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3TCÂź
ViiV Healthcare GmbH

Zusammensetzung

Wirkstoffe
Lamivudin.
Hilfsstoffe
Filmtabletten zu 150 mg (mit Bruchrille, teilbar):
Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose, NatriumstÀrkeglycolat Typ A, Magnesiumstearat.
TablettenĂŒberzug: Hypromellose (E464), Titandioxid (E171), Macrogol 400, Polysorbat 80.
Gesamtnatriumgehalt: 0,38 mg/Filmtablette.
Filmtabletten zu 300 mg:
Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose, NatriumstÀrkeglycolat Typ A, Magnesiumstearat.
TablettenĂŒberzug: Hypromellose (E464), Titandioxid (E171), Macrogol 400, Polysorbat 80, schwarzes Eisenoxid (E172).
Gesamtnatriumgehalt: 0,76 mg/Filmtablette.
Lösung zum Einnehmen:
Saccharose 0,20 mg/ml, Methyl-p-hydroxybenzoat (E 218) 1,5 mg/ml, Propyl-p-hydroxybenzoat (E 216) 0,18 mg/ml, Propylenglycol 20 mg/ml, wasserfreie CitronensĂ€ure, Natriumcitrat, kĂŒnstliches Erdbeeraroma, kĂŒnstliches Bananenaroma, gereinigtes Wasser.
Gesamtnatriumgehalt: 2,94 mg/ml.

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Filmtabletten (mit Bruchrille) zu 150 mg Lamivudin.
Filmtabletten zu 300 mg Lamivudin.
Lösung zum Einnehmen zu 10 mg/ml Lamivudin.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

3TC in Kombination mit anderen antiretroviralen Substanzen ist indiziert zur Behandlung von HIV-infizierten Patienten, die eine antiretrovirale Therapie benötigen.

Dosierung/Anwendung

Die Therapie sollte von einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung der HIV-Infektion besitzt, eingeleitet und ĂŒberwacht werden.
3TC kann unabhĂ€ngig von den Mahlzeiten (nĂŒchtern oder zum/nach dem Essen) eingenommen werden.
Um die Einnahme der gesamten Dosis sicherzustellen, sollte(n) die Tablette(n) idealerweise unzerkleinert geschluckt werden.
FĂŒr Patienten, die nicht in der Lage sind, Tabletten zu schlucken, steht 3TC auch als orale Lösung zur VerfĂŒgung. Patienten, die zwischen 3TC Filmtabletten und 3TC Lösung zum Einnehmen wechseln, sollten die fĂŒr die Formulierung spezifischen Dosierungsempfehlungen beachten (vgl. "Pharmakokinetik" ).
Alternativ können fĂŒr Patienten, die nicht in der Lage sind, die Tabletten zu schlucken, die Tabletten zerkleinert und mit einer kleinen Menge an halbfester Nahrung oder FlĂŒssigkeit vermischt werden, wobei das gesamte Gemisch unmittelbar danach eingenommen werden soll (siehe "Pharmakokinetik" ).
Die Packung der Lösung zum Einnehmen enthÀlt eine Dosierspritze mit Graduierung.
Nach Öffnen der Flasche soll die Lösung innerhalb eines Monats aufgebraucht werden.
Übliche Dosierung
In Kombination mit anderen antiretroviralen Substanzen:
Erwachsene und Jugendliche:
Die empfohlene Dosis von 3TC betrÀgt 300 mg (30 ml) pro Tag. Diese kann aufgeteilt in zwei Dosen zu 150 mg (15 ml) oder in einer Dosis zu 300 mg (30 ml) verabreicht werden. Vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" .
Tabletten: 1 Tablette zu 150 mg 2× tĂ€glich oder 1 Tablette zu 300 mg 1× tĂ€glich.
Lösung zum Einnehmen: 150 mg (15 ml) 2× tĂ€glich oder 300 mg (30 ml) 1× tĂ€glich.
Kinder:

 

Lösung zum Einnehmen:

Kinder ab 3 Monaten bis <25 kg

0,5 mL/kg (5 mg/kg) 2× tĂ€glich oder
1 mL/kg (10 mg/kg) 1× tĂ€glich
Vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen"

Gewicht (kg)

Filmtabletten mit Bruchrille (150 mg): 1× oder 2× tĂ€glich

1× tĂ€gliche Dosierung

2× tĂ€gliche Dosierung

Tagesdosis total

Dosis morgens

Dosis abends

14-<20

1 Tablette
(150 mg)

œ Tablette
(75 mg)

œ Tablette
(75 mg)

150 mg

≄20-<25

1œ Tabletten
(225 mg)

œ Tablette
(75 mg)

1 Tablette
(150 mg)

225 mg

≄25

2 Tabletten
(300 mg)

1 Tablette
(150 mg)

1 Tablette
(150 mg)

300 mg

Spezielle Dosierungsanweisungen
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Die Lamivudinplasmaspiegel sind bei Patienten mit mÀssiger bis starker Niereninsuffizienz aufgrund der verringerten Ausscheidung erhöht (siehe "Pharmakokinetik" ). Daher sollte die Dosierung bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <30 ml/min entsprechend angepasst werden (siehe Tabellen). Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 49 ml/min sollte die Dosierung im Falle eines Neuauftretens oder einer Verschlechterung von Nebenwirkungen (insbesondere hÀmatologischen ToxizitÀten) angepasst werden (siehe "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" und siehe Tabellen).
Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 25 kg Körpergewicht:
1.) Tabletten:

Nierenfunktion
(Kreatinin-Clearance ml/min)

Erste Dosis

Erhaltungsdosis

Clcr ≄50

150 mg

150 mg 2× tĂ€glich

Clcr 30-49

150 mg

150 mg 2× tĂ€glich
oder*
150 mg 1× tĂ€glich*

* Bei Neuauftreten oder Verschlechterung von Nebenwirkungen (v.a. hÀmatologischen ToxizitÀten)
Da bei einer Clcr <30 ml/min Dosen unter 150 mg benötigt werden, wird die Anwendung der oralen Lösung empfohlen.
2.) Lösung zum Einnehmen:

Nierenfunktion
(Kreatinin-Clearance ml/min)

Erste Dosis

Erhaltungsdosis

Clcr ≄50

150 mg

150 mg 2× tĂ€glich

Clcr 30-49

150 mg

150 mg 2× tĂ€glich
oder*
150 mg 1× tĂ€glich

Clcr 15-29

150 mg

100 mg 1× tĂ€glich

Clcr 5-14

150 mg

50 mg 1× tĂ€glich

Clcr <5

50 mg

25 mg 1× tĂ€glich

* Bei Neuauftreten oder Verschlechterung von Nebenwirkungen (v.a. hÀmatologischen ToxizitÀten)
Kinder ab 3 Monaten bis zu einem Körpergewicht unter 25 kg:
Es liegen keine Daten zur Anwendung von Lamivudin bei Kindern mit Niereninsuffizienz vor.
Bei Kindern im Alter von mindestens drei Monaten und einem Gewicht von weniger als 25 kg mit einer Kreatinin-Clearance< 50 ml/min sollte eine Reduzierung der Dosis und/oder eine Erhöhung des Dosierintervalls in ErwÀgung gezogen werden.
Lösung zum Einnehmen:

Nierenfunktion
(Kreatinin-Clearance ml/min)

Erste Dosis

Erhaltungsdosis

Clcr ≄50

5 mg/kg

5 mg/kg 2× tĂ€glich

Clcr 30-49

5 mg/kg

5 mg/kg 1× tĂ€glich

Clcr 15-29

5 mg/kg

3,25 mg/kg 1× tĂ€glich

Clcr 5-14

5 mg/kg

1,63 mg/kg 1× tĂ€glich

Clcr <5

1,63 mg/kg

0,88 mg/kg 1× tĂ€glich

Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Falls nicht gleichzeitig eine Niereninsuffizienz vorliegt, ist eine Dosisanpassung bei Patienten mit mittelschwer oder schwer eingeschrÀnkter Leberfunktion nicht notwendig (vgl. "Pharmakokinetik" ).
Ältere Patienten
Hierzu liegen keine spezifischen Daten vor. Wegen altersbedingter VerĂ€nderungen, wie der verminderten Nierenfunktion oder Änderungen hĂ€matologischer Parameter, ist bei diesen Patienten besondere Vorsicht geboten.
Kinder unter 3 Monaten
Die vorliegenden begrenzten Daten reichen nicht aus, um eine spezifische Dosierung zu empfehlen (vgl. "Pharmakokinetik" ).

Kontraindikationen

Nicht anwenden bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenĂŒber dem Wirkstoff Lamivudin oder einem anderen Bestandteil der Tabletten oder der Lösung.
3TC darf nicht gleichzeitig mit hohen Dosen Co-trimoxazol, wie sie zur Behandlung der Pneumocystis jirovecii Infektionen zum Einsatz kommen, verabreicht werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

3TC wird nicht zur Anwendung in der Monotherapie empfohlen.
Bevor mit der Therapie von 3TC und anderen antiretroviralen Substanzen begonnen wird, sollten auch die Fachinformationen zu diesen PrĂ€paraten gelesen werden. Eventuelle Nebenwirkungen könnten auch auf die Wirkstoffe dieser Arzneimittel zurĂŒckzufĂŒhren sein.
Pankreatitis: FĂ€lle von Pankreatitis sind beim Erwachsenen selten, bei Kindern hĂ€ufiger aufgetreten. Es konnte aber nicht geklĂ€rt werden, ob dies auf die Behandlung oder auf die HIV-Erkrankung selbst zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die Therapie mit 3TC sollte bei Verdacht auf Pankreatitis (klinische Anzeichen, Symptome oder Abweichung der Laborwerte von der Norm) unverzĂŒglich abgebrochen werden. Pankreatitis muss immer dann in ErwĂ€gung gezogen werden, wenn ein Patient Abdominalschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder erhöhte biochemische Marker aufweist.
Laktatazidose und Hepatomegalie: Im Zusammenhang mit der Anwendung von Nukleosidanaloga einschliesslich 3TC wurde ĂŒber Laktatazidose berichtet, die ĂŒblicherweise mit Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert war. FrĂŒhsymptome (symptomatische HyperlaktatĂ€mie) umfassen gutartige Verdauungsbeschwerden (Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen), unspezifisches Unwohlsein, Appetitverlust, Gewichtsverlust, respiratorische Symptome (beschleunigtes oder/und vertieftes Atmen) oder neurologische Symptome (einschliesslich motorischer SchwĂ€che). Laktatazidose hat eine hohe MortalitĂ€tsrate und kann mit Pankreatitis, Leberversagen, Nierenversagen oder motorischer LĂ€hmung verbunden sein. Die Behandlung mit Nukleosidanaloga sollte bei symptomatischer HyperlaktatĂ€mie und metabolischer Azidose/Laktatazidose (mit und ohne Hepatitis), progressiver Hepatomegalie oder rasch ansteigenden Transaminasespiegeln abgebrochen werden. Vorsicht ist geboten, wenn Nukleosidanaloga an Patienten (insbesondere ĂŒbergewichtige Frauen) mit Hepatomegalie, Hepatitis oder bekannten Risikofaktoren fĂŒr eine Lebererkrankung und eine Hepatosteatose (einschliesslich bestimmter Arzneimittel und Alkohol) verabreicht werden. Patienten mit gleichzeitiger Hepatitis C-Infektion, die mit Alpha-Interferon und Ribavirin behandelt werden, können ein besonderes Risiko haben. Patienten mit erhöhtem Risiko sollten engmaschig ĂŒberwacht werden. Laktatazidose trat im Allgemeinen nach einigen bis mehreren Monaten Behandlung auf.
Patienten, bei denen Symptome wie Pankreatitis, symptomatische Laktatazidose oder Neuropathien in Verbindung mit MuskelschwĂ€che auftreten, mĂŒssen auch nach Absetzen von 3TC fĂŒr mindestens einen Monat engmaschig auf das Wiederauftreten dieser Symptome ĂŒberwacht werden.
Generalisierte motorische SchwĂ€che: Eine generalisierte motorische SchwĂ€che wurde sehr selten bei Patienten beobachtet, die eine kombinierte antiretrovirale Therapie einschliesslich 3TC erhielten. Viele der FĂ€lle, aber nicht alle, traten im Rahmen einer Laktatazidose auf. Diese motorische SchwĂ€che kann klinisch ein Guillain-BarrĂ© Syndrom inklusive AtemlĂ€hmung imitieren. Die Symptome können nach Beendigung der Therapie ggf. weiter bestehen bleiben bzw. sich weiter verschlechtern (vgl. auch "UnerwĂŒnschte Wirkungen" ).
Opportunistische Infektionen: Patienten, die 3TC oder eine andere antiretrovirale Therapie erhalten, können auch weiterhin opportunistische Infektionen oder andere Komplikationen einer HIV-Infektion entwickeln. Daher sollten sie unter klinischer Überwachung durch Ärzte, die Erfahrung in der Behandlung von HIV-positiven Patienten besitzen, bleiben.
HIV-Übertragung: Die Ergebnisse von Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass kein Risiko der sexuellen Übertragung von HIV besteht, wenn eine virale Suppression erreicht und aufrechterhalten wird. Allerdings kann das Risiko einer sexuellen Übertragung von HIV nicht ausgeschlossen werden, wenn die verordnete ART nicht regelmĂ€ssig eingenommen wird und/oder die virale Suppression nicht erreicht und aufrechterhalten wird.
Kombination mit Trimethoprim resp. Co-trimoxazol: Es zeigte sich, dass die Verabreichung von 1× tĂ€glich 160 mg Trimethoprim (einem Bestandteil von Co-trimoxazol) zu einer erhöhten Lamivudin-Exposition (AUC) um 40% fĂŒhrt. Solange keine Niereninsuffizienz vorliegt, ist eine Dosierungsanpassung von Lamivudin nicht notwendig. Die Wirkung von höheren Dosen Trimethoprim auf die Pharmakokinetik von Lamivudin ist nicht untersucht worden.
Niereninsuffizienz: Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 49 ml/min, kann die Lamivudin-Exposition (AUC) 1,6- bis 3,3-fach höher sein als bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von ≄50 ml/min (vgl. "Pharmakokinetik" ). Es gibt keine Sicherheitsdaten aus randomisierten, kontrollierten Studien, in denen bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 49 ml/min die ĂŒbliche Dosierung von 300mg 3TC pro Tag mit der angepassten Lamivudin-Dosis verglichen wird.
In den ursprĂŒnglichen Lamivudin-Zulassungsstudien wurden in Kombination mit Zidovudin höhere Lamivudin-Expositionen mit höheren Raten an hĂ€matologischen ToxizitĂ€ten assoziiert (Neutropenie und AnĂ€mie), obwohl StudienabbrĂŒche aufgrund von Neutropenie oder AnĂ€mie bei < 1 % der Patienten auftraten. Andere Lamivudin-assoziierte Nebenwirkungen (wie gastrointestinale und hepatische Beschwerden) können auftreten. Patienten mit einer anhaltenden Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 49 ml/min sollten hinsichtlich Nebenwirkungen (insbesondere hĂ€matologischer ToxizitĂ€ten) ĂŒberwacht werden. FĂŒr den Fall, dass eine Neutropenie oder AnĂ€mie neu auftritt oder sich verschlechtert, ist eine Dosisanpassung von Lamivudin indiziert (vgl. "Dosierung/Anwendung" ).
Immun-Reaktivierungs-Syndrom: Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt kann sich zum Zeitpunkt der Einleitung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) eine entzĂŒndliche Reaktion auf asymptomatische oder residuale opportunistische Infektionen entwickeln, die zu schweren klinischen ZustĂ€nden oder Verschlechterung von Symptomen fĂŒhrt. Typischerweise wurden solche Reaktionen innerhalb der ersten Wochen oder Monate nach Beginn der ART beobachtet. Entsprechende Beispiele sind CMV-Retinitis, disseminierte und/oder lokalisierte mykobakterielle Infektionen und Pneumocystis jirovecii Pneumonie (oft als PCP oder PJP bezeichnet). Jedes EntzĂŒndungssymptom ist zu bewerten; falls notwendig ist eine Behandlung einzuleiten.
Über das Auftreten von Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Morbus Basedow, Polymyositis und Guillain-BarrĂ© Syndrom) ist im Rahmen einer Immun-Reaktivierung berichtet worden, jedoch ist die Zeit bis zum Einsetzen der Symptome variabler. Diese können viele Monate nach Behandlungsbeginn auftreten und sich manchmal atypisch manifestieren.
Patienten mit gleichzeitiger Hepatitis B-Virus-Infektion: Klinische Studien und die Markterfahrung mit 3TC haben gezeigt, dass gewisse Patienten mit einer chronischen Hepatitis B-Erkrankung nach Ende der Behandlung mit 3TC klinische Zeichen und Laborbefunde eines Hepatitis-RĂŒckfalls aufweisen, welcher ernsthaftere Konsequenzen haben kann bei Patienten mit einer dekompensierten Lebererkrankung.
Wenn 3TC bei einem Patienten mit gleichzeitiger HIV- und HBV-Infektion abgesetzt wird, sollte eine regelmÀssige Kontrolle der Leberfunktion und der HBV-Replikation erfolgen.
Serumlipide und Blutglucose: Unter einer antiretroviralen Therapie können die Serumlipid- und Blutglucosekonzentrationen ansteigen. Dazu beitragen können auch die Krankheitskontrolle und Änderungen der Lebensweise. Die Bestimmung der Serumlipid- und Blutglucosekonzentrationen sollte in ErwĂ€gung gezogen werden. Fettstoffwechselstörungen sind dem klinischen Bedarf entsprechend zu behandeln.
Osteonekrose: Obwohl eine multifaktorielle Ätiologie angenommen wird (darunter Anwendung von Kortikosteroiden, Alkoholkonsum, schwere Immunsuppression, höherer Body-Mass-Index), wurden FĂ€lle von Osteonekrose insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung und/oder Langzeitanwendung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) berichtet. Die Patienten sind darauf hinzuweisen, bei Auftreten von Gelenkbeschwerden und –schmerzen, Gelenksteife oder Schwierigkeiten bei Bewegungen den Arzt aufzusuchen.
Besondere Patientengruppen
Kinder
Kinder, die im Rahmen klinischer Studien zu irgendeinem Zeitpunkt Lamivudin Lösung zum Einnehmen gleichzeitig mit anderen antiretroviralen Lösungen zum Einnehmen erhielten, zeigten geringere Virussuppressionsraten, hatten eine niedrigere Lamivudin-Plasmaexposition und entwickelten hÀufiger virale Resistenzen als Kinder, die Tabletten erhielten (siehe "Eigenschaften/Wirkungen/Klinische Studien" und "Pharmakokinetik" ).
Falls möglich sollte ein antiretrovirales Regime ausschliesslich aus Tabletten verwendet werden. Lamivudin Lösung zum Einnehmen in Kombination mit anderen antiretroviralen Lösungen zum Einnehmen sollte zur Behandlung der HIV-Infektion nur dann eingesetzt werden, wenn ein Regime aus Tabletten nicht verwendet werden kann und der Nutzen der Behandlung die möglichen Risiken, einschliesslich der schwĂ€cheren Virussuppression, ĂŒberwiegt.
Sorbitolhaltige Arzneimittel
Koadministration von Sorbitol mit Lamivudin kann zu einer Abnahme der Lamivudin-Exposition fĂŒhren (siehe Interaktionen). Die Koadministration von sorbitolhaltigen Arzneimitteln mit Lamivudin ist nach Möglichkeit zu vermeiden. Wenn sich eine langfristige Koadministration nicht umgehen lĂ€sst, sollte eine engmaschige Kontrolle der HIV-1-Viruslast durchgefĂŒhrt werden.
Hilfstoffe
Filmtabletten:
Natrium: Dieses Arzneimittel enthÀlt weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Filmtablette, d.h. es ist nahezu "natriumfrei" .
Lösung zum Einnehmen:
Natrium: Dieses Arzneimittel enthĂ€lt 44,10 mg Natrium pro Einzeldosis zu 15 ml (Hauptbestandteil von Koch/Speisesalz). Dies entspricht 2,21% der von der WHO fĂŒr einen Erwachsenen empfohlenen maximalen tĂ€glichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g.
Saccharose: Diabetische Patienten sollen darauf hingewiesen werden, dass eine Einzeldosis der Lösung zum Einnehmen (= 15 ml) 3 g Zucker (entspr. 0,3 Brotwerte) enthÀlt.
Patienten mit der seltenen Fructose-Galactose-Intoleranz, einer Glucose-Galactose-Malabsorption oder einer Sucrase-Isomaltase-Insuffizienz sollten dieses Arzneimittel nicht anwenden.
Saccharose kann schĂ€dlich fĂŒr die ZĂ€hne sein.
Konservierungsmittel: Die Lösung zum Einnehmen enthalt Methyl-p-hydroxybenzoat und Propyl-p-hydroxybenzoat. Diese Bestandteile können Überempfindlichkeitsreaktionen, auch SpĂ€treaktionen, hervorrufen.
Propylenglycol: Dieses Arzneimittel enthĂ€lt ca. 300 mg Propylenglycol pro Einzeldosis zu 15 ml Lösung. FĂŒr Propylenglycol wurde bei Tieren oder Menschen keine Reproduktions- oder EntwicklungstoxizitĂ€t gezeigt, es kann aber den Fötus erreichen und wurde in der Milch nachgewiesen. Als Konsequenz sollte die Anwendung von Propylenglycol bei schwangeren und stillenden Patientinnen im Einzelfall abgewogen werden.
Bei Patienten mit eingeschrĂ€nkter Nieren- oder Leberfunktion ist eine medizinische Überwachung erforderlich, da verschiedene unerwĂŒnschte Wirkungen, die Propylenglycol zugeschrieben werden, berichtet wurden, z.B. Nierenfunktionsstörung (akute Tubulusnekrose), akutes Nierenversagen und Leberfunktionsstörung.
Die gleichzeitige Anwendung mit einem Substrat der Alkoholdehydrogenase - wie Ethanol - kann schwerwiegende Nebenwirkungen bei Neugeborenen hervorrufen.

Interaktionen

Interaktionsmöglichkeiten mit renal ausgeschiedenen Anionen, Kationen, mit hepatobiliÀr ausgeschiedenen Substanzen und mit auf verschiedenen Stoffwechselwegen metabolisierten Substanzen:
Lamivudin wird in erster Linie durch aktive tubulĂ€re Sekretion ĂŒber das Transportsystem fĂŒr organische Kationen ausgeschieden. GrundsĂ€tzlich sollte an die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit anderen gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln gedacht werden, vor allem wenn diese Arzneimittel hauptsĂ€chlich durch aktive tubulĂ€re Sekretion, speziell ĂŒber das Transportsystem fĂŒr Kationen ausgeschieden werden, wie z.B. Trimethoprim. Andere Arzneistoffe (wie z.B. Ranitidin, Cimetidin) werden nur teilweise ĂŒber diesen Mechanismus ausgeschieden und zeigten keine Interaktionen mit Lamivudin. FĂŒr Arzneistoffe, welche hauptsĂ€chlich ĂŒber das aktive Transportsystem fĂŒr organische Anionen oder durch glomerulĂ€re Filtration ausgeschieden werden, ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens klinisch bedeutsamer Interaktionen mit Lamivudin gering.
Einfluss von Lamivudin auf die Pharmakokinetik anderer Wirkstoffe
In vitro zeigt Lamivudin keine oder nur eine schwache Hemmwirkung auf die Wirkstofftransporter OATP1B1 (organic anion transporter 1B1), OATP1B3, BCRP (breast cancer resistance protein) oder Pgp (P-Glykoprotein), MATE1 (multidrug and toxin extrusion protein 1), MATE2-K oder OCT3 (organic cation transporter 3). Lamivudin dĂŒrfte daher keinen Einfluss auf die Plasmakonzentrationen von Wirkstoffen haben, die als Substrate dieser Wirkstofftransporter dienen.
Lamivudin hat sich in vitro als Hemmer von OCT1 and OCT2 erwiesen, mit IC50-Werten von 17 bzw. 33 ÎŒM; die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies bei therapeutischer Wirkstoffexposition (bis 300 mg) auf die Plasmakonzentrationen von OCT1- und OCT2-Substraten auswirkt, ist jedoch gering.
Einfluss anderer Wirkstoffe auf die Pharmakokinetik von Lamivudin
Lamivudin erweist sich in vitro als Substrat von MATE1, MATE2-K und OCT2. Trimethoprim (ein Hemmer dieser TransportmolekĂŒle) steigert nachweislich die Plasmakonzentrationen von Lamivudin; allerdings wird diese Wechselwirkung nicht als klinisch relevant eingestuft, da keine Dosisanpassung von Lamivudin erforderlich ist.
Lamivudin ist ein Substrat des hepatischen Aufnahmetransporters OCT1. Da die hepatische Elimination bei der Clearance von Lamivudin nur eine untergeordnete Rolle spielt, dĂŒrften Arzneimittelinteraktionen aufgrund der Hemmung von OCT1 nicht von klinischer Relevanz sein.
Lamivudin ist ein Substrat von Pgp und BCRP; allerdings ist es aufgrund seiner hohen BioverfĂŒgbarkeit unwahrscheinlich, dass diese Transporter bei der Resorption von Lamivudin eine bedeutende Rolle spielen. Die gleichzeitige Verabreichung von Wirkstoffen, die diese Efflux-Transporter hemmen, dĂŒrfte daher die VerfĂŒgbarkeit und Elimination von Lamivudin kaum beeintrĂ€chtigen.
FĂŒr Lamivudin relevante Interaktionen
Die gemeinsame Anwendung von Lamivudin mit intravenösem Ganciclovir oder Foscarnet wird nicht empfohlen.
Sorbitol: Die Koadministration einer Sorbitollösung (3,2 g; 10,2 g; 13,4 g) mit einer Einzeldosis von 300 mg einer Lamivudin-Lösung zum Einnehmen fĂŒhrte bei Erwachsenen zu einer dosisabhĂ€ngigen Abnahme der Lamivudin-Exposition (AUC∞) um 14 %, 32 % bzw. 36 % sowie der Cmax von Lamivudin um 28 %, 52 % bzw. 55 %. Die Koadministration von sorbitolhaltigen Arzneimittel (z.B. Ziagen orale Lösung) mit Lamivudin ist nach Möglichkeit zu vermeiden.
Zidovudin: Eine geringfĂŒgige Erhöhung des Cmax (28%) wurde fĂŒr Zidovudin bei gleichzeitiger Verabreichung von Lamivudin beobachtet. Die Gesamtexposition (AUC) war jedoch nicht signifikant verĂ€ndert. Zidovudin hat keine Auswirkungen auf die Pharmakokinetik von Lamivudin (vgl. "Pharmakokinetik" ).
Trimethoprim: Die Verabreichung von Trimethoprim/Sulphamethoxazol 160 mg/800 mg fĂŒhrt aufgrund des Trimethoprim-Anteils zu einer Erhöhung des Lamivudin-Plasmaspiegels (AUC) um 40%; die Sulphamethoxazol-Komponente zeigt keine Interaktionen mit Lamivudin.
Solange keine Niereninsuffizienz vorliegt, ist eine Dosierungsanpassung von Lamivudin nicht notwendig (vgl. "Dosierung/Anwendung" ). Lamivudin hat keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Trimethoprim und Sulphamethoxazol.
Wenn die gleichzeitige Verabreichung von Trimethoprim resp. Trimethoprim/Sulphamethoxazol und Lamivudin als notwendig erachtet wird, sollten die Patienten klinisch ĂŒberwacht werden. Die gleichzeitige Verabreichung von 3TC und hochdosiertem Co-trimoxazol, wie es zur Behandlung der Pneumocystis jirovecii Infektionen und Toxoplasmose zum Einsatz kommt, sollte vermieden werden (vgl. "Kontraindikationen" ).
Emtricitabin: Lamivudin kann die intrazellulĂ€re Phosphorylierung von Emtricitabin hemmen, wenn beide Arzneimittel gleichzeitig angewendet werden. ZusĂ€tzlich wird der Mechanismus der viralen Resistenz sowohl gegen Lamivudin als auch Emtricitabin ĂŒber Mutation desselben viralen Transkriptase Gens (M184V) vermittelt, und die therapeutische Wirksamkeit dieser beiden Arzneistoffe in der Kombinationstherapie kann eingeschrĂ€nkt sein. Eine Anwendung von Lamivudin in Kombination mit Emtricitabin, oder Emtricitabin-enthaltenden Fixdosiskombinationen wird nicht empfohlen.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft
Lamivudin ist im Schwangerschaftsregister zur antiretroviralen Therapie bei mehr als 11'000 Frauen wĂ€hrend der Schwangerschaft und nach der Geburt untersucht worden. VerfĂŒgbare Humandaten aus dem Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft zeigen kein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Geburtsdefekte unter Lamivudin im Vergleich zur Hintergrundrate (vgl. "Klinische Erfahrung" ). Es gibt jedoch keine adĂ€quaten und gut kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen.
Reproduktionsstudien bei Tieren ergaben keinen Hinweis auf eine eventuelle TeratogenitĂ€t oder einen Effekt auf die mĂ€nnliche oder weibliche FertilitĂ€t. Bei Kaninchen gibt es Hinweise auf eine frĂŒhe EmbryoletalitĂ€t, jedoch nicht bei Ratten (vgl. "PrĂ€klinische Daten" ).
Lamivudin ist plazentagÀngig. Die Lamivudinserumkonzentrationen des gerade geborenen Kindes entsprachen denen der Mutter resp. den Serumkonzentrationen der Nabelschnur bei der Geburt.
Lamivudin sollte wÀhrend der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist klar notwendig.
Bei Neugeborenen und Kindern, die in utero oder unter der Geburt NRTIs (Nukleosid-Reverse Transkriptase-Inhibitoren) ausgesetzt waren, liegen Berichte ĂŒber leicht und vorĂŒbergehend erhöhte Serumlaktatwerte vor, was auf eine Funktionsstörung der Mitochondrien zurĂŒckzufĂŒhren sein könnte. Die klinische Relevanz dieser vorĂŒbergehend erhöhten Serumlaktatwerte ist unbekannt. Ausserdem liegen sehr seltene Berichte ĂŒber Entwicklungsverzögerungen, KrampfanfĂ€lle und andere neurologische Krankheiten vor. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Auftreten dieser Störungen und der Verabreichung von NRTIs ist jedoch nicht nachgewiesen. Diese Erkenntnisse haben keinen Einfluss auf die geltenden Empfehlungen zum Einsatz einer antiretroviralen Therapie bei Schwangeren zur Vorbeugung einer Mutter-Kind Übertragung von HIV.
Stillzeit
Gesundheitsexperten empfehlen, dass HIV-infizierte Frauen ihre Kinder wenn möglich nicht stillen sollten, um eine Übertragung von HIV zu vermeiden.
Verschiedene Studien bei mit Lamivudin behandelten, stillenden MĂŒttern und ihren Kindern haben gezeigt, dass Lamivudin in der menschlichen Muttermilch in Ă€hnlichen oder sogar höheren Konzentrationen als im Serum nachweisbar ist. Auch im Serum der gestillten Kinder konnte Lamivudin in niedrigen Konzentrationen gemessen werden.
MĂŒtter sollten daher angewiesen werden, wĂ€hrend der Behandlung mit Lamivudin nicht zu stillen.

Wirkung auf die FahrtĂŒchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Derzeit existieren keine Studien, die die Auswirkungen von 3TC auf die VerkehrstĂŒchtigkeit oder das Bedienen von Maschinen untersucht haben. Ein GefĂ€hrdungspotential fĂŒr solche AktivitĂ€ten kann nicht aufgrund der Pharmakologie des Arzneimittels vorhergesagt werden. Es sollte immer der klinische Status des Patienten und das mögliche Nebenwirkungsprofil von 3TC in Betracht gezogen werden, wenn die FĂ€higkeit des Patienten, zu fahren oder Maschinen zu bedienen, beurteilt wird.

UnerwĂŒnschte Wirkungen

Die meisten schwerwiegenden Nebenwirkungen wurden als nicht durch die 3TC-Behandlung bedingt beurteilt.
Die unter 3TC beobachteten unerwĂŒnschten Wirkungen wurden anhand ihrer absoluten HĂ€ufigkeiten, nach Organklassen wie folgt aufgelistet: "Sehr hĂ€ufig" (≄1/10), "hĂ€ufig" (≄1/100, <1/10), "gelegentlich" (≄1/1'000, <1/100), "selten" (≄1/10'000, <1/1'000), "sehr selten" (<1/10'000), "nicht bekannt" (kann aus den verfĂŒgbaren Daten nicht abgeschĂ€tzt werden).
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Gelegentlich: Neutropenie, AnÀmie (beide gelegentlich in schwerer Form; traten bei der Kombination mit Zidovudin auf), Thrombozytopenie.
Sehr selten: Erythroblastopenie.
Endokrine Erkrankungen, sowie Stoffwechsel- und ErnÀhrungsstörungen
HÀufig: HyperlaktatÀmie.
Selten: Laktatazidose (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Über das Auftreten von Laktatazidose, die in manchen FĂ€llen tödlich verlief und die ĂŒblicherweise mit Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert war, wurde im Zusammenhang mit der Gabe von Nukleosidanaloga berichtet (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Psychiatrische Erkrankungen, sowie Erkrankungen des Nervensystems
HĂ€ufig: Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit.
Sehr selten: periphere Neuropathie (ParĂ€sthesie). Über periphere Neuropathien wurde berichtet, ob ein kausaler Zusammenhang mit der Behandlung besteht, ist unklar.
Sehr selten wurde unter Behandlung mit Lamivudin eine generalisierte motorische SchwÀche beobachtet, welche klinisch einem Krankheitsbild wie dem Guillain-Barré Syndrom Àhnelte. Eine solche motorische SchwÀche kann mit oder ohne HyperlaktatÀmie einschliesslich respiratorischer Insuffizienz auftreten (vgl. auch "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" sowie "Laktatazidose" ).
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
HĂ€ufig: Husten, nasale Symptome.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
HĂ€ufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder KrĂ€mpfe, Diarrhoe.
Selten: Anstieg der Serumamylase, Pankreatitis (ob ein Kausalzusammenhang mit der Behandlung besteht, ist unklar).
Leber- und Gallenerkrankungen
Gelegentlich: VorĂŒbergehender Anstieg der Leber-Enzyme (AST, ALT), schwere Hepatomegalie mit Steatosis.
Selten: Hepatitis.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
HĂ€ufig: Hautausschlag, Alopezie.
In EinzelfÀllen beobachtete man unter medikamentösen HIV-Therapien, bei denen Lamivudin mitverordnet wurde, das Auftreten eines Stevens-Johnson-Syndroms oder einer nekrotisierenden Vaskulitis. Ein kausaler Zusammenhang zwischen diesen Nebenwirkungen und der Verabreichung von Lamivudin ist jedoch nicht belegt.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
HĂ€ufig: Arthralgie, Muskelbeschwerden.
Selten: Rhabdomyolysis.
Allgemeine Nebenwirkungen
HĂ€ufig: Fieber, Unwohlsein, MĂŒdigkeit.
Die antiretrovirale Kombinationstherapie wurde mit Stoffwechselanomalien assoziiert, wie HypertriglyceridÀmie, HypercholesterinÀmie, Insulinresistenz, HyperglykÀmie und HyperlaktatÀmie (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt zum Zeitpunkt der Einleitung einer antiretroviralen Kombinationstherapie kann sich eine entzĂŒndliche Reaktion gegen asymptomatische oder residuale opportunistische Infektionen entwickeln (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
FĂ€lle von Osteonekrose wurden insbesondere bei Patienten mit allgemein bekannten Risikofaktoren, fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder Langzeitanwendung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) berichtet. Die HĂ€ufigkeit des Auftretens ist unbekannt (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Da Nebenwirkungen bei einer Kombinationstherapie mit 3TC und anderen antiretroviralen Substanzen auch durch diese Wirkstoffe bedingt sein können, sollten vor Beginn der Therapie auch die Fachinformationen zu den betreffenden Arzneimitteln gelesen werden.
PĂ€diatrische Population
Die Sicherheitsdatenbank zur UnterstĂŒtzung der 1× tĂ€glichen Dosierung von Lamivudin in pĂ€diatrischen Patienten stammt aus der ARROW Studie (COL105677), in welcher 669 HIV-1 infizierte pĂ€diatrische Patienten Abacavir und Lamivudin entweder 1× tĂ€glich oder 2× tĂ€glich erhielten (s. "Klinische Studien" ). Bei pĂ€diatrischen Patienten, bei denen entweder 1× tĂ€glich oder 2× tĂ€glich dosiert wurde, wurden im Vergleich zu Erwachsenen keine zusĂ€tzlichen Nebenwirkungen identifiziert.
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung ĂŒber das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Es konnten keine spezifischen Anzeichen oder Symptome in der Folge einer akuten Überdosierung festgestellt werden neben den unter "UnerwĂŒnschte Wirkungen" aufgefĂŒhrten Nebenwirkungen.
Im Falle von Überdosierung sollte der Patient beobachtet und gegebenenfalls die ĂŒblichen allgemeinunterstĂŒtzenden Massnahmen ergriffen werden.
Da Lamivudin dialysierbar ist, könnte zur Behandlung einer Überdosierung eine kontinuierliche HĂ€modialyse angewendet werden; entsprechende Untersuchungen liegen jedoch nicht vor.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
J05AF05
Wirkungsmechanismus
Lamivudin ist ein selektiver Inhibitor der HIV-1 und HIV-2 Replikation in vitro.
Lamivudin ist auch gegen Retrovir-resistente klinische Isolate von HIV aktiv.
Lamivudin wird intrazellulĂ€r zum 5'-Triphosphat (TP) metabolisiert, das eine intrazellulĂ€re Halbwertszeit von 16-19 Stunden besitzt. Lamivudin 5'-Triphosphat ist Substrat und schwacher Inhibitor der Reverse-Transkriptase des HIV; seine Hauptwirkung kommt jedoch durch Einbau der Monophosphat-Form in die virale DNA-Kette zustande, was zu einer Kettenabbruchreaktion fĂŒhrt.
Pharmakodynamik
Keine antagonistischen Effekte wurden in vitro gesehen mit Lamivudin und anderen antiretroviralen Substanzen (getestete Substanzen: Abacavir, Didanosin, Nevirapin, Zalcitabin und Zidovudin).
Lamivudin zeigt keine Wechselwirkungen mit dem zellulÀren DNA-Metabolismus. Die Auswirkungen auf den DNA-Gehalt in SÀugetierzellen und in Mitochondrien ist gering.
Lamivudin besitzt in vitro eine geringe ZytotoxizitĂ€t gegenĂŒber peripheren Blutlymphozyten sowie gegenĂŒber Lymphozyten und Monozyten-Makrophagen Zelllinien und gegenĂŒber einer Vielzahl von Knochenmarkstammzellen. Lamivudin besitzt daher in vitro einen hohen therapeutischen Index.
Die Entwicklung einer Lamivudinresistenz beim HIV-1-Virus verlĂ€uft mit einer AminosĂ€ureĂ€nderung (M184V) nahe am aktiven Zentrum der Reversen Transkriptase (RT) des Virus. Diese Variante entsteht sowohl unter in-vitro-Bedingungen als auch bei HIV-1-infizierten Patienten, die mit einer Lamivudin-enthaltenden Antiretrovirustherapie behandelt wurden. Viren mit der Mutation M184V sind weitaus weniger empfindlich gegenĂŒber Lamivudin und besitzen eine geringere KapazitĂ€t zur Virusreplikation unter in-vitro-Bedingungen.
Bei in-vitro-Studien wurde festgestellt, dass Zidovudin-resistente Virusisolate bei Erwerb einer gleichzeitigen Lamivudinresistenz wieder Zidovudin-sensitiv werden können. Die klinische Relevanz dieser Befunde ist jedoch noch nicht gut charakterisiert.
Innerhalb der Retrovirusinhibitorklasse der Nukleoside vermittelt die RT-Mutation M184V nur eine beschrĂ€nkte Kreuzresistenz. Die antiretrovirale Wirksamkeit von Zidovudin und Stavudin bleibt auch gegenĂŒber Lamivudin-resistentem HIV-1 erhalten. Ebenso bleibt auch die antiretrovirale Wirksamkeit von Abacavir gegenĂŒber Lamivudin-resistentem HIV-1 erhalten, sofern nur die M184V-Mutation vorliegt. Die RT-Mutation M184V ist mit einer um das < als 4-fache geringeren Empfindlichkeit gegenĂŒber Didanosin und Zalcitabin verbunden, doch ist die klinische Relevanz dieser Befunde nicht bekannt. Bisher wurden keine einheitlichen Standards fĂŒr Empfindlichkeitstests unter in-vitro-Bedingungen aufgestellt, so dass die Ergebnisse in AbhĂ€ngigkeit von methodischen Faktoren schwanken können.
In klinischen Studien reduzierte Lamivudin in Kombination mit Zidovudin die Virusbelastung mit HIV-1 und erhöhte die CD4-Zellzahl. Klinische Endpunktdaten zeigen, dass Lamivudin in Kombination mit Zidovudin und Lamivudin-/Zidovudin-haltigen Kombinationstherapien das Risiko des Fortschreitens der Erkrankung und der MortalitÀt signifikant reduziert.
Über eine verringerte In-vitro-Empfindlichkeit auf Lamivudin bei HIV-Isolaten von Patienten, die mit 3TC behandelt wurden, wurde berichtet.
Hinweise aus klinischen Studien zeigen, dass eine Therapie mit Lamivudin plus Zidovudin das Auftreten einer Zidovudin-Resistenz bei antiretroviral unbehandelten Patienten verzögert. Das Resistenzmuster bei Isolaten von Patienten unter Langzeittherapie mit Zidovudin und Lamivudin ist jedoch nicht bekannt und eine Resistenz gegenĂŒber beiden Substanzen könnte auftreten.
Lamivudin wurde vielfach als Komponente von antiretroviralen Kombiationstherapien eingesetzt, und zwar sowohl in Verbindung mit Agenzien aus derselben Substanzklasse (Nukleosidinhibitoren der Reversen Transkriptase) als auch mit anderen Substanzklassen (Proteaseinhibitoren, Nichtnukleosidinhibitoren der Reversen Transkriptase).
Evidenz aus klinischen Studien an pÀdiatrischen Patienten, die Lamivudin zusammen mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen (Abacavir, Nevirapin/Efavirenz oder Zidovudin) erhielten, zeigte, dass das bei pÀdiatrischen Patienten beobachtete Resistenzprofil in Bezug auf die festgestellten Genotyp-Substitutionen und ihre relative HÀufigkeit dem von Erwachsenen Àhnlich ist.
Kinder, die im Rahmen klinischer Studien Lamivudin Lösung zum Einnehmen zusammen mit anderen antiretroviralen Lösungen zum Einnehmen erhielten, entwickelten hÀufiger virale Resistenzen als Kinder, die Tabletten erhielten (siehe "Eigenschaften/Wirkungen/Klinische Studien" und "Pharmakokinetik" ).
Die Antiretrovirustherapie mit mehreren Mitteln einschliesslich Lamivudin hat sich bei Antiretrovirustherapie-naiven Patienten sowie bei Patienten mit Viren mit der Mutation M184V als wirksam erwiesen.
Der Zusammenhang zwischen der Lamivudin-Empfindlichkeit von HIV unter in-vitro-Bedingungen und der klinischen therapeutischen Antwort bleibt abzuklÀren.
Klinische Wirksamkeit
Innerhalb einer randomisierten, multizentrischen, kontrollierten Studie bei HIV-infizierten pĂ€diatrischen Patienten wurde ein randomisierter Vergleich von Dosierungsschemata, mit 1× tĂ€glicher bzw. zweimal tĂ€glicher Einnahme von Abacavir und Lamivudin, durchgefĂŒhrt. 1206 pĂ€diatrische Patienten im Alter von 3 Monaten bis 17 Jahren wurden in die ARROW Studie (COL105677) eingeschlossen und die Dosierung erfolgte nach Gewichtsbereich gemĂ€ss den Dosierungsempfehlungen der WHO Behandlungsrichtlinien (Antiretroviral therapy of HIV infection in infants and children, 2006). Nach 36 Wochen unter einem Regime mit 2× tĂ€glich Abacavir und Lamivudin wurden 669 geeignete Patienten randomisiert und setzten entweder die Behandlung mit 2× tĂ€glicher Dosierung fort oder wurden auf 1× tĂ€glich Abacavir und Lamivudin umgestellt fĂŒr mindestens 96 Wochen. Die Resultate sind in der Tabelle unten zusammengefasst.
Virologische Antwort (<80 Kopien/ml HIV-1 RNA) zu Woche 48 und 96 in der ARROW Studie mit Randomisierung von 1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich Abacavir + Lamivudin (Observed Analysis)

 

2× tĂ€glich
n/N (%)

1× tĂ€glich
n/N (%)

Woche 0 (nach ≄36 Wochen auf Behandlung)

Plasma HIV-1 RNA <80 K/ml

250/331 (76)

237/335 (71)

Risiko Differenz (1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich)

-4.8% (95% KI: -11.5%, +1.9%), p=0.16

Woche 48

Plasma HIV-1 RNA <80 K/ml

242/331 (73)

236/330 (72)

Risiko Differenz (1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich)

-1.6% (95% KI: -8.4%, +5.2%), p=0.65

Woche 96

Plasma HIV-1 RNA <80 K/ml

234/326 (72)

230/331 (69)

Risiko Differenz (1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich)

-2.3% (95% KI: -9.3%, +4.7%), p=0.52

Die Abacavir/Lamivudin 1× tĂ€glich Dosierungsgruppe zeigte sich als nicht unterlegen gegenĂŒber der Gruppe mit 2× tĂ€glicher Dosierung gemĂ€ss der vordefinierten Nicht-InferioritĂ€tsgrenze von -12% fĂŒr den primĂ€ren Endpunkt <80 Kopien/ml zu Woche 48 und Woche 96 (sekundĂ€rer Endpunkt) und auch fĂŒr alle anderen getesteten Grenzwerte (<200 K/ml, <400 K/ml, <1000 K/ml), welche alle innerhalb dieses Nicht-Unterlegenheitsbereiches lagen. Subgruppenanalysen zur PrĂŒfung auf HeterogenitĂ€t zwischen einmal versus zweimal tĂ€glicher Dosierung zeigten bei Randomisierung keine signifikanten Effekte von Geschlecht, Alter oder Viruslast. Das Ergebnis stĂŒtzt eine Nicht-Unterlegenheit unabhĂ€ngig von der Analysenmethode.
Zum Zeitpunkt der Randomisierung zur einmal tĂ€glichen bzw. zweimal tĂ€glichen Gabe (Woche 0) wiesen Patienten, die Tablettenformulierungen erhielten, höhere Virussuppressionsraten auf als Patienten, die zu irgendeinem Zeitpunkt Lösungsformulierungen erhalten hatten. Diese Unterschiede waren ĂŒber alle untersuchten Altersgruppen hinweg feststellbar. Der Unterschied zwischen Tabletten und Lösungen hinsichtlich der Suppressionsraten blieb unter der einmal tĂ€glichen Gabe bis Woche 96 bestehen.
Anteile der Teilnehmer mit Plasma-HIV-1-RNA <80 Kopien/ml mit Randomisierung von 1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich Abacavir + Lamivudin in ARROW: Untergruppen-Analyse nach Formulierung

 

2× tĂ€glich
Plasma-HIV-1-RNA <80 Kopien/ml:
n/N (%)

1× tĂ€glich
Plasma-HIV-1-RNA <80 Kopien/ml:
n/N (%)

Woche 0 (nach 36-wöchiger Behandlung)

Lösungsregime zu irgendeinem Zeitpunkt

14/26 (54)

15/30 (50)

Patienten mit durchgehend Tabletten-basiertem Regime

236/305 (77)

222/305 (73)

p-Werta

0.87

Woche 96

Lösungsregime zu irgendeinem Zeitpunkt

13/26 (50)

17/30 (57)

Patienten mit durchgehend Tabletten-basiertem Regime

221/300 (74)

213/301 (71)

p-Werta

0.47

a Test fĂŒr HeterogenitĂ€t fĂŒr den 1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich Vergleich
An Proben mit Plasma-HIV-1-RNA >1000 Kopien/ml wurden genotypische Resistenzbestimmungen durchgefĂŒhrt. Bei Patienten, die Lamivudin als Lösung in Kombination mit anderen antiretroviralen Lösungen erhalten hatten, wurden mehr ResistenzfĂ€lle festgestellt als bei Patienten, die Ă€hnliche Dosen in Tablettenformulierung erhielten. Dies steht im Einklang mit den bei diesen Patienten beobachteten niedrigeren Virussuppressionsraten.
Dem Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft wurden prospektive Berichte von ĂŒber 11'000 Schwangerschaften mit Exposition gegenĂŒber Lamivudin, die zu Lebendgeburten fĂŒhrten, gemeldet. Diese Berichte setzten sich aus ĂŒber 4'200 Expositionen wĂ€hrend des 1. Trimesters, die 135 Geburtsdefekte beinhalteten, und ĂŒber 6'900 Expositionen wĂ€hrend des 2. und 3. Trimesters mit 198 Geburtsdefekten zusammen. Die PrĂ€valenz (95% KI) von Missbildungen im ersten Trimester lag bei 3.2% (2.6, 3.7%) und bei 2.8% (2.4, 3.2%) im 2. und 3. Trimester. Bei schwangeren Frauen in der Referenzpopulation liegt die Hintergrundrate von Geburtsdefekten bei 2.7%. Das Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft zeigt kein erhöhtes Risiko fĂŒr schwerwiegende Geburtsdefekte unter Lamivudin im Vergleich zur Hintergrundrate.

Pharmakokinetik

Absorption
Lamivudin wird nach oraler Verabreichung gut aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert. Die absolute BioverfĂŒgbarkeit liegt beim Erwachsenen normalerweise zwischen 80 und 85%. Nach oraler Verabreichung betrĂ€gt die mittlere Zeit (tmax) bis zur maximalen Serumkonzentration (Cmax) ungefĂ€hr 1 Stunde. Bei therapeutischer Dosierung, d.h. 4 mg/kg Körpergewicht/Tag, aufgeteilt in eine Einzeldosis alle 12 Stunden, liegt Cmax zwischen 1 und 1,9 ”g/ml.
Die Verabreichung von 2 Tabletten Ă  150 mg ist bezĂŒglich AUC, Cmax und tmax bioĂ€quivalent zu 1 Tablette Ă  300 mg.
Unterschiede in der Absorption sind beobachtet worden zwischen Erwachsenen und pÀdiatrischen Populationen (siehe "Kinetik spezieller Patientengruppen/Kinder" ).
Es ist keine Dosierungsanpassung notwendig, wenn Lamivudin zusammen mit den Mahlzeiten eingenommen wird, da sich die BioverfĂŒgbarkeit (basierend auf der AUC) nicht Ă€ndert, obwohl eine Verzögerung von tmax und eine Verringerung von Cmax beobachtet werden konnten. Die Einnahme kann demnach nĂŒchtern oder mit/nach dem Essen erfolgen.
Bei Gabe zerkleinerter Tabletten mit einer geringen Menge an halbfester Nahrung oder mit FlĂŒssigkeit wird kein Einfluss auf die pharmazeutische QualitĂ€t erwartet, daher ist eine Änderung der klinischen Wirkung auch nicht zu erwarten. Diese Schlussfolgerung basiert auf den physikalisch-chemischen Eigenschaften des Wirkstoffs und dem in-vitro Dissolutionsverhalten von 3TC Tabletten in Wasser und unter der Annahme, dass der Patient die zerkleinerten Tabletten zu 100% und umgehend einnimmt.
Bei Mehrfachdosierung wurde keine klinisch signifikante Akkumulation des Wirkstoffes festgestellt.
Distribution
Aus Studien, in denen Lamivudin intravenös verabreicht wurde, ist bekannt, dass das mittlere Verteilungsvolumen 1,3 l/kg betrÀgt.
Lamivudin besitzt ein lineares pharmakokinetisches Verhalten ĂŒber die therapeutische Dosierungsbreite und eine begrenzte Bindung (16-36%) an das Hauptplasmaprotein Albumin.
Eine begrenzte Anzahl von Daten zeigt, dass Lamivudin liquorgĂ€ngig ist und in der ZerebrospinalflĂŒssigkeit nachgewiesen werden kann.
Der mittlere Quotient der Lamivudin-Konzentration zwischen ZerebrospinalflĂŒssigkeit und Serum betrug 2-4 Stunden nach oraler Verabreichung ca. 0,12. Das exakte Ausmass des Übergangs in die ZerebrospinalflĂŒssigkeit oder dessen Korrelation mit einer klinischen Wirkung ist nicht bekannt.
Metabolismus
Die Metabolisierung spielt bei der Elimination von Lamivudin eine untergeordnete Rolle (5-10%). Lamivudin wird hauptsÀchlich in unverÀnderter Form renal ausgeschieden.
Elimination
Die mittlere systemische Clearance von Lamivudin betrĂ€gt ca. 0,32 l/h/kg, wobei die renale Clearance ĂŒber das Transportsystem fĂŒr organische Kationen stark ĂŒberwiegt (>70%).
Die hepatische Metabolisierung betrÀgt weniger als 10%.
Die Plasmahalbwertszeit von Lamivudin nach oraler Verabreichung betrĂ€gt 18 bis 19 Stunden, und der aktive Anteil, das intrazellulĂ€re Lamivudintriphosphat, hat eine verlĂ€ngerte terminale Halbwertszeit in der Zelle (16 bis 19 Stunden). In einer Studie mit 60 gesunden erwachsenen Probanden erwies sich 1× tĂ€glich 300 mg 3TC im Steady-State bezĂŒglich AUC24 h und Cmax als pharmakokinetisch Ă€quivalent zu 2× tĂ€glich 150 mg 3TC.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen:
Die Lamivudin-Plasmakonzentration (AUC) ist bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen aufgrund einer verminderten Clearance erhöht. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 49 ml/min, kann die Lamivudin-Exposition (AUC) 1,6- bis 3,3-fach höher sein als bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von ≄50 ml/min (siehe "Dosierung bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen" , siehe "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Patienten mit eingeschrÀnkter Leberfunktion:
Erfahrungen bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Leberinsuffizienz zeigen, dass die Pharmakokinetik von Lamivudin durch die eingeschrÀnkte Leberfunktion nicht signifikant verÀndert wird.
Kinder:
Die absolute BioverfĂŒgbarkeit von Lamivudin (ca. 58-66%) ist bei Kindern unter 12 Jahren im Vergleich zu Erwachsenen reduziert.
Die Verabreichung von Tabletten bei Kindern gleichzeitig gegeben mit anderen antiretroviralen Tabletten fĂŒhrte auch nach Gabe gleicher Dosen zu etwa 58% bzw. 55% höheren Plasma Lamivudin AUC∞- und Cmax-Werten als bei der oralen Lösung gleichzeitig gegeben mit anderen antiretroviralen oralen Lösungen. Kinder, die Lamivudin Tabletten gemĂ€ss dem empfohlenen Dosierungsregime erhalten, erreichen ebenfalls höhere Plasma Lamivudin Expositionen als Kinder, die mit der oralen Lösung behandelt werden, da mit der Tablettenformulierung höhere mg/kg Dosen verabreicht werden und die Tablettenformulierung eine höhere BioverfĂŒgbarkeit aufweist (siehe "Dosierung/Anwendung" ).
PĂ€diatrische Pharmakokinetik-Studien haben gezeigt, dass die 1× tĂ€gliche Verabreichung fĂŒr die orale Lösung und die Tablettenformulierung im Vergleich zur 2× tĂ€glichen Verabreichung derselben Tagesdosis zu Ă€quivalenten AUC0-24 Werten fĂŒhrt.
FĂŒr Kinder unter 3 Monaten liegen nur begrenzte Daten zur Pharmakokinetik vor. Bei Neugeborenen im Alter von 1 Woche ist die Clearance nach oraler Applikation von Lamivudin im Vergleich zu Ă€lteren Kindern wahrscheinlich als Folge der noch unterentwickelten Nierenfunktion und der unterschiedlichen Resorption herabgesetzt. Um eine mit der Erwachsenenexposition vergleichbare Exposition zu erreichen, wird daher aus theoretischen ErwĂ€gungen fĂŒr Neugeborene eine Dosis von 2× tĂ€glich 2 mg/kg empfohlen. FĂŒr Neugeborene, welche Ă€lter als eine Woche sind, stehen keine Daten zur VerfĂŒgung.
Ältere Patienten:
Es liegen keine Daten bei Patienten ĂŒber 65 Jahren vor.
Schwangerschaft:
Die Pharmakokinetik von Lamivudin bei Schwangeren ist mit der bei nicht schwangeren Erwachsenen vergleichbar. Beim Menschen war die Konzentration von Lamivudin im kindlichen Serum bei der Geburt Ă€hnlich wie im mĂŒtterlichen Serum und im Nabelschnur-Serum zum Zeitpunkt der Entbindung, was auf eine passive transplazentare Passage des Lamivudin hinweist.

PrÀklinische Daten

ToxizitÀt
Die Verabreichung von Lamivudin in sehr hoher Dosierung ging in Tierstudien zur ToxizitĂ€t nicht mit einer schwerwiegenden OrgantoxizitĂ€t einher. Die beobachteten Änderungen der klinisch relevanten Parameter waren eine Verminderung der Erythrozytenzahl und Neutropenie.
GenotoxizitÀt
Lamivudin wirkte in Bakterientests nicht mutagen, zeigte aber in vitro, wie viele andere Nukleosidanaloga, eine AktivitĂ€t im zytogenetischen Assay und im Maus Lymphom-Assay. Lamivudin war in vivo nicht genotoxisch in Dosierungen, bei denen eine Plasmakonzentration erreicht wurde, die 40-50-mal höher lag als die erwarteten Plasmaspiegel bei klinischer Dosierung. Da die in vitro gezeigte mutagene AktivitĂ€t von Lamivudin nicht bei in-vivo-Tests bestĂ€tigt werden konnte, kann daraus geschlossen werden, dass eine 3TC-Behandlung kein genotoxisches Risiko fĂŒr Patienten darstellen sollte.
KanzerogenitÀt
In Langzeit-KarzinogenitÀtsstudien an Ratten und MÀusen zeigte Lamivudin nach oraler Verabreichung kein karzinogenes Potential.
ReproduktionstoxizitÀt
In Tierstudien war Lamivudin nicht teratogen. Es fĂŒhrte aber bei Dosierungen, welche Serumkonzentrationen ergeben (Cmax und AUC), die mit denen beim Menschen vergleichbar sind, beim Kaninchen zu einer Erhöhung der frĂŒhen EmbryoletalitĂ€t. Bei Ratten jedoch, welche ca. 35-mal höhere Konzentrationen als die der klinischen Exposition entsprechend erhielten (basierend auf Cmax), wurde keine EmbryoletalitĂ€t festgestellt.

Sonstige Hinweise

Beeinflussung diagnostischer Methoden
Die Beeinflussung diagnostischer Methoden durch Lamivudin ist nicht untersucht worden.
Hinweis fĂŒr Diabetiker
Eine Einzeldosis der Lösung zum Einnehmen (15 ml) enthÀlt 3 g Zucker (entspr. 0,3 Brotwerten).
Haltbarkeit
Tabletten und Lösung zum Einnehmen: Bis zum angegebenen Verfalldatum haltbar.
Haltbarkeit nach Anbruch
Lösung zum Einnehmen: Nach Öffnen der Flasche soll die Lösung innerhalb eines Monats aufgebraucht werden.
Besondere Lagerungshinweise
Tabletten und Lösung zum Einnehmen: Die Tabletten nicht ĂŒber 30 °C und die Lösung zum Einnehmen gut verschlossen nicht ĂŒber 25 °C lagern. Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
Hinweise fĂŒr die Handhabung
Die Packung der Lösung zum Einnehmen enthÀlt eine Dosierspritze mit Graduierung.

Zulassungsnummer

53662, 53663 (Swissmedic).

Packungen

Tabletten zu 150 mg (mit Bruchrille, teilbar): 60, A
Tabletten zu 300 mg "1× tĂ€glich" : 30, A
Lösung zum Einnehmen (10 mg/ml): 240 ml (inkl. Dosierspritze), A

Zulassungsinhaberin

ViiV Healthcare GmbH, 6340 Baar

Stand der Information

Juli 2023