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Fachinformation zu Jacutin®:Almirall AG
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Gel/Emulsion

Einreibung gegen parasitäre Hauterkrankungen, speziell gegen Läuse bzw. Krätze und ihre Eier 

Zusammensetzung

Emulsion

Wirkstoff: Lindanum 3 mg.

Hilfsstoffe: Benzylis benzoas; Conserv.: Methylis parahydroxybenzoas natricus (E 219), Excip. ad Emuls. pro 1 g.

Gel

Wirkstoff: Lindanum 3 mg.

Hilfsstoffe: Excip. ad Gel pro 1 g.

Eigenschaften/Wirkungen

Der Wirkstoff von Jacutin, Lindan (γ-Hexachlorcyclohexan), ist für Insekten und Krätzemilben ein starkes Kontakt-, Frass- und Atemgift. Es schädigt das Nervensystem dieser Tiere und führt zu ihrem Tod. Von Jacutin existieren zwei indikationsspezifische Zubereitungsformen.

Pharmakokinetik

Absorption und Verteilung
Lindan wird nach subkutaner und intraperitonealer Injektion, nach oraler Gabe und nach Inhalation rasch resorbiert. Bei topischer Applikation wird Lindan langsam und unvollständig durch die intakte Haut absorbiert. Die perkutane Resorptionsrate ist dabei stark abhängig vom Hautzustand.
Bei gesunden Freiwilligen wurden nach schemagemässer Scabies-Behandlung (Ganzkörperbehandlung mit Jacutin Emulsion an 3 aufeinanderfolgenden Tagen) maximale Serumkonzentrationen um 0,0095 ppm gefunden, während bei Patienten mit schwerer generalisierter Scabies die entsprechenden Höchstwerte zwischen 0,016 und 0,425 ppm variieren.
Zur Einschätzung dieser Werte sei darauf hingewiesen, dass auch bei unbehandelten Personen durchschnittliche Konzentrationen von Lindan im Blutserum von etwa 0,003 ppm gefunden werden.
Nach dermaler Applikation steigt der Serumwert innerhalb von 4-6 Stunden zu einem Maximalwert an und fällt innerhalb der nächsten 3-5 Stunden wieder zu einem Minimalwert ab. Wird Jacutin Emulsion an drei aufeinanderfolgenden Tagen appliziert, so liegen diese Minimal- und Maximalwerte jeweils in der gleichen Grössenordnung.
Resorbiertes Lindan kann im Fettgewebe gespeichert werden oder in die Muttermilch gelangen.

Metabolisierung
Lindan wird in der Leber metabolisiert und in Urin und Faeces ausgeschieden.
Der erste Metabolisierungsschritt ist eine Dehydrochlorierung. Nach einer weiteren Chlorwasserstoffabspaltung entstehen über verschiedene Zwischenstufen als Hauptausscheidungsprodukte wasserlösliche Glucuronsäure- und Schwefelsäurekonjugate.

Elimination
Im Gegensatz zu anderen chlorierten Kohlenwasserstoffen und auch im Gegensatz zu anderen Isomeren des Lindans erfolgt die Elimination des γ-Isomers relativ rasch. Lindan wird in unveränderter und metabolisierter Form innerhalb von 1-2 Wochen ausgeschieden.
Während der ersten 48 Stunden ergab sich eine Eliminationshalbwertszeit von 1-2 Tagen. Nach perkutaner Applikation werden ca. 9% renal eliminiert.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Gel: Befall mit tierischen Parasiten, speziell Kopf- und Filzläusen (Pediculosis capitis, Pediculosis pubis) und deren Eier (Nissen).

Emulsion: Krätzemilben (Scabies).

Dosierung/Anwendung

Die Behandlung mit Jacutin Gel sollte streng nach dem jeweils empfohlenen Schema durchgeführt werden, um die beschriebenen Überdosierungserscheinungen zu vermeiden.

Kopfläuse
Für die Kopflausbehandlung wird Jacutin Gel empfohlen. Vor der Behandlung sind Haar und Kopfhaut durch eine Kopfwäsche mit warmem Wasser und einem Waschmittel (Haarshampoo) zu reinigen.
Jacutin Gel wird in das noch feuchte Haar eingerieben und durch wiederholtes Kämmen gut und gleichmässig in den Haaren und auf dem Kopfboden verteilt. Nacken- und Schläfenhaare nicht vergessen! Für die Einreibung benötigt man, je nach Länge der Haare, die Menge von ca. einem Esslöffel Jacutin Gel. Nach der Einreibung sind die Hände gründlich zu waschen. Das eingeriebene Gel muss drei Tage in den Haaren bleiben. Es kann danach oder bei der nächsten Kopfwäsche ausgewaschen werden.
Auch die Nissen (Eier der Kopfläuse) werden bei dieser Anwendung abgetötet. Um die abgetöteten Nissen nach der Behandlung von den Haaren zu entfernen, muss das Haar sorgfältig mit einem engzinkigen Staubkamm Strähne für Strähne ausgekämmt werden.
Es ist streng darauf zu achten, dass es nach der Behandlung nicht zu einer erneuten Ansteckung, z.B. durch Kontaktpersonen, kommt. Nach 8-10 Tagen ist eine Kontrolle erforderlich. Eine eventuelle Nachbehandlung (z.B. bei Rezidiven, erneuter Infektion) muss ärztlich überwacht werden.

Filzläuse
Für die Filzlausbehandlung wird Jacutin Gel empfohlen. Die befallenen Körperpartien werden nach dem gleichen Schema behandelt wie es für die Kopflausbehandlung angegeben ist.

Krätze
Zur Einreibung eignet sich besonders Jacutin Emulsion; auch Jacutin Gel kann verwendet werden.
Jacutin wird auf die trockene Haut aufgetragen. Sind vor der Behandlung mit Jacutin andere Salben bzw. Öle angewendet worden, so ist die Haut mit warmem Wasser und einem synthetischen Waschmittel gründlich von diesen Rückständen zu reinigen. Wird zur Reinigung ein warmes Vollbad oder eine warme Dusche genommen, ist darauf zu achten, dass die Haut vor der Anwendung von Jacutin Emulsion wieder vollkommen abgekühlt ist.
Jacutin Emulsion ist vor Gebrauch zu schütteln.
Es wird folgendes Anwendungsschema empfohlen:

Für Erwachsene und Kinder/Jugendliche (ab 10 Jahren)
Abends den gesamten Körper, ausgenommen Kopf, mit Jacutin einreiben. Am nächsten Morgen die Jacutin-Rückstände mit klarem, lauwarmen Wasser (ohne Waschmittel) abwaschen. Diese Behandlung ist an drei aufeinanderfolgenden Tagen je einmal durchzuführen.

Für Kinder (3-10 Jahre)
Den gesamten Körper, ausgenommen Kopf, mit Jacutin einreiben. Nach einer Einwirkungszeit von drei Stunden die Jacutin-Rückstände mit klarem, lauwarmen Wasser (ohne Waschmittel) abwaschen. Am nächsten Tag die Behandlung einmal in der gleichen Weise wiederholen.

Für Säuglinge und Kleinkinder (bis zu 3 Jahren)

Achtung: Für Säuglinge und Kleinkinder (bis zu 3 Jahren) ist prinzipiell eine Behandlung in der Klinik anzuraten, da die Resorptionsfähigkeit der Haut deutlich erhöht ist.

Erster Tag: Die untere Körperhälfte (unterhalb des Nabels) mit Jacutin einreiben, nach einer Einwirkungszeit von drei Stunden die Jacutin-Rückstände mit klarem, lauwarmem Wasser (ohne Waschmittel) abwaschen.

Zweiter Tag: Die obere Körperhälfte einreiben. Nach einer Einwirkungszeit von drei Stunden mit klarem, lauwarmem Wasser (ohne Waschmittel) abwaschen.

Dritter Tag: Behandeln wie am ersten Tag.

Vierter Tag: Behandeln wie am zweiten Tag.
Finger- und Zehenzwischenräume, Gelenke und Achselhöhlen, die Umgebung der Brustwarze, die Gürtellinie sowie die Genital- und Gesässgegend sind besonders sorgfältig einzureiben. Jacutin darf dabei jedoch nicht auf die Schleimhautbereiche gebracht werden. Am Kopf werden äusserst selten Krätzemilben nachgewiesen.

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Bei bekannter Überempfindlichkeit auf einen Bestandteil der Präparate sollten diese nicht angewendet werden, insbesondere sollte Jacutin Emulsion bei Patienten mit Überempfindlichkeit gegenüber Alkyl-4-hydroxybenzoaten (Parabenen) nicht angewendet werden.
Patienten mit Anfallsleiden (z.B. Epilepsie), reduziertem Allgemeinzustand, schweren Begleiterkrankungen oder altersbedingter Abwehrschwäche sowie Patienten mit einer stark geschädigten Haut sollten Jacutin Emulsion nur nach Rücksprache mit einem Arzt anwenden.

Vorsichtsmassnahmen
Es ist darauf zu achten, dass das Jacutin nicht in die Augen und an die Schleimhäute kommt und insbesondere von den Kindern nicht abgeleckt wird.
Jacutin soll nicht auf Wunden, akut entzündete oder nässende Haut aufgetragen werden.
Es soll nicht im Gesicht angewendet werden.
Abduschen mit Wasser und Seife sowie Vollbäder können bis zu 12 Stunden nach der Applikation die Resorption von Lindan verstärken. Das Abwaschen soll daher nur mit lauwarmem Wasser ohne Waschmittel und erst 8-12 Stunden nach Applikation des Wirkstoffes erfolgen.
Um das Einatmen des Wirkstoffes nicht zu fördern, sollten während der Anwendung von Jacutin Gel der Aufenthalt in sehr warmen Räumen, heisse Bäder bzw. heisses Föhnen der Haare vermieden werden.

Schwangerschaft/Stillzeit
Schwangerschaftskategorie B.
Jacutin sollte nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, da Lindan die Plazentaschranke überwindet und in Milch und Fettgewebe gespeichert wird. Teratogene Schäden sind jedoch auch bei hohen Dosierungen nach oraler und subkutaner Zufuhr bei keiner Tierart (Untersuchungen an Mäusen, Ratten und Kaninchen) nachgewiesen worden. Jacutin ist gelegentlich von schwangeren Frauen in Unkenntnis ihrer Schwangerschaft verwendet worden; teratogene Schäden sind bisher nicht bekannt geworden.

Unerwünschte Wirkungen

In Einzelfällen können lokale Überempfindlichkeitsreaktionen wie Irritationen, Juckreiz, Rötung auftreten.
Bei Auftreten von Nebenwirkungen ist Jacutin Gel abzusetzen und ein Arzt aufzusuchen.

Interaktionen

Die gleichzeitige Anwendung von Seifen, Syndets und Kosmetika ist zu unterlassen, da diese die unerwünschte Aufnahme des Jacutin-Wirkstoffes in die Blutbahn fördern können.
Insbesondere sollen Seifen und Syndets nicht zum Abwaschen des Präparates verwendet werden.

Überdosierung

Lindan wird absorbiert durch die Haut, Schleimhaut und aus dem Gastrointestinaltrakt.
Bei sachgemässer Anwendung ist in der Regel mit einer Vergiftung nicht zu rechnen. Jedoch können Überdosierugserscheinungen bereits bei der Anwendung therapeutischer Dosierungen vorkommen, wenn die Aufnahme des Wirkstoffes in die Blutbahn begünstigt wird, z.B. bei stark geschädigter Haut oder durch die Anwendung warmen Wassers.
Überdosierungserscheinungen können ausserdem bei unsachgemässer Anwendung (z.B. zu häufiges Auftragen, Verwendung übergrosser Mengen) auftreten oder durch versehentliche Einnahme, durch Ablecken der behandelten Haut bzw. durch Inhalation.
Bei Überdosierung bzw. nach versehentlicher Einnahme wurden folgende Symptome beobachtet:
Unruhe, Durchfall, Benommenheit, Kopfschmerzen, Übererregbarkeit, Zittern, Herzjagen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindelgefühl, erweiterte Pupillen, Krämpfe, bläuliche Verfärbung der Haut, Bewusstlosigkeit und Atemlähmung.
Beim Auftreten von Überdosierungserscheinungen oder bei versehentlicher Einnahme ist sofort der Arzt aufzusuchen.
Es gibt kein spezifisches Gegenmittel. Die Behandlung orientiert sich im wesentlichen an den Symptomen. Rückstände des Präparates auf der Haut sind mit viel Wasser (keine Vollbäder) abzuwaschen. Die Augen sind sofort gründlich mit klarem, lauwarmen Wasser zu spülen. Nach Einnahme des Präparates sind das Auslösen von Erbrechen, Magenspülung sowie die Gabe von Carbo medicinalis und evtl. salzhaltige Abführmittel erforderlich.

Sonstige Hinweise

Es wird empfohlen, Personen, mit denen der Infizierte engen Körperkontakt hat, gleichzeitig mitzubehandeln, um Ansteckung und erneute Infektion zu vermeiden. Nicht infizierte Personen, die dem Patienten bei der Einreibung mit Jacutin helfen, sollten sich nach der Behandlung gründlich die Hände waschen.
Bei dauerhaftem Fortbestehen der Beschwerden nach der Behandlung sowie bei einem vermeintlichen Neubefall innerhalb der darauffolgenden Wochen sollte eine weitere Therapie nur nach Rücksprache mit einem Arzt durchgeführt werden. Der die Erkrankung häufig begleitende Juckreiz kann auch noch nach Abschluss der Behandlung auftreten und sollte nicht ohne ärztliche Anweisung zu einer erneuten Anwendung von Jacutin führen.
Leibwäsche, Bettwäsche und Handtücher sollten während der Dauer der Behandlung täglich gewechselt werden.
Die Wäsche lässt sich durch Auskochen desinfizieren. Oberbekleidung und nicht kochfähige Körperwäsche können für einige Tage (zum Abtöten von Läusen mehrere Wochen) in einem gut verschlossenen Plastikbeutel aufbewahrt werden. Die Reinigung kann auch in einer Desinfektionsanstalt durchgeführt werden. Auch hat eine intensive Reinigung der übrigen Gegenstände, mit denen der Infizierte häufiger in Berührung kommt, z.B. Kamm und Bürste, zu erfolgen.
Jacutin eignet sich nicht zur Reinigung/Desinfektion der Wäsche.

Haltbarkeit
Die Präparate sollen nach Ablauf des Verfalldatums nicht mehr angewendet werden.

IKS-Nummern

34339, 37011.

Stand der Information

Januar 1997.
RL88

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