu den Symptomen einer Nebennierenkrise können extreme Müdigkeit, plötzliche Schwäche, Erbrechen, Schwindel oder Verwirrtheitszustände gehören. Das Risiko kann durch schrittweises Vorgehen bei Reduzierung der Dosis oder beim Absetzen der Behandlung verringert werden (siehe "Dosierung/Anwendung" ).
Während Phasen von erhöhtem Stress, wie akuten Infektionen, traumatischen Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen, sollten die Patienten auf Anzeichen einer akuten Nebenniereninsuffizienz klinisch und laborchemisch überwacht werden, und die regelmässige Behandlung mit AGAMREE sollte vorübergehend durch die systemische Gabe von Hydrokortison ergänzt werden, um dem Risiko einer Nebennierenkrise vorzubeugen. Es liegen keine Daten zur Wirkung einer erhöhten Dosis von AGAMREE in Situationen von erhöhtem Stress vor. Die alleinige Behandlung der Phasen von erhöhtem Stress mit AGAMREE wird nicht empfohlen, da AGAMREE antagonistisch auf Mineralokortikoid-Rezeptoren wirkt.
Der Patient sollte angewiesen werden, stets die Patientenkarte zur sicheren Anwendung bei sich zu tragen, in der wichtige Sicherheitsinformationen enthalten sind, um die frühe Erkennung und Behandlung einer Nebennierenkrise zu unterstützen.
Beim Absetzen von Glukokortikoiden kann es zu jedem Zeitpunkt des Ausschleichensunter noch supraphysiologischen Dosierungen auch zu einem „Steroidentzugssyndrom“ kommen, das pathophysiologisch nicht mit einer Nebenniereninsuffizienz in Zusammenhang steht. Dabei können Symptome wie Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Lethargie, Kopfschmerzen, Fieber, Gelenkschmerzen, Desquamation, Myalgie und/oder Gewichtsverlust auftreten. Es wird davon ausgegangen, dass diese Symptome auf eine plötzliche Veränderung der Glukokortikoidkonzentration und nicht auf niedrige Glukokortikoidspiegel zurückzuführen sind. Die differentialdiagnostische Abgrenzung und Therapie eines Steroidentzugssyndroms soll den aktuell gültigen Empfehlungen folgen.
Umstellung von einer Behandlung mit Glukokortikoiden auf AGAMREE
Die Patienten können von einer oralen Glukokortikoidbehandlung (z. B. mit Prednison oder Deflazacort) auf AGAMREE umgestellt werden, ohne dass eine Unterbrechung der Behandlung oder eine vorherige Phase der Reduzierung der Glukokortikoiddosis erforderlich ist. Patienten, die zuvor langfristig mit Glukokortikoiden behandelt wurden, sollten auf eine AGAMREE-Dosis von 6 mg/kg/Tag umgestellt werden, um das Risiko einer akuten Nebennierenkrise zu minimieren.
Cushing-Syndrom
Ein Cushing-Syndrom (Hypercortisolismus) entsteht bei längerer Exposition gegenüber exogenen Kortikosteroiden einschliesslich AGAMREE mit möglichen Symptomen wie Stammfettsucht, Stiernacken, Vollmondgesicht, Plethora des Gesichts, Striae distensae, Extremitätenatrophie, Ödemen, Muskelschwäche, Hämatombildung bereits nach Bagatelltraumen, atropher Haut, Nackenfettpolster, Akne, Amenorrhoe, Hirsutismus, Immunschwäche, verzögerter Wundheilung und psychiatrischen Auffälligkeiten.
Veränderungen der kardiovaskulären/renalen Funktion
Vamorolon wirkt als Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist und zeigt nicht die typischen Glukokortikoidwirkungen einer Blutdrucksteigerung und Natriumretention. Wie bei anderen Kortikosteroiden sollte jede Langzeittherapie dennoch angemessen überwacht werden. Bei Patienten mit schwerer Herz- oder Niereninsuffizienz ist Vorsicht geboten. Die Serumkaliumspiegel sind zu überwachen, insbesondere wenn AGAMREE zusammen mit Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (wie z. B. Spironolacton oder Eplerenon) angewendet wird.
Gewichtszunahme
Vamorolon ist mit einer dosisabhängigen Steigerung des Appetits und einer Gewichtszunahme verbunden, hauptsächlich in den ersten Behandlungsmonaten. Vor und während der Behandlung mit AGAMREE sollte das Gewicht regelmässig überwacht werden und ausserdem eine altersgerechte Ernährungsberatung gemäss den allgemeinen Empfehlungen für das Ernährungsmanagement von Patienten mit DMD erfolgen (siehe Unerwünschte Wirkungen).
Hinweise zur Anwendung bei Patienten mit veränderter Schilddrüsenfunktion
Bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion kann die metabolische Clearance von Glukokortikoiden verringert und bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion erhöht werden. Es ist nicht bekannt, ob dies in gleicher Weise auch bei Vamorolon der Fall ist, aber Veränderungen des Schilddrüsenstatus des Patienten können eine Dosisanpassung erforderlich machen.
Phäochromozytom-Krise
Nach Anwendung von systemischen Kortikosteroiden gab es Berichte über Phäochromocytom-Krisen, die tödlich verlaufen können. Bei Patienten mit vermutetem oder nachgewiesenem Phäochromozytom sollte vor Therapiebeginn das Risiko einer Phäochromozytom-Krise abgewogen werden.
Ophthalmologische Nebenwirkungen
Glukokortikoide können hintere subkapsuläre Katarakte und Glaukome mit einer potenziellen Schädigung der Sehnerven induzieren und das Risiko für sekundäre Augeninfektionen erhöhen, die durch Bakterien, Pilze oder Viren verursacht werden.
Das Risiko für ophthalmologische Wirkungen im Zusammenhang mit AGAMREE ist nicht bekannt.
Erhöhtes Infektionsrisiko
Die Unterdrückung der Entzündungsreaktion und der Immunfunktion unter Steroiden kann die Anfälligkeit für Infektionen und deren Schwere erhöhen. Es kann zu einer Aktivierung latenter Infektionen oder einer Exazerbation interkurrenter Infektionen kommen. Das klinische Erscheinungsbild ist häufig atypisch, und schwere Infektionen können maskiert werden und ein fortgeschrittenes Stadium erreichen, bevor sie erkannt werden.
Derartige Infektionen können gravierend sein und manchmal tödlich verlaufen.
Auch wenn in den klinischen Studien mit Vamorolon keine erhöhte Inzidenz oder Schwere von Infektionen beobachtet wurde, lassen die begrenzten Langzeiterfahrungen keinen Ausschluss eines erhöhten Risikos für Infektionen zu.
Patienten müssen hinsichtlich der Entwicklung von Infektionen überwacht werden. Bei Patienten mit Symptomen einer Infektion sollten im Falle einer Langzeitbehandlung mit Vamorolon diagnostische und therapeutische Strategien angewendet werden. Bei Patienten mit mittelschweren oder schweren Infektionen, die mit Vamorolon behandelt werden, sollte eine ergänzende Gabe von Hydrokortison in Betracht gezogen werden.
Impfungen
Patienten, die mit Glukokortikoiden behandelt werden, können auf Lebendimpfstoffe oder abgeschwächte Lebendimpfstoffe anders ansprechen.
Das Risiko im Zusammenhang mit AGAMREE ist nicht bekannt.
Lebendimpfstoffe oder abgeschwächte Lebendimpfstoffe sollten mindestens 6 Wochen vor Beginn der Behandlung mit AGAMREE verabreicht werden.
Bei Patienten, die zuvor noch nicht an Windpocken erkrankt waren oder nicht dagegen geimpft sind, sollte vor der Behandlung mit AGAMREE eine Impfung gegen das Varicella-Zoster-Virus erfolgen.
Diabetes mellitus
Eine Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden kann das Risiko für Diabetes mellitus erhöhen.
In den klinischen Studien mit Vamorolon wurden keine klinisch relevanten Veränderungen des Glukosestoffwechsels beobachtet, allerdings sind die Langzeitdaten begrenzt. Bei Patienten, die langfristig mit Vamorolon behandelt werden, wird eine regelmässige Überwachung des Blutzuckerspiegels empfohlen.
Thromboembolische Ereignisse
Beobachtungsstudien mit Glukokortikoiden haben ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien (einschliesslich venöser Thromboembolien) gezeigt, insbesondere bei höheren kumulativen Dosen von Glukokortikoiden.
Das Risiko im Zusammenhang mit AGAMREE ist nicht bekannt. AGAMREE sollte bei Patienten mit thromboembolischen Erkrankungen oder einem Risiko für thromboembolische Ereignisse mit Vorsicht angewendet werden.
Gastrointestinale Perforation
Unter Kortikosteroiden besteht ein erhöhtes Risiko für eine gastrointestinale Perforation bei Patienten mit bestimmten gastrointestinalen Erkrankungen, wie aktive oder latente peptische Ulcera, einer Divertikulitis, einer frischen intestinalen Anastomose und einer unspezifischen ulcerativen Colitis. Anzeichen einer gastrointestinalen Perforation, wie z.B. eine peritoneale Reizung, können unter der Einnahme von Kortikosteroiden maskiert sein. Die Einnahme von AGAMREE wird nicht empfohlen bei drohender Perforation, Abszess oder anderen eitrigen Infektionen, Divertikulitis, einer frischen intestinalen Anastomose oder aktivem oder latenten Ulcus.
Kaposi-Sarkom
Bei Patienten unter einer meist chronischen Anwendung von Kortikosteroiden wurde über das Auftreten eines Kaposi’s Sarkom berichtet. Nach Absetzen der Behandlung kann es zur Besserung des Kaposi-Sarkoms kommen.
Anaphylaxie
Bei Patienten, die mit Glukokortikoiden behandelt wurden, ist in seltenen Fällen Anaphylaxie aufgetreten.
Vamorolon weist strukturelle Ähnlichkeiten mit Glukokortikoiden auf und muss bei der Behandlung von Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Glukokortikoiden mit Vorsicht angewendet werden.
Eingeschränkte Leberfunktion
Vamorolon wurde bei Patienten mit bestehender schwerer Leberschädigung (Child-Pugh-Klasse C) nicht untersucht und darf bei diesen Patienten nicht angewendet werden (siehe "Kontraindikationen" ).
Gleichzeitige Anwendung mit anderen Arzneimitteln
UGT-Substrate
Das Potenzial für Arzneimittelwechselwirkungen mit UGT wurde nicht vollständig untersucht. Daher sollten alle UGT-Inhibitoren als Begleitmedikation vermieden und, falls medizinisch erforderlich, mit Vorsicht angewendet werden.
Andere Hinweise
Dieses Arzneimittel enthält 1 mg Natriumbenzoat pro ml, entsprechend 100 mg/100 ml.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro 1 mL, d.h. es ist nahezu „natriumfrei“.

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