ZusammensetzungWirkstoff: Oxybutynini hydrochloridum.
Hilfsstoffe: Lactosum, Antioxidans: E 321, Excip. pro compresso obducto.
Galenische Form und Wirkstoffmenge pro EinheitTabletten mit verzögerter Wirkstofffreigabe («Retardtabletten») zur oralen Verabreichung:
Runde, gelbe Tabletten mit einem Durchmesser von ca. 7,5 mm und schwarzem Aufdruck «5 XL» auf einer Seite zu 5 mg Oxybutyninhydrochlorid.
Runde, pinkfarbene Tabletten mit einem Durchmesser von ca. 7,5 mm und schwarzem Aufdruck «10 XL» auf einer Seite zu 10 mg Oxybutyninhydrochlorid.
Runde, graue Tabletten mit einem Durchmesser von ca. 7,5 mm und schwarzem Aufdruck «15 XL» auf einer Seite zu 15 mg Oxybutyninhydrochlorid.
Indikationen/AnwendungsmöglichkeitenErwachsene
Harninkontinenz und/oder gehäuftes Wasserlassen mit Harndrang, wie es bei Patienten mit hyperaktiver Blase (z.B. spastische neurogene Blase) vorkommen kann.
Kinder und Jugendliche (6–18 Jahre)
Symptomatische Behandlung bei Hyperreflexie des Detrusors im Zusammenhang mit einer neurogenen Störung (z.B. Spina bifida).
Dosierung/AnwendungLyrinel Oros Retard Tabletten müssen als Ganzes mit etwas Flüssigkeit geschluckt werden. Sie dürfen nicht zerkaut, zermörsert oder anderweitig zerteilt werden, da hierdurch die verzögerte Wirkstofffreisetzung beeinträchtigt würde.
Lyrinel Oros kann mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»).
Erwachsene
Anfangsdosis: die empfohlene Anfangsdosis beträgt eine Retardtablette zu 5 mg pro Tag.
Dosisanpassung: die Tagesdosis kann pro Woche um 5 mg (auf maximal 20 mg pro Tag) erhöht werden, um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit zu erreichen.
Bei Patienten, die mit schnell freisetzendem Oxybutynin vorbehandelt sind, sollte bei der Wahl der Startdosis die bisherige Dosierung der schnellfreisetzenden Darreichungsform berücksichtigt werden. Es sollte die minimale Dosis angestrebt werden, mit der das beste Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit erreicht wird.
Falls eine Dosis vergessen wurde, sollte diese nicht nachgeholt, sondern die nächste Dosis zum regulären Zeitpunkt eingenommen werden.
Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche
Anfangsdosis: Die empfohlene Anfangsdosis beträgt eine Retardtablette zu 5 mg pro Tag.
Dosisanpassung: die Tagesdosis kann nach frühestens 1 Woche in Schritten von 5 mg bis auf maximal 15 mg täglich erhöht werden. Zwischen den Änderungen der Dosierung sollte jeweils ein Zeitraum von mindestens 1 Woche liegen.
Die Retardtablette darf auf keinen Fall zermörsert oder anderweitig zerkleinert werden. Bei Kindern, die nicht in der Lage sind, die Retardtablette unzerkaut zu schlucken, bzw. bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie die Retardtablette zerkauen, muss auf andere Applikationsformen von Oxybutynin übergegangen werden.
Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass die Tablettenhülle das Magen-Darm-System unverändert passieren kann. Dies beeinflusst die Wirksamkeit des Produktes nicht.
Spezielle Dosierungsempfehlungen
Ältere Patienten
Eine Dosisanpassung ist bei älteren Patienten nicht notwendig (siehe Rubrik «Pharmakokinetik»).
Kinder unter 6 Jahren
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Lyrinel Oros bei Kindern unter 6 Jahren wurde nicht untersucht.
Die Anwendung von Lyrinel Oros wird daher für diese Altersgruppe nicht empfohlen.
Leber- und Niereninsuffizienz
Die Pharmakokinetik von Lyrinel Oros wurde bei Patienten mit Leber- und Niereninsuffizienz nicht untersucht. Es können daher keine Dosierungsempfehlungen gemacht werden.
Kontraindikationen– Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe;
– Pollakisurie oder Nykturie infolge Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz (hier steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund);
– Miktionsbeschwerden organischen Ursprungs (z.B. Ureterstenose, Prostatahyperplasie oder Harnröhrenstenose) aufgrund des Risikos eines Harnverhalts;
– toxisches Megakolon;
– obstruktive Magen-Darm-Erkrankungen wie paralytischer Ileus, Darmatonie;
– schwere Colitis ulcerosa;
– Engwinkelglaukom oder flache vordere Augenkammer;
– Myasthenia gravis;
– Tachyarrhythmie.
Die meisten Kontraindikationen leiten sich von der anticholinergen Wirkung von Oxybutynin ab.
Warnhinweise und VorsichtsmassnahmenWie bei allen Therapien der instabilen Blase sollten andere Ursachen (z.B. Funktionsstörungen der Niere oder Herzinsuffizienz) für erhöhten Harndrang und häufiges Wasserlassen vor der Behandlung in Betracht gezogen werden.
Bei bestehender Harnwegsinfektion sollte eine entsprechende antibiotische Therapie eingeleitet werden.
Oxybutynin wird mit anticholinergen Wirkungen auf das zentrale Nervensystem (ZNS) in Verbindung gebracht (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Patienten sollten bezüglich anticholinerger ZNS-Wirkungen überwacht werden, insbesondere während der ersten Behandlungsmonate oder nach Erhöhung der Dosis. Falls ein Patient anticholinerge ZNS-Wirkungen aufweist, sollte eine Dosisreduktion oder ein Absetzen des Arzneimittels in Erwägung gezogen werden.
Im Zusammenhang mit Oxybutynin wurde über das Auftreten eines Angioödems berichtet. In einigen Fällen traten Angioödeme bereits nach der ersten Dosis auf. Bei Auftreten eines Angioödems sollte Oxybutynin sofort abgesetzt werden.
In höherer Dosierung kann Oxybutynin die Darmmotilität reduzieren. Aufgrund des Risikos eines paralytischen Ileus ist daher Vorsicht geboten bei der Anwendung von Lyrinel Oros bei Patienten mit Motilitätsstörungen des Verdauungstraktes, insbesondere bei Vorliegen eines gastroösophagealen Refluxes oder einer hämorrhagischen Rektocolitis (Risiko eines paralytischen Ileus).
Da Oxybutynin ein Engwinkelglaukom auslösen kann, sollten während der Therapie Sehschärfe und intraokulärer Druck regelmässig kontrolliert werden. Patienten sollte empfohlen werden, bei plötzlichem Verlust der Sehschärfe sofort medizinischen Rat zu suchen.
Oxybutynin sollte in den folgenden Fällen mit Vorsicht angewendet werden:
– Ältere Patienten (da sie empfindlicher auf Oxybutynin reagieren können).
– Leber- und Nierenfunktionsstörungen.
– Vorbestehendes Parkinsonsyndrom und/oder kognitive Beeinträchtigung unter Behandlung mit Cholinesterase-Hemmern (da das Risiko einer Verschlechterung der Symptome besteht).
– Vorbestehende Demenz, die mit Cholinesterasehemmern behandelt wird (da das Risiko für eine Verschlechterung der Symptome besteht).
– Patienten unter einer gleichzeitigen Therapie mit Arzneimitteln, welche eine Ösophagitis verursachen oder verschlimmern können (z.B. Biphosphonate).
Oxybutynin kann die Symptome von Hyperthyreose, Hypertonie, Tachykardie, kongestiver Herzinsuffizienz, kardialen Arrhythmien und benigner Prostatahyperplasie verschlimmern.
Oxybutynin kann zu einer Abnahme der Schweisssekretion führen, wodurch bei hohen Umgebungstemperaturen oder bei Patienten mit Fieber die Entstehung eines Hitzestaus möglich ist.
Oxybutynin kann zu einer Abnahme der Speichelproduktion führen, was die Entstehung von Zahnkaries, Parodontose oder oraler Candidose begünstigen kann.
Wie bei jedem formstabilen Material muss Lyrinel Oros bei Patienten mit schweren Stenosen des Magen-Darm-Traktes mit Vorsicht verwendet werden.
Patienten mit seltenen angeborenen Störungen einer Galactose-Intoleranz, eines Lapp-Lactase-Mangels oder einer Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Lyrinel Oros aufgrund des Laktosegehaltes nicht einnehmen.
InteraktionenPharmakodynamische Interaktionen
Die gleichzeitige Verabreichung von Oxybutynin mit anderen Anticholinergika oder anticholinerg wirkenden Substanzen kann zu einer Zunahme von Inzidenz und/oder Schweregrad parasympatholytischer Wirkungen führen. Dies gilt für:
– Atropin und andere anticholinerg wirkende Pharmaka;
– Antihistaminika;
– Neuroleptika und trizyklische Antidepressiva;
– Antiparkinsonmittel;
– Amantadin;
– Chinidin;
– Digitalis.
Bei der gleichzeitigen Anwendung von Oxybutynin und solchen Arzneimitteln ist Vorsicht geboten.
Anticholinerg wirkende Substanzen können aufgrund ihrer anticholinergen Wirkungen auf die gastrointestinale Motilität möglicherweise die Resorption von einigen gleichzeitig gegebenen Arzneimitteln verändern. Dies sollte insbesondere bei einer gleichzeitigen Verabreichung von Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite (z.B. Digitalis) berücksichtigt werden.
Auch die gastrointestinalen prokinetischen Wirkungen von Metoclopramid und Domperidon können druch anticholinerg wirksame Substanzen wie Oxybutynin antagonisiert werden. Jedoch wurden bisher keine Interaktionen zwischen Prokinetika und Oxybutynin festgestellt.
Sublingual gegebene Nitrate lösen sich möglicherweise aufgrund der Mundtrockenheit nicht unter der Zunge auf, was zu einer verminderten therapeutischen Wirkung führt.
Pharmakokinetische Interaktionen
Oxybutynin wird u.a. über das Cytochrom P450-3A4 metabolisiert. Die durchschnittliche Plasmakonzentration von Oxybutynin war bei der gemeinsamen Anwendung von Lyrinel Oros und Ketoconazol, einem potenten CYP-3A4-Inhibitor, ca. zweimal so hoch wie bei alleiniger Anwendung von Lyrinel Oros. Inhibitoren des Cytochrom- P450-3A4-Enzymsystems wie z.B. Antimykotika (z.B. Ketoconazol, Itraconazol oder Voriconazol) oder Makrolid-Antibiotika (z.B. Erythromycin und Clarithromycin) können die Oxybutynin-Plasmaspiegel erhöhen. Die klinische Relevanz einer solchen potentiellen Interaktion ist nicht bekannt. Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Verabreichung solcher Arzneimittel.
Arzneimittelwechselwirkungen mit Phenobarbital, Phenytoin, Warfarin, Phenylbutazon und Tolbutamid konnten ausgeschlossen werden.
Schwangerschaft/StillzeitÜber die Sicherheit einer Anwendung von Oxybutynin in der Schwangerschaft liegen für den Menschen keine ausreichenden Erfahrungen vor.
In tierexperimentellen Studien zu Embryotoxizität und Fertilität zeigten sich Auswirkungen auf den Reproduktionsprozess bei für die Muttertiere toxischen Dosierungen (siehe «Präklinische Daten»). Oxybutynin sollte deshalb während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist absolut erforderlich.
Stillzeit
Oxybutynin tritt in geringen Mengen in die Muttermilch über. Der Einfluss auf Neugeborene/Säuglinge ist nicht bekannt. Lyrinel Oros sollte während der Stillzeit nicht angewendet werden.
Fertilität
Präklinische Reproduktionsstudien mit Oxybutynin ergaben keine Hinweise auf eine beeinträchtigte Fertilität.
Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von MaschinenEs wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt. Da Oxybutynin zu Benommenheit oder Verschwommensehen führen kann, können das Reaktionsvermögen und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sein. Patienten sind auf dieses Risiko hinzuweisen. Die Patienten sind zudem darauf hinzuweisen, dass gleichzeitiger Alkoholkonsum die unerwünschten Wirkungen verstärken kann.
Unerwünschte WirkungenDie häufigsten unerwünschten Wirkungen von Oxybutynin sind durch dessen anticholinerge Eigenschaften bedingt. Unerwünschte Wirkungen waren meist dosisabhängig.
Häufigste unerwünschte Wirkung in den klinischen Studien war Mundtrockenheit. Sie wurde jedoch unter Lyrinel Oros seltener gemeldet als unter schnell freisetzenden Oxybutynin-Formulierungen. Ausserdem war die Inzidenz der Mundtrockenheit unter der Erhaltungsdosis von 5 oder 10 mg Lyrinel Oros deutlich niedriger als unter höheren Dosen.
Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit Oxybutynin schliessen anticholinerge Wirkungen auf das zentrale Nervensystem ein (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Die Sicherheit von Lyrinel Oros wurde in fünf doppelblinden, kontrollierten klinischen Studien (mit Plazebo oder aktivem Komparator) bei der Behandlung der hyperaktiven Blase evaluiert, in welchen 759 erwachsene Probanden Dosen zwischen 5 und 20 mg/Tag erhielten.
Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystem und Häufigkeit angegeben, welche in klinischen Studien unter Lyrinel Oros sowie aus der Postmarketing-Erfahrung berichtet wurden.
Häufigkeitsangaben: sehr häufig: ≥1/10; häufig: ≥1/100, <1/10; gelegentlich: ≥1/1000, <1/100; selten: ≥1/10’000, <1/1000; sehr selten: <1/10’000; nicht bekannt: basierend auf Meldungen aus der Post-Marketing-Überwachung genaue Häufigkeit kann nicht angegeben werden.
Infektionen
Häufig: Harnwegsinfektionen, Bronchitis, Infektion der oberen Atemwege.
Immunsystem
Gelegentlich: allergische Reaktion.
Nicht bekannt*: anaphylaktische Reaktionen, Angioödem.
Stoffwechsel und Ernährung
Gelegentlich: Anorexie, Flüssigkeitsretention, Dehydratation, Hyperglykämie, erhöhte Harnstoff- und Kreatininwerte.
Selten: Appetitsteigerung.
Psychiatrische Störungen
Häufig: Nervosität, Verwirrtheit, Depression.
Gelegentlich: ungewöhnliche Träume, Erregung, Angst, Beeinträchtigung des Gedächtnisses, Halluzinationen.
Nicht bekannt: psychotische Störungen.
Nervensystem
Häufig: Schläfrigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Störungen des Geschmacksempfindens.
Gelegentlich: Parästhesie, Migräne, Krampfanfälle.
Selten: Tremor, Tinnitus.
Augen
Häufig: trockene Augen, Verschwommensehen.
Gelegentlich: Lichtscheu, Diplopie, Anstieg des intraokulären Drucks.
Selten: Glaukom.
Herz
Häufig: Palpitationen.
Gelegentlich: Tachykardie, ventrikuläre und supraventrikuläre Arrhythmien, Bradykardie.
Gefässe
Häufig: Hypertonie.
Gelegentlich: Flush.
Selten: Hypotonie.
Atmungsorgane
Häufig: trockener Hals, trockene Nase, Halsschmerzen, Husten.
Gelegentlich: verstopfte Nase, Dysphonie, Epistaxis.
Gastrointestinale Störungen
Sehr häufig: Mundtrockenheit (je nach Dosierung bis zu 42%).
Häufig: Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Obstipation, Diarrhö, Dyspepsie, Erbrechen, gastroösophagealer Reflux.
Gelegentlich: Dysphagie, Ulzerationen im Mund, Glossitis, Stomatitis.
Selten: Gastritis, Magenatonie, Ösophagusstenose.
Leber
Selten: erhöhte Werte von alkalischer Phosphatase, Lactatdehydrogenase oder Transaminasen.
Haut
Häufig: trockene Haut, Pruritus.
Gelegentlich: Hautausschlag, Urtikaria, Ekzem, Akne, Alopezie, verminderte Schweisssekretion, Verfärbung der Haut, Nagelbildungsstörungen, Photosensitivität.
Selten: makulopapulöses Exanthem.
Muskelskelettsystem
Häufig: Rückenschmerzen, Arthralgie, Schmerzen in den Extremitäten.
Gelegentlich: Muskelkrämpfe, Myalgie.
Selten: Arthritis.
Nieren und Harnwege
Häufig: erschwertes Wasserlassen und andere Miktionsstörungen, Dysurie.
Gelegentlich: gesteigerter Harndrang, Pollakisurie, Nykturie, Hämaturie, Restharnbildung, Harnverhalt, Pyurie.
Selten: Harninkontinenz.
Reproduktionssystem und Brust
Häufig: Brustschmerzen.
Gelegentlich: Vaginitis.
Selten: Fluor vaginalis und andere vulvovaginale und zervikale Störungen.
Nicht bekannt: Impotenz.
Allgemeine Störungen
Häufig: Müdigkeit, Asthenie, periphere Ödeme.
Gelegentlich: Durst, Trockenheit der Schleimhaut, Brustbeschwerden, Sturz.
Selten: Fieber, grippeähnliche Symptome, Hitzschlag, Rigor.
Pädiatrische Patienten
Zusätzlich wurde die Sicherheit von Lyrinel Oros in einer offenen, dreiarmigen klinischen Studie evaluiert, in welcher 60 pädiatrische Patienten im Alter von 5–15 Jahren Dosen von 10 oder 15 mg/Tag erhielten. In dieser Studie gemeldete unerwünschte Wirkungen sind nachfolgend aufgeführt sofern sie sich in Art und/oder Häufigkeit von den bei Erwachsenen beobachteten unerwünschten Wirkungen unterscheiden.
Stoffwechsel- und Ernährung
Häufig: Anorexie.
Gefässe
Häufig: Flush.
Gastrointestinale Störungen
Sehr häufig: Obstipation (10,0%).
Häufig: Diarrhö.
Haut
Gelegentlich: Ausschlag, Pruritus.
Unter anderen zur Behandlung von Miktionsstörungen eingesetzten Anticholinergika wurde darüber hinaus über folgende unerwünschte Wirkungen berichtet:
Apathie, Desorientiertheit Mydriasis, Zykloplegie, Unterdrückung der Laktation.
ÜberdosierungBei einer Überdosierung mit Oxybutynin stehen die Zeichen einer Atropinvergiftung im Vordergrund mit Mydriasis, starker Reduktion des Speichelflusses und Lähmung der glatten Muskulatur. Letztere kann sich beispielsweise in einem Harnverhalt äussern. Darüber hinaus können die in der Rubrik «Unerwünschte Wirkungen» genannten Symptome im Bereich des ZNS mit erhöhter Intensität auftreten (von Unruhe bis Exzitation), und es kann zu Kreislaufstörungen (Flush, Blutdruckabfall, Kreislaufinsuffizienz), respiratorischer Insuffizienz, Paralyse und Koma kommen. Schliesslich sind auch Fieber, Erbrechen, Dehydratation und Herzrhythmusstörungen möglich. Alle genannten Symptome können in milder bis schwerer Ausprägung auftreten.
Folgende Massnahmen sind zu ergreifen:
– Verabreichung von Aktivkohle.
– Gegebenenfalls Einsatz eines Cholinesteraseinhibitors zur symptomatischen Behandlung eines anticholinergen Syndroms.
Fieber wird symptomatisch mit lauwarmen Umschlägen oder Eis behandelt. Bei ausgeprägter Exzitation oder Unruhe kann Diazepam intravenös injiziert werden. Tachykardie kann durch intravenöses Propranolol und Harnretention durch Katheterisierung behandelt werden.
Im Fall eines Fortschreitens der Atemlähmung muss eine künstliche Beatmung eingeleitet werden.
Bei einer Überdosierung ist die fortgesetzte Freisetzung von Oxybutynin aus den Retardtabletten zu berücksichtigen. Der Patient muss mindestens 24 Stunden beobachtet werden.
Eigenschaften/WirkungenATC-Code: G04BD04
Oxybutynin ist aufgrund seiner Struktur den neuromuskulotropen Spasmolytika zuzuordnen.
Lyrinel Oros besitzt eine direkte antispastische Wirkung und hemmt den muskarinischen Effekt des Acetylcholins auf die glatte Muskulatur. Die anticholinerge Wirkung von Oxybutynin auf den Detrusor entspricht einem Zehntel bis Zwanzigstel jener des Atropins, die antispastische Wirkung hingegen ist vier- bis zehnmal stärker. Lyrinel Oros bessert die durch Hyperkontraktilität des Blasenmuskels bedingten Miktionsbeschwerden.
Der analgetische Effekt ist im Tierexperiment nach subkutaner Injektion auf Gewichtsbasis stärker ausgeprägt als der von Acetylsalicylsäure. Die lokalanästhetische Wirksamkeit entspricht derjenigen von Lidocain.
Neurotrope Spasmolytika (Parasympatholytika, m-Cholinrezeptorenblocker) verdrängen kompetitiv Acetylcholin von den Muskarinrezeptoren der postganglionären parasympathischen Erfolgsorgane und blockieren damit die muskarinartigen Wirkungen von Acetylcholin. Die Folge ist eine Erschlaffung der glatten Muskulatur der Bronchien, des Magen-Darm-Traktes, der Gallenwege und der Harnblase, insbesondere wenn sie spastisch kontrahiert ist. Darüber hinaus nimmt die Speichel-, Bronchial-, Magen und Pankreassekretion ab. In höherer Dosierung wird die Herzfrequenz beschleunigt. Am Auge kommt es durch Lähmung des Musculus sphincter pupillae zur Pupillenerweiterung und durch Lähmung des Musculus cilliaris zu Akkommodationsstörungen.
Die muskulotropen Wirkungen von Oxybutynin werden wie die Wirkung von Papaverin auf eine Änderung der intrazellulären Calcium-Ionenkonzentration zurückgeführt. Die daraus resultierende Tonusabnahme betrifft alle glatten Muskeln, einschliesslich der Gefässmuskulatur, der Bronchial- und Darmmuskulatur sowie der Muskulatur der abführenden Gallen- und Harnwege. Besonders ausgeprägt ist die Wirkung der muskulotropen Spasmolytika, wenn primär eine Tonussteigerung (Spasmus) der glatten Muskulatur vorliegt.
Klinische Studien an pädiatrischen Patienten (>6 Jahre)
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Lyrinel Oros wurde in einer 24-wöchigen, nicht verblindeten Studie an 60 Kindern im von 6–15 Jahren untersucht. Alle wiesen Symptome einer Detrusor-Hyperaktivität in Assoziation mit einer neurologischen Erkrankung (z.B. Spina bifida) auf und waren bereits mit Oxybutynin vorbehandelt. Oxybutynin erhöhte zusammen mit intermittierenden Katheterisierungen der Harnblase das durchschnittliche Urinvolumen pro Katheterisierung sowie die maximale cystometrische Blasenkapazität und verminderte den durchschnittlichen Detrusordruck bei maximaler cystometrischer Blasenkapazität.
PharmakokinetikAbsorption
Nach der ersten Verabreichung von Lyrinel Oros steigt die Oxybutynin-Plasmakonzentration während 4 bis 6 Stunden; anschliessend bleibt die Konzentration etwa 24 Stunden konstant, so dass die bei schnell freigesetztem Oxybutynin beobachteten Schwankungen zwischen Peak und Minimum bei Lyrinel Oros gering bleiben.
Oxybutynin und sein Metabolit Desethyloxybutynin weisen im Dosisbereich von 5–20 mg eine lineare Absorptionskinetik auf.
Die absolute Bioverfügbarkeit von schnell freigesetztem Oxybutynin wird auf 2–11% geschätzt.
Die relative Bioverfügbarkeit von R-Oxybutynin und S-Oxybutynin beträgt bei Lyrinel Oros 156% bzw. 187% im Vergleich zu Oxybutynin. Nach Verabreichung einer Einmaldosis von 10 mg Lyrinel Oros liegen die maximalen Konzentrationen von R-Oxybutynin und S-Oxybutynin nach 12,7 ± 5,4 bzw. 11,8 ± 5,3 Stunden bei 1,0 ± 0,6 bzw. 1,8 ± 1,0 ng/ml, wobei sich die Konzentrationsprofile der beiden Enantiomere im Zeitverlauf gleichen.
Die pharmakokinetischen Parameter von Lyrinel Oros werden durch Nahrungsaufnahme nicht beeinflusst.
Steady-state Oxybutynin-Plasmaspiegel werden nach wiederholter Applikation von Lyrinel Oros am dritten Tag erreicht. Es besteht kein Anhalt für eine Akkumulation von Oxybutynin oder seines Metaboliten Desethyloxybutynin.
Distribution
Oxybutynin wird nach systemischer Absorption umfassend im Gewebe verteilt. Das Verteilungsvolumen nach intravenöser Gabe von 5 mg Oxybutyninhydrochlorid wurde auf 193 l geschätzt. Sowol die beiden Enantiomere von Oxybutynin als auch jene von Desethyloxybynin werden stark (>97%) an Plasmaproteine gebunden, überwiegend an Alpha-1 Acid Glykoprotein.
Metabolismus
Oxybutynin wird in der Leber stark metabolisiert, vor allem durch das Cytochrom P-450-System, insbesondere durch CYP3A4, das vor allem in der Leber und der Darmwand vorkommt.
Zu den Metaboliten gehören das pharmakologisch aktive Desethyloxybutynin sowie die pharmakologisch unwirksame Phanylcyclohexylglykolsäure. Nach Verabreichung von Lyrinel Oros erreichen die Plasmakonzentrationen von R- und S-Desethyloxybutynin 73% bzw. 92% der Plasmakonzentrationen, die mit schnell freigesetztem Oxybutynin erreicht werden.
Elimination
Die Clearance von Oxybutynin wurde auf 26 l/h geschätzt. Weniger als 0,1% der applizierten Dosis werden unverändert über den Urin ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 13,2 ± 10,3 Stunden für R-Oxybutynin und 12,4 ± 6,1 Stunden für S-Oxybutynin.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Alter/Geschlecht
Die Pharmakokinetik von Lyrinel Oros war bei allen untersuchten Patienten ähnlich, unabhängig vom Alter oder Geschlecht.
Pädiatrische Patienten
Die steady-state Pharmakokinetik von Lyrinel Oros wurde bei 19 Kindern im Alter von 5–15 Jahren mit Detrusor-Hyperaktivität in Assoziation mit einer neurologischen Erkrankung (z.B. Spina bifida), evaluiert. Die pharmakokinetischen Parameter von Oxybutynin und seinem aktiven Metaboliten bei diesen pädiatrischen Patienten stimmten mit denjenigen bei Erwachsenen überein.
Nieren- und Leberfunktionsstörungen
Die Pharmakokinetik von Lyrinel Oros wurde bei Patienten mit Nieren- und Leberinsuffizienz nicht untersucht.
Präklinische DatenDie nicht-klinischen Daten, die auf konventionellen Studien zur Toxizität nach Mehrfachdosierung, zur Genotoxizität und zum karzinogenen Potenzial beruhen, ergaben keine Hinweise für eine Gefährdung beim Menschen. Reproduktionsstudien (nur bei Ratten durchgeführt) in für das Muttertier toxischen Dosierungen und weit über der humanen Maximaldosierung liegend, zeigten Effekte auf die Reproduktion mit möglicher verbundener postnataler Sterblichkeit/Toxizität und limitierten Missbildungen beim Fetus (Ventrikelseptumdeffekte und überzählige Rippen).
Sonstige HinweiseDie Plastikflasche enthält ein Trocknungsmittel. Das Trocknungsmittel darf nicht eingenommen werden.
Haltbarkeit
Das Arzneimittel muss in der Originalpackung bei Raumtemperatur (15–25 °C) ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «Exp» bezeichneten Datum verwendet werden.
Zulassungsnummer55402 (Swissmedic).
PackungenLyrinel Oros Ret Tabl 5 mg 30. (B)
Lyrinel Oros Ret Tabl 5 mg 90. (B)
Lyrinel Oros Ret Tabl 10 mg 30. (B)
Lyrinel Oros Ret Tabl 10 mg 90. (B)
Lyrinel Oros Ret Tabl 15 mg 30. (B)
Lyrinel Oros Ret Tabl 15 mg 90. (B)
ZulassungsinhaberinJanssen-Cilag AG, Zug, ZG.
Stand der InformationMärz 2012.
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