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Fachinformation zu Fibryga:Octapharma AG
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Fahrtücht.Unerw.WirkungenÜberdos.Eigensch.Pharm.kinetikPräklin.Sonstige H.Swissmedic-Nr.
PackungenReg.InhaberStand d. Info. 

Zusammensetzung

Wirkstoffe
Humanes Fibrinogen.
Hergestellt aus dem Plasma menschlicher Spender.
Hilfsstoffe
Pulver:
L-Argininhydrochlorid
Glycin
Natriumchlorid
Natriumcitrat-Dihydrat
Pro vitro corresp. Natrium 132 mg.
Lösungsmittel:
Wasser für Injektionszwecke 50 ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung und perioperative Prophylaxe von Blutungen bei Patienten mit kongenitaler Hypo- oder Afibrinogenämie mit Blutungsneigung.
Als Ergänzungstherapie bei der Behandlung von unkontrollierten schweren Blutungen bei erworbenem Fibrinogenmangel.

Dosierung/Anwendung

Die Behandlung sollte unter der Überwachung eines Arztes eingeleitet werden, der über Erfahrung in der Behandlung von Blutgerinnungsstörungen verfügt.
Dosierung
Dosierung und Dauer der Substitutionstherapie hängen von der Schwere der Erkrankung, der Lokalisation und dem Umfang der Blutung sowie vom klinischen Zustand des Patienten ab.
Die individuelle Dosierung sollte auf Grundlage des (funktionalen) Fibrinogenspiegels berechnet werden. Menge und Häufigkeit der Anwendung sollten individuell für den einzelnen Patienten durch regelmässige Messung des Fibrinogenspiegels im Plasma, durch kontinuierliche Überwachung des klinischen Zustands des Patienten und durch Überwachung anderer gleichzeitig angewandter Substitutionstherapien bestimmt werden.
Bei grösseren chirurgischen Eingriffen ist eine präzise Überwachung der Substitutionstherapie durch Gerinnungstests unbedingt erforderlich.
a) Prophylaxe bei Patienten mit kongenitaler Hypo- oder Afibrinogenämie und bekannter Blutungsneigung.
Um übermässige Blutungen bei chirurgischen Eingriffen zu verhindern, wird eine prophylaktische Behandlung empfohlen, um den Fibrinogenspiegel auf 1 g/l anzuheben und auf diesem Wert zu halten, bis die Hämostase unter Kontrolle ist, und auf über 0,5 g/l zu halten, bis die Wundheilung abgeschlossen ist.
Für einen chirurgischen Eingriff oder zur Behandlung einer Blutungsepisode sollte die Dosis wie folgt berechnet werden:

Die Berechnung mit dem gegebenen IVR (0,018 (g/l pro mg/kg Körpergewicht) wurde nur bei Patienten, die zwischen 12 und 65 Jahre alt waren, untersucht.
Die nachfolgende Dosierung (Injektionsdosen und -häufigkeit) sollte auf Grundlage des klinischen Zustands des Patienten und der Laborergebnisse erfolgen.
Die biologische Halbwertszeit von Fibrinogen beträgt 3-4 Tage. Daher ist bei fehlendem Verbrauch eine wiederholte Behandlung mit humanem Fibrinogen in der Regel nicht erforderlich. Aufgrund der Akkumulation bei wiederholter Verabreichung zur Prophylaxe sollten die Dosis und Häufigkeit der Gabe auf Grundlage der therapeutischen Ziele des Arztes für den jeweiligen Patienten bestimmt werden.
Ältere Patienten
In klinischen Studien mit Fibryga waren keine Patienten ab 65 Jahren eingeschlossen, so dass keine endgültige Aussage darüber gemacht werden kann, ob diese Patienten anders auf die Behandlung ansprechen als jüngere Patienten.
Kinder und Jugendliche
Die Daten für Kinder ab 12 Jahren sind in den Rubriken «Eigenschaften/Wirkungen» oder «Pharmakokinetik» aufgeführt. Eine Dosierungsempfehlung kann daraus nicht abgeleitet werden. Derzeit liegen keine Daten zur Dosierung bei Patienten unter 12 Jahren vor.
b) Behandlung von Blutungen
Blutungen bei Patienten mit kongenitaler Hypo- oder Afibrinogenämie
Bei der Behandlung von Blutungen sollte der Fibrinogenspiegel im Plasma auf den empfohlenen Zielwert von 1 g/l angehoben werden. Der Fibrinogenspiegel sollte auf diesem Wert gehalten werden, bis die Hämostase unter Kontrolle ist.
Blutungen bei Patienten mit erworbener Hypofibrinogenämie
Erwachsene
Generell werden anfänglich 1-2 g verabreicht mit nachfolgenden Infusionen nach Bedarf. Im Fall von schweren Blutungen, z.B. bei grossen chirurgischen Eingriffen, können grössere Mengen (4-8 g) Fibrinogen benötigt werden.
Kinder und Jugendliche
Die Dosierung sollte entsprechend dem Körpergewicht und den klinischen Bedürfnissen bestimmt werden und beträgt normalerweise 20-30 mg/kg.
Art der Anwendung
Intravenöse Infusion oder Injektion.
Fibryga sollte langsam intravenös verabreicht werden. Die empfohlene maximale Infusionsgeschwindigkeit beträgt 5 ml/min bei Patienten mit kongenitaler Hypo- oder Afibrinogenämie und 10 ml/min bei Patienten mit erworbenem Fibrinogenmangel.
Hinweise zur Rekonstitution des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Rubrik «Sonstige Hinweise».

Kontraindikationen

Fibryga darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Thromboembolie
Es besteht ein Thromboserisiko, wenn Patienten mit angeborenem oder erworbenem Fibrinogenmangel mit humanem Fibrinogen behandelt werden, insbesondere bei hohen Dosen oder wiederholter Gabe. Patienten, die humanes Fibrinogen erhalten, sollten engmaschig auf Anzeichen oder Symptome einer Thrombose überwacht werden.
Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder Myokardinfarkt in der Anamnese, Patienten mit Lebererkrankung, peri- oder postoperativen Patienten, Neugeborenen oder Patienten mit einem Risiko thromboembolischer Ereignisse oder disseminierter intravaskulärer Gerinnung muss der potenzielle Nutzen einer Behandlung mit Fibrinogen aus humanem Blutplasma gegen das Risiko thromboembolischer Komplikationen abgewogen werden. Vorsicht und eine engmaschige Überwachung sind geboten.
Allergische oder anaphylaktoide Reaktionen
Wenn allergische oder anaphylaktoide Reaktionen auftreten, muss die Injektion/Infusion sofort gestoppt werden. Im Falle eines anaphylaktischen Schocks muss die standardmässige medizinische Schockbehandlung durchgeführt werden.
Natriumgehalt
Fibryga enthält bis zu 132 mg Natrium pro Flasche, entsprechend 6,6% der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g. Dies ist bei Patienten zu berücksichtigen, die eine kontrollierte natriumarme Diät einhalten müssen.
Virussicherheit
Standardmassnahmen zur Vorbeugung von Infektionen, die sich durch den Einsatz von Arzneimitteln ergeben, die aus menschlichem Blut oder Blutplasma hergestellt sind, schliessen die Auswahl der Spender und das Screening der einzelnen Spenden und Plasmapools auf spezifische Infektionsmarker sowie effektive Schritte zur Inaktivierung/Entfernung von Viren im Herstellungsverfahren ein. Dennoch kann bei der Verabreichung von Arzneimitteln, die aus menschlichem Blut oder Blutplasma hergestellt wurden, die Möglichkeit der Übertragung von Krankheitserregern nicht völlig ausgeschlossen werden. Dies gilt auch für bislang unbekannte oder neu aufgetretene Viren und andere Pathogene.
Die getroffenen Massnahmen werden als wirksam angesehen für umhüllte Viren wie z.B. das humane Imundefizienzvirus (HIV), das Hepatitis B-Virus (HBV) und das Hepatitis C-Virus (HCV) sowie für das nicht umhüllte Hepatitis A-Virus (HAV). Die getroffenen Massnahmen sind bei nicht umhüllten Viren wie dem Parvovirus B19 möglicherweise von begrenztem Wert. Parvovirus-B19-Infektionen können für schwangere Frauen (fetale Infektion) und für Personen mit Immunschwäche oder verstärkter Erythropoese (z.B. hämolytische Anämie) schwerwiegende Folgen haben.
Es wird empfohlen, bei jeder Verabreichung von Fibryga an einen Patienten Name und Chargennummer des Präparates zu dokumentieren, um einen Zusammenhang zwischen Patient und Produktcharge herzustellen.
Bei Patienten, die regelmässig bzw. wiederholt mit aus humanem Plasma gewonnenen Arzneimitteln behandelt werden, sollte eine entsprechende Impfung (Hepatitis A und B) erwogen werden.
Immunogenität
Bei Substitutionstherapien mit Gerinnungsfaktoren bei anderen angeborenen Mangelkrankheiten wurden Antikörperreaktionen beobachtet. Für Fibrinogenkonzentrate liegen aber derzeit keine Daten vor.

Interaktionen

Es sind keine Wechselwirkungen zwischen Produkten mit humanem Fibrinogen und anderen Arzneimitteln bekannt.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft
Tierexperimentelle Studien zur Reproduktion wurden mit Fibryga nicht durchgeführt. Da der Wirkstoff menschlichen Ursprungs ist, wird er in der gleichen Weise wie das körpereigene Protein des Patienten abgebaut. Es ist nicht zu erwarten, dass diese physiologischen Bestandteile des menschlichen Blutes zu Reproduktionsschäden oder zu Schäden bei dem Fötus führen.
Die Sicherheit der Anwendung von menschlichem Fibrinogen während der Schwangerschaft wurde bislang nicht in kontrollierten Studien geprüft.
Die klinische Erfahrung mit Fibrinogenprodukten bei der Behandlung geburtshilflicher Komplikationen lässt keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen während der Schwangerschaft oder auf die Gesundheit des Fötus oder Neugeborenen erwarten.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Fibryga in die Muttermilch übergeht. Die Sicherheit der Anwendung von menschlichem Fibrinogen während der Stillzeit wurde bislang nicht in kontrollierten Studien geprüft.
Fertilität
Es liegen keine Daten zur Fertilität vor.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Fibryga hat keinen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.

Unerwünschte Wirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
Es liegen keine belastbaren Daten zu den Häufigkeiten von Nebenwirkungen in klinischen Studien mit diesem Arzneimittel vor.
In klinischen Studien wurden die folgenden Nebenwirkungen berichtet: leichte Pyrexie, die von einem Patienten berichtet wurde, sowie Arzneimittelexanthem, das sich als leichte Hautreaktion mit Juckreiz und Rötung nach Anwendung des Arzneimittels äusserte und ebenfalls von einem Patienten berichtet wurde.
Die folgenden Nebenwirkungen wurden von Fibryga und anderen Fibrinogenkonzentraten berichtet:

Standardsystemorganklasse gemäss MedDRA

Nebenwirkungen

Häufigkeit

Erkrankungen des Immunsystems:

Allergische oder anaphylaktoide Reaktionen
Hautreaktionen

Einzelfälle

Gefässerkrankungen:

Thromboembolische Episoden (einschliesslich Myokardinfarkt und Lungenembolie)
Thrombophlebitis

Einzelfälle

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort:

Anstieg der Körpertemperatur (Pyrexie)

Einzelfälle

Hinweise zur Sicherheit hinsichtlich übertragbarer Erreger, siehe Rubrik „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“
Kinder und Jugendliche:
Die 8 Patienten, die in die Sicherheitsanalyse bei kongenitalem Fibrinogenmangel eingeschlossen wurden, waren zwischen 12 und 18 Jahre alt.
Das allgemeine Sicherheitsprofil ist bei Erwachsenen und Jugendlichen gleich.
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Es wurden keine Fälle von Überdosierung berichtet.
Zur Vermeidung von Überdosierungen sind während der Therapie regelmässige Kontrollen des Fibrinogenspiegels im Plasma angezeigt (siehe Rubrik «Dosierung/Anwendung»).
Im Falle einer Überdosierung besteht ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code
B02BB01
Wirkstoffgruppe: Antihämorrhagika, humanes Fibrinogen
Wirkungsmechanismus
Die Gabe humanen Fibrinogens erhöht den Fibrinogenspiegel im Plasma und kann den Blutgerinnungsdefekt bei Patienten mit Fibrinogenmangel vorübergehend korrigieren.
Pharmakodynamik
Humanes Fibrinogen (Gerinnungsfaktor I) wird in Anwesenheit von Thrombin, aktiviertem Gerinnungsfaktor XIII (F XIIIa) und Calciumionen in ein stabiles und elastisches dreidimensionales Fibrinnetz umgewandelt.
Klinische Wirksamkeit
In einer offenen, prospektiven, randomisierten, kontrollierten, zweiarmigen pharmakokinetischen Cross-Over-Einzeldosisstudie der Phase II bei 22 Patienten mit kongenitalem Fibrinogenmangel (Afibrinogenämie) (siehe Rubrik «Pharmakokinetik») wurde ausserdem die maximale Gerinnselfestigkeit (Maximum Clot Firmness, MCF) als Surrogatmarker für die hämostatische Wirksamkeit bestimmt (FORMA-01). Die MCF wurde mittels Thrombelastometrie (ROTEM) bestimmt. Für jeden Patienten wurde der MCF-Wert vor (Ausgangswert) und eine Stunde nach Gabe einer Einzeldosis Fibryga bestimmt. Die MCF-Werte waren nach der Gabe von Fibryga im Vergleich zum Ausgangszeitpunkt signifikant höher (siehe Tabelle unten).
Tabelle 1: Maximale Gerinnselfestigkeit (MCF, in mm) (ITT-Population) n = 22

Zeitpunkt

Mittelwert ± SD

Median (Bereich)

Vor der Infusion

0 ± 0

0 (0-0)

1 Stunde nach der Infusion

9,7 ± 3,0

10,0 (4,0-16,0)

Mittlere Veränderung (Primäranalyse)*

9,7 ± 3,0

10,0 (4,0-16,0)

MCF = Maximale Gerinnselfestigkeit (Maximum Clot Firmness); ITT = Intention-to-treat.
* p < 0,0001 (95%-Konfidenzintervall 8,37; 10,99)
In einer laufenden prospektiven, offenen, nicht kontrollierten, multizentrischen Studie der Phase III (FORMA-02) wurden 13 Patienten mit kongenitalem Fibrinogenmangel (Afibrinogenämie und Hypofibrinogenämie) in einem Alter von 13 bis 53 Jahren (2 Jugendliche und 11 Erwachsene) einer Zwischenanalyse unterzogen. Diese umfasste die Behandlung von 23 Blutungsepisoden und 4 operativen Eingriffen. Der mittels ROTEM bestimmte MCF-Wert und der Fibrinogenspiegel im Plasma waren gegenüber dem Ausgangswert signifikant verschieden. Alle untersuchten Behandlungen bei Blutungsepisoden und operativen Eingriffen wurden vom Prüfarzt und einem unabhängigen Bewertungsgremium unter Verwendung eines objektiven Wertungssystems als erfolgreich eingestuft (Wertung als gute oder ausgezeichnete Wirksamkeit).
Die laufende FORMA-05 Studie ist eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie, die die haemostatische Wirksamkeit und Sicherheit von Fibryga im Vergleich zu Kryopräzipitat bei Patienten mit erworbenem Fibrinogenmangel während eines zytoreduktiven Eingriffs für die abdominale Tumorkrankheit Pseudomyxoma Peritonei, untersucht. 23 Patienten wurden in die Per Protokoll (PP) Interimsanalyse eingeschlossen, davon 10, die mit Fibryga und 13, die mit Kryopräzipitat behandelt wurden. Die Fibrinogen Gabe während der Operation bestand aus 4 g Fibryga oder 2 Pools mit je 5 Einheiten Kryopräzipitat, die nach Bedarf wiederholt wurde. Während der Operation (7.7 ± 1.4 Stunden) wurden 6.4 ± 2.8 g Fibryga (85 ± 36 mg/kg Körpergewicht) bzw. 3.9 ± 1.7 Pools mit je 5 Einheiten Kryopräzipitat verabreicht. In beiden Gruppen wurde im Mittel nur eine Einheit Erythrozytenkonzentrat während der Operation und 0 Einheiten Erythrozytenkonzentrat in den 24 Stunden nach der Operation verabreicht, ohne weitere Transfusionen von gefrorenem Frischplasma oder Thrombozytenkonzentraten (siehe Tabelle 2). Alle auf Fibrinogen-basierten untersuchten Behandlungen bei den 23 Operationen wurden von einem unabhängigen Bewertungsgremium unter Verwendung eines objektiven Wertungssystems als erfolgreich eingestuft (Wertung als gute oder ausgezeichnete Wirksamkeit).
Tabelle 2: Transfusion von Erythrozytenkonzentraten* [Einheiten] während der Operation und in den ersten 24 Stunden nach der Operation (PP Analyse)

Zeitraum

Fibryga Gruppe (n=11)
Median (Bereich)

Cryoprecipitate Gruppe (n=13)
Median (Bereich)

Während der Operation

1 (0-2)

1 (0-5)

Erste 24 Stunden nach der Operation

0 (0-2)

0 (0-1)

PP = Per Protokoll.
* Keine Transfusion von gefrorenem Frischplasma (GFP) oder Thrombozytenkonzentraten wurde verabreicht.
Sicherheit und Wirksamkeit bei pädiatrischen Patienten
Fibryga wurde in zwei klinischen Studien 8 Patienten im Alter zwischen 12 und 18 Jahren verabreicht. Derzeit liegen keine Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Produktes bei Patienten unter 12 Jahren vor.

Pharmakokinetik

Humanes Fibrinogen ist ein normaler Bestandteil des menschlichen Plasmas und verhält sich wie körpereigenes Fibrinogen. Die biologische Halbwertszeit von Fibrinogen im Plasma beträgt 3-4 Tage. Fibryga wird intravenös verabreicht und ist sofort in einer der verabreichten Dosis entsprechenden Plasmakonzentration verfügbar.
In einer offenen, prospektiven, randomisierten, kontrollierten, zweiarmigen Cross-Over-Studie der Phase II bei 22 Patienten mit kongenitalem Fibrinogenmangel (Afibrinogenämie) im Alter zwischen 12 und 53 Jahren (6 Jugendliche, 16 Erwachsene) wurden die pharmakokinetischen Eigenschaften von Fibryga nach Gabe einer Einzeldosis mit denen eines anderen auf dem Markt befindlichen Fibrinogenkonzentrats bei den gleichen Patienten verglichen (FORMA-01). Jeder Patient erhielt eine intravenöse Einzeldosis von 70 mg/kg Fibryga und dem Vergleichspräparat. Zur Bestimmung der Fibrinogenaktivität wurden vor Beginn der Infusion und bis 14 Tage nach Ende der Infusion Blutproben gesammelt. Die pharmakokinetischen Parameter von Fibryga in der Per-Protocol(PP)-Analyse (n = 21) sind in der nachstehenden Tabelle zusammengefasst.
Tabelle 3: Pharmakokinetische Parameter (n = 21) für die Fibrinogenaktivität (PP-Population*)

Parameter

Mittelwert ± SD

Bereich

Halbwertszeit (h)

75,9 ± 23,8

40,0-157,0

Cmax (mg/dl)

139,0 ± 36,9

83,0-216,0

AUCnorm für Dosis von 70 mg/kg (mg*h/ml)

113,7 ± 31,5

59,7-175,5

Clearance (ml/h/kg)

0,67 ± 0,2

0,4-1,2

Mittlere Verweildauer (h)

106,3 ± 30,9

58,7-205,5

Verteilungsvolumen im Steady State (ml/kg)

70,2 ± 29,9

36,9-149,1

* Ein Patient wurde von der PP-Population ausgeschlossen, weil dieser < 90 % der vorgesehenen Dosis von Fibryga und dem Vergleichspräparat erhalten hatte
Cmax = maximale Plasmakonzentration; AUCnorm = für die verabreichte Dosis normalisierte Fläche unter der Kurve; SD = Standardabweichung
Zusätzlich wurde die inkrementelle Wiederfindungsrate (In Vivo Recovery [IVR]) aus Spiegeln bis zu 4 Stunden nach der Infusion bestimmt. Die mediane inkrementelle IVR war ein Anstieg um 1,8 mg/dl (Bereich 1,08-2,62 mg/dl) pro mg/kg. Die mediane IVR besagt, dass eine Dosis von 70 mg/kg die Fibrinogenkonzentration im Plasma des Patienten um ca. 125 mg/dl erhöht.
Pharmakokinetik bei besonderen Patientengruppen
Zwischen männlichen und weiblichen Studienteilnehmern wurde hinsichtlich der Fibrinogenaktivität kein statistisch relevanter Unterschied festgestellt. In der PP-Analyse wurde bei der Halbwertszeit bei Patienten unter 18 Jahren (n = 5) mit 72,8 ± 16,5 Stunden ein geringer Unterschied gegenüber der Gruppe der Erwachsenen (n = 16, 76,9 ± 26,1 Stunden) beobachtet.
Absorption
Nicht zutreffend.
Distribution
Verteilungsvolumen im Steady State (ml/kg): siehe Tabelle 3. Das Verteilungsvolumen betrug 70,2 ± 29,9 ml/kg.
Metabolismus
Nicht bekannt.
Elimination
Clearance (ml/h/kg): siehe Tabelle 3. Die Clearance war in beiden Altersgruppen nahezu identisch und betrug 0,68 ± 0,18 ml/h/kg bzw. 0,66 ± 0,21 ml/h/kg.
Kinder und Jugendliche
Für Kinder unter 12 Jahren liegen keine pharmakokinetischen Daten vor.

Präklinische Daten

Sicherheitspharmakologie
Basierend auf den Studien zur Sicherheitspharmakologie, lassen die präklinische Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Langzeittoxizität (bzw. Toxizität bei wiederholter Verabreichung)
Toxizitätsstudien bei wiederholter Verabreichung wurden nicht durchgeführt. Toxizitätsstudien in Tieren bei wiederholter Verabreichung von Fibryga sind aufgrund zu erwartender Interferenzen mit induzierten Antikörpern gegen das menschliche Protein nicht durchführbar.
Mutagenität
Studien zur Mutagenität wurden nicht durchgeführt. Da es sich um ein aus Plasma gewonnenes humanes Protein zur perioperativen Prophylaxe und Substitutionstherapie handelt, werden mutagene Effekte nicht erwartet.
Karzinogenität
Studien zur Kanzerogenität wurden nicht durchgeführt. Da es sich um ein aus Plasma gewonnenes humanes Protein zur perioperativen Prophylaxe und Substitutionstherapie handelt, werden kanzerogene Effekte nicht erwartet.
Reproduktionstoxizität
Studien zur Reproduktionstoxizität wurden nicht durchgeführt. Unter der beabsichtigten klinischen Indikation und Anwendung von Fibryga sind reproduktionstoxikologische Wirkungen auszuschließen.
Weitere Daten (Lokale Toxizität, Phototoxizität, Immunotoxizität)
Die lokale Verträglichkeit wurde an Kaninchen intravenös, intraarteriell und paravenös getestet. Die makroskopische Untersuchung der Applikationsstellen nach intraarterieller Verabreichung ergab leichte Schorfbildung und Rötung. Die histopathologische Untersuchung ergab keine Anzeichen morphologische Läsionen. Fibryga zeigte eine hervorragende Verträglichkeit für die intravenöse Verabreichung, den für die klinische Anwendung vorgesehenen Verabreichungsweg.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten
Da keine Verträglichkeitsstudien durchgeführt wurden, darf Fibryga nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.
Haltbarkeit
Fibryga darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Haltbarkeit nach Anbruch
Die chemische und physikalische Stabilität nach Rekonstitution wurde für 24 Stunden bei Raumtemperatur (max. 25 °C) gezeigt. Aus mikrobiologischer Sicht sollte das Arzneimittel sofort nach der Rekonstitution verwendet werden. Wenn die rekonstituierte Lösung nicht sofort angewendet wird, unterliegen die Aufbewahrungszeiten und -bedingungen der Verantwortung des Anwenders. Die rekonstituierte Lösung darf nicht eingefroren oder im Kühlschrank gelagert werden. Angebrochene Flaschen sind zu verwerfen.
Besondere Lagerungshinweise
Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.
Nicht über 25 °C lagern. Nicht einfrieren. Die Flasche im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels, siehe «Haltbarkeit nach Anbruch».
Hinweise für die Handhabung
Die rekonstituierte Lösung sollte nahezu farblos und leicht opaleszierend sein. Keine Lösungen verwenden, die trübe sind oder Ablagerungen aufweisen.
Rekonstitution

1.Das Pulver (Fibryga) und das Lösungsmittel (WfI) in ungeöffneten Flaschen auf Raumtemperatur bringen. Diese Temperatur sollte während der Rekonstitution beibehalten werden. Wenn zum Aufwärmen ein Wasserbad benutzt wird, muss darauf geachtet werden, dass das Wasser nicht in Kontakt mit den Gummistopfen oder den Verschlusskappen der Flaschen kommt. Die Temperatur des Wasserbads sollte +37 °C nicht überschreiten.

2.Verschlusskappen von den Flaschen mit dem Pulver (Fibryga) und dem Lösungsmittel abziehen, um den zentralen Teil des Infusionsstopfens freizulegen. Die Gummistopfen der beiden Flaschen mit einem Alkoholtupfer säubern und anschliessend trocknen lassen.

3.Deckel von der äusseren Verpackung des Octajet-Transfersystems abziehen. Das Octajet-System in der durchsichtigen äusseren Verpackung belassen, um die Sterilität zu gewährleisten.

4.Das Octajet-Transfersystem mit der äusseren Verpackung aufnehmen und über der Flasche mit dem Pulver (Fibryga) umdrehen. Das in der äusseren Verpackung befindliche Transfersystem in der Mitte der Flasche mit dem Pulver aufsetzen, bis die Klemmen des (farblosen) Einstechdorns für das Arzneimittel eingerastet sind. Die Pulverflasche festhalten und vorsichtig die äussere Verpackung vom Octajet entfernen, wobei der (blaue) Dorn für das Wasser nicht berührt werden darf und das Octajet fest mit der Pulverflasche verbunden bleibt. (Abb. 1)

5.Während die Flasche mit dem Pulver (Fibryga) auf einer ebenen Oberfläche festgehalten wird, die Flasche mit dem Lösungsmittel umdrehen und in der Mitte des Einstechdorns für die Wasserflasche platzieren. Den blauen Kunststoffdorn des Octajets fest durch den Gummistopfen der Flasche mit dem Lösungsmittel drücken. (Abb. 2)

6.Den Abstandhalter entfernen (Abb. 3) und die Flasche mit dem Lösungsmittel herunterdrücken (Abb. 4). Darauf fliesst das Lösungsmittel in die Flasche mit dem Pulver (Fibryga).

7.Wenn die Überführung des Lösungsmittels abgeschlossen ist, die Flasche mit dem Arzneimittel vorsichtig schwenken, bis das Pulver vollständig gelöst ist. Die Flasche nicht schütteln, um Schaumbildung zu vermeiden. Das Pulver sollte innerhalb von ca. 5 Minuten vollständig gelöst sein. Das Auflösen des Pulvers sollte nicht länger als 30 Minuten dauern. Wenn das Pulver nach 30 Minuten noch nicht vollständig aufgelöst ist, muss das Arzneimittel verworfen werden.

8.Den blauen Anschluss der Lösungsmittelflasche drehen (in beide Richtungen möglich), um die Markierungen aneinander auszurichten und dann die Lösungsmittelflasche zusammen mit dem Wasserdorn entfernen. (Abb. 5)

9.Eine Spritze am beiliegenden Filter anbringen (Abb. 6) und den Filter am Luer-Lock-Anschluss des Octajets auf der Pulverflasche anschliessen (Abb. 7). Lösung durch den Filter in die Spritze ziehen. (Abb. 8)

10.Die gefüllte Spritze vom Filter abnehmen und die leere Flasche verwerfen.

Zur intravenösen Verabreichung der rekonstituierten Lösung bei Raumtemperatur wird die Verwendung eines herkömmlichen Infusionssets empfohlen.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.

Zulassungsnummer

66836 (Swissmedic)

Packungen

1 Packung Fibryga (B)
mit:
1 Durchstechflasche mit Pulver
1 Durchstechflasche mit Lösungsmittel (Wasser für Injektionszwecke)
1 Octajet-Transfersystem
1 Filter
Die Flasche mit Pulver ist aus farblosem Glas Typ II, verschlossen mit einem Bromobutyl-Gummistopfen und einer Verschlusskappe aus Aluminium.
Die Flasche mit Lösungsmittel ist aus farblosem Glas Typ II, verschlossen mit einem Halobutyl-Gummistopfen und einer Verschlusskappe aus Aluminium.

Zulassungsinhaberin

Octapharma AG
Seidenstrasse 2
CH-8853 Lachen

Stand der Information

September 2020

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