Eigenschaften/WirkungenATC-Code
H01BA04
Wirkungsmechanismus
Terlipressin (Triglycyl-Lysin-Vasopressin) ist ein synthetisches Analogon des Hypophysenhinterlappen-Hormons Vasopressin.
Terlipressin ist ein Pro-Drug mit eigener partieller intrinsischer Aktivität. Terlipressin wird durch enzymatische Spaltung in den aktiven Metaboliten Lysin-Vasopressin umgewandelt.
Terlipressin wirkt kontrahierend auf kleine Gefässe im Intestinum und Uterus sowie auf die glatte Muskulatur im gastrointestinalen Bereich. Es verstärkt den Tonus des Darmes und fördert seine Peristaltik. Ausserdem kommt es zu einem leichten Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdrucks. Bei Patienten mit renaler Hypertonie und/oder allgemeiner Arteriosklerose wurde ein stärkerer Blutdruckanstieg beobachtet.
Darüber hinaus führt Terlipressin durch seine vasokonstriktorische Wirkung zu einer relevanten Reduktion der Hautdurchblutung, was mit einer deutlichen Blässe der Patienten einhergeht.
Nach Applikation einer Einzeldosis verbleiben die Plasmakonzentrationen über einen Zeitraum von 4-6 Stunden im therapeutischen Bereich.
Pharmakodynamik
Terlipressin reduziert die portale Hypertonie bei gleichzeitiger Reduktion der Perfusion im Gebiet der vena portae. Zusätzlich kommt es zu einer Kontraktion der glatten Ösophagusmuskulatur mit konsekutiver Kompression der Ösophagusvarizen.
Terlipressin führt bei Hypovolämie (wie z.B. im hämorrhagischen Schock) zu einer erwünschten Zentralisierung.
Terlipressin besitzt nur etwa 3% der antidiuretischen Wirkung von nativem Vasopressin. Diese Restaktivität ist klinisch ohne Bedeutung. Die Durchblutung der Niere verändert sich im normovolämischen Zustand nicht signifikant. Im hypovolämischen Zustand wird die renale Durchblutung hingegen gesteigert.
Klinische Wirksamkeit
Die Wirksamkeit von Terlipressin zur Therapie des hepatorenalen Syndroms Typ I wurde in einer 2:1 randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie (CONFIRM) an n=300 Patienten untersucht. Eingeschlossen wurden Patienten mit Leberzirrhose, Aszites und HRS-I, bei welchen eine rasche Verschlechterung der Nierenfunktion mit einem Kreatininanstieg auf ≥2.25mg/dl vorlag. Voraussetzung für die Studienteilnahme war ausserdem, dass das Absetzen von Diuretika sowie eine Volumen-Expansion mittels Humanalbumin innerhalb von 48 Stunden nicht zu einer anhaltenden Verbesserung der Nierenfunktion geführt hatten. Patienten mit einem Serumkreatinin >7.0mg/dl sowie solche mit Schock, Sepsis oder unkontrollierten bakteriellen Infektionen waren von der Studienteilnahme ausgeschlossen.
Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 52 Jahren. 60% waren männlich, 90% Weisse. In 40% der Fälle lag eine alkoholtoxische Hepatitis zugrunde. Bei 19% der Patienten lag ein ACLF Grad 3 vor. Der Ausgangswert für das Serumkreatinin lag bei durchschnittlich 3.5mg/dl, der durchschnittliche MELD-Score bei 33.
Die Anwendung von Terlipressin erfolgte wie unter "Dosierung / Anwendung" beschrieben. Beide Behandlungsgruppen erhielten zusätzlich Humanalbumin (in einer medianen Dosierung von 50g/Tag).
Primärendpunkt war der Anteil der Patienten, bei welchen es bis Tag 14 zu einem Ansprechen auf die Therapie kam, definiert als ein Serumkreatinin von ≤1.5mg/dl bei zwei aufeinanderfolgenden Kontrollen im Abstand von mindestens 2 Stunden. Patienten, welche während der Studie (bis mindestens 10 Tage nach dem dokumentierten Ansprechen) verstorben waren oder in diesem Zeitraum eine Nierenersatztherapie erhalten hatten, wurden bei der Analyse des Primärendpunkts nicht berücksichtigt.
Die Ansprechrate war unter Terlipressin signifikant höher als unter Placebo (29.1% vs. 15.8%; p=0.012). Ein Überlebensvorteil für die mit Terlipressin behandelten Patienten konnte jedoch nicht gezeigt werden.
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