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Information for professionals for Ospolot®:Desitin Pharma GmbH
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Zusammensetzung

Wirkstoffe
Sultiam.
Hilfsstoffe
Filmtabletten: Maisstärke, Lactose-Monohydrat (12,5 mg pro 50 mg Filmtablette; 50 mg pro 200 mg Filmtablette), Talkum, hochdisperses Siliciumdioxid, Gelatine, Magnesiumstearat, Hypromellose, Macrogol 4000, Titandioxid (E 171).
Suspension zum Einnehmen: 2,3 mg/ml Natriummethyl-4-hydroxybenzoat (E219) und 0,6 mg/ml Natriumpropyl-4-hydroxybenzoat (E217), Sucralose, Docusat-Natrium, Xanthangummi, Natriumdihydrogenphosphat-Dihydrat, Kaliummonohydrogenphosphat, Erdbeer-Aroma, Geschmacksmodulator (enthält Schwefeldioxid (E220), Fructose, Glucose und Saccharose), Aroma zur Geschmacksmaskierung, Phosphorsäure 85%, gereinigtes Wasser. Enthält insgesamt 0.667 mg Natrium pro ml.

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Ospolot 200 mg: Filmtabletten teilbar (mit Bruchrille) zu 200 mg.
Ospolot 50 mg: Filmtabletten zu 50 mg.
Ospolot Suspension zum Einnehmen: 1 ml Suspension zum Einnehmen enthält 20 mg Sultiam.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

SeLECTS-Epilepsie (Selbst limitierende Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes, vormals Rolando-Epilepsie oder BECTS).
Hinweis: Bei der Indikationsstellung für den Einsatz von Sultiam sollte berücksichtigt werden, dass die SeLECTS-Epilepsie eine hohe Rate an Spontanremissionen aufweist und – auch ohne medikamentöse Behandlung – zumeist einen guten Verlauf und eine gute Prognose besitzt.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung ist individuell durch den/die in der Epilepsiebehandlung erfahrene Neuropädiater/in festzulegen und zu kontrollieren.
Die Erhaltungsdosis beträgt ca. 5 mg/kg Körpergewicht und Tag. Sie sollte stufenweise (einschleichend) über ein bis zwei Wochen erreicht werden. Ospolot kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden, vorzugsweise sollte der Patient die Art der Einnahme von Ospolot während der Therapie nicht ändern.
Ospolot Filmtabletten:
Für den langsamen Aufbau der Dosis ist Ospolot 50 mg geeignet; Ospolot 200 mg Filmtabletten verfügen über eine Bruchrille und sind teilbar. Es ist jedoch auch möglich, die Behandlung sogleich mit der Erhaltungsdosis zu beginnen. Die Tagesdosis sollte aufgrund der kurzen Halbwertszeit von Sultiam möglichst auf drei Einzelgaben verteilt werden. Bei entsprechender zeitlicher Verteilung der Tagesdosis sind konstante Plasmaspiegel nach fünf bis sechs Tagen zu erwarten. Therapeutische Plasmakonzentrationen für Sultiam wurden bisher nicht bestimmt. Die Filmtabletten werden unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit (ca. 1 Glas Wasser), möglichst auf drei Einzelgaben verteilt, eingenommen.
Ospolot Suspension zum Einnehmen:
Die Tagesdosis sollte aufgrund der kurzen Halbwertszeit von Sultiam möglichst auf drei
Einzelgaben verteilt werden (siehe Tabellen 1 und 2 mit Dosierungsbeispielen). Bei entsprechender
zeitlicher Verteilung der Tagesdosis sind konstante Plasmaspiegel nach fünf bis sechs Tagen zu
erwarten. Therapeutische Plasmakonzentrationen für Sultiam wurden bislang nicht bestimmt.
Ospolot Suspension zum Einnehmen und Ospolot Filmtabletten können in gleicher Dosierung
gegeneinander ausgetauscht werden. Bei der Umstellung von Tabletten auf Suspension zum
Einnehmen sollte eine Kontrolle der Plasmaspiegel in Betracht gezogen und gegebenenfalls die Dosierung angepasst werden (siehe «Pharmakokinetik»).
Ein Wechsel von einem anderen Arzneimittel oder von einer Kombinationsbehandlung sollte
schrittweise erfolgen.
Kinder und Jugendliche
Die Suspension zum Einnehmen ist die bevorzugte Darreichungsform für Kleinkinder, Kinder und
Jugendliche, die 12 kg oder mehr wiegen (ab einem Alter von 3 Jahren), wenn die Tabletten nicht geschluckt werden können oder keine exakte Dosierung mit den Tabletten erfolgen kann. Dosierungsbeispiele sind in den Tabellen 1 und 2
angegeben, die Aufdosierung muss jedoch für jeden Patienten individuell vorgenommen werden.
Tabelle 1

Körpergewicht

Anfangsdosis: 2,5 mg* Sultiam pro kg und Tag

Einzeldosis
(wird 3 x täglich gegeben)

Gesamt-Tagesdosis

12 - 18 kg

0,5 – 0,75 ml
(entsprechend 10 – 15 mg Sultiam)

1,5 – 2,25 ml
(entsprechend 30 – 45 mg Sultiam)

18 - 24 kg

0,75 -1,0 ml
(entsprechend 15 – 20 mg Sultiam)

2,25 – 3,0 ml
(entsprechend 45 – 60 mg Sultiam)

24 - 30 kg

1,0 -1,25 ml
(entsprechend 20 – 25 mg Sultiam)

3,0 – 3,75 ml
(entsprechend 60 – 75 mg Sultiam)

30 - 36 kg

1,25 – 1,5 ml
(entsprechend 25 – 30 mg Sultiam)

3,75 – 4,5 ml
(entsprechend 75 – 90 mg Sultiam)

36 kg und
darüber

1,5 ml und darüber
(entsprechend 30 mg Sultiam und
darüber)

4,5 ml und darüber
(entsprechend 90 mg Sultiam und darüber)

*1 ml Ospolot Suspension zum Einnehmen enthält 20 mg Sultiam => 0,25 ml = 5 mg Sultiam
Tabelle 2: Dosierungsbeispiele für eine Erhaltungsdosis von 5 mg Sultiam pro kg Körpergewicht und Tag

Körpergewicht

Erhaltungsdosis: 5 mg* Sultiam pro kg und Tag

Einzeldosis
(wird 3 x täglich gegeben)

Gesamt-Tagesdosis

12 - 18 kg

1,0 – 1,5 ml
(entsprechend 20 – 30 mg Sultiam)

3,0 – 4,5 ml
(entsprechend 60 – 90 mg Sultiam)

18 - 24 kg

1,5 -2,0 ml
(entsprechend 30 – 40 mg Sultiam)

4,5 – 6,0 ml
(entsprechend 90 – 120 mg Sultiam)

24 - 30 kg

2,0 -2,5 ml
(entsprechend 40 – 50 mg Sultiam)

6,0 – 7,5 ml
(entsprechend 120 – 150 mg Sultiam)

30 - 36 kg

2,5 – 3,0 ml
(entsprechend 50 – 60 mg Sultiam)

7,5 – 9,0 ml
(entsprechend 150 – 180 mg Sultiam)

36 kg und
darüber

3,0 ml und darüber
(entsprechend 60 mg Sultiam und
darüber)

9,0 ml und darüber
(entsprechend 180 mg Sultiam und darüber)

*1 ml Ospolot Suspension zum Einnehmen enthält 20 mg Sultiam => 0,25 ml = 5 mg Sultiam
Hinweis: Ab Einzeldosen von 10 ml oder darüber sollten Tabletten verwendet werden.
Ospolot Suspension zum Einnehmen:
Vor der Einnahme von Ospolot sollte die Flasche sehr gut geschüttelt werden (mindestens einmal für 30 Sekunden) und die Dosis unmittelbar danach zubereitet werden (um eine Sedimentation zu vermeiden). Die Suspension zum Einnehmen kann direkt aus der Applikationsspritze geschluckt oder unmittelbar nach dem Mischen vorzugsweise mit etwas Wasser - alternativ mit Orangensaft, Milch, Joghurt oder Weizenbrei - eingenommen werden.
Bei Einnahme der Suspension zum Einnehmen direkt aus der Applikationsspritze, sollte die Spitze der Applikationsspritze auf die Innenseite der Wange gerichtet und der Kolben nur langsam nach unten gedrückt werden, um die Verabreichung an die Schluckgeschwindigkeit des Kindes anzupassen. Der Patient sollte wegen des bitteren Geschmacks von Sultiam unmittelbar danach etwas Wasser, Saft oder Milch trinken.
Kohlensäurehaltige Getränke oder warme Speisen sollten nicht zusammen mit der Suspension eingenommen werden, um Aufstossen oder verlangsamtes Schlucken zu vermeiden.
Die Suspension zum Einnehmen kann auch über eine Ernährungssonde gegeben werden, die unmittelbar nach der Verabreichung mit mindestens 15 ml Wasser gespült werden sollte. Bei dieser Art der Anwendung sollte die Dosis unmittelbar vor der Anwendung wie oben beschrieben zubereitet werden.
Ospolot Filmtabletten und Suspension zum Einnehmen:
Antikonvulsiva sollten möglichst als Monotherapie verordnet werden.
Die Umstellung von einer anderen Medikation oder einer allfälligen Kombinationsbehandlung sollte schrittweise erfolgen. In regelmässigen Zeitabständen müssen Blutbild und Urin kontrolliert werden (s. „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).
Die Anwendungsdauer richtet sich nach der individuellen Reaktion des Patienten. In jedem Fall darf das Präparat durch den Patienten nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Die antiepileptische Therapie ist grundsätzlich eine Langzeittherapie. Über die Einstellung, Behandlungsdauer und das Absetzen von Sultiam sollte im Einzelfall der Facharzt bzw. die Fachärztin (Kinderneurologie/Neurologie) entscheiden. Ospolot sollte nicht plötzlich abgesetzt werden. Das Absetzen von Sultiam kann zügig über ein bis zwei Wochen erfolgen. Dabei sollte das EEG kontrolliert werden. Der EEG-Befund sollte sich nicht verschlechtern.
Bei Therapieversagen bzw. Auftreten von unerwünschten Wirkungen ist eine Prüfung des tageszeitlichen Verlaufes der Plasmakonzentration sinnvoll. Bei ausbleibendem Therapieerfolg sollte die Behandlung mit Sultiam nach ca. einem Monat abgebrochen werden.

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen
Sultiam darf nicht angewendet werden bei:
- bekannter Überempfindlichkeit auf Sultiam, andere Sulfonamide oder einen anderen Präparatebestandteil
- Vorliegen einer Nierenfunktionsstörung
- vorbestehenden psychiatrischen Erkrankungen
- Porphyrie
- Hyperthyreose
arterieller Hypertonie
- Frauen im gebärfähigen Alter und weiblichen Teenagern älter als 12 Jahre
- Schwangerschaft/Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Beim Auftreten einer Myelodepression oder allergischen Exanthemen muss Sultiam abgesetzt werden. Daher sind Eltern von Patienten anzuhalten, sofort den Arzt aufzusuchen und Blutbildkontrollen durchführen zu lassen, wenn Fieber, Halsschmerzen, allergische Hautausschläge und/oder Lymphknotenschwellung und/oder grippeähnliche Krankheitsbeschwerden auftreten.
Bei einer Langzeittherapie sind regelmässig Blutbild und Nierenfunktionsparameter zu kontrollieren. Es empfiehlt sich, diese Kontrollen zunächst vor der Behandlung mit Sultiam, dann in wöchentlichen Abständen im ersten Monat der Behandlung, danach in monatlichen Abständen durchzuführen. Nach sechsmonatiger Behandlung reichen zwei- bis viermalige Kontrollen im Jahr aus. Progrediente Thrombopenien oder Leukopenien, die von klinischen Symptomen, wie z.B. Fieber oder Halsschmerzen begleitet sind, erfordern die Unterbrechung der Behandlung. Bei schweren allergischen Reaktionen ist Sultiam sofort abzusetzen. Die Behandlung sollte ebenfalls unterbrochen werden, wenn es zu einem andauernden Anstieg des Kreatinins kommt.
Wie bei anderen Carboanhydrase-Hemmern kann es auch unter Sultiam zum Auftreten einer metabolischen Azidose kommen. Bei entsprechenden Symptomen (kompensatorische Hyperventilation, Müdigkeit, Appetitlosigkeit) ist an diese Möglichkeit zu denken. Eine chronische, unbehandelte metabolische Azidose kann zu einer Nephrolithiasis oder Osteoporose sowie bei Kindern zu einer Verringerung des Wachstums führen.
Hinweis:
Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden, berichtet. Eine Metaanalyse randomisierter, placebo-kontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte auch ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten. Der Mechanismus für die Auslösung dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt und die verfügbaren Daten schliessen die Möglichkeit eines erhöhten Risikos bei der Einnahme von Sultiam nicht aus.
Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen werden. Patienten (und deren Betreuern) sollte geraten werden medizinische Hilfe einzuholen, wenn Anzeichen für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.
Ospolot Filmtabletten:
Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht anwenden.
Ospolot Suspension zum Einnehmen:
Patienten mit der seltenen hereditären Fructose/Galactose-Intoleranz, einer Glucose-Galactose-Malabsorption oder einer Sucrase-Isomaltase-Insuffizienz sollten dieses Arzneimittel nicht anwenden.
Schwefeldioxid (E 220) kann in seltenen Fällen schwere Überempfindlichkeits-reaktionen und Bronchialkrämpfe (Bronchospasmen) hervorrufen.
Natriummethyl-4-hydroxybenzoat (E219) und Natriumpropyl-4-hydroxybenzoat (E217), können allergische Reaktionen, auch Spätreaktionen hervorrufen.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro ml Suspension, d.h. es ist nahezu „natriumfrei“.

Interaktionen

Beeinflussung der Plasmakonzentration anderer Arzneimittel durch Sultiam
Sultiam ist ein Hemmer der CYP2C-Isoenzyme und kann dadurch die Plasmaspiegel anderer Arzneimittel erhöhen. Die Wirkung einiger anderer, gleichzeitig verabreichter Arzneimittel, die über diese Enzyme abgebaut werden, kann deshalb verstärkt werden. Es kann zu toxischen Erscheinungen kommen.
Bei gleichzeitiger Gabe von Sultiam ist die Dosierung folgender Wirkstoffe gegebenenfalls zu reduzieren: Phenytoin, Barbiturate, Diazepam, Imipramin, Diclophenac, Ibuprofen, Naproxen, Warfarin, Omeprazol, Proguanil, Propranolol, Retinol und Tolbutamid.
Bei Kombination von Sultiam mit Phenytoin kann der Plasmaspiegel von Phenytoin bedeutend erhöht sein. Diese Kombination erfordert besonders strenge Überwachung und häufige Kontrollen des Phenytoin-Plasmaspiegels, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion.
In Einzelfällen wurde beobachtet, dass es auch bei Kombination mit Lamotrigin zu einer Erhöhung der Lamotrigin-Spiegel im Blut kommen kann. Die Lamotrigin-Spiegel sollten daher zum Anfang einer solchen Behandlung häufiger kontrolliert werden.
Bei der Kombination von Sultiam mit Primidon kann die Intensität der Nebenwirkungen beider Arzneimittel zunehmen; insbesondere bei Kindern können Schwindel, Gangunsicherheit und Schläfrigkeit auftreten.
Verminderte Plasmakonzentration von Sultiam
Der Plasmaspiegel von Sultiam kann vermindert werden durch: Phenobarbital, Phenytoin, Primidon und Carbamazepin.
Aufgrund der wechselseitigen Beeinflussung, insbesondere bei gleichzeitiger Verabreichung mehrerer Antiepileptika, empfiehlt es sich, die Plasmaspiegel zu kontrollieren und die Dosierung von Sultiam gegebenenfalls anzupassen.
In einer In- vitro-Untersuchung wurde beobachtet, dass Antacida Sultiam adsorbieren können. Dies trifft in besonderem Masse auf Magnesium-Trisilikat zu.
Andere Wechselwirkungen
Während einer Behandlung mit Sultiam sollte auf den Genuss von Alkohol verzichtet werden, da Sulfonamide eine dem Disulfiram ähnliche Wirkung besitzen und Sultiam als Sulfonamid-Derivat theoretisch eine ähnliche Wirkung entfalten könnte. Diese Symptomatik umfasst eine unangenehme, in der Regel jedoch selbstlimitierende, systemische Reaktion auf der Basis einer Vasodilatation mit Pulsationskopfschmerz, Atemdepression, Übelkeit, Erbrechen, Tachykardie, Hypotonus, Amblyopie, Verwirrtheit, Schockreaktionen, Arrhythmien, Bewusstlosigkeit sowie Anfällen. Die Symptome können in sehr unterschiedlicher Ausprägung und Dauer auftreten.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft und Stillzeit
Es gibt experimentelle Hinweise auf embryotoxische Effekte von Sultiam. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist das Arzneimittel kontraindiziert.
Fertilität
Es liegen keine Daten zur Auswirkung von Sultiam auf die Fertilität vor.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen (Schwindligkeit oder Schläfrigkeit) so weit verändern, dass z.B. die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird.

Unerwünschte Wirkungen

Liste der unerwünschten Wirkungen
Die unerwünschten Wirkungen sind nach MedDRA-Systemorganklassen und Häufigkeit gemäss folgender Konvention geordnet:
„sehr häufig“ (≥1/10)
„häufig“ (≥1/100, <1/10),
„gelegentlich“ (≥1/1‘000, <1/100)
„selten“ (≥1/10‘000, <1/1‘000)
„sehr selten“ (<1/10‘000)
„nicht bekannt“ (kann aus den verfügbaren Daten nicht abgeschätzt werden)
Die beobachteten Nebenwirkungen traten häufiger in Kombinations- als in Monotherapie auf.
Folgende Nebenwirkungen können dosisabhängig und insbesondere zu Therapiebeginn auftreten:
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Häufig: Tachypnoe, Hyperpnoe oder Dyspnoe. Insbesondere zu Behandlungsbeginn: Singultus (i.d.R. Abklingen nach 1-2 Wochen von selbst oder nach vorübergehender Dosisreduktion, Vermeidung durch einschleichende Dosierung).
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Sehr selten: Leukopenie, Granulozytopenie, Neutropenie, Thrombopenie.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Sehr häufig treten, besonders zu Behandlungsbeginn, Magenbeschwerden auf. Häufig wird über Nausea und Vomitus geklagt. Diese Beschwerden klingen in der Regel nach ein bis zwei Wochen von selbst oder nach vorübergehender Dosisreduzierung wieder ab. Sie können durch einschleichende Dosierung vermieden werden.
Leber- und Gallenerkrankungen
Sehr selten wurde eine hepatotoxische Wirkung beobachtet.
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Häufig und insbesondere zu Behandlungsbeginn: Appetitlosigkeit (i.d.R. Abklingen nach 1-2 Wochen von selbst oder nach vorübergehender Dosisreduktion, Vermeidung durch einschleichende Dosierung).
Sehr selten: metabolische Azidose (siehe „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“). Im Rahmen einer metabolischen Azidose kann es kompensatorisch zu einer Hyperventilation kommen.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Gelegentlich: Gelenkschmerzen, myasthenische Beschwerden.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
Selten: Exantheme.
In Einzelfällen besteht der Verdacht, dass Sultiam mit der Auslösung eines Stevens-Johnson-Syndroms oder eines Lyell-Syndroms in Zusammenhang stehen könnte.
Herzerkrankungen
Gelegentlich wurden Stenokardien oder Tachykardien beobachtet.
Gefässerkrankungen
In Einzelfällen kam es zu Blutdruckanstieg oder -abfall.
Erkrankungen des Nervensystems
Häufig kommt es zu Parästhesien in den Extremitäten sowie im Gesicht.
Häufig und insbesondere zu Behandlungsbeginn: Schwindel und Kopfschmerzen (i.d.R. Abklingen nach 1-2 Wochen von selbst oder nach vorübergehender Dosisreduktion, Vermeidung durch einschleichende Dosierung).
Gelegentlich kann Denkerschwernis auftreten. In Einzelfällen besteht der Verdacht, dass Sultiam mit der Auslösung einer Polyneuritis, eines Grand mal-Status oder mit Anfallshäufungen in Zusammenhang stehen könnte.
Psychiatrische Erkrankungen
Bei einigen Patienten kann es insbesondere zu Behandlungsbeginn zu Verwirrung und Agitation kommen. Diese Begleiterscheinungen verschwinden meist nach ein bis zwei Wochen von selbst oder nach vorübergehender Dosisreduktion. Sie können durch einschleichende Aufdosierung vermieden werden.
Gelegentlich können Halluzinationen, Angst oder Antriebsarmut auftreten. Latente Psychosen können unter Sultiamtherapie aktiviert werden.
Einzelfälle von Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. Aggressivität, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen wurden beschrieben.
Augenerkrankungen
Häufig: Doppelbildersehen
Erkrankungen der Nieren und der Harnwege
Einzelfälle von Nierenversagen und Harnretention wurden beschrieben.
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
Einzelfälle von Impotenz wurden beschrieben.
Untersuchungen
Häufig und insbesondere zu Behandlungsbeginn: Gewichtsverlust (i.d.R. Abklingen nach 1-2 Wochen von selbst oder nach vorübergehender Dosisreduktion, Vermeidung durch einschleichende Dosierung).
Allgemeine Erkrankungen
Häufig und insbesondere zu Behandlungsbeginn: Irritabilität, Müdigkeit (i.d.R. Abklingen nach 1-2 Wochen von selbst oder nach vorübergehender Dosisreduktion, Vermeidung durch einschleichende Dosierung).
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Anzeichen und Symptome
Die auftretenden Befunde und Symptome einer Überdosierung umfassen Kopfschmerzen, Schwindel, Ataxie, Bewusstseinsstörung, Katatonie, metabolische Azidose sowie Sultiamkristalle im Urin. Sultiam besitzt eine geringe akute Toxizität. Überdosierungen mit 4 bis 5 g Sultiam wurden überlebt. Die Einnahme von ca. 20 g Sultiam in suizidaler Absicht bei Erwachsenen führte in einem Fall zum Exitus letalis. In einem anderen Fall kam es zu einer Restitutio ad integrum.
Behandlung
Es existiert kein spezifisches Antidot. Die Therapie wird bestimmt durch den klinischen Status des Patienten. Es sollte eine Einweisung in die Klinik erfolgen. Eine Bestimmung der Plasmakonzentration zwecks Bestätigung einer Sultiam-Vergiftung sowie zwecks Ermittlung des Ausmasses der Überdosierung ist angezeigt. Übliche Massnahmen (Magenspülung und Aktivkohle zur Verminderung der Resorption und zur Erhaltung der Vitalfunktionen) sollten durchgeführt werden. Zur Behandlung der Azidose kann Natriumbikarbonat infundiert werden. Es sollte eine sorgfältige Korrektur der Elektrolytverschiebungen erfolgen. Zur Verhinderung von Nierenschäden und Kristallurie wird eine alkalisierende Diuresetherapie empfohlen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
N03AX03
Wirkungsmechanismus
Sultiam ist ein Sulfonamid-Derivat. Strukturell bestehen keine Gemeinsamkeiten mit anderen Antikonvulsiva. Der Wirkmechanismus ist nicht vollständig aufgeklärt. Der bestdokumentierte biologische Effekt ist die Hemmung der zentralen Carboanhydrase. Einwirkungen auf die Homöostase der erregenden und hemmenden Neurotransmitter wurden beschrieben. Weiterhin reduziert Sultiam den Natriumeinstrom in die Nervenzelle und setzt so die Erregbarkeit der Nervenzelle herab.
Der antikonvulsive Effekt von Sultiam bewirkt eine Verminderung oder Dämpfung von Anfällen, die bei Kindern mit SeLECTS-Epilepsie (selbstlimitierende Epilepsie des Kindesalters mit zentrotemporalen Spikes, früher Rolando-Epilepsie) auftreten.
Klinische Wirksamkeit
Die klinische Wirksamkeit von Sultiam wurde in zwei randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Studien an Kindern mit BECTS resp. SeLECTS-Epilepsie untersucht. Eine Studie konnte Überlegenheit gegenüber Placebo dokumentieren (n=66 Kinder im Alter von 3 - 10; 31 erhielten Sultiam, 35 Placebo); in einer weiteren Studie zeigte Sultiam eine vergleichbare Wirksamkeit gegenüber Levetiracetam (n=44 Kinder im Alter von 6 – 12; n=22 erhielten Sultiam, n=21 Levetiracetam).

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Sultiam wurde nicht systematisch in den verschiedenen Abschnitten des Kindes- und Jugendalters untersucht. Die nachfolgenden Daten stammen von mehr als 120 Patienten beiderlei Geschlechts. Bei diesen Patienten handelte es sich um Kinder (n > 50), Jugendliche und Erwachsene zwischen 1,5 und 89 Jahren.
Absorption
Sultiam wird nach oraler Einnahme schnell und fast vollständig aus dem oberen Dünndarm resorbiert. Maximale Plasmakonzentrationen werden nach 1 – 5 Stunden gemessen.
In einer pharmakokinetischen Studie zur Einmalgabe mit 16 Probanden wurde der Nahrungsmitteleinfluss auf die Resorption nach Einnahme von Ospolot 200 mg Tabletten untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Einnahme von Ospolot mit Nahrung zu einer moderat verringerten Bioverfügbarkeit (14%) von Sultiam führt.
Bioverfügbarkeit der Sultiam-Suspension:
Ospolot Suspension zeigt eine um 13% niedrigere Bioverfügbarkeit unter Nüchternbedingungen im Vergleich zu Ospolot 200 mg Tabletten.
Distribution
Die maximalen Plasmakonzentrationen werden zwischen 1 und 5 Stunden erreicht. Trotz einer linearen Pharmakokinetik bestehen grössere intra- und interindividuelle Fluktuationen der Plasmaspiegel im steady state. Therapeutische und toxische Plasmakonzentrationen wurden bislang nicht etabliert. Nach Gabe von ca. 5 mg / kg Körpergewicht werden etwa Plasmakonzentrationen zwischen 1 und 6 µg / ml erzielt. Die Plasmaproteinbindung von Sultiam liegt bei etwa 29%.
Das Verteilungsvolumen beim Menschen wurde bislang nicht bestimmt. Sultiam überschreitet die Blut-Hirnschranke. Das Verhältnis zwischen Plasmakonzentration und Liquorkonzentration wurde bislang nicht bestimmt. Es ist davon auszugehen, dass Sultiam die Placentaschranke überschreitet und in die Muttermilch übergehen kann. Es kann somit in den Fötus sowie in den gestillten Säugling übergehen (s. „Kontraindikationen“ und „Schwangerschaft/Stillzeit“).
Metabolismus
Bislang wurden zwei Metaboliten von Sultiam im Urin des Menschen identifiziert. Davon ist hydroxyliertes Sultiam mengenmässig der bedeutendste Metabolit. Er besitzt keine antikonvulsive Aktivität.
Elimination
Sultiam wird mit einer Halbwertszeit von 2 bis 16 Stunden aus dem Plasma eliminiert. Die Halbwertszeiten sind in Kombinationstherapie mit enzyminduzierenden Antiepileptika kürzer als bei Monotherapie. Nach oraler Applikation werden ca. 80 - 90% der Dosis über die Nieren ausgeschieden. Ca. 30 – 60% werden unverändert ausgeschieden. Mehr als 25% werden als Metabolit (hydroxyliertes Sultiam) ausgeschieden.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Nicht verfügbar.

Präklinische Daten

Basierend auf den konventionellen Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Genotoxizität
Sultiam besass in drei verschiedenen In-vitro-Versuchsanordnungen kein mutagenes Potential.
Kanzerogenität
Langzeituntersuchungen zur Karzinogenität liegen nicht vor.
Reproduktionstoxizität
Sultiam ist unzureichend auf reproduktions-toxische Eigenschaften geprüft. In einer Embryotoxizitätsstudie an Ratten wurden bei einer Dosis von 30 mg/kg/Tag embryotoxische Effekte festgestellt.
Untersuchungen auf Fertilitätsstörungen und Auswirkungen auf die periund postnatale Entwicklung der Nachkommen fehlen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit „EXP“ bezeichneten Datum verwendet werden.
Nach dem Öffnen 12 Wochen haltbar.
Besondere Lagerungshinweise
Bei Raumtemperatur (15-25°C) lagern.
In der Originalverpackung aufbewahren.
Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

Ospolot Filmtabletten: 55603 (Swissmedic)
Ospolot Suspension zum Einnehmen: 69828 (Swissmedic)

Packungen

Ospolot® 50 mg Filmtabletten: 50 [B]
Ospolot® 200 mg Filmtabletten teilbar mit Bruchrille: 50 [B]
Ospolot® Suspension zum Einnehmen: 250 ml Suspension zum Einnehmen einer Braunglas-Flasche (Typ III) mit einem kindergesicherten Verschluss (Polypropylen) in einem Umkarton, der ausserdem eine 10 ml
Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmen (Polyethylen, Polypropylen) mit
Skalierungsschritten von jeweils 0,25 ml und einen Adapter für die Applikationsspritze enthält.

Zulassungsinhaberin

Desitin Pharma GmbH, 4410 Liestal

Stand der Information

April 2025

2026 ©ywesee GmbH
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