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Fachinformation zu Nivaquine®:Sanofi-Aventis (Suisse) SA
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Zusammensetzung

Wirkstoff: Chloroquinum ut Chloroquini sulfas.
Hilfsstoffe: zerstäubter Stärkezucker, Magnesiumstearat, Weizenstärke, kolloidales Kieselsäuregel, Gelatine.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette enthält 100 mg Chloroquinum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Prophylaxe und Therapie chloroquinempfindlicher Malariainfektionen.
Basistherapie bei chronischer Polyarthritis und bei Lupus erythematodes.
Bei der Verschreibung von Malariamitteln sind die Empfehlungen der nationalen und internationalen Gesundheitsbehörden zur Entwicklung von Chemoresistenzen zu berücksichtigen.

Dosierung/Anwendung

Zur besseren Magenverträglichkeit wird die Einnahme nach einer Mahlzeit empfohlen.
Malariaprophylaxe
Chloroquin kann entweder einmal pro Woche oder täglich eingenommen werden. Bei beiden Dosierungsschemata ist darauf zu achten, dass die Einnahme 8 Tage vor Einreise ins Malariagebiet beginnt (d.h. die zweiten 3 Tabletten bei wöchentlicher resp. die achte Tablette bei täglicher Einnahme sollten am Tag vor Abreise eingenommen werden) und vier Wochen nach Ausreise beendet wird.
Wöchentliche Einnahme
Beginn: 8 Tage vor Einreise, dann 1×/Woche.
Erwachsene: 3 Tabl. 1×/Woche.
Kinder:
35-45 kg: 2 Tabl. 1×/Woche;
25-35 kg: 1 Tabl. 1×/Woche;
5-25 kg: 5 mg/kg Körpergewicht/Woche.
Ende: 4 Wochen nach Ausreise.
Die Tabletten müssen stets am gleichen Wochentag eingenommen werden.
Tägliche Einnahme
Beginn: 8 Tage vor Einreise.
Erwachsene: 1 Tabl./Tag.
Kinder:
35-45 kg: ¾ Tabl./Tag;
25-35 kg: ½ Tabl./Tag;
5-25 kg: ¼ Tabl./Tag.
Ende: 4 Wochen nach Ausreise.
Einnahme nach dem Essen.
Welches Dosierungsschema angewendet wird, hängt von der Empfindlichkeit der Malariastämme auf Chloroquin und dem Reisegebiet ab. Informationen darüber erteilen die Tropen- und Impfinstitute.
Malariatherapie
Erwachsene: 1. Tag: 6 Tabl. in 1 Dosis, gefolgt von 3 Tabl. 6 Stunden später; 2. und 3. Tag: je 3 Tabl. täglich; eventuell 4. und 5. Tag: je 3 Tabl. täglich.
Kinder: 1. Tag: 10 mg/kg KG in 1 Dosis, gefolgt von 5 mg/kg KG 6 Stunden später; 2. und 3. Tag: je 5 mg/kg KG täglich; eventuell 4. und 5. Tag: je 5 mg/kg KG täglich.
Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Symptomen besteht der Verdacht einer Chloroquin-Resistenz von Plasmodium und es ist umgehend eine andere Malariabehandlung zu erwägen.
Lupus erythematodes, chronische Polyarthritis
Je nach individueller Verträglichkeit, im Mittel 3 Tabl. Nivaquine täglich während 1 bis 2 Wochen. Anschliessend Erhaltungsdosis von 150 mg täglich.
Hinweis: Nach einer Empfehlung der WHO sollen insgesamt nicht mehr als 100 g Chloroquinbase eingenommen werden; das entspricht bei Langzeitbehandlung mit 150 mg Base/Tag einem Zeitraum von 2 Jahren. Ab dieser Menge sind Augenpigmentierungen möglich (vgl. Kap. «Unerwünschte Wirkungen»).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber 4-Aminochinolinen; Glukose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel) (Symptome: hämolytische Anämie, Favismus); Erkrankungen der blutbildenden Organe, des Zentralnervensystems; vorbestehende Retinopathien; Myasthenia gravis.
Retina- oder Gesichtsfeldveränderungen; bei einem akuten Malariaanfall obliegt es dem Arzt, nach sorgfältigem Aufwägen des Nutzens gegen das Risiko, Nivaquine zu verabreichen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Chronische Kardiotoxizität
Beim Auftreten von Erregungsleitungsstörungen (Schenkelblock, AV-Block) sowie einer biventrikulären Hypertrophie sollte an eine chronische Toxizität gedacht werden.
Bei Patienten unter Chloroquin-Therapie wurden Fälle von Kardiomyopathien berichtet, die zu Herzinsuffizienz mit gelegentlich letalem Ausgang führten. Eine klinische Beobachtung der Anzeichen und Symptome einer Kardiomyopathie ist anzuraten. Bei Verschlimmerung der Kardiomyopathie muss die Einnahme von Nivaquine unterbrochen werden.
Eine Chloroquin-Resistenz von Plasmodium falciparum ist gut dokumentiert, weshalb epidemiologische Daten vor Beginn einer Chloroquin-Behandlung in Betracht zu ziehen sind.
Chloroquin sollte mit Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit
·Epilepsie in der Anamnese (da über epileptische Anfälle unter Chloroquin berichtet wurde).
·Eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion.
·Porphyrie (mögliches Auftreten von akuten Episoden).
·Psoriasis (mögliche Exazerbation der Läsionen).
·Herzerkrankungen, bekannten ventrikulären Dysrhythmien, einer nicht eingestellten Hypokaliämie und/oder Hypomagnesiämie oder einer Bradykardie sowie Patienten, die gleichzeitig ein Arzneimittel einnehmen, das das QT-Intervall verlängert.
Retinopathie
Es wurden Fälle von Retinopathie/Makulopathie sowie Makuladegeneration berichtet. Bei Patienten unter längerdauernder Anwendung kann zudem eine irreversible Schädigung der Retina auftreten. Daher sollte eine ophthalmologische Kontrolle vor Beginn und regelmässig während der Behandlung durchgeführt werden.
Die Abklärung von ophthalmologischen Anomalien kann über gezielte Fragen zu Sehstörungen und eine Beurteilung der Sehschärfe durch das jeweils gesondert mit jedem Auge erfolgende Lesen von Texten und Schriftzeichen unterschiedlicher Grösse erfolgen.
Bei der Behandlung sind Modalitäten und Häufigkeit einer augenärztlichen Überwachung anhand folgender Parameter festzulegen:
·Verordnete Tagesdosis: Chloroquin-Dosen unter 4 mg/kg/T gelten als Dosen mit geringem Risiko.
·Dauer der Behandlung: Bei Dosen unter 4 mg/kg/T ist das Risiko für einen dauerhaften Verlust der Sehschärfe in den ersten 10 Behandlungsjahren als gering zu erachten.
·Vorhandensein weiterer Risikofaktoren wie Alter des Patienten von mehr als 65 Jahren, chronische Niereninsuffizienz, möglicherweise vorbestehende Augenerkrankungen.
Bei Patienten mit normaler Sehschärfe, die mit Chloroquin-Dosen behandelt werden, die als Dosen mit geringem Risiko gelten, und die keine weiteren Risikofaktoren aufweisen, kann eine einfache klinische Untersuchung einmal jährlich erfolgen (Fragen, Beurteilung der Sehschärfe).
Bei Patienten mit vorbestehenden pathologischen Augenveränderungen oder anderen Risikofaktoren kann eine entsprechende engmaschigere augenärztliche Überwachung erfolgen.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Retinopathie sind unter anderem das Alter, die Dauer der Behandlung, hohe Tagesdosen und/oder kumulierte Dosen, Niereninsuffizienz. Von einer gleichzeitigen Anwendung von Chloroquin und als nierentoxisch bekannten Medikamenten wie Tamoxifen wird abgeraten.
Wenn während der Behandlung auch nur geringe Sehstörungen auftreten, die auf eine Retinopathie/Makulopathie hindeuten, muss Chloroquin sofort abgesetzt und der Patient genau auf eine mögliche Progression beobachtet werden.
Veränderungen der Retina (und das Auftreten von Sehstörungen) können sich auch erst nach Ende der Behandlung entwickeln.
Extrapyramidale Störungen
Unter Chloroquin wurde über akute extrapyramidale Störungen berichtet, die in der Regel bei Beendigung der Behandlung und/oder mit einer symptomatischen Behandlung (Benzodiazepine und/oder atropinartige Substanzen) verschwanden. Die Behandlung darf erst nach einer Beurteilung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses für den Patienten fortgesetzt und der Patient muss überwacht werden.
Hypoglykämie
Es wurde nachgewiesen, dass Chloroquin schwere Hypoglykämien mit Bewusstlosigkeit verursacht, die das Leben von Patienten mit und ohne Antidiabetika-Therapie gefährden. Mit Chloroquin behandelte Patienten müssen über das Risiko einer Hypoglykämie sowie die assoziierten klinischen Anzeichen und Symptome aufgeklärt werden. Patienten, die unter der Nivaquine-Therapie mit klinischen Symptomen vorstellig werden, die auf eine Hypoglykämie hindeuten, müssen ihren Blutzuckerspiegel und ggf. ihre Therapie kontrollieren lassen.
Langzeitanwendung bei Kindern wird nicht empfohlen.

Interaktionen

Es können Interaktionen mit anderen Medikamenten auftreten:
Kontraindizierte Kombinationen:
·Citalopram oder Escitalopram: erhöhtes Risiko für ventrikuläre Arrhythmien, insbesondere Torsade de pointes.
·Domperidon: erhöhtes Risiko für ventrikuläre Arrhythmien, insbesondere Torsade de pointes.
Nicht zu empfehlende Kombinationen:
Chloroquin verlängert das QT-Intervall. Von einer Kombination mit Medikamenten, die zu einer Torsade de pointes führen können, wird abgeraten. Dazu zählen Antiarrhythmika der Klassen IA und III (Amiodaron), Antipsychotika, Halofantrin, Lumefantrin, Pentamidin, bestimmte Antibiotika (Moxifloxacin).
Das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien, insbesondere Torsade de pointes, ist erhöht.
Wenn möglich sollte eine der beiden Therapien abgebrochen werden.
Kann die Kombination nicht vermieden werden, müssen zuvor eine Kontrolle des QT-Intervalls und ein EKG-Monitoring erfolgen.
Von einer gleichzeitigen Anwendung von Chloroquin und als nierentoxisch bekannten Medikamenten wie Tamoxifen wird abgeraten.
Kombinationen, bei denen Vorsicht geboten ist:
·Topische Antazida und Kohle: Salze (Karbonate, Citrate, Glukonate, Magaldrate, Phosphate, Sulfate, Silikate), Aluminium-, Kalzium- und Magnesiumoxide und -hydroxide. Sie vermindern die Absorption von Chloroquin durch die Verdauung. Gastrointestinale Topika sind zeitlich versetzt zu Chloroquin (wenn möglich mit mehr als 2 Stunden Abstand) einzunehmen;
·Ciclosporin: Risiko eines erhöhten Ciclosporin-Blutspiegels und einer Kreatininämie. Bei einer gleichzeitigen Verabreichung und nach dem Absetzen von Chloroquin müssen der Ciclosporin-Blutspiegel bestimmt, die Nierenfunktion kontrolliert und die Dosierung entsprechend angepasst werden;
·Schilddrüsenhormone: Risiko einer klinischen Hypothyreose bei Patienten, die mit Schilddrüsenhormonen substituiert werden. Während der Behandlung mit Malariamitteln und nach der Beendigung Überwachung der T3- und T4-Serumkonzentrationen und gegebenenfalls Anpassung der Schilddrüsenhormondosierung.
Bei gleichzeitiger Anwendung zu berücksichtigen:
·Cimetidin: Verzögerte Eliminierung von Chloroquin und Risiko einer Überdosierung;
·Medikamente, die die Krampfschwelle herabsetzen: Die gleichzeitige Anwendung von prokonvulsiven Medikamenten oder Arzneimitteln, die die Krampfschwelle herabsetzen, ist aufgrund des damit verbundenen hohen Risikos sorgfältig abzuwägen. Zu diesen Medikamenten zählen insbesondere die meisten Antidepressiva (Imipramin, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), Neuroleptika (Phenothiazine und Butyrophenone), Mefloquin, Bupropion, Tramadol;
·Alkohol und lebertoxische Stoffe: erhöhte Lebertoxizität;
·MAO-Hemmer: erhöhte 4-Aminochinolintoxizität;
·Kortikoide: mögliche Myopathien oder Kardiomyopathien können verstärkt werden;
·eine gleichzeitig notwendige orale Schutzimpfung gegen Typhus abdominalis (Malaria-Prophylaxe erst 3 Tage nach Einnahme der letzten Impfstoffkapsel beginnen).
·Goldverbindungen, Indometazin und Probenecid verstärken das Risiko einer Sensibilisierung auf Chloroquin und die Gefahr einer Retinopathie.
·Digoxin: Eine langfristige gleichzeitige Einnahme von Digoxin und Chloroquin kann zu erhöhten Digoxin-Plasmaspiegeln mit dem Risiko einer Glykosidintoxikation führen.
·Methotrexat und andere Folsäureantagonisten: Ihre Wirkung wird durch Chloroquin verstärkt.
·Insulin und Antidiabetika: Chloroquin kann die Wirkungen einer Hypoglykämietherapie verstärken. Es ist daher u.U. nötig, die Insulin- bzw. Antidiabetikadosis zu verringern.
·Die Antikörperreaktion auf eine Tollwutimpfung (HDC-Impfstoff) kann durch Chloroquin beeinträchtigt werden.
·Agalsidase: Es besteht das theoretische Risiko einer Inhibition der intrazellulären Aktivität von α-Galactosidase bei gleichzeitiger Verabreichung von Agalsidase und Chloroquin.

Schwangerschaft/Stillzeit

Chloroquin passiert die Plazentaschranke und geht auch zu geringen Anteilen in die Muttermilch über. In Tierversuchen und beim Menschen wurden Schädigungen der Föten dokumentiert (Visusverlust, Ototoxizität, Vestibularisdysfunktion), welche jedoch dosisabhängig zu sein scheinen. Bei der empfohlenen Dosierung zur Prophylaxe und Therapie der Malaria sind diese Effekte im Allgemeinen nicht zu erwarten, und die Einnahme von Nivaquine in der empfohlenen Dosierung scheint in der Schwangerschaft sicher zu sein. Da eine Malariaerkrankung in der Schwangerschaft ein erhebliches Risiko für den Fötus darstellt, ist die Gabe von Chloroquin als Prophylaxe oder zur Therapie in vielen Fällen indiziert.
Die Sicherheit bei Einnahme von hochdosiertem Nivaquine über eine längere Zeitdauer ist bei schwangeren Frauen nicht belegt. Hochdosiertes Nivaquine sollte während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, es sei denn es ist klar notwendig.
Zur Behandlung der chronischen Polyarthritis soll Chloroquin während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.
Die Konzentration von Chloroquin in der Muttermilch ist sehr klein; Risiken für Säuglinge bestehen bei längerer Stillzeit durch mögliche Kumulation des Wirkstoffes in der kindlichen Retina.
Obwohl Chloroquin in die Muttermilch übertritt, ist die Menge ungenügend, um dem Säugling irgendeinen Nutzen zu bringen; eine separate Prophylaxe für den Säugling ist deshalb erforderlich.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Schwindel und vorübergehende Sehstörungen können Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsvermögen und somit z.B. die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Unerwünschte Wirkungen

Die Häufigkeit wird wie folgt angegeben: sehr häufig (≥1/10) häufig (<1/10, ≥1/100), gelegentlich (<1/100, ≥1/1000), selten (<1/1000, ≥1/10.000), sehr selten (<1/10.000), nicht bekannt (kann auf der Grundlage der verfügbaren Daten nicht abgeschätzt werden).
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Selten: Agranulozytose, Panzytopenie und Thrombozytopenie.
Erkrankungen des Immunsystems
Häufig: Anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen einschliesslich Angioödem.
Häufigkeit nicht bekannt: Bei Patienten mit G6PD-Mangel wurden bei einer Kombination mit anderen Medikamenten, die potenziell zu einer Hämolyse führen können, Fälle von hämolytischer Anämie beobachtet (siehe Paragraph «Kontraindikationen»).
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Häufigkeit nicht bekannt: Es wurden Fälle von Hypoglykämie berichtet.
Psychiatrische Erkrankungen
Sehr häufig: Schlaflosigkeit (37%).
Häufig: Depression.
Selten: Angst, Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen, Delirium.
Häufigkeit unbekannt: Es wurden Fälle von suizidalem Verhalten berichtet.
Erkrankungen des Nervensystems
Sehr häufig: Kopfschmerzen (25%).
Häufig: Schwindel, epileptische Anfälle sind – auch bei der niedrig dosierten Anwendung zur Malariaprophylaxe – beobachtet worden.
Gelegentlich: Neuropathie.
Selten: Polyneuropathie.
Häufigkeit nicht bekannt: Es wurden Fälle von akuten extrapyramidalen Störungen (wie etwa Dystonie, Dyskinesie, Protrusion der Zunge, Torticollis) berichtet.
Augenerkrankungen
Häufig: Reversible Störungen am Auge wie Akkomodationsstörungen, vorübergehendes Verschwommensehen.
Selten: Dosisabhängige asymptomatische und reversible Hornhautablagerungen nach Langzeitbehandlung. Diese wurden in 30 – 70% der Patienten nach hohen Dosen beobachtet.
Über Fälle von Retinopathie nach hochdosierter Langzeitbehandlung wurde berichtet. Es kann zu Einlagerungen in die Retina (irreversibel) kommen, die zu Gesichtsfeldausfällen führen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Häufigkeit unbekannt: Es wurden Fälle von Makulopathie und Makuladegeneration berichtet; diese können irreversibel sein.
Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths
Gelegentlich: Ototoxizität wie Tinnitus, Hypoakusis, Taubheit.
Herzerkrankungen
Gelegentlich: Kardiomyopathie während Langzeitbehandlung mit hohen Dosen, die eine Herzinsuffizienz mit gelegentlich letalem Ausgang auslösen kann.
Selten: EKG-Veränderungen, Herzrhythmusstörungen einschliesslich QT-Verlängerung, Torsade de pointes, ventrikuläre Tachykardie und Ventrikelflimmern wurden nach therapeutischen Chloroquin-Dosen sowie nach Überdosen beobachtet. Das Risiko ist erhöht, wenn Chloroquin in hohen Dosen verabreicht wird. Es wurden Todesfälle berichtet.
Häufigkeit nicht bekannt: Es wurden Fälle von Erregungsleitungsstörungen wie Schenkelblock/AV-Block beobachtet.
Gefässerkrankungen
Selten: Blutdruckabfall.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Sehr häufig: Übelkeit (22,1%), Erbrechen (38,9%) und Diarrhoe (43,6%) (zur Vermeidung dieser Nebenwirkungen Nivaquine bevorzugt nach dem Essen einnehmen).
Häufig: Stomatitis.
Leber- und Gallenerkrankungen
Selten: Abnorme Leberfunktionsparameter und Hepatitiden.
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Sehr häufig: Pruritus (45%).
Häufig: Exanthem, Urtikaria.
Gelegentlich: Haarausfall, blau-schwarze Verfärbung vor allem der Nägel und der Mukosa.
Selten: reversible Exazerbation der Psoriasis und Pigmentstörungen, Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch-epidermale Nekrolyse.
Sehr selten: Dermatitis exfoliativa und ähnliche schuppenartigen Hautreaktionen.
Häufigkeit nicht bekannt: Fälle von Arzneimittelüberempfindlichkeitssyndrom (DRESS-Syndrom: Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen) wurden berichtet.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Gelegentlich: Myopathie.

Überdosierung

Symptome: Chloroquin wird rasch absorbiert und ist bei Überdosierung stark toxisch. Kinder sind speziell empfindlich.
Die wichtigsten Symptome bei Überdosierung sind zu Beginn Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen, und – aufgrund der ausgeprägten kardiotoxischen Wirkung – rasch gefolgt von Atem- und Kreislaufstillstand. Zu den Symptomen einer Überdosierung können auch Herzrhythmusstörungen und Störungen in der Reizleitung des Herzens gehören, einschliesslich QT-Verlängerung, Torsade de pointes, ventrikulärer Tachykardie und Ventrikelflimmern. Ein letaler Ausgang kann durch Atemversagen oder akute Herzinsuffizienz sowie durch kardiale Dysrhythmien verursacht werden. Herzrhythmusstörungen werden durch eine mögliche Hypokaliämie, verursacht durch einen Kaliumfluss vom extrazellulären in den intrazellulären Raum, verstärkt.
Fälle von extrapyramidalen Störungen wurden auch in Zusammenhang mit einer Überdosierung von Chloroquin berichtet.
Therapie: Da eine akute Überdosierung von Chloroquin schnell letal enden kann, ist der Patient so bald wie möglich zu hospitalisieren, eine intensive und supportive Behandlung sowie Überwachung ist anzuordnen. Der klinische Zustand und Laborwerte, insbesondere der Kaliumspiegel, müssen sorgfältig überwacht werden.
Bei Verdacht auf eine massive Überdosierung oder bei starken toxischen Symptomen hat sich zudem gezeigt, dass die frühe Verabreichung von Adrenalin (z.B. 0,2 mg in langsamer Infusion) und Diazepam (z.B. 0,5 mg/kg als Infusion während 10 min.) die Überlebenschance verbessern kann.
Ansäuerung des Urins, Hämodialyse, Peritonealdialyse oder Bluttransfusion haben keinen Nutzen gezeigt bei der Behandlung einer Vergiftung mit Chloroquin.
Sollte ein Kind in einem unbewachten Augenblick Tabletten geschluckt haben, ist das Kind unverzüglich zum Erbrechen zu bringen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: P01BA01
Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik
Chloroquin ist ein 4-Aminochinolinderivat, das neben seiner antiplasmodischen Wirkung auch entzündungshemmende und immunsuppressive Eigenschaften aufweist.
Der Wirkungsmechanismus gegen Blutschizonten ist nicht endgültig geklärt; Chloroquin kumuliert in den von Parasiten befallenen Erythrozyten des Menschen.
Antirheumatische Wirkung: Als Mechanismus der entzündungshemmenden Wirkung werden eine Stabilisierung der Lysosomenmembran und eine Hemmung der Prostaglandinsynthese diskutiert.

Pharmakokinetik

Absorption
Chloroquin wird rasch und nahezu vollständig resorbiert. Maximale Konzentrationen werden nach 2 bis 6 Stunden gemessen. Gleichzeitige Nahrungsaufnahme erleichtert die Resorption und erhöht die Bioverfügbarkeit. Plasmaspiegel bei einer oralen Dosis von 300 mg Chloroquinbase pro Woche: maximal 150-250 µg/l, minimal 20-40 µg/l. Bei täglicher Einnahme von 300 mg Chloroquinbase: Fliessgleichgewichtskonzentration im Plasma: ca. 125 µg/l.
Distribution
Chloroquin wird zu ca. 50-65% an Plasmaproteine gebunden. Das Verteilungsvolumen ist gross (Angaben variieren je nach Autor zwischen 800 l/kg und 115-400 l/kg). Die Substanz wird in Erythrozyten (2-5fach) sowie in Leber, Lunge, Niere, Herz (10fach) und ZNS, Netzhaut, Darm angereichert.
Wirksame Chloroquinplasmakonzentrationen für die Malariaprophylaxe liegen in der Regel zwischen 12,8 und 32 µg/l, für die Malariatherapie zwischen 96 und 192 µg/l und für die Basistherapie entzündlich-rheumatischer Prozesse bei ca. 65 µg/l.
Chloroquin passiert die Plazentaschranke und geht auch zu geringen Anteilen in die Muttermilch über.
Metabolismus
Hauptmetabolit ist das ebenfalls antiplasmodisch wirksame Monodesethylchloroquin.
Elimination
Die Eliminationshalbwertszeit variiert. Sie ist dosis- und therapiedauerabhängig und kann zwischen 6 h und mehr als 10 Tagen liegen. Meist werden 10-30 Tage angegeben.
Chloroquin wird sehr langsam durch den Urin ausgeschieden (zu 50-80%), davon etwa 25% als Monodesethylchloroquin.
Pharmakokinetik spezieller Patientengruppen
Bei Niereninsuffizienz ist die Ausscheidung verzögert, was bei der Dosierung berücksichtigt werden sollte.

Präklinische Daten

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential
Chloroquin wurde bisher nur unzureichend auf mutagene Wirkungen untersucht. Die Relevanz der widersprüchlichen Befunde für den Menschen ist nicht klar.
Eine Langzeituntersuchung an Ratten ergab keine Hinweise auf ein tumorerzeugendes Potential.
Reproduktionstoxizität
Chloroquin ist bei der Ratte embryotoxisch (verschiedene Schäden). In einer weiteren Studie induzierte Chloroquin Augendefekte bei 47% der pränatal exponierten Ratten.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behältnis mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Besonderer Lagerungshinweis
Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

18889 (Swissmedic).

Packungen

Tabletten (mit Bruchrille) zu 100 mg: 100. [B]

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

September 2017.

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