Eigenschaften/WirkungenATC-Code: B01AB01
Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik
Certoparin ist ein niedermolekulares Heparin mit antithrombotischen Eigenschaften. Es wirkt durch Hemmung der Blutkoagulation, indem es an Antithrombin III (ATIII) bindet. Thrombin und Faktor Xa werden gehemmt und ein höherer Grad an Anti-Xa Aktivität wird beobachtet. Der Effekt auf die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) mit Certoparin ist beim Menschen sehr gering.
Einer der wichtigsten auslösenden Faktoren der postoperativen Thromboembolie ist die verstärkte Gerinnungsneigung des Blutes (Hyperkoagulabilität). Sie wird durch Sandoparin verringert. Gegenüber konventionellem Low-dose-Heparin zeichnet sich das in Sandoparin verwendete niedermolekulare Heparin (Certoparin) durch eine deutlich erhöhte antithrombotische Wirksamkeit und eine wesentlich längere Wirkungsdauer aus (ratio anti-Xa/anti-IIa mind. 1.5). Damit wird bei nur 1x täglicher Applikation von Sandoparin eine hochwirksame Thromboseprophylaxe gewährleistet.
Von niedermolekularen Heparinen wurde auch über eine Verstärkung der Fibrinolyse berichtet. Für Certoparin wurde im Vergleich zu unfraktioniertem Heparin eine erhöhte fibrinolytische Wirkung bei Kaninchen beobachtet.
Klinische Wirksamkeit
In einer multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, parallel gruppierten, vergleichenden neurologischen Studie (PROTECT Study) wurde Certoparin (3‘000 I.E. einmal täglich) mit konventionellem unfraktioniertem Heparin (UFH) (5‘000 I.E. dreimal täglich) bei 545 bettlägerigen Spitalpatienten mit akutem ischämischem Schlaganfall verglichen. Die Dosierung für Certoparin wurde gewählt basierend auf einer vorhergehenden Dosisfindungsstudie (TOPAS Study), in welcher 3‘000 I.E. einmal täglich bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall als sicher gezeigt wurde. Der primäre Endpunkt war eine Kombination von proximalen tiefen Beinvenenthrombosen (DVT), symptomatischen Lungenembolien und Mortalität von Venenthrombosen. Alle Patienten unterzogen sich einer Kompressionsultraschalluntersuchung zur Abklärung der DVT zu Beginn der Behandlung, am Tag 4, am Tag 7-8 und nach dem Ende der Behandlung mit der Studienmedikation. Alle Ultraschalluntersuchungen wurden zentral ausgewertet. Patienten mit hämorrhagischem Schlaganfall (festgestellt mittels Computertomographie, CT) wurden von der Teilnahme in der Studie ausgeschlossen. Am Ende der Studie (12-16 Tage) zeigte sich, dass Certoparin dem unfraktionierten Heparin nicht unterlegen war. Unter Certoparin trat der kombinierte Endpunkt bei 7.0% der Patienten auf im Vergleich zu 9.7% unter unfraktioniertem Heparin (untere Grenze des 95% Konfidenzintervalls – 7.6%, p=0.0011). Während der Behandlung traten hämorrhagische Komplikationen bei 10 Patienten (3.7%) in jeder Gruppe auf. Diese hämorrhagischen Komplikationen wurden als schwer klassifiziert bei 5 Patienten, die unfraktioniertes Heparin erhielten (1.8%). Im Vergleich dazu traten schwere hämorrhagische Komplikationen nur bei 3 Patienten in der Gruppe mit Certoparin auf (1.1%).
In der randomisierten, doppelblinden CERTIFY Studie, in der 3‘239 Patienten teilnahmen, wurde Certoparin (3‘000 I.E., einmal täglich) mit unfraktioniertem Heparin (5‘000 I.E., dreimal täglich) über eine Behandlungsdauer von 8 bis 20 Tagen bei der Prophylaxe von thromboembolischen Ereignissen bei akut-kranken Patienten mit verminderter Mobilität verglichen.
Der zusammengesetzte primäre Endpunkt bestand aus proximaler DVT, symptomatischem nicht-fatalem PE und Tod im Zusammenhang mit venöser Thromboembolie. Die Studie umfasste akut-kranke hospitalisierte Patienten mit Krankheiten wie Infektionen, Herz-Kreislauferkrankungen, akute respiratorische Erkrankungen, gastrointestinale Krankheiten, neurologische Störungen, metabolische Störungen oder maligne Erkrankungen. Die Anzahl von Patienten mit mindestens einem thromboembolischen Ereignis (proximale DVT, symptomatische nicht-fatale PE oder Tod im Zusammenhang mit VTE) betrug 3.9% unter Certoparin und 4.5% unter unfraktioniertem Heparin (untere Grenze des KI -2.4%, p=0.0001). Die meisten thromboembolischen Ereignisse waren proximale tiefe Venenthrombosen mit einer Häufigkeit von 3.6% unter Certoparin und 4.3% unter unfraktioniertem Heparin.
Über starke Blutungen wurde weniger häufig unter einer Behandlung mit Certoparin im Vergleich zu unfraktioniertem Heparin (0.4% versus 0.6%) berichtet. Die Häufigkeit aller Blutungsereignisse (einschliesslich milde bis schwere Blutungen) war signifikant tiefer mit Certoparin verglichen mit unfraktioniertem Heparin (3.2% versus 4.6%, p<0.05).
Studie CMEX839BDE07:
Eine schwere Nierenfunktionsstörung (CrCl <30 ml/min pro 1.73 m2 Körperfläche (engl. „BSA“)) kann die aXa-Exposition (Cmax und AUC) bei Patienten, welche mit Sandoparin einmal täglich behandelt werden, beeinflussen.
Eine Behandlung mit subcutan verabreichtem Sandoparin einmal am Tag wurde von den 12 Patienten mit Niereninsuffizienz gut toleriert, trotz des Ausmasses der aXa-Exposition.
|