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Cilest®
Janssen-Cilag AG

Zusammensetzung

Wirkstoffe: Norgestimatum, Ethinylestradiolum.
Hilfsstoffe: Color: E 132 (Indigocarmin), Excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu 0,250 mg Norgestimatum und 0,035 mg Ethinylestradiolum.
Die Tabletten sind rund, hellblau und beidseits mit «C 250» bedruckt.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Hormonale Empfängnisverhütung.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung
Es wird an 21 aufeinanderfolgenden Tagen jeweils zur gleichen Tageszeit eine Tablette mit etwas Flüssigkeit eingenommen, gefolgt von einer 7-tägigen tablettenfreien Einnahmepause. Im Allgemeinen setzt wenige Tage nach Einnahme der letzten Tablette eine menstruationsähnliche Blutung ein. Unabhängig davon, ob die Blutung zum Stillstand gekommen ist oder noch andauert, wird am 8. Tag – d.h. nach 7 tablettenfreien Tagen – die Kontrazeption mit einer neuen Packung Cilest fortgesetzt.
Die Tabletten sind auf der Durchdrückpackung mit den 7 Wochentagen gekennzeichnet. Beginnt die Tabletteneinnahme z.B. an einem Mittwoch, ist die Tablette mit der Tagesangabe MI (= Mittwoch) aus dem gekennzeichneten Feld herauszudrücken. Die Tagesangabe ermöglicht somit eine genaue Kontrolle der Einnahme. Wenn die Tagesangabe mit dem tatsächlichen Wochentag übereinstimmt, sind die Tabletten vorschriftsgemäss eingenommen worden.
Beginn der Einnahme
Frauen, die im letzten Monat keine hormonalen Kontrazeptiva angewendet haben
Mit der Tabletten-Einnahme ist am 1. Tag des normalen Menstruationszyklus (also am 1.Tag der Regelblutung) zu beginnen. Ein Beginn ist auch vom 2.–5. Tag an möglich, wobei dann während der ersten 7 Tage der Tabletten-Einnahme im 1. Zyklus die zusätzliche Anwendung nichthormonaler Methoden der Kontrazeption (mit Ausnahme der Methoden wie Knaus-Ogino oder Temperaturmessung) empfohlen wird.
Wechsel von einem anderen kombinierten hormonalen Kontrazeptivum
Mit der Einnahme von Cilest ist vorzugsweise am folgenden Tag nach Einnahme der letzten wirkstoffhaltigen Tablette des bisherigen kombinierten oralen Kontrazeptivums, spätestens jedoch am Tag nach dem üblichen einnahmefreien Intervall bzw. der Plazebophase zu beginnen. Falls zwischen der Einnahme der letzten wirkstoffhaltigen Tablette des vorherigen Zyklus und der Einnahme von Cilest mehr als 7 Tage vergangen sind, wird eine zusätzliche Anwendung nichthormonaler Methoden der Kontrazeption während der ersten 7 Einnahmetage empfohlen. Hat in der Zwischenzeit bereits Geschlechtsverkehr stattgefunden, ist eine Schwangerschaft auszuschliessen.
Wechsel von einem Gestagenmonopräparat (Minipille, Injektion, Implantat, gestagenabgebendes IUD)
Die Umstellung von der Minipille kann an jedem beliebigen Tag erfolgen, von einem Implantat bzw. IUD frühestens am Tag der Entfernung und von einem Injektionspräparat zum Zeitpunkt, an dem die nächste Injektion fällig wäre. In all diesen Fällen sind während der ersten 7 Tage der Cilest-Einnahme zusätzlich nichthormonale Methoden der Kontrazeption anzuwenden.
Nach einem Abort im 1. Trimenon
Mit der Einnahme von Cilest kann sofort begonnen werden. Zusätzliche Verhütungsmassnahmen sind dann nicht erforderlich. Es ist zu beachten, dass bereits 10 Tage nach einem Abort Ovulationen auftreten können.
Nach einem Abort im 2. Trimenon oder einer Geburt
Nach einem Abort im 2. Trimenon oder nach einer Geburt sollte, wegen des in dieser Phase erhöhten Risikos thromboembolischer Erkrankungen, mit der Einnahme von Cilest frühestens zwischen dem 21. und 28. Tag begonnen werden. Bei einem späteren Beginn wird an den ersten 7 Tagen der Tabletten-Einnahme die zusätzliche Anwendung nichthormonaler Methoden der Kontrazeption empfohlen. Hat in der Zwischenzeit bereits Geschlechtsverkehr stattgefunden, ist vor dem Beginn der Einnahme eine Schwangerschaft auszuschliessen oder die erste Monatsblutung abzuwarten.
Vorgehen bei vergessener Tabletteneinnahme
Wird innerhalb von 12 Stunden bemerkt, dass die Einnahme der Tablette zum üblichen Zeitpunkt vergessen wurde, soll die Tablette sofort eingenommen werden. Die folgenden Tabletten sind wieder zur gewohnten Tageszeit einzunehmen. Der kontrazeptive Schutz wird dann nicht beeinträchtigt.
Wird die Tabletten-Einnahme mehr als 12 Stunden über den üblichen Zeitpunkt hinaus vergessen, ist der Konzeptionsschutz möglicherweise reduziert. Für die versäumte Einnahme gelten die folgenden zwei Grundregeln:
1.Die Einnahme darf nicht länger als 7 Tage unterbrochen werden.
2.Eine regelmässige Einnahme über mindestens 7 Tage ist erforderlich, um wirkungsvoll die Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse zu unterdrücken.
Daraus ergibt sich in Abhängigkeit von der Einnahmewoche folgendes Vorgehen:
1. Einnahmewoche: Die vergessene Tablette soll sofort eingenommen werden, sobald die vergessene Einnahme bemerkt wird – auch dann, wenn dadurch an einem Tag 2 Tabletten einzunehmen sind. Die weiteren Tabletten sollen zur gewohnten Zeit eingenommen werden. Während der folgenden 7 Tage ist zusätzlich eine nichthormonale Methode der Kontrazeption anzuwenden. Hat in den vorangegangen 7 Tagen Geschlechtsverkehr stattgefunden, muss die Möglichkeit einer Schwangerschaft berücksichtigt werden. Je mehr Tabletten vergessen wurden und je näher dies beim einnahmefreien Intervall liegt, desto grösser ist das Risiko einer Schwangerschaft.
2. Einnahmewoche: Die vergessene Tablette soll sofort eingenommen werden, sobald die vergessene Einnahme bemerkt wird – auch dann, wenn dadurch an einem Tag 2 Tabletten einzunehmen sind. Die weiteren Tabletten sollen zur gewohnten Zeit eingenommen werden. Vorausgesetzt, dass an den 7 vorangegangenen Tagen eine regelmässige Einnahme erfolgte, ist keine zusätzliche kontrazeptive Massnahme erforderlich. War dies nicht der Fall oder wurde mehr als 1 Tablette vergessen, sind während der nächsten 7 Tage zusätzlich nichthormonale Methoden der Kontrazeption anzuwenden.
3. Einnahmewoche: Es besteht wegen des bevorstehenden einnahmefreien Intervalls ein erhöhtes Schwangerschaftsrisiko. Wird eine der beiden folgenden Einnahmemöglichkeiten angewendet, sind keine zusätzlichen kontrazeptiven Massnahmen erforderlich, sofern die Einnahme an den letzten 7 Tagen regelmässig erfolgte. Andernfalls sollte die Einnahmemöglichkeit a) befolgt und während der nächsten 7 Tage zusätzlich eine nichthormonale Methode der Kontrazeption angewendet werden.
a) Die vergessene Tablette soll sofort eingenommen werden, sobald die vergessene Einnahme bemerkt wird – auch dann, wenn dadurch an einem Tag 2 Tabletten einzunehmen sind. Die weiteren Tabletten sollen zur gewohnten Zeit eingenommen werden. Die Tabletten-Einnahme aus der nächsten Packung ist unmittelbar danach, d.h. ohne Einhaltung des einnahmefreien Intervalls, zu beginnen. Es ist unwahrscheinlich, dass vor Ende der 2. Packung eine Entzugsblutung auftritt, jedoch kann es gehäuft zu Schmier- bzw. Durchbruchblutungen kommen.
b) Die Einnahme von Tabletten aus der aktuellen Packung wird abgebrochen. Nach einem einnahmefreien Intervall von bis zu 7 Tagen (einschliesslich jener Tage, an denen die Einnahme vergessen wurde), soll die nächste Packung angefangen werden.
Sollte es im nächsten einnahmefreien Intervall zu keiner Entzugsblutung kommen, muss die Möglichkeit einer Schwangerschaft in Betracht gezogen werden.
Verhalten bei Erbrechen
Bei Erbrechen innerhalb von 3–4 Stunden nach der Tabletten-Einnahme ist die Absorption möglicherweise unvollständig. In diesem Fall sind die Grundregeln der Rubrik «Vorgehen bei vergessener Tabletteneinnahme» zu beachten. Damit das gewohnte Einnahmeschema beibehalten werden kann, muss die zusätzlich einzunehmende Tablette aus einer Reservepackung entnommen werden.
Andere Methoden der Empfängnisverhütung sollten erwogen werden, wenn die gastrointestinale Störung voraussichtlich länger andauert.
Verschieben der Menstruation
Hinausschieben der Menstruation (Verlängerung des Zyklus)
Die Einnahme ist ohne einnahmefreies Intervall aus der nächsten Packung fortzusetzen. Dabei kann die Menstruation so lange wie gewünscht (längstens bis zum Ende der zweiten Packung) hinausgezögert werden. Während dieser Zeit kann es zu Schmier- und Durchbruchblutungen kommen. Die regelmässige Einnahme von Cilest wird dann nach der üblichen 7tägigen Pause fortgesetzt.
Vorverlegen der Menstruation
Der Beginn der Menstruation kann auf einen anderen Wochentag verschoben werden, indem das einnahmefreie Intervall beliebig verkürzt wird. Je kürzer das Intervall ist, desto unwahrscheinlicher kommt es zu einer Entzugsblutung bzw. desto häufiger treten während der Einnahme der nächsten Packung Schmier- und Durchbruchblutungen auf (ähnlich wie beim Hinausschieben der Menstruation).
Verhalten bei Blutungsunregelmässigkeiten
Bei allen kombinierten hormonalen Kontrazeptiva kann es, insbesondere in den ersten Monaten der Einnahme, zu unregelmässigen Blutungen (Schmier- bzw. Durchbruchblutungen) kommen. Daher ist eine diagnostische Abklärung unregelmässiger Blutungen erst nach einer Anpassungsphase von ca. 3 Zyklen sinnvoll.
Persistieren die Blutungsunregelmässigkeiten oder treten sie erstmals nach zuvor regelmässigen Zyklen auf, müssen auch nichthormonal bedingte Ursachen in Betracht gezogen werden. Demnach sind entsprechende diagnostische Massnahmen zum Ausschluss einer Schwangerschaft oder einer malignen Erkrankung angezeigt.
Die Entzugsblutung kann während des einnahmefreien Intervalls ausbleiben. Falls Cilest entsprechend den Dosierungsanweisungen eingenommen wurde, ist eine Schwangerschaft unwahrscheinlich. Wurde Cilest allerdings vor der ersten ausgebliebenen Entzugsblutung nicht vorschriftsgemäss eingenommen oder sind zwei Entzugsblutungen ausgeblieben, muss vor der weiteren Einnahme eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.
Besondere Patientengruppen
Niereninsuffizienz: Cilest wurde bei Frauen mit Niereninsuffizienz nicht untersucht und es können keine Dosierungsempfehlungen gemacht werden.
Leberinsuffizienz: Cilest darf bei Frauen mit Leberinsuffizienz nicht angewendet werden.
Jugendliche: Die Wirksamkeit und Sicherheit von Cilest wurde an Frauen ab einem Alter von 18 Jahren untersucht. Für Jugendliche wird, falls indiziert, die gleiche Dosierung wie bei Erwachsenen empfohlen.

Kontraindikationen

Cilest soll unter folgenden Umständen nicht eingenommen bzw. muss unverzüglich abgesetzt werden, wenn während der Einnahme eine der folgenden Situationen bzw. Erkrankungen erstmalig auftritt:
Bestehende oder frühere Arterien- oder Venenthrombose oder Embolie (z.B. tiefe Beinvenenthrombose, Retinathrombose, Lungenembolie, zerebrovaskulärer Insult, Myokardinfarkt) sowie Vorstadien einer Thrombose (z.B. transitorische ischämische Attacken, Angina pectoris);
Bekannte Thrombophilie.
Migräne mit fokaler Aura.
Diabetes mellitus mit Gefässveränderungen.
Persistierende Blutdruckwerte ≥160 mmHg systolisch oder ≥100 mmHg diastolisch.
Das Vorliegen eines schwerwiegenden Risikofaktors oder das Aufeinandertreffen mehrerer Risikofaktoren für venöse oder arterielle Thrombosen kann ebenfalls als Kontraindikation gewertet werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Bekannte oder vermutete sexualhormonabhängige Tumoren.
Genitalblutungen unbekannter Ursache.
Bestehende oder vorausgegangene schwere Lebererkrankung, solange abnorme Leberfunktionsparameter bestehen.
Ikterus während einer Schwangerschaft oder während einer früheren Einnahme von Sexualhormonen.
Bestehende oder vorausgegangene Leberadenome oder -karzinome.
Bekannte oder vermutete Schwangerschaft.
Überempfindlichkeit gegenüber den Wirkstoffen oder einem der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Der Nutzen einer Anwendung eines hormonalen Kontrazeptivums sollte gegen die nachfolgend aufgeführten Risiken, unter Berücksichtigung des Schweregrades jedes einzelnen oder dem Aufeinandertreffen mehrerer Faktoren abgewogen und mit jeder Anwenderin besprochen werden, bevor man sich zur Anwendung eines hormonalen Kontrazeptivums entschliesst (siehe auch «Kontraindikationen»).
Es soll darüber aufgeklärt werden, dass hormonale Kontrazeptiva keinen Schutz vor HIV-Infektionen (AIDS) und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bieten.
Vor Beginn der Einnahme eines hormonalen Kontrazeptivums soll eine sorgfältige Eigen- und Familienanamnese erhoben sowie eine gründliche allgemeine und gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden, um behandlungsbedürftige Krankheiten sowie Risikozustände festzustellen und eine Schwangerschaft ausschliessen zu können. Diese Untersuchungen schliessen allgemein Blutdruck, Mammae, Abdomen und Beckenorgane, inkl. Zervixzytologie und relevante Laboruntersuchungen mit ein.
Während der Anwendung empfehlen sich Kontrollen in etwa halbjährlichen bis jährlichen Abständen, wobei die Kontraindikationen (z.B. eine transitorische ischämische Attacke) oder Risikofaktoren (z.B. Familienanamnese venöser oder arterieller Thrombosen, vgl. «Vaskuläre Risikofaktoren und Komplikationen») erneut überprüft werden sollten, da diese während der Einnahme eines hormonalen Kontrazeptivums zum ersten Mal auftreten können. Wiederholte Durchbruchblutungen oder unerwartete vaginale Blutungen erfordern eine weitere Abklärung (siehe auch «Dosierung/Anwendung: Verhalten bei Blutungsunregelmässigkeiten»).
Gründe zum sofortigen Absetzen
Erstmaliges Auftreten oder Exazerbation migräneartiger oder häufigeres Auftreten ungewohnt starker Kopfschmerzen.
Plötzliche Seh-, Hör-, Sprech- oder sonstige Wahrnehmungsstörungen.
Erste Anzeichen von thromboembolischen Erkrankungen (vgl. «Vaskuläre Risikofaktoren und Komplikationen»).
Mindestens 4 Wochen vor geplanten Operationen und während einer Immobilisation, z.B. nach Unfall oder Operation.
Signifikanter Blutdruckanstieg (bei wiederholter Messung).
Auftreten von Ikterus, Hepatitis, generalisiertem Pruritus.
Starke Oberbauchschmerzen oder Lebervergrösserung.
Schwangerschaft.
Der Arzt soll die Anwenderin auf die ersten Anzeichen der folgenden Erkrankungen/Risikofaktoren aufmerksam machen. Bei Auftreten entsprechender Symptome oder Verdacht auf eine dieser Erkrankungen sollte das Präparat gegebenenfalls abgesetzt und alternative Verhütungsmethoden mit der Anwenderin besprochen werden.
Vaskuläre Risikofaktoren und Komplikationen
Bei Frauen, die hormonale Kontrazeptiva anwenden, besteht ein leicht erhöhtes Risiko venöser und arterieller thromboembolischer Erkrankungen, wie z.B. tiefe Beinvenenthrombose , Lungenembolie , Myokardinfarkt oder Apoplexie.
Venöse Thromboembolien (VTE) können während der Anwendung aller hormonalen Kontrazeptiva auftreten. Eine grosse, prospektive 3-armige Kohortenstudie hat gezeigt, dass die Inzidenz für venöse Thromboembolien (VTE) unter Anwendung kombinierter Kontrazeptiva mit niedriger Östrogendosis (<0.05 mg Ethinylestradiol) bei 8 bis 10 Fällen pro 10‘000 Frauenjahren liegt. Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass die VTE-Inzidenz bei Nichtanwenderinnen, welche nicht schwanger sind, ungefähr bei 4,4 und bei Schwangeren und Wöchnerinnen bei 20–30 Fällen pro 10‘000 Frauenjahren liegt. Bei einem Teil der zahlreichen epidemiologischen Studien zur Thrombose-/Emboliehäufigkeit unter oralen Kontrazeptiva bei gesunden Frauen ohne bekannte Risikofaktoren für Thromboseentstehung wurde ein ca. 2-fach erhöhtes Risiko für ein thromboembolisches Ereignis unter Kombinationspräparaten mit Gestoden bzw. Desogestrel im Vergleich zu den Kombinationspräparaten mit Levonorgestrel bei gleichem Ethinylestradiolgehalt beobachtet. Nicht alle Studien konnten das erhöhte Risiko bestätigen. Prospektive, kontrollierte, randomisierte Studien zu dieser Problematik liegen noch nicht vor. Die zur Zeit verfügbaren klinischen Daten zu Cilest erlauben keine klare Zuteilung hinsichtlich VTE-Risiko zu den Kontrazeptiva mit Levonorgestrel oder Gestoden/Desogestrel.
Das Risiko für VTE ist während des ersten Anwendungsjahres (insbesondere während der ersten 3 Monate) eines kombinierten Kontrazeptivums am höchsten. Eine Interimsanalyse deutet darauf hin, dass dieses erhöhte Risiko sowohl bei der erstmaligen Einnahme eines kombinierten Kontrazeptivums als auch bei der erneuten Einnahme des gleichen oder eines anderen kombinierten Kontrazeptivums besteht (nach einem mindestens 4-wöchigen oder länger dauernden pillenfreien Intervall).
Äusserst selten wurde unter hormonalen Kontrazeptiva auch über Thrombosen in anderen Blutgefässen, wie z.B. hepatischen, mesenterialen, renalen oder retinalen Venen und Arterien sowie über Sinusvenenthrombosen berichtet. Es wurde ebenfalls über Einzelfälle von Subarachnoidalblutungen berichtet. Ein Zusammenhang mit der Einnahme von hormonalen Kontrazeptiva ist jedoch nicht erwiesen.
Symptome einer tiefen venösen Thrombose (DVT) können sein
·Unilaterale Schwellung in einem Bein oder entlang einer Vene im Bein;
·Spannungsgefühl oder Schmerzen in einem Bein, auch wenn sie nur beim Stehen oder Laufen spürbar sind;
·Überwärmung, Rötung oder Verfärbung der Haut am betroffenen Bein.
Symptome einer Lungenembolie (PE) können sein
·Plötzlich unerklärliche Kurzatmigkeit, schnelles Atmen oder Atemnot; Anstrengungsintoleranz;
·Plötzliches Auftreten von Husten, eventuell mit blutigem Sputum;
·Plötzlicher starker Schmerz im Brustkorb, welcher sich bei tiefer Atmung verstärken kann;
·Starke Benommenheit, Schwindel oder Angstgefühl;
·Tachykardie oder Arrhythmien.
Symptome eines zerbrovaskulären Insults können sein
·Plötzliches Taubheit oder Kraftlosigkeit des Gesichtes, eines Armes oder Beines, vor allem einer Körperhälfte;
·Plötzliche Verwirrtheit;
·Undeutliche Aussprache oder Verständnisprobleme;
·Plötzliche Sehstörungen in einem oder beiden Augen;
·Plötzliche Gehstörungen;
·Schwindel;
·Gleichgewichts- oder Koordinationsstörungen;
·Plötzliche schwere oder länger anhaltende Kopfschmerzen unbekannter Ursache;
·Bewusstseinsverlust oder Ohnmacht mit oder ohne Krampfanfall.
Symptome eines Myokardinfarktes können sein
·Schmerzen, Unwohlsein, Druckgefühl, Schweregefühl, Enge- oder Spannungsgefühl in der Brust, Arm oder hinter dem Brustbein;
·Beschwerden, welche in den Rücken, in den Kiefer, Hals, Arm oder Magen ausstrahlen;
·Völlegefühl, Magenbeschwerden oder Würgereiz;
·Schwitzen, Nausea, Erbrechen oder Schwindel;
·Extremes Schwäche- oder Angstgefühl oder Kurzatmigkeit;
·Tachykardie oder Arrhythmien.
Andere Symptome eines vaskulären Verschlusses können sein
·Plötzlicher Schmerz, Schwellung oder leichte Cyanose oder Extremität;
·Akutes Abdomen.
Einige dieser Symptome (z.B. Kurzatmigkeit oder Husten) sind nicht spezifisch und können als häufige oder weniger schwere Ereignisse (z.B. Atemwegsinfektionen) missgedeutet werden.
Das Risiko venöser oder arterieller thrombotischer/thromboembolischer Komplikationen oder eines zerebrovaskulären Insults ist zusätzlich erhöht bei:
·Höherem Alter (insbesondere bei Frauen über 35) und starkem Rauchen. Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva, einschliesslich Cilest sollen bei über 35-jährigen Raucherinnen nicht angewendet werden;
·Adipositas (Body Mass Index >30 kg/m2);
·Positive Familienanamnese (d.h. venöse oder arterielle Thromboembolien bei einem Geschwister oder Elternteil in jungen Lebensjahren). Bei Bestehen oder Verdacht auf eine hereditäre Prädisposition soll vor Beginn der Einnahme eines hormonellen Kontrazeptivums ein Spezialist konsultiert werden;
·Längerfristiger Immobilisierung, grösseren chirurgischen Eingriffen, jedem chirurgischen Eingriff an den Beinen, sowie schweren Verletzungen. In diesen Fällen sollten COC abgesetzt (bei geplanten chirurgischen Eingriffen mind. 4 Wochen vorher) und die Einnahme frühestens 2 Wochen nach vollständiger Mobilisierung wieder aufgenommen werden;
·Längerem Sitzen wie z.B. bei Langstreckenflügen;
·Fettstoffwechselstörungen;
·Hypertonie;
·Migräne;
·Herzklappenerkrankungen;
·Vorhofflimmern.
Ob ein möglicher Zusammenhang zwischen Varikose bzw. spontan auftretender oberflächlicher Thrombophlebitis und tiefer Venenthrombose bestehen könnte, ist unklar. Das im Wochenbett erhöhte thromboembolische Risiko muss berücksichtigt werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).
Andere Erkrankungen, die mit ungünstigen Zirkulationsverhältnissen assoziiert werden, sind
·Diabetes mellitus;
·Systemischer Lupus erythematodes;
·Hämolytisch-urämisches Syndrom;
·Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Enteritis regionalis Crohn oder Colitis ulcerosa);
·Sichelzellenanämie.
Migräne (ein Anstieg der Häufigkeit oder des Schweregrades unter der Einnahme eines hormonalen Kontrazeptivums kann als Frühsymptom einer cerebrovaskulären Komplikation gewertet werden und Grund für das sofortige Absetzen eines hormonalen Kontrazeptivums sein).
Bei bestehenden Risikofaktoren ist allenfalls eine gerinnungsphysiologische Gesamtabklärung angezeigt. Das hämostatische Screeningprogramm kann die Untersuchung von Fibrinogen, Antithrombin III, Homocystein, Protein C und Protein S sowie Tests zur APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation) und auf Antiphospholipid-Antikörper (einschliesslich Lupus-Antikoagulans und Antikardiolipin-Antikörper) beinhalten.
Beim Abwägen von Nutzen und Risiken bzgl. vaskulärer Komplikationen gilt es zu beachten, dass durch angemessene Behandlung bestehender Krankheiten das damit verbundene Thromboserisiko verringert werden kann und dass eine Schwangerschaft im Vergleich zur Einnahme eines hormonalen Kontrazeptivums ein höheres Risiko birgt.
Tumorerkrankungen
Einige epidemiologische Untersuchungen deuten auf ein erhöhtes Zervixkarzinom-Risiko unter Langzeiteinnahme von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva hin. Möglicherweise spielen das Sexualverhalten oder andere Faktoren wie etwa Humanpapillomaviren eine Rolle.
Eine Metaanalyse von 54 epidemiologischen Studien hat ergeben, dass das relative Risiko (RR) der Diagnosestellung eines Mammakarzinoms bei Frauen, die kombinierte orale Kontrazeptiva einnehmen, geringfügig erhöht (RR= 1,24) ist. Nach Absetzen der kombinierten oralen Kontrazeptiva sinkt das erhöhte Risiko kontinuierlich ab und ist nach 10 Jahren nicht mehr nachweisbar. Da Mammakarzinome vor dem 40. Lebensjahr selten sind, ist bei Frauen, die ein kombiniertes orales Kontrazeptivum einnehmen oder bis vor kurzem eingenommen haben, die zusätzlich diagnostizierte Anzahl an Mammakarzinomen im Verhältnis zum Mammakarzinom-Gesamtrisiko gering. Diese Studien liefern keine Hinweise auf eine Kausalität. Die beobachtete Risikoerhöhung kann sowohl auf eine bei Anwenderinnen von kombinierten oralen Kontrazeptiva frühzeitigere Erkennung als auch auf biologische Wirkungen von kombinierten oralen Kontrazeptiva oder auf beide Faktoren gemeinsam zurückzuführen sein. Mammakarzinome bei Frauen, die ein kombiniertes orales Kontrazeptivum eingenommen haben, waren zum Zeitpunkt der Diagnosestellung tendenziell weniger weit fortgeschritten als bei Frauen, die nie ein kombiniertes orales Kontrazeptivum eingenommen haben.
In seltenen Fällen wurden unter Anwendung kombinierter oraler Kontrazeptiva gutartige und noch seltener bösartige Lebertumore beobachtet, zu deren möglichen Komplikationen lebensbedrohliche intraabdominale Blutungen gehören. Wenn starke Oberbauchbeschwerden, eine Lebervergrösserung oder Hinweise auf intraabdominale Blutungen auftreten, sollte ein Lebertumor in die differentialdiagnostischen Überlegungen miteinbezogen werden.
Sonstige Vorsichtsmassnahmen
Frauen, die ein hormonales Kontrazeptivum anwenden, sollen nicht gleichzeitig mit Johanniskraut-Präparaten (Hypericum) behandelt werden, da die kontrazeptive Wirkung beeinträchtigt werden kann. Über Zwischenblutungen und Einzelfälle unerwünschter Schwangerschaften bei gleichzeitiger Anwendung von oralen hormonalen Kontrazeptiva und Johanniskraut-Präparaten wurde berichtet (siehe «Interaktionen»).
Bei Frauen mit bestehender oder familiärer Hypertriglyzeridämie ist unter der Einnahme von hormonalen Kontrazeptiva möglicherweise mit einem erhöhten Pankreatitis-Risiko zu rechnen.
Bei Frauen mit Bluthochdruck (persistierender systolischer Wert von 140-159 oder persistierender diastolischer Wert von 90-99 mmHg) sollte der Blutdruck gut eingestellt sein, bevor mit der Anwendung oraler Kontrazeptiva begonnen wird. Die Einnahme sollte bei einer wesentlichen persistierenden und nicht adäquat zu kontrollierenden Blutdruckerhöhung (≥160 mmHg systolisch oder ≥100 mmHg diastolisch) abgebrochen werden (siehe auch Abschnitt Kontraindikationen).
Während der Therapie mit hormonalen Kontrazeptiva werden regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks empfohlen. Im Allgemeinen sollten Frauen, die während einer Therapie mit hormonalen Kontrazeptiva eine Hypertonie entwickeln, auf ein nicht-hormonales Kontrazeptivum umgestellt werden. Wenn andere kontrazeptive Methoden nicht geeignet sind, kann die Kontrazeption nach erfolgter medikamentöser Blutdruckeinstellung wieder fortgeführt werden.
Möglicherweise werden folgende Krankheiten, die sich in der Gravidität verschlimmern können, auch durch hormonale Kontrazeptiva ungünstig beeinflusst, doch lassen die verfügbaren Daten keine eindeutigen kausalen Schlüsse zu: cholestatischer Ikterus und/oder Pruritus; Cholelithiasis; Porphyrie; systemischer Lupus erythematodes; hämolytisch-urämisches Syndrom; Chorea minor; Herpes gestationis; Otosklerose-bedingter Hörverlust.
Beim Wiederauftreten eines cholestatischen Ikterus, der erstmalig während einer Schwangerschaft oder während einer früheren Einnahme von Sexualsteroidhormonen aufgetreten ist, müssen hormonale Kontrazeptiva abgesetzt werden.
Nach einer Hepatitis sollten vor der Gabe eines oralen Kontrazeptivums die Leberfunktionstests für mindestens drei Monate normale Werte ergeben.
Östrogene können die Lithogenität der Galle erhöhen. Über Cholelithiasis und andere Erkrankungen der Gallenblase (z.B. Cholezystitis) wurde im Zusammenhang mit der Anwendung hormonaler Kontrazeptiva berichtet.
Obwohl es unter der Einnahme von hormonalen Kontrazeptiva zu einer Beeinflussung der peripheren Insulinresistenz und der Glukosetoleranz kommen kann, scheint eine Änderung des Therapieschemas bei Diabetikerinnen nicht erforderlich. Dennoch sollten Frauen mit Diabetes sorgfältig überwacht werden.
Die Einnahme von hormonalen Kontrazeptiva wurde mit dem Auftreten von Enteritis regionalis Crohn sowie Colitis ulcerosa assoziiert.
Bei prädisponierten Frauen kann die Einnahme von hormonalen Kontrazeptiva gelegentlich ein Chloasma (Pigmentierung im Gesicht) verursachen, das durch intensive Sonnenbestrahlung noch verstärkt wird. Frauen, die hierzu neigen, sollten sich deshalb nicht zu starker UV-Strahlung aussetzen.
Bei Frauen mit hereditärem und/oder erworbenen Angioödem können exogene Östrogene die Symptome des Angioödems induzieren oder verschlimmern.

Interaktionen

Einfluss anderer Arzneimittel auf die Pharmakokinetik hormonaler Kontrazeptiva
Interaktionen von Ethinylestradiol, der Östrogenkomponente von Cilest, mit anderen Arzneimitteln können zu einer Erhöhung oder einer Erniedrigung der Ethinylestradiol-Serum-Konzentrationen führen. Ist eine Langzeittherapie mit solchen Arzneimitteln erforderlich, sollten nicht-hormonale Kontrazeptionsmethoden in Erwägung gezogen werden.
Arzneimittel, welche die Sexualhormon-Konzentrationen reduzieren können
Arzneimittel (einschliesslich pflanzlicher Präparate), welche CYP450-Enzyme (insbesondere CYP3A4) induzieren, können die Clearance von Sexualhormonen beschleunigen und dadurch zu einer Verminderung des kontrazeptiven Schutzes sowie zu Durchblutungen führen. Beispiele für solche Arzneimittel sind: Aprepitant bzw. Fos-aprepitant, Barbiturate, Bosentan, Carbamazepin, Felbamat, Modafinil, Oxcarbazepin, Phenytoin, Primidon, Rifabutin, Rifampicin und Topiramat sowie Johanniskraut (Hypericum).
Die maximale Enzyminduktion wird im Allgemeinen nach 2-3 Wochen erreicht und kann während mindestens 4 Wochen nach Absetzen dieser Arzneimittel anhalten.
Vorsicht ist auch geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Proteaseinhibitoren (z.B. Ritonavir und Nelfinavir sowie deren Kombinationen) oder nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren, die als starke Inhibitoren von Cytochrom P450 bekannt sind, jedoch bei gleichzeitiger Anwendung mit Steroidhormonen induzierende Eigenschaften aufweisen.
Frauen, die kurzfristig mit einem solchen Arzneimittel behandelt werden, sollten dazu aufgefordert werden, zusätzlich zu Cilest vorübergehend, d.h. während der Verwendung der Begleitmedikation sowie während mindestens 7 Tagen nach deren Absetzen, eine nicht-hormonale Methode der Kontrazeption anzuwenden. Im Falle einer Begleitmedikation mit Rifampicin oder Griseofulvin gilt dies für mindestens 28 Tage nach dem Absetzen. Wird die gleichzeitige medikamentöse Behandlung über das Ende der aktuellen Packung von Cilest hinaus fortgesetzt, so ist die nächste Packung ohne Unterbrechung, d.h. ohne Einhaltung des üblichen einnahmefreien Intervalles, zu beginnen.
Über Schwangerschaften (d.h. eine reduzierte kontrazeptive Wirksamkeit) wurde auch bei gleichzeitiger Einnahme oraler Kontrazeptiva mit bestimmten Antibiotika (z.B. Aminopenicilline, Tetracycline) berichtet. Als Mechanismus wurde ein Einfluss auf den enterohepatischen Kreislauf der Sexualhormone vermutet. Pharmakokinetische Studien haben jedoch keinen konsistenten Effekt von Antibiotika auf die Plasmakonzentrationen synthetischer Sexualsteroide gezeigt.
Arzneimittel, welche die Sexualhormon-Konzentrationen erhöhen können
Einige Arzneimittel sowie Grapefruitsaft können (z.B. durch Inhibition hepatischer Enzyme) bei gleichzeitiger Verabreichung die Plasmaspiegel von Sexualhormonen erhöhen und zum vermehrten Auftreten unerwünschter Wirkungen führen. Beispiele für solche Arzneimittel sind: Ascorbinsäure, CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Itraconazol, Voriconazol, Fluconazol, Clarithromycin), Cox-2-Hemmer wie Etoricoxib, HMG-CoA-Reduktasehemmer (wie Atorvastatin oder Rosuvastatin), einige HIV-Protease-Inhibitoren (wie Atazanavir oder Indinavir), einige nicht-nukleosidisch Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (wie Etravirin) sowie Paracetamol.
Einfluss hormonaler Kontrazeptiva auf die Pharmakokinetik anderer Arzneimittel
Hormonale Kontrazeptiva können auch die Pharmakokinetik anderer Arzneimittel beeinflussen und entsprechend zu einer Verminderung oder Verstärkung von denen Wirkungen und Nebenwirkungen führen.
Arzneimittel, deren Konzentrationen durch Sexualhormone reduziert werden können
Durch Induktion der hepatischen Glukuronidierung können die Wirkstoff-Konzentrationen reduziert werden. Beispiele hierfür sind: Clofibrat, Lamotrigin (s.u.), Morphin, Paracetamol, Salicylsäure, Temazepam.
Lamotrigin
Eine Interaktionsstudie mit Lamotrigin, einem Antiepileptikum, und einem kombinierten oralen Kontrazeptivum (30 µg Ethinylestradiol/150 µg Levonorgestrel) zeigte eine klinisch relevante Steigerung der Lamotrigin-Clearance mit einer entsprechenden signifikanten Abnahme der Lamotrigin-Plasmaspiegel, wenn diese Arzneimittel gleichzeitig verabreicht wurden. Eine derartige Senkung der Plasmakonzentrationen kann mit einer reduzierten Anfallskontrolle einhergehen. Es ist nicht bekannt, in wie weit diese Befunde auf hormonale Kontrazeptiva mit anderen Gestagen-Komponenten (wie Norgestimat) übertragbar sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese Präparate ein vergleichbares Interaktionspotential aufweisen.
Wird bei einer Patientin, welche Lamotrigin einnimmt, eine Behandlung mit Cilest neu begonnen, kann daher eine Anpassung der Lamotrigindosis erforderlich sein, und die Lamotrigin-Konzentration sollte zu Beginn der Therapie engmaschig überwacht werden. Hierbei ist insbesondere auch zu beachten, dass es zu einem deutlichen Anstieg des Lamotriginspiegels (unter Umständen in den toxischen Bereich) kommen kann, wenn das hormonale Kontrazeptivum abgesetzt wird (sowie unter Umständen in den 7-tägigen Einnahmepausen).
Arzneimittel, deren Konzentrationen durch Sexualhormone erhöht werden können
Durch Inhibition hepatischer mikrosomaler Enzyme können die Konzentrationen insbesondere von Substraten der CYP450-Enzyme erhöht werden. Beispiele hierfür sind: Ciclosporin, Omeprazol, Prednisolon, Theophyllin, Tizanidin, Voriconazol sowie einige Benzodiazepine (z.B. Diazepam).
Es wird empfohlen, auch die Fachinformation gleichzeitig verabreichter Arzneimittel zu konsultieren.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Einnahme von Cilest ist während der Schwangerschaft kontraindiziert. Vor Beginn der Anwendung des Arzneimittels ist eine Schwangerschaft auszuschliessen. Tritt unter der Anwendung eine Schwangerschaft ein oder wird eine solche vermutet, ist das Arzneimittel sofort abzusetzen und der Arzt zu konsultieren.
Es gibt Hinweise auf fötale Risiken, basierend auf tierexperimentellen Untersuchungen. Die meisten bis heute durchgeführten epidemiologischen Studien haben jedoch keine eindeutigen Hinweise auf eine embryotoxische oder teratogene Wirkung ergeben, wenn Kombinationen aus Estrogenen und Gestagenen versehentlich während der Schwangerschaft angewendet wurden.
Das Arzneimittel sollte nicht in der Stillzeit angewendet werden, da die Milchproduktion reduziert und die Milchqualität verändert sein kann und geringe Wirkstoffkonzentrationen in der Milch gemessen werden können. Wenn möglich sollten bis zum vollständigen Abstillen des Kindes nichthormonale Kontrazeptionsmethoden angewendet werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es sind keine Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen festgestellt worden.

Unerwünschte Wirkungen

Die schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme von kombinierten oralen Kontrazeptiva sind in der Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» beschrieben (siehe dort).
Die Sicherheit von Cilest wurde an insgesamt 1891 gesunden Frauen im gebärfähigen Alter evaluiert, die an 5 klinischen Studien (darunter 2 randomisierte, aktiv-kontrollierte und 3 offene, unkontrollierte Studien) eingeschlossen waren und mindestens 1 Dosis Cilest zur Kontrazeption eingenommen hatten. Die Beobachtungsdauer betrug in 3 Studien bis zu 24 Zyklen, in den anderen 2 Studien bis zu 12 Zyklen.
Basierend auf den gepoolten Sicherheitsdaten dieser 5 Studien waren die am häufigsten berichteten unerwünschten Wirkungen: Kopfschmerzen (27,9%), vaginale Infektionen (7,5%), Fluor genitalis (6%) und Brustschmerzen (5,7%). Die Inzidenz der meisten unerwünschten Wirkungen war im ersten Zyklus am höchsten und nahm im Laufe der weiteren Behandlungszyklen nach.
Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystemen (MEDDRA) und Häufigkeit geordnet angegeben. Bei den Häufigkeitsangaben werden folgende Definitionen zugrunde gelegt:
Sehr häufig (≥1/10);
Häufig (≥1/100 bis <1/10);
Gelegentlich (≥1/1‘000 bis <1/100);
Selten (≥1/10‘000 bis < 1/1‘000);
Sehr selten (<1/10‘000);
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschliessend abschätzbar).
Infektionen
Häufig: vaginale Infektionen (z.B. Candidiasis), Harnwegsinfekt.
Neoplasmen
Nicht bekannt: Mammakarzinom.
Immunsystem
Häufig: Überempfindlichkeitsreaktionen.
Nicht bekannt: Angioödem.
Stoffwechsel und Ernährung
Häufig: Flüssigkeitsretention, Gewichtszunahme.
Gelegentlich: steigender oder verminderter Appetit, Gewichtsabnahme.
Nicht bekannt: Dyslipidämie.
Psychiatrische Störungen
Häufig: Stimmungsschwankungen, Nervosität, Depression.
Gelegentlich: Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Libidoveränderungen.
Nervensystem
Sehr häufig: Kopfschmerzen (27.9%).
Häufig: Schwindel, Schlaflosigkeit, Migräne.
Gelegentlich: Parästhesien, Synkope.
Nicht bekannt: Schlaganfall, Krampfanfall.
Augen
Gelegentlich: trockene Augen, Sehstörungen.
Nicht bekannt: Kontaktlinsenunverträglichkeit.
Herz
Gelegentlich: Palpitationen.
Selten: Tachykardie.
Nicht bekannt: Myokardinfarkt.
Gefässe
Gelegentlich: Hitzewallungen, Hypertonie, thromboembolische Ereignisse (arterielle Thromboembolie).
Respirationstrakt
Gelegentlich: Dyspnoe.
Nicht bekannt: Lungenembolie.
Gastrointestinaltrakt
Sehr häufig: Übelkeit (29.1%), Erbrechen (11.8%), Diarrhoe (11.8%).
Häufig: Flatulenz, Bauchschmerzen, Obstipation, aufgetriebener Leib.
Gelegentlich: Dyspesie.
Selten: Pankreatitis, gastroduodenale Ulcera.
Leber/Galle
Selten: Hepatitis.
Nicht bekannt: Leberzelladenom, fokal-noduläre Hyperplasie.
Haut
Häufig: Akne, Ausschlag.
Gelegentlich: Erythem, Urtikaria, Chloasma, Pruritus, Alopezie, Hirsutismus.
Selten: Seborrhoe, Hyperhidrose, Photosensitivitätsreaktionen, Erythema nodosum.
Muskelskelettsystem
Häufig: Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten.
Gelegentlich: Myalgie.
Reproduktionssystem und Brust
Sehr häufig: Dysmenorrhoe (40.4%), Metrorrhagien (26.3%), anormale Entzugsblutung (16.9%).
Häufig: Fluor genitalis, Brustspannen, Amenorrhoe, Brustschmerzen.
Gelegentlich: Brustvergrösserung, Zervixdysplasie, Sekretion aus der Brustwarze, Ovarialzyste, vulvovaginale Trockenheit.
Selten: Brustzyste.
Nicht bekannt: benigne Neoplasien der Brust (z.B. Fibroadenom), unterdrückte Laktation.
Allgemeine Störungen
Häufig: Müdigkeit, Ödeme, Schmerzen im Brustkorb.
Nicht bekannt: Nachtschweiss.
Unter der Einnahme anderer kombinierter Kontrazeptiva wurde darüber hinaus über folgende unerwünschte Wirkungen berichtet: Hauttrockenheit, Ekzem, Erythema multiforme, Arthralgien, Unterleibsschmerzen, Schmierblutungen, Menorrhagien.

Überdosierung

Es liegen keine Meldungen über schwerwiegende Folgen einer Überdosierung vor. Mögliche Symptome einer Überdosierung sind gastrointestinale Störungen, Störungen der Leberfunktion und des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes sowie bei jungen Mädchen vaginale Blutungen. Da kein spezifisches Antidot existiert, sollte die Behandlung ggf. symptomatisch erfolgen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G03AA11
Wie bei allen kombinierten oralen Kontrazeptiva beruht die kontrazeptive Wirkung von Cilest auf verschiedenen Faktoren, als deren wichtigste die Ovulationshemmung und die Veränderung des Zervixsekrets anzusehen sind. Darüber hinaus bietet das Endometrium infolge der morphologischen und enzymatischen Veränderungen ungünstige Verhältnisse für die Nidation.
Neben der kontrazeptiven Wirkung haben kombinierte orale Kontrazeptiva verschiedene günstige Eigenschaften, die unter Berücksichtigung der möglichen nachteiligen Wirkungen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie «Unerwünschte Wirkungen») die Wahl der Verhütungsmethode beeinflussen können. Die Zyklen werden regelmässiger, die Menstruation oft weniger schmerzhaft und der Blutverlust geringer. Letzteres verringert die Häufigkeit von Eisenmangel.
Zusätzlich zeigte sich, unter höher dosierten kombinierten oralen Kontrazeptiva (50 µg Ethinylestradiol), ein verringertes Risiko von fibrozystischen Mastopathien, Ovarialzysten, Infektionen des kleinen Beckens (Pelvic inflammatory disease), ektopischen Schwangerschaften während der Anwendungsdauer sowie eine Verringerung des Risikos für die Entwicklung von Endometrium- bzw. Ovarialkarzinomen während und nach der Anwendung. Wieweit dies auch für niedriger dosierte kombinierte orale Kontrazeptiva zutrifft, bleibt nachzuweisen.

Pharmakokinetik

Norgestimat
Absorption
Bei Norgestimat handelt es sich um ein Prodrug, welches aufgrund eines ausgeprägten First pass-Metabolismus selbst im Plasma nicht nachweisbar ist. Die pharmakologisch aktiven Metaboliten Norgestrel und 17-Deacetyl-Norgestimat (= Norelgestromin) erreichen ihre maximalen Plasmakonzentrationen innerhalb von 2 Stunden nach der Einnahme.
Verteilung
17-Deacetyl-Norgestimat und Norgestrel sind stark (>97%) an Serumproteine gebunden. 17-Deacetyl-Norgestimat ist an Albumin und nicht an das sexualhormonbindende Hormon (SHBG) gebunden; dagegen ist Norgestrel hauptsächlich an SHBG und in viel geringerem Ausmass an Albumin gebunden.
Metabolismus
Norgestimat wird in Leber und Darmwand extensiv metabolisiert. Aktiver Hauptmetabolit ist Norelgestromin, welches anschliessend in der Leber zum ebenfalls aktiven Norgestrel sowie zu weiteren hydroxylierten Metaboliten metabolisiert wird. Am Metabolismus sind CYP3A4 und CYP2A6 beteiligt. Die Metaboliten unterliegen anschliessend einer Konjugation.
Elimination
Die Elimination erfolgt in Form von Metaboliten zu 47% im Urin und 37% über die Fäces. Die Eliminations-Halbwertszeit von 17-Deacetyl-Norgestimat beträgt 24,9 Stunden, diejenige von Norgestrel 45 Stunden.
Ethinylestradiol (EE)
Absorption
EE wird nach oraler Gabe rasch und vollständig resorbiert. Maximale Serumkonzentrationen von ca. 80 pg/ml werden 1–2 Stunden nach Verabreichung einer Einzeldosis erreicht. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt infolge präsystemischer Metabolisierung (First-Pass-Effekt) ca. 60%.
Distribution
EE ist sehr stark, aber unspezifisch an Serumalbumin gebunden (ca. 98,5%) und verursacht eine Zunahme der Serumkonzentrationen von SHBG. Das Verteilungsvolumen beträgt ca. 5 l/kg.
Steady-State Bedingungen
Entsprechend der variablen terminalen Halbwertszeit werden Steady-State-Serumspiegel von EE nach etwa einer Woche erreicht.
Metabolismus
EE wird präsystemisch sowohl in der Schleimhaut des Dünndarms als auch in der Leber metabolisiert. In der Dünndarmschleimhaut wird es konjugiert, in der Leber durch Phase-I-Metabolismus (Hauptmetaboliten: 2-Hydroxyethinylestradiol und 2-Methoxyethinyl-estradiol) und Konjugation abgebaut. Die Glucuronsäure- und Sulfatkonjugate von EE und Phase-I-Metaboliten unterliegen einem enterohepatischen Kreislauf. Cytochrom 3A4 ist am Metabolismus in erheblichem Ausmass beteiligt.
Elimination
Die Elimination von EE erfolgt ausschliesslich in Form seiner Metaboliten über Urin und Galle in einem Verhältnis von 4:6. Die totale Clearance beträgt ca. 5ml/min/kg. Die Halbwertszeit von EE liegt bei 10-15 Stunden, jene der Metaboliten bei ca. 24 Stunden.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Daten zur Pharmakokinetik von Norgestimat und Ethinylestradiol bei Frauen mit Leber- oder Niereninsuffizienz liegen nicht vor.

Präklinische Daten

Präklinische Untersuchungen mit kombinierten oralen Kontrazeptiva zur Toxizität nach wiederholter Gabe, zur Genotoxizität und zum karzinogenen Potential ergaben keine eindeutigen Hinweise auf besondere Risiken für den Menschen, wenn auch in epidemiologischen Studien ein erhöhtes Risiko für Leberkarzinome nachgewiesen werden konnte.
Bei Versuchstieren zeigte EE bereits in relativ geringer Dosierung einen embryoletalen Effekt; Missbildungen des Urogenitaltrakts und Feminisierung männlicher Feten wurden beobachtet. Gestagene zeigten im Tierexperiment einen embryoletalen Effekt und, in hohen Dosen, eine virilisierende Wirkung auf weibliche Feten. Reproduktionstoxikologische Studien in Ratten, Mäusen und Kaninchen ergaben keinen Hinweis auf eine teratogene Wirkung. Für Risiken beim Menschen siehe Rubrik «Schwangerschaft/Stillzeit».

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten
Bisher sind keine Inkompatibilitäten bekannt.
Beeinflussung diagnostischer Methoden
Folgende Änderungen von Laborbefunden können bei Einnahme von oralen Kontrazeptiva auftreten:
Leberfunktion: Erhöhte Bromsulphthalein-Retention.
Blutgerinnung: Erhöhter Prothrombinwert, erhöhte Faktoren VII, VIII, IX und X; verringertes Antithrombin III, erhöhte norepinephrin-induzierte Thrombozyten-Aggregation.
Endokrin: Eine exogene Östrogenzufuhr führt zu einem Anstieg der Serumkonzentrationen des Thyroxin-bindenden Globulins (TBG). Bei Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion ist dies ohne klinische Relevanz. Studien deuten darauf hin, dass bei Patientinnen unter einer Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen die zusätzliche Gabe eines Östrogenhaltigen Präparates (wie Cilest) zu einem erhöhten Thyroxinbedarf führen konnte. Bei Patientinnen unter einer Substitionsbehandlung mit Schilddrüsenhormonen sollte daher die Schilddrüsenfunktion regelmässig überwacht werden (mittels TSH-Bestimmung), insbesondere in den ersten Monaten der Anwendung eines kombinierten oralen Kontrazeptivums.
Andere: Anstieg der Phospholipide und Triglyceride, Absinken der Serum-Folsäurewerte, Störungen im Tryptophan-Metabolismus, verminderte Pregnandiol-Ausscheidung.
Nach Beendigung der Anwendung von oralen Kontrazeptiva kehren diese Werte normalerweise wieder auf die Werte zurück, die vor Einnahmebeginn bestanden.
Haltbarkeit
Nur bis zu dem auf der Packung mit EXP bezeichneten Datum verwenden.
Besondere Lagerungshinweise
Bei Raumtemperatur (15–25 °C) aufbewahren.

Zulassungsnummer

46324 (Swissmedic).

Packungen

1-Monatspackung zu 1x 21 Tabletten [B]
3-Monatspackung zu 3x 21 Tabletten [B]
6-Monatspackung zu 6x 21 Tabletten [B]

Zulassungsinhaberin

Janssen-Cilag AG, Zug, ZG.

Stand der Information

Januar 2013.