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Dexagenta-POS®
Ursapharm Schweiz GmbH

Zusammensetzung

Wirkstoffe
Dexamethasondihydrogenphosphat-Dinatrium (Ph. Eur.) 1,0 mg/ml und Gentamicinsulfat 5,0 mg/ml
Hilfsstoffe
Benzalkoniumchlorid (0,05 mg/ml); Natriumchlorid; Kaliumdihydrogenphosphat; Kaliummonohydrogenphosphat (Ph.Eur.); Wasser für Injektionszwecke.
Dieses Arzneimittel enthält 22,5 mg Phosphate pro 5 ml entsprechend 4.5 mg/ml.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Augentropfen: 1 ml enthält 1 mg Dexamethasondihydrogenphosphat-Dinatrium und 5 mg Gentamicinsulfat (entspricht 3 mg Gentamicin).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Entzündungen des vorderen Augenabschnitts, wenn eine Kortikosteroidtherapie angezeigt ist und gleichzeitig eine bakterielle Infektion durch empfindliche Keime vorliegt oder ein hohes Risiko für das Auftreten einer solchen Infektion besteht.

Dosierung/Anwendung

Erwachsene: 1 Tropfen 4–6× täglich in den unteren Bindehautsack oder auf den Lidrand träufeln.
Therapiedauer
Die Anwendungsdauer soll in der Regel 2 Wochen nicht überschreiten.
Kinder und Jugendliche
Es existieren keine klinischen Studien in Bezug auf die Sicherheit und Wirksamkeit des Präparates bei Kindern.
Art der Anwendung
Zur Anwendung am Auge.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber einem der Wirkstoffe oder einem der Hilfsstoffe.
Herpes-Simplex-Keratitis (Keratitis dendritica).
Zoster ophthalmicus.
Vaccinia, Varicella und andere Viruserkrankungen der Hornhaut und Bindehaut.
Pilzerkrankungen und mykobakterielle Infektionen des Auges (Augen-Tbc).
Nach unkomplizierter Fremdkörperentfernung (wegen des potentiellen Risikos einer Mykose der verletzten Hornhaut oder der Gefahr einer übermässigen Resorption des Präparates).
Verletzungen und Ulzerationen der Hornhaut (wegen der Gefahr einer Verschlimmerung der Infektion oder einer Perforation der Hornhaut).
Glaukom.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Wie alle Antibiotika enthaltende Präparate soll Dexagenta-POS nicht prophylaktisch gegeben werden (Gefahr des Auftretens resistenter Stämme). Auch muss immer daran gedacht werden, dass eine Kortikosteroidbehandlung eine Infektion maskieren, begünstigen oder verschlimmern kann. Daher muss in allen Fällen, in denen nach 7 bis 12 Tagen keine Besserung eingetreten ist, unbedingt eine andere Behandlung eingeleitet werden. Wenn keine Besserung eintritt, wird eine bakteriologische Untersuchung mit Antibiogramm auf Gentamicin empfohlen. Die Augentropfen dürfen nicht für peri- oder intraokuläre Injektionen verwendet werden. Wegen des Risikos einer Erhöhung des Augeninnendrucks muss dieser bei einer Behandlung mit Dexagenta-POS regelmässig kontrolliert werden. Mit Vorsicht zu verwenden ist Dexagenta-POS bei Katarakt, Diabetes mellitus, Herpesinfektionen, vorausgegangenen Augeninfektionen sowie bei Erkrankungen, die zu einer Verdünnung der Hornhaut und Sklera führen. Durch wiederholte und/oder längerdauernde Anwendung kann eine nicht zu vernachlässigende Menge des Kortikosteroids systemisch aufgenommen werden. Bei Überempfindlichkeitsreaktionen ist die Behandlung abzubrechen.
Cushing-Syndrom und/oder eine Nebennierensuppression können in Verbindung mit der systemischen Absorption von ophthalmischem Dexamethason nach einer intensiven oder langfristigen Behandlung von prädisponierten Patienten, einschliesslich Kindern und Patienten, die mit CYP3A4-Inhibitoren (einschliesslich Ritonavir und Cobicistat) behandelt wurden, auftreten. In diesen Fällen sollte die Behandlung schrittweise beendet werden.
Sehstörung
Bei der systemischen und topischen Anwendung von Corticosteroiden können Sehstörungen auftreten. Wenn ein Patient mit Symptomen wie verschwommenem Sehen oder anderen Sehstörungen vorstellig wird, sollte eine Überweisung des Patienten an einen Augenarzt zur Bewertung möglicher Ursachen in Erwägung gezogen werden; diese umfassen unter anderem Katarakt, Glaukom oder seltene Erkrankungen, wie z.B. zentrale seröse Chorioretinopathie (CSC), die nach der Anwendung systemischer oder topischer Corticosteroide gemeldet wurden.
Hinweise für Kontaktlinsenträger: vom Tragen von Kontaktlinsen bei Augeninfektionen wird generell abgeraten. Dasselbe gilt auch während einer Behandlung mit Dexagenta-POS.
Benzalkoniumchlorid kann von weichen Kontaktlinsen aufgenommen werden und kann zur Verfärbung der Kontaktlinsen führen. Es liegen Berichte vor, dass Benzalkoniumchlorid Reizungen am Auge und trockene Augen hervorrufen und den Tränenfilm und die Hornhautoberfläche beeinträchtigen kann. Es sollte bei Patienten mit trockenen Augen und bei Patienten mit geschädigter Hornhaut mit Vorsicht angewendet werden. Bei längerer Anwendung sollten die Patienten überwacht werden.

Interaktionen

CYP3A4-Inhibitoren (einschliesslich Ritonavir- und Cobicistat) können die Dexamethason-Clearance verringern, was zu verstärkter Wirkung und Nebennierensuppression/Cushing-Syndrom führen kann. Die Kombination sollte vermieden werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt das erhöhte Risiko von systemischen Corticosteroid-Nebenwirkungen. In diesem Fall sollten die Patienten auf systemische Corticosteroid-Wirkungen überwacht werden.
Bisher wurden nach lokaler Anwendung keine Interaktionen mit anderen Arzneimitteln beobachtet.
Steroide können möglicherweise eine Augeninnendruckerhöhung bewirken. Dies sollte in Betracht gezogen werden, wenn ein Patient gleichzeitig ein Mydriatikum oder ein Glaukomtherapeutikum erhält.
Die gleichzeitige Anwendung von Barbituraten kann die pharmakologische Wirkung von Kortikosteroiden vermindern.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft
Untersuchungen mit Kortikosteroiden bei Tieren haben gezeigt, dass es beim Föten zu unerwünschten Wirkungen kommt (teratogene, embryotoxische oder andere Wirkungen). Bei Frauen wurden keine kontrollierten Studien durchgeführt. Trotz der häufigen Anwendungen von Aminoglykosid-Antibiotika, insbesondere von Gentamicin, sowie von Kortikosteroiden und Dexamethason in der Ophthalmologie, wurden nach lokaler Applikation keine nachweisbaren Schäden bei Föten festgestellt. Wegen der Gefahr einer Hörschädigung nach systemischer Anwendung von Aminoglykosid-Antibiotika und den möglichen schädlichen Wirkungen einer systemischen Steroidtherapie (Wachstumsverzögerung, Nebennierenrindeninsuffizienz) darf Dexagenta-POS im ersten Drittel der Schwangerschaft nicht und im weiteren Schwangerschaftsverlauf nur nach strenger Indikationsstellung angewendet werden.
Stillzeit
Dexamethason kann bei Anwendung am Auge systemisch aufgenommen werden und während der Stillzeit in die Muttermilch gelangen. Eine Schädigung des Säuglings durch die lokale Anwendung von Dexamethason und Gentamicin bei der Mutter ist bislang nicht bekannt geworden. Die Notwendigkeit einer Behandlung mit Dexagenta-POS während der Stillzeit sollte dennoch genauestens geprüft werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Vorübergehendes Verschwommensehen und andere Seheinschränkungen können die Fähigkeit beeinträchtigen, am Strassenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu bedienen. Wenn sich nach dem Einbringen des Arzneimittels Verschwommensehen einstellt, dürfen Patienten nicht am Strassenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen, bis die Beeinträchtigung abgeklungen ist.

Unerwünschte Wirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:
Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100 bis <1/10), gelegentlich (≥1/1'000 bis <1/100), selten (≥1/10'000 bis <1/1'000), sehr selten (<1/10'000).
Augenerkrankungen
Sehr selten besteht die Möglichkeit allergischer Reaktionen und eines vorübergehenden leichten Augenbrennens. Sehr selten wurden Überempfindlichkeitsreaktionen (kontaktallergische Reaktion) beobachtet, die mit Juckreiz, Ödem des Augenlids oder Lidekzem einhergehen können. Ausserdem: Erhöhung des IOD (Glaukom), irreversible Linsentrübung (Katarakt), insbesondere bei Kindern, Herpes simplex-Keratitis, Perforation der Cornea bei bestehender Keratitis, Pilzinfektion (z.B. Candida albicans), Aggravation bakterieller Hornhautinfektionen, Ptosis, Mydriasis. Nach Corneaverletzungen kann die Anwendung von Dexagenta-POS zu Wundheilungsstörungen führen.
Basierend auf den begrenzt verfügbaren Daten, besteht kein Unterschied im Nebenwirkungsprofil bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen, abgesehen von einer generell höheren Empfindlichkeit für die bekannten Glucocorticoid-Nebenwirkungen.
Allgemein zeigt das Auge von Kindern jedoch eine stärkere Reaktion auf einen Reiz, als das Auge von Erwachsenen. Reizungen können bei Kindern eine Auswirkung auf die Compliance haben.
In sehr seltenen Fällen wurden bei einigen Patienten mit stark geschädigter Hornhaut im Zusammenhang mit der Anwendung von phosphathaltigen Augentropfen Fälle von Kalkablagerungen in der Hornhaut berichtet.
Nicht bekannt: verschwommenes Sehen.
Endokrine Erkrankungen
Nicht bekannt: Cushing-Syndrom, Nebennierensuppression.
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Es wurden keine Fälle von Überdosierung berichtet.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
S01CA01
Wirkungsmechanismus
Dexagenta-POS Augentropfen enthalten ein Kortikosteroid und ein Antibiotikum.
Dexamethason ist ein Kortikosteroid mit entzündungshemmender Wirkung. Gentamicin gehört zur Gruppe der Aminoglykosid-Antibiotika und wirkt bakterizid. Es dringt in empfindliche Bakterienzellen ein und bindet sich an der ribosomalen Untereinheit 30-S an das basische Protein P10. Diese Bindung stört das Ablesen der Messenger-RNA, so dass falsche Proteine gebildet werden, die funktionslos und mit dem Leben der Bakterienzellen unvereinbar sind.
Gentamicin besitzt folgendes in vitro-Wirkungsspektrum:
Empfindliche Keime: (MHK <4 µg/ml): Staphylococcus, Escherichia coli, Klebsiella, Enterobacter, Serratia, Proteus indol–, Proteus indol+, Salmonella, Shigella, Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter, Neisseria gonorrhoeae.
Mässig empfindliche Keime (MHK: 4–16 µg/ml): Moraxella.
Resistente Keime (MHK >16 µg/ml): Meningococcus, Clostridien, Bacteroides, Streptococcus.
Die MHK-Werte wurden mit Diffusions- und Reihenverdünnungstests bestimmt.
Die Plasmidresistenz gegen Gentamicin ist assoziiert mit Resistenzen gegen andere Antibiotika wie Penizilline, Chloramphenicol, Tetrazykline und Sulfonamide.
Die natürliche Resistenz ist durch Inaktivierung des aktiven Transports durch die bakterielle Zellmembran bedingt, die erworbene Resistenz durch einen Fehler in der Zellpermeabilität oder durch enzymatische Inaktivierung von Gentamicin. Ungefähr 12–13% der gramnegativen Stäbchen sind gegen Gentamicin resistent.
Pharmakodynamik
Klinische Wirksamkeit

Pharmakokinetik

Gentamicin
Nach lokaler Gabe von Gentamicin werden, abhängig von der Dosierungshäufigkeit, bakterizide Gewebekonzentrationen in der Bindehaut und Hornhaut erreicht. Bei häufiger Applikation am entzündeten Auge werden ebenfalls im Kammerwasser therapeutisch wirksame Konzentrationen erreicht. Dabei ist aber nicht mit einer systemischen Resorption zu rechnen, welche die Nachweisgrenze von Gentamicin im Serum übersteigen würde.
Dexamethason
Dexamethasondihydrogenphosphat-Dinatrium wird praktisch kaum, Dexamethason geringfügig über intaktes Epithel resorbiert. Die Penetrationsfähigkeit beider Verbindungen ist jedoch deutlich erhöht bei entzündeten oder durch Epithel-Läsionen geschädigten Schleimhäuten. Die systemische Verfügbarkeit nach lokaler Applikation am Auge ist nicht bekannt.
Absorption

Distribution

Metabolismus

Elimination

Präklinische Daten

Mutagenität
Gentamicin
Zu Gentamicin liegen keine ausführlichen Mutagenitätsprüfungen vor. Bisherige Untersuchungen verliefen negativ.
Langzeituntersuchungen am Tier auf ein tumorerzeugendes Potential von Gentamicin liegen nicht vor.
Dexamethason
Betamethason zeigte negative Ergebnisse in Mutagenitätstests an Bakterien (Salmonella und Escherichia) und an Säugerzellen (CHO/HGPT). Ein positives Ergebnis wurde im Chromosomenaberrationstest in vitro an Humanlymphozyten und ein uneindeutiges Ergebnis im Mikronukleustest in vivo am Knochenmark der Maus festgestellt. Dieses Wirkungsmuster gleicht dem von Betamethason und Hydrokortison und wird als Wirkungsmerkmal der Kortikosteroid-Stoffklasse angesehen.
Langzeitstudien am Tier, um das kanzerogene Potential von Dexamethason festzustellen, sind nicht durchgeführt worden.
Reproduktionstoxizität
Gentamicin
Gentamicin ist bei systemischer Gabe plazentagängig und geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Obwohl bisher keine Berichte über Schädigungen durch Gentamicin Augentropfen vorliegen, besteht die potentielle Gefahr einer Innenohr- und Nierenschädigung des Feten.
Dexamethason
An Versuchstieren können Glukokortikoide teratogen bzw. embryoletal wirken: es wurde das gehäufte Auftreten von Gaumenspalten und intrauterinen Wachstumsstörungen beobachtet. Es existieren Berichte über das Auftreten des «fetal distress»-Syndroms während der Geburt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Haltbarkeit nach Anbruch
Fläschchen nach dem Öffnen nicht länger als 30 Tage verwenden.
Besondere Lagerungshinweise
Bei Raumtemperatur (15-25 °C) lagern.
Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
Hinweise für die Handhabung
Um die Sterilität zu erhalten, Tropferspitze weder mit den Händen noch mit dem Auge berühren.

Zulassungsnummer

59580 (Swissmedic).

Packungen

Dexagenta-POS Augentropfen 5 ml. (A)

Zulassungsinhaberin

URSAPHARM Schweiz GmbH, 9325 Roggwil.

Stand der Information

Oktober 2019