ZusammensetzungWirkstoffe
Concizumab*
*hergestellt durch rekombinante DNA-Technologie in Ovarialzellen des Chinesischen Hamsters (Chinese Hamster Ovary Cells, CHO-Zellen).
Hilfsstoffe
L-Argininihydrochloridum, L-Histidinum, Natrii chloridum, Saccharum, Polysorbatum 80, Phenolum, Acidum hydrochloridum / Natrii hydroxidum (zur pH-Wert-Einstellung), Aqua ad iniectabile
Das Arzneimittel enthält maximal 0.832 mg/ml Natrium.
Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro EinheitAlhemo 15 mg/1.5 ml (10 mg/ml) Injektionslösung
1 ml Lösung enthält 10 mg Concizumab. Ein Fertigpen enthält 15 mg Concizumab in 1.5 ml Lösung.
Alhemo 60 mg/1.5 ml (40 mg/ml) Injektionslösung
1 ml Lösung enthält 40 mg Concizumab. Ein Fertigpen enthält 60 mg Concizumab in 1.5 ml Lösung.
Alhemo 150 mg/1.5 ml (100 mg/ml) Injektionslösung
1 ml Lösung enthält 100 mg Concizumab. Ein Fertigpen enthält 150 mg Concizumab in 1.5 ml Lösung.
Alhemo 300 mg/3 ml (100 mg/ml) Injektionslösung
1 ml Lösung enthält 100 mg Concizumab. Ein Fertigpen enthält 300 mg Concizumab in 3 ml Lösung.
Indikationen/AnwendungsmöglichkeitenConcizumab ist indiziert für die Behandlung jugendlicher und erwachsener Patienten (ab 12 Jahren) mit
-Hämophilie A (kongenitaler Faktor-VIII-Mangel) mit FVIII-Inhibitoren,
schwerer Hämophilie A (kongenitaler Faktor-VIII-Mangel, FVIII < 1 %) ohne FVIII-Inhibitoren,
-Hämophilie B (kongenitaler Faktor-IX-Mangel) mit FIX-Inhibitoren,
mittelschwerer/schwerer Hämophilie B (kongenitaler Faktor-IX-Mangel, FIX ≤2 %) ohne Inhibitoren,
die eine routinemässige Prophylaxe zur Verhinderung oder Verringerung der Häufigkeit von Blutungsepisoden benötigen.
Es gibt nur begrenzte klinische Erfahrungen in der Anwendung von Concizumab bei Patienten mit bekannter leichter oder mittelschwerer Hämophilie A (FVIII-Aktivität > 2 %) sowie leichter Hämophilie B (FIX-Aktivität > 2 %).
Dosierung/AnwendungDie Therapie muss unter Aufsicht eines in der Behandlung von Hämophilie und/oder Blutungsstörungen erfahrenen Arztes eingeleitet werden. Die Therapie muss im nicht blutenden Stadium eingeleitet werden.
Eine Behandlung mit rFVIIa sollte mindestens 12 Stunden und eine Behandlung mit aPCC mindestens 48 Stunden vor Beginn der Therapie mit Concizumab abgesetzt werden.
-Vor Beginn der Behandlung mit Concizumab sollten die Patienten die prophylaktische Behandlung mit Bypass-Mitteln absetzen.
-Die Behandlung mit rFVIIa sollte mindestens 12 Stunden vor Beginn der Behandlung mit Concizumab und die Behandlung mit aPCC sollte mindestens 48 Stunden vor Beginn der Behandlung mit Concizumab abgesetzt werden. Die prophylaktische Anwendung von Faktor-VIII(FVIII)- oder Faktor-IX(FIX)-Produkten sollte mindestens zwei Halbwertszeiten vor Beginn der Concizumab-Therapie beendet werden. Es liegen keine klinischen Studiendaten vor, die den Umstieg von Patienten von Nicht-Faktor-Therapien auf Concizumab unterstützen. Ein Auswaschintervall von ungefähr 5 Halbwertszeiten der vorherigen Therapie, basierend auf der in der jeweiligen Fachinformation angegebenen Halbwertszeit, kann vor Beginn der Concizumab Prophylaxe in Betracht gezogen werden. Hämostatische Unterstützung mit Faktorprodukten oder Bypassing-Präparaten kann während des Wechsels von nicht-faktorbasierten Produkten erforderlich sein.
-Hämophilie-A-Patienten mit und ohne Faktor VIII-Inhibitoren sollten Emicizumab 6 Monate vor Beginn der Behandlung mit Concizumab absetzen.
-Concizumab ist für die Selbstverabreichung durch den Patienten oder durch eine Betreuungsperson (z.B. Eltern) nach entsprechender Schulung durch medizinisches Fachpersonal vorgesehen.
-Intramuskuläre Injektionen sollten vermieden werden, da diese unbeabsichtigt erfolgen können, insbesondere bei schlanken und jüngeren Patienten, wird bei denen eine Injektion in eine locker gehaltene Hautfalte empfohlen.
Um die Rückverfolgbarkeit von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln sicherzustellen, wird empfohlen, Handelsname und Chargennummer bei jeder Behandlung zu dokumentieren.
Therapieeinleitung
Das empfohlene Dosierungsschema ist eine Initialdosis von 1 mg/kg am ersten Tag, gefolgt von einer anfänglichen Tagesdosis von 0.2 mg/kg, auf die eine individuelle tägliche Erhaltungsdosis nach dem folgenden Schema folgt:
-Tag 1: eine einmalige Initialdosis von 1 mg/kg
-Tag 2 und bis zur individuellen Einstellung der Erhaltungsdosis (siehe unten): einmalig täglich eine Dosis von 0.20 mg/kg
-4 Wochen nach Therapieeinleitung: Messung der Concizumab-Konzentration im Plasma vor der Dosis mittels einem validierten Concizumab-ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay)
-Sobald das Ergebnis der Concizumab-Konzentration im Plasma für Woche 4 vorliegt, wird die individuelle Erhaltungsdosis wie unten in Tabelle 1 angegeben festgelegt.
Erhaltungstherapie
Tabelle 1 Individuelle Erhaltungsdosis auf Basis der Concizumab-Konzentration im Plasma
Concizumab-Konzentration im Plasma Einmal tägliche Dosis Concizumab
<200 ng/ml 0.25 mg/kg
200−4000 ng/ml 0.20 mg/kg
>4000 ng/ml 0.15 mg/kg
Concizumab kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Tages verabreicht werden, es wird jedoch empfohlen, den Patienten zu raten, die Injektion jeden Tag zur gleichen Zeit vorzunehmen, um zu verhindern, dass die Dosen zu dicht beieinander liegen.
Die individuelle Erhaltungsdosis sollte so früh wie möglich (nachdem das Ergebnis der Concizumab-Konzentration im Plasma 4 Wochen nach Therapieeinleitung vorliegt) und nicht später als 6-8 Wochen nach Behandlungsbeginn festgelegt werden. Die individuelle Erhaltungsdosis sollte nur bei Patienten bestimmt werden, die ihre anfängliche tägliche Dosis zuverlässig anwenden. Patienten, die während dieser Dosisfindungsphase aufeinanderfolgende Tagesdosen auslassen, sollten ihren Arzt bzw. ihre Ärztin informieren, damit vor der Messung der Concizumab-Plasmakonzentrationen ein neuer vierwöchiger ununterbrochener Tagesdosiszeitraum festgelegt wird.
In der Studie Explorer7 wurde bei 110 Patienten, die in Woche 4 eine Concizumab-Konzentration im Plasma aufwiesen, in 71.8 % (n = 79) der Patienten die Tagesdosis von 0.20 mg/kg beibehalten, bei 27.3 % (n = 30) der Patienten wurde die Dosis auf 0.25 mg/kg pro Tag erhöht und bei 0.9 % (n = 1) der Patienten wurde die Dosis auf 0.15 mg/kg verringert.
In der Studie Explorer8 wurde unter den 138 Patienten mit einer Concizumab-Konzentration in Woche 4 bei 67.4 % (n = 93) der Patienten die Tagesdosis von 0.20 mg/kg beibehalten, bei 25.4 % (n = 35) der Patienten die Dosis auf 0.25 mg/kg pro Tag erhöht und bei 7.2 % (n = 10) der Patienten die Dosis auf 0.15 mg/kg verringert.
Bei Patienten mit einer Concizumab-Plasmakonzentration entweder unter 200 ng/ml oder über 4000 ng/ml, bei denen eine Dosissteigerung auf 0.25 mg/kg oder eine Reduktion auf 0.15 mg/kg erforderlich war, sollte eine zweite Messung der Concizumab-Konzentration in Betracht gezogen werden. Idealerweise sollte die zweite Concizumab-Konzentration 8 Wochen nach Beginn der niedrigeren Dosis gemessen werden, um sicherzustellen, dass die Patienten den Steady-State erreichen. Bleibt die Plasmakonzentration unter 200 ng/ml oder über 4000 ng/ml, sollte der Nutzen von Concizumab gegen das potenziell erhöhte Risiko für Blutungen oder thromboembolische Ereignisse abgewogen werden.
Zusätzliche Messungen der Concizumab-Plasmakonzentration können auch nach 8 Wochen mit der gleichen Erhaltungsdosis je nach dem Gesundheitszustand des Patienten vorgenommen werden. Dies sollte z.B. in Betracht gezogen werden, wenn bei einem Patienten eine erhöhte Blutungshäufigkeit auftritt oder eine Begleiterkrankung hinzukommt, die sich auf das Gerinnungssystem oder den Arzneimittelstoffwechsel / die Arzneimittelexkretion des Patienten auswirken könnte. Da Concizumab nach Körpergewicht (mg/kg) dosiert wird, ist es wichtig, die Dosis (mg) neu zu berechnen, wenn sich das Körpergewicht ändert.
In einigen Fällen kann eine häufigere therapeutische Überwachung der Concizumab-Plasmakonzentration als angemessen erachtet werden (halbjährlich oder jährlich); dies sollte in Konsultation mit dem Patienten besprochen werden.
Berechnung der Dosis
Die Dosis (in mg) wird wie folgt berechnet:
Körpergewicht des Patienten (kg) x Dosis (1, 0.15, 0.20 oder 0.25 mg/kg) = zu verabreichende Gesamtmenge (mg) an Concizumab.
Die Dosis wird in den folgenden Schritten eingestellt:
-0.1 mg beim Pen mit 15 mg/1.5 ml (10 mg/ml; blau),
-0.4 mg beim Pen mit 60 mg/1.5 ml (40 mg/ml; braun),
-1.0 mg bei den Pens mit 150 mg/1.5 ml (100 mg/ml; goldfarben) und 300 mg/3 ml (100 mg/ml; goldfarben).
Das medizinische Fachpersonal sollte den Patienten bei der Rundung und Identifizierung der angemessenen Injektionsdosis auf dem Pen unterstützen. Im Idealfall sollten die Patienten einen Pen verwenden, der die erforderliche tägliche Erhaltungsdosis mit einer Injektion verabreichen kann.
Therapiedauer
Concizumab ist für die Langzeitprophylaxe gedacht.
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen sind (neben der Festlegung der individuellen Erhaltungsdosis) keine Dosisanpassungen empfohlen, siehe "Pharmakokinetik" .
Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen (AST oder ALT > 3x ULN (upper limit of normal) in Kombination mit Gesamtbilirubin > 1.5x ULN) wurden nicht in die klinischen Studien aufgenommen.
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen sind (neben der Festlegung der individuellen Erhaltungsdosis) keine Dosisanpassungen empfohlen, siehe "Pharmakokinetik" .
Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen (eGFR ≤30 ml/min/1.73 m2) wurden nicht in die klinischen Studien aufgenommen.
Ältere Patienten
Bei Patienten ab 65 Jahren sind (neben der Festlegung der individuellen Erhaltungsdosis) keine Dosisanpassungen empfohlen, siehe "Pharmakokinetik" . Zu Patienten im Alter von 65 Jahren und älter liegen nur begrenzte Daten vor.
Kinder und Jugendliche
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Alhemo bei Kindern unter 12 Jahren ist noch nicht untersucht worden.
Umgang mit Spontanblutungen
Bei Spontanblutungen sollte keine Anpassung der Dosis von Alhemo vorgenommen werden.
Die Ärzte sollten mit dem Patienten und/oder der Pflegefachperson gegebenenfalls über die Dosis und das Dosierschema von Bypassing Agents oder FVIII oder FIX (z.B. rFVIIa oder aPCC) während der Prophylaxe mit Alhemo sprechen einschliesslich der Verwendung der kleinstmöglichen wirksamen Dosis zur Minimierung des Risikos thromboembolischer Ereignisse bei leichten und mittelschweren Blutungen, was eine maximale aPCC-Dosis von 100 U/kg innerhalb von 24 Stunden umfasst.
Die Behandlung mit FVIII oder FIX oder Bypassing Agents (z.B. rFVIIa oder aPCC) kann bei Spontanblutungen eingesetzt werden, wobei Dosis und Behandlungsdauer vom Ort und Schweregrad der Blutung abhängen.
Bei leichten und mässigen Blutungen, die eine zusätzliche Behandlung mit FVIII oder FIX oder Bypassing Agents erfordern (z.B. rFVIIa oder aPCC), wird die niedrigste zugelassene Dosis und das zulassungsgemässe Dosierintervall empfohlen, um das Risiko von thromboembolischen Ereignissen zu minimieren. Für aPCC wird ausserdem eine Maximaldosis von 100 U/kg Körpergewicht innerhalb von 24 Stunden empfohlen.
Bei schweren Blutungen wird empfohlen, sich basierend auf der klinischen Beurteilung an das zugelassene Dosierschema für das jeweilige Arzneimittel zu halten, unter Berücksichtigung des Potentials für lebensbedrohliche thromboembolische Ereignisse.
Vorgehensweise im perioperativen Kontext
Bei kleinen operativen Eingriffen ist keine Anpassung der Dosis von Alhemo erforderlich.
Bei grösseren operativen Eingriffen ist ein in der Behandlung von Hämophilie und/oder Blutungsstörungen erfahrener Arzt hinzuzuziehen. Da nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Concizumab während grösseren Operationen vorliegen, wird im Allgemeinen empfohlen, die Behandlung mit Concizumab 4 Tage vor einer grösseren Operation zu unterbrechen und 10-14 Tage nach der Operation mit der normalen täglichen Erhaltungsdosis (entweder 0.15, 0.20 oder 0.25 mg/kg) wieder aufzunehmen, wobei das klinische Gesamtbild des Patienten zu berücksichtigen ist.
Nach einem grösseren chirurgischen Eingriff kann es sein, dass ein Patient unter Alhemo frühestens zwei Wochen nach Wiederaufnahme der Therapie eine wirksame Kontrolle der Blutungen erreicht, da es so lange dauern kann, bis die Concizumab-Plasmakonzentration die entsprechenden therapeutischen Werte erreichen. Beachten Sie die Fachinformation der Bypassing-Arzneimittel bezüglich ihrer Anwendung bei Hämophilie-Patienten nach grösseren Operationen.
Immuntoleranz-Induktion (ITI)
Die Sicherheit und Wirksamkeit der gleichzeitigen Anwendung von Concizumab wurde bei Patienten mit einer laufenden Immuntoleranzinduktion (ITI; eine Desensibilisierungsstrategie zur Beseitigung von Inhibitoren) nicht nachgewiesen. Es liegen keine Daten vor. Wenn während der ITI eine Fortsetzung oder Einleitung von Concizumab in Betracht gezogen wird, sollte eine sorgfältige Beurteilung der potenziellen Nutzen und Risiken erfolgen.
Art der Anwendung
Alhemo ist nur zur subkutanen Verabreichung bestimmt.
Alhemo ist durch subkutane Injektion in den Bauch oder Oberschenkel bei täglichem Wechsel der Injektionsstelle zu verabreichen. Subkutane Injektionen sollten nicht in Bereichen verabreicht werden, an denen die Haut empfindlich, verletzt, gerötet oder verhärtet ist oder Leberflecken oder Narben aufweist.
Alhemo wird in einem vorgefüllten Fertigpen geliefert. Nadeln sind nicht enthalten.
Alhemo sollte täglich zu einer beliebigen Tageszeit verabreicht werden, die nicht immer gleich sein muss.
Alhemo kann nach einer angemessenen Schulung durch eine medizinische Fachperson und nach dem Durchlesen der Gebrauchsanweisung vom Patienten selbst oder von einer Pflegefachperson verabreicht werden.
Verwenden Sie bei jeder Injektion eine neue Nadel.
Jeder Pen mit Alhemo ist für die Verwendung durch einen einzigen Patienten bestimmt. Ein Pen mit Alhemo darf nicht von mehreren Patienten verwendet werden, auch dann nicht, wenn die Nadel gewechselt wird.
Intramuskuläre Injektionen sollten vermieden werden, da diese unbeabsichtigt erfolgen können, insbesondere bei schlanken und jüngeren Patienten, wird bei denen eine Injektion in eine locker gehaltene Hautfalte empfohlen.
Umfassende Anweisungen zur Verabreichung von Alhemo siehe Packungsbeilage.
Versäumte Dosis
Es ist wichtig, dass sich jeder Patient an seine tägliche Dosierung hält.
Versäumte Dosen vor der Bestimmung der Erhaltungsdosis
Es ist wichtig, dass sich jeder Patient an die tägliche Dosisgabe hält. Zur Gewährleistung der ordnungsgemässen Bestimmung einer geeigneten Erhaltungsdosis ist die Adhärenz in den ersten 4 Wochen besonders wichtig. Patienten, die vor der Ermittlung der Erhaltungsdosis Dosen auslassen, sollten die Behandlung so bald wie möglich mit der anfänglichen täglichen Dosis von 0.2 mg/kg fortsetzen und ihren Arzt bzw. ihre Ärztin informieren.
Versäumte Dosen nach der Bestimmung der Erhaltungsdosis
Die folgenden Dosierungsrichtlinien gelten nur, wenn ein Patient vergessen hat, seine einmal tägliche Erhaltungsdosis einzunehmen, oder dies versäumt hat. Dies gilt nicht für Patienten, die die Einnahme aus anderen Gründen (z.B. wegen einer Operation) versäumt haben.
-1 ausgelassene Tagesdosis: Der Patient soll die tägliche Erhaltungsdosis ohne zusätzliche Dosis wieder verabreichen.
-2 bis 6 ausgelassene aufeinanderfolgende Tagesdosen: Der Patient soll sich sofort mit seinem Arzt bzw. seiner Ärztin in Verbindung setzen. Der Patient kann entweder die tägliche Erhaltungsdosis ohne zusätzliche Dosis wieder verabreichen oder der Patienten kann nach sorgfältiger Abwägung des klinischen Bildes die Tagesdosis zweimal verabreichen (als zwei separate Injektionen, die jeweils einer Tagesdosis entsprechen) und dann am nächsten Tag mit der täglichen Erhaltungsdosis fortfahren. Die zweimalige Tagesdosis kann unter der Aufsicht eines Arztes bzw. einer Ärztin verabreicht werden.
-7 oder mehr vergessene Tagesdosen: Der Patient soll sich sofort mit seinem Arzt bzw. seiner Ärztin in Verbindung setzen. Nach sorgfältiger Abwägung des klinischen Bildes, muss der Patient möglicherweise eine neue Initialdosis erhalten, bevor er am nächsten Tag seine tägliche Erhaltungsdosis fortsetzt.
Wenn die Einnahme aus anderen Gründen (z.B. wegen einer Operation) versäumt wurde, sollte der Patient die Behandlung gemäss den Anweisungen des Arztes bzw. der Ärztin wieder aufnehmen.
Im Zweifelsfall sollte sich der Patient an seinen Arzt bzw. seine Ärztin wenden.
KontraindikationenDie Behandlung mit Alhemo ist bei Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der in "Zusammensetzung" aufgeführten Hilfsstoffe kontraindiziert.
Warnhinweise und VorsichtsmassnahmenAllgemein
Der Arzt bzw. die Ärztin sollte mit den Patienten zu Beginn der Behandlung mit Alhemo besprechen, dass eine oder mehrere ausgelassene Dosen von Alhemo die Wirksamkeit des Arzneimittels erheblich beeinträchtigen können und dass es wichtig ist, das Dosierungsschema einzuhalten (siehe "Dosierung/Anwendung" ). Der Arzt bzw. die Ärztin sollten alternative Behandlungsmöglichkeiten für Patienten diskutieren, die sich nicht an dieses Schema halten können oder wollen.
Thromboembolische Ereignisse
Bei Patienten, die mit Concizumab behandelt wurden, sind über thromboembolische Ereignisse berichtet worden. Vor Beginn der Behandlung mit Concizumab sollten die Patienten die prophylaktische Behandlung mit Hämostatika absetzen.
Mit Concizumab behandelte Patienten müssen über Anzeichen und Symptome thromboembolischer Ereignisse informiert werden und auf das Auftreten dieser Anzeichen und Symptome hin überwacht werden. Patienten, bei denen in klinischen Studien thromboembolische Ereignisse (TEs) auftraten, wiesen eine Kombination verschiedener thromboembolischer Risikofaktoren auf, darunter auch die Anwendung hoher oder häufiger Dosen zur Behandlung von Spontanblutungen.
Die Halbwertszeit von Hämostatika sollte bei der Umstellung auf Concizumab berücksichtigt werden (siehe "Dosierung/Anwendung" ).
Patienten, die bei leichten oder mittelschweren Spontanblutungen eine zusätzliche Behandlung mit Hämostatika benötigen, sollten mit der kleinstmöglichen wirksamen Dosis behandelt werden (siehe "Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen" ).
Patienten wurden von den klinischen Studien ausgeschlossen, wenn sie ein hohes Risiko für die Entwicklung thromboembolischer Ereignisse aufwiesen, und es sollte sorgfältig abgewogen werden, ob der potenzielle Nutzen der Behandlung mit Concizumab das potenzielle Risiko thromboembolischer Komplikationen bei diesen Patienten überwiegt. Zu den Risikofaktoren gehören TEs in der Vorgeschichte oder in der Familie, Fettleibigkeit, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Diabetes, Hypercholesterinämie, Rauchen, kürzlich durchgeführte grössere Operationen und hohes Alter, wobei die Gesamtheit der Risikofaktoren des einzelnen Patienten zu berücksichtigen ist. Unter Bedingungen, in denen der Gewebefaktor überexprimiert ist (z.B. fortgeschrittene Arteriosklerose, Quetschung, Krebs und Septikämie) kann bei der Behandlung mit Concizumab das Risiko von thromboembolischen Ereignissen oder einer disseminierten intravaskulären Gerinnung (Disseminated Intravascular Coagulation, DIC) bestehen.
In klinischen Studien gab es eine positive Korrelation zwischen den Concizumab-Konzentrationen und den D-Dimer- und Prothrombinfragment-1+2-Plasmaspiegeln (siehe "Unerwünschte Wirkungen" ).
Bei Verdacht auf thromboembolische Ereignisse muss Concizumab abgesetzt und weitere Untersuchungen sowie eine angemessene medizinische Behandlung durchgeführt werden.
Überempfindlichkeitsreaktionen
Unter Alhemo sind Überempfindlichkeitsreaktionen allergischer Art aufgetreten, einschliesslich Krankenhausaufenthalten und dauerhaftem Abbruch der Therapie. Patienten müssen über die Anzeichen akuter Überempfindlichkeitsreaktionen, während der Behandlung mit Alhemo, informiert werden.
Patienten müssen angewiesen werden, beim Auftreten von Symptomen einer Überempfindlichkeit die Anwendung von Alhemo umgehend abzubrechen und den Arzt zu kontaktieren, der eine angemessene Behandlung sicherstellen sollte.
Immunogenität
Anti-Concizumab-Antikörper und neutralisierende Anti-Concizumab-Antikörper wurden bei 22.2 % bzw. 5.6% der mit Alhemo behandelten Patienten in klinischen Studien festgestellt. Bei den meisten Patienten, bei denen Anti-Concizumab-Antikörper festgestellt wurden, kam es weder zu einer Veränderung der Concizumab-Konzentration noch zu einer Zunahme von Blutungsereignissen oder zu zusätzlichen Sicherheitsbedenken. Es gab jedoch einen Patienten (in einer klinischen Studie), bei dem über eine Verringerung der Wirksamkeit von Alhemo berichtet wurde.
Bei klinischen Anzeichen eines Verlustes der Wirksamkeit (z.B. Zunahme von Durchbruchblutungen) sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache zu ermitteln und eine mögliche Änderung der Behandlung in Betracht zu ziehen.
Natrium
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosis, d.h. es ist nahezu "natriumfrei" .
InteraktionenPharmakokinetische Interaktionen
Es wurden keine klinischen Studien zu pharmakokinetischen Arzneimittelwechselwirkungen durchgeführt.
Pharmakodynamische Interaktionen
Pharmakodynamische Interaktionsstudien in vitro und ex vivo zeigten, dass die Wirkung von Concizumab bei gleichzeitiger Verabreichung mit rekombinantem FVIIa (rFVIIa), aPCC, rFVIII oder rFIX haupstsächlich additiv waren, wobei ein zusätzlicher synergischer Effekt bis zu 40 % in der gesamten beobachteten Wirkung ausmachte.
Wirkung von Alhemo auf andere Arzneimittel
Labortestinterferenz
In-vitro-Studien zeigten keine relevante Interferenz von Concizumab in Standard-Assays zur Prothrombinzeit und zur aktivierten partiellen Thromboplastinzeit oder Messungen der FVIII- bzw. FIX-Aktivität anhand von Gerinnungsassays und chromogenen Tests. Zudem wurde in Tests zur Bestimmung von FVIII- oder FIX-inhibierenden Antikörpern (Bethesda-Assay) kein relevanter Einfluss beobachtet.
Schwangerschaft, StillzeitFrauen im gebärfähigen Alter
Frauen im gebärfähigen Alter, die Concizumab erhalten, sollten während der Therapie mit Concizumab und bis sieben Wochen nach Therapieende eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Der Nutzen und die thromboembolischen Risiken der verwendeten Verhütungsmittel sollten vom behandelnden Arzt beurteilt werden.
Schwangerschaft
Es sind keine Daten zur Anwendung von Concizumab bei schwangeren Frauen verfügbar. Es wurden mit Concizumab keine tierexperimentellen Studien zur Reproduktionstoxizität durchgeführt.
Die Anwendung von Concizumab während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Concizumab in die menschliche Muttermilch übergeht. Es wurden keine Studien zur Beurteilung der Auswirkungen von Concizumab auf die Milchproduktion oder dessen Vorhandensein in der Muttermilch durchgeführt. Es ist bekannt, dass menschliches IgG in der Muttermilch vorhanden ist. Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen unterlassen oder ob die Behandlung mit Concizumab abgebrochen/ausgesetzt werden soll. Dabei ist sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.
Fertilität
Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf die Fertilität, siehe "Präklinische Daten" . Es liegen keine Fertilitätsdaten zum Menschen vor. Die Auswirkungen von Concizumab auf die männliche und weibliche Fertilität sind daher nicht bekannt.
Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von MaschinenConcizumab hat keinen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.
Unerwünschte WirkungenDie in diesem Abschnitt aufgeführten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind bei Alhemo zu erwarten.
Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
Das Gesamtsicherheitsprofil von Concizumab basiert auf Daten aus allen Concizumab-Studien mit mehreren Dosen bei Patienten mit Hämophilie.
Die häufigste unerwünschte Arzneimittelwirkung, die bei ≥10 % der mit mindestens einer Dosis Concizumab behandelten Patienten gemeldet wurde, waren Reaktionen an der Injektionsstelle (24.7 %).
Schwerwiegene unerwünschte Ereignisse in den klinischen Studien mit Concizumab traten bei 15.9 % der Patienten auf, einschliesslich Hypersensibilität (0.3 %) und thromboembolischen Ereignissen (0.9 %), die zur dauerhaften Beendigung der Behandlung führten.
Liste der unerwünschten Wirkungen
Die folgenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen basieren auf gepoolten Daten aus den klinischen Studien Explorer3 (Phase 1b), Explorer4 (Phase 2), Explorer5 (Phase 2), Explorer7 (Phase 3) und Explorer8 (Phase 3), in denen insgesamt 320 männliche Patienten mit Hämophilie A mit und ohne Inhibitoren und Hämophilie B mit und ohne Inhibitoren mindestens eine Dosis Concizumab als Routineprophylaxe erhielten. Die Expositionsdauer der Patienten betrug insgesamt 475 Expositionsjahre.
Die unerwünschten Wirkungen sind nach MedDRA-Systemorganklassen und Häufigkeit gemäss folgender Konvention geordnet:
"sehr häufig" (≥1/10)
"häufig" (≥1/100, <1/10)
"gelegentlich" (≥1/1000, <1/100)
"selten" (≥1/10'000, <1/1000)
"sehr selten" (<1/10'000)
"nicht bekannt" (kann aus den verfügbaren Daten nicht abgeschätzt werden)
Tabelle 2 Unerwünschte Arzneimittelwirkungen aus gepoolten klinischen Studien zu Concizumab
Systemorganklasse Bevorzugte Bezeichnung Häufigkeit
Erkrankungen des Immunsystems Überempfindlichkeit Häufig
Untersuchungen Fibrin-D-Dimer erhöht Häufig
Prothrombinfragment 1.2 erhöht Häufig
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Reaktionen an der Injektionsst Sehr häufig
Verabreichungsort elle
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes Juckreiz Häufig
Gefässerkrankungen Thromboembolische Ereignisse Gelegentlich
Beschreibung spezifischer unerwünschter Wirkungen und Zusatzinformationen
Erhöhte Laborwerte von Fibrin-D-Dimer und Prothrombin-Fragment 1.2
Erhöhte Fibrin-D-Dimer-Spiegel wurden bei 9.1 % der Patienten und erhöhte Fragment-1.2-Spiegel wurden bei 8.1 % der Patienten beobachtet. Die Konzentration von Concizumab im Plasma korreliert positiv mit Fibrin-D-Dimer und Prothrombin-Fragment 1.2, was auf eine hämostatische Wirkung von Concizumab hindeutet.
Bei Fibrinogen, Antithrombin und den Thrombozyten wurden keine klinisch signifikanten Veränderungen beobachtet.
Reaktionen an der Injektionsstelle
Reaktionen an der Injektionsstelle wurden in den klinischen Mehrfachdosis-Studien bei 79 (24.7 %) Patienten gemeldet. Die am häufigsten berichteten Symptome waren Erythem an der Injektionsstelle (5.9 %), blauer Fleck an der Injektionsstelle (4.7 %). Die Mehrheit der Symptome wurde als mild berichtet, wobei ein Ereignis eines moderaten Ausschlags an der Injektionsstelle zu einem Unterbruch der Concizumab-Therapie führte.
Unerwünschte Wirkungen aus der Postmarketingphase
Nicht zutreffend.
Pädiatrische Population
78 Studienteilnehmer waren Jugendliche (≥12 bis < 18 Jahre). Das Sicherheitsprofil war bei jugendlichen und erwachsenen Patienten ähnlich und entsprach den Erwartungen für die Altersgruppe.
Für Kinder unter 12 Jahren liegen nur begrenzte Daten vor.
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.
ÜberdosierungEs liegen nur begrenzte Erfahrungen mit einer Überdosierung von Concizumab vor. Es wurden Fälle mit bis zum 5-Fachen der vorgesehenen Dosis ohne klinische Folgen berichtet. Eine versehentliche Überdosierung kann zu Hyperkoagulabilität führen. Die Patienten sollten sich zur Überwachung an ihren Arzt wenden.
Eigenschaften/WirkungenATC-Code
B02BX
Wirkungsmechanismus
Concizumab ist ein Anti-TFPI (Tissue Factor Pathway Inhibitor)-Antikörper. TFPI ist ein Faktor-Xa-(FXa)-Inhibitor. Concizumab bindet an TFPI und verhindert so die Hemmung von FXa durch TFPI. Die erhöhte FXa-Aktivität verlängert die Aktivierungsphase der Koagulationskaskade und ermöglicht eine ausreichende Thrombinbildung für eine wirksame Hämostase. Concizumab wirkt unabhängig von FVIII und FIX, und die Wirkung von Concizumab wird durch die Präsenz von FVIII oder FIX inhibierenden Antikörpern nicht beeinflusst.
Concizumab weist keine strukturelle Beziehung oder Sequenzhomologie zu FVIII oder FIX auf und induziert bzw. fördert daher die Entwicklung von direkten Inhibitoren gegen FVIII oder FIX nicht.
Pharmakodynamik
In der Studie Explorer8 sank der geometrische Mittelwert (Variationskoeffizient, VK [%]) des freien TFPI (nicht an Concizumab gebundener TFPI im Plasma) bei Patienten mit Hämophilie A und B unter Concizumab-Prophylaxe von 84.2 (18.6 %) ng/ml bei Baseline auf 11.1 (102.4 %) ng/ml in Woche 24 und der mittlere Thrombin-Peak stieg in den Bereich des normalen Plasmaspiegels.
In der Studie Explorer7 ging der geometrische Mittelwert (VK [%]) des freien TFPI bei Patienten mit Hämophilie A und B mit Inhibitoren unter Concizumab-Prophylaxe von 86.9 (19.5 %) ng/ml bei Baseline auf 10.7 (101.0 %) ng/ml in Woche 24 zurück und der mittlere Thrombin-Peak stieg in den Bereich des normalen Plasmaspiegels.
In beiden Studien trat die Reduktion von freiem TFPI innerhalb von 24 Stunden nach Verabreichung der Concizumab-Aufsättigungsdosis auf und blieb über die Zeit bis mindestens 56 Wochen stabil.
Concizumab stellte die Fähigkeit zur Bildung von Thrombin wieder her, was sich als mittlerer Thrombin-Peak im Bereich des normalen Plasmaspiegels zeigte. In der Studie Explorer8 stieg der Thrombin-Peak vor der Verabreichung bei Patienten mit Hämophilie A und B unter Concizumab-Prophylaxe von einem geometrischen Mittelwert (VK [%]) von 21.1 (118.0 %) nmol/l zu Beginn auf 81.3 (70.3 %) nmol/l in Woche 24. In der Studie Explorer7 stieg der Thrombin-Peak vor der Verabreichung bei Patienten mit Hämophilie A und B mit Inhibitoren unter Concizumab-Prophylaxe von einem geometrischen Mittelwert (VK [%]) von 13.0 (97.6 %) nmol/l zu Beginn auf 104.2 (53.3 %) nmol/l in Woche 24. Nach dem anfänglichen Anstieg blieben die Thrombin-Peaks vor der Verabreichung bei Patienten unter Concizumab-Prophylaxe bei allen Besuchen nach dem Ausgangswert stabil innerhalb des Bereichs des normalen Plasmas.
Klinische Wirksamkeit
Hämophilie A und B mit Inhibitoren ab 12 Jahren (Explorer7)
Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit Hämophilie A und Hämophilie B mit Inhibitoren bewertet, wenn alle Patienten im On-Demand-Arm und im Concizumab-Prophylaxe-Arm mindestens 24 bzw. mindestens 32 Wochen lang behandelt worden waren, indem die Anzahl der behandelten spontanen und traumatischen Blutungsepisoden zwischen den Behandlungsarmen verglichen wurde. Der primäre Endpunkt war der Vergleich der annualisierten Blutungsrate (ABR) zwischen den beiden Behandlungsgruppen. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 aufgeführt.
Die Wirksamkeit wurde auch beurteilt, nachdem alle Patienten in den Armen mit einer Concizumab-Prophylaxe mindestens 56 Behandlungswochen abgeschlossen hatten. Die Ergebnisse stimmten mit den in Tabelle 3 vorgelegten Ergebnissen überein.
Die medianen ABRs und die Anzahl der Patienten mit null Blutungen sind in Tabelle 3 aufgeführt.
Tabelle 3 Annualisierte Blutungsrate mit Concizumab Prophylaxe und ohne Prophylaxe bei Patienten mit Hämophilie A mit Inhibitoren und Hämophilie B mit Inhibitoren ≥12 Jahre (Explorer7, Arm 1 und 2)
HAwI und HBwI HAwI und HBwI ohne ABR Verhältnis [95
Concizumab Prophylaxe Prophylaxe N = 19 % KI]
N = 33
Behandelte spontane und
traumatische Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 2.1 [1.32; 3.46] 14.8 [8.96; 24.35] 0.14 [0.07; 0.29]
Mediane (Min; Max) ABR 0.00 (0.0; 66.4) 9.76 (0.0; 94.7)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 17 (51.5 %) 1 (5.3 %)
die 24 Behandlungswochen
abgeschlossen haben (%)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 4 (12.1 %) 1 (5.3 %)
die 24 Behandlungswochen nicht
abgeschlossen haben (%)
Behandelte Gelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 1.7 [1.00; 2.97] 11.4 [6.60; 19.68] 0.15 [0.07; 0.32]
Behandelte Zielgelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 1.4 [0.40; 4.80] 6.8 [2.00; 22.87] 0.21 [0.04; 1.17]
Behandelte und unbehandelte
Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 5.2 [3.43; 8.02] 15.8 [9.59; 26.10] 0.33 [0.17; 0.64]
Anz.: Anzahl der; HAwI: Hämophilie A mit Inhibitoren; HBwI: Hämophilie B mit Inhibitoren; ABR: annualisierte Blutungsrate; Blutungsdefinitionen gemäss den Kriterien der World Federation of Haemophilia.
Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit Hämophilie A und B mit Inhibitoren beurteilt, wenn alle Patienten in Arm 1 und 2 den Hauptteil der Studie (mindestens 24 bzw. mindestens 32 Wochen) abgeschlossen hatten, indem die Anzahl der behandelten Blutungsepisoden zwischen der Concizumab Prophylaxe (Arm 2) und keiner Prophylaxe (Arm 1) verglichen wurde.
Die geschätzten mittleren ABR und assoziierten ABR-Verhältnisse basieren auf einer negativen binomialen Regression, bei der die Anzahl der Blutungen des Patienten als Funktion des randomisierten Behandlungsschemas, der Art der Hämophilie (HAwI oder HBwI) und der Blutungshäufigkeit (< 9 oder ≥9 Blutungsepisoden in den 24 Wochen vor dem Screening) analysiert wird und der Logarithmus der Länge des Beobachtungszeitraums als Offset in das Modell einfliesst. Die geschätzten mittleren ABR sind marginale Schätzungen auf der Grundlage der in der Studienpopulation vorhandenen Kovariatenverteilung. Das Modell basiert auf allen randomisierten Patienten und berücksichtigt die Anwendung einer Zusatztherapie. Das statistische Modell für die behandelten Zielgelenkblutungen ist nur auf Patienten zugeschnitten, die zu Beginn der Studie Zielgelenke hatten.
Schwere Hämophilie A und mittelschwere/schwere Hämophilie B ohne Inhibitoren (Explorer8)
Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit schwerer Hämophilie A ohne Inhibitoren und bei Patienten mit mittelschwerer/schwerer Hämophilie B ohne Inhibitoren separat beurteilt, nachdem alle Patienten in Arm 1, 2 und 4 den Hauptteil der Studie abgeschlossen hatten (24, mindestens 32 bzw. mindestens 32 Wochen). Kriterium war die Anzahl der behandelten Blutungsepisoden beim Vergleich von
-Alhemo-Prophylaxe mit keiner Prophylaxe
-Alhemo-Prophylaxe mit der bisherigen Faktorprophylaxe des Patienten
Die Überlegenheit der Alhemo-Prophylaxe gegenüber keiner Prophylaxe wurde beim Vergleich der Verringerung der Anzahl der Blutungsepisoden in Arm 1 und in Arm 2 bei erwachsenen und jugendlichen Patienten mit Hämophilie A oder Hämophilie B bestätigt. Unter Verwendung eines negativen Binomialmodells wurde das Verhältnis der annualisierten Blutungsraten (ABR) für Patienten mit schwerer Hämophilie A auf 0.14 (p < 0.001) geschätzt, was einer Verringerung der ABR um 86 % bei Teilnehmern unter Alhemo-Prophylaxe im Vergleich zu keiner Prophylaxe entspricht. Unter Verwendung desselben Modells für Patienten mit mittelschwerer/schwerer Hämophilie B wurde das Verhältnis auf 0.21 geschätzt (p < 0.001), was einer Verringerung der ABR um 79 % bei Patienten unter Alhemo-Prophylaxe im Vergleich zu keiner Prophylaxe entspricht.
Die Prophylaxe mit Concizumab erreichte im Vergleich zur vorherigen Prophylaxe mit standardmässigen Halbwerts- oder verlängerten Halbwerts-FVIII- und FIX-Produkten zuvor festgelegten Nicht-Unterlegenheitsgrenzwert von 2 nicht. Das geschätzte Ratenverhältnis (95 %-KI) für ABR betrug 1.39 (0.73; 2.63) für Hämophilie A und 1.75 (0.81; 3.78) für Hämophilie B.
Die medianen ABR und die Anzahl der Patienten mit null Blutungen sind in den Tabellen 4 und 5 (randomisierter Arm 1 und 2) und in den Tabellen 6 und 7 (intraindividueller Vergleich in Arm 4) angegeben.
Tabelle 4 Annualisierte Blutungsrate mit Concizumab Prophylaxe und ohne Prophylaxe bei Patienten mit Hämophilie A ohne Inhibitoren ≥ 12 Jahre (Explorer8, Arm 1 und 2)
HA Concizumab HA ohne Prophylaxe ABR Verhältnis [95
Prophylaxe N = 18 N = 9 % KI]
Behandelte spontane und
traumatische Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 3.5 24.5 0.14
[2.18; 5.54] [14.50; 41.48] [0.07; 0.29]
Mediane (Min; Max) ABR 2.92 19.57
(0.0; 29.5) (3.3; 71.7)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 6 (33.3 %) 0 (0.0 %)
die 24 Behandlungswochen
abgeschlossen haben (%)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 0 (0.0 %) 0 (0.0 %)
die 24 Behandlungswochen nicht
abgeschlossen haben (%)
Behandelte Gelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 2.8 [1.71; 4.56] 17.6 [10.19; 30.39] 0.16 [0.08; 0.33]
Behandelte Zielgelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 2.0 [1.19; 3.47] 8.8 [4.84; 15.91] 0.23 [0.11; 0.48]
Behandelte und unbehandelte
Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 6.2 [4.03; 9.48] 26.8 [15.37; 46.72] 0.23 [0.11; 0.47]
Anz.: Anzahl der; HA – Hämophilie A; ABR: annualisierte Blutungsrate; Blutungsdefinitionen gemäss den Kriterien der World Federation of Haemophilia
Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit Hämophilie A beurteilt, wenn alle Patienten in Arm 1 und 2 den Hauptteil der Studie (mindestens 24 bzw. mindestens 32 Wochen) abgeschlossen hatten, indem die Anzahl der behandelten Blutungsepisoden zwischen der Concizumab Prophylaxe (Arm 2) und keiner Prophylaxe (Arm 1) verglichen wurde.
Die geschätzten mittleren ABR und assoziierten ABR-Verhältnisse basieren auf einer negativen binomialen Regression, bei der die Anzahl der Blutungen des Patienten als Funktion des randomisierten Behandlungsschemas und der Blutungshäufigkeit (< 9 oder ≥9 Blutungsepisoden in den 24 Wochen vor dem Screening) analysiert wird und der Logarithmus der Länge des Beobachtungszeitraums als Offset in das Modell einfliesst. Die geschätzten mittleren ABR sind marginale Schätzungen auf der Grundlage der in der Studienpopulation vorhandenen Kovariatenverteilung. Das Modell basiert auf allen randomisierten Patienten und berücksichtigt die Anwendung einer Zusatztherapie. Das statistische Modell für die behandelten Zielgelenkblutungen ist nur auf Patienten zugeschnitten, die zu Beginn der Studie Zielgelenke hatten.
Tabelle 5 Annualisierte Blutungsrate mit Concizumab Prophylaxe und ohne Prophylaxe bei Patienten mit Hämophilie B ohne Inhibitoren ≥ 12 Jahre (Explorer8, Arm 1 und 2)
HB Concizumab HB ohne Prophylaxe ABR Verhältnis [95
Prophylaxe N = 24 N = 12 % KI]
Behandelte spontane und
traumatische Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 3.2 [2.00; 5.22] 15.4 [8.55; 27.78] 0.21 [0.10; 0.45]
Mediane (Min; Max) ABR 1.62 (0.0; 11.9) 14.92 (0.0; 50.9)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 10 (41.7 %) 1 (8.3 %)
die 24 Behandlungswochen
abgeschlossen haben (%)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 1 (4.2 %) 0 (0.0 %)
die 24 Behandlungswochen nicht
abgeschlossen haben (%)
Behandelte Gelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 2.7 [1.58; 4.72] 13.1 [6.63; 26.01] 0.21 [0.09; 0.50]
Behandelte Zielgelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 1.9 [0.95; 3.67] 5.4 [2.22; 13.21] 0.34 [0.11; 1.06]
Behandelte und unbehandelte
Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 4.2 [2.71; 6.37] 20.2 [11.90; 34.17] 0.21 [0.10; 0.41]
Anz.: Anzahl der; HB – Hämophilie B; ABR: annualisierte Blutungsrate; Blutungsdefinitionen gemäss den Kriterien der World Federation of Haemophilia
Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit Hämophilie B beurteilt, wenn alle Patienten in Arm 1 und 2 den Hauptteil der Studie (mindestens 24 bzw. mindestens 32 Wochen) abgeschlossen hatten, indem die Anzahl der behandelten Blutungsepisoden zwischen der Concizumab Prophylaxe (Arm 2) und keiner Prophylaxe (Arm 1) verglichen wurde.
Die geschätzten mittleren ABR und assoziierten ABR-Verhältnisse basieren auf einer negativen binomialen Regression, bei der die Anzahl der Blutungen des Patienten als Funktion des randomisierten Behandlungsschemas und der Blutungshäufigkeit (< 9 oder ≥9 Blutungsepisoden in den 24 Wochen vor dem Screening) analysiert wird und der Logarithmus der Länge des Beobachtungszeitraums als Offset in das Modell einfliesst. Die geschätzten mittleren ABR sind marginale Schätzungen auf der Grundlage der in der Studienpopulation vorhandenen Kovariatenverteilung. Das Modell basiert auf allen randomisierten Patienten und berücksichtigt die Anwendung einer Zusatztherapie. Das statistische Modell für die behandelten Zielgelenkblutungen ist nur auf Patienten zugeschnitten, die zu Beginn der Studie Zielgelenke hatten.
Tabelle 6 Intra-Patienten Vergleich der annualisierten Blutungsrate mit Concizumab Prophylaxe und vorherige FVIII Prophylaxe bei Patienten mit Hämophilie A ohne Inhibitoren ≥ 12 Jahre (Explorer8, Arm 4 und Explorer6)
HA Concizumab HA vorherige FVIII ABR Verhältnis [95
Prophylaxe N = 29 Prophylaxe N = 29 % KI]
Behandelte spontane und
traumatische Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 5.1 [2.71; 9.65] 3.7 [2.51; 5.42] 1.39 [0.73; 2.63]
Mediane (Min; Max) ABR 2,33 (0.0; 46.7) 2.17 (0.0; 13.5)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 11 (37.9 %) 10 (34.5 %)
die 24 Behandlungswochen
abgeschlossen haben (%)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 0 (0.0 %)
die 24 Behandlungswochen nicht
abgeschlossen haben (%)
Behandelte Gelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 3.9 [1.35; 7.58] 2.6 [1.80; 3.72] 1.50 [0.69; 3.28]
Behandelte und unbehandelte
Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 5.5 [3.13; 9.79] 3.9 [2.68; 5.57] 1.43 [0.80; 2.55]
Anz.: Anzahl der; HA – Hämophilie A; ABR: annualisierte Blutungsrate; Blutungsdefinitionen gemäss den Kriterien der World Federation of Haemophilia
Die Wirksamkeit wurde bei Hämophilie-A-Patienten beurteilt, wenn alle Patienten in Arm 1 und 2 den Hauptteil der Studie (mindestens 24 bzw. mindestens 32 Wochen) abgeschlossen hatten, indem die Anzahl der behandelten Blutungsepisoden zwischen der Concizumab Prophylaxe (Arm 4) und vorherige Prophylaxe (Explorer6) verglichen wurde.
Die geschätzten mittleren ABR und assoziierten ABR-Verhältnisse basieren auf einer negativen binomialen Regression, bei der die Anzahl der Blutungen des Patienten als Funktion des randomisierten Behandlungsschemas und der Logarithmus der Länge des Beobachtungszeitraums als Offset in das Modell einfliesst. Innerhalb des Modells wurde eine unstrukturierte Kovarianzmatrix verwendet, um wiederholte Messungen innerhalb des Patienten zu berücksichtigen. Die Nicht- Unterlegenheit wurde bestätigt, wenn die obere Grenze des 95 %-KI des ABR-Verhältnisses unter 2.0 lag.
Tabelle 7 Intra-Patienten Vergleich der annualisierten Blutungsrate mit Concizumab Prophylaxe und vorherige FIX Prophylaxe bei Patienten mit Hämophilie B ohne Inhibitoren ≥ 12 Jahre (Explorer8, Arm 4 und Explorer9)
HB Concizumab HB vorherige FIX ABR Verhältnis [95
Prophylaxe N = 22 Prophylaxe N = 22 % KI]
Behandelte spontane und
traumatische Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 5.4 [2.27; 12,91] 3.1 [2.07; 4.62] 1.75 [0.81; 3.78]
Mediane (Min; Max) ABR 1.44 (0.0; 50.6) 2.07 (0.0; 10.6)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 9 (40.9 %) 7 (31.8 %)
die 24 Behandlungswochen
abgeschlossen haben (%)
Anz. Patienten mit 0 Blutungen, 1 (4.5 %)
die 24 Behandlungswochen nicht
abgeschlossen haben (%)
Behandelte Gelenkblutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 4.2 [1.94; 8.95] 2.6 [1.69; 4.13] 1.58 [0.80; 3.11]
Behandelte und unbehandelte
Blutungen
Geschätzte mittlere ABR [95 % KI] 6.4 [2.94; 13.68] 3.4 [2.22; 5.10] 1.89 [0.90; 3.95]
Anz.: Anzahl der; HB – Hämophilie B; ABR: annualisierte Blutungsrate; Blutungsdefinitionen gemäss den Kriterien der World Federation of Haemophilia
Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit Hämophilie B beurteilt, wenn alle Patienten in Arm 1 und 2 den Hauptteil der Studie (mindestens 24 bzw. mindestens 32 Wochen) abgeschlossen hatten, indem die Anzahl der behandelten Blutungsepisoden zwischen der Concizumab Prophylaxe (Arm 4) und vorherige Prophylaxe (Explorer6) verglichen wurde.
Die geschätzten mittleren ABR und assoziierten ABR-Verhältnisse basieren auf einer negativen binomialen Regression, bei der die Anzahl der Blutungen des Patienten als Funktion des randomisierten Behandlungsschemas und der Logarithmus der Länge des Beobachtungszeitraums als Offset in das Modell einfliesst. Innerhalb des Modells wurde eine unstrukturierte Kovarianzmatrix verwendet, um wiederholte Messungen innerhalb des Patienten zu berücksichtigen. Die Nicht- Unterlegenheit wurde bestätigt, wenn die obere Grenze des 95 %-KI des ABR-Verhältnisses unter 2.0 lag.
Weitere Informationen
Behandlung von Spontanblutungen in klinischen Studien
Unter Anwendung des Dosierschemas von Alhemo und der Leitlinie zum Umgang mit Spontanblutungen gemäss Rubrik "Dosierung/Anwendung" wurden Blutungen wirksam und sicher behandelt und es wurden keine thromboembolischen Ereignisse beobachtet.
PharmakokinetikAbsorption
Nach einer subkutan verabreichten Einzeldosis von 0.05–3 mg/kg Concizumab bei gesunden Studienteilnehmern und Hämophilie-Patienten lag die Dauer bis zur maximalen Plasmakonzentration von Concizumab (tmax) in einer Spanne von 8 bis 99 Stunden (4.1 Tage).
Die Bioverfügbarkeit von Concizumab nach subkutaner Verabreichung wurde durch populationspharmakokinetischen Modellierung auf 77.7 % geschätzt.
Distribution
Die modellbasierte Schätzung des Verteilungsvolumens im Steady-State für einen typischen Probanden beträgt 5.92 l.
Metabolismus
Concizumab ist ein Antikörper, der wie andere grosse Proteine hauptsächlich durch lysosomale Proteolyse zu Aminosäuren abgebaut werden, die anschliessend ausgeschieden oder vom Körper wiederverwendet werden
Elimination
Die Elimination von Concizumab wird sowohl über lineare als auch über nichtlineare Wege vermittelt. Bei gesunden Studienteilnehmern und Patienten mit Hämophilie, die subkutan eine Einzeldosis von 0.25–3 mg/kg erhielten, wurde eine terminale Halbwertszeit in einer Spanne von 39 Stunden (1.6 Tage) bis 195 Stunden (8.1 Tage) gemessen. Aufgrund der nichtlinearen Elimination ist die Halbwertszeit von der Concizumab-Konzentration abhängig.
Nach mehreren subkutanen Injektionen und basierend auf einer Populations-PK-Analyse, betrug die lineare Clearance etwa 0.192 l/Tag (0.008 l/h) und die geschätzte Halbwertszeit bei Steady-State-Ctrough (665 ng/ml) etwa 38 Stunden.
Linearität/Nichtlinearität
Die Pharmakokinetik von Concizumab ist nichtlinear. Die systemische Exposition gegenüber Concizumab (AUC und Cmax) steigt mit zunehmender Dosis mehr als dosisproportional an. Diese nichtlineare Pharmakokinetik geht auf eine TMDD (target-mediated drug disposition), die sich manifestiert, wenn Concizumab an den zellassoziierten endothelialen TFPI bindet und der Wirkstoff-Zielstruktur-Komplex anschliessend eliminiert wird.
Die Exposition gegenüber Concizumab war bei Patienten mit Hämophilie A und B vergleichbar. Die Steady-State-Konzentration wurde nach einmal täglicher Verabreichung von 0.20 mg/kg mit einer Initialdosis von 1 mg/kg an Tag 1, ungefähr in Woche 4 erreicht, wie durch das pharmakokinetische Modell geschätzt.
Die geometrischen Mittelwerte der Steady-State-Konzentrationen von Concizumab in Woche 24 bei jugendlichen und erwachsenen Hämophiliepatienten (≥12 Jahre) mit und ohne Inhibitoren, die das empfohlene Dosierungsschema erhielten, sind in Tabelle 8 dargestellt. Die Plasmakonzentrationen vor Dosisgabe (Talkonzentrationen) blieben während der gesamten 56 Behandlungswochen stabil.
Tabelle 8 Steady-State-Konzentrationen von Concizumab bei einem 24-stündigen Dosisintervall in Woche 24 (Explorer7 und Explorer8)
Parameter Hämophilie A Alle Hämophilie B Alle HAwI und HBwI Alle
Erhaltungsdosen n = Erhaltungsdosen n = Erhaltungsdosen n =
73* 54* 99*
Cmax, ss (ng/ml), 1028.7 (129.1 %) 721.8 (163.7 %) 1167.1 (128 %)
geometrisches Mittel (VK
[%])
Ctrough, ss (ng/ml), 724.4 (153.5 %) 554.9 (215.6 %) 665.4 (221 %)
geometrisches Mittel (VK
[%])
Cmax / Ctrough -Verhältnis, 1.4 (0.4) 1.6 (0.6) 2.2 (5.2)
Mittelwert (SD)
Cmax, ss = maximale Plasmakonzentration im Steady-State.
Ctrough, ss = Plasmakonzentration vor der Dosis (trough, Talkonzentration) im Steady-State.
* unter dem Dosierschema von Alhemo.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Leberfunktionsstörungen
Es wurden keine spezifischen Studien zur Auswirkung von Leberfunktionsstörungen auf die Pharmakokinetik von Concizumab durchgeführt. Von den 256 Patienten, die in den Studien Explorer7 und Explorer8 mit dem Dosierschema von Alhemo behandelt wurden, wiesen insgesamt 9 Patienten zum Zeitpunkt der Verabreichung der Initialdosis erhöhte Leberenzyme (ALT oder AST ≥1.5 x ULN) auf. Es wurden keine Auswirkungen auf die Exposition von Concizumab beobachtet. Es liegen keine Daten für AST und/oder ALT > 3 x ULN vor.
Nierenfunktionsstörungen
Es wurden keine spezifischen Studien zur Auswirkung von Nierenfunktionsstörungen auf die Pharmakokinetik von Concizumab durchgeführt. Von den 256 Patienten, die in den Studien Explorer7 und Explorer8 mit dem Dosierschema von Alhemo behandelt wurden, hatten 20 Patienten zum Zeitpunkt der Verabreichung der Initialdosis eine eGFR <90 ml/min/1.73 m2. Die meisten Patienten hatten eine leichte Funktionsstörung. Zu schweren Nierenfunktionsstörungen liegen keine Daten vor. Es wurden keine Auswirkungen auf die Exposition von Concizumab beobachtet.
Kinder und Jugendliche
Die mittlere Concizumab-Exposition war bei Jugendlichen (≥12 Jahre) im Vergleich zu Erwachsenen etwas niedriger.
Ältere Patienten
An den klinischen Studien zu Concizumab nahmen nicht genügend Patienten über 65 Jahren teil, um zu bestimmen, ob es Unterschiede in der Exposition im Vergleich zu jüngeren Patienten gibt.
Demographische Faktoren
Basierend auf der populationspharmakokinetischen Analyse steigt die Steady-State-Exposition von Concizumab mit zunehmendem Körpergewicht.
Präklinische DatenPharmakologisch vermittelte Thrombenbildung wurde in einer 52-wöchigen Toxizitätsstudie an Cynomolgus-Affen bei subkutanen Dosen von ≥1 mg/kg/Tag (entsprechend dem 300-Fachen der menschlichen Exposition auf Basis der AUC0–24 h) beobachtet.
Genotoxizität/Kanzerogenität
Tierexperimentelle Langzeitstudien zur Beurteilung des kanzerogenen Potenzials von Concizumab oder Studien zur Ermittlung des genotoxischen Potenzials wurden nicht durchgeführt.
Reproduktionstoxizität
Es wurden keine Studien zur Reproduktionstoxizität durchgeführt.
Fertilität
In einer 26-wöchigen Toxizitätsstudie an geschlechtsreifen männlichen und weiblichen Cynomolgus-Affen mit subkutanen Dosen von bis zu 9 mg/kg/Tag (entsprechend dem 3400-Fachen der menschlichen Exposition auf Basis der AUC0–24 h) hatte Concizumab keine Auswirkungen auf die Fertilität (Hodengrösse, Spermien (Anzahl, Motilität oder Morphologie) oder Dauer des Menstruationszyklus) und führte nicht zu Veränderungen der männlichen oder weiblichen Fortpflanzungsorgane.
Sonstige HinweiseInkompatibilitäten
Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf das Arzneimittel nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.
Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit "EXP" bezeichneten Datum verwendet werden.
Haltbarkeit nach Anbruch
Haltbarkeit nach Anbruch: 4 Wochen.
Besondere Lagerungshinweise
Vor der ersten Verwendung: Im Kühlschrank (2–8°C) lagern.
Nach Anbruch: Kann bis zu vier Wochen lang ungekühlt bei Temperaturen unter 30°C gelagert werden.
Der Pen ist mit aufgesetzter Kappe aufzubewahren, um die Lösung vor Licht zu schützen.
Der Pen darf nicht mit aufgesetzter Nadel gelagert werden.
Den Pen nicht einfrieren und nicht neben dem Kühlelement des Kühlschranks lagern.
Alhemo sollte vor Hitze und Licht geschützt werden und nicht in direktem Sonnenlicht gelagert werden.
Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
Hinweise für die Handhabung
Patienten sollten die Gebrauchsanweisung äusserst sorgfältig lesen, bevor sie den Alhemo Pen verwenden. Die Gebrauchsanweisung des Alhemo-Pens liegt der Packung bei.
Alhemo sollte klar bis leicht schimmernd und farblos bis leicht gelblich aussehen. Durchscheinende Proteinpartikel sind akzeptabel. Das Arzneimittel darf nicht verwendet werden, wenn die Lösung verfärbt ist oder feste Fremdpartikel enthält.
Der Durchfluss des Alhemo-Pens sollte vor jeder Injektion überprüft werden.
Der Pen ist ohne aufgesetzte Nadel zu lagern. Dies stellt eine korrekte Dosierung sicher und vermeidet Verunreinigungen, Infektionen und ein Auslaufen des Pens.
Der Alhemo-Pen darf nicht wieder aufgefüllt werden.
Der Alhemo-Pen ist nur für die Verwendung durch eine einzige Person bestimmt.
Zulassungsnummer68844 (Swissmedic)
PackungenAlhemo wird in einem tragbaren, vorgefüllten Mehrdosen-Einweg-Fertigpen geliefert. Dieser enthält entweder eine 1.5 ml- oder 3 ml-Glaspatrone, die in einem Pen-Injektor, der sich aus Kunststoffkomponenten und Metallfedern zusammensetzt, eingeschlossen ist. Die Patrone ist unten mit einer Gummischeibe verschlossen, und oben mit einer Scheibe aus Gummilaminat, versiegelt mit einer Aluminiumkappe. Die Gummischeiben bestehen nicht aus Naturkautschuklatex.
Der Injektionsknopf und der Patronenhalter des Pen-Injektors sind farblich nach Stärke gekennzeichnet:
-Alhemo 15 mg/1.5 ml (10 mg/ml) Fertigpen (blau): Packungen zu 1 Stück. [A]
-Alhemo 60 mg/1.5 ml (40 mg/ml) Fertigpen (braun): Packungen zu 1 Stück. [A]
-Alhemo 150 mg/1.5 ml (100 mg/ml) Fertigpen (goldfarben): Packungen zu 1 Stück. [A]
-Alhemo 300 mg/3 ml (100 mg/ml) Fertigpen (goldfarben): Packungen zu 1 Stück. [A]
Injektionsnadeln sind nicht enthalten.
Alhemo ist für die Verwendung mit NovoFine Plus- oder NovoFine-Nadeln mit einer Weite von 32 G (Gauge) und einer Länge von 4 mm empfohlen. Wenn Nadeln mit einer Länge von über 4 mm verwendet werden, sollten Injektionstechniken verwendet werden, die das Risiko einer intramuskulären Injektion minimieren.
Wahl von Dosisstärke und -volumen
Auf der Grundlage ihrer technischen Eigenschaften eignen sich Alhemo-Pens für die folgenden Körpergewichtsbereiche:
Für Patienten mit einer täglichen Dosis von 0.15 mg/kg Körpergewicht
Dosisstärke Körpergewicht
15 mg/1.5 ml (10 mg/ml) 5–53 kg
60 mg/1.5 ml (40 mg/ml) 19–213 kg
150 mg/1.5 ml (100 mg/ml) ab 47 kg
300 mg/3 ml (100 mg/ml) ab 73 kg
Für Patienten mit einer täglichen Dosis von 0.20 mg/kg Körpergewicht
Dosisstärke Körpergewicht
15 mg/1.5 ml (10 mg/ml) 4–40 kg
60 mg/1.5 ml (40 mg/ml) 14–160 kg
150 mg/1.5 ml (100 mg/ml) ab 35 kg
300 mg/3 ml (100 mg/ml) ab 55 kg
Für Patienten mit einer täglichen Dosis von 0.25 mg/kg Körpergewicht
Dosisstärke Körpergewicht
15 mg/1.5 ml (10 mg/ml) 3–32 kg
60 mg/1.5 ml (40 mg/ml) 11–128 kg
150 mg/1.5 ml (100 mg/ml) ab 28 kg
300 mg/3 ml (100 mg/ml) ab 44 kg
ZulassungsinhaberinNovo Nordisk Pharma AG, Kloten
Domizil: Zürich
Stand der InformationSeptember 2025
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