Eigenschaften/WirkungenATC-Code
N03AF03
Wirkungsmechanismus
Rufinamid moduliert die Aktivität von Natriumkanälen und verlängert deren inaktivierten Zustand. Rufinamid ist in einer Reihe von Tiermodellen der Epilepsie wirksam.
Klinische Wirksamkeit
Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 4 Jahren
Inovelon (Filmtabletten) wurde in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie in Dosen von bis zu 45 mg/kg/Tag über 84 Tage bei 139 Patienten mit unzureichend kontrollierten Anfällen bei Lennox-Gastaut-Syndrom (mit sowohl atypischen Absenzen als auch Sturzanfällen) angewendet. Männliche oder weibliche Patienten (zwischen 4 und 30 Jahren) wurden eingeschlossen, wenn sie gleichzeitig mit ein bis drei Antiepileptika mit festgelegter Dosis behandelt wurden. Jeder Patient musste im Monat vor der Studie mindestens 90 Anfälle gehabt haben. Eine signifikante Verbesserung fand sich für alle drei primären Parameter: in der prozentualen Veränderung der Anfallshäufigkeit insgesamt nach 28 Tagen in der Erhaltungsphase im Vergleich zum Ausgangswert (–35,8% unter Inovelon vs. 1,6% unter Placebo, p= 0,0006), in der Anzahl tonisch-atonischer Anfälle (–42,9% unter Inovelon vs. 2,2% unter Placebo, p= 0,0002) und in der Einstufung des Schweregrads der Anfälle nach der allgemeinen Beurteilung, die vom Elternteil/Erziehungsberechtigten bei Ende der Doppelblindphase vorgenommen wurde (stark oder sehr stark verbessert bei 32,2% unter Inovelon vs. 14,5% in der Placebogruppe, p= 0,0041). In der Studie wurden Dosen von bis zu 4'000 mg/Tag (im Bereich 30–50 kg) oder 4'800 mg/Tag (über 50 kg) bei einer begrenzten Anzahl von Patienten angewendet.
Ein «Population Pharmacokinetic/Pharmacodynamic Modelling» zeigte, dass die Reduktion der Häufigkeit der Anfälle insgesamt und der Häufigkeit tonisch-atonischer Anfälle, die Verbesserung der allgemeinen Beurteilung des Schweregrads der Anfälle sowie der Anstieg der Wahrscheinlichkeit für eine Reduktion der Anfallshäufigkeit abhängig von den Rufinamid-Konzentrationen waren.
Kinder ab 1 bis unter 4 Jahre
Eine aktiv-kontrollierte, multizentrische, offene Studie, verglich Rufinamid als Zusatztherapie zu 1-3 beliebigen anderen, vom Prüfarzt ausgewählten, Antiepileptika (Antiepileptic Drugs, AED) bei pädiatrischen Patienten im Alter von 1 bis unter 4 Jahren mit unzureichend eingestelltem LGS. 25 Patienten erhielten Rufinamid als Zusatztherapie über 106 Wochen in einer Dosierung von bis zu 45 mg/kg/Tag in zwei Einzeldosen. 12 Patienten erhielten ein anderes AED. Primäres Studienziel war die Beurteilung eines Effektes auf die kognitive Entwicklung und Verhalten in der pädiatrischen Population im Alter von 1 bis < 4 Jahren mit LGS. Daneben fand eine altersspezifische Charakterisierung der PK statt und die Wirksamkeit wurde verglichen. Kognitive Entwicklung, Verhalten und Sprachentwicklung der mit Rufinamid behandelten Teilnehmer waren vergleichbar mit denen der Teilnehmer in der Behandlungsgruppe mit alternativen AED. Im Zeitverlauf ergab sich in keiner der beiden Behandlungsgruppen ein einheitlicher Trend, bei allerdings kleiner Stichprobengrössen, schwererem Krankheitsbild zu Beginn der Studie bei vielen Teilnehmern und hoher Abbruchquote in beiden Behandlungsgruppen, so dass dies Ergebnisse nicht konklusiv beurteilt werden können. Die in einer populationsbasierten Modellierung evaluierte PK von Rufinamid war dosisunabhängig und war, unter Berücksichtigung des Körpergewichts, nicht signifikant altersabhängig, weder als kontinuierliche Kovariable (1 bis 35 Jahre) noch als kategoriale Kovariable (Alterskategorien: 1 bis unter 4 Jahre und 4 und mehr Jahre). Ebenso war die Exposition in der Gruppe der 1 bis unter 2-Jährigen mit der bei den 2 bis unter 4-jährigen Teilnehmern vergleichbar. Die Koadministration von Valproinsäure verringerte die Rufinamid-Clearance bei den 1 bis unter 4-jährigen Teilnehmern konzentrationsabhängig, ähnlich wie bei den Patienten im Alter von ≥4 Jahren.
Aufgrund der geringen Stichprobengrössen in dieser Studie waren die Daten nicht ausreichend, um Hinweise auf Wirksamkeitsunterschiede bei der Anfallskontrolle zwischen den beiden Behandlungsgruppen zu erbringen.
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