Eigenschaften/WirkungenATC-Code
J01MA12
Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik
Levofloxacin ist ein Fluorochinolon und wirkt somit über eine Hemmung des bakteriellen DNA-DNA-Gyrase-Komplexes und der Topoisomerase IV. Es handelt sich um das S(-)-Enantiomer des Racemates Ofloxacin.
Levofloxacin ist in vitro bakterizid. Sein antibakterielles Spektrum schliesst grampositive wie gramnegative Keime ein, darunter Staphylokokken, Streptokokken inkl. Pneumokokken, Enterobakterien, Haemophilus influenzae, nicht fermentative gramnegative Bakterien und atypische Mikroorganismen.
Die Sensibilität der auf Levofloxacin getesteten Mikroorganismen lässt sich in folgende Kategorien einordnen: sensibel, intermediär und resistent.
Sensibilitätstest:
Die vom EUCAST (European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing, siehe http://www.eucast.org/) empfohlenen minimalen Hemmstoff-Konzentrationen (MHK, bzw. MIC, Minimum Inhibitory Concentrations) für Levofloxacin, mit denen empfindliche Stämme von intermediären und diese wiederum von resistenten Stämmen unterschieden werden können, sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt (mg/l).
Klinische MHK- bzw. MIC-Grenzwerte für Levofloxacin (mg/l) nach EUCAST (Version 2.0 vom 01.01.2012):
Pathogen Sensibel Resistent
Enterobacteriacae ≤1 mg/l >2 mg/l
Pseudomonas spp. ≤1 mg/l >2 mg/l
Acinetobacter spp. ≤1 mg/l >2 mg/l
Staphylococcus spp. ≤1 mg/l >2 mg/l
S. pneumoniae1 ≤2 mg/l >2 mg/l
Streptococcus A, B, C, G ≤1 mg/l >2 mg/l
H. influenzae2,3 ≤1 mg/l >1 mg/l
M. catarrhalis3 ≤1 mg/l >1 mg/l
Grenzwerte, die nicht einer Art zugeordnet werden können4 ≤1 mg/l >2 mg/l
1 Die Grenzwerte für Levofloxacin entsprechen starken Dosen.
2 Es kann zwar eine "Low-Level" -Resistenz gegen Fluorchinolone (MHK bzw. MIC von Ciprofloxacin: 0,125-0,5 mg/l) auftreten, aber es liegen keine Nachweise dafür vor, dass eine solche Resistenz bei Atemwegsinfektionen mit H. influenzae von klinischer Bedeutung ist.
3 Stämme mit einem MHK-Wert über dem Grenzwert "S" sind sehr selten oder wurden noch nicht gemeldet. Tests zur Identifikation dieser Isolate und zu deren antimikrobieller Sensibilität müssen wiederholt werden, und wenn das Ergebnis bestätigt ist, muss das Isolat an ein Referenzlabor geschickt werden. Sie gelten solange als resistent, bis die klinische Response der identifizierten Isolate mit einem MHK-Wert über der aktuell kritischen Konzentration "R" bestätigt ist.
4 Die kritischen Konzentrationen entsprechen den peroral oder intravenös verabreichten Dosen von 1× 500 mg bis 2× 500 mg.
Die Prävalenz der erworbenen Resistenz kann geographisch und zeitlich für ausgewählte Spezies variieren. Lokale Informationen über die Resistenzsituation sind hilfreich, besonders bei der Behandlung schwerer Infektionen. Bei Bedarf sollte der Rat eines Spezialisten eingeholt werden, da der therapeutische Wert des Arzneimittels vor allem bei bestimmten Infektionen vom Prävalenzgrad der lokalen Resistenzsituation abhängt.
Im Falle einer empirischen Verwendung und wenn keine Daten über die mikrobiologische Sensibilität vorliegen, besteht das Risiko von Therapieversagen für die Mikroorganismen, welche in der Kolonne "Arten, für welche eine feststehende Resistenz problematisch sein kann "erwähnt sind, siehe unten stehende Tabelle. Daher ist eine Nutzen-/Risiko-Abwägung erforderlich.
Methicillinresistente Stämme von Staphylococcus aureus sind sehr wahrscheinlich auch gegen Fluorchinolone, wie etwa Levofloxacin, resistent.
Nachfolgend sind Daten zur Resistenz von methicillinresistenten Stämmen von S. aureus gegenüber neuen Fluorchinolonen in der Schweiz aus dem Jahr 2011 aufgeführt (Quelle: Datenbanknetzwerk ANRESIS, siehe www.anresis.ch):
Region der Schweiz Anzahl der Proben Anzahl der Isolate(n Resistent(%) Intermediär(%) Sensibel(%)
)
Westschweiz 1377 504 82,7 2,8 14,5
Ostschweiz 1126 250 54 3,2 42,8
Zentralschweiz 788 215 45,6 7 47,4
Die nachfolgende Tabelle weist das antibakterielle Spektrum für Levofloxacin aus (die Sensibilität gegenüber Levofloxacin kann variieren).
Normalerweise sensible Arten: Arten, für welche eine feststehende Natürlich resistente
Resistenz problematisch sein kann: Arten:
Grampositive aerobe Bakterien: Grampositive aerobe Bakterien: Grampositive aerobe
Bakterien:
Bacillus anthracisStaphylococcus Enterococcus faecalisStaphylococcus Enterococcus faecium
aureus, methicillinempfindlichStaphylo aureus methicillin-resistentStaphyloco
coccus saprophyticusStreptococci, ccus spp, koagulasenegativ
Gruppe C und GStreptococcus
agalactiaeStreptococcus
pneumoniaeStreptococcus pyogenes
Gramnegative aerobe Bakterien Gramnegative aerobe Bakterien
Eikenella corrodensHaemophilus Acinetobacter baumanniiCitrobacter
influenzaeHaemophilus para-influenzaeK freundiiEnterobacter aerogenesEnteroba
lebsiella oxytocaMoraxella cter cloacaeEscherichia
catarrhalisPasteurella multocidaProteu coliKlebsiella pneumoniaeMorganella
s vulgarisProvidencia rettgeri morganiiProteus mirabilisProvidencia
stuartiiPseudomonas aeruginosaSerratia
marcescens
Anaerobe Bakterien Anaerobe Bakterien
Peptostreptococcus Bacteroides fragilis
Sonstige
Chlamydophila pneumoniaeChlamydophila
psittaciChlamydia trachomatisLegionell
a pneumophilaMycoplasma
pneumoniaeMycoplasma hominisUreaplasma
urealyticum
Resistenz/Kreuzresistenzen
Die Resistenzentwicklung in vitro gegenüber Levofloxacin ist selten (10-9-10-10).
Informationen zu Resistenzen in Europa werden auf der Website von EUCAST (European Commitee on Antimicrobial Susceptibility Testing) veröffentlicht, siehe www.eucast.org.
Die Resistenz gegenüber Levofloxacin entwickelt sich nach und nach stufenweise durch Mutationen der Zielstellen der beiden Typ-II-Topoisomerasen, DNA-Gyrase und Topoisomerase IV. Andere Resistenzmechanismen wie etwa Mechanismen der Membranundurchlässigkeit (häufig bei Pseudomonas aeruginosa) und Efflux-Mechanismen können ebenfalls Auswirkungen auf die Sensibilität gegenüber Levofloxacin haben.
In vitro besteht eine Kreuzresistenz zwischen Levofloxacin und anderen Fluorochinolonen.
Aufgrund seines Wirkungsmechanismus besteht in der Regel keine Kreuzresistenz zwischen Levofloxacin und Antibiotika anderer Substanzklassen.
Klinische Wirksamkeit
In klinischen Studien wurden folgende Keime erfolgreich behandelt:
Aerobe grampositive Keime: Enterococus faecalis, Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae, Streptococcus pyogenes.
Aerobe gramnegative Keime: Enterobacter cloacae, Escherichia coli, Haemophilus influenzae, Haemophilus parainfluenzae, Klebsiella pneumoniae, Moraxella catarrhalis, Proteus mirabilis, Pseudomonas aeruginosa, Serratia marcescens, Citrobacter freundii, Morganella morganii.
Andere: Chlamydia pneumoniae, Mycoplasma pneumoniae.
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