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Fachinformation zu Rocuronium Aguettant:Aguettant Suisse SA
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Fahrtücht.Unerw.WirkungenÜberdos.Eigensch.Pharm.kinetikPräklin.Sonstige H.Swissmedic-Nr.
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Zusammensetzung

Wirkstoffe
Rocuroniumbromid
Hilfsstoffe
Natriumacetat-Trihydrat (E 262), Natriumchlorid, Eisessig zur pH-Wert-Einstellung (E 260), Wasser für Injektionszwecke.
Enthält 8 mg Natrium pro 5 ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Rocuronium Aguettant ist für Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren angezeigt und wird als Zusatz zur Allgemeinanästhesie eingesetzt, um die tracheale Intubation bei Routineeinleitungen zu erleichtern und während chirurgischer Eingriffe eine vollständige Muskelrelaxation zu gewährleisten.

Dosierung/Anwendung

Dosierung
Wie alle neuromuskulären Blocker darf Rocuronium Aguettant nur von einem in der Anwendung dieser Arzneimittel erfahrenen Arzt oder unter dessen Aufsicht verabreicht werden.
Wie bei allen neuromuskulären Blockern ist die Dosierung von Rocuronium Aguettant patientenindividuell anzupassen. Die Dosierung richtet sich nach der Anästhesiemethode, der erwarteten Dauer des Eingriffs und der mechanischen Beatmung, der eingesetzten Sedierung, möglichen Arzneimittelinteraktionen sowie dem Zustand des Patienten.
Die Anwendung einer geeigneten neuromuskulären Überwachungstechnik wird zur Beurteilung der neuromuskulären Blockade sowie zur Erholung der Muskelfunktion empfohlen.
Inhalationsanästhetika potenzieren die neuromuskulär blockierende Wirkung von Rocuronium Aguettant. Diese Potenzierung wird während der Anästhesie erst dann klinisch relevant, wenn die Inhalationsanästhetika die für eine Wechselwirkung erforderlichen Gewebekonzentrationen erreicht haben. Daher sollten bei chirurgischen Eingriffen mit einer Dauer von mehr als 1 Stunde unter Inhalationsanästhesie die Erhaltungsdosen von Rocuronium Aguettant verringert und in längeren Abständen verabreicht werden (siehe «Wechselwirkungen»).
Beim Erwachsenen dienen die folgenden Dosierungsempfehlungen als Richtwerte für die endotracheale Intubation, die Muskelrelaxation bei kurz- bis langdauernden Eingriffen sowie für die kurzfristige Anwendung auf Intensivstationen.
Chirurgische Eingriffe
·Endotracheale Intubation
Erwachsene
Die Standarddosis zur Intubation bei Routineeinleitung beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid und ermöglicht bei 75–80 % der Patienten innerhalb von 60 Sekunden adäquate Intubationsbedingungen.
Für die endotracheale Intubation bei Blitzeinleitung wird eine Dosis von 1 mg/kg Rocuroniumbromid empfohlen. Mit dieser Dosis können bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden adäquate Intubationsbedingungen erreicht werden. Bei einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung sollte die Intubation erst 80–90 Sekunden nach der Verabreichung erfolgen.
Pädiatrische Population
Bei Kindern (≥2 Jahre) mit einem Gewicht von mehr als 10 kg ist die empfohlene Intubationsdosis während einer Routineanästhesie ähnlich wie bei Erwachsenen.
Rocuronium Aguettant darf Kindern unter 2 Jahren nicht verabreicht werden, da die Teilstriche der Fertigspritze in dieser Altersgruppe keine präzise Dosierung ermöglichen (siehe «Hinweise für die Handhabung»). Es stehen jedoch auch andere Rocuronium-Formulierungen zur Verfügung.
Die Erfahrung mit Rocuroniumbromid bei Blitzeinleitung bei Kindern ist begrenzt. Rocuroniumbromid wird daher zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei Blitzeinleitung für die pädiatrische Population nicht empfohlen.
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
Bei geriatrischen Patienten sowie bei Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz beträgt die Standarddosis zur Intubation bei Routineeinleitung 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid. Bei Patienten mit erwarteter verlängerter Wirkungsdauer kann zur Blitzeinleitung eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid erwogen werden. Wenn eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung verwendet wird, wird empfohlen, den Patienten erst 80 bis 90 Sekunden nach der Verabreichung von Rocuroniumbromid zu intubieren.
·Höhere Dosen
Falls eine höhere Dosis gerechtfertigt ist: Bei Initialdosen bis 2 mg/kg Rocuroniumbromid traten keine kardiovaskulären Nebenwirkungen auf. Eine höhere Dosis verkürzt die Anschlagzeit und verlängert die Wirkungsdauer (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»).
·Erhaltungsdosis
Erwachsene
Die empfohlene Erhaltungsdosis beträgt 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid; bei länger dauernder Inhalationsanästhesie 0,075–0,1 mg/kg. Erhaltungsdosen sollten vorzugsweise gegeben werden, wenn die Zuckungsamplitude wieder 25 % der Kontrollzuckungsamplitude erreicht hat oder 2 bis 3 Reizantworten auf eine Train-of-Four-Simulation (TOF) vorhanden sind.
Pädiatrische Population
Bei Kindern (≥12 Jahre) mit einem Körpergewicht über 35 kg sind die empfohlene Intubationsdosis während einer Routineanästhesie sowie die Erhaltungsdosis vergleichbar mit denen bei Erwachsenen.
Eine Erhaltungsdosis ist für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet, da die Teilstriche der Fertigspritze keine präzise Verabreichung des Arzneimittels in dieser Patientengruppe ermöglichen. Für diese Patientengruppe stehen jedoch andere Rocuronium-Formulierungen zur Verabreichung von Erhaltungsdosen zur Verfügung.
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
Unabhängig von der Anästhesietechnik liegt die empfohlene Erhaltungsdosis bei 0,075–0,1 mg/kg Rocuroniumbromid.
·Übergewichtige oder adipöse Patienten
Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (definiert als ein Körpergewicht von 30 % oder mehr des Idealgewichts) sollten die Dosen reduziert und auf der Grundlage des Idealgewichts berechnet werden.
Kurzfristige Anwendung auf der Intensivstation
·Endotracheale Intubation
Bei der endotrachealen Intubation werden die gleichen Dosen wie bei chirurgischen Eingriffen empfohlen.
·Spezialpopulationen
Rocuronium Aguettant wird zur Unterstützung der mechanischen Beatmung bei Kindern und älteren Patienten nicht empfohlen, da Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit fehlen.
Art der Anwendung
Rocuronium Aguettant wird intravenös als Bolus verabreicht (siehe «Sonstige Hinweise»).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Rocuronium, das Bromid-Ion oder einen der Bestandteile.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Da Rocuroniumbromid eine Lähmung der Atemmuskulatur verursacht, ist bei Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, eine künstliche Beatmung erforderlich, bis eine ausreichende Spontanatmung wiederhergestellt ist. Wie bei allen Muskelrelaxanzien ist es wichtig, Intubationsschwierigkeiten einzukalkulieren, insbesondere wenn Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung angewendet wird.
Bei Intubationsschwierigkeiten, die eine sofortige Aufhebung der durch Rocuronium induzierten neuromuskulären Blockade sollte die Verwendung von Sugammadex erwogen werden.
Restblockade
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern wurde auch unter Rocuroniumbromid eine Restblockade beobachtet. Um Komplikationen durch Restblockade zu vermeiden, darf erst extubiert werden, sobald sich der Patient ausreichend von der neuromuskulären Blockade erholt hat. Patienten ab 65 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für eine Restblockade.
Weitere Faktoren, die nach der Extubation in der postoperativen Phase eine Restblockade verursachen können (wie bestimmte Arzneimittelwechselwirkungen oder der Zustand des Patienten), müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Bei wahrscheinlicher Restblockade kann der Einsatz von Sugammadex oder einem anderen Antagonisten (z.B. Acetylcholinesterasehemmer) erwogen werden, auch wenn dies nicht zur Routine gehört (siehe «Überdosierung» und «Eigenschaften/Wirkungen»).
Anaphylaxie
Nach der Verabreichung von neuromuskulären Blockern können anaphylaktische Reaktionen auftreten (siehe «Nebenwirkungen»). Für die Behandlung solcher Reaktionen sind stets Vorkehrungen zu treffen. Bei Patienten mit vorherigen anaphylaktischen Reaktionen auf neuromuskuläre Blocker ist wegen möglicher Kreuzallergien mit diesen Wirkstoffen besondere Vorsicht geboten. Da bekannt ist, dass neuromuskuläre Blocker sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch die Freisetzung von Histamin auslösen können, müssen das Auftreten von Pruritus und Erythem an der Injektionsstelle sowie systemische histaminoide (anaphylaktoide) Reaktionen stets berücksichtigt werden.
Anwendung mit Suxamethonium
Bei Intubation mit Suxamethonium darf Rocuroniumbromid erst gegeben werden, wenn sich der Patient von der durch Suxamethonium hervorgerufenen neuromuskulären Blockade klinisch erholt hat (siehe «Wechselwirkungen»).
Da Rocuroniumbromid stets in Kombination mit anderen Arzneimitteln verwendet wird und während der Anästhesie selbst bei fehlenden bekannten Auslösefaktoren ein Risiko für maligne Hyperthermie besteht, müssen die Ärzte die Frühzeichen, die gesicherte Diagnosestellung sowie die Behandlung der malignen Hyperthermie vor Beginn der Anästhesie kennen. Tierstudien haben gezeigt, dass Rocuroniumbromid keine maligne Hyperthermie auslöst.
Nach Markteinführung wurden unter Rocuroniumbromid selten Fälle maligner Hyperthermie beobachtet. Ein ursächlicher Zusammenhang wurde nicht bestätigt.
Folgende Zustände können die Pharmakokinetik und/oder Pharmakodynamik von Rocuroniumbromid verändern:
Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen sowie Niereninsuffizienz
Da Rocuroniumbromid über Urin und Galle ausgeschieden wird, ist bei Patienten mit klinisch relevanten Leber-/Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz Vorsicht geboten. Bei diesen Patienten wurde eine Verlängerung der Wirkungsdauer bei Dosen von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid beobachtet (siehe «Dosierung und Art der Anwendung»).
Verlängerte Kreislaufzeit
Bei einer verlängerten Kreislaufzeit, z.B. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, höherem Alter oder Ödemen mit erhöhtem Verteilungsvolumen, kann sich der Wirkungseintritt verzögern. Eine verringerte Plasma-Clearance kann die Wirkungsdauer verlängern.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Wie andere neuromuskuläre Blocker ist Rocuroniumbromid bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen (schwere Myasthenie), Muskelkrankheiten (Myopathie) oder bei motorischen Defiziten (Parese, Plegie) nach einem akuten Ereignis (Rückenmarksverletzung, Poliomyelitis, längere Immobilisation) mit äusserster Vorsicht anzuwenden, da in solchen Fällen die Reaktion auf neuromuskuläre Blocker erheblich verändert sein kann. Ausmass und Art dieser Veränderung können erheblich variieren. Bei Patienten mit Myasthenia gravis, myasthenem Syndrom (Lambert-Eaton) oder Myopathie können bereits geringe Dosen Rocuroniumbromid ausgeprägte Wirkungen zeigen. Bei Patienten mit motorischen Folgeschäden besteht eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Rocuroniumbromid (höhere Dosen erforderlich). In diesen Fällen ist die Dosierung von Rocuroniumbromid entsprechend der individuellen Reaktion anzupassen.
Hypothermie
Bei chirurgischen Eingriffen unter Hypothermie ist die Wirkung von Rocuroniumbromid stärker und länger anhaltend.
Fettleibigkeit
Wie bei anderen neuromuskulären Blockern kann sich bei adipösen Patienten die Wirkungsdauer von Rocuroniumbromid verlängern und die Spontanerholung verzögern, wenn die Dosierung nach dem tatsächlichen Körpergewicht berechnet wird.
Bei Übergewicht oder Adipositas (≥30 % über Idealgewicht) ist die Dosierung nach Idealgewicht zu berechnen.
Verbrennungen
Bei Patienten mit Verbrennungen ist eine Resistenz gegen nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien bekannt. Es wird daher empfohlen, die Dosierung entsprechend der Reaktion anzupassen.
Bedingungen, die Wirkung von Rocuroniumbromid verstärken können
Hypokaliämie (z.B. nach schwerem Erbrechen, Durchfall oder diuretischer Behandlung), Hypermagnesiämie, Hypokalzämie (nach massiven Transfusionen), Hypoproteinämie, Dehydrierung, Azidose, Hyperkapnie, Kachexie.
Signifikante Elektrolytstörungen, Veränderungen des Blut-pH-Wertes oder Dehydrierung sollten daher vor der Verabreichung von Rocuroniumbromid so weit wie möglich korrigiert werden.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Fertigspritze, das heisst, es ist im Wesentlichen «natriumfrei».

Interaktionen

Folgende Arzneimittel verändern nachweislich Stärke und/oder Dauer der Wirkung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien.
Verstärkte Wirkung
·Halogenierte Inhalationsanästhetika verstärken die neuromuskuläre Blockade von Rocuroniumbromid. Dieser Effekt tritt nur bei Erhaltungsdosen auf (siehe «Dosierung und Art der Anwendung»). Auch die Aufhebung der neuromuskulären Blockade durch Acetylcholinesterasehemmer kann beeinträchtigt sein.
·Nach Intubation unter Verwendung von Suxamethonium (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»)
Andere Arzneimittel:
·Antibiotika: Aminoglykoside und Polypeptid-Antibiotika, Lincosamide sowie Acylaminopenicilline
·Diuretika, Chinidin und sein Isomer Chinin, Magnesiumsalze, Calciumantagonisten, Lithiumsalze, Lokalanästhetika (intravenöses Lidocain, epidurales Bupivacain) sowie akute Verabreichung von Phenytoin oder β-Blockern.
·Nach postoperativer Verabreichung folgender Substanzen wurde eine Recurarisierung beobachtet: Aminoglykoside, Lincosamide, Polypeptid-Antibiotika, Acylaminopenicilline, Chinidin, Chinin und Magnesiumsalze (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Verminderte Wirkung
·Vorangegangene Langzeittherapie mit Kortikosteroiden, Phenytoin oder Carbamazepin
·Protease-Inhibitoren (Gabexat, Ulinastatin).
·Kalziumchlorid, Kaliumchlorid
Variable Wirkung
·Die gleichzeitige Verabreichung anderer nicht-depolarisierender neuromuskulärer Blocker zusammen mit Rocuroniumbromid kann je nach Verabreichungsreihenfolge und verwendetem neuromuskulären Blocker zu einer Verstärkung oder Abschwächung der neuromuskulären Blockade führen.
·Nach Verabreichung von Rocuroniumbromid kann Suxamethonium die neuromuskuläre Blockade verstärken oder abschwächen.
Wirkung von Rocuroniumbromid auf andere Arzneimittel
·Die gleichzeitige Verabreichung von Rocuroniumbromid und Lidocain kann den Wirkungseintritt von Lidocain verkürzen.
Pädiatrische Population
·Es wurden keine offiziellen Wechselwirkungsstudien durchgeführt. Die oben für Erwachsene beschriebenen Wechselwirkungen sowie die besonderen Warnhinweise und Vorsichtsmassssnahmen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen») sind auch bei pädiatrischen Patienten zu berücksichtigen.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft
Für Rocuroniumbromid liegen keine klinischen Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft vor. Tierexperimentelle Studien haben keine direkten oder indirekten schädlichen Auswirkungen auf die Trächtigkeit, die embryofetale Entwicklung, die Geburt und die postnatale Entwicklung gezeigt.
Dieses Arzneimittel darf während der Schwangerschaft nur bei zwingender Indikation verabreicht werden.
Hinweis:
Bei Patientinnen, die aufgrund einer Präeklampsie Magnesiumsalze erhalten, kann es unmöglich oder schwierig sein, die durch Muskelrelaxanzien induzierte neuromuskuläre Blockade aufzuheben, da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade verstärken. Bei diesen Patientinnen sollte daher die Dosis von Rocuronium Aguettant reduziert und entsprechend der Muskelreaktion angepasst werden.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Rocuroniumbromid in die Muttermilch übergeht. Tierexperimentelle Studien haben unbedeutende Mengen an Rocuroniumbromid in der Muttermilch gezeigt.
Rocuroniumbromid sollte stillenden Frauen nur dann verabreicht werden, wenn es absolut notwendig ist.
Fertilität
Es gibt keine verfügbaren Daten über die Auswirkungen von Rocuroniumbromid auf die Fertilität.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Da Rocuroniumbromid im Rahmen einer Allgemeinanästhesie angewendet wird, sind bei ambulanten Patienten die üblichen Vorsichtsmassnahmen nach Allgemeinanästhesie zu beachten.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Schmerzen/Reaktionen an der Injektionsstelle, Veränderungen der Vitalzeichen und eine verlängerte neuromuskuläre Blockade. Die während der Post-Market-Surveillance am häufigsten berichteten unerwünschten Wirkungen sind anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen sowie die damit verbundenen Symptome.
Siehe auch die Erläuterungen nach der untenstehenden Tabelle.

MedDRA-Systemorganklasse

Bevorzugter MedDRA-Begriff1

Gelegentlich/selten2
(<1/100 bis ≥1/10 000)

Sehr selten2
(<1/10 000)

Häufigkeit unbekannt 2
(kann aufgrund der verfügbaren Daten nicht abgeschätzt werden)

Erkrankungen des Immunsystems

Überempfindlichkeit
Anaphylaktische Reaktion
Anaphylaktoide Reaktion
Anaphylaktischer Schock
Anaphylaktoider Schock

Erkrankungen des Nervensystems

Schlaffe Lähmung

Augenerkrankungen

Mydriase3
Starre Pupillen3

Herzerkrankungen

Tachykardie

Kounis-Syndrom

Gefässerkrankungen

Hypotonie

Kreislaufschock und -kollaps
Hitzewallungen

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Bronchospasmus

Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes

Angioödem
Urtikaria
Hautausschlag
Erythematöser Ausschlag

Muskuloskelettale und systemische Erkrankungen

Muskelschwäche

Allgemeine Beschwerden und Reaktionen an der Injektionsstelle

Unwirksamkeit des Arzneimittels
Verminderte Wirkung des Arzneimittels/vermindertes therapeutisches Ansprechen
Verstärkte Wirkung des Arzneimittels/verstärktes therapeutisches Ansprechen
Schmerzen an der Injektionsstelle
Reaktion an der Injektionsstelle

Gesichtsödem
Maligne Hyperthermie

Verletzungen, Vergiftungen und Komplikationen im Zusammenhang mit den Verfahren

Verlängerte neuromuskuläre Blockade
Verzögerte Erholung von der Narkose

Atemwegskomplikationen bei der Anästhesie

1 Die Häufigkeiten wurden auf der Grundlage von Berichten über die Überwachung nach der Markteinführung (Post-Market-Surveillance) und Daten aus der allgemeinen Literatur geschätzt.
2 Die genauen Häufigkeiten können nicht aus den Daten der Überwachung nach der Markteinführung abgeleitet werden. Aus diesem Grund wurde die Meldehäufigkeit in 2 statt in 5 Kategorien unterteilt.
3 Verbunden mit einer möglichen erhöhten Permeabilität oder Beeinträchtigung der Integrität der Blut-Hirn-Schranke (BHE).
Klasseneffekte
Anaphylaktische Reaktionen
Sehr selten wurden schwere anaphylaktische Reaktionen auf neuromuskuläre Blocker, einschliesslich Rocuroniumbromid, berichtet. Diese anaphylaktischen/anaphylaktoiden Reaktionen umfassen Symptome wie Bronchospasmus, kardiovaskuläre Veränderungen (z.B. Hypotonie, Tachykardie, Kreislaufkollaps/-schock) und Hautveränderungen (z.B. Angioödem, Urtikaria). In einigen Fällen verliefen diese Reaktionen tödlich. Aufgrund ihrer möglichen Schwere sind solche Reaktionen stets zu berücksichtigen und erfordern geeignete Vorsichtsmassnahmen (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Histaminfreisetzung und histaminoide Reaktionen
Da bekannt ist, dass neuromuskuläre Blocker sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch die Freisetzung von Histamin auslösen können, müssen das Auftreten von Pruritus und Erythem an der Injektionsstelle sowie systemische histaminoide (anaphylaktoide) Reaktionen bei der Verabreichung dieser Arzneimittel stets in Betracht gezogen werden (siehe auch «Anaphylaktische Reaktionen» oben).
Verlängerte neuromuskuläres Blockade
Die häufigste Nebenwirkung von Arzneimitteln aus der Klasse der neuromuskulären Blocker ist die Verlängerung der pharmakologischen Wirkung über die notwendige Dauer hinaus. Dies kann von einer Schwäche der Skelettmuskulatur bis hin zu einer tiefen und lang anhaltenden Lähmung der Skelettmuskulatur reichen, die zu Ateminsuffizienz oder Apnoe führt.
Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle
Bei der Blitzeinleitung wurden Schmerzen bei der Injektion gemeldet, besonders vor vollständigem Bewusstseinsverlust des Patienten und bei Verwendung von Propofol bei der Einleitung. In klinischen Studien traten Injektionsschmerzen bei 16 % der Patienten unter Blitzeinleitung mit Propofol und bei < 0,5 % der Patienten unter Blitzeinleitung mit Fentanyl und Thiopental auf.
Pädiatrische Population
Eine Metaanalyse von 11 klinischen Studien mit pädiatrischen Patienten (n = 704), die Rocuroniumbromid (bis 1 mg/kg) erhielten, zeigte eine Tachykardie als Nebenwirkung mit einer Häufigkeit von 1,4 %.
Meldung von vermuteten unerwünschten Wirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung und verlängerten neuromuskulären Blockade ist der Patient weiter künstlich zu beatmen und zu sedieren. In dieser Situation bestehen zwei Möglichkeiten zur Aufhebung der neuromuskulären Blockade:
(1) Bei Erwachsenen kann Sugammadex zur Aufhebung einer intensiven (profunden) oder tiefen Blockade angewendet werden. Die verabreichte Dosis Sugammadex richtet sich nach dem Grad der neuromuskulären Blockade.
(2) Ein Acetylcholinesterasehemmer (z.B. Neostigmin, Edrophonium oder Pyridostigmin) oder Sugammadex kann zu Beginn der Spontanerholung eingesetzt und muss in angemessener Dosierung verabreicht werden. Die Gabe erfolgt nach neuromuskulärer Überwachung, insbesondere bei 4 eindeutigen Reaktionen des Daumenadduktors auf die Tof-Stimulation.
Kann die Gabe eines Acetylcholinesterasehemmers die neuromuskulären Wirkungen von Rocuroniumbromid nicht aufheben, ist die Beatmung fortzuführen, bis die Spontanatmung wieder einsetzt. Die wiederholte Gabe eines Acetylcholinesterasehemmers kann gefährlich sein.
In tierexperimentiellen Studien zeigte sich eine ausgeprägte Beeinträchtigung der Herz-Kreislauf-Funktion bis hin zum Herzversagen erst bei einer kumulativen Dosis von 750 × DE90 (135 mg/kg Rocuroniumbromid).

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
M03A C09
Wirkungsmechanismus
Rocuronium Aguettant (Rocuroniumbromid) ist ein schnell wirkender, nicht-depolarisierender, neuromuskulärer Blocker. Es besitzt alle charakteristischen pharmakologischen Eigenschaften dieser Wirkstoffklasse (Curare). Es hat eine kompetitive Wirkung im Bereich der cholinergen Nikotinrezeptoren an der motorischen Endplatte. Diese Wirkung wird durch Acetylcholinesterasehemmer wie Neostigmin, Edrophonium oder Pyridostigmin aufgehoben.
Pharmakodynamik
Die ED90 (erforderliche Dosis, um eine Reizantwort des Daumens nach Stimulation des Nervus ulnaris zu 90 % zu unterdrücken) liegt während einer intravenösen Anästhesie bei etwa 0,3 mg/kg Rocuroniumbromid. Bei Neugeborenen und Säuglingen ist die EE95 niedriger als bei Kindern und Erwachsenen (0,25; 0,35 bzw. 0,40 mg/kg).
Die klinische Wirkungsdauer – definiert als der Zeitraum zwischen Verabreichung und Erreichen einer 25%-igen Spontanerholung der Kontrollzuckungsamplitude – beträgt bei einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid 30 bis 40 Minuten. Die Gesamtdauer der Wirkung – definiert als der Zeitraum der Spontanerholung auf 90 % der Kontrollmuskelamplitude – beträgt 50 Minuten.
Nach Gabe eines Bolus von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid beträgt die mittlere Zeit bis zur Spontanerholung von 25 % auf 75 % der Kontrollmuskelamplitude 14 Minuten.
Bei niedrigeren Rocuroniumbromid-Dosen zwischen 0,3 und 0,45 mg/kg (1 – 1,5 x DE90) ist die Zeit bis zum Wirkungseintritt länger und die Wirkungsdauer kürzer. Bei einer höheren Dosis (2 mg/kg) beträgt die Wirkungsdauer 110 Minuten.
Klinische Wirksamkeit
Intubation während einer Routineanästhesie
Die intravenöse Gabe von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid (entsprechend 2 × ED90 unter intravenöser Anästhesie) ermöglicht bei nahezu allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden adäquate Intubationsbedingungen, die in 80 % der Fälle als ausgezeichnet bewertet werden. Eine für sämtliche Operationsarten geeignete vollständige Muskelrelaxation ist nach 2 Minuten erreicht. Die Gabe von 0,45 mg/kg Rocuroniumbromid führt nach 90 Sekunden zu akzeptablen Intubationsbedingungen.
Blitzeinleitung
Bei Blitzeinleitung mit Propofol bzw. Fentanyl/Thiopental werden nach Gabe von 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid bei 93 % bzw. 96 % der Patienten innerhalb von 60 Sekunden adäquate Intubationsbedingungen erzielt.
In diesen Gruppen wurden die Intubationsbedingungen in 70 % der Fälle als ausgezeichnet bewertet.
Die klinische Wirkungsdauer bei dieser Dosis beträgt fast 1 Stunde, danach kann die neuromuskuläre Blockade sicher umgekehrt werden.
Bei Blitzeinleitung einer Anästhesie unter Propofol oder Fentanyl/Thiopental werden nach Verabreichung einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid bei 81 % bzw. 75 % der Patienten innerhalb von 60 Sekunden adäquate Intubationsbedingungen erreicht.
Pädiatrische Population
Die mittlere Anschlagzeit nach Gabe einer Intubationsdosis von 0,6 mg/kg ist bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern etwas kürzer als bei Erwachsenen. Ein Vergleich zwischen den verschiedenen pädiatrischen Gruppen ergab, dass die mittlere Anschlagzeit bei Neugeborenen und Jugendlichen (1 Minute) etwas länger ist als bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern (0,4, 0,6 bzw. 0,8 Minuten).
Die Wirkungsdauer und die Erholungszeit sind bei Kindern im Allgemeinen kürzer als bei Säuglingen und Erwachsenen. Ein Vergleich zwischen den einzelnen pädiatrischen Gruppen zeigte, dass die mittlere Zeit bis zum Wiederauftreten von T3 bei Neugeborenen und Säuglingen verlängert war (56,7 bzw. 60,7 Minuten) im Vergleich zu Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen (45,4; 37,6 bzw. 42,9 Minuten).
Mittlere Werte (Standardabweichung) für Anschlagzeit und klinische Wirkungsdauer nach einer initialen Intubationsdosis* von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid während einer Anästhesie (Erhaltungsphase) mit Sevofluran/Lachgas bzw. Isofluran/Lachgas (pädiatrische Patienten)

Zeit bis zur maximalen Blockade**
(Min.)

Zeit bis zum Wiederauftreten von T3** (Min.)

Neugeborene (0 – 27 Tage)
n = 10

0,98 (0,62)

56,69 (37,04)
n = 9

Säuglinge (28 Tage – 2 Monate)
n = 11

0,44 (0,19)
n = 10

60,71 (16,52)

Kleinkinder (3 – 23 Monate)
n = 28

0,59 (0,27)

45,46 (12,94)
n = 27

Kinder (2 – 11 Jahre)
n = 34

0,84 (0,29)

37,58 (11,82)

Jugendliche (12 – 17 Jahre)
n = 31

0,98 (0,38)

42,90 (15,83)
n = 30

* Rocuronium-Dosis, verabreicht innerhalb von 5 Sekunden
** Berechnet ab dem Ende der Verabreichung der Rocuronium-Intubationsdosis.
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
Unter Enfluran- oder Isofluran-Anästhesie beträgt die Wirkungsdauer von Erhaltungsdosen von 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit Leber- oder Nierenerkrankungen etwa 20 Minuten und ist damit länger als bei Patienten ohne Einschränkung der Ausscheidungsorgane unter intravenöser Anästhesie (etwa 13 Minuten) (siehe «Dosierung und Art der Anwendung»). Bei wiederholter Gabe empfohlener Erhaltungsdosen trat kein kumulativer Effekt (progressive Verlängerung der Wirkungsdauer) auf.
Intensivmedizin
Nach längerer kontinuierlicher Infusion in der Intensivmedizin richtet sich die Zeit bis zur Erholung des TOF-Verhältnisses auf 0,7 nach dem Ausmass der neuromuskulären Blockade am Ende der Infusion. Nach kontinuierlicher Infusion über 20 Stunden oder länger beträgt die mediane Zeit zwischen dem Wiederauftreten von T2 bei TOF-Stimulation und der Erholung des TOF-Verhältnisses auf 0,7 etwa 1,5 Stunden (1–5) bei Patienten ohne Multiorganversagen und 4 Stunden (1–25) bei Patienten mit Multiorganversagen.
Herz-Kreislauf-Chirurgie
Bei Patienten, die sich einer herzchirurgischen Intervention unterziehen, traten zu Beginn der maximalen Blockade nach Verabreichung von 0,6–0,9 mg/kg Rocuroniumbromid als häufigste kardiovaskuläre Veränderungen ein leichter, klinisch nicht relevanter Anstieg der Herzfrequenz von maximal 9 % sowie eine Erhöhung des mittleren arteriellen Blutdrucks von maximal 16 % gegenüber den Ausgangswerten auf.
Aufhebung der neuromuskulären Blockade
Die Wirkung von Rocuroniumbromid kann entweder mit Sugammadex oder mit Acetylcholinesterasehemmern (Neostigmin, Pyridostigmin oder Edrophonium) aufgehoben werden.
Sugammadex kann entweder zur routinemässigen Aufhebung (bei 1–2 Reaktionen bei der posttetanischen Potenzierung [PTC] bis zum Wiederauftreten von T2) oder zur sofortigen Aufhebung (3 Minuten nach Gabe von Rocuroniumbromid) eingesetzt werden. Acetylcholinesterasehemmer können beim Wiederauftreten von T2 oder bei den ersten Anzeichen einer klinischen Erholung verabreicht werden.

Pharmakokinetik

Absorption
Keine Daten verfügbar.
Distribution
Nach intravenöser Gabe eines einzelnen Bolus Rocuroniumbromid verläuft der zeitliche Verlauf der Plasmakonzentration vin drei exponentiellen Phasen. Beim Erwachsenen beträgt die mittlere Eliminationshalbwertszeit (95 %-Konfidenzintervall) 73 Minuten (66–80), das (scheinbare) Verteilungsvolumen im Steady State 203 ml/kg (193–214) und die Plasma-Clearance 3,7 ml/kg/min (3,5–3,9).
Metabolismus
Keine Daten verfügbar.
Elimination
Rocuroniumbromid wird über die Gallenwege und den Urin ausgeschieden. Etwa 40 % werden innerhalb von 12 bis 24 Stunden über den Urin ausgeschieden. Nach der Verabreichung einer Dosis von radioaktiv markiertem Rocuroniumbromid werden nach 9 Tagen durchschnittlich 47 % der radioaktiv markierten Substanz im Urin und 43 % im Stuhl ausgeschieden. Etwa 50 % wurde als Rocuronium nachgewiesen.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz
Kontrollierte Studien zeigten bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit Niereninsuffizienz eine verringerte Plasma-Clearance, die in den meisten Untersuchungen jedoch nicht das Niveau statistischer Signifikanz erreichte. Bei Patienten mit Leberinsuffizienz war die mittlere Eliminationshalbwertszeit um 30 Minuten länger und die mittlere Plasma-Clearance um 1 ml/kg/min reduziert (siehe «Dosierung und Art der Anwendung»).
Intensivmedizin
Nach kontinuierlicher Infusion über 20 Stunden oder länger zur Unterstützung der mechanischen Beatmung waren die mittlere Eliminationshalbwertszeit und das mittlere (scheinbare) Verteilungsvolumen im Steady State erhöht. Klinische Studien zeigten eine erhebliche interindividuelle Variabilität, abhängig von Art und Schwere des Organversagens (ein oder mehrere Organe) sowie vom Allgemeinzustand des Patienten. Bei Patienten mit Multiorganversagen betrug die mittlere Eliminationshalbwertszeit (± Standardabweichung) 21,5 (± 3,3) Stunden, das (scheinbare) Verteilungsvolumen im Steady State 1,5 (± 0,8) l/kg und die Plasma-Clearance 2,1 (± 0,8) ml/kg/min.

Präklinische Daten

In tierexperimentellen Studien traten Effekte nur bei Expositionen auf, die deutlich über der maximal beim Menschen beobachteten lagen, und sie gelten als klinisch nicht relevant.
Es gibt kein geeignetes Tiermodell, das die hochkomplexe klinische Situation von Intensivpatienten adäquat abbildet. Daher basiert die Sicherheit von Rocuronium Aguettant, wenn es zur Unterstützung der mechanischen Beatmung auf Intensivstationen eingesetzt wird, hauptsächlich auf den Ergebnissen, die in klinischen Studien erzielt wurden.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten
Rocuroniumbromid ist physikalisch inkompatibel mit Lösungen, die folgende Arzneimittel enthalten: Amphotericin, Amoxicillin, Azathioprin, Cefazolin, Cloxacillin, Dexamethason, Diazepam, Enoximon, Erythromycin, Famotidin, Furosemid, Hydrocortison-Natriumsuccinat, Insulin, Methohexital, Methylprednisolon, Prednisolon-Natriumsuccinat, Thiopental, Trimethoprim und Vancomycin. Rocuroniumbromid ist ebenfalls unverträglich mit Intralipid. Dieses Arzneimittel darf nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden, ausser mit den unter «Hinweise zur Handhabung» aufgeführten.
Wenn Rocuronium Aguettant über dieselbe Infusionsleitung wie andere Arzneimittel verabreicht wird, muss darauf geachtet werden, dass diese Infusionsleitung zwischen der Verabreichung von Rocuronium Aguettant und der Verabreichung von Arzneimitteln, für die eine Unverträglichkeit mit Rocuronium Aguettant nachgewiesen wurde oder deren Verträglichkeit mit Rocuronium Aguettant nicht nachgewiesen wurde, gründlich gespült wird (z.B. mit 0,9% NaCl).
Beeinflussung diagnostischer Methoden
Keine Daten verfügbar
Haltbarkeit
Dieses Arzneimittel darf nicht nach dem auf der Verpackung nach «EXP» angegebenen Datum verwendet werden.
Haltbarkeit nach dem Öffnen
Nach dem Öffnen muss das Arzneimittel sofort verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Im Kühlschrank aufbewahren (bei 2 °C bis 8 °C). Nicht einfrieren.
Dieses Arzneimittel kann für maximal 12 Wochen bei Temperaturen von höchstens 30 °C gelagert werden. In jedem Fall ist das Arzneimittel nach Entnahme aus der Kühllagerung nach 12 Wochen zu verwerfen. Nach Lagerung ausserhalb des Kühlschranks darf das Arzneimittel nicht erneut gekühlt werden.
Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
Hinweise für die Handhabung
Gebrauchsanleitung:
Bitte bereiten Sie die Spritze vorsichtig wie folgt vor:
Die Fertigspritze ist nur für die Anwendung bei einem einzelnen Patienten bestimmt. Die Spritze nach Gebrauch entsorgen. Nicht wiederverwenden.
Der Inhalt eines ungeöffneten und unbeschädigten Blisters ist steril und der Blister darf nicht geöffnet werden, bevor die Spritze gebrauchsfertig ist.
Das Präparat muss vor der Verabreichung visuell auf Partikel und Verfärbungen überprüft werden. Es darf nur eine klare, farblose bis schwach gelblich-braune Lösung ohne Partikel oder Niederschläge verwendet werden.
Das Arzneimittel darf nicht verwendet werden, wenn die Sicherung der Spritze beschädigt oder geöffnet ist.
Verwenden Sie dieses Arzneimittel nicht, wenn Sie sichtbare Anzeichen einer Zersetzung feststellen.
Die Aussenfläche der Fertigspritze bleibt bis zum Öffnen der Blisterpackung steril. Der Blister darf erst unmittelbar vor der Anwendung geöffnet werden.
Bei aseptischer Handhabung darf das Arzneimittel nach Entnahme aus dem Blister auf ein steriles Abdecktuch gelegt werden.
Das zu verabreichende Volumen ist anhand der entsprechenden Dosierung zu berechnen.
Die Fertigspritze ist nicht für die präzise Verabreichung des Produkts an Kinder unter 2 Jahren geeignet (siehe «Dosierung und Art der Anwendung»).
1) Entnehmen Sie die sterile Fertigspritze aus dem Blister.

2) Drücken Sie den Kolben, um den Stopfen zu lösen. Die Sterilisation kann bewirken, dass der Kolben am Spritzenkörper haftet.

3) Drehen Sie die Kappe ab, um die Versiegelung zu durchbrechen und die Kappe zu entfernen. Die freiliegende Luer-Verbindung nicht berühren, um Kontamination zu vermeiden.

4) Stellen Sie sicher, dass die Versiegelung an der Spritzenspitze vollständig entfernt ist. Falls die Versiegelung nicht vollständig entfernt wurde, setzen Sie die Kappe wieder auf und drehen sie erneut ab.

5) Entfernen Sie die Luft, indem Sie den Kolben vorsichtig hineindrücken.

6) Schliessen Sie die Spritze mithilfe eines Luer-/Luer-Lock-Systems an den venösen Zugang an. Drücken Sie den Kolben langsam herunter, um das benötigte Volumen zu injizieren. Verabreichen Sie das Produkt über den entsprechenden Verabreichungsweg.
Die Fertigspritze ist nicht zur Anwendung mit einer Spritzenpumpe geeignet. Die Fertigspritze ist gebrauchsfertig und nicht zur Verdünnung in Infusionslösungen bestimmt.
Beschädigte Spritzen oder solche, die nicht aseptisch gehandhabt wurden, dürfen nicht verwendet werden.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu entsorgen.

Zulassungsnummer

69473 (Swissmedic).

Packungen

5-ml-Injektionslösung in einer Fertigspritze (Polypropylen), ohne Nadel, mit einem Kolbenstopfen (Chlorbutyl) und mit einem transparenten, selbstklebenden Etikett versehen, das eine Graduierung (in 0,2-ml-Schritten von 0 bis 5 ml) aufweist. Eine Schutzkappe aus (Polypropylen) sichert die Spritzenspitze.
Die Fertigspritze ist einzeln in einem transparenten Blister verpackt.
Erhältlich in Packungen mit 10 Fertigspritzen. (B)

Zulassungsinhaberin

Aguettant Suisse SA
Route de Jussy, 35
1226, Thônex

Stand der Information

Januar 2024

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