Dosierung/AnwendungÜbliche Dosierung
Norcuron sollte nur von einem erfahrenen Kliniker, der mit der Wirkung und Anwendung dieser Arzneimittel vertraut ist, oder unter dessen Aufsicht, verabreicht werden.
Wie bei allen neuromuskulären Blockern sollte die Dosierung von Norcuron für jeden Patienten individuell bestimmt werden. Bei der Festlegung der Dosierung sind die Anästhesiemethode, die zu erwartende Dauer des Eingriffs, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, die vor oder während der Operation verabreicht werden, sowie der Zustand des Patienten zu berücksichtigen.
Die Anwendung einer geeigneten neuromuskulären Überwachungstechnik zur Beurteilung der neuromuskulären Blockade und Wiederherstellung wird empfohlen.
Inhalationsanästhetika verstärken den neuromuskulären Hemmeffekt von Norcuron. Im Verlauf einer Anästhesie sollte eine Anpassung der Norcuron-Dosen erfolgen, entweder kleinere Erhaltungsdosen in grösseren Intervallen oder eine niedrigere Infusionsrate während länger dauernder Eingriffe (länger als 1 Stunde) (siehe auch «Interaktionen»).
Erwachsene
Folgende Dosierungsangaben können für Erwachsene als allgemeine Richtlinie für die tracheale Intubation und die Muskelrelaxation bei kurzen bis langandauernden operativen Eingriffen dienen:
Tracheale Intubation
Die Standard-Intubationsdosis für eine routinemässige Anästhesie beträgt 0,08-0,1 mg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht. Bei fast allen Patienten entwickeln sich innerhalb von 90-120 Sekunden akzeptable Intubationsbedingungen.
Dosis bei chirurgischen Eingriffen nach Intubation mit Suxamethonium
0,03-0,05 mg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht.
Wenn Suxamethonium für die Intubation benutzt wird, sollte Norcuron erst gegeben werden, wenn die Wirkungen der durch Suxamethonium ausgelösten neuromuskulären Blockade beim Patienten abgeklungen sind.
Empfohlene Erhaltungsdosis
0,02-0,03 mg/kg Körpergewicht.
Die Erhaltungsdosis sollte optimalerweise dann gegeben werden, wenn die Wiederherstellung der Kontrollzuckungsstärke im Bereich von 25% liegt.
Dauerinfusion
Nach Verabreichung einer initialen Intubationsdosis (s. «Tracheale Intubation») soll die Infusion eingeleitet werden, sobald die Erholung von der initialen neuromuskulären Blockade einsetzt. Die Infusionsrate sollte so gewählt werden, dass eine Zuckungsstärke von 10% der Kontrollzuckungsspannung eingehalten wird oder 1 bis 2 Reizantworten bei Vierfach (TOF)-Stimulation erhalten bleiben. Bei Erwachsenen beträgtdie dazu notwendige Infusionsrate unter intravenöserAnästhesie erfahrungsgemäss0,8-1,4 μg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht pro Minute. Kinder und Neugeborene siehe unten. Eine kontinuierliche Überwachung der neuromuskulären Blockade ist notwendig, da die Infusionsrate von Patient zu Patient variiert und von der angewandten Anästhesiemethode abhängt.
Spezielle Dosierungen
Dosierung bei älteren Patienten
Die Intubations- und Erhaltungsdosis ist die gleiche wie bei jüngeren Erwachsenen (0,08-0,1 mg bzw. 0,02-0,03 mg/kg Körpergewicht). Die Wirkdauer ist in diesem Kollektiv verlängert; die Anschlagszeit ist aber ähnlich wie bei jüngeren Erwachsenen.
Dosierung bei pädiatrischen Patienten
Aufgrund möglicher Sensitivitätsunterschiede der neuromuskulären Übertragung, insbesondere bei Neugeborenen bis zu 4 Wochen und möglicherweise auch bei Kleinkindern bis zu einem Alter von 4 Monaten, wird eine anfängliche Testdosis von 0,01-0,02 mg/kg Vecuroniumbromid empfohlen, gefolgt von weiteren Einzeldosen, bis eine neuromuskuläre Blockade von 90%-95% erreicht ist. Bei operativen Eingriffen am Neugeborenen sollte die Dosis von 0,1 mg/kg nicht überschritten werden.
Die Dosis für Neugeborene (0-1 Monat) und Kleinkinder (1-23 Monate) entspricht derjenigen von Erwachsenen. Aufgrund der beträchtlich kürzeren Anschlagzeit dieser Patientengruppe sind hohe Intubationsdosen generell nicht erforderlich, um frühzeitig gute Intubationsbedingungen zu erzielen. Da die Wirkdauer und die Wiederherstellungszeit bei Neugeborenen und Kleinkindern verlängert ist, sollten die Erhaltungsdosen von Norcuron weniger häufig gegeben werden (längeres Dosierungsintervall).
Bei Kindern (2-11 Jahre) reichen die Intubations- und Erhaltungsdosen für Erwachsene (0,08-0,1 mg bzw. 0,02-0,03 mg/kg Körpergewicht) in der Regel aus. Da die Wirkdauer jedoch kürzer ist als bei Erwachsenen, muss in der Regel das Dosisintervall verkürzt werden.
Obwohl sehr wenige Informationen zu Dosierungen bei Jugendlichen vorliegen, empfiehlt es sich – basierend auf dem Entwicklungsstand in diesem Alter - die gleichen Dosen wie bei Erwachsenen anzuwenden.
Übergewichtige adipöse Patienten
Bei adipösen Patienten wird eine Reduktion der Dosis empfohlen. Die Dosierung sollte auf Basis des Lean body mass (fettfreies Körpergewicht) erfolgen.
Höhere Dosierungen
Besteht die Notwendigkeit zur Verwendung höherer Dosen, so kann man sich auf folgende Erfahrung stützen. Nach Erstdosierungen zwischen 0,15 mg und bis zu 0,3 mg Vecuroniumbromid pro kg Körpergewicht konnten während operativer Eingriffe unter Halothan-Anästhesie bzw. Neurolept-Anästhesie keine unerwünschten kardiovaskulären Effekte beobachtet werden, solange auf eine ausreichendeBeatmung geachtet wurde. Die Verabreichung hoher Dosen reduziert die Anschlagzeit und verlängert die Wirkdauer.
Beim Kaiserschnitt sowie bei operativen Eingriffen beim Neugeborenen sollte die Dosierung 0,1 mg/kg nicht übersteigen.
Sectio Caesarea
Untersuchungen mit Norcuron in Dosen bis zu 0,1 mg/kg haben dessen sichere Anwendung bei der operativen Entbindung gezeigt.
Korrekte Art der Anwendung
Norcuron wird nach Zubereitung der gebrauchsfertigen Lösung intravenös verabreicht, entweder als Bolusinjektion oder als Dauerinfusion (s. Kapitel «Sonstige Hinweise/Hinweise für die Handhabung»).
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