Dosierung/AnwendungDie Therapie mit Retrovir AZT sollte von einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung der HIV-Infektion besitzt, eingeleitet und überwacht werden.
Die erforderliche Menge von Retrovir AZT i.v. muss verdünnt als Infusion langsam über einen Zeitraum von einer Stunde intravenös appliziert werden (vgl. «Verdünnung»).
Retrovir AZT i.v. darf nicht intramuskulär verabreicht werden.
Übliche Dosierung
Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre
Eine Dosis von 1 oder 2 mg/kg alle 4 Stunden entspricht einer oralen Zidovudin-Dosis von 1,5 oder 3 mg/kg alle 4 Stunden (600 oder 1200 mg täglich für einen 70 kg schweren Patienten). Patienten sollten Retrovir AZT i.v. nur solange erhalten, bis eine orale Therapie möglich ist.
Kinder
3 Monate bis 12 Jahre: Es liegen nur wenige Daten über den Einsatz von Retrovir AZT i.v. bei Kindern vor. Es wurden Dosen zwischen 80 und 160 mg/m2 KO alle 6 Stunden verwendet (320 bis 640 mg/m2/Tag).
Eine Dosis von 120 mg/m2 alle 6 Stunden entspricht ungefähr einer oralen Dosis von 720 mg/m2 täglich.
Unter 3 Monaten: Die verfügbaren Daten reichen nicht aus, um spezifische Dosierungsempfehlungen abzugeben (vgl. «Mutter-Kind-HIV-1-Transmission»).
Spezielle Dosierungsanweisungen
Mutter-Kind-HIV-1-Transmission
Zur Reduktion des HIV-1-Transmissionsrisikos sollte die Schwangere nach der 14. Schwangerschaftswoche peroral 500 mg täglich (5x täglich 100 mg) bis zum Wehenbeginn erhalten, was sich als wirksame Dosierung erwiesen hat. Während der Wehen und der Geburt sollte Retrovir AZT intravenös gegeben werden, und zwar während der 1. Stunde 2 mg/kg und nachher in einer Dauerinfusion in der Dosierung 1 mg/kg/Stunde bis zur Durchtrennung der Nabelschnur.
Das Neugeborene sollte oral 2 mg/kg alle 6 Stunden erhalten, erstmals innerhalb der ersten 12 Stunden nach der Geburt bis zum Alter von 6 Wochen. Säuglingen, denen peroral die Dosis nicht gegeben werden kann, erhalten Retrovir AZT intravenös, 1,5 mg/kg in einer Infusion über 30 Minuten alle 6 Stunden.
Ältere Patienten
Die Pharmakokinetik von Zidovudin bei Patienten im Alter über 65 Jahre wurde nicht untersucht, und es stehen keine spezifischen Daten zur Verfügung. Da bei dieser Altersgruppe wegen altersbedingter Veränderungen, wie der verminderten Nierenfunktion und Änderungen der hämatologischen Parameter, besondere Vorsicht angezeigt ist, wird eine angemessene Überwachung der Patienten vor und während der Anwendung von Retrovir AZT empfohlen.
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Intravenös wird bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz eine Dosierung von 1 mg/kg KG 3-4 mal pro Tag empfohlen. Bei einer Bioverfügbarkeit von 60-70% entspricht das der oralen Dosierung von 300-400 mg für dieses Patientenkollektiv.
Die hämatologischen Parameter und das klinische Befinden können eine Dosisanpassung nötig machen. Hämodialyse und Peritonealdialyse haben keinen wesentlichen Einfluss auf die Zidovudinausscheidung, während die Elimination des Glucuronidmetaboliten erhöht ist.
Bei Patienten im Endstadium einer Nierenerkrankung unter Hämo- oder Peritonealdialyse beträgt die empfohlene Dosis 100 mg alle 6 bis 8 Stunden (vgl. «Pharmakokinetik»).
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Daten von Patienten mit Leberzirrhose deuten darauf hin, dass Zidovudin bei Leberinsuffizienz infolge verminderter Glucuronidierung kumuliert. Eine Dosisanpassung kann notwendig werden, doch sind aufgrund der beschränkten Daten keine präzisen Dosierungsempfehlungen möglich. Falls eine Überwachung der Zidovudin-Plasmaspiegel nicht möglich ist, sollte der behandelnde Arzt den Patienten auf Anzeichen von Unverträglichkeit überwachen und gegebenenfalls die Dosis anpassen und/oder das Dosierungsintervall verlängern.
Patienten mit hämatologischen Veränderungen
Eine Dosisreduktion oder das Absetzen von Retrovir AZT kann bei Patienten nötig werden, deren Hämoglobinspiegel auf Werte zwischen 7,5 g/dl (4,65 mmol/l) und 9 g/dl (5,59 mmol/l) oder deren Neutrophilenzahl auf 0,75–1,0x 109/l fallen (vgl. «Kontraindikationen» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
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