Warnhinweise und VorsichtsmassnahmenWie bei allen intravenösen Substanzen können allergische Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten. Die Patienten sollten über die möglichen Frühzeichen von Unverträglichkeitsreaktionen aufgeklärt werden, wie zum Beispiel Hypotonie, Tachykardie, Brustkorbschmerz, Dyspnoe, Ödeme (inklusive Gesichts- und Augenlidödeme), Urtikaria, Ausschlag, Hitzegefühl und Pruritus sowie Anaphylaxie bis hin zum anaphylaktischen Schock.
Die Patienten sollten angewiesen werden, beim Auftreten dieser Symptome die Behandlung abzubrechen und sofort ihren Arzt zu konsultieren. Die Behandlung des Schocks erfolgt nach den Regeln der modernen Schocktherapie.
Auch über andere infusionsbedingte Reaktionen wie Schüttelfrost, Fieber und Übelkeit wurde im Zusammenhang mit IMMUNATE S/D berichtet.
Da bei Verabreichung maximaler Tagesdosen die Natriummenge von 200 mg überschritten werden kann, können Personen, die unter einer niedrigeren Natriumdiät stehen, ungünstig beeinflusst werden.
250 I.E. und 500 I.E. Durchstechflasche:
IMMUNATE S/D enthält ca. 9.8 mg Natrium pro Durchstechflasche. Dies entspricht 0.5% der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2g.
1000 I.E. Durchstechflasche:
IMMUNATE S/D enthält ca. 19.6 mg Natrium pro Durchstechflasche. Dies entspricht 1% der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2g.
Die Bildung von neutralisierenden Antikörpern (Inhibitoren) gegen Faktor VIII ist eine bekannte Komplikation bei der Behandlung von Patienten mit Hämophilie A. Diese Inhibitoren sind stets gegen die prokoagulatorische Aktivität von Faktor VIII gerichtete IgG Immunglobuline, die in Bethesda Einheiten (B.E.) pro ml Plasma mittels modifiziertem Bethesda Assay quantifiziert werden. Das Risiko, Inhibitoren zu entwickeln, korreliert mit dem Schweregrad der Erkrankung wie auch dem Ausmass der Exposition gegenüber dem Faktor VIII, wobei das Risiko innerhalb der ersten 50 Expositionstage am grössten ist. Das Risiko bleibt lebenslang bestehen, ist jedoch als seltenes Risik einzustufen. Patienten, die mit Koagulations-Faktor VIII vom Menschen behandelt werden, sollten sorgfältig klinisch und mit geeigneten Labortests hinsichtlich der Entwicklung von Inhibitoren überwacht werden. Siehe auch «Unerwünschte Wirkungen».
Das Risiko einer Inhibitor-Entwicklung hängt von einer Reihe von Faktoren ab, die mit speziellen Eigenschaften des jeweiligen Patienten zusammenhängen. Als wichtigste Risikofaktoren gelten unter anderem Art der Faktor VIII-Genmutation, Familienanamnese und ethnische Zugehörigkeit.
Inhibitoren wurden überwiegend bei nicht vorbehandelten Patienten berichtet.
IMMUNATE S/D wird aus humanem Plasma hergestellt. Standardmassnahmen zur Verhinderung von Infektionen (z.B durch Viren), die sich durch den Einsatz von Arzneimitteln ergeben, die aus Blut oder Blutplasma hergestellt werden, schliessen die Auswahl der Spender und das Screening der einzelnen Spenden und Plasmapools auf spezifische Infektionsmarker sowie den Einsatz effektiver Schritte zur Inaktivierung/Entfernung von Viren im Herstellungsverfahren ein. Dennoch kann bei der Verabreichung von Arzneimitteln aus menschlichem Blut oder Blutplasma die Möglichkeit der Übertragung von Krankheitserregern nicht völlig ausgeschlossen werden. Dies gilt auch für bislang unbekannte oder neu aufgetretene Viren und andere Pathogene.
Die ergriffenen Sicherheitsmassnahmen werden als wirksam gegen umhüllte Viren wie z.B. HIV, HBV und HCV sowie gegen das unbehüllte Hepatitis A Virus (HAV) betrachtet. Für Parvovirus B19 können die getroffenen Massnahmen von eingeschränktem Wert sein.
Parvovirus B19-Infektionen können schwerwiegende Folgen für schwangere Frauen (fötale Infektion) und für Personen mit Immunmangelkrankheiten oder gesteigerter Erythropoese (z.B. hämolytische Anämie) haben.
Bei einer längerfristigen Behandlung mit einem von-Willebrand-Faktor Produkt, das Faktor VIII enthält, kann der Faktor-VIII:C-Spiegel stark ansteigen. Bei der Behandlung von Patienten mit von-Willebrand-Syndrom besteht ein Risiko hinsichtlich des Auftretens thrombotischer Ereignisse, besonders bei Vorliegen von bekannten klinischen oder labortechnisch belegten Risikofaktoren. Deshalb müssen Risikopatienten auf frühe Zeichen von Thrombosen hin überwacht werden. Bei Patienten, bei denen in der Vergangenheit bereits venöse Thromboembolien aufgetreten sind, wurde ein endogener hoher Faktor-VIII-Spiegel mit einem erhöhten Risiko für spätere thrombotische Ereignisse in Verbindung gebracht.
Bei Patienten, die mit einem von-Willebrand-Faktor Produkt behandelt werden, das Faktor VIII enthält, sollte unbedingt der Faktor-VIII:C-Plasmaspiegel überwacht werden, um eine dauerhafte Erhöhung zu vermeiden, da dies mit einem erhöhten Risiko für thrombotische Ereignisse einhergeht.
Eine Prophylaxe gegenüber Thromboembolien sollte gemäss den aktuellen Empfehlungen durchgeführt werden.
Patienten mit von-Willebrand-Syndrom, besonders solche mit Typ 3, können neutralisierende Antikörper (Inhibitoren) gegen den von-Willebrand-Faktor entwickeln.
Solche Antikörper können auch eine Anaphylaxie auslösen. Patienten, bei denen es zu einer anaphylaktischen Reaktion kommt, sollten daher auf Inhibitoren gegen den von-Willebrand-Faktor untersucht werden.
Wenn der erwartete Anstieg der von-Willebrand-Restocetin-Cofaktor-Aktivität im Plasma nicht erreicht wird, oder wenn Blutungen nicht mit einer entsprechenden Dosis beherrscht werden können, sollen geeignete Tests auf die Anwesenheit von von-Willebrand-Inhibitoren durchgeführt werden. Es besteht die Möglichkeit, dass bei Patienten mit hohen Inhibitortitern die von-Willebrand-Therapie nicht effektiv ist und andere therapeutische Massnahmen in Betracht gezogen werden sollten. Die Behandlung solcher Patienten sollte unter der Leitung von Ärzten durchgeführt werden, die mit der Behandlung von Patienten mit Gerinnungsstörungen vertraut sind.
Für Patienten, die regelmässig Präparate aus menschlichem Blut oder Plasma erhalten, wird grundsätzlich eine Impfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B empfohlen.
Es wird empfohlen, bei jeder Verabreichung von IMMUNATE S/D an einen Patienten den Namen und die Chargennummer des Präparates zu dokumentieren, um einen Zusammenhang zwischen Patient und Produktcharge herzustellen.
IMMUNATE S/D enthält Blutgruppen-Isoagglutinine (anti-A und anti-B). Bei Patienten mit Blutgruppe A, B oder AB kann es nach wiederholter Anwendung in kurzen Abständen oder nach der Anwendung sehr hoher Dosen zu einer Hämolyse kommen. Sehr hohe Dosen innerhalb kurzer Zeit werden möglicherweise im Rahmen einer Immuntoleranztherapie zur Behandlung einer Hämophilie A mit Faktor-VIII-Inhibitor angewendet.
Vor der Anwendung von IMMUNATE S/D muss unbedingt sichergestellt werden, dass es sich bei der Gerinnungsstörung tatsächlich um einen Faktor-VIII-Mangel (Hämophilie A) oder einen Mangel an von-Willebrand-Faktor (von-Willebrand-Syndrom) handelt.
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