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Detrusitol SR
Viatris Pharma GmbH

Zusammensetzung

Wirkstoffe
Tolterodini-l-tartras.
Hilfsstoffe
Retardkapsel zu 2 mg: Sacchari sphaerae (corresp. saccharum 40.33-59.05 mg pro Retardkapsel, maydis amylum), ethylcellulosum, triglycerida media, acidum oleicum, hypromellosum, lacca, titanii dioxidum, propylenglycolum (E 1520), simeticonum, gelatina, indigotinum (E 132), flavum (E 172).
Retardkapsel zu 4 mg: Sacchari sphaerae (corresp. saccharum 80.66-118.10 mg pro Retardkapsel, maydis amylum), ethylcellulosum, triglycerida media, acidum oleicum, hypromellosum, lacca, titanii dioxidum, propylenglycolum (E 1520), simeticonum, gelatina, indigotinum (E 132).

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Retardkapsel.
Retardkapsel zu 2 mg: 1 Retardkapsel enthält 2 mg Tolterodin L-tartrat entsprechend 1.37 mg Tolterodin. Blau-grüne Retardkapsel mit weissem Aufdruck.
Retardkapsel zu 4 mg: 1 Retardkapsel enthält 4 mg Tolterodin L-tartrat entsprechend 2.74 mg Tolterodin. Blaue Retardkapsel mit weissem Aufdruck.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung der hyperaktiven Blase, verbunden mit den Symptomen imperativer Harndrang, Pollakisurie oder Dranginkontinenz.

Dosierung/Anwendung

Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 4 mg.
Die Retardkapseln können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden und müssen ganz (d.h. unzerkaut) geschluckt werden.
Nach sechs Monaten soll die Notwendigkeit der Weiterbehandlung überprüft werden.
Spezielle Dosierungsanweisungen
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion, insbesondere bei schwerer Leberinsuffizienz (Leberzirrhose), sollte eine Maximaldosis von 2 mg/d nicht überschritten werden.
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Bei Patienten mit Niereninsuffizienz sollte eine Maximaldosis von 2 mg/d nicht überschritten werden.
Kinder und Jugendliche
Die Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern und Jugendlichen ist nicht erwiesen. Daher wird Detrusitol SR für Kinder und Jugendliche nicht empfohlen.
Komedikation mit starken CYP3A4-Hemmern
Bei Komedikation mit starken CYP3A4-Hemmern (z.B. Ketoconazol) sollte eine Maximaldosis von 2 mg Tolterodin pro Tag nicht überschritten werden. (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).

Kontraindikationen

Detrusitol SR ist kontraindiziert bei Patienten mit:
-Harnretention;
schwerer Colitis ulcerosa;
toxischem Megacolon;
unbehandeltem Engwinkelglaukom;
-Myasthenia gravis;
bekannter Überempfindlichkeit gegen Tolterodin oder einen der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Tolterodin sollte mit Vorsicht bei Patienten mit den folgenden klinischen Zuständen eingesetzt werden:
-Obstruktionen im Blasenhalsbereich verbunden mit dem Risiko eines Harnverhaltes;
obstruktive Störungen im Gastrointestinaltrakt, z.B. Pylorusstenose;
-Risiko für eine Beeinträchtigung der gastrointestinalen Motilität;
-Nierenerkrankungen (Tagesdosis sollte maximal 2 mg betragen);
-Lebererkrankungen (Tagesdosis sollte maximal 2 mg betragen);
-Hiatushernie;
autonome Neuropathie.
Organische Ursachen für Harndrang und Pollakisurie sollten vor der Behandlung abgeklärt werden.
Bei gleichzeitiger Behandlung mit starken CYP3A4-Inhibitoren in normaler Dosierung wie Makrolidantibiotika (z.B. Erythromycin und Clarythromycin) oder Antimykotika (z.B. Ketokonazol, Itrakonazol und Micokonazol) sollte die tägliche Tolterodindosis 2 mg nicht überschreiten. Die Hochdosistherapie mit CYP3A4-Hemmern (wie z.B. bei HIV-infizierten Patienten) wurde nicht untersucht. In einem solchen Fall wird die gleichzeitige Anwendung von Detrusitol SR nicht empfohlen, bis weitere Daten vorliegen. Zu einer Komedikation von Tolterodin mit Proteaseinhibitoren wie Ritonavir liegen bisher keine Daten vor (vgl. "Interaktionen" ).
Der Effekt von Tolterodin 2 mg oder 4 mg 2x täglich auf die QT-Zeit wurde an 48 gesunden Probanden im Vergleich zu 400 mg Moxifloxacin untersucht.
Nach oraler Mehrfachverabreichung einer täglichen Gesamtdosis von 4 mg (therapeutisch) und 8 mg (supratherapeutisch) Tolterodin wurde eine dosisabhängige QTc-Intervall-Verlängerung um durchschnittlich 2.4 bzw. 4.8 ms beobachtet, 9.9 ms bei Moxifloxacin 400 mg (aktive Kontrolle). In klinischen Studien wurde bei einem grossen und repräsentativen Patientenkollektiv in der empfohlenen Dosierung von Tolterodintabletten keine Verlängerung des QT-Intervals festgestellt. Folgenden Patienten muss vor Beginn einer Tolterodin-Therapie besondere Beachtung geschenkt werden: Patienten mit bekannten Risikofaktoren für eine QT-Verlängerung, Patienten mit relevanten bereits bestehenden Herzerkrankungen sowie Patienten, die begleitend z.B. Anti-Arrhythmika der Klasse IA und Klasse III oder QT verlängernde Arzneimittel erhalten.
Klinische Erfahrungen bei Kindern liegen nicht vor.
Patienten mit der seltenen hereditären Fructose-/Galactose-Intoleranz, einer Glucose-Galactose-Malabsorption oder einer Sucrase-Isomaltase-Insuffizienz sollten dieses Arzneimittel nicht anwenden.

Interaktionen

Die gleichzeitige Medikation mit anderen Wirkstoffen, welche anticholinerge Eigenschaften besitzen, kann zu einem ausgeprägteren therapeutischen Effekt und vermehrten bzw. stärkeren Nebenwirkungen führen. Umgekehrt ist durch die gleichzeitige Gabe eines cholinergen Muscarin-Agonisten eine Beeinträchtigung der therapeutischen Wirkung von Tolterodin möglich.
Ausserdem ist eine Verstärkung der Wirkung und Nebenwirkungen anderer anticholinerger Arzneimittel möglich, wenn gleichzeitig Tolterodin verabreicht wird. Umgekehrt kann es bei Patienten, welche wegen einer Demenz mit Cholinesterasehemmern behandelt werden, zu einer Abschwächung der Wirkung der Demenz-Therapie mit Verschlechterung der Demenz-Symptome kommen (vgl. "Unerwünschte Wirkungen" ).
Die Wirkungen von Metoclopramid und Cisaprid können durch Tolterodin reduziert werden.
Pharmakokinetische Interaktionen sind möglich mit Substanzen, die ebenfalls von CYP2D6 oder CYP3A4 metabolisiert werden, bzw. solchen die diese Enzyme inhibieren, wie Fluoxetin. Dieser selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer bewirkt eine starke Hemmung von CYP2D6. In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass Fluoxetin den Metabolismus von Tolterodin bei "extensiven" Metabolisierern signifikant hemmte, was zu einem 4.8-fachen Anstieg der AUC von Tolterodin bei einer gleichzeitigen Abnahme der AUC des aktiven 5-Hydroxymethylmetaboliten DD01 (vgl. "Pharmakokinetik" ) um 20% sowie zu einem Abfall der Cmax um 52% führte. Somit gleicht die Pharmakokinetik eines normalerweise "extensiven" Metabolisierers unter Fluoxetin derjenigen eines schlechten Metabolisierers. Jedoch hat die gleichzeitige Behandlung mit Fluoxetin nur einen Anstieg um 25% der kombinierten Exposition gegenüber ungebundenem Tolterodin und dem gleich wirksamen 5-Hydroxymethylmetaboliten zur Folge. Somit kommt es zu keiner klinisch relevanten Interaktion, und eine Dosisanpassung erübrigt sich.
Die gleichzeitige Behandlung mit Ketokonazol (200 mg/d), einem starken CYP3A4-Inhibitor, führt vor allem bei gleichzeitiger Reduktion der CYP2D6-Aktivität zu einem Anstieg der AUC von Tolterodin. In einer Studie an schlechten Metabolisierern für CYP2D6 (die ca. 5-10% der kaukasischen Bevölkerung ausmachen), kam es zu einem Anstieg der AUC von Tolterodin auf das 2.2-fache. Bei Patienten, welche gleichzeitig CYP3A4-Hemmer wie Makrolid-Antibiotika (z.B. Erythromycin und Clarythromycin) oder Antimykotika (z.B. Ketokonazol, Itrakonazol und Miconazol) erhalten, sollte daher eine Tageshöchstdosis von 2 mg nicht überschritten werden.
Der Proteasehemmer Ritonavir gilt als etwa gleich starker CYP3A4-Hemmer wie Ketokonazol. Jedoch wurde der Einfluss von Ritonavir sowie der Einfluss von hohen Dosen der oben genannten Arzneimittel, wie Makrolid-Antibiotika oder Antimykotika des Azol-Typs (wie z.B. bei der HIV-Therapie) nicht untersucht. Die gleichzeitige Anwendung von Detrusitol SR bei diesen Therapien wird nicht empfohlen, bis weitere Daten vorhanden sind.
Interaktionen mit den in der Schweiz erhältlichen oralen Antikoagulantien (z.B. Acenocoumarol, Phenprocoumon) wurden nicht speziell untersucht. Subanalysen klinischer Daten von Patienten, die gleichzeitig mit in der Schweiz nicht registrierten Antikoagulantien behandelt wurden (n= 109), zeigen keinen Hinweis auf unterschiedliche Nebenwirkungsprofile.
In Studien mit gesunden Probanden/innen ergab sich kein Hinweis auf eine Interaktion mit Warfarin oder kombinierten oralen Kontrazeptiva (Ethinylestradiol/Levonorgestrel).
Klinische Studien mit entsprechenden Substanzen ergaben keinen Hinweis für eine Inhibition von CYP2D6, 2C19, 3A4 oder 1A2 durch Tolterodin.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft
Klinische Erfahrungen über die Behandlung schwangerer Frauen liegen nicht vor. Bis mehr Informationen über die Behandlung schwangerer Frauen vorliegen, sollten diese nicht mit Tolterodin behandelt werden. Die Behandlung von Frauen im fertilen Alter sollte demzufolge nur bei sicherem Konzeptionsschutz durchgeführt werden.
Stillzeit
Tolterodin sollte ebenfalls nicht in der Stillzeit eingenommen werden, da Daten über die Passage in die Muttermilch fehlen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Da Detrusitol SR Akkommodationsstörungen verursachen kann und die Reaktionszeit beeinflusst, kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Folgende unerwünschte Wirkungen wurden bei der Einnahme von Detrusitol SR beobachtet:
Wegen der pharmakologischen Wirkung von Tolterodin können unter der Therapie leichte bis mässige antimuskarinische Effekte wie Mundtrockenheit, Dyspepsie, und trockene Augen auftreten. Die nachfolgende Auflistung basiert auf den Daten von klinischen Studien. Die am häufigsten auftretende Nebenwirkung war Mundtrockenheit. Es gab keinen Unterschied hinsichtlich der Anzahl von nebenwirkungsbedingten Therapieabbrüchen zwischen Detrusitol SR und Placebo.
Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: "Sehr häufig" (≥1/10), "häufig" (≥1/100, <1/10) und "selten" (≥1/10'000, <1/1000).
Erkrankungen des Immunsystems
Selten: Anaphylaktoide Reaktionen.
Erkrankungen des Nervensystems
Sehr häufig: Mundtrockenheit (23.4%).
Häufig: Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, Schwindel.
Selten: Verwirrtheit.
Augenerkrankungen
Häufig: Sehstörungen inkl. Akkomodationsstörungen, Xerophthalmie.
Herz- und Gefässerkrankungen
Selten: Tachykardie.
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Häufig: Sinusitis.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Häufig: Flatulenz, Dyspepsie, Abdominalschmerz, Obstipation.
Selten: Gastroösophagealer Reflux.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
Häufig: Trockene Haut, Hautrötungen, periphere