ch.oddb.org 
German | English | French
Apotheken | Doctor | Drugs | Hospital | Interactions | MiGeL | Registration owner | Services
Information for professionals for Kivexa (Parallelimport):APS-Arzneimittel-Parallelimport-Service AG
Complete information for professionalsDDDÄnderungen anzeigenPrint 
Composition.Galenic FormIndication.UsageContra IndicationWarning restrictions.Interactions.Pregnancy
Driving abilityUnwanted effectsOverdoseEffectsPharm.kinetikPreclinicalOther adviceSwissmedic-Nr.
PackagesRegistration ownerLast update of information 

Zusammensetzung

Wirkstoffe
Abacavir (als Abacavirsulfat), Lamivudin.
Hilfsstoffe
Tablettenkern:
Nicht bekannt.
TablettenfilmĂŒberzug:
Nicht bekannt.

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Filmtabletten zu 600 mg Abacavir und 300 mg Lamivudin.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Kivexa ist eine Kombination zweier Nukleosidanaloga (Abacavir und Lamivudin). Es ist indiziert zur antiretroviralen Kombinationstherapie der HIV (Human Immunodeficiency Virus) – Infektion bei Erwachsenen und Kindern mit einem Körpergewicht von mindestens 25 kg.
Die aufgezeigten Vorteile der antiretroviralen Kombinationstherapie mit Abacavir/Lamivudin basieren in erster Linie auf Ergebnissen von Studien mit therapienaiven Patienten (vgl. "Eigenschaften/Wirkungen" ).

Dosierung/Anwendung

Die Therapie sollte von einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung der HIV-Infektion besitzt, eingeleitet und ĂŒberwacht werden.
Kivexa kann unabhĂ€ngig von den Mahlzeiten (nĂŒchtern oder zum/nach dem Essen) eingenommen werden.
Übliche Dosierung
Erwachsene und Kinder mit mindestens 25 kg Körpergewicht:
Die empfohlene Dosis betrĂ€gt 1× tĂ€glich 1 Tablette Kivexa.
Patienten, die weniger als 25 kg wiegen, sollten Kivexa nicht einnehmen, da die Wirkstoffe in fixer Kombination vorliegen und die Dosierung nicht reduziert werden kann. Bei Patienten unter 25 kg Körpergewicht sollten die MonoprÀparate mit dem jeweiligen Wirkstoff Abacavir und Lamivudin verabreicht werden.
Besteht die Indikation zum Absetzen oder zur Dosisanpassung von Kivexa, sollte auf die Einnahme von MonoprĂ€paraten mit dem jeweiligen Wirkstoff Abacavir oder Lamivudin zurĂŒckgegriffen werden. In diesen FĂ€llen muss der behandelnde Arzt nach Massgabe der jeweiligen Fachinformation vorgehen.
Spezielle Dosierungsanweisungen
Kinder (unter 25 kg Körpergewicht)
Kivexa wird bei Kindern mit einem Körpergewicht unter 25 kg nicht empfohlen, da die Dosis nicht adÀquat angepasst werden kann. Der behandelnde Arzt ist angehalten, nach Massgabe der jeweiligen Fachinformation zu den MonoprÀparaten mit dem Wirkstoff Abacavir oder Lamivudin vorzugehen.
Ältere Patienten
Derzeit liegen keine Angaben zur Pharmakokinetik bei Patienten ĂŒber 65 Jahre vor. In dieser Altersklasse ist aufgrund altersbedingter VerĂ€nderungen wie Nachlassen der Nierenfunktion und VerĂ€nderung der hĂ€matologischen Parameter besondere Vorsicht geboten.
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Kivexa wird nicht empfohlen fĂŒr Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <50 ml/min (vgl. "Pharmakokinetik" ).
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Es liegen keine Angaben fĂŒr den Einsatz von Kivexa bei Patienten mit Leberfunktionsstörung vor. Die fĂŒr Lamivudin erhobenen Daten bei Patienten mit leichter bis schwerer Leberfunktionsstörung haben gezeigt, dass die Pharmakokinetik durch die Leberfunktionsstörung nicht signifikant beeintrĂ€chtigt wird und eine Dosisanpassung nicht erforderlich ist. Die fĂŒr Abacavir erhobenen Daten in einer an Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung durchgefĂŒhrten Studie zur Pharmakokinetik haben betrĂ€chtliche Konzentrationsschwankungen (AUC) von Abacavir gezeigt. Daher wird Kivexa bei Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung nicht empfohlen, da eine Dosisverringerung von Abacavir erforderlich sein könnte. Bei Patienten mit mĂ€ssiger bis schwerer Leberfunktionsstörung ist Kivexa kontraindiziert (vgl. "Pharmakokinetik" ).

Kontraindikationen

Bei Patienten mit bekannter HypersensitivitĂ€tsreaktion auf Abacavir oder Lamivudin oder einem der Hilfsstoffe ist Kivexa kontraindiziert. Siehe auch Information zu HYPERSENSITIVITÄTSREAKTIONEN unter "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" und "UnerwĂŒnschte Wirkungen" .
Bei Patienten mit mÀssiger bis schwerer Leberfunktionsstörung ist Kivexa kontraindiziert.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

In diesem Abschnitt sind die Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen, die fĂŒr Abacavir und Lamivudin relevant sind, aufgefĂŒhrt. Es gibt keine zusĂ€tzlichen, fĂŒr Kivexa relevanten Vorsichtsmassnahmen und Warnhinweise.
HypersensitivitĂ€tsreaktion (vgl. auch "UnerwĂŒnschte Wirkungen" )
Unter Abacavir besteht das Risiko von HypersensitivitÀtsreaktionen (HSR), die gekennzeichnet sind durch Fieber und/oder Hautausschlag und weitere Symptome, die auf eine Multiorganbeteiligung hinweisen. HSR können lebensbedrohlich sein und ohne angemessene Behandlung auch tödlich verlaufen. Das HSR-Risiko unter Abacavir ist bei TrÀgern des HLA-B*5701-Allels signifikant erhöht. Jedoch traten HSR mit geringerer HÀufigkeit auch bei Patienten auf, die dieses Allel nicht tragen.
Folgende Punkte sind zu beachten:
-Vor Einleitung einer Behandlung mit Abacavir sollte die Bestimmung des HLA-B*5701-Status nach Möglichkeit durchgefĂŒhrt werden, ebenso vor der Wiederaufnahme einer Abacavir-Behandlung bei Patienten mit unbekanntem HLA-B*5701-Status, die Abacavir zuvor vertragen haben.
-Kivexa ist kontraindiziert bei TrÀgern des HLA-B*5701-Allels oder bei Patienten, die unter der Behandlung mit einem anderen Abacavir-haltigen Arzneimittel (z.B. Ziagen, Trizivir, Triumeq) eine vermutete Abacavir HSR hatten, unabhÀngig vom HLA-B*5701-Status.
-Jeder Patient ist anzuhalten, die Packungsbeilage von Kivexa durchzulesen. Die Patienten sind darauf hinzuweisen, dass sie die Warnhinweis-Karte der Packung entnehmen und diese jederzeit bei sich tragen sollten.
-Bei allen mit Kivexa behandelten Patienten muss die klinische Diagnose einer vermuteten HypersensitivitĂ€tsreaktion die Grundlage fĂŒr die klinische Entscheidungsfindung bleiben.
-Bei HSR-Verdacht muss Kivexa auch bei Patienten, die das HLA-B*5701-Allel nicht tragen, unverzĂŒglich abgesetzt werden. Wird die Behandlung mit Kivexa nach Einsetzen einer Überempfindlichkeitsreaktion zu spĂ€t abgebrochen, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Reaktion fĂŒhren. Der klinische Zustand, einschliesslich der Werte der Leber-Aminotransferasen und des Bilirubins, muss ĂŒberwacht werden.
-Patienten, bei denen es zu einer Überempfindlichkeitsreaktion gekommen ist, sind anzuweisen, ihre restlichen Kivexa Tabletten zu entsorgen, um eine erneute Einnahme von Abacavir zu vermeiden.
-Bei Wiederaufnahme der Behandlung mit Abacavir-haltigen PrĂ€paraten nach vorausgehendem Verdacht auf eine Abacavir HSR können die Symptome sich bereits innerhalb weniger Stunden erneut einstellen und zu einer lebensbedrohlichen Hypotonie und zum Tod fĂŒhren.
-UnabhĂ€ngig vom HLA-B*5701-Status muss bei Patienten, die aus irgendeinem Grund eine Behandlung mit einem Abacavir-haltigen PrĂ€parat abgebrochen haben, bei ErwĂ€gung einer Wiederaufnahme der Abacavir-Behandlung der Grund fĂŒr den vorangegangenen Therapieabbruch festgestellt werden. Wenn eine HSR nicht ausgeschlossen werden kann, dĂŒrfen Kivexa bzw. andere Abacavir-haltige Arzneimittel (z.B. Ziagen, Trizivir, Triumeq) NIE WIEDER verabreicht werden.
-Wenn dagegen eine frĂŒhere HypersensitivitĂ€tsreaktion ausgeschlossen ist, kann die Behandlung mit Kivexa wiederaufgenommen werden. In seltenen FĂ€llen kam es bei Patienten, die Abacavir nicht aufgrund von HSR-Symptomen abgesetzt hatten, innerhalb weniger Stunden nach Wiederaufnahme der Abacavir-Behandlung ebenfalls zu lebensbedrohlichen Reaktionen (siehe Abschnitt "UnerwĂŒnschte Wirkungen" ). Die Patienten mĂŒssen darauf hingewiesen werden, dass nach Wiederaufnahme einer Behandlung mit Kivexa oder einem anderen Abacavir-haltigen Arzneimittel (z.B. Ziagen, Trizivir, Triumeq) HSR auftreten können und dass eine erneute Behandlung mit Kivexa oder einem anderen Abacavir-haltigen Arzneimittel (z.B. Ziagen, Trizivir, Triumeq) nur dann erfolgen darf, wenn rasche medizinische Betreuung gewĂ€hrleistet ist.
Klinische Beschreibung einer Abacavir HSR:
Abacavir HSR sind im Rahmen der klinischen Studien und der Pharmakovigilanz umfassend beschrieben worden. Die Symptome setzten in der Regel innerhalb von sechs Wochen nach Beginn der Abacavir-Einnahme ein (mediane Zeit bis zum Auftreten der Symptome: 11 Tage), derartige Reaktionen sind jedoch jederzeit im Behandlungsverlauf möglich.
Fast alle Abacavir HSR gehen mit Fieber und/oder Hautausschlag einher als Teil des Syndroms. Weitere Anzeichen und Symptome, die im Rahmen einer Abacavir HSR auftraten, waren unter anderem respiratorische und gastrointestinale Symptome, die dazu fĂŒhren können, dass eine HSR als respiratorische Erkrankung (Pneumonie, Bronchitis, Pharyngitis) oder Gastroenteritis fehldiagnostiziert wird (siehe "UnerwĂŒnschte Wirkungen" ). Die im Zusammenhang mit HSR auftretenden Symptome verschlechtern sich bei fortgesetzter Behandlung und können lebensbedrohlich werden. Nach dem Absetzen von Abacavir klingen die Symptome in der Regel ab.
Niereninsuffizienz: Aufgrund von fehlenden Untersuchungen kann keine spezifische Dosierungsempfehlung abgegeben werden. Patienten mit Niereninsuffizienz mĂŒssen engmaschig ĂŒberwacht werden.
Laktatazidose: Über das Auftreten von Laktatazidosen, die in der Regel mit Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert waren, wurde unter Behandlung mit Nukleosidanaloga berichtet. FrĂŒhe Anzeichen (symptomatische HyperlaktatĂ€mie) beinhalten gutartige Verdauungsbeschwerden (Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen), unspezifische BeeintrĂ€chtigungen des Wohlbefindens, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, respiratorische Symptome (schnelle und/oder tiefe Atmung) oder neurologische Symptome (einschliesslich motorischer SchwĂ€che).
Die Laktatazidosen sind mit einer hohen MortalitÀt verbunden und können mit Pankreatitis, Leberversagen oder Nierenversagen assoziiert sein.
Laktatazidosen treten im Allgemeinen nach wenigen oder mehreren Monaten Behandlung auf.
Die Behandlung mit Nukleosidanaloga sollte bei Auftreten symptomatischer HyperlaktatÀmie und metabolischer Azidose/Laktatazidose (mit und ohne Hepatitis), progressiver Hepatomegalie oder rasch ansteigenden Transaminasespiegeln abgebrochen werden.
Vorsicht ist bei der Verabreichung von Nukleosidanaloga an jeden Patienten (vor allem an adipöse Frauen) mit Hepatomegalie, Hepatitis oder anderen bekannten Risikofaktoren fĂŒr Lebererkrankungen sowie Hepatosteatose (einschliesslich bestimmter Arzneimittel und Alkohol) geboten. Patienten mit einer Hepatitis-C-Koinfektion, die mit Interferon alpha und Ribavirin behandelt werden, stellen eine besondere Risikogruppe dar.
Patienten mit einem erhöhten Risiko mĂŒssen engmaschig ĂŒberwacht werden.
Serumlipide und Blutglucose: Unter einer antiretroviralen Therapie können die Serumlipid- und Blutglucosekonzentrationen ansteigen. Dazu beitragen können auch die Krankheitskontrolle und Änderungen der Lebensweise. Die Bestimmung der Serumlipid- und Blutglucosekonzentrationen sollte in ErwĂ€gung gezogen werden. Fettstoffwechselstörungen sind dem klinischen Bedarf entsprechend zu behandeln.
Pankreatitis: Über Pankreatitis wurde berichtet, aber ein kausaler Zusammenhang mit Lamivudin und Abacavir ist nicht sicher.
Klinische Studien: Der Nutzen einer Kombination aus Abacavir und Lamivudin einmal tĂ€glich basiert hauptsĂ€chlich auf einer Studie, die in Kombination mit Efavirenz bei antiretroviral nicht vorbehandelten erwachsenen Patienten durchgefĂŒhrt wurde (vgl. "Eigenschaften/Wirkungen" ).
Dreifach-Nukleosid-Therapie: Es liegen Berichte ĂŒber eine hohe Rate virologischen Versagens und des Auftretens einer Resistenz in einem frĂŒhen Stadium vor, wenn Abacavir und Lamivudin mit Tenofovir Disoproxilfumarat in Form einer einmal tĂ€glichen Gabe kombiniert wurde.
Lebererkrankungen: Falls Lamivudin gleichzeitig fĂŒr die Behandlung einer HIV- und HBV-Infektion angewendet wird, stehen zusĂ€tzliche Informationen zur Anwendung von Lamivudin in der Behandlung von Hepatitis-B-Infektionen in der Fachinformation zu Zeffix zur VerfĂŒgung.
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Kivexa bei Patienten mit zugrunde liegenden signifikanten Leberfunktionsstörungen wurde bisher nicht belegt. Kivexa ist bei Patienten mit mittlerer bis schwerer EinschrÀnkung der Leberfunktion kontraindiziert (vgl. "Kontraindikationen" ).
Patienten, die an chronischer Hepatitis B oder C leiden und mit einer antiretroviralen Kombinationstherapie behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere hepatische Nebenwirkungen mit potenziell tödlichem Verlauf. FĂŒr den Fall einer gleichzeitigen antiviralen Behandlung der Hepatitis B oder C lesen Sie bitte die betreffenden Fachinformationen dieser Arzneimittel.
Wenn Kivexa bei Patienten mit zusĂ€tzlicher Hepatitis-B-Infektion abgesetzt wird, wird eine regelmĂ€ssige Kontrolle der Leberfunktionswerte und HBV-Replikationsmarker empfohlen, da ein Absetzen von Lamivudin zu einer akuten Exazerbation der Hepatitis fĂŒhren kann (siehe Fachinformation zu Zeffix).
Patienten mit vorbestehender eingeschrĂ€nkter Leberfunktion einschliesslich einer chronisch-aktiven Hepatitis zeigen eine erhöhte HĂ€ufigkeit von Leberfunktionsstörungen unter einer antiretroviralen Kombinationstherapie und sollten entsprechend der klinischen Praxis ĂŒberwacht werden. Bei Anzeichen einer Verschlechterung der Lebererkrankung bei solchen Patienten muss eine Unterbrechung oder ein Absetzen der Behandlung in Betracht gezogen werden.
Mitochondriale Funktionsstörung: FĂŒr Nukleosid- und Nukleotidanaloga wurde in vitro und in vivo nachgewiesen, dass sie mitochondriale SchĂ€digungen unterschiedlichen Ausmasses verursachen. Es liegen Berichte ĂŒber mitochondriale Funktionsstörungen bei HIV-negativen Kleinkindern vor, die in utero und/oder postnatal gegenĂŒber Nukleosidanaloga exponiert waren. Die hauptsĂ€chlich berichteten unerwĂŒnschten Ereignisse waren hĂ€matologische Störungen (AnĂ€mie, Neutropenie) und metabolische Störungen (HyperlaktatĂ€mie, erhöhte Serum-Lipase-Werte). Diese Ereignisse sind meist vorĂŒbergehend. Über einige spĂ€t auftretende neurologische Störungen (Hypertonus, Konvulsionen, VerhaltensĂ€nderungen) wurde berichtet. Ob diese neurologischen Störungen vorĂŒbergehend oder bleibend sind, ist derzeit nicht bekannt. Jedes Kind, das in utero gegenĂŒber Nukleosid- bzw. Nukleotidanaloga exponiert war, auch HIV-negative Kinder, soll klinisch und anhand von Laborparametern nachuntersucht werden und soll im Falle von relevanten Anzeichen oder Symptomen vollstĂ€ndig auf mögliche mitochondriale Funktionsstörungen hin untersucht werden. Diese Erkenntnisse haben keinen Einfluss auf die derzeitigen nationalen Empfehlungen zur Anwendung der antiretroviralen Therapie bei schwangeren Frauen zur PrĂ€vention einer vertikalen HIV-Transmission.
Immun-Reaktivierungs-Syndrom: Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt kann sich zum Zeitpunkt der Einleitung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) eine entzĂŒndliche Reaktion auf asymptomatische oder residuale opportunistische Infektionen entwickeln, die zu schweren klinischen ZustĂ€nden oder Verschlechterung von Symptomen fĂŒhrt. Typischerweise wurden solche Reaktionen innerhalb der ersten Wochen oder Monate nach Beginn der ART beobachtet. Entsprechende Beispiele sind CMV-Retinitis, disseminierte und/oder lokalisierte mykobakterielle Infektionen und Pneumocystis jiroveci Pneumonie (oft als PCP oder PJP bezeichnet). Jedes EntzĂŒndungssymptom ist zu bewerten; falls notwendig ist eine Behandlung einzuleiten.
Über das Auftreten von Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Morbus Basedow, Polymyositis und Guillain-BarrĂ© Syndrom) ist im Rahmen einer Immun-Reaktivierung berichtet worden, jedoch ist die Zeit bis zum Einsetzen der Symptome variabler. Diese können viele Monate nach Behandlungsbeginn auftreten und sich manchmal atypisch manifestieren.
Hilfsstoffe: Kivexa enthÀlt den Azofarbstoff Gelborange S, der allergische Reaktionen auslösen kann.
Dieses Arzneimittel enthÀlt weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette, d.h. es ist nahezu "natriumfrei" .
Opportunistische Infektionen: Die Patienten mĂŒssen darauf hingewiesen werden, dass Kivexa oder eine andere antiretrovirale Therapie nicht zu einer Heilung der HIV-Infektion fĂŒhrt und dass sie auch weiterhin opportunistische Infektionen oder andere Komplikationen einer HIV-Infektion entwickeln können. Daher sollten sie unter enger klinischer Überwachung durch Ärzte bleiben, die Erfahrung in der Behandlung von HIV-infizierten Patienten besitzen.
Übertragung von HIV: Die Patienten mĂŒssen darĂŒber aufgeklĂ€rt werden, dass die derzeitige antiretrovirale Therapie einschliesslich der Behandlung mit Kivexa das Risiko einer Übertragung von HIV auf andere durch sexuellen Kontakt oder Kontamination mit Blut nicht herabsetzt. Angemessene Vorsichtsmassnahmen sollten daher weiterhin angewendet werden.
Generalisierte motorische SchwĂ€che: Eine generalisierte motorische SchwĂ€che wurde sehr selten bei Patienten beobachtet, die eine kombinierte antiretrovirale Therapie einschliesslich Abacavir und Lamivudin erhielten. Viele der FĂ€lle, aber nicht alle, traten im Rahmen einer Laktatazidose auf. Diese motorische SchwĂ€che kann klinisch ein Guillain-BarrĂ© Syndrom, inklusive AtemlĂ€hmung imitieren. Die Symptome können nach Beendigung der Therapie ggf. weiter bestehen bleiben bzw. sich weiter verschlechtern (vgl. auch "UnerwĂŒnschte Wirkungen" ).
Myokardinfarkt:
In mehreren epidemiologischen Beobachtungsstudien wurde die Anwendung von Abacavir mit einem erhöhten Myokardinfarkt Risiko in Verbindung gebracht. Meta-Analysen randomisierter kontrollierter Studien haben kein erhöhtes Myokardinfarkt-Risiko unter Abacavir ergeben. Bislang gibt es keinen gesicherten biologischen Mechanismus, der eine mögliche Risikoerhöhung erklÀren könnte.
Die aus Beobachtungsstudien und kontrollierten klinischen Studien vorliegenden Ergebnisse fallen insgesamt uneinheitlich aus und bieten daher keine schlĂŒssige Evidenz bezĂŒglich eines Kausalzusammenhangs zwischen der Behandlung mit Abacavir und dem Risiko eines Myokardinfarktes.
Als Vorsichtsmassnahme sollte bei der Verschreibung von antiretroviralen Therapien, einschliesslich Abacavir, das zugrundeliegende Risiko fĂŒr koronare Herzkrankheiten berĂŒcksichtigt werden, und es sollten Massnahmen getroffen werden, um alle beeinflussbaren Risikofaktoren (z.B. Hypertonie, HyperlipidĂ€mie, Diabetes mellitus und Rauchen) zu minimieren.

Interaktionen

Da Kivexa Abacavir und Lamivudin enthĂ€lt, sind alle fĂŒr die einzelnen Arzneistoffe berichteten Wechselwirkungen auch fĂŒr Kivexa relevant. Klinische Studien haben gezeigt, dass es keine klinisch signifikanten Wechselwirkungen zwischen Abacavir und Lamivudin gibt.
Abacavir und Lamivudin werden weder signifikant durch die Cytochrom-P450-Enzyme (wie CYP 3A4, CYP 2C9 oder CYP 2D6) metabolisiert, noch hemmen oder induzieren sie dieses Enzymsystem. Daher ist die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen mit antiretroviralen Proteasehemmern, Nicht-Nukleosidanaloga und anderen Arzneimitteln, die ĂŒber die wichtigsten Cytochrom-P450-Enzyme abgebaut werden, gering.
Wirkung von Abacavir auf andere Arzneimittel
In vitro ĂŒbt Abacavir keine oder nur eine schwache Hemmwirkung auf die TransportermolekĂŒle OATP1B1 (organic anion transporter 1B1), OATP1B3, BCRP (breast cancer resistant protein) oder Pgp (P-Glykoprotein) sowie eine geringfĂŒgige Hemmwirkung auf OCT1 (organic cation transporter 1), OCT2 und MATE2-K (multidrug and toxin extrusion protein 2-K) aus. Abacavir dĂŒrfte daher keinen Einfluss haben auf die Plasmakonzentrationen von Wirkstoffen haben, die Substrate dieser Wirkstofftransporter sind.
Abacavir hat sich in vitro als Hemmer des MATE1 erwiesen; die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies bei therapeutischer Wirkstoffexposition (bis 600 mg) auf die Plasmakonzentrationen von MATE1-Substraten auswirkt, ist jedoch gering.
Wirkung anderer Arzneimittel auf Abacavir
Abacavir ist in vitro kein Substrat von OATP1B1, OATP1B3, OCT1, OCT2, OAT1, MATE1, MATE2-K, MRP2 (multidrug resistance-associated protein 2) oder MRP4; daher ist bei Wirkstoffen mit modulierender Wirkung auf diese Transporter nicht mit Auswirkungen auf die Abacavir-Plasmakonzentrationen zu rechnen.
Obwohl Abacavir sich in vitro als Substrat von BCRP und Pgp erweist, konnten in klinischen Studien bei gleichzeitiger Verabreichung von Abacavir mit Lopinavir/Ritonavir (Pgp- und BCRP-Hemmer) keine signifikanten Änderungen der Pharmakokinetik von Abacavir nachgewiesen werden.
Wechselwirkungen mit Abacavir
Die nachfolgend aufgefĂŒhrten Wechselwirkungen sollten nicht als vollstĂ€ndig, sondern als reprĂ€sentativ fĂŒr Arzneimittelgruppen angesehen werden, bei denen besondere Vorsicht angezeigt ist.
Starke Enzyminduktoren wie Rifampicin, Phenobarbital und Phenytoin können durch ihre Wirkung auf die UDP-Glucuronyltransferase die Plasmakonzentrationen von Abacavir geringfĂŒgig herabsetzen.
Der Abacavir-Metabolismus wird durch gleichzeitigen Ethanolkonsum verĂ€ndert, was zu einem Anstieg des AUC-Wertes von Abacavir um etwa 41% fĂŒhrt. Diese Befunde werden jedoch als klinisch nicht signifikant angesehen. Abacavir hat keinen Einfluss auf die Metabolisierung von Ethanol.
Retinoidverbindungen werden mittels Alkoholdehydrogenase eliminiert. Wechselwirkungen mit Abacavir sind möglich, wurden jedoch nicht untersucht.
In einer pharmakokinetischen Studie fĂŒhrte die gleichzeitige Anwendung von zweimal tĂ€glich 600 mg Abacavir mit Methadon zu einer 35%igen Reduktion der Cmax von Abacavir und einer einstĂŒndigen VerlĂ€ngerung der tmax, wĂ€hrend die AUC unverĂ€ndert blieb. Die VerĂ€nderungen in der Pharmakokinetik von Abacavir werden nicht als klinisch relevant betrachtet. In dieser Studie erhöhte Abacavir die mittlere systemische Methadon-Clearance um 22%. Eine Induktion Arzneimittel-metabolisierender Enzyme kann daher nicht ausgeschlossen werden. Patienten, die mit Methadon und Abacavir behandelt werden, sollten auf Hinweise von Entzugssymptomen, die auf eine Unterdosierung hinweisen, ĂŒberwacht werden, da gelegentlich eine erneute Methadon-Einstellung erforderlich sein kann.
Tipranavir/Ritonavir: Tipranavir/Ritonavir (250 mg/200 mg zweimal tÀglich) reduzierte die AUC und Cmax Plasmakonzentration von Abacavir um je 44%. Die klinische Relevanz dieser Interaktion ist nicht bekannt. Zur gemeinsamen Gabe von Abacavir und Tipranavir/Ritonavir kann keine Dosierungsempfehlung gegeben werden.
Wirkung von Lamivudin auf andere Arzneimittel
In vitro zeigt Lamivudin keine oder nur eine schwache Hemmwirkung auf die Wirkstofftransporter OATP1B1 (organic anion transporter 1B1), OATP1B3, BCRP (breast cancer resistance protein) oder Pgp (P-Glykoprotein), MATE1 (multidrug and toxin extrusion protein 1), MATE2-K oder OCT3 (organic cation transporter 3). Lamivudin dĂŒrfte daher keinen Einfluss auf die Plasmakonzentrationen von Wirkstoffen haben, die als Substrate dieser Wirkstofftransporter dienen.
Lamivudin hat sich in vitro als Hemmer von OCT1 und OCT2 erwiesen, mit IC50-Werten von 17 bzw. 33 ÎŒM; die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies bei therapeutischer Wirkstoffexposition (bis 300 mg) auf die Plasmakonzentrationen von OCT1- und OCT2-Substraten auswirkt, ist jedoch gering.
Wirkung anderer Arzneimittel auf Lamivudin
Lamivudin erweist sich in vitro als Substrat von MATE1, MATE2-K und OCT2. Trimethoprim (ein Hemmer dieser TransportmolekĂŒle) steigert nachweislich die Plasmakonzentrationen von Lamivudin; allerdings wird diese Wechselwirkung nicht als klinisch relevant eingestuft, da keine Dosisanpassung von Lamivudin erforderlich ist.
Lamivudin ist ein Substrat des hepatischen Aufnahmetransporters OCT1. Da die hepatische Elimination bei der Clearance von Lamivudin nur eine untergeordnete Rolle spielt, dĂŒrften Arzneimittelinteraktionen aufgrund der Hemmung von OCT1 nicht von klinischer Relevanz sein.
Lamivudin ist ein Substrat von Pgp und BCRP; allerdings ist es aufgrund seiner hohen BioverfĂŒgbarkeit unwahrscheinlich, dass diese Transporter bei der Resorption von Lamivudin eine bedeutende Rolle spielen. Die gleichzeitige Verabreichung von Wirkstoffen, die diese Efflux-Transporter hemmen, dĂŒrfte daher die VerfĂŒgbarkeit und Elimination von Lamivudin kaum beeintrĂ€chtigen.
Wechselwirkungen mit Lamivudin
Die Wahrscheinlichkeit von metabolischen Wechselwirkungen mit Lamivudin ist aufgrund der geringen Metabolisierung, der begrenzten Plasmaproteinbindung und der fast vollstĂ€ndigen renalen Clearance gering. Die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit anderen gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln muss in Betracht gezogen werden, vor allem wenn diese Arzneimittel hauptsĂ€chlich durch aktive renale Sekretion speziell ĂŒber das Transportsystem fĂŒr Kationen ausgeschieden werden, wie z.B. Trimethoprim. Andere Arzneimittel (z.B. Ranitidin, Cimetidin) werden nur teilweise ĂŒber diesen Mechanismus ausgeschieden und zeigten keine Wechselwirkungen mit Lamivudin. Nukleosidanaloga (z.B. Zidovudin und Didanosin) werden nicht ĂŒber diesen Mechanismus ausgeschieden, daher sind Wechselwirkungen mit Lamivudin unwahrscheinlich.
Sorbitol: Die Koadministration einer Sorbitollösung (3,2 g; 10,2 g; 13,4 g) mit einer Einzeldosis von 300 mg einer Lamivudin-Lösung zum Einnehmen fĂŒhrte bei Erwachsenen zu einer dosisabhĂ€ngigen Abnahme der Lamivudin-Exposition (AUC∞) um 14%, 32% bzw. 36% sowie der Cmax von Lamivudin um 28%, 52% bzw. 55%. Die Koadministration von sorbitolhaltigen Arzneimitteln mit Lamivudin ist nach Möglichkeit zu vermeiden.
Trimethoprim: Die gleichzeitige Gabe von Trimethoprim/Sulfamethoxazol 160 mg/800 mg fĂŒhrt zu einer 40%igen Erhöhung des Lamivudinplasmaspiegels aufgrund des Bestandteils Trimethoprim. Solange jedoch keine Niereninsuffizienz vorliegt, ist eine Dosierungsanpassung von Lamivudin nicht notwendig (vgl. "Dosierung/Anwendung" ). Die Pharmakokinetik von Trimethoprim und Sulfamethoxazol wird nicht beeinflusst. Wenn eine gleichzeitige Anwendung mit Co-trimoxazol angebracht ist, sollten die Patienten klinisch ĂŒberwacht werden. Die gleichzeitige Gabe von Kivexa mit hohen Dosen Co-trimoxazol zur Behandlung der Pneumocystisjiroveci Pneumonie und Toxoplasmose sollte vermieden werden.
Ganciclovir i.v., Foscarnet i.v.: Die gemeinsame Anwendung von Lamivudin mit intravenösem Ganciclovir oder Foscarnet wird bis zum Vorliegen weiterer Informationen nicht empfohlen.
Emtricitabin: Lamivudin kann die intrazellulĂ€re Phosphorylierung von Emtricitabin hemmen, wenn beide Arzneimittel gleichzeitig angewendet werden. ZusĂ€tzlich wird der Mechanismus der viralen Resistenz sowohl gegen Lamivudin als auch Emtricitabin ĂŒber Mutation desselben viralen Transkriptase Gens (M184V) vermittelt, und die therapeutische Wirksamkeit dieser beiden Arzneistoffe in der Kombinationstherapie kann eingeschrĂ€nkt sein. Eine Anwendung von Lamivudin in Kombination mit Emtricitabin oder Emtricitabin-enthaltenden Fixdosiskombinationen wird nicht empfohlen.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft
Es gibt keine adĂ€quaten und gut kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen und die sichere Anwendung von Abacavir, Lamivudin oder von Kivexa wĂ€hrend der Schwangerschaft ist bisher nicht belegt. Die Anwendung von Kivexa in der Schwangerschaft darf daher nur in Betracht gezogen werden, wenn der zu erwartende Nutzen fĂŒr die Mutter die möglichen Risiken fĂŒr den Fötus rechtfertigt.
Abacavir ist im Schwangerschaftsregister zur antiretroviralen Therapie bei mehr als 2'000 Frauen wĂ€hrend der Schwangerschaft und nach der Geburt untersucht worden. VerfĂŒgbare Humandaten aus dem Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft zeigen kein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Geburtsdefekte unter Abacavir im Vergleich zur Hintergrundrate (vgl. "Klinische Erfahrung" ). Lamivudin ist im Schwangerschaftsregister zur antiretroviralen Therapie bei mehr als 11'000 Frauen wĂ€hrend der Schwangerschaft und nach der Geburt untersucht worden. VerfĂŒgbare Humandaten aus dem Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft zeigen kein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Geburtsdefekte unter Lamivudin im Vergleich zur Hintergrundrate (vgl. "Klinische Erfahrung" ).
Studien mit Abacavir und Lamivudin bei Tieren haben ReproduktionstoxizitĂ€t gezeigt (vgl. "PrĂ€klinische Daten" ). Bei Neugeborenen und Kindern, die in utero oder unter der Geburt NRTIs (Nukleosid Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) ausgesetzt waren, liegen Berichte ĂŒber leicht und vorĂŒbergehend erhöhte Serumlaktatwerte vor, was auf eine Funktionsstörung der Mitochondrien zurĂŒckzufĂŒhren sein könnte. Die klinische Relevanz dieser vorĂŒbergehend erhöhten Serumlaktatwerte ist unbekannt. Ausserdem liegen sehr seltene Berichte ĂŒber Entwicklungsverzögerungen, KrampfanfĂ€lle und andere neurologische Krankheiten vor. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Auftreten dieser Störungen und der Verabreichung von NRTIs ist jedoch nicht nachgewiesen. Diese Erkenntnisse haben keinen Einfluss auf die geltenden Empfehlungen zum Einsatz einer antiretroviralen Therapie bei Schwangeren zur Vorbeugung einer Mutter-Kind Übertragung von HIV.
Stillzeit
Gesundheitsexperten empfehlen, dass HIV-infizierte Frauen wenn möglich ihre Kinder nicht stillen sollten, um eine Übertragung von HIV zu vermeiden.
Verschiedene Studien bei mit Lamivudin und Abacavir behandelten, stillenden MĂŒttern und ihren Kindern haben gezeigt, dass Lamivudin und Abacavir in der menschlichen Muttermilch in Ă€hnlichen oder sogar höheren Konzentrationen als im Serum nachweisbar sind. Auch im Serum der gestillten Kinder konnte Lamivudin in niedrigen Konzentrationen gemessen werden. MĂŒtter sollten daher angewiesen werden, wĂ€hrend der Behandlung mit Lamivudin und Abacavir nicht zu stillen.

Wirkung auf die FahrtĂŒchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die VerkehrstĂŒchtigkeit und das Bedienen von Maschinen durchgefĂŒhrt. Der klinische Zustand des Patienten und das Nebenwirkungsprofil von Kivexa sollten bei der Beurteilung der FĂ€higkeit des Patienten, ein Fahrzeug zu fĂŒhren oder Maschinen zu bedienen, in Betracht gezogen werden.

UnerwĂŒnschte Wirkungen

Kivexa enthĂ€lt Abacavir und Lamivudin, daher kann es möglicherweise zu unerwĂŒnschten Wirkungen kommen, die auf diese Einzelbestandteile zurĂŒckzufĂŒhren sind. Bei vielen dieser unerwĂŒnschten Wirkungen ist unklar, ob sie im Zusammenhang mit der aktiven Substanz des Arzneimittels stehen oder mit einem anderen zur Therapie der HIV-Infektion eingesetzten Arzneimittel oder ob sie dem zugrunde liegenden Krankheitsgeschehen zugeordnet werden können.
HypersensitivitÀt (siehe auch "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ):
Eine hĂ€ufig unter der Behandlung mit Abacavir festgestellte unerwĂŒnschte Wirkung ist die Abacavir HypersensitivitĂ€tsreaktion (HSR). Die HypersensitivitĂ€tsreaktion ist durch das Auftreten von Symptomen charakterisiert, die auf eine Multiorganbeteiligung hinweisen. Die nachfolgend aufgelisteten Anzeichen und Symptome dieser HypersensitivitĂ€tsreaktion wurden entweder in klinischen Studien oder im Rahmen der Pharmakovigilanz festgestellt. Anzeichen und Symptome, die bei mindestens 10% der Patienten mit HypersensitivitĂ€tsreaktion aufgetreten sind, erscheinen fett gedruckt.
Bei fast allen Patienten mit HypersensitivitÀtsreaktionen traten Fieber und/oder Hautausschlag (gewöhnlich makulopapulös oder urtikariell) als Teil des Syndroms auf, jedoch traten HypersensitivitÀtsreaktionen auch ohne Fieber oder Hautausschlag auf.
Weitere Leitsymptome sind z.B. gastrointestinale, respiratorische oder konstitutionelle Beschwerden wie Lethargie und allgemeines KrankheitsgefĂŒhl.

Haut:

Hautausschlag (gewöhnlich makulopapulös oder urtikariell), sehr selten Erythema exsudativum multiforme

Magen-Darm-Trakt:

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, GeschwĂŒre im Mund

Respirationstrakt:

Atemnot, Husten, Halsschmerzen, akutes Atemnotsyndrom bei Erwachsenen (akutes Lungenversagen), respiratorische Insuffizienz

Sonstige:

Fieber, Erschöpfung, allgemeines KrankheitsgefĂŒhl, Ödeme, Lymphadenopathie, Blutdruckabfall, Konjunktivitis, Anaphylaxie

Nervensystem/Psyche:

Kopfschmerzen, ParÀsthesie

HĂ€matologische Parameter:

Lymphopenie

Leber/Pankreas:

Erhöhte Werte in den Leberfunktionstests, Leberinsuffizienz

Bewegungsapparat:

Myalgie, selten Myolyse, Arthralgie, erhöhte Creatin-Phosphokinase-Werte

Urogenitaltrakt:

Erhöhte Creatininwerte, Niereninsuffizienz

Die Wiederaufnahme einer Abacavir-Behandlung nach einer Abacavir HSR fĂŒhrt innerhalb weniger Stunden zum Wiederauftreten der Symptome. Das Wiederauftreten der Symptome verlĂ€uft in der Regel schwerwiegender als die Erstmanifestation und kann möglicherweise zu lebensbedrohlichem Blutdruckabfall und zum Tod fĂŒhren. Gelegentlich traten entsprechende Reaktionen auch nach Wiederaufnahme einer Abacavir-Behandlung bei Patienten auf, die vor dem Absetzen von Abacavir lediglich eines der Leitsymptome einer Überempfindlichkeitsreaktion (siehe oben) gezeigt hatten. In vereinzelten FĂ€llen traten diese Reaktionen auch bei Patienten auf, welche die vorausgehende Behandlung ohne vorausgehende Symptome einer Überempfindlichkeitsreaktion abgebrochen hatten (d.h. Patienten, die zuvor als Abacavir-tolerant eingestuft worden waren).
Einzelheiten zum klinischen Management bei Verdacht auf Abacavir HSR sind dem Abschnitt "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" zu entnehmen.
Viele der in der Tabelle unten aufgelisteten unerwĂŒnschten Wirkungen treten hĂ€ufig (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Fieber, Lethargie, Hautausschlag) bei Patienten mit HypersensitivitĂ€t gegenĂŒber Abacavir auf. Daher mĂŒssen Patienten, bei denen eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, sorgfĂ€ltig auf das Vorhandensein einer HypersensitivitĂ€tsreaktion hin untersucht werden. Wenn Kivexa aufgrund solcher Symptome bei Patienten abgesetzt wurde und entschieden wird, ein Abacavir-haltiges Arzneimittel erneut einzusetzen, muss dies in einer Einrichtung geschehen, wo eine rasche medizinische Hilfe gewĂ€hrleistet ist (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ). Sehr selten wurde ĂŒber FĂ€lle von Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom oder toxischer epidermaler Nekrolyse berichtet, bei denen eine HypersensitivitĂ€t gegenĂŒber Abacavir nicht ausgeschlossen werden konnte. In solchen FĂ€llen sollten Abacavir-haltige Arzneimittel fĂŒr immer abgesetzt werden.
Die unerwĂŒnschten Ereignisse, die zumindest als möglicherweise im Zusammenhang mit der Anwendung von Abacavir oder Lamivudin stehend eingestuft werden, sind nach Organsystem, Organklassen und absoluter HĂ€ufigkeit aufgelistet. Die HĂ€ufigkeiten sind wie folgt definiert: "sehr hĂ€ufig" (≄1/10), "hĂ€ufig" (≄1/100, <1/10), "gelegentlich" (≄1/1000, <1/100), "selten" (≄1/10000, <1/1000), "sehr selten" (<1/10000).

Organsystem

Abacavir

Lamivudin

Erkrankungen des Blut und Lymphsystems

 

Gelegentlich: Neutropenie und AnÀmie (beide gelegentlich in schwerer Form), Thrombozytopenie
Sehr selten: Erythroblastopenie

Erkrankungen des Immunsystems

HĂ€ufig: Überempfindlichkeit

 

Stoffwechsel- und ErnÀhrungsstörungen

HĂ€ufig: Anorexie

 

Erkrankungen des Nervensystems

HĂ€ufig: Kopfschmerzen
Sehr selten: Generalisierte motorische SchwÀche

HĂ€ufig: Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit
Sehr selten: ĂŒber FĂ€lle peripherer Neuropathien (oder ParĂ€sthesien) wurde berichtet

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

 

HĂ€ufig: Husten, nasale Symptome

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

HĂ€ufig: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö
Selten: Über Pankreatitis wurde berichtet, aber ein kausaler Zusammenhang mit der Abacavir-Behandlung ist nicht sicher

HĂ€ufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder KrĂ€mpfe, Durchfall
Selten: Anstieg der Serumamylase. Über FĂ€lle von Pankreatitis wurde berichtet

Leber- und Gallenerkrankungen

 

Gelegentlich: vorĂŒbergehender Anstieg der Leberenzyme (AST, ALT).
Selten: Hepatitis

Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes

HĂ€ufig: Hautausschlag (ohne systemische Symptome)
Sehr selten: Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse

HĂ€ufig: Hautausschlag, Alopezie

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

 

HĂ€ufig: Arthralgie, Muskelbeschwerden
Selten: Rhabdomyolyse

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

HĂ€ufig: Fieber, Lethargie, MĂŒdigkeit

HĂ€ufig: MĂŒdigkeit, Unwohlsein, Fieber

Im Zusammenhang mit der Gabe von Nukleosidanaloga wurde ĂŒber das Auftreten von Laktatazidosen, die in manchen FĂ€llen tödlich verliefen und die ĂŒblicherweise mit schwerer Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert waren, berichtet (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Die antiretrovirale Kombinationstherapie wurde mit Stoffwechselanomalien assoziiert, wie HypertriglyceridÀmie, HypercholesterinÀmie, Insulinresistenz, HyperglykÀmie und HyperlaktatÀmie (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt zum Zeitpunkt der Einleitung einer antiretroviralen Kombinationstherapie kann sich eine entzĂŒndliche Reaktion gegen asymptomatische oder residuale opportunistische Infektionen entwickeln (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Sehr selten wurde unter Behandlung mit Abacavir eine generalisierte motorische SchwÀche beobachtet, welche klinisch einem Krankheitsbild wie dem Guillain-Barré Syndrom Àhnelte. Eine solche motorische SchwÀche kann mit oder ohne HyperlaktatÀmie einschliesslich respiratorischer Insuffizienz auftreten (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" sowie "Laktatazidose" ).
PĂ€diatrische Population:
Die Sicherheitsdatenbank zur UnterstĂŒtzung der 1× tĂ€glichen Dosierung von Kivexa in pĂ€diatrischen Patienten stammt aus der ARROW Studie (COL105677), in welcher 669 HIV-1 infizierte pĂ€diatrische Patienten Abacavir und Lamivudin entweder 1× tĂ€glich oder 2× tĂ€glich erhielten (s. "Eigenschaften/Wirkungen" / "Klinische Erfahrung" ). Innerhalb dieser Population erhielten 104 HIV-1 infizierte pĂ€diatrische Patienten mit einem Körpergewicht von mindestens 25 kg Abacavir und Lamivudin als Fixdosiskombination. Im Vergleich zu Erwachsenen wurden bei pĂ€diatrischen Patienten, die entweder eine einmal oder eine zweimal tĂ€gliche Dosierung erhielten, keine zusĂ€tzlichen Nebenwirkungen ermittelt.
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung ĂŒber das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Nach einer akuten Überdosierung mit Lamivudin oder Zidovudin wurden keine anderen spezifischen Anzeichen oder Symptome ausser den im Abschnitt "UnerwĂŒnschte Wirkungen" beschriebenen festgestellt.
Im Falle einer Überdosierung ist der Patient auf Anzeichen einer Intoxikation (vgl. "UnerwĂŒnschte Wirkungen" ) zu beobachten und, wenn erforderlich, die notwendige unterstĂŒtzende Therapie anzuwenden. Da Lamivudin dialysierbar ist, kann eine HĂ€modialyse bei der Behandlung der Überdosierung durchgefĂŒhrt werden, obgleich dieses nicht gezielt untersucht wurde. Es ist nicht bekannt, ob Abacavir durch Peritonealdialyse oder durch HĂ€modialyse entfernt werden kann.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
J05AR02
Wirkungsmechanismus
Abacavir und Lamivudin sind Nukleosidanaloge Reverse-Transkriptase-Hemmer und hochwirksame, selektive Inhibitoren von HIV-1 und HIV-2. Sowohl Abacavir als auch Lamivudin werden sequentiell durch intrazellulÀre Kinasen zu den jeweiligen 5'-Triphosphaten (TP), ihren aktiven Metaboliten, verstoffwechselt. Lamivudin-TP und Carbovir-TP (das aktive Triphosphat von Abacavir) stellen sowohl Substrate als auch kompetitive Inhibitoren der reversen Transkriptase (RT) des HI-Virus dar. HauptsÀchlich wird die antivirale AktivitÀt jedoch durch den Einbau des Monophosphats in die virale DNA bedingt. Dadurch kommt es zum Kettenabbruch. Abacavir- und Lamivudin-Triphosphat zeigen eine signifikant geringere AffinitÀt zu der DNA-Polymerase der Wirtszellen.
Die antivirale AktivitÀt von Abacavir in Zellkulturen wurde nicht antagonisiert in Kombination mit den Nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NRTIs) Didanosin, Emtricitabin, Lamivudin, Stavudin, Tenofovir, Zalcitabin oder Zidovudin, in Kombination mit dem Nichtnukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI) Nevirapin oder dem Protease-Inhibitor (PI) Amprenavir. Keine antagonistischen Effekte wurden in vitro gesehen mit Lamivudin und anderen antiretroviralen Substanzen (getestete Substanzen: Abacavir, Didanosin, Nevirapin, Zalcitabin und Zidovudin).
Die Resistenzentwicklung von HIV gegen Lamivudin beinhaltet eine Mutation der AminosÀurensequenz (M184V) nahe am aktiven Zentrum der viralen reversen Transkriptase. Diese Mutation tritt sowohl in vitro als auch bei HIV-1-infizierten Patienten auf, die mit einer Lamivudin-haltigen antiviralen Therapie behandelt werden.
Abacavir-resistente HIV-1-Isolate wurden in vitro identifiziert und sind mit spezifischen genotypischen VerĂ€nderungen in der die reverse Transkriptase (RT) codierenden Region (Codons M184V, K65R, L74V und Y115F) assoziiert. Die virale Resistenz gegen Abacavir entwickelt sich in vitro und in vivo relativ langsam und erfordert eine Vielzahl von Mutationen, um eine 8fache Erhöhung der IC50 gegenĂŒber dem Wildtyp-Virus zu erreichen, welche als klinisch relevanter Wert angenommen werden kann. GegenĂŒber Abacavir resistente Isolate können auch eine reduzierte Empfindlichkeit auf Lamivudin, Zalcitabin, Tenofovir, Emtricitabin und/oder Didanosin zeigen, bleiben aber gegenĂŒber Zidovudin und Stavudin empfindlich.
Eine Kreuzresistenz zwischen Abacavir oder Lamivudin und antiretroviralen Arzneimitteln anderer Klassen, z.B. Proteasehemmern oder Nicht-nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Hemmern, ist unwahrscheinlich. Eine verminderte Empfindlichkeit gegenĂŒber Abacavir wurde bei klinischen Isolaten von Patienten mit unkontrollierter viraler Replikation festgestellt, die mit anderen Nukleosidinhibitoren vorbehandelt und gegen diese resistent waren.
Es ist unwahrscheinlich, dass klinische Isolate, die gegenĂŒber 3 oder mehr der verfĂŒgbaren Nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Hemmer resistent sind, gegenĂŒber Abacavir empfindlich sind. Eine ĂŒber die M184V-RT-Mutation vermittelte Kreuzresistenz bleibt auf die Klasse der nukleosidanalogen Hemmstoffe innerhalb der antiretroviralen Substanzen beschrĂ€nkt. Zidovudin, Stavudin, Abacavir und Tenofovir behalten ihre antiretrovirale AktivitĂ€t gegen Lamivudin resistentes HIV-1. Abacavir behĂ€lt seine antiretrovirale AktivitĂ€t gegen Lamivudin resistentes HIV-1, das nur die M184V-Mutation in sich trĂ€gt.
Pharmakodynamik
Keine Angaben.
Klinische Wirksamkeit
Therapienaive Patienten
Die Kombination aus Abacavir und Lamivudin als einmal tĂ€gliche Gabe wird durch eine 48-wöchige multizentrische, doppelblinde kontrollierte Studie (CNA30021) an 770 mit HIV infizierten nicht vorbehandelten erwachsenen Patienten gestĂŒtzt. Diese waren vor allem asymptomatische, HIV-infizierte Patienten (CDC-Stadium A). Die Patienten erhielten randomisiert entweder Abacavir (ABC) 600 mg einmal tĂ€glich oder 300 mg zweimal tĂ€glich, in Kombination mit Lamivudin 300 mg einmal tĂ€glich und Efavirenz 600 mg einmal tĂ€glich. Die Ergebnisse sind in der nachstehenden Tabelle zusammengefasst:
Virologisches Ansprechen auf Basis einer Plasma-HIV-1-RNA <50 Kopien/ml in der 48. Woche/ITT-Population (exponiert)

Behandlungsschema

ABC einmal tÀglich
(N= 384)

ABC zweimal tÀglich
(N= 386)

Virologisches Ansprechen

253/384 (66%)

261/386 (68%)

Ein vergleichbares klinisches Ansprechen (PunktschĂ€tzer fĂŒr den Behandlungsunterschied: -1,7, 95% KI -8,4; 4,9) wurde fĂŒr beide Kombinationen beobachtet. Aus diesen Ergebnissen kann mit einer 95%-igen Sicherheit geschlossen werden, dass der wahre Unterschied nicht grösser als 8,4% zu Gunsten der zweimal tĂ€glichen Gabe ist. Dieser potenzielle Unterschied ist genĂŒgend klein, um eine umfassende Schlussfolgerung einer Nicht-Unterlegenheit von Abacavir einmal tĂ€glich gegenĂŒber Abacavir zweimal tĂ€glich zu ziehen.
Es war eine niedrige, Àhnliche GesamthÀufigkeit an virologischem Versagen (Viruslast >50 Kopien/ml) in den Behandlungsgruppen sowohl mit einmal tÀglicher als auch mit zweimal tÀglicher Dosierung zu beobachten (10% bzw. 8%). Bei einer kleinen Fallzahl genotypischer Analysen gab es einen Trend in Richtung einer höheren Rate an NRTI-assoziierten Mutationen in der Gruppe mit einmal tÀglicher im Vergleich zur Gruppe mit zweimal tÀglicher Verabreichung. Wegen der begrenzten Daten aus dieser Studie kann keine abschliessende Schlussfolgerung gezogen werden. Langzeitdaten mit Abacavir als einmal tÀgliche Gabe (jenseits von 48 Wochen) sind derzeit begrenzt.
Innerhalb einer randomisierten, multizentrischen, kontrollierten Studie bei HIV-infizierten pĂ€diatrischen Patienten wurde ein randomisierter Vergleich von Dosierungsschemata, mit 1× tĂ€glicher bzw. zweimal tĂ€glicher Einnahme von Abacavir und Lamivudin, durchgefĂŒhrt. 1206 pĂ€diatrische Patienten im Alter von 3 Monaten bis 17 Jahren wurden in die ARROW Studie (COL105677) eingeschlossen und die Dosierung erfolgte nach Gewichtsbereich gemĂ€ss den Dosierungsempfehlungen der WHO Behandlungsrichtlinien (Antiretroviral therapy of HIV infection in infants and children, 2006). Nach 36 Wochen unter einem Regime mit 2× tĂ€glich Abacavir und Lamivudin wurden 669 geeignete Patienten randomisiert und setzten entweder die Behandlung mit 2× tĂ€glicher Dosierung fort oder wurden auf 1× tĂ€glich Abacavir und Lamivudin umgestellt fĂŒr mindestens 96 Wochen. Innerhalb dieser Population erhielten 104 Patienten mit einem Körpergewicht von mindestens 25 kg 600 mg Abacavir und 300 mg Lamivudin als Fixdosiskombination 1× tĂ€glich, mit einer medianen Dauer der Exposition von 596 Tagen. Die Resultate sind in der Tabelle unten zusammengefasst.
Virologische Antwort (<80 Kopien/ml HIV-1 RNA) zu Woche 48 und 96 in der ARROW Studie mit Randomisierung von 1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich Abacavir + Lamivudin (Observed Analysis)

 

2× tĂ€glich
N (%)

1× tĂ€glich
N (%)

Woche 0 (nach ≄36 Wochen auf Behandlung)

Plasma HIV-1 RNA <80 K/ml

250/331 (76)

237/335 (71)

Risiko Differenz (1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich)

-4.8% (95% KI: -11.5%, +1.9%), p=0.16

Woche 48

Plasma HIV-1 RNA <80 K/ml

242/331 (73)

236/330 (72)

Risiko Differenz (1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich)

-1.6% (95% KI: -8.4%, +5.2%), p=0.65

Woche 96

Plasma HIV-1 RNA <80 K/ml

234/326 (72)

230/331 (69)

Risiko Differenz (1× tĂ€glich vs 2× tĂ€glich)

-2.3% (95% KI: -9.3%, +4.7%), p=0.52

Die Abacavir/Lamivudin 1× tĂ€glich Dosierungsgruppe zeigte sich als nicht unterlegen gegenĂŒber der Gruppe mit 2× tĂ€glicher Dosierung gemĂ€ss der vordefinierten Nicht-InferioritĂ€tsgrenze von -12% fĂŒr den primĂ€ren Endpunkt <80 Kopien/ml zu Woche 48 und Woche 96 (sekundĂ€rer Endpunkt) und auch fĂŒr alle anderen getesteten Grenzwerte (<200 K/ml, <400 K/ml, <1000 K/ml), die alle gut in diese Nichtunterlegenheitsspanne fielen. Subgruppenanalysen zur PrĂŒfung auf HeterogenitĂ€t zwischen einmal versus zweimal tĂ€glicher Dosierung zeigten bei Randomisierung keine signifikanten Effekte von Geschlecht, Alter oder Viruslast. Das Ergebnis stĂŒtzt eine Nicht-Unterlegenheit unabhĂ€ngig von der Analysenmethode.
Vorbehandelte Patienten
In der Studie CAL30001 erhielten 182 vorbehandelte Patienten mit virologischem Versagen randomisiert entweder Kivexa 1× tĂ€glich oder Abacavir 300 mg 2× tĂ€glich plus Lamivudin 300 mg 1× tĂ€glich, in beiden FĂ€llen in Kombination mit Tenofovir und einem Proteasehemmer oder Nicht-nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Hemmer, ĂŒber 48 Wochen. Die Ergebnisse zeigen, dass auf Basis gleichartiger Reduktionen der HIV-1-RNA, gemessen anhand der durchschnittlichen FlĂ€che unter der Kurve abzĂŒglich dem Ausgangswert (AAUCMB, -1,65 log10 Kopien/ml vs. -1,83 log10 Kopien/ml, 95% KI -0,13; 0,38), die Kivexa-Gruppe der Gruppe mit Abacavir zweimal tĂ€glich nicht unterlegen war. Der Anteil der Patienten mit HIV-1-RNA <50 Kopien/ml (50% vs. 47%) und <400 Kopien/ml (54% vs. 57%) war in den Gruppen vergleichbar (ITT-Population). Da jedoch nur mĂ€ssig vorbehandelte Patienten in dieser Studie eingeschlossen wurden mit einem Ungleichgewicht bezĂŒglich Viruslast zwischen den Studienarmen, sollten diese Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden.
In der Studie ESS30008 erhielten 260 Patienten, deren Erkrankung virologisch durch ein Erstbehandlungsschema aus Abacavir 300 mg plus Lamivudin 150 mg, beide 2× tĂ€glich in Kombination mit einem Proteasehemmer oder Nicht-nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Hemmer gegeben, unterdrĂŒckt wurde, randomisiert ĂŒber 48 Wochen entweder das gleiche Behandlungsschema weiter oder wurden auf Kivexa plus einem Proteasehemmer oder Nicht-nukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Hemmer umgestellt. Die Resultate zeigen, dass, auf Basis des VerhĂ€ltnisses an Patienten mit HIV-1-RNA <50 Kopien/ml (90% bzw. 85%, 90% KI -1,4; 12,2), die Kivexa-Gruppe ein Ă€hnliches virologisches Ansprechen (Nicht-Unterlegenheit) wie die Gruppe mit Abacavir und Lamivudin zeigte.
Resultate aus klinischen Studien mit dem B*5701 Allel Screening Test
In der prospektiven Studie CNA106030 (PREDICT-1) fĂŒhrte ein Screening nach dem HLA-B*5701-Allel vor Therapiebeginn in Verbindung mit dem Verzicht auf die Gabe von Abacavir bei Patienten mit diesem Allel zu einer Senkung der Inzidenz von klinischen VerdachtsfĂ€llen von Abacavir-HypersensitivitĂ€tsreaktionen von 7,8% (66 von 847) auf 3,4% (27 von 803) (p<0,0001) und einer Senkung der Inzidenz von HypersensitivitĂ€tsreaktionen, die durch epikutane Patchtests bestĂ€tigt waren, von 2,7% (23 von 842) auf 0,0% (0 von 802) (p<0,0001). Basierend auf dieser Studie wird sich schĂ€tzungsweise bei 48% bis 61% der HLA-B*5701 positiven Patienten im Verlaufe der Abacavir Behandlung eine HypersensitivitĂ€tsreaktion entwickeln im Vergleich zu 0% bis 4% bei Patienten, die das HLA-B*5701-Allel nicht tragen.
Register zur antiretroviralen Therapie wÀhrend der Schwangerschaft
Dem Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft wurden prospektive Berichte von ĂŒber 2'000 Schwangerschaften mit Exposition gegenĂŒber Abacavir, die zu Lebendgeburten fĂŒhrten, gemeldet. Diese Berichte setzten sich aus ĂŒber 800 Expositionen wĂ€hrend des 1. Trimesters, die 27 Geburtsdefekte beinhalteten, und ĂŒber 100 Expositionen wĂ€hrend des 2. und 3. Trimesters mit 32 Geburtsdefekten zusammen. Die PrĂ€valenz (95% KI) von Missbildungen im ersten Trimester lag bei 3.1% (2.0, 4.4%) und bei 2.7% (1.9, 3.9%) im 2. und 3. Trimester. Bei schwangeren Frauen in der Referenzpopulation liegt die Hintergrundrate von Geburtsdefekten bei 2.7%. Im Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft wurde keine Assoziation zwischen Abacavir und Geburtsdefekten insgesamt beobachtet.
Dem Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft wurden prospektive Berichte von ĂŒber 11'000 Schwangerschaften mit Exposition gegenĂŒber Lamivudin, die zu Lebendgeburten fĂŒhrten, gemeldet. Diese Berichte setzten sich aus ĂŒber 4'200 Expositionen wĂ€hrend des 1. Trimesters, die 135 Geburtsdefekte beinhalteten, und ĂŒber 6'900 Expositionen wĂ€hrend des 2. und 3. Trimesters mit 198 Geburtsdefekten zusammen. Die PrĂ€valenz (95% KI) von Missbildungen im ersten Trimester lag bei 3.2% (2.6, 3.7%) und bei 2.8% (2.4, 3.2%) im 2. und 3. Trimester. Bei schwangeren Frauen in der Referenzpopulation liegt die Hintergrundrate von Geburtsdefekten bei 2.7%. Das Register zur antiretroviralen Therapie wĂ€hrend der Schwangerschaft zeigt kein erhöhtes Risiko fĂŒr schwerwiegende Geburtsdefekte unter Lamivudin im Vergleich zur Hintergrundrate.

Pharmakokinetik

Es wurde gezeigt, dass die fixe Kombination aus Abacavir/Lamivudin (FDC) bioĂ€quivalent zur gemeinsamen Gabe von Lamivudin- und Abacavir-MonoprĂ€paraten war. Dies wurde anhand einer 3armigen Crossover-BioverfĂŒgbarkeitsstudie an Probanden (n= 30) nach einmaliger Dosierung gezeigt, in der die fixe Kombination im NĂŒchternzustand gegen 2× 300 mg Abacavir-Tabletten plus 2× 150 mg Lamivudin-Tabletten im NĂŒchternzustand und gegen die fixe Kombination nach Gabe mit einer fettreichen Mahlzeit geprĂŒft wurde. Nach NĂŒchterngabe war kein signifikanter Unterschied im Ausmass der Resorption, gemessen anhand der FlĂ€che-unter-der-Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) und der maximalen Plasmakonzentration (Cmax) jedes Bestandteils, zu beobachten. Es wurde kein klinisch signifikanter Einfluss durch die Nahrungsaufnahme nach Verabreichung der fixen Kombination auf nĂŒchternen oder vollen Magen beobachtet. Diese Ergebnisse zeigen, dass die fixe Kombination mit oder ohne eine Mahlzeit eingenommen werden kann. Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Lamivudin und Abacavir sind weiter unten beschrieben.
Absorption
Abacavir und Lamivudin werden nach oraler Verabreichung schnell und gut aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Die absolute BioverfĂŒgbarkeit von oral verabreichtem Abacavir und Lamivudin bei Erwachsenen betrĂ€gt etwa 83% bzw. 80 bis 85%. Die mittlere Zeit bis zur maximalen Serumkonzentration (tmax) betrĂ€gt etwa 1,5 Stunden fĂŒr Abacavir und 1,0 Stunden fĂŒr Lamivudin. Nach einmaliger Verabreichung von 600 mg Abacavir betrugen der mittlere Cmax-Wert (Variationskoeffizient) 4,26 ”g/ml (28%) und der mittlere AUC∞-Wert 11,95 ”g.h/ml (21%). Nach oraler Mehrfachgabe von 300 mg Lamivudin einmal tĂ€glich ĂŒber sieben Tage betrugen der mittlere Cmax-Wert (Variationskoeffizient) 2,04 ”g/ml (26%) im Steady-State und der mittlere AUC24 h-Wert (Variationskoeffizient) 8,87 ”g.h/ml (21%).
Distribution
Aus Studien nach intravenöser Anwendung ist bekannt, dass das mittlere scheinbare Verteilungsvolumen 0,8 l/kg fĂŒr Abacavir bzw. 1,3 l/kg fĂŒr Lamivudin betrĂ€gt. In-vitro-Studien zur Plasmaproteinbindung zeigen, dass Abacavir bei therapeutischer Konzentration nur geringfĂŒgig bis mĂ€ssig (~49%) an humane Plasmaproteine bindet. Lamivudin weist ein lineares pharmakokinetisches Verhalten ĂŒber die therapeutische Dosierungsbreite und eine begrenzte Plasmaproteinbindung in vitro auf (<36%). Dies weist auf eine geringe Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln durch VerdrĂ€ngung aus der Plasmaproteinbindung hin.
Die Daten zeigen, dass Abacavir und Lamivudin in das zentrale Nervensystem (ZNS) eindringen und in der ZerebrospinalflĂŒssigkeit nachweisbar sind. Studien mit Abacavir zeigen, dass das VerhĂ€ltnis ZerebrospinalflĂŒssigkeit zu Plasma-AUC zwischen 30 und 44% liegt. Die beobachteten Spitzenkonzentrationen lagen 9fach höher als die IC50 von Abacavir von 0,08 ”g/ml bzw. 0,26 ”M, wenn Abacavir in einer Dosierung von 600 mg zweimal tĂ€glich verabreicht wurde. 2 bis 4 Stunden nach oraler Verabreichung betrug das durchschnittliche VerhĂ€ltnis der Lamivudin-Konzentration in der ZerebrospinalflĂŒssigkeit zu der im Serum ungefĂ€hr 12%. Das genaue Ausmass der ZNS-Penetration von Lamivudin und seine Korrelation mit einer klinischen Wirksamkeit sind nicht bekannt.
Metabolismus
Abacavir wird hauptsĂ€chlich ĂŒber die Leber metabolisiert, wobei ca. 2% der verabreichten Dosis in unverĂ€nderter Form renal ausgeschieden wird. Die primĂ€ren Stoffwechselwege beim Menschen fĂŒhren ĂŒber die Alkoholdehydrogenase und Glucuronidierung zur Bildung der 5'-CarboxysĂ€ure und des 5'-Glucuronids, auf die ungefĂ€hr 66% der verabreichten Dosis entfallen. Diese Metaboliten werden ĂŒber den Urin ausgeschieden.
Die Metabolisierung spielt bei der Elimination von Lamivudin eine untergeordnete Rolle. Lamivudin wird vor allem in unverÀnderter Form renal ausgeschieden. Die Wahrscheinlichkeit von metabolischen Arzneimittelwechselwirkungen mit Lamivudin ist aufgrund der wenig ausgeprÀgten hepatischen Metabolisierung (5 bis 10%) gering.
Elimination
Die mittlere Halbwertszeit von Abacavir betrĂ€gt ca. 1,5 Stunden. Nach mehrfacher oraler Verabreichung von 300 mg Abacavir zweimal tĂ€glich gibt es keine signifikante Akkumulierung von Abacavir. Die Ausscheidung von Abacavir erfolgt ĂŒber hepatische Metabolisierung mit anschliessender Exkretion der Metaboliten vor allem ĂŒber den Urin. Ca. 83% einer verabreichten Abacavir-Dosis werden in Form der Metaboliten und als unverĂ€ndertes Abacavir mit dem Urin ausgeschieden. Der Rest wird mit den Faeces ausgeschieden.
Die beobachtete Eliminationshalbwertszeit fĂŒr Lamivudin betrĂ€gt 5 bis 7 Stunden. Die mittlere systemische Clearance von Lamivudin betrĂ€gt ungefĂ€hr 0,32 l/h/kg, vorwiegend durch renale Clearance via aktiver tubulĂ€rer Sekretion (>70%). Studien an Patienten mit eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion zeigen, dass die Lamivudin-Ausscheidung durch eine Störung der Nierenfunktion beeintrĂ€chtigt wird. Eine Reduzierung der Dosis ist fĂŒr Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <50 ml/min erforderlich (vgl. "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
IntrazellulÀre Pharmakokinetik
In einer Studie an 20 HIV-infizierten Patienten, die Abacavir 300 mg zweimal tÀglich erhalten hatten, betrug nach Gabe von nur einer 300 mg Dosis vor Beginn des 24-Stunden-Messzeitraums die intrazellulÀre terminale Halbwertszeit von Carbovir-TP im Steady-State im geometrischen Mittel 20,6 Stunden. Im Vergleich betrug die Plasma-Halbwertszeit von Abacavir 2,6 Stunden in der gleichen Studie.
Die steady-state pharmakokinetischen Eigenschaften von Abacavir wurden in einer Crossover-Studie mit 27 HIV-infizierten Patienten unter dem Dosisschema von 600 mg Abacavir 1× tĂ€glich im Vergleich zum Dosisschema von 300 mg Abacavir 2× tĂ€glich untersucht. Die intrazellulĂ€ren Carbovir-TP Spiegel in peripheren mononukleĂ€ren Blutzellen waren unter 600 mg Abacavir 1× tĂ€glich höher als unter 300 mg Abacavir 2× tĂ€glich. Die pharmakokinetischen Parameter sind in den untenstehenden Tabellen zusammengefasst:

 

GLS Mean Ratio (90% Konfidenzintervalle)

IntrazellulÀre Carbovir-TP
pharmakokinetische Parameter

Behandlung B/Behandlung A
(n:27/27)

Frauen/MĂ€nner
(n:9/18)

AUC(0-24)

1.32 (1.07, 1.63)

2.09 (1.69, 2.58)

Cmax

1.99 (1.61, 2.45)

NA

Cτ

1.18 (0.82, 1.71)

2.13 (1.36, 3.35)

Cavg

1.32 (1.07, 1.63)

2.09 (1.69, 2.58)

GLS Mean Ratio: Geometric Least Square Mean Ratio
Behandlung A: Abacavir 300 mg 2× tĂ€glich
Behandlung B: Abacavir 600 mg 1× tĂ€glich
NA: not applicable
Vergleiche zwischen Frauen und MĂ€nnern basieren auf Mittelwerten fĂŒr Behandlung A und B fĂŒr individuelle Patienten

 

GLS Mean Ratio (90% Konfidenzintervalle)

Plasma Abacavir pharmakokinetische Parameter

Behandlung B/Behandlung A
(n:27/27)

Frauen/MĂ€nner
(n:9/18)

AUC(0-24)

1.08 (1.02, 1.15)

1.60 (1.24, 2.05)

Gewichtsadaptierte AUC(0-24)

1.08 (1.02, 1.15)

1.38 (1.05, 1.82)

Cmax

2.09 (1.88, 2.32)

NA

Cτ

0.374 (0.283, 0.494)

1.84 (0.93, 3.64)

Cavg

1.08 (1.02, 1.15)

1.60 (1.24, 2.05)

GLS Mean Ratio: Geometric Least Square Mean Ratio
Behandlung A: Abacavir 300 mg 2× tĂ€glich
Behandlung B: Abacavir 600 mg 1× tĂ€glich
Gewichtsadaptierte AUC(0-24) wird berechnet als AUC(0-24) * Gewicht (kg)/70 kg
NA: not applicable
Vergleiche zwischen Frauen und MĂ€nnern basieren auf Mittelwerten fĂŒr Behandlung A und B fĂŒr individuelle Patienten.
Gastrointestinale Nebenwirkungen waren in dieser Studie unter dem Dosisschema 600 mg 1× tĂ€glich doppelt so hĂ€ufig wie unter dem Dosisschema 300 mg 2× tĂ€glich.
Bei Patienten, die 300 mg Lamivudin einmal tÀglich erhielten, war die intrazellulÀre Halbwertszeit von Lamivudin-TP auf 16 bis 19 Stunden verlÀngert im Vergleich zur Halbwertszeit von 5 bis 7 Stunden von Lamivudin im Plasma.
In einer Crossover-Studie mit 60 gesunden Freiwilligen waren unter dem Dosisschema von 300 mg Lamivudin einmal tĂ€glich fĂŒr 7 Tage die pharmakokinetischen Parameter fĂŒr intrazellulĂ€res Lamivudin-TP Ă€hnlich (AUC24,ss und Cmax24,ss) oder niedriger (Ctrough-24%) im Vergleich zum Dosisschema von 150 mg Lamivudin zweimal tĂ€glich fĂŒr 7 Tage. Die Intersubjekt-VariabilitĂ€t war bei den intrazellulĂ€ren Lamivudin-TP Konzentrationen grösser als bei den Plasma Talspiegeln. Diese Daten stĂŒtzen die Anwendung von 300 mg Lamivudin und 600 mg Abacavir einmal tĂ€glich zur Behandlung von HIV-infizierten Patienten. ZusĂ€tzlich wurde die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Kombination, einmal tĂ€glich gegeben, in einer Zulassungsstudie belegt (CNA30021 – vgl. "Klinische Erfahrung" ).
Kinetik spezieller Patientengruppen
Kinder und Jugendliche
Die pharmakokinetischen Daten fĂŒr die Anwendung von Kivexa in pĂ€diatrischen Patienten mit mindestens 25 kg Körpergewicht sind begrenzt. Die Dosierungsempfehlungen fĂŒr diese Population basieren hauptsĂ€chlich auf Erkenntnissen zur Sicherheit und Wirksamkeit aus einer kontrollierten Studie, in der entweder die Kombination von 3TC und Ziagen oder Kivexa verwendet wurden. FĂŒr Informationen zur Pharmakokinetik der EinzelprĂ€parate in pĂ€diatrischen Patienten konsultieren Sie die 3TC und Ziagen Fachinformation (siehe "Dosierung/Anwendung" , "UnerwĂŒnschte Wirkungen" , "Klinische Erfahrung" ).
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Es liegen keine Daten zur Anwendung von Kivexa bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen vor. Es liegen pharmakokinetische Daten fĂŒr die einzelnen Bestandteile Abacavir und Lamivudin vor.
Daten von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Leberfunktionsstörung zeigen, dass die Pharmakokinetik von Lamivudin durch die Leberfunktionsstörung nicht signifikant beeinflusst wird.
Abacavir wird hauptsĂ€chlich ĂŒber die Leber metabolisiert. Die Pharmakokinetik von Abacavir wurde bei Patienten mit geringfĂŒgiger Leberfunktionsstörung (Child-Pugh Grad 5-6) untersucht, die eine Einzeldosis von 600 mg erhielten. Die Ergebnisse zeigten im Mittel einen 1,89fachen [1,32; 2,70] Anstieg der AUC und einen 1,58fachen [1,22; 2,04] Anstieg der Eliminationshalbwertszeit von Abacavir. Aufgrund der starken VariabilitĂ€t in der systemischen VerfĂŒgbarkeit von Abacavir ist es nicht möglich, eine Empfehlung fĂŒr eine Dosisreduktion fĂŒr Patienten mit geringfĂŒgiger Leberfunktionsstörung zu geben (vgl. "Dosierung/Anwendung" , "Kontraindikationen" und "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Es liegen nur pharmakokinetische Daten fĂŒr die einzelnen Bestandteile Abacavir und Lamivudin vor. Abacavir wird hauptsĂ€chlich ĂŒber die Leber metabolisiert, ca. 2% werden unverĂ€ndert mit dem Urin ausgeschieden. Die Pharmakokinetik von Abacavir bei Patienten im Endstadium einer Nierenerkrankung ist Ă€hnlich der bei Patienten mit normaler Nierenfunktion. Studien mit Lamivudin zeigen, dass die Plasmakonzentrationen (AUC) bei Patienten mit eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion aufgrund der verringerten Ausscheidung erhöht sind. Eine Reduzierung der Dosis ist fĂŒr Patienten mit einer Kreatinin-Clearance <50 ml/min erforderlich.
Ältere Patienten
Die Pharmakokinetik wurde bei Patienten ĂŒber 65 Jahre nicht untersucht.
Geschlecht
In einer Crossover-Studie bei 27 HIV-infizierten Patienten, in welcher die pharmakokinetischen Eigenschaften von Abacavir im Fliessgleichgewicht unter dem Dosisschema von 600 mg Abacavir 1× tĂ€glich im Vergleich zum Dosisschema von 300 mg Abacavir 2× tĂ€glich untersucht wurden, waren die intrazellulĂ€ren Carbovir-TP-Spiegel und die Plasma Abacavir Exposition bei Frauen höher als bei MĂ€nnern. Die Plasma Abacavir AUC(0-24) lag bei Frauen 60% und die gewichts-adaptierte AUC(0-24) 38% höher als bei MĂ€nnern (vgl. "IntrazellulĂ€re Pharmakokinetik" ).

PrÀklinische Daten

Mit Ausnahme eines negativen In-vivo- Mikronukleus-Tests bei Ratten, liegen keine Daten zu den Wirkungen der Kombination aus Abacavir und Lamivudin an Tieren vor.
MutagenitÀt
Weder Abacavir noch Lamivudin wirken in Bakterientests mutagen, zeigen aber wie viele andere Nukleosidanaloga eine AktivitĂ€t in In-vitro-Untersuchungen an SĂ€ugerzellen wie dem Maus-Lymphom-Test. Diese Ergebnisse stimmen mit der bekannten AktivitĂ€t anderer Nukleosidanaloga ĂŒberein. Die Ergebnisse eines In-vivo- Mikronukleus-Tests bei Ratten mit Abacavir und Lamivudin in Kombination waren negativ.
Lamivudin zeigte in In-vivo-Studien in Dosierungen, bei denen Plasmakonzentrationen erreicht wurden, die um den Faktor 30 bis 40 höher lagen als die ĂŒblichen klinischen Plasmakonzentrationen, keine genotoxische AktivitĂ€t. Abacavir weist sowohl in vitro als auch in vivo in hohen Konzentrationen ein niedriges Potenzial auf, chromosomale SchĂ€den zu verursachen.
KarzinogenitÀt
Das karzinogene Potential einer Kombination aus Abacavir und Lamivudin wurde nicht untersucht. In Langzeitstudien zur KarzinogenitĂ€t nach oraler Anwendung an MĂ€usen und Ratten zeigte Lamivudin kein karzinogenes Potential. Studien zur KarzinogenitĂ€t mit oral verabreichtem Abacavir an MĂ€usen und Ratten zeigten einen Anstieg der Inzidenz maligner und nicht-maligner Tumore. Maligne Tumore traten im DrĂŒsengewebe der Vorhaut mĂ€nnlicher Tiere sowie dem DrĂŒsengewebe der Klitoris weiblicher Tiere beider Spezies auf, sowie in der SchilddrĂŒse mĂ€nnlicher und in der Leber, der Harnblase, den Lymphknoten und der Unterhaut weiblicher Ratten.
Die Mehrheit dieser Tumore trat bei den Abacavir-Höchstdosen von 330 mg/kg/Tag bei MĂ€usen und 600 mg/kg/Tag bei Ratten auf. Eine Ausnahme waren die Tumore des VorhautdrĂŒsengewebes, die bei MĂ€usen bei einer Dosis von 110 mg/kg auftraten. Die systemische Exposition, bei der sich bei MĂ€usen und Ratten keine Wirkung zeigte, entsprach der 3- und 7fachen beim Menschen zu erwartenden systemischen Exposition wĂ€hrend einer Behandlung. Obgleich das karzinogene Potential fĂŒr den Menschen unbekannt ist, deuten diese Daten darauf hin, dass ein mögliches karzinogenes Risiko fĂŒr Menschen durch den klinischen Nutzen aufgewogen wird.
ToxizitÀt nach wiederholter Verabreichung
In ToxizitĂ€tsstudien zeigte sich, dass die Behandlung mit Abacavir zu einem Anstieg des Lebergewichts bei Ratten und Affen fĂŒhrt. Die klinische Relevanz dieses Befundes ist unbekannt. Ausgehend von klinischen Studien gibt es keinen Hinweis, dass Abacavir hepatotoxisch ist. Beim Menschen wurde keine Autoinduktion der Metabolisierung von Abacavir oder Induktion der Metabolisierung von anderen Arzneistoffen, die ĂŒber die Leber metabolisiert werden, beobachtet.
An den Herzen von MÀusen und Ratten wurde nach 2-jÀhriger Anwendung von Abacavir eine schwache myokardiale Degeneration beobachtet. Die systemischen Expositionen entsprachen einer 7- bis 24fachen beim Menschen zu erwartenden Exposition. Die klinische Relevanz dieses Befundes wurde nicht bestimmt.
ReproduktionstoxizitÀt
In Studien zur ReproduktionstoxizitÀt an Tieren hat sich gezeigt, dass Lamivudin und Abacavir die Plazenta passieren.
In Tierstudien wirkte Lamivudin nicht teratogen, es gab aber Hinweise auf eine Erhöhung der frĂŒhen EmbryoletalitĂ€t bei Kaninchen bei relativ niedriger systemischer Exposition vergleichbar der, die beim Menschen erzielt wird. Bei Ratten wurde selbst bei sehr hoher systemischer Exposition kein Ă€hnlicher Effekt beobachtet.
Es wurde gezeigt, dass Abacavir auf den sich entwickelnden Embryo und Fetus bei Ratten, nicht aber bei Kaninchen, toxisch wirkt. Diese Befunde beinhalteten ein verringertes fetales Körpergewicht, fetale Ödeme und eine Zunahme von VerĂ€nderungen bzw. Missbildungen des Skeletts, frĂŒhen intrauterinen Tod und Totgeburten. Aufgrund dieser embryo-fetalen ToxizitĂ€t können keine SchlĂŒsse im Hinblick auf das teratogene Potenzial von Abacavir gezogen werden.
Eine FertilitÀtsstudie bei Ratten hat gezeigt, dass Abacavir keinen Effekt auf die mÀnnliche oder weibliche FertilitÀt hat.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit "EXP" bezeichneten Datum verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Nicht ĂŒber 30°C, in der Originalverpackung und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

Zulassungsnummer (Original)
56977 (Swissmedic).
Zulassungsnummer (Importeur)
68251 (Swissmedic) (Belgien).
68455 (Swissmedic) (Frankreich).
68253 (Swissmedic) (Litauen).

Packungen

Packungen Ă  30 Filmtabletten, (A).

Zulassungsinhaberin

Zulassungsinhaberin (Original)
ViiV Healthcare GmbH, 3053 MĂŒnchenbuchsee.
Zulassungsinhaberin (Importeur)
APS-Arzneimittel-Parallelimport-Service AG, 6330 Cham.

Stand der Information

August 2020

2026 Â©ywesee GmbH
Settings | Help | Login | Contact | Home