ZusammensetzungWirkstoffe
Ornidazol
Hilfsstoffe
Filmtabletten:
Tablettenkern:Maisstärke, mikrokristalline Cellulose,Hypromellose, Magnesiumstearat.
Tablettenüberzug:Hypromellose, Talk, Titandioxid.
Ampullen (3 ml):Ethanol 900 mg,Propylenglycol1.6 g
Ampullen (6 ml):Ethanol 1.8 g,Propylenglycol3.2 g
Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro EinheitKonzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung zuri.v.-Anwendung:
1Ampullezu3 mlenthältOrnidazol500 mgentsprechend 167 mg/ml
1Ampullezu6 mlenthältOrnidazol1 gentsprechend 167 mg/ml
Filmtabletten:
Ornidazol500 mg
Indikationen/AnwendungsmöglichkeitenTiberalist indiziert bei Infektionen, welche durchOrnidazol-empfindliche Organismen verursacht sind, wie:
Trichomoniasis
Infektionen des Urogenitaltraktes mitTrichomonas vaginalisbei der Frau und beim Mann.
Amöbiasis
Alle Infektionen des Darmtraktes mit den verschiedenen Formen derEntamoebahistolytica, einschliesslich Amöbenruhr. Alle Formen derAmöbiasisausserhalb des Darmtraktes, insbesondereLeberamöbiasismit Abszessbildung.
Lambliasis (Giardiasis)
Infektionen durch anaerobe Bakterien
Behandlung von Infektionen, wie Septikämie, Meningitis, Peritonitis, postoperative Wundinfektionen, puerperale Sepsis, septischer Abort, Endometritis, mit nachgewiesener oder vermuteter Beteiligung der erwähnten Bakterien.
Prophylaxe bei chirurgischen Eingriffen, insbesondere am Kolon, sowie bei gynäkologischen Operationen.
Dosierung/AnwendungÜbliche Dosierung
Trichomoniasis
Es können zwei Behandlungsschemata empfohlen werden:
Art der Behandlung Tagesdosis
Erwachsene und Kinder über 35 kg Kinder bis 35 kg
a. Eindosisbehandlung 3 Filmtabletten abends 25 mg/kg Körpergewicht
b. Fünftagesbehandlung 2 Filmtabletten (je 1 morgens und abends) nicht empfohlen
Zur Verhinderung einer Reinfektion sollte der Partner in jedem Fall mit derselben Dosis mitbehandelt werden.
Amöbiasis
a. Dreitagesbehandlung bei Patienten mit Amöbenruhr.
b. Fünf- bis Zehntagesbehandlung für alle anderen Formen derAmöbiasis.
Behandlungsdauer Tagesdosis
Erwachsene und Kinder über 35 kg Kinder bis 35 kg
a. Drei Tage 3 Filmtabletten abends auf einmal einnehmen; über 60 kg 40 mg/kg, auf
Körpergewicht: 4 Filmtabletten (je 2 morgens und abends) einmal einnehmen
b. Fünf bis zehn 2 Filmtabletten (je 1 morgens und abends) 25 mg/kg, auf
Tage einmal einnehmen
c. Behandlung von Amöbenleberabszess und schwerer Amöbendysenterie.
Intravenös initial 500–1000 mg infundieren, danach 500 mgi.v.alle zwölf Stunden während durchschnittlich drei bis sechs Tagen.
Die Dosierung für Kinder beträgt 20–30 mg/kg/Tag.
Lambliasis
Behandlungsdauer Tagesdosis
Erwachsene und Kinder über 35 kg Kinder bis 35 kg
Ein bis zwei Tage 3 Filmtabletten abends auf einmal einnehmen 40 mg/kg auf einmal einnehmen
Infektionen durch anaerobe Bakterien
a. Behandlung von Infektionen durch anaerobe Bakterien.
Initial 500–1000 mgi.v., danachalle zwölf Stunden 500 mg oder alle 24 Stunden 1 gwährend fünf bis zehn Tagen intravenös infundieren. Sobald es der Zustand des Patienten erlaubt, sollte die parenterale Behandlung durch die orale ersetzt, das heisst 1 Filmtablette zu 500 mg alle zwölf Stunden verabreicht werden.
Die Tagesdosis für Kinder beträgt20 mg/kg aufgeteilt in zwei Gabenwährend fünf bis zehn Tagen.
b. Prophylaxe von Infektionen durch anaerobe Bakterien.
Einmalig den Inhalt einer Ampulle zu 1 g etwa eine halbe Stunde vor dem Eingriffintravenös infundieren.
Zur Prophylaxeund Behandlungvon Mischinfektionen empfiehlt sich die Kombination mit einem Aminoglykosid, einem Penicillin oder einem Cephalosporin. Die Verabreichung muss jedochgetrennterfolgen.
1 gOrnidazolund 2 g Ceftriaxon sind jedoch in 250 ml physiologischer Natriumchlorid- oder Glukoselösung physikalisch und chemisch kompatibel.
Spezielle Dosierungsanweisungen
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Bei hepatischer Zirrhose ist dieOrnidazol-Eliminationszeit verlängert. Das Intervall zwischen zwei Verabreichungen ist deshalb zu verdoppeln (siehe «Pharmakokinetik, Leberfunktionsstörungen»).
Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
Die pharmakokinetischen Eigenschaften vonOrnidazolwerden durch Niereninsuffizienz nicht beeinträchtigt. Im Falle einer Niereninsuffizienz ist deshalb keine Anpassung der Dosis erforderlich.
Hämodialyse:Ornidazolwird durch Hämodialyse ausgeschieden.Eine zusätzliche Dosis nach Hämodialyse kann dadurch notwendig werdenODERvor Dialysebeginn istden Patienten eine zusätzliche Dosis zu verabreichen: bei einer Tagesdosis von 2 g / Tag muss deshalb eine zusätzliche Dosis von 500 mgOrnidazolverabreicht werden und bei einer Tagesdosis von 1 g / Tag ist eine zusätzliche Dosis von 250 mg vor Beginn der Hämodialyse erforderlich.
Art der Anwendung
Wichtig: Der Inhalt der Ampulle muss vor der Anwendung verdünnt werden.FürdieHerstellungderInfusionslösung siehe «Sonstige Hinweise, Hinweise für die Handhabung».
Die verdünnte Lösung wird alsi.v.Kurzinfusion verabreicht (Dauer 15–30 Minuten).
Die Filmtabletten sind stets nach dem Essen einzunehmen.
KontraindikationenTiberalist kontraindiziert bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüberOrnidazol,anderenImidazolderivatenoder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung,bei Patienten mit Erkrankung des ZNS sowie mit Blutdyskrasie oder anderen Anomalien des Blutbildesund bei Patienten mitCockayneSyndrom (siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen»).
Warnhinweise und VorsichtsmassnahmenBei Behandlungen mit hohen Dosen oder Therapiedauer über 10 Tage ist regelmässig eine labormässige und klinische Kontrolle angezeigt.
Bei Patienten mit Blutdyskrasien in der Anamnese,sowie im Falle hoher Dosierungen und / oder längerer Therapiedauer sind regelmässige Blutuntersuchungen und insbesondereeine Kontrolle der Leukozytenzahlvor und nach der Behandlungdurchzuführen.
Schwere Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems können sich während einer Therapie mitTiberalverschlechtern. Bei Auftreten von peripheren Neuropathien, Ataxie, Schwindel oder geistiger Verwirrung ist die Behandlung abzubrechen.
Unter der Behandlung mitOrnidazolkann sich eine bestehende Candidiasis verschlimmern. Gegebenenfalls müssen entsprechende Massnahmen ergriffen werden.
BeiHämodialysepatientenist die verkürzte Halbwertzeit zu beachtenund die Dosis entsprechend anzupassen(siehe «Dosierung/Anwendung, Patienten mit Nierenfunktionsstörungen»).
Bei Patienten unter Lithiumtherapie müssen bei Gabe von Imidazolen die Lithiumplasmakonzentrationen sowie die Kreatinin- und Elektrolytwerte überwacht werden.
Dieses Arzneimittel gehört zur Familie der 5-Nitroimidazole, für die Fälle einerPotentialisierungmitVecuronium(nicht depolarisierendes Muskelrelaxans) berichtet wurden.
Bei schwerer Leberinsuffizienz muss die Dosis angepasst werden (siehe «Dosierung/Anwendung, Patienten mit Leberfunktionsstörungen»).
Es besteht die Gefahr einerDisulfiram-Interaktion, wenn zusätzlich Alkohol konsumiert wird(siehe «Interaktionen»).
TiberalAmpullen enthalten38Vol.-%Ethanol (Alkohol).
TiberalAmpullen 500 mg/3 ml enthalten bis zu 900 mg Ethanol pro Ampulle, dies entspricht 22,5 ml Bier und 9 ml Wein pro Ampulle.
TiberalAmpullen 1 g/6 ml enthalten bis zu 1,8 g Ethanol pro Ampulle, dies entspricht 45 ml Bier und 18 ml Wein pro Ampulle.
Eine Dosis von 1 g dieses Arzneimittels angewendet bei einem Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 70 kg würde einer Exposition von 25,7 mg Ethanol/kg Körpergewicht entsprechen, was zu einem Anstieg der Blutalkoholkonzentration von ungefähr 4,3 mg/100 ml führen kann. Zum Vergleich: bei einem Erwachsenen, der ein Glas Wein oder 500 ml Bier trinkt, beträgt die Blutkonzentration wahrscheinlich ungefähr 50 mg/100 ml.
Die Anwendung zusammen mit Arzneimitteln, die z.B. Propylenglykol oder Ethanol enthalten, kann zur Akkumulation von Ethanol führen und Nebenwirkungen verursachen, insbesondere bei kleinen Kindern mit niedriger oder unreifer Stoffwechselkapazität.
Es besteht ein gesundheitliches Risiko für Patienten, die unter Alkoholismus leiden.
Der Ethanolgehalt ist bei Schwangeren bzw. Stillenden sowie bei Kindern und Patienten mit erhöhtem Risiko auf Grund einer Lebererkrankung oder Epilepsie zu berücksichtigen.Die Wirkung anderer Arzneimittel kann verstärkt oder beeinträchtigt werden (siehe «Interaktionen»).
TiberalAmpullen500 mg/3 ml enthalten1,6 gPropylenglycolpro Ampulle.
TiberalAmpullen1 g/6 ml enthalten3,2 gPropylenglycolpro Ampulle.
Die gleichzeitige Anwendung mit einem Substrat der Alkoholdehydrogenase - wie Ethanol - kann Nebenwirkungen beiKindern unter 5 Jahrenhervorrufen.
FürPropylenglycolwurde bei Tieren oder Menschen keine Reproduktions- oder Entwicklungstoxizität gezeigt, es kann aber den Fötus erreichen und wurde in der Milch nachgewiesen. Als Konsequenz sollte die Anwendung vonPropylenglycolbei schwangeren und stillenden Patientinnen im Einzelfall abgewogen werden.
Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist eine medizinische Überwachung erforderlich, da verschiedene unerwünschte Wirkungen, diePropylenglycolzugeschrieben werden, berichtet wurden, z.B. Nierenfunktionsstörung (akuteTubulusnekrose), akutes Nierenversagen und Leberfunktionsstörung.
InteraktionenEinfluss vonOrnidazolauf die Pharmakokinetikund /oder Pharmakodynamikanderer Substanzen
Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen
Alkohol:Der gleichzeitige Genuss alkoholhaltiger Getränke sowie die Einnahme von alkoholhaltigen Arzneimitteln istbis zu 3 Tage nach der Verabreichung vonOrnidazolzu vermeiden. Es bestehtdie Gefahr eines Antabus-Effekts (Hitzegefühl, Rötungen, Erbrechen, Tachykardie).
Die Alkoholmenge inTiberalAmpullen kann die Wirkung anderer Arzneimittel verstärken oder beeinträchtigen.
Gleichzeitige Anwendungmit Vorsicht
Orale Antikoagulantien:Angesichts der chemischen Ähnlichkeit vonOrnidazolmit Metronidazol ist bei der gleichzeitigen Einnahme von oralen Antikoagulanzien erhöhte Vorsicht geboten.Die gerinnungshemmende Wirkung von Antikoagulanzien kann verstärkt werden.Diesem Umstand ist durch Dosisanpassung des betreffendenAntikoagulanzRechnung zu tragen.
Ciclosporin:Angesichts der chemischen Ähnlichkeit vonOrnidazolmitMetronidazolbesteht eventuell auch bei gleichzeitiger Anwendung vonOrnidazolund Ciclosporin das Risiko von erhöhten Ciclosporin-Serumspiegeln. Falls eine Kombination dieser beiden Arzneimittel notwendig ist, sollten der Serumspiegel von Ciclosporin und das Serumkreatinin überwacht werden.
INR-Ungleichgewicht:Bei mit Antibiotika und mitMetroinidazolbehandelten Patienten wurde in vielen Fällen eine erhöhte Aktivitätoraler Antikoagulanzien (z.B. von Warfarin) beobachtet.Die Art der Infektion, das Alter und der Allgemeinzustand des Patienten stellen Risikofaktoren dar.Unter diesen Umständen ist es schwierig im Falle eines INR-Ungleichgewichts zwischen der Infektion und ihrer Behandlung zu unterscheiden.
Vecuroniumbromid:OrnidazolverlängertdiemuskelrelaxierendeWirkung vonVecuroniumbromid.
5-Fluorouracil:Die gleichzeitige Gabe von 5-Fluorouracil (z.B.Tagafur,Capecitabin) erhöht die Toxizität vonFluorouracil, da die Clearance vonFluorouracildurch die Behandlung mitNitroimidazolenreduziert wird.
Einfluss anderer Substanzen auf die Pharmakokinetik vonOrnidazol
Enzyminduktoren:Die gleichzeitige Gabeenzyminduzierender Antikonvulsiva (z.B.Phenobarbital)und anderer Enzyminduktorensenkt die Serumhalbwertzeit vonOrnidazol.
Enzyminhibitoren:Enzyminhibitoren (z.B.Cimetidin) erhöhen die Serumhalbwertzeit vonOrnidazol.
Zur Interaktion mit einer Lithiumtherapie siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».
Schwangerschaft, StillzeitSchwangerschaft
Es liegen nur begrenzte Daten zur Anwendung vonOrnidazolwährend der Schwangerschaftvor.
Tierstudienzeigtenkeine teratogenen Wirkungen. Eine Hochdosis-Tierstudie zeigte einen Anstieg der postnatalen Mortalität und eine Abnahme der Körpergewichtzunahme beiden Jungtieren.Ornidazolsollte während der ersten Trimester der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist unbedingt notwendig.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, obOrnidazolund seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Eine Gefahr für das Neugeborene/Säugling kann nicht ausgeschlossen werden. Daher darfTiberalwährend der Stillzeit nicht angewendet werden.
Fertilität
Es wurden keine Studien zur Fertilitätbei Menschendurchgeführt.Hochdosis-Studien an Ratten zeigten eine reversible Abnahme der Fruchtbarkeit.
Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von MaschinenTiberalhat einen ausgeprägten Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit Maschinen zubedienen. Nebenwirkungen wieSchläfrigkeit, Schwindel,Tremor, Rigidität, KrampfanfälleKoordinationsstörungen, oder vorübergehende Bewusstseinsstörungen können bei Patienten unterTiberalvorkommen. Bei Auftreten einer dieser Nebenwirkungensollten Patienten darauf verzichten, Fahrzeuge zu lenken oder Maschinen zu bedienen.
Unerwünschte WirkungenUnerwünschte Wirkungen vonTiberalsind in der Regel dosisabhängig.
Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert:
sehr häufig (≥1/10)
häufig (≥1/100 bis <1/10)
gelegentlich (≥1/1000 bis <1/100)
selten (≥1/10'000 bis <1/1'000)
sehr selten (<1/10'000)
nicht bekannt (Häufigkeit aufgrund der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Infektionen und parasitäre Erkrankungen
Nicht bekannt:Vaginale Superinfektion mit Candida albicans.
Erkrankungen desBlutesund Lymphsystems
Gelegentlich:Knochenmarkdepression und Neutropenie.
Sehr selten:Vorübergehende hämatologische Veränderungen (Leukopenie, Agranulozytose, aplastische Anämie, Thrombopenie).
Erkrankungen desImmunsystems
Sehr selten:Anaphylaktischer Schock.
Psychiatrische Erkrankungen
Nicht bekannt:Stimmungsschwankungen.
Erkrankungen desNervensystems
Selten:Tremor, Rigidität, Koordinationsstörungen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungenund Zeichen von sensibler oder gemischter peripherer Neuropathie.
Nicht bekannt:Ataxie,Schwindelgefühl,Benommenheit,Schläfrigkeit,Kopfschmerzen, Asthenie, Synkope,Verwirrtheitund Geschmackstörungen.
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Sehr selten:Bronchospasmus.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Häufig:Übelkeit, Erbrechen, unangenehmer Metallgeschmack.
Sehr selten:Gastralgie(Magenschmerzen).
Leber und Gallenerkrankungen
Nicht bekannt:Hepatitis, Anomalien bei Leberfunktionstests.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Gelegentlich:Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautausschlag, Juckreiz).
Sehr selten:AngioneurotischesÖdem.
Nicht bekannt:Fixes toxisches Arzneiexanthem.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Sehr selten:Gelenkschmerzen.
Nicht bekannt:Steife des Muskel-Skelett-Systems.
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
Gelegentlich:Lokaler Schmerz nach intravenöser Infusion.
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Cockayne-Syndrom
Fälle von schwererirreversiblerLebertoxizität/akutem Leberversagen, einschliesslich Fälle mit tödlichem Ausgang und einem sehr schnellen Einsetzen nach Einleitung einer systemischen Anwendung von Metronidazol, einem anderenNitroimidazol-Antibiotikum, wurden bei Patienten mitCockayne-Syndrom berichtet (siehe «Kontraindikationen»).
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-PortalElViS(ElectronicVigilanceSystem) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.
ÜberdosierungAnzeichen und Symptome
Bei Überdosierung treten die unter «Unerwünschte Wirkungen» erwähnten Symptome in stärkerem Masse auf.
Behandlung
Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt.
Zur Entfernung vonOrnidazolaus dem Körper kommt eine Magenspülung oder Hämodialyse in Frage.
Beim Auftreten von Krämpfen wird die intravenöse Verabreichung von Diazepam empfohlen.
Eigenschaften/WirkungenATC-Code
Filmtabletten:P01AB03
Ampullen:J01XD03
Ornidazolist ein Antiinfektivum der Familie der 5-Nitroimidazole.
Wirkungsmechanismus
Der Wirkungsmechanismus vonOrnidazolist identisch mit demandererNitroimidazol-Derivate: sie sind selektivaktivgegen die meisten obligateanaeroben odermikroaerophilenMikroorganismen sowie hypoxischen Zellen. Die Stickstoffgruppe nimmt Elektronen auf, während die reduzierte Form des Arzneimittels unter sauerstoffarmen Bedingungen biochemische Veränderungen derhelikoidalenStruktur der DNA verursacht. Dies führt zum Zelltod.
Wie andereNitroimidazoleauch scheintOrnidazolin erster Linie bakterizid zu wirken anstatt die Entwicklung sensibler Mikroorganismen zu beeinträchtigen.Innerhalb derNitroimidazol-Gruppe herrscht komplette Kreuzresistenz.
Eine Resistenz von Anaerobiern gegenüberOrnidazoltritt selten auf; unter der Therapie ist sie nur in Einzelfällen beschrieben worden.Selten sind resistente Stämme von Trichomonas vaginalis sowie - im Zusammenhang mit einer Langzeittherapie - resistente Stämme vonBact.fragilisund anderen anaeroben Bakterien aufgetreten.
Pharmakodynamik
OrnidazolhatantiinfektiveEigenschaften gegenüber bestimmten anaerob wachsende gramnegative Erreger wie unterschiedlichenBacteroides-Spezies (B.fragilis, P.melaninogenica,Porphyromonasspp),Fusobacterium,undanaerob wachsende grampositive ErregerwieClostridioides(Clostridium difficile, Clostridiumspp.),Peptococcusspp.undPeptostreptococcusspp.
Nicht empfindliche Keime:Alle aerob undmikroaerophilwachsenden Erreger,Aktinomyzeten, Propionibacteriumspp. undEubacteriumspp., Sprosspilze.
Das Wirkspektrum vonOrnidazolumfasst ausserdem Trichomonas vaginalis,EntamoebahistolyticaundGiardiaintestinalis.
Klinische Wirksamkeit
Die Unterscheidung zwischen sensiblen Organismen, Organismen mittlerer Sensibilität und resistenten Organismen erfolgt anhand der kritischen Konzentrationen:
Die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) laut EUCAST(European Committee onAntimicrobialSusceptibilityTesting) sind nachstehend aufgeführt.
Kritische Konzentrationen laut EUCAST (auf der
Grundlage der EUCAST-Empfehlungen für METRONIDAZOLE - v
11.0 Jan 2021)
Organismen Sensibel (S) (mg/l) Resistent (R) (mg/l)
Grampositive anaerobe Organismen (ausser Clostridioides 4 4
difficile)
Clostridioides difficile 2* 2*
Gramnegative anaerobe Organismen (Bacteriodes fragilis 4 4
und andere Spezies)
*Die Grenzwerte basieren auf epidemiologischen Cut-off-Werten (ECOFFs) und gelten für die orale Behandlung von C.-difficile-Infektionen mit Metronidazol. Es liegen keine schlüssigen klinischen Daten über den Zusammenhang zwischen MHK und den Ergebnissen vor.
Die Prävalenz der erworbenen Resistenz kann für bestimmte Spezies in Abhängigkeit von den geografischen Gegebenheiten und von der Zeit variieren. Infolgedessen ist es nützlich, über Informationen zur Prävalenz der örtlichen Resistenz, insbesondere was die Behandlung schwerer Infektionen anbelangt zu verfügen. Diese Daten stellen nur eine Orientierungshilfe zur wahrscheinlichen Sensibilität eines Bakterienstammes gegenüber diesem Antibiotikum dar.
EsbestehteineKreuzresistenzzwischenOrnidazolund anderen 5-Nitroimidazolen.Kreuzresistenzen zu anderen, chemisch nicht verwandten Substanzen sind nicht bekannt.
PharmakokinetikAbsorption
Die Absorption vonOrnidazolnach oraler Gabe ist mit einer Bioverfügbarkeit von über 90% und einemtmaxzwischen 2 und 4 Stunden fast vollständig.
Nach oraler Gabe von 500 mgTiberalbeträgt die maximale Plasmakonzentration vonOrnidazol7–11 mg/l und wird innerhalb von drei Stunden erreicht.
Gleichzeitige Nahrungsaufnahme hatte keinen Einfluss auf das Ausmass der Absorption vonOrnidazol, hingegen wird die Absorption dadurch verlangsamt.
Nach oraler Mehrfachverabreichung von 500 mgTiberal, im Abstand von 12 Stunden, beträgt im Fliessgleichgewicht die maximale bzw. minimale Plasmakonzentration vonOrnidazolim Mittel 14 bzw. 6 mg/l.
Distribution
Nach intravenöser Verabreichung einer Einzeldosis von 1 g werden folgende Plasmakonzentrationen gemessen:
1 Stunde: 17,7 µg/ml
24 Stunden: 4,9 µg/ml
Nach langsamer intravenöser Verabreichung einer Einzeldosis von 20 mg/kg werden folgende Plasmakonzentrationen gemessen:Cmax: 18,7 µg/ml; 24 Stunden: 7,32 µg/ml.
Die AUC liegt bei intravenösen Einzeldosen von 500 mg bei 185 mg/l/h und bei Dosierungen von 1 g bei 375 mg/l/h.
Das Verteilungsvolumen beträgt nach intravenöser Verabreichung 0,73–0,9l/kg. Die Proteinbindung vonOrnidazolbeträgt weniger als 15%. Der Wirkstoff vonTiberalpenetriert sehr gut in Liquor, Körperflüssigkeiten und Gewebe.
Die optimalen Wirkstoffkonzentrationen im Plasma liegen im Bereich zwischen 6 und 36 mg/l, je nach Indikation.
Bei intakten Meningen ist dieLiquorkonzentrationim Mittel 65% der Plasmakonzentration und bei entzündeten Meningen etwa 90%.
Antibakteriell aktive Konzentrationen wurden auch im Vaginalsekret, in der Amnionflüssigkeit, im Eiter sowie imappendikalenund intestinalen Gewebe gemessen.
Ornidazoldringt in die Plazenta ein.
Metabolismus
Das Ausmass der Metabolisierung ist über 90%.Die beiden Hauptmetaboliten haben annähernd die gleiche Aktivität gegen anaerobe Bakterien wie die Muttersubstanz.
Elimination
Die Halbwertzeit liegt beica.13 Stunden. Nach Einnahme einer Einzeldosis werden 85%der aufgenommenen Mengeim Verlaufe der ersten fünf Tage ausgeschieden, der grösste Teil davonim Urin (63% in metabolisierterForm) und in den Fäzes (22%).Ca.4% der verabreichten Dosiswird in unveränderter Form über die Nieren ausgeschieden. Nach wiederholter Verabreichung von 500 oder 1000 mg alle zwölf Stunden an gesunde Freiwillige wurde ein Kumulationsfaktor von 1,5 bis 2,5beobachtet.
Kinetik speziellerPatientengruppen
Leberfunktionsstörungen
Im Vergleich zu gesunden Probanden ist die Eliminationshalbwertzeit beiZirrhotikernlänger (22 vs14 h) und die Clearance kleiner (35vs51 ml/min).
Nierenfunktionsstörungen
Bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung ist die Kinetik nicht verändert.
Hämodialyse:Ornidazolwird durch Hämodialyse ausgeschieden.
Kinder und Jugendliche
Die Kinetik bei Neugeborenen und Kleinkindern ist ähnlich wie bei Erwachsenen.
Präklinische DatenEs liegen keine konventionellen Studien der pharmakologischen Sicherheit vor.
Die im Zuge von toxikologischen Studien erfolgte wiederholte orale Verabreichung vonTiberalzeigte bei 100 mg/kg/TageinePareseder Hinterbeine, Apathie undAtaxie beim Hund.
Mutagenität
Wie alleNitroimidazolderivatezeigtTiberalbei in-vitro-Testsein genotoxisches Potenzial.In-vivo-Tests bei der Maus sind jedoch negativ.
Karzinogenität
Inder Rattewurdennach zweijähriger Behandlung keine Anzeichen vonKarzinogenitätbeobachtet.
Reproduktionstoxizität
In limitierten Studien wurden unter oralen Dosen von bis zu 400 mg/kg/Tag bei Mäusen und Ratten und 100 mg/kg/Tag bei Kaninchen (entspricht dem 1- bis 3-Fachen der empfohlenen Höchstdosis für den Menschen auf mg/m2-Basis) keine teratogenen Wirkungen beobachtet.
Eine Studie an Ratten mit einer oralen Dosis von 400 mg/kg/Tag (entspricht dem 1- bis 3-Fachen der empfohlenen Höchstdosis für den Menschen auf mg/m2-Basis) am Ende der Gestation und währendder Laktation zeigte einen Anstieg der postnatalen Mortalität und eine Abnahme der Gewichtszunahme bei den Jungtieren.
Studien an männlichen Ratten mit oralen Dosen von 400 mg/kg/Tag (entspricht dem 1- bis 3-Fachen der empfohlenen Höchstdosis für den Menschen auf mg/m2-Basis) zeigten eine Abnahme der Fruchtbarkeit im Zusammenhang mit einer Hemmung der Spermienmotilität. Zwei Wochen nach Absetzen vonOrnidazolwar die Fruchtbarkeit wiederhergestellt.
Sonstige HinweiseInkompatibilitäten
Filmtabletten:Es sind keine Inkompatibilitäten bekannt.
Ampullen:Das Arzneimittel darf nur mit den unter Hinweise für die Handhabung aufgeführten Arzneimitteln gemischt werden.
Beeinflussung diagnostischer Methoden
Ornidazolbeeinflusst die SGOT- und SGPT-Bestimmungen. Die Werte liegen generell zu tief.
Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Haltbarkeit nach Anbruch
Die zubereitete Infusionslösung ist bis zu 24 Stunden bei Raumtemperatur (15–25 °C) haltbar.
Besondere Lagerungshinweise
Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
Filmtabletten: Nicht über 30 °C lagern.
Ampullen: Nicht über 30 °C und vor Licht geschützt lagern.Ampullen in geschlossener Packung aufbewahren.Nicht einfrieren.
Hinweise für die Handhabung
Herstellung der gebrauchsfertigen Infusionslösung
Wichtig:DerInhalt der Ampulle muss vor der Anwendung verdünnt werden.
Zur Herstellung einer gebrauchsfertigen Infusionslösung vonTiberalist 1 Ampulle zu 500 mg mit mindestens 100 ml und 1 Ampulle zu 1 g mit mindestens 200 ml einer der folgenden Infusionslösungen zu verdünnen: Glukose 5%, Glukose 10%,Levulose5%, Hartmann-Lösung, Ringer-Lösung, Natriumchlorid 0,9%, Natriumchlorid 0,45% + Glukose 2,5%.
Zulassungsnummer43065, 44231 (Swissmedic)
PackungenFilmtabletten zu500 mg:10
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung 500 mg/3 ml: 5Ampullen
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung 1g/6 ml: 5Ampullen
(B)
ZulassungsinhaberinCuratis AG, 4410 Liestal
Stand der InformationNovember 2024
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