InteraktionenPhenprocoumon hat ein enges therapeutisches Fenster und Vorsicht ist bei jeder Behandlung mit weiteren Arzneimitteln geboten. Bei jeder neuen Begleitmedikation sollten die individuellen Fachinformationen im Hinblick auf eine Anpassung der Marcoumar-Dosis und die Therapiekontrollen hinzugezogen werden. Selbst wenn keine Informationen verfügbar sind, sollte die Möglichkeit einer Interaktion in Betracht gezogen werden. Mit jedem Therapiebeginn oder –ende sollte eine verstärkte Überwachung erwogen werden, wenn allfällige Zweifel bezüglich des Ausmasses einer Interaktion bestehen.
Häufig verordnete Arzneimittel können die antikoagulierende Wirkung von Coumarinderivaten potenzieren oder antagonisieren. Falls andere Arzneimittel angewendet werden müssen (oder abgesetzt werden) sollten Patienten darauf hingewiesen werden, unbedingt zuerst mit dem Arzt, der die Antikoagulation überwacht, Rücksprache zu halten.
Phenprocoumon wird hauptsächlich durch die CYP450 Isoenzyme 2C9 und 3A4 metabolisiert.
Gleichzeitige Anwendung von den Substraten, Induktoren oder Inhibitoren dieser Isoenzyme können die Wirkung von Phenprocoumon beeinflussen.
Wirkung anderer Arzneimittel auf Marcoumar
Substanzen, welche die Wirkung oraler Antikoagulantien verstärken können
Inhibitoren von CYP2C9 und CYP3A4 oder kompetitive Substrate können die antikoagulative Wirkung von Marcumar verstärken.
Andere Anitkoagulantien wie Heparin, niedermolekulare Heparine sowie Thrombozytenaggregationshemmer, wie Clopidogrel, können die Wirkung von Phenprocoumon durch ihre antikoagulativen Eigenschaften verstärken und zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen. Bei gleichzeitiger Gabe empfiehlt es sich, häufigere Gerinnungskontrollen durchzuführen, speziell zu Therapiebeginn oder bei Absetzen von Phenprocoumon.
Weitere Beispiele von Substanzen, die die antikoagulative Wirkung verstärken können: Allopurinol, Amiodaron, Chinidin, Anabolika, Fibrate, Cisaprid, Cimetidin, Disulfiram, Antiphlogistika (Salicylate und einige nichtsteroide Antirheumatika einschliesslich COX-2 Hemmer), Tamoxifen, Carbimazol, Thyroxin, Glukosamin, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI's), Statine (z.B. Simvastatin), Tramadol und bestimmte antibakterielle Substanzen (z.B. Amoxicillin mit/ohne Clavulansäure), Cotrimoxazole, verschiedene Cephalosporine (z.B. Ceftriaxon), Chloramphenicol, Aminoglykloside, Cloxacillin, verschiedene Quinolone (z.B. Levofloxacin), Sulfonamide, Clarithromycin, Erythromycinderivate, Lincosamide (z.B. Clindamycin), Tetrazykline (z.B. Doxycyclin), Neomycin, Fluoroquinolone sowie Imidazole (z.B. Ketokonazol) und Triazolderivate.
Es wurde bei Vitamin-K-Antagonisten berichtet, dass die gerinnungshemmende Wirkung bei der gleichzeitigen Einnahme von Paracetamol in höheren Dosen oder bei regelmässiger Anwendung verstärkt wurde. Häufigere Gerinnungstests sollten in Betracht gezogen werden, um sicherzustellen, dass die INR-Werte sich weiterhin innerhalb des empfohlenen Bereichs bewegen.
Grapefruit interagiert durch die CYP3A4 Hemmung mit vielen Substanzen, unter anderem mit Phenprocoumon, und kann dadurch zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen.
Vorsicht ist geboten, wenn Patienten zusätzlich zu Vitamin-K-Antagonisten, Goji-Saft oder -Beeren einnehmen.
Eine Veränderung der Gerinnungsparameter und/oder Blutungen wurden bei Patienten berichtet, die Fluorouracil und verwandte Prodrugs zusammen mit Cumarin-Derivaten, wie Warfarin und Phenprocoumon, einnahmen.
Substanzen, welche die Wirkung oraler Antikoagulanzien abschwächen können
CYP2C9 oder CYP3A4 Inducer können den antikoagulierenden Effekt von Marcoumar hemmen, wie z.B. Barbiturate, Carbamazepin, Colestyramin, Rifampicin, Metformin und Vitamin-K-Produkte.
Bei Behandlung mit Hypericum-Extrakten wurde über Wirkungsverminderung und Reduktion der Plasma-Konzentration von oralen Antikoagulantien berichtet. Dies ist möglicherweise die Folge einer Induktion von CYP450Enzymen. Bei oral antikoagulierten Patienten ist, besonders zu Beginn und nach dem Absetzen einer Johanniskraut-Behandlung, engmaschig der INR-Wert zu kontrollieren.
Substanzen, mit unterschiedlicher Wirkung auf orale Antikoagulanzien
Alkohol hat unterschiedliche Auswirkungen auf orale Antikoagulanzien. Bei hohem gewohnheitsmässigem Alkoholkonsum kann die gerinnungshemmende Wirkung herabgesetzt sein, doch ist bei Leberinsuffizienz auch eine verstärkte Wirkung möglich. Akuter Alkoholkonsum kann die gerinnungshemmende Wirkung verstärken.
Es wurde beobachtet, dass kombinierte Östrogen-Gestagen-Kontrazeptiva die Clearance von Phenprocoumon erhöhen, ohne aber dessen gerinnungshemmende Wirkung zu verändern.
Kortikosteroide
Hohe Dosen können den antikoagulativen Effekt von Coumarinen verstärken. Die Gabe von niedrigen oder mässigen Dosen scheint lediglich geringfügige Verstärkungen oder Abschwächungen der Antikoagulation zu bewirken.
Wirkung von Marcoumar auf andere Arzneimittel
Bei gleichzeitiger Anwendung kann Marcoumar die Wirkung von Sulfonylharnstoffen verstärken (Hypoglykämiegefahr!).
Phenylbutazon sollte bei mit Marcoumar behandelten Patienten nicht angewendet werden.
Einnahme von Marcoumar mit Nahrung und Getränken
Die Resorptionsrate von Marcoumar und die Clearance von freiem Phenprocoumon werden leicht durch gleichzeitige Aufnahme von Essen herabgesetzt. Die klinische Relevanz erscheint gering, jedoch können Lebensmittel, die reich an Vitamin-K1 sind, die antikoagulierenden Eigenschaften von Marcoumar verringern (egal, ob sie gleichzeitig oder später eingenommen werden).
Grapefruit hemmt CYP3A4 und kann zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen», «Interaktionen»). Bei gleichzeitiger Einnahme von Goji-Beeren oder Saft wurde eine Verstärkung der antikoagulierenden Wirkung von Warfarin berichtet. Der Mechanismus dieser Interaktion ist augenblicklich unklar und eine ähnliche Interaktion mit Phenprocoumon kann nicht ausgeschlossen werden (s. «Interaktionen»).
Frisches Gemüse (Spinat, verschiedene Kohlsorten) kann aufgrund seines Vitamin-K1-Gehalts die antikoagulatorische Wirkung von Marcoumar reduzieren (vor allem, wenn es schonend zubereitet oder in grösseren Mengen verzehrt wird).
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