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Fachinformation zu Arixtra®:Viatris Pharma GmbH
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Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
B01AX05
Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik
Fondaparinux ist ein vollsynthetisches Pentasaccharid aus der Klasse der Glykosaminoglykane. Es enthält keinerlei Bestandteile tierischer Herkunft. Fondaparinux bindet sich spezifisch an Antithrombin III und aktiviert es. Im Gegensatz zu Heparin, das ebenfalls über Antithrombin III wirkt, beruht die antithrombotische Wirkung von Fondaparinux auf der alleinigen selektiven Hemmung des Faktors Xa. Die physiologische, AT-III-vermittelte Hemmung des Faktors Xa wird bei Anwesenheit von Fondaparinux katalysiert und um den Faktor 300 beschleunigt, während das Thrombin (Faktor IIa) nicht gehemmt wird. Fondaparinux hat keine Wirkung auf die Thrombozyten. Bei der empfohlenen Dosierung wird weder die fibrinolytische Aktivität noch die Blutungszeit beeinflusst. Bei der in Interaktionsstudien verwendeten Dosis von 10 mg hatte Arixtra keinen Einfluss auf die antikoagulierende Wirkung von Warfarin.
Im Serum von Patienten, welche eine Heparin-induzierte Thrombopenie aufwiesen, wurde keine Kreuzreaktion mit Fondaparinux gefunden.
Klinische Wirksamkeit
Prophylaxe venöser thromboembolischer Ereignisse nach grösseren orthopädisch-chirurgischen Eingriffen
Mehr als 8000 Patienten (Alter 17-101 Jahre, 30-226 kg Körpergewicht) mit einem grösseren orthopädisch-chirurgischen Eingriff an den unteren Extremitäten sind in kontrollierten klinischen Studien der Phasen II und III untersucht worden.
Hauptkriterium der Wirksamkeit war bei allen Studien der Anteil Patienten mit einem venösen thromboembolischen Ereignis (VTE) [phlebographisch bestätigte tiefe Venenthrombose, symptomatische tiefe Venenthrombose, nicht tödliche und/oder tödliche Lungenembolie].
Zwei Dosis-Wirkungs-Studien mit Fondaparinux (0,75-8 mg 1× tgl.) bei Hüftersatz und grösseren Operationen am Knie haben einen signifikanten Dosiseffekt bei der Vorbeugung venöser thromboembolischer Ereignisse gezeigt. Diese Studien ermöglichten es, die tägliche Dosis von Fondaparinux für das klinische Entwicklungsprogramm der Phase III auf 2,5 mg festzulegen.
Von 7344 randomisierten Patienten wurden 5385 ausgewertet. 2682 von diesen (Population der primären Wirksamkeitsanalyse) erhielten Arixtra in vier doppelblinden Phase-III-Vergleichsstudien bei orthopädischen Eingriffen an den unteren Extremitäten: PENTHIFRA (Hüftfraktur, n=626), PENTAMAKS (Knieprothese, n=361), PENTATHLON 2000 (Hüftprothese, n=787) und EPHESUS (Hüftprothese, n=908).
Die Häufigkeit venöser thromboembolischer Ereignisse (VTE) wurde mit Arixtra gegenüber dem Vergleichsprodukt um insgesamt mehr als 50% gesenkt
In der Studie PENTHIFRA betrug die VTE-Rate mit Arixtra 8,3% gegenüber 19,1% mit Enoxaparin (p<0,0001). In der Studie PENTAMAKS war die VTE-Rate mit Arixtra 12,5% gegenüber 27,8% mit Enoxaparin (p<0,0001). In der Studie PENTATHLON betrug die VTE-Rate mit Arixtra 6,1% gegenüber 8,3% mit Enoxaparin (p<0,099). In der Studie EPHESUS war die VTE-Rate mit Arixtra 4,1% gegenüber 9,2% mit Enoxaparin (p<0,0001).
In den klinischen Studien entwickelten 4,4% der Patienten Antikörper gegen Fondaparinux (ELISA positiv). 16,5% von diesen reagierten auf den Serotonin-Freisetzungstest positiv. Es wurde kein Zusammenhang mit Thrombozytopenie oder Lungenembolie festgestellt.
Prophylaxe venöser thromboembolischer Ereignisse während 24 Tagen nach initialer Prophylaxe während 1 Woche bei Patienten nach Operation wegen Hüftfraktur
In einer randomisierten, doppelblinden klinischen Studie (Penthifra plus) wurden 737 Patienten nach Operation wegen Hüftfraktur mit Arixtra 2,5 mg einmal täglich während 7 ± 1 Tagen behandelt. Am Ende dieses Behandlungszeitraumes wurden 656 Patienten randomisiert und erhielten für weitere 21 ± 2 Tage entweder einmal täglich Arixtra 2,5 mg oder Plazebo.
Die Patienten in der Studie waren zwischen 23 und 96 Jahren alt. Das mittlere Alter betrug 79 Jahre, wobei 16,5% der behandelten Patienten unter 65 Jahre, 19,5% zwischen 65 und 75 Jahren und 63,8% ≥75 Jahre alt waren.
Mit Fondaparinux konnte die Rate venöser thromboembolischer Ereignisse (VTE) gegenüber Plazebo hochsignifikant um 96% (95%-CI: 87%-100%) gesenkt werden [3 Patienten (1,4%) gegenüber 77 Patienten (35%)]. Parallel dazu senkte Fondaparinux die Rate symptomatischer VTE (tiefe Venenthrombosen, tödliche und nicht tödliche Lungenembolien) gegenüber Plazebo signifikant um 89% (95%-CI: 68%-100%) [0,3% gegenüber 2,7%].
Grössere Blutungen, alle im Operationsbereich, wurden bei 8 (2,4%) der mit Arixtra 2,5 mg behandelten Patienten im Vergleich zu 2 (0,6%) unter Plazebo beobachtet (p=0,063):
·ein vorzeitiger Abbruch der Behandlung erfolgte bei zwei Patienten der Arixtra- und einem Patienten der Plazebo-Gruppe.
·in beiden Gruppen führten jeweils 2 dieser grösseren Blutungen (0,6%) zu einer chirurgischen Reintervention.
Fünf Patienten (1,5%) in der Behandlungsgruppe mit Arixtra 2,5 mg starben, im Vergleich zu 7 Patienten (2,1%) der Plazebo-Gruppe. Die beiden zusätzlichen Todesfälle in der Plazebo-Gruppe waren Folge einer Lungenembolie.
Prophylaxe venöser thromboembolischer Ereignisse (VTEs) bei medizinischen Patienten mit einem Risiko für Thromboembolie-Komplikationen aufgrund der eingeschränkten Mobilität während einer akuten Erkrankung
Im Rahmen einer randomisierten, doppelblinden klinischen Studie wurden 839 Patienten für eine Dauer zwischen 6 und 14 Tagen mit Arixtra 2,5 mg einmal täglich oder Plazebo behandelt. An dieser Studie haben Patienten im Alter ab 60 Jahren teilgenommen, die wegen Stauungsinsuffizienz der NYHA-Klassen III/IV und/oder akuter Atemwegskrankheit und/oder akuten Infektions- oder entzündlichen Krankheiten immobilisiert waren. Die Behandlung mit Arixtra führte zu einer signifikanten Verringerung der Gesamtrate der VTEs im Vergleich zu Placebo [18 Patienten (5,6%) gegenüber 34 Patienten (10,5%)]. Auch die Häufigkeit von PE (Pulmonalembolien) mit tödlichem Ausgang war durch die Arixtra-Behandlung signifikant verringert [0 Patienten (0,0%) gegenüber 5 Patienten (1,2%)]. Grössere Blutungen waren bei jeweils 1 Patienten (0,2%) der beiden Gruppen zu beobachten.
Prophylaxe venöser thromboembolischer Ereignisse (VTE) bei Patienten mit Bauchoperationen und einem hohen Risiko für Thromboembolie-Komplikationen
Im Rahmen einer Studie erhielten 2927 Patienten entweder Arixtra 2,5 mg einmal täglich oder Dalteparin 5000 IE einmal täglich (präoperative Injektion von 2500 IE) für eine Dauer von 7 ± 2 Tagen nach einer Bauchoperation.
Die Häufigkeit von VTE unter Fondaparinux im Vergleich zu Dalteparin betrug 4,6% (Fondaparinux-Gruppe) vs. 6,1% (Dalteparin-Gruppe), (Reduktion der Odds-Ratio -25,8% [95% CI: -49,7%, 9,5%; p=0,14]). Symptomatische VTEs traten mit einer vergleichbaren Häufigkeit auf: bei 6 Patienten (0,4%) aus der Fondaparinux-Gruppe gegenüber 5 Patienten (0,3%) aus der Dalteparin-Gruppe.
Bei Patienten mit einer Krebsoperation, der mit 69% des Gesamtkollektivs grössten Untergruppe dieser klinischen Studie, lag die VTE-Häufigkeit bei 4,7% bei der Fondaparinux-Gruppe gegenüber 7,7% bei der Dalteparin-Gruppe.
Grössere Blutungen wurden bei 3,4% der Patienten aus der Fondaparinux-Gruppe und bei 2,4% aus der Dalteparin-Gruppe beobachtet.
Behandlung tiefer Venenthrombosen
In einer randomisierten doppelblinden klinischen Studie erhielten Patienten mit nachgewiesener akuter symptomatischer tiefer Venenthrombose Arixtra 5 mg (Körpergewicht (KG) <50 kg), 7,5 mg (KG ≥50 kg, ≤100 kg) oder 10 mg (KG >100 kg) einmal täglich subkutan. Als Vergleich diente Enoxaparin-Natrium 1 mg/kg subkutan zweimal täglich. Insgesamt wurden 2192 Patienten behandelt, und zwar in beiden Gruppen während mindestens 5 Tagen (durchschnittlich 7 Tage). Beide Gruppen erhielten eine Behandlung mit einem Vitamin-K-Antagonisten, die im Allgemeinen innerhalb von 72 Stunden nach der ersten Gabe von Arixtra oder Enoxaparin begann und während 90 ± 7 Tagen fortgeführt wurde. Die Dosis des Vitamin-K-Antagonisten wurde regelmässig angepasst, um die INR zwischen 2 und 3 zu halten. Das primäre Wirksamkeitskriterium setzte sich zusammen aus nachgewiesenen symptomatischen nicht letalen rezidivierenden thromboembolischen Ereignissen und letalen thromboembolischen Ereignissen, die bis zum Tag 97 mitgeteilt wurden.
Unter der Behandlung mit Arixtra betrug die Inzidenz der venösen Thromboembolie 3,9% gegenüber 4,1% mit Enoxaparin-Natrium.
Grössere Blutungen während der initialen Behandlungsphase beobachtete man bei 1,1% der mit Fondaparinux und 1,2% der mit Enoxaparin behandelten Patienten.
Behandlung der Lungenembolie
In einer offenen randomisierten klinischen Studie bei Patienten mit nachgewiesener akuter symptomatischer Lungenembolie verabreichte man Arixtra 5 mg (KG <50 kg), 7,5 mg (KG ≥50 kg, ≤100 kg) oder 10 mg (KG >100 kg) subkutan einmal täglich im Vergleich zu einem als Bolus applizierten nicht fraktionierten Heparin (5000 IE), gefolgt von einer kontinuierlichen intravenösen Infusion bis zum Erhalt einer aPTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) zwischen 1,5 und 2,5. Insgesamt wurden 2'184 Patienten behandelt und zwar in beiden Gruppen während mindestens 5 Tagen (durchschnittlich 7 Tage). Beide Gruppen erhielten eine Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten, die im Allgemeinen innerhalb von 72 Stunden nach der ersten Gabe von Arixtra oder nicht fraktioniertem Heparin begann und während 90 ± 7 Tage weitergeführt wurde, mit regelmässiger Dosisanpassung, um die INR zwischen 2 und 3 zu halten. Das primäre Wirksamkeitskriterium setzte sich zusammen aus nachgewiesenen rezidivierenden symptomatischen nicht letalen thromboembolischen Ereignissen und letalen thromboembolischen Ereignissen, die bis zum Tag 97 mitgeteilt wurden. Die Inzidenz venöser thromboembolischer Ereignisse betrug mit Arixtra 3,8% im Vergleich zu 5,0% mit nicht fraktioniertem Heparin.
Während der initialen Behandlungsphase kam es bei 1,3% der mit Fondaparinux und 1,1% der mit nicht fraktioniertem Heparin behandelten Patienten zu grösseren Blutungen.
Behandlung der instabilen Angina pectoris oder des Myokardinfarktes ohne ST-Hebung (UA/NSTEMI)
In einer doppelblinden, randomisierten Studie bei 20'000 Patienten mit NSTEMI (OASIS-5) wurde Fondaparinux 2,5 mg subkutan einmal täglich im Vergleich zu Enoxaparin 1 mg/kg subkutan zweimal täglich während durchschnittlich 6 Tagen verabreicht.
Im kombinierten Endpunkt Tod, Myokardinfarkt und refraktäre Ischämie innerhalb 9 Tagen war Fondaparinux therapeutisch äquivalent zu Enoxaparin mit 5,8% vs. 5,7% (Hazard Ratio 1,01, 95% CI, 0,90, 1,13, p-Wert=0,003). Gesamtmortalität bei Fondaparinux 2,9%, Enoxaparin, 3,5%, Hazard Ratio 0,83, 95% CI, 0,71, 0,97, p=0,02).
Bei Fondaparinux war die Inzidenz von schweren Blutungen statistisch signifikant geringer als bei Enoxaparin mit 2,1% vs. 4,1% (Hazard Ratio 0,52, 95% CI, 0,44, 0,61, p<0,001).
Bei Patienten, die ein Bypass-Transplantat für die Koronararterien (CABG) erhielten, fiel die Inzidenz von schweren Blutungen bis Tag 9 unter der Behandlung mit Fondaparinux (9,7%) und Enoxaparin (9,8%) ähnlich aus.
Behandlung des UA/NSTEMI bei Patienten, die sich einer nachfolgenden PCI mit zusätzlicher UFH-Gabe unterziehen
In einer Studie mit 3235 UA/NSTEMI-Hochrisikopatienten, die für eine Angiografie vorgesehen waren und unverblindet Fondaparinux erhielten (OASIS 8/FUTURA), wurden die 2026 Patienten, die für eine PCI vorgesehen waren, randomisiert einem von zwei doppelblinden Dosierungsschemata für die zusätzliche Gabe von UFH zugeordnet. Alle eingeschlossenen Patienten erhielten Fondaparinux 2,5 mg subkutan 1× täglich während einer Periode von bis zu 8 Tagen oder bis zur Entlassung aus dem Spital. Die randomisierten Patienten erhielten UFH entweder in «Niedrigdosierung» (50 IE/kg ungeachtet einer vorgesehenen Verwendung von GPIIb/IIIa; nicht ACT-gesteuert) oder in «Standarddosierung» (keine Verwendung von GPIIb/IIIa: 85 IE/kg, ACT-gesteuert; vorgesehene Verwendung von GPIIb/IIIa: 60 IE/kg, ACT-gesteuert) unmittelbar vor dem Beginn der PCI.
Die Patientenmerkmale und die Dauer der Fondaparinuxtherapie zu Studienbeginn waren bei beiden UFH-Gruppen vergleichbar.
Der primäre zusammengesetzte Endpunkt bestand aus der Behandlung zugesprochenen grösseren oder kleineren Blutungen in Zeitnähe zur PCI (definiert als die Zeit ab Randomisierung bis zu 48 Stunden nach dem Eingriff) oder grösseren Komplikationen am Ort des vaskulären Zugangs.

Endpunkte

Häufigkeit

Odds Ratio1 (95% CI)

p-Wert

UFH Niedrig-dosierung
n=1024

UFH Standard-dosierung
n=1002

Primär

Grössere oder kleinere Blutungen in Zeitnähe zur PCI oder grössere Komplikationen am Ort des vaskulären Zugangs

4,7%

5,8%

0,80 (0,54, 1,19)

0,267

Sekundär

Grössere Blutungen in Zeitnähe zur PCI

1,4%

1,2%

1,14 (0,53, 2,49)

0,734

Kleinere Blutungen in Zeitnähe zur PCI

0,7%

1,7%

0,40 (0,16, 0,97)

0,042

Grössere Komplikationen am Ort des vaskulären Zugangs

3,2%

4,3%

0,74 (0,47, 1,18)

0,207

Grössere Blutung in Zeitnähe zur PCI, Tod, MI oder TVR zu Tag 30

5,8%

3,9%

1,51 (1,0, 2,28)

0,051

Tod, MI oder TVR zu Tag 30

4,5%

2,9%

1,58 (0,98, 2,53)

0,059

1 Odds Ratio: Niedrigdosierung/Standarddosierung.
Abkürzungen: MI = Myokardinfarkt, TVR = target vessel revascularization (Revaskularisierung des Zielgefässes).
Katheterthrombosen während der PCI kamen bei 0,1% (1/1002) bzw. 0,5% (5/1024) der randomisierten Patienten mit «Standarddosierung» bzw. «Niedrigdosierung» von UFH vor.
Vier (0,3%) nichtrandomisierte Patienten hatten einen Thrombus im Diagnosekatheter während der koronaren Angiografie. Zwölf (0,37%) eingeschlossene Patienten hatten einen Thrombus in den Schleusen, wovon 7 unter der Angiografie und 5 während der PCI berichtet wurden.
Behandlung des ST-Hebungs-Myokardinfarktes (STEMI)
In einer Studie bei ca. 12'000 Patienten mit STEMI wurde Fondaparinux 2,5 mg s.c. einmal täglich im Vergleich zu Plazebo (Stratum 1) oder UFH (Stratum 2) untersucht. Die Behandlung erfolgte jeweils als Zusatz zur Standardbehandlung. Nahezu alle Patienten erhielten vor und während der Studie Acetylsalicylsäure und bei der Krankenhausaufnahme GPIIb/IIIa Rezeptorantagonisten zu 15% und Plättchenaggregationshemmer zu 50%. In Stratum 1 erhielten 78% der Patienten vor der Studientherapie eine nicht fibrinspezifische Lysetherapie mit Streptokinase oder Urokinase und 22% keine Reperfusionstherapie. Im Stratum 2 erhielten 15% eine fibrinspezifische Lysetherapie (Alteplase, Reteplase oder Tenekteplase), 3% eine nichtfibrinspezifische Lysetherapie, 59% eine PCI und 25% keine vorherige Reperfusionstherapie. Die mediane Behandlungsdauer mit Fondaparinux 2,5 mg betrug 8 Tage.
Im kombinierten Endpunkt Tod oder Re-Infarkt innerhalb von 30 Tagen war die Inzidenz der Ereignisse in der Gesamtpopulation bei Fondaparinux 9,7%, bei der Kontrolle 11,1% HR 0,89 (95% CI 0,77, 0,96; p=0,008). Bei Patienten mit vorhergehender Thrombolyse waren die Ereignisse mit 10,9% vs. 13,6% und bei Patienten ohne Reperfusion mit 12,1% vs. 15,0% bei Fondaparinux signifikant geringer, HR 0,79. Bei Vorbehandlung mit primärer PCI war die Inzidenz der Ereignisse mit 6,0% vs. 4,8% bei Fondaparinux häufiger, HR 1,26. Die Wirksamkeit von Fondaparinux bei primärer PCI ist nicht gezeigt (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Insgesamt erlitten 1,1% der mit Fondaparinux behandelten Patienten und 1,4% der Kontrollpatienten nach den modifizierten TIMI-Kriterien bis Tag 9 eine schwere Blutung.
Therapie von Patienten mit akuter, symptomatischer, spontaner, oberflächlicher Venenthrombose ohne begleitende tiefe Venenthrombose (TVT)
In einer randomisierten, doppelblinden klinischen Studie (CALISTO) wurden 3002 Patienten mit akuter, symptomatischer, spontaner, oberflächlicher Venenthrombose der unteren Extremitäten eingeschlossen, die mindestens eine Länge von 5 cm aufwies und durch eine Kompressionsultraschalluntersuchung bestätigt wurde. Patienten mit einer begleitenden tiefen Venenthrombose oder einer oberflächlichen Venenthrombose, die sich näher als 3 cm an der Crossenregion befand, wurden ausgeschlossen. Ebenfalls wurden Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung, schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance <30 ml/min), niedrigem Körpergewicht (<50 kg), aktiver Krebserkrankung, symptomatischer Lungenembolie oder einer tiefen Venenthrombose/Lungenembolie in der jüngeren Vorgeschichte (<6 Monate) oder oberflächlicher Venenthrombose (<90 Tage), oder einer oberflächlichen Venenthrombose als Folge einer Varizenverödung oder einer Komplikation einer intravenösen Infusion oder einem erhöhten Blutungsrisiko ausgeschlossen.
Die Patienten wurden randomisiert und erhielten entweder einmal täglich Fondaparinux 2,5 mg oder Placebo in Ergänzung zu elastischen Kompressionsstrümpfen und analgetisch wirkenden und/oder topischen, anti-entzündlichen Arzneimitteln (NSAR) über eine Dauer von 45 Tagen. Die Nachbeobachtung wurde bis zum Tag 77 fortgesetzt. Die Studienpopulation war zu 64% weiblich, mit einem mittleren Alter von 58 Jahren und 4,4% hatten eine Kreatinin-Clearance <50 ml/min.
Der primäre Wirksamkeitsendpunkt, ein zusammengesetzter Endpunkt aus symptomatischer Lungenembolie, symptomatischer tiefer Venenthrombose, Ausdehnung der symptomatischen oberflächlichen Venenthrombose, Wiederauftreten einer symptomatischen oberflächlichen Venenthrombose oder Tod bis zum Tag 47, wurde von 5,9% unter Placebo auf 0,9% bei den Fondaparinux-Patienten signifikant reduziert (relative Risiko-Reduktion: 85,2%, 95% KI, 73,7% bis 91,7% [p<0,001]). Das Auftreten jeder einzelnen thromboembolischen Komponente des zusammengesetzten primären Endpunkts wurde ebenfalls wie folgt signifikant gesenkt: symptomatische Lungenembolie [0 (0%) gegenüber 5 (0,3%) (p=0,031)]; symptomatische tiefe Venenthrombose [3 (0,2%) gegenüber 18 (1,2%); relative Risikoreduktion 83,4% (p<0,001)]; symptomatische Ausdehnung der oberflächlichen Venenthrombose [4 (0,3%) gegenüber 51 (3,4%); relative Risikoreduktion 92,2% (p<0,001)]; Wiederauftreten einer symptomatischen oberflächlichen Venenthrombose [5 (0,3%) gegenüber 24 (1,6%); relative Risikoreduktion 79,2% (p<0,001)].
Die Mortalitätsraten waren niedrig und zwischen den Behandlungsgruppen vergleichbar mit 2 (0,1%) Todesfällen in der Fondaparinux-Gruppe gegenüber 1 (0,1%) in der Placebo-Gruppe.
Die Wirksamkeit blieb bis zum Tag 77 erhalten und war über alle im Voraus definierten Subgruppen konsistent – einschliesslich der Patienten mit Varizen und oberflächlichen Venenthrombosen unterhalb des Knies.
Grössere Blutungen während der Behandlung ereigneten sich bei 1 (0,1%) Patienten unter Fondaparinux und bei 1 (0,1%) Patienten unter Placebo. Klinisch relevante, kleinere Blutungen ereigneten sich bei 5 (0,3%) Fondaparinux-Patienten und 8 (0,5%) Placebo-Patienten.
Pädiatrische Population
Behandlung von venösen Thromboembolien (VTE) bei pädiatrischen Patienten
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Fondaparinux bei pädiatrischen Patienten wurden in prospektiven, randomisierten klinischen Studien nicht nachgewiesen.
In einer offenen, einarmigen, retrospektiven klinischen Studie wurden 366 pädiatrische Patienten an einem einzigen Zentrum in einem Kinderkrankenhaus der Tertiärversorgung nacheinander mit Fondaparinux behandelt. Von diesen 366 Patienten wurden 313 Patienten mit der Diagnose einer VTE in die Wirksamkeitsanalyse einbezogen. Von den 313 Patienten waren 30 Patienten <2 Jahre alt, 61 Patienten waren 2 bis <6 Jahre alt, 72 Patienten waren 6 bis <12 Jahre alt und 150 Patienten waren 12 bis <18 Jahre alt.
Die Patienten begannen mit Fondaparinux 0,1 mg/kg einmal täglich, wobei die Dosis bei Patienten mit einem Gewicht von über 20 kg auf die nächste Fertigspritze (2,5 mg, 5 mg oder 7,5 mg) aufgerundet wurde. Bei Patienten mit einem Gewicht von 10 bis 20 kg erfolgte die Dosierung auf der Grundlage des Körpergewichts ohne Aufrundung auf die nächste Fertigspritze. Die Fondaparinux-Spiegel wurden nach der zweiten oder dritten Dosis überwacht, bis therapeutische Werte erreicht waren. Anschliessend wurden die Fondaparinux-Spiegel wöchentlich während der stationären Aufnahme und etwa alle 1 bis 3 Monate während der ambulanten Behandlung kontrolliert. Die Dosierung wurde so angepasst, dass die Spitzenkonzentration von Fondaparinux im Blut innerhalb des therapeutischen Zielbereichs von 0,5-1,0 mg/l lag. Die Höchstdosis sollte 7,5 mg/Tag nicht überschreiten.
Die Patienten erhielten im Median eine Anfangsdosis von etwa 0,1 mg/kg Körpergewicht, was zu einer medianen Dosis von 1,37 mg in der Gruppe mit einem Gewicht von <20 kg, 2,5 mg in der Gruppe mit einem Gewicht von 20 bis <40 kg, 5 mg in der Gruppe mit einem Gewicht von 40 bis <60 kg und 7,5 mg in der Gruppe mit einem Gewicht von ≥60 kg führt.
Auf der Grundlage der Medianwerte dauerte es in allen Altersgruppen etwa 3 Tage, bis therapeutische Werte erreicht wurden. In der Studie betrug die mediane Dauer der Fondaparinux-Behandlung 85,0 Tage (Bereich 1 bis 3768 Tage).
Die primäre Wirksamkeit basierte auf der Messung des Anteils der pädiatrischen Patienten mit vollständiger Auflösung des Blutgerinnsels bis zu 3 Monaten (± 15 Tage). Die Zusammenfassungen der vollständigen Gerinnselauflösung der wichtigsten VTEs der Patienten nach Monat 3 sind nach Alters- und Gewichtsgruppen geordnet.
Zusammenfassung der vollständigen Gerinnselauflösung von Haupt-VTEs bis Monat 3 nach Altersgruppe

Parameter

<2 Jahre
(n=30)
n (%)

≥2 bis <6 Jahre
(n=61)
n (%)

≥6 bis <12 Jahre
(n=72)
n (%)

≥12 bis <18 Jahre
(n=150)
n (%)

Vollständige Auflösung von mindestens einem Gerinnsel, n (%)

14 (46,7)

26 (42,6)

38 (52,8)

65 (43,3)

Vollständige Auflösung aller Gerinnsel, n (%)

14 (46,7)

25 (41,0)

37 (51,4)

64 (42,7)

Zusammenfassung der vollständigen Gerinnselauflösung von Haupt-VTEs bis Monat 3 nach Gewichtsgruppe

Parameter

<20 kg
(n=91)
n (%)

20 bis <40 kg
(n=78)
n (%)

40 bis <60 kg
(n=70)
n (%)

≥60 kg
(n=73)
n (%)

Vollständige Auflösung von mindestens einem Gerinnsel, n (%)

42 (46,2)

42 (53,8)

30 (42,9)

28 (38,4)

Vollständige Auflösung aller Gerinnsel, n (%)

41 (45,1)

42 (53,8)

29 (41,4)

27 (37,0)

Bei sieben Patienten (1,9%) traten schwere Blutungen auf: 1 Patient (0,3%) hatte klinisch offene Blutungen, 3 Patienten (0,8%) hatten grössere Blutungen, und 3 Patienten (0,8%) hatten grössere Blutungen, die einen chirurgischen Eingriff erforderten. Schwere Blutungen führten bei 4 Patienten zu einer Unterbrechung der Fondaparinux-Behandlung und bei 3 Patienten zum Absetzen von Fondaparinux. Alle schwerwiegenden Blutungsereignisse wurden bei Patienten im Alter von ≥2 bis <18 Jahren gemeldet, und keines wurde bei Patienten im Alter von <2 Jahren gemeldet. Die meisten Patienten mit schwerwiegenden Blutungen hatten Grunderkrankungen, die ihr Blutungsrisiko erhöhten, was wahrscheinlich durch Fondaparinux verschlimmert wurde. Bei keinem Patienten kam es zu einem tödlichen Blutungsereignis.
Bei elf Patienten (3,0%) traten nicht-schwere Blutungen auf: 8 Patienten (2,2%) hatten offene Blutungen, für die ein Blutprodukt verabreicht wurde und die nicht direkt auf die Grunderkrankung des Patienten zurückzuführen waren, und 4 Patienten (1,1%) hatten Blutungen, die einen medizinischen oder chirurgischen Eingriff erforderten. Alle nicht schwerwiegenden Blutungsereignisse rechtfertigten entweder eine Unterbrechung oder ein Absetzen der Fondaparinux-Behandlung, mit Ausnahme eines Patienten, für den die mit Fondaparinux ergriffenen Massnahmen nicht berichtet wurden. Alle nicht schwerwiegenden Blutungsereignisse wurden bei Patienten im Alter von ≥2 bis <18 Jahren berichtet, und keines wurde bei Patienten <2 Jahren berichtet.

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