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Information for professionals for Tiapridal®:Sanofi-Aventis (Suisse) SA
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Zusammensetzung

Wirkstoff: tiapridi hydrochloridum.
Hilfsstoffe: Mannitol, mikrokristalline Cellulose, Polyvinylpyrrolidon, Siliciumdioxid, Magnesiumstearat.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette enthält 100 mg Tiaprid-Base als Hydrochlorid

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Schwere Formen von Chorea Huntington bei Erwachsenen.
Schwere Ticstörung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, nur wenn eine nicht medikamentöse Behandlung nicht angesprochen hat.

Dosierung/Anwendung

Die Tiapridal-Dosierung muss an die Indikation angepasst werden:
·Schwere Hyperkinesie bei Chorea Huntington: Dosen bis zu 1200 mg täglich sind zu Beginn der Behandlung erforderlich, die Erhaltungsdosis liegt zwischen 300 und 600 mg täglich.
·Tics, die auf eine nicht medikamentöse Behandlung nicht angesprochen haben; bei Kindern: von 7–12 Jahren: 2–3× täglich 50 mg (½ Tablette), ab 12 Jahren 3× täglich 100 mg (1 Tablette). (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»)
Die Dosis wird über den Tag aufgeteilt, im allgemeinen auf 3 Einzeldosen/Tag.
Spezielle Dosierungsanweisungen
Niereninsuffizienz
Die Dosis ist dem Grad der Niereninsuffizienz anzupassen:
·Kreatinin-Clearance <10 ml/Min.: zu verabreichende Dosis = 25% der Normaldosis.
·Kreatinin-Clearance zwischen 10 und 30 ml/Min.: zu verabreichende Dosis = 50% der Normaldosis.
·Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 60 ml/Min.: zu verabreichende Dosis = 75% der Normaldosis.
Ältere Patienten
Bei älteren Menschen sollte vor Behandlungsbeginn die Nierenfunktion abgeklärt werden.
Kinder und Jugendliche
Die Wirkung von Tiapridal bei unter 6-Jährigen wurde nicht untersucht. Tiapridal ist in der Pädiatrie nur mit grosser Vorsicht anzuwenden.

Kontraindikationen

·Überempfindlichkeit gegenüber Tiaprid oder einem in Tiapridal enthaltenen Hilfsstoff.
·Prolactinabhängige Begleittumore, z.B. Prolactinom der Hypophyse, Brustkrebs.
·In Kombination mit Levodopa.
·Dieses Produkt ist bei Parkinson oder Parkinsonsyndrom kontraindiziert.
·Phäochromozytom (wegen möglicher anfallsartiger Hypertonie).
·Stillzeit (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Verlängerung der QT-Zeit
Tiaprid kann eine Verlängerung der QT-Zeit induzieren. Es ist bekannt, dass dieser Effekt das Risiko schwerer ventrikulärer Arrhythmien wie etwa Torsade de pointes vergrössern kann (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).
Sofern es der klinische Zustand des Patienten erlaubt, empfiehlt es sich, vor jeder Verabreichung zu überprüfen, ob begünstigende Faktoren für das Auftreten dieser Herzrhythmusstörung vorliegen, darunter:
·Bradykardie von unter 55/Min.,
·Elektrolytstörungen, insbesondere Hypokaliämie,
·angeborene Verlängerung der QT-Zeit,
·eine laufende Behandlung, die ausgeprägte Bradykardien (<55/Min.), Elektrolytstörungen, Verminderungen der Herzreizleitung oder Verlängerungen der QT-Zeit verursachen könnte (siehe «Interaktionen»). Bei Patienten, die durch bestimmte Risikofaktoren für eine Verlängerung der QT-Zeit prädisponiert sind, ist Tiaprid nur mit grösster Vorsicht zu verschreiben.
Malignes neuroleptisches Syndrom
Beim malignen neuroleptischen Syndrom handelt es sich um eine potentielle tödliche Komplikation: Bei Hyperthermie ist Tiapridal unbedingt abzusetzen. Diese Hyperthermie kann nämlich eines der Elemente des malignen Syndroms (Blässe, Hyperthermie, vegetative Störungen) bilden, das bei Neuroleptika beschrieben wurde.
Es wurden Fälle mit atypischen Eigenschaften wie ein Mangel an Muskelsteifheit oder Hypertonie und leichtes Fieber beobachtet.
Diese Vorsichtsmassnahme ist besonders bei hohen Dosen sowie bei Langzeitbehandlung insbesondere bei älteren Personen angezeigt.
Ältere Patienten mit Demenz
·Schlaganfall (ZVI): Im randomisierten placebo-kontrollierten klinischen Studien an einer Population älterer Patienten mit Demenz, die mit bestimmten atypischen Antipsychotika behandelt wurden, konnte ein Anstieg des Risikos für zerebrovaskuläre Ereignisse um das 3-fache beobachtet werden. Der Mechanismus dieses Risikoanstiegs ist nicht bekannt. Ein Anstieg des Risikos im Zusammenhang mit anderen Antipsychotika oder anderen Patientenpopulationen kann nicht ausgeschlossen werden. Tiaprid sollte daher Patienten mit Schlaganfallrisikofaktoren mit Vorsicht verschreiben werden.
·Bei älteren Patienten mit Demenz und gleichzeitig bestehenden psychotischen Störungen, die mit Antipsychotika behandelt werden, besteht ein erhöhtes Sterberisiko. Auswertungen von 17 placebokontrollierten klinischen Studien (in den meisten Fällen mit einer Dauer von 10 Wochen) haben bei den mit Verum behandelten Patienten ein gegenüber den Placebo-Patienten 1,6- bis 1,7-fach erhöhtes Sterberisiko ergeben; die meisten dieser verumbehandelten Patienten nahmen atypische Antipsychotika ein. In einer typischen 10-wöchigen kontrollierten Studie betrug die Sterberate bei den mit Verum behandelten Patienten etwa 4,5%, in der Placebogruppe hingegen 2,6%. Obwohl die Todesursachen in den mit atypischen Antipsychotika durchgeführten klinischen Studien unterschiedlich waren, schien die Mehrzahl der Todesfälle entweder kardiovaskulär (d.h. Herzinsuffizienz, plötzlicher Tod) oder infektiös (d.h. Pneumonie) bedingt zu sein. Beobachtungsstudien zufolge kann sich wie bei den atypischen Antipsychotika die Mortalität auch unter einer Behandlung mit herkömmlichen Antipsychotika erhöhen. Es ist jedoch nicht sicher, ob der in den Beobachtungsstudien verzeichnete Anstieg der Sterblichkeit auf das Antipsychotikum und nicht auf bestimmte Patientencharakteristika zurückzuführen ist.
Venöse Thromboembolie
Es liegen Berichte über unter Antipsychotika auftretende Fälle von venöser Thromboembolie vor, manchmal mit tödlichem Verlauf. Daher darf Tiaprid bei Patienten mit thromboembolischen Risikofaktoren nur mit Vorsicht angewendet werden (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).
Brustkrebs
Tiaprid kann den Prolaktinspiegel erhöhen. Daher ist Tiaprid mit Vorsicht anzuwenden. Patienten mit Brustkrebs in der Vorgeschichte oder einer entsprechenden familiären Belastung müssen während einer Behandlung mit Tiaprid engmaschig überwacht werden.
Von der gleichzeitigen Einnahme alkoholischer Getränke wird abgeraten.
Infolge ihrer starken Sensibilität kann bei älteren Personen in erhöhtem Masse Hypotonie auftreten (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).
Bei Niereninsuffizienz ist die Dosis herabzusetzen da eine mögliche Gefahr von Koma nach einer Überdosierung (siehe «Dosierung/Anwendung», «Überdosierung» und «Pharmakokinetik») besteht. Wie bei anderen Neuroleptika, wird bei der Verwendung von Tiaprid bei älteren Menschen besondere Aufmerksamkeit geboten, da die Gefahr einer möglichen verminderten Bewusstseinsebene und Koma bestehen.
Eine verschärfte (klinische oder eventuell EEG-) Überwachung bei Epileptikern ist aufgrund der Möglichkeit des Absinkens der Konvulsionsschwelle anzuraten (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).
Bei Patienten, die mit atypischen Antipsychotika wie Tiapridal behandelt wurden, sind Fälle von Leukopenie, Neutropenie und Agranulozytose beobachtet worden.Infektionen ungeklärter Ursache sowie Fieber können Anzeichen einer Veränderung des Blutbilds sein (siehe «Unerwünschte Wirkungen») und machen eine sofortige Blutuntersuchung erforderlich.

Interaktionen

Kontraindizierte Kombination
Levodopa: gegenseitiger Antagonismus zwischen Levodopa und Neuroleptika.
Bei Behandlung mit Neuroleptika soll das extrapyramidale Syndrom nicht mit Levodopa behandelt werden (Hemmung und Aktivitätsverlust der Neuroleptika). Bei Parkinsonpatienten, die mit Levodopa behandelt werden und unbedingt Neuroleptika brauchen, sollten vorzugsweise Neuroleptika verwendet werden, die wenige extrapyramidale Effekte verursachen, wie z.B. Chlorpromazin oder Levomepromazin.
Abzuratende Kombinationen
Alkohol: Alkohol verstärkt die sedierende Wirkung von Neuroleptika. Die Beeinträchtigung der Vigilanz kann das Lenken von Fahrzeugen und die Bedienung von Maschinen gefährlich machen. Die Einnahme von alkoholhaltigen Getränken und Medikamenten, die Alkohol enthalten, ist zu vermeiden.
Kombination mit folgenden Arzneimitteln, die eine Torsade de pointe verursachen oder die QT-Zeit verlängern können:
·Arzneimittel, die Bradykardie auslösen: Betablocker, möglicherweise bradykard wirkende Calciumantagonisten wie Diltiazem und Verapamil, Clonidin, Guanfacin; Digitalispräparate.
·Medikamente, die Elektrolytstörungen auslösen, insbesondere Hypokaliämie: hypokaliämische Diuretika, stimulierende Laxanzien, Amphotericin B i.v.; Glucocorticoide, Tetracosactide. Eine allfällige Hypokaliämie ist zu beheben.
·Antiarrhythmika der Klasse Ia wie Chinidin und Disopyramid.
·Antiarrhythmika der Klasse III wie Amiodaron und Sotalol.
·Andere Arzneimittel wie Pimozid, Sultoprid, Haloperidol, Thioridazin, Methadon, Antidepressiva vom Imipramin-Typ, Lithium, Bepridil, Cisaprid, Erythromycin i.v., Vincamin i.v., Halofantrin, Pentamidin, Sparfloxacin.
Kombinationen bei denen Vorsicht geboten ist
Antihypertensiva: antihypertensive Wirkung und Gefahr der orthostatischen Hypotonie erhöht (additive Wirkung).
Andere Depressoren des ZNS: Morphinabkömmlinge (Analgetika und Hustenmittel), die meisten H1-Antihistaminika, Barbiturate, Benzodiazepine und nichtbenzodiazepinhaltige Beruhigungsmittel, Clonidin und ähnliche: verstärkte Dämpfung des ZNS, die erhebliche Konsequenzen haben kann, besonders beim Lenken von Fahrzeugen oder beim Bedienen von Maschinen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Daten für die Verwendung von Tiapridal bei Schwangeren vor und die Erfahrungen mit einer Anwendung während der Schwangerschaft sind beschränkt. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe «Präklinische Daten»). Die Anwendung von Tiaprid bei schwangeren Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter, die kein wirksames Kontrazeptivum verwenden, ist nicht empfohlen.
Tiaprid passiert die Plazentaschranke. Als Vorsichtsmassnahme und unter Berücksichtigung der Wirkung auf das Nervensystem darf das Arzneimittel während der Schwangerschaft nur im Falle absoluter Notwendigkeit verabreicht werden. Allerdings sind bei Neugeborenen von Frauen, die über längere Zeit mit hochdosierten Neuroleptika behandelt wurden, selten extrapyramidale und/oder Entzugssyndrome beschrieben worden.
Nicht teratogene Wirkungen:
Wenn eine Mutter während des dritten Trimesters der Schwangerschaft Antipsychotika (einschliesslich Tiaprid) einnimmt, unterliegt das Neugeborene einem erhöhten Risiko für extrapyramidale motorische Symptome und/oder Entzugssymptome nach der Geburt.
Diese Symptome beim Neugeborenen können Unruhe, erhöhten oder verminderten Muskeltonus, Zittern, Schläfrigkeit, Atembeschwerden oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme umfassen.
Diese Komplikationen können mehr oder weniger schwerwiegend sein. In einigen Fällen war die Intensivüberwachung des Neugeborenen oder eine Verlängerung des stationären Aufenthalts erforderlich.
Es ist erstrebenswert, die Dosis von Neuroleptika in der späten Schwangerschaft nach Möglichkeit herabzustufen, vor allem wegen ihrer atropinergen Eigenschaften.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Tiaprid beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Bei Tierversuchen hat sich gezeigt, dass Tiaprid in die Muttermilch übergeht. Um jegliche Risiken für das Kind auszuschliessen, ist die Anwendung von Tiaprid während der Stillzeit kontraindiziert.
Fertilität
Tierexperimentelle Studien haben Auswirkungen auf die Fertilität gezeigt (siehe «Präklinische Daten»).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Auch wenn Tiapridal weisungsgemäss angewandt wird, kann es zur Sedierung des Patienten führen, die dessen Fähigkeit zum Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Geräten bzw. Maschinen unter Umständen beeinträchtigt (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Diese Wirkung wird durch die Kombination mit Alkohol noch verstärkt.
Es empfiehlt sich, Patienten zum Verzicht auf das Führen von Fahrzeugen bzw. das Bedienen von Maschinen anzuhalten. Es empfiehlt sich ausserdem, die der Behandlung zugrunde liegende Störung zu berücksichtigen.

Unerwünschte Wirkungen

Folgende Häufigkeitsangaben werden verwendet: «sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1000), «selten» (<1/1000, ≥1/10'000), «sehr selten» (<1/10'000).
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Selten: Leukopenie, Neutropenie und Agranulozytose (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Endokrine Erkrankungen
Häufig: nach Abbruch der Behandlung reversible Hyperprolaktinemie mit folgenden Begleiterscheinungen: Amenorrhoe, Galaktorrhoe, Gynäkomastie, Frigidität, Impotenz.
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Selten: Hyponatriämie, Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH).
Psychiatrische Erkrankungen
Häufig: Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Unruhe, Teilnahmslosigkeit.
Gelegentlich: Verwirrtheit, Halluzination.
Erkrankungen des Nervensystems
Häufig:
·Schwindel, Kopfschmerzen.
·Parkinsonismus und assoziierte Symptome: Tremor, Hypertonie, Hypokinesie, Hypersalivation. Diese Symptome sind im Allgemeinen nach Gabe von Antiparkinsonika reversibel.
Gelegentlich: Akathisie, Dystonie (Spasmen, Torticollis spasticus, okulogyre Krisen, Kiefersperre) – diese Symptome sind im Allgemeinen nach Gabe von Antiparkinsonika reversibel – Krämpfe, Synkope.
Selten: akute Dyskinesien. Dieses Symptom ist im Allgemeinen nach Gabe von Antiparkinsonika reversibel. Spätdyskinesien (charakterisiert durch rhythmische und unwillkürliche Bewegungen besonders der Zunge und/oder des Gesichts), wie bei allen Neuroleptika. Anticholinerge Antiparkinsonika sind wirkungslos oder können eine Verschlimmerung auslösen.
Malignes neuroleptisches Syndrom (Hyperthermie, Muskelsteifigkeit und erhöhter CPK-Spiegel im Blut, Bewusstseinsstörungen mit Mutismus oder Stupor, Störungen des vegetativen Nervensystems zum Teil in Verbindung mit: Blässe, Hyperhidrose, Hypersalivation, Tachykardie, Hypotonie, Tachypnoe, Inkontinenz, Halluzinationen, Zittern). Komplikationen des malignen neuroleptischen Syndroms können lebensbedrohlich verlaufen. Bewusstlosigkeit.
Herzerkrankungen
Selten: Verlängerung der QT-Zeit und ventrikulärer Arrhythmie, Torsade de pointes, ventrikulärer Tachykardie, die zu Kammerflimmern oder Herzstillstand und plötzlichem Herztod führen können (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Gefässerkrankungen
Gelegentlich: Hypotonie, im Allgemeinen orthostatisch, tiefe Venenthrombose. Orthostatische Hypotonie und Sedierung können bei älteren Menschen aufgrund erhöhter Sensibilität verstärkt auftreten. Bei dieser Patientengruppe ist daher besondere Vorsicht insbesondere im Hinblick auf die Dosierung angezeigt.
Selten: Lungenembolie, manchmal mit tödlichem Verlauf (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums
Selten: Aspirationspneumonie, Atemdepression bei gleichzeitige Gabe von Tiapridal und anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Gelegentlich: Verstopfung.
Selten: Darmverschluss, Ileus.
Affektionen der Leber und Gallenblase
Selten: erhöhte Leberenzymwerte.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Gelegentlich: Hautausschläge einschliesslich erythematöser oder maculopapulärer Hautausschläge.
Selten: Urtikaria.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Selten: erhöhte Serumspiegel von Kreatinin-Phosphokinase (CPK), Rhabdomyolyse.
Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen
Sehr selten: extrapyramidale motorische Symptome und/oder Entzugserscheinungen beim Neugeborenen.
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
Gelegentlich: Amenorrhö, Frigidität.
Selten: Brustschmerzen, Galaktorrhö, Gynäkomastie, Impotenz.
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
Häufig: Asthenie, Müdigkeit.
Gelegentlich: Gewichtszunahme.
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
Gelegentlich: Sturzneigung, insbesondere bei älteren Patienten.

Überdosierung

Schläfrigkeit, Sedierung, Koma, Hypotonie und extrapyramidale Symptome können beobachtet werden.
Da Tiaprid schwach dialysiert wird, soll zur Ausscheidung des Arzneimittels keine Dialyse zum Einsatz kommen. Es gibt kein spezifisches Antidot. Bis zum Erholung des Patienten muss eine symptomatische Behandlung durchgeführt werden, mit Überwachung der Vitalfunktionen und Herzmonitoring (Risiko einer Verlängerung der QT-Zeit mit darauf folgenden ventrikulären Arrhythmien).
Im Falle von schweren extrapyramidalen Symptomen, müssen Anticholinergika verabreicht werden.
Fälle mit letalem Ausgang wurden hauptsächlich bei gemeinsamer Verabreichung mit anderen psychotropen Medikamenten berichtet.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N05AL03
Wirkungsmechanismus
Tiaprid ist ein orthomethoxy-substituiertes Benzamid oder Orthopramid. Pharmakologisch weist es sich durch eine ausgeprägte Affinität an die zentralen dopaminergen Rezeptoren aus, besonders wenn diese vorher gegen Dopamin sensibilisiert wurden. Tiaprid bindet sich bevorzugt an die Adenylatcyclase-unabhängigen D2-Rezeptoren, vor allem im Corpus striatum. Daraus folgt eine spezifische Wirkung bei Dyskinesien und bei Störungen des psychomotorischen Verhaltens.
Seine Affinität für die Dopamin-Rezeptoren D1 ist schwach. Die anxiolytische Wirkung von Tiaprid wurde bei verschiedenen Arten von Stress (inkl. beim Alkoholentzug) am Tier untersucht. Tiaprid übt ausserdem eine positive Wirkung auf die Vigilanz älterer Personen aus. Die für die anxiolytische Wirkung von Tiaprid verantwortlichen Wirkmechanismen sind noch nicht vollständig geklärt; sie unterscheiden sich jedoch von der antidopaminen Wirkung des Produktes.
Pharmakodynamik
Siehe «Wirkungsmechanismus».

Pharmakokinetik

Absorption
Nach intramuskulärer Injektion von 200 mg Tiaprid wird die maximale Plasmakonzentration von 2,01 µg/ml innerhalb 30 Minuten erreicht. Bei oraler Verabreichung von 200 mg Tiaprid beträgt die Cmax 1,54 µg/ml 1 Stunde nach der Einnahme.
Die absolute Bioverfügbarkeit von Tiaprid (i.m.- oder p.o.-Verabreichung) beträgt 80%. Eine Mahlzeit begünstigt die Absorption von Tiaprid, Cmax steigt um 40%, die Bioverfügbarkeit um 20%.
Beim älteren Menschen verläuft die Absorption etwas langsamer.
Distribution
Tiaprid wird im Körper schnell verteilt (unter 1 Stunde). Tiaprid passiert die Blut-Hirn- und Plazentaschranke ohne Akkumulation.
Der Übergang in die Milch wurde bei Tieren beobachtet, das Verhältnis Milch/Blut beträgt 1,2.
Tiaprid wird nicht an Plasmaproteine und sehr schwach an Erythrozyten gebunden.
Metabolismus/Elimination
Nur geringe Mengen Tiaprid werden beim Menschen metabolisiert; 70% der Dosis finden sich unverändert im Urin. Nach oraler Verabreichung einer Einzeldosis von 200 mg Tiaprid beträgt die Plasmaeliminationshalbwertszeit bei Frauen 2,9 Stunden und bei Männern 3,6 Stunden. Tiaprid wird hauptsächlich über den Urin ausgeschieden; die Nieren-Clearance beträgt 330 ml/Min.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Bei gewissen Patienten mit einer schweren Niereninsuffizienz wurde über eine erhöhte Plasmakonzentration und eine bis auf 21,6 Stunden verlängerte Eliminationshalbwertszeit berichtet.
Die Dosis ist dem Grad der Niereninsuffizienz anzupassen:
·Kreatinin-Clearance <10 ml/Min.: zu verabreichende Dosis = 25% der Normaldosis.
·Kreatinin-Clearance zwischen 10 und 30 ml/Min.: zu verabreichende Dosis = 50% der Normaldosis.
·Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 60 ml/Min.: zu verabreichende Dosis = 75% der Normaldosis.

Präklinische Daten

Mutagenität, Toxizität und Karzinogenität
Tiaprid birgt kein organspezifisches und klinisch relevantes Toxizitätsrisiko. Zudem liegen keine Hinweise auf Mutagenität vor.
Die beim Tier beobachteten Wirkungen stehen in direktem Zusammenhang mit der pharmakologischen Aktivität, hauptsächlich mit Hyperprolactinämie.
Was die Karzinogenität angeht, so ist das bei Nagern beobachtete prolactininduzierte Tumorprofil spezifisch für diese Ordnung und bringt keine besondere Gefahr für eine therapeutische Anwendung beim Menschen zum Ausdruck.
Reproduktionstoxizität
Studien zur Embryofetotoxizität wiesen keine teratogene Wirkung nach. Bei einer Studie am Kaninchen wurde eine embryotoxische Wirkung festgestellt, und zwar bei den höchsten untersuchten Dosen (80 und 160 mg/kg/Tag). Die Tierversuche bieten jedoch keine ausreichende Grundlage für Schlussfolgerungen zu neurologischen Entwicklungsstörungen.
In einer Peri- und Postnatalstudie an der Ratte wurden bei hohen Dosen toxische Wirkungen auf die Nachkommenschaft beobachtet. In Zusammenhang mit den pharmakologischen Wirkungen von Tiaprid wurde bei behandelten Tieren eine Verringerung der Fertilität beobachtet.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Nach dem auf dem Behälter mit «Exp.» bezeichneten Datum nicht mehr verwenden.
Besondere Lagerungshinweise
Das Arzneimittel muss bei einer Temperatur unter 30 °C und ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Zulassungsnummer

39220 (Swissmedic).

Packungen

Tabletten zu 100 mg: 20, 50 [B]

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

August 2019.

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