Eigenschaften/WirkungenATC-Code
C03DA05
Wirkungsmechanismus
Finerenon ist ein nichtsteroidaler, selektiver Antagonist des Mineralokortikoid-Rezeptors (MR) und schwächt die durch eine MR-Überaktivierung vermittelte Entzündung und Fibrose wirksam ab. Der MR wird in Nieren, Herz und Blutgefässen exprimiert, wo Finerenon auch der Natriumretention und hypertrophen Prozessen entgegenwirkt. Finerenon hat aufgrund seiner nichtsteroidalen Struktur und seines sperrigen Bindungsmodus eine hohe Potenz und Selektivität für den MR. Finerenon hat keine relevante Affinität für Androgen-, Progesteron-, Östrogen- sowie Glukokortikoidrezeptoren und verursacht daher keine geschlechtshormonbedingten Nebenwirkungen (wie z.B. Gynäkomastie). Seine Bindung an den MR führt zu einem spezifischen Rezeptor-Ligand-Komplex, der die Rekrutierung von transkriptionellen Koaktivatoren blockiert, die an der Expression von proinflammatorischen und profibrotischen Mediatoren beteiligt sind.
Pharmakodynamik
Wirkungen bei gesunden Probanden
Mehrdosisschemata (Tagesdosen von 20 mg oder 40 mg über 10 Tage) führten zur Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), d.h. zu reversiblen Anstiegen der Plasma-Renin-Aktivität und der Serumaldosteronkonzentrationen, wobei innerhalb von 48 Stunden nach der letzten Dosis wieder die Ausgangswerte erreicht wurden.
Nach Aktivierung des MR mit seinem Agonisten Fludrocortison zeigten Einzeldosen Finerenon von bis zu 20 mg dosisabhängige natriuretische Wirkungen, sowie eine verringerte Kaliumausscheidung im Urin verglichen mit Placebo.
Einzel- oder Mehrfachdosen von Finerenon hatten bei gesunden Probanden keinen Einfluss auf die Vitalzeichen.
Wirkungen auf den Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin (UACR)
In den zwei Phase-III-Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung betrug die placebokorrigierte relative Reduktion des UACR bei Patienten, die randomisiert einer Behandlung mit Finerenon zugeteilt waren, nach 4 Monaten 31 % bzw. 32 %. Die Senkung des UACR persistierte in beiden Studien.
In der Phase-III-Studie FINEARTS-HF bei Patienten mit Herzinsuffizienz (LVEF ≥40 %) betrug die placebokorrigierte relative Reduktion des UACR bei Patienten, die randomisiert einer Behandlung mit Finerenon zugeteilt waren, nach 6 Monaten 30 % und der UACR blieb bis zur letzten Messung nach 2 Jahren auf niedrigerem Niveau.
In der Studie ARTS-DN, einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Phase-IIb-Dosisfindungsstudie an Erwachsenen mit chronischer Nierenkrankheit und Typ-2-Diabetes betrug die placebokorrigierte relative Reduktion des UACR nach 90 Tagen 25 % bzw. 38 % bei den mit Finerenon 10 mg bzw. 20 mg einmal täglich behandelten Patienten.
Kardiale Elektrophysiologie
Eine eingehende QT-Studie mit 57 gesunden Probanden ergab keine Hinweise auf eine QT/QTc-verlängernde Wirkung von Finerenon nach Einzeldosen von 20 mg (therapeutisch) oder 80 mg (supratherapeutisch), was darauf hindeutet, dass Finerenon keine Wirkung auf die kardiale Repolarisation hat.
Klinische Wirksamkeit
Chronische Nierenerkrankung
Finerenon wurde in den zwei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Phase-III-Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD untersucht.
Die FIDELIO-DKD Studie untersuchte die Wirkung von Finerenon verglichen mit Placebo auf renale und kardiovaskuläre Ergebnisse bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (Einschlusskriterien: a) moderate Albuminurie [UACR ≥30 - < 300 mg/g] und eGFR 25 - 60 ml/min/1.73 m2 bei gleichzeitigem Vorliegen einer diabetischen Retinopathie ODER b) schwere Albuminurie [UACR ≥300 mg/g] und eGFR 25 – 75 ml/min/1.73 m2). In die Studie eingeschlossene Patienten mussten einen Serumkaliumspiegel von ≤4.8 mmol/l aufweisen und eine Vorbehandlung mit einer Standardtherapie, inklusive einer maximal verträglichen Dosis eines Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmers (ACEI [34 %]) oder eines Angiotensinrezeptorblockers (ARB [66%]) erhalten Die Indikation für eine Behandlung mit einem MRA gemäss Leitlinien (wie symptomatische chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion) war ein Ausschlusskriterium.
Der primäre Endpunkt der FIDELIO-DKD-Studie war zusammengesetzt aus der Zeit bis zum ersten Auftreten eines Nierenversagens (definiert als chronische Dialyse, Nierentransplantation oder Abfall der eGFR auf < 15 ml/min/1.73 m2 über mindestens vier Wochen), einer Abnahme der eGFR um ≥40 % gegenüber dem Ausgangswert über mindestens vier Wochen oder eines nierenbedingten Todes. Sekundärer Schlüsselendpunkt war ein zusammengesetzter kardiovaskulärer Endpunkt bestehend aus der Zeit bis zum ersten Auftreten von kardiovaskulärem (KV) Tod, nichttödlichem Myokardinfarkt (MI), nichttödlichem Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz.
Die Studie untersuchte 5662 Patienten, welche im Verhältnis 1:1 für die Behandlung mit Finerenon einmal täglich (n = 2824) oder Placebo (n = 2838) randomisiert wurden. Die Anfangsdosis betrug entweder 10 mg [bei einer eGFR von 25 - < 60 ml/min/1.73 m2] oder 20 mg [bei einer eGFR von ≥60 ml/min/1.73 m2]. Die Dosisstärke wurde im Verlauf der Studie auf 10 mg oder 20 mg QD, hauptsächlich auf Grund des Serumkaliumspiegels, angepasst. Die mediane Beobachtungsdauer betrug 2.6 Jahre. Die Studienpopulation war zu 63 % weisser, zu 25 % asiatischer und zu 5 % schwarzer Abstammung. Das mittlere Alter bei der Rekrutierung betrug 66 Jahre, und 70 % der Patienten waren Männer. Der mittlere eGFR-Ausgangswert betrug 44.4 ml/min/1.73 m2 und 55 % der Patienten hatten eine eGFR < 45 ml/min/1.73 m2. Der mediane UACR betrug 853 mg/g, das mittlere glykierte Hämoglobin A1c (HbA1c) betrug 7.7 %. Zirka 46 % der Studienteilnehmer hatten eine atherosklerotische kardiovaskuläre Vorerkrankung, 30 % eine koronare Herzkrankheit und 8 % eine Herzinsuffizienz in der Anamnese. Der mittlere Blutdruck betrug 138/76 mmHg. Die mittlere Dauer seit Diagnose des Typ-2-Diabetes bei Aufnahme in die Studie betrug 16.6 Jahre, und bei Studienbeginn erhielten nahezu alle Studienteilnehmer (97%) ein oder mehrere Antidiabetika (Insulin [64 %], Biguanide [44 %], Glucagon-like-Peptid-1-[GLP-1-]Rezeptoragonisten [7 %], Natrium-Glukose-Cotransporter-2-[SGLT2-]Inhibitoren [5 %]). Ausserdem wiesen 47 % bzw. 26 % der Patienten zu Studienbeginn eine vorbestehende diabetische Retinopathie und diabetische Neuropathie auf. Der Grossteil der Patienten erhielt zusätzlich ein Statin (74 %) und/oder einen Calciumantagonisten (63 %).
Die FIDELIO-DKD Studie zeigte eine Überlegenheit der Behandlung mit Finerenon gegenüber Placebo für den kombinierten (renalen) primären Endpunkt (HR 0.82, 95%-KI 0.73–0.92, p = 0.0009; siehe Tabelle 4 und Abbildung 1).
Ferner reduzierte Finerenon signifikant das Risiko für den kombinierten (kardiovaskulären) sekundären Schlüsselendpunkt (HR 0.86, 95%-KI 0.75–0.99, p = 0.0344; siehe Tabelle 4 und Abbildung 2). Im Finerenon-Arm ergaben sich im Vergleich zum Placebo-Arm niedrigere Inzidenzraten in Bezug auf Herzinsuffizienz, nichttödlichem MI und kardiovaskulär bedingtem Tod. Nichttödliche Schlaganfälle traten in beiden Behandlungsarmen mit ähnlicher Inzidenz auf (siehe Tabelle 4).
Tabelle 4: Analyse der primären und wichtigsten sekundären Ereigniszeit-Endpunkte (und ihrer Einzelkomponenten) in der Phase-III-Studie FIDELIO-DKD
Patienten mit
chronischer Nierener
krankung und Typ-2-D
iabetes
Finerenon* 10 oder Placebo* n = 2838 Behandlungseffekt
20 mg 1x täglich n Finerenon/Placebo
= 2824
Primäre und sekundär n (%) Ereignisrate (100 n (%) Ereignisrate (100 Hazard Ratio (95%-KI p-Wert
e Ereigniszeit-Endpu Pt.j.) Pt.j.) )
nkte:
Primärer kombinierte 498 (17.6 %) 7.53 600 (21.1 %) 9.09 0.82 [0.73; 0.92] 0.0009
r Endpunkt "Nierenve
rsagen, anhaltende
eGFR-Abnahme ≥40 %
oder nierenbedingter
Tod"
Nierenversagen 205 (7.3 %) 2.96 235 (8.3 %) 3.39 0.86 [0.72; 1.05] -
Anhaltende eGFR-Abna 473 (16.7 %) 7.15 577 (20.3 %) 8.74 0.81 [0.72; 0.91] -
hme ≥40 %
Nierenbedingter Tod 2 (< 0.1 %) - 2 (< 0.1 %) - - -
Sekundärer kombinier 366 (13.0 %) 5.11 420 (14.8 %) 5.93 0.86 [0.75; 0.99] 0.0344
ter Endpunkt "KV
Tod, nichttödlicher
MI, nichttödlicher
Schlaganfall oder
Hospitalisierung
wegen Herzinsuffizie
nz"
KV Tod 128 (4.5 %) 1.70 150 (5.3 %) 1.99 0.86 [0.68; 1.09] -
Nichttödlicher MI 70 (2.5 %) 0.94 87 (3.1 %) 1.18 0.80 [0.58; 1.09] -
Nichttödlicher 90 (3.2 %) 1.22 87 (3.1 %) 1.18 1.03 [0.77; 1.38] -
Schlaganfall
Hospitalisierung 138 (4.9 %) 1.88 162 (5.7 %) 2.22 0.85 [0.68; 1.07] -
wegen Herzinsuffizie
nz
* Behandlung zusätzl
ich zu maximal
verträglichen
zugelassenen Dosen
von ACEI oder ARB.
Abbildung 1: Zeit bis zum ersten Auftreten von Nierenversagen, anhaltender eGFR-Abnahme ≥40 % vs. Ausgangswert oder nierenbedingtem Tod in der FIDELIO-DKD-Studie

Abbildung 2: Zeit bis zum ersten Auftreten von KV Tod, nichttödlichem MI, nichttödlichem Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz in der FIDELIO-DKD-Studie

Die FIGARO-DKD Studie untersuchte die Wirkung von Finerenon gegenüber Placebo auf das Eintreten kardiovaskulärer und renaler Ereignisse bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (Einschlusskriterien: a) moderate Albuminurie [UACR ≥30 - < 300 mg/g] und eGFR 25 - 90 ml/min/1.73 m2 ODER b) schwere Albuminurie [UACR ≥300 mg/g] und eGFR ≥60 ml/min/1.73 m2). Um in die Studie eingeschlossen zu werden, mussten die Patienten ausserdem einen Serumkaliumspiegel von ≤4.8 mmol/l aufweisen sowie bereits eine Vorbehandlung mit einer Standardtherapie, inklusive einer maximal verträglichen Dosis eines Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmers (ACEI [43 %]) oder eines Angiotensinrezeptorblockers (ARB [57%]) erhalten. Die Indikation für eine Behandlung mit einem MRA gemäss Leitlinien (wie symptomatische chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion) war ein Ausschlusskriterium.
Der primäre Endpunkt in der FIGARO-DKD-Studie war ein zusammengesetzter kardiovaskulärer (KV) Endpunkt bestehend aus der Zeit bis zum ersten Auftreten von KV Tod, nichttödlichem MI, nichttödlichem Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz. Sekundärer Schlüsselendpunkt war ein zusammengesetzter renaler Endpunkt aus der Zeit bis zum Nierenversagen, einer Abnahme der eGFR um ≥40 % gegenüber dem Ausgangswert über mindestens vier Wochen oder eines nierenbedingten Todes.
Die Studie untersuchte 7328 Patienten, welche im Verhältnis 1:1 für die Behandlung mit Finerenon (n = 3674) oder Placebo (n = 3654) randomisiert wurden. Die Anfangsdosis betrug entweder 10 mg [bei einer eGFR von 25 - < 60 ml/min/1.73 m2] oder 20 mg [bei einer eGFR von ≥60 ml/min/1.73 m2]. Die Dosisstärke wurde im Verlauf der Studie auf 10 mg oder 20 mg QD, hauptsächlich auf Grund des Serumkaliumspiegels, angepasst. Die mediane Beobachtungsdauer betrug 3.4 Jahre. Die Studienpopulation war zu 72 % weisser, zu 20 % asiatischer und zu 4 % schwarzer Abstammung. Das mittlere Alter bei der Rekrutierung betrug 64 Jahre, und 69 % der Patienten waren Männer. Der mittlere eGFR-Ausgangswert betrug 67.8 ml/min/1.73 m2 und 62 % der Patienten hatten eine eGFR ≥60 ml/min/1.73 m2. Der mediane UACR betrug 309 mg/g, das mittlere glykierte Hämoglobin A1c (HbA1c) betrug 7.7 %. Zirka 45 % der Studienteilnehmer hatten eine atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung in der Anamnese, 8 % hatten eine Herzinsuffizienz in der Anamnese. Der mittlere Blutdruck betrug 136/77 mmHg. Die mittlere Dauer des Typ-2-Diabetes bei Aufnahme in die Studie betrug 14.5 Jahre und bei Studienbeginn erhielten nahezu alle Studienteilnehmer (98%) ein oder mehrere Antidiabetika (Insulin [54 %], Biguanide [69 %], GLP-1-Rezeptoragonisten [8 %], SGLT2-Inhibitoren [8 %]). Ausserdem wiesen 31 % bzw. 28% der Patienten zu Studienbeginn eine vorbestehende diabetische Retinopathie und diabetische Neuropathie auf. Der Grossteil der Patienten erhielt zusätzlich ein Statin (71 %).
Finerenon reduzierte signifikant das Risiko für den primären (kardiovaskulären) kombinierten Endpunkt verglichen mit Placebo (HR 0.87, 95%-KI 0.76–0.98, p = 0.0254) (siehe Abbildung 3 und Tabelle 5). Der Behandlungseffekt für den primären Endpunkt war in allen Untergruppen, darunter Region, eGFR, UACR, systolischer Blutdruck und HbA1c zur Baseline, einheitlich. In dem Finerenon-Arm wurde im Vergleich zum Placebo-Arm eine niedrigere Inzidenzrate des kombinierten sekundären (renalen) Endpunkts aus Nierenversagen, anhaltender eGFR-Abnahme ≥40 % oder nierenbedingtem Tod beobachtet; dieser Unterschied erreichte jedoch keine statistische Signifikanz (HR 0.87, 95%-KI 0.75–1.01, p = 0.0635) (siehe Abbildung 4 und Tabelle 5).
Tabelle 5: Analyse der primären und sekundären Ereigniszeit-Endpunkte (und ihrer Einzelkomponenten) in der Phase-III-Studie FIGARO-DKD
Patienten mit
chronischer Nierener
krankung und Typ-2-D
iabetes
Finerenon* 10 oder Placebo* n = 3654 Behandlungseffekt
20 mg 1x täglich n Finerenon/Placebo
= 3674
Primäre und sekundär n (%) Ereignisrate (100 n (%) Ereignisrate (100 Hazard Ratio (95%-KI p-Wert
e Ereigniszeit-Endpu Pt.j.) Pt.j.) )
nkte:
Primärer kombinierte 457 (12.4 %) 3.88 518 (14.2 %) 4.46 0.87 [0.76; 0.98] 0.0254
r Endpunkt "KV Tod,
nichttödlicher MI,
nichttödlicher
Schlaganfall oder
Hospitalisierung
wegen Herzinsuffizie
nz"
KV Tod 193 (5.3 %) 1.56 214 (5.9 %) 1.75 0.89 [0.73; 1.08] -
Nichttödlicher MI 103 (2.8 %) 0.85 101 (2.8 %) 0.84 1.00 [0.76; 1.32] -
Nichttödlicher 108 (2.9 %) 0.89 111 (3.0 %) 0.93 0.97[0.74; 1.26] -
Schlaganfall
Hospitalisierung 117 (3.2 %) 0.97 163 (4.5 %) 1.36 0.71 [0.56; 0.90] -
wegen Herzinsuffizie
nz
Kombinierter Endpunk 350 (9.5 %) 3.17 395 (10.8 %) 3.59 0.87 [0.75; 1.01] 0.0635**
t "Nierenversagen,
anhaltende eGFR-Abna
hme ≥40 % oder
nierendbedingter
Tod"
Nierenversagen 46 (1.3 %) 0.40 62 (1.7 %) 0.55 0.72 [0.49; 1.05] -
Anhaltende eGFR-Abna 338 (9.2 %) 3.06 385 (10.5 %) 3.50 0.86 [0.74; <1.00] -
hme ≥40 %
Nierenbedingter Tod 0 - 2 (<0.1 %) - - -
* Behandlung zusätzl
ich zu maximal
verträglichen
zugelassenen Dosen
von ACEI oder ARB.
** Nicht signifikant
.
Abbildung 3: Zeit bis zum ersten Auftreten von KV Tod, nichttödlichem MI, nichttödlichem Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz in der FIGARO-DKD-Studie

Abbildung 4: Zeit bis zum ersten Auftreten von Nierenversagen, anhaltender eGFR-Abnahme ≥40 % vs. Ausgangswert oder nierenbedingtem Tod in der FIGARO-DKD-Studie

In einer vorgegebenen gepoolten Analyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD reduzierte Finerenon das Risiko für den kombinierten kardiovaskulären Endpunkt "Zeit bis zum Eintritt von KV Tod, nichttödlichem MI, nichttödlichem Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz" verglichen mit Placebo (HR 0.86 [95%-KI 0.78; 0.95]) (siehe Abbildung 5). Das Risiko für den kombinierten renalen Endpunkt "Zeit bis zum Eintritt von Nierenversagen, anhaltender eGFR-Abnahme ≥40 % gegenüber dem Ausgangswert oder nierenbedingtem Tod" war ebenfalls reduziert mit Finerenon verglichen mit Placebo (HR 0.84 [95%-KI 0.77; 0.92]), ebenso wie der kombinierte Endpunkt aus Zeit bis zum Eintritt von Nierenversagen, anhaltender eGFR-Abnahme ≥57 % (entspricht etwa einer Verdoppelung des Serumkreatinins) gegenüber dem Ausgangswert oder nierenbedingtem Tod (HR 0.76 [95%-KI 0.66; 0.88]) (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Kombinierte kardiovaskuläre und renale Endpunkte in der gepoolten Analyse von FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD

Herzinsuffizienz
Finerenon wurde in der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Phase-III-Studie FINEARTS-HF bei erwachsenen Patienten mit Herzinsuffizienz und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) ≥40 % untersucht. In FINEARTS-HF wurden Patienten aufgenommen, bei denen Herzinsuffizienz mit NYHA-(New York Heart Association-)Klasse II–IV diagnostiziert worden war und die ambulant oder stationär primär wegen Herzinsuffizienz mit dokumentierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) ≥40 % behandelt wurden. Weitere Einschlusskriterien waren eine eGFR ≥25 ml/min/1.73m2 und ein Serumkaliumspiegel ≤5.0 mmol/l. Alle Patienten erhielten bereits eine Standardtherapie für Herzinsuffizienz inklusive Diuretika.
Der primäre Endpunkt der FINEARTS-HF Studie war zusammengesetzt aus kardiovaskulärem (KV) Tod und den gesamten (ersten und wiederkehrenden) Herzinsuffizienzereignissen, bestehend aus Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz und dringenden Arztbesuchen wegen Herzinsuffizienz. Wichtige sekundäre Endpunkte waren gesamte (erste und wiederkehrende) Herzinsuffizienzereignisse, Veränderung des Gesamtsymptomscores (TSS) des Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire (KCCQ) (zur Quantifizierung der Häufigkeit und Schwere der Herzinsuffizienzsymptome) von Studienbeginn bis Monat 6, 9 und 12, Verbesserung in der NYHA-Klasse von Studienbeginn bis Monat 12 und erstes Auftreten des zusammengesetzten renalen Endpunkts (anhaltende [≥4 Wochen] Verminderung der eGFR um ≥50 % seit Studienbeginn oder unter den Wert von 15 ml/min/1.73m2, oder Beginn der Dialyse oder Nierentransplantation) und Zeit bis zur Gesamtmortalität.
Die Studie untersuchte 6001 Patienten, welche randomisiert (1:1) mit Finerenon (n = 3003) oder Placebo (n = 2998) behandelt wurden. Die individuelle Dosis war abhängig von der Nierenfunktion (Zieldosis von 20 mg bei einer eGFR ≥25 - < 60 ml/min/1.73 m2 und 40 mg bei einer eGFR ≥60 ml/min/1.73 m2) und dem Ausmass des Anstiegs des Serumkaliumspiegels unter der Finerenon-Behandlung. Nach 24 Monaten war die Verteilung der Dosis im Fineronon Arm wie folgt: 35 % erhielten 40 mg einmal täglich, 32 % erhielten 20 mg einmal täglich, 12 % erhielten 10 mg einmal täglich und 1 % hatte die Behandlung unterbrochen. Etwa 80 % der Patienten erreichten zu irgendeinem Zeitpunkt während der Behandlung ihre Zieldosis.
Die Studie schloss 3247 (54 %) Patienten mit einem Herzinsuffizienzereignis in den letzten 3 Monaten ein, darunter 1219 (20 %) Patienten, die während des stationären Aufenthalts oder innerhalb von 7 Tagen nach der Entlassung randomisiert wurden.
Die mediane Beobachtungsdauer betrug 2.7 Jahre. Der Vitalstatus am Studienende war für 99.7 % der Patienten bekannt. Die Studienpopulation war zu 79 % weisser, zu 17 % asiatischer und zu 1.5 % schwarzer Abstammung. Das mittlere Alter bei der Rekrutierung betrug 72 Jahre, und 46 % der Patienten waren Frauen. Der mittlere LVEF-Ausgangswert betrug 53 %, wobei 64 % der Patienten eine LVEF ≥50 % aufwiesen und 69 % bzw. 30 % der Patienten in NYHA-Klasse II bzw. III eingestuft waren. Der mittlere Blutdruck betrug 129/75 mmHg und der mittlere BMI (Body Mass Index) 30 kg/m2. Der mediane NT-proBNP-Wert war 1041 pg/ml, die mittlere eGFR betrug 62 ml/min/1.73m2, wobei 48 % der Patienten eine eGFR < 60 ml/min/1.73m2 aufwiesen, und der mediane UACR betrug 18 mg/g. Vorhofflimmern lag bei 38 % der Patienten vor und 41 % hatten Typ-2-Diabetes mellitus. Die Mehrheit der Patienten wurde mit Schleifendiuretika (87 %), einem Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer (ACEi) oder Angiotensinrezeptorblocker (ARB) (79 %) behandelt, 9 % erhielten einen Angiotensinrezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) und 14 % SGLT2-Inhibitoren.
Finerenon reduzierte signifikant das Risiko für den primären kombinierten Endpunkt verglichen mit Placebo (RR 0.84, 95%-KI 0.74–0.95, p = 0.0072) (siehe Abbildung 6 und Tabelle 6). Der Effekt wurde bereits frühzeitig beobachtet, wobei sich die Ereigniskurven ab dem ersten Monat trennten und während des gesamten Studienzeitraums weiter divergierten (siehe Abbildung 6). Finerenon zeigte auch Überlegenheit gegenüber Placebo bei den sekundären Endpunkten der gesamten Herzinsuffizienzereignisse (RR 0.82, 95%-KI 0.71–0.94, p = 0.0062) und der Veränderung KCCQ-TSS vom Ausgangswert bis Monat 6, 9 und 12, was auf Verbesserungen der Symptomhäufigkeit und Symptomschwere hindeutet (adjustierter Mittelwert 1.56, 95%-KI 0.79–2.34, p < 0,0001). Ein numerischer Nutzen von Finerenon im Vergleich zu Placebo wurde bei der Zeit bis zur Gesamtmortalität nachgewiesen, doch dieser Endpunkt erreichte keine statistische Signifikanz (HR 0.93, 95%-KI 0.83–1.06). Die konfirmatorischen sekundären Wirksamkeitsendpunkte sind in Tabelle 6 aufgeführt. Der Behandlungseffekt für den primären und relevante sekundäre Endpunkte war für alle präspezifizierten Subgruppen konsistent, darunter Geschlecht, LVEF, NYHA-Klasse, eGFR, Zeit seit dem letzten Herzinsuffizienzereignis, Therapie mit SGLT2-Inhibitor und Status Typ-2-Diabetes mellitus.
Tabelle 6: Analyse der primären und sekundären Endpunkte (und ihrer Einzelkomponenten bei Ereigniszeit-Endpunkten) in der Phase-III-Studie FINEARTS-HF
Patienten mit
Herzinsuffizienz
und LVEF ≥40 %
Finerenon 10 oder Placebo n = 2998 Behandlungseffekt
20 oder 40 mg 1x Finerenon/Placebo
täglich n = 3003
Primäre und sekundär [Ereignisse gesamt] Ereignisrate(100 [Ereignisse gesamt] Ereignisrate (100 Hazard Ratio (HR) p-Wert
e Wirksamkeitsendpun n (%) {LS-Mittelwert Pt.j) n (%) {LS-Mittelwert Pt.j) Odds Ratio (OR)
kte: } } Rate Ratio (RR)
LS-Mittelwert-Differ
enz (LSM) [95%-KI]
Primärer kombinierte [1083] 624 (20.8%) 14.88 [1283] 719 (24.0%) 17.70 RR 0.84[0.74, 0.95] 0.0072
r Endpunkt aus KV
Tod und gesamten
Herzinsuffizienzerei
gnissen
Gesamte Herzinsuffiz [842] 479 (16.0%) 11.57 [1024] 573 (19.1%) 14.12 RR 0.82[0.71, 0.94] 0.0062
ienzereignisse
KV Tod 242(8.1%) 3.33 260(8.7%) 3.59 HR 0.93[0.78, 1.11] -
Veränderung des {7.99} - {6.43} - LSM 1.56[0.79, 2.34] <0.0001
KCCQ-TSS gegenüber
Ausgangswert
Verbesserung der 557† (18.6%) - 553(18.4%) - OR 1.01[0.88, 1.15] 0.9295*
NYHA-Klasse
* Nicht signifikant
(Testverfahren
gestoppt) † N = 3002
Abbildung 6: Primärer kombinierter Endpunkt aus KV Tod und gesamten Herzinsuffizienzereignissen in der Phase-III-Studie FINEARTS-HF

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