Dosierung/AnwendungDosierung
Wie alle neuromuskulären Blocker darf Rocuronium Aguettant nur von einem in der Anwendung dieser Arzneimittel erfahrenen Arzt oder unter dessen Aufsicht verabreicht werden.
Wie bei allen neuromuskulären Blockern ist die Dosierung von Rocuronium Aguettant patientenindividuell anzupassen. Die Dosierung richtet sich nach der Anästhesiemethode, der erwarteten Dauer des Eingriffs und der mechanischen Beatmung, der eingesetzten Sedierung, möglichen Arzneimittelinteraktionen sowie dem Zustand des Patienten.
Die Anwendung einer geeigneten neuromuskulären Überwachungstechnik wird zur Beurteilung der neuromuskulären Blockade sowie zur Erholung der Muskelfunktion empfohlen.
Inhalationsanästhetika potenzieren die neuromuskulär blockierende Wirkung von Rocuronium Aguettant. Diese Potenzierung wird während der Anästhesie erst dann klinisch relevant, wenn die Inhalationsanästhetika die für eine Wechselwirkung erforderlichen Gewebekonzentrationen erreicht haben. Daher sollten bei chirurgischen Eingriffen mit einer Dauer von mehr als 1 Stunde unter Inhalationsanästhesie die Erhaltungsdosen von Rocuronium Aguettant verringert und in längeren Abständen verabreicht werden (siehe "Wechselwirkungen" ).
Beim Erwachsenen dienen die folgenden Dosierungsempfehlungen als Richtwerte für die endotracheale Intubation, die Muskelrelaxation bei kurz- bis langdauernden Eingriffen sowie für die kurzfristige Anwendung auf Intensivstationen.
Chirurgische Eingriffe
-Endotracheale Intubation
Erwachsene
Die Standarddosis zur Intubation bei Routineeinleitung beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid und ermöglicht bei 75–80 % der Patienten innerhalb von 60 Sekunden adäquate Intubationsbedingungen.
Für die endotracheale Intubation bei Blitzeinleitung wird eine Dosis von 1 mg/kg Rocuroniumbromid empfohlen. Mit dieser Dosis können bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden adäquate Intubationsbedingungen erreicht werden. Bei einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung sollte die Intubation erst 80–90 Sekunden nach der Verabreichung erfolgen.
Pädiatrische Population
Bei Kindern (≥2 Jahre) mit einem Gewicht von mehr als 10 kg ist die empfohlene Intubationsdosis während einer Routineanästhesie ähnlich wie bei Erwachsenen.
Rocuronium Aguettant darf Kindern unter 2 Jahren nicht verabreicht werden, da die Teilstriche der Fertigspritze in dieser Altersgruppe keine präzise Dosierung ermöglichen (siehe "Hinweise für die Handhabung" ). Es stehen jedoch auch andere Rocuronium-Formulierungen zur Verfügung.
Die Erfahrung mit Rocuroniumbromid bei Blitzeinleitung bei Kindern ist begrenzt. Rocuroniumbromid wird daher zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei Blitzeinleitung für die pädiatrische Population nicht empfohlen.
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
Bei geriatrischen Patienten sowie bei Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz beträgt die Standarddosis zur Intubation bei Routineeinleitung 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid. Bei Patienten mit erwarteter verlängerter Wirkungsdauer kann zur Blitzeinleitung eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid erwogen werden. Wenn eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung verwendet wird, wird empfohlen, den Patienten erst 80 bis 90 Sekunden nach der Verabreichung von Rocuroniumbromid zu intubieren.
-Höhere Dosen
Falls eine höhere Dosis gerechtfertigt ist: Bei Initialdosen bis 2 mg/kg Rocuroniumbromid traten keine kardiovaskulären Nebenwirkungen auf. Eine höhere Dosis verkürzt die Anschlagzeit und verlängert die Wirkungsdauer (siehe "Eigenschaften/Wirkungen" ).
-Erhaltungsdosis
Erwachsene
Die empfohlene Erhaltungsdosis beträgt 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid; bei länger dauernder Inhalationsanästhesie 0,075–0,1 mg/kg. Erhaltungsdosen sollten vorzugsweise gegeben werden, wenn die Zuckungsamplitude wieder 25 % der Kontrollzuckungsamplitude erreicht hat oder 2 bis 3 Reizantworten auf eine Train-of-Four-Simulation (TOF) vorhanden sind.
Pädiatrische Population
Bei Kindern (≥12 Jahre) mit einem Körpergewicht über 35 kg sind die empfohlene Intubationsdosis während einer Routineanästhesie sowie die Erhaltungsdosis vergleichbar mit denen bei Erwachsenen.
Eine Erhaltungsdosis ist für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet, da die Teilstriche der Fertigspritze keine präzise Verabreichung des Arzneimittels in dieser Patientengruppe ermöglichen. Für diese Patientengruppe stehen jedoch andere Rocuronium-Formulierungen zur Verabreichung von Erhaltungsdosen zur Verfügung.
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
Unabhängig von der Anästhesietechnik liegt die empfohlene Erhaltungsdosis bei 0,075–0,1 mg/kg Rocuroniumbromid.
-Übergewichtige oder adipöse Patienten
Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (definiert als ein Körpergewicht von 30 % oder mehr des Idealgewichts) sollten die Dosen reduziert und auf der Grundlage des Idealgewichts berechnet werden.
Kurzfristige Anwendung auf der Intensivstation
-Endotracheale Intubation
Bei der endotrachealen Intubation werden die gleichen Dosen wie bei chirurgischen Eingriffen empfohlen.
-Spezialpopulationen
Rocuronium Aguettant wird zur Unterstützung der mechanischen Beatmung bei Kindern und älteren Patienten nicht empfohlen, da Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit fehlen.
Art der Anwendung
Rocuronium Aguettant wird intravenös als Bolus verabreicht (siehe "Sonstige Hinweise" ).
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