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Fachinformation zu Tolperison Orion:Orion Pharma AG
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Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Eine Filmtablette enthält 150 mg Tolperison Hydrochlorid als Wirkstoff.

Zusammensetzung

Wirkstoffe: Tolperisoni hydrochloridum.
Hilfsstoffe: Excipiens ad compr.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: M03BX04
Tolperison Hydrochlorid ist ein zentral wirksames Muskel-Relaxans mit Eigenschaften ähnlich denen von Lokalanästhetika. Der Wirkmechanismus von Tolperison Hydrochlorid ist nicht völlig bekannt. Tolperison zeigt eine hohe Affinität zu Nervengewebe, mit höchsten Konzentrationen im Hirnstamm, Rückenmark und peripheren Nervengewebe. Die chemische Struktur zeigt Ähnlichkeiten zu Lidocain; diesem ähnlich weist auch Tolperison Membran-stabilisierende Effekte auf. Tolperison reduziert, Dosis-abhängig, den Einstrom von Natrium-Ionen durch isolierte Nervenmembranen, wobei sowohl die Amplitude, als auch die Frequenz von Aktionspotentialen reduziert wird. Weiter wurde eine inhibitorische Wirkung auf spannungsabhängige Ca-Kanäle nachgewiesen, was den Schluss zulässt, dass
Tolperison, zusätzlich zu einem Membran-stabilisierenden Effekt, auch die Freisetzung von Neurotransmittern reduziert.
Auf Grund von pharmakologischen Untersuchungen am Tier sind folgende Eigenschaften nachgewiesen worden:
Herabsetzung der experimentellen paraplegischen Hypertonie,
Hemmung der polysynaptischen Leitung,
Dämpfung der polysynaptischen Reflexe im Spinalbereich,
periphere arterielle Vasodilatation im Gefolge der Relaxation der gestreiften Muskulatur.
Neurologisch bedingte Spastizität bzw. ZNS-bedingte Lähmungen wie z.B. bei Verletzungen der Pyramidenbahn, Schlaganfällen, Myelopathie, Encephalomyelitis, Multiple Sklerose, Neuroleptisches Syndrom, Neurolatyrismus: Diese Erkrankungen sind durch irreversible neurologische Schäden gekennzeichnet. In klinischen Prüfungen konnte gezeigt werden, dass durch Tolperison das muskuläre Zusammenspiel von Flexoren und Extensoren signifikant verbessert werden kann. Nach 12 Wochen Therapie mit Tolperison Hydrochlorid konnten die Patienten eine doppelt so lange Wegstrecke zurücklegen wie zu Beginn der Behandlung. Die Ansprechrate betrug in den verschiedenen Studien zwischen >60% bis >75%.

Pharmakokinetik

Tolperison Hydrochlorid wird nach oraler Gabe rasch und vollständig aus dem Dünndarm resorbiert.
Maximale Plasma Konzentrationen von Tolperison werden etwa 0,5 bis 1,0 Stunden nach Einnahme (nüchtern) erreicht. Aufgrund eines ausgeprägten First-Pass-Effekts beträgt die orale Bioverfügbarkeit nach Nüchterngabe beim Menschen ca. 17%.

Distribution
Tolperison hat ein relativ hohes Verteilungsvolumen (ca. 5 Liter/kg K.G.); die totale Plasma Clearance berträgt ca. 2 Liter/h/kg. Tolperison-Razemat wird zu ca. 95% an Plasmaproteine gebunden.
In Tierversuchen wurde eine relative Anreicherung von Tolperison im Bereich des Diencephalon, Pons und der Medulla oblongata sowie in den Hauptausscheidungsorganen Leber und Niere beobachtet.

Metabolismus
Tolperison wird in erheblichem Ausmass in der Leber metabolisiert, wobei der primäre Abbauprozess über die Oxidation der 4’-CHSeitenkette erfolgt. Die pharmakologische Aktivität der Metaboliten ist nicht bekannt.
In-vitro Studien haben gezeigt, dass Tolperison Hydrochlorid vorzugsweise durch das Isoenzym CYP 2D6 des Cytochroms P450 metabolisiert wird, und in geringem Ausmass durch das CYP 2C19, 2B6 und 1A2. Das CYP 3A4 ist nicht beteiligt.

Elimination
Tolperison und dessen Metabolite werden fast ausschliesslich über die Niere ausgeschieden. 98% der verabreichten Dosis finden sich innerhalb von 24 Stunden im Harn wieder. Intaktes Tolperison wird zu weniger als 0,1% ausgeschieden. Die Halbwertszeit von Tolperison beim Menschen nach oraler Verabreichung beträgt etwa 2–4 Stunden, wobei erhebliche individuelle Schwankungen beobachtet wurden.

Kinetik spezieller Patientengruppen
Es sind keine pharmakokinetischen Studien an Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz durchgeführt worden. Der ausgeprägte hepatische First-pass-Effekt kann jedoch bei Leberinsuffizienz theoretisch eine Erhöhung der im Blut vorhandenen Wirkstoffmenge zur Folge haben. Da die Elimination vorwiegend renal erfolgt, könnte eine Niereninsuffizienz eine Akkumulation der Metaboliten nach sich ziehen.
Da ein genetischer Polymorphismus für das Cytochrom CYP 2D6 existiert, kann bei den langsamen Metabolisierern mit (etwa 15% der Bevölkerung) einer Akkumulation der Muttersubstanz Tolperison und einer verminderten Bildung des hydroxylierten Metaboliten gerechnet werden.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung von Patienten mit Spastizität nach zerebrospinalen Schädigungen, wie Schlaganfall oder multipler Sklerose zur Unterstützung einer Rehabilitationsbehandlung.

Dosierung/Anwendung

Bei Erwachsenen im Allgemeinen dreimal täglich eine Filmtablette zu 150 mg (d.h. eine Tagesdosis von 450 mg).
In hartnäckigen Fällen kann die Dosierung auf 4 Filmtabletten zu 150 mg täglich angehoben werden (d.h. eine Tagesdosis von 600 mg).
Obgleich klinische Erfahrungen mit dem Einsatz von Tolperison Hydrochlorid vorliegen, insbesondere bei der Behandlung der infantilen Zerebralparese, gibt es keine systematischen klinischen Studien zur Dosisfindung bei Kindern. Kindern unter 15 Jahren sollte Tolperison Orion 150 mg daher nur nach strenger Indikationsstellung verabreicht werden. In früher beschriebenen Fällen wurden Dosen von 5 bis 10 mg/kg/Tag, auf mehrere Einzeldosen verteilt, verabreicht. Die Anfangsdosis wurde auf 5 mg/kg/Tag festgelegt.
Bei Anwendungen in der Geriatrie sind schwächere Dosierungen angezeigt. Dasselbe gilt für Patienten mit bekannter Leber- oder Niereninsuffizienz.
Die Dosierung ist beizubehalten, bis die therapeutische Wirkung erreicht ist. Danach können die einzelnen Dosen in grösseren Abständen verabreicht werden (zum Beispiel Aufteilung der Tagesdosis auf zwei Tage).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei der Verschreibung muss der Arzt bzw. die Ärztin den Patienten über das Risiko von Überempfindlichkeitsreaktionen informieren (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Symptome wie Unbehagen, begleitet von Dysästhesien oder einem Gefühl des Brennens an den Extremitäten, Hautausschläge, oder Atemnot, vor allem bei der ersten Einnahme im Laufe einer Behandlung (wenn der Patient das Präparat schon früher erhalten hat), stellen für den behandelnden Arzt Alarmzeichen dar. Die Behandlung ist dann sofort abzubrechen und auf die weitere Verabreichung des Mittels ist zu verzichten.
Durch die Pharmakovigilanz sind gelegentlich Fälle von Hypersensibilitätsreaktionen berichtet worden. In seltenen Fällen äusserten sich diese in Form eines angioneurotischen Ödems und vereinzelt als anaphylaktischer Schock.
Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion, muss die Behandlung mit Tolperison Orion 150 mg sofort und definitiv abgebrochen werden und eine geeignete Therapie muss eingeführt werden.
Nach Behandlung mit Tolperison wird 4-MMPPO gebildet. 4-MMPPO hat ein genotoxisches Potential. Präklinisch zeigte Tolperison in vivo in Mäusen und Ratten kein kanzerogenes Potential, obwohl 4-MMPPO im Plasma gemessen werden konnte.

Unerwünschte Wirkungen

Unerwünschte Wirkungen werden folgend nach Organklasse und Häufigkeit geordnet aufgeführt. Häufigkeiten werden folgendermassen definiert:
«Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (≥1/100, <1/10), «gelegentlich» (≥1/1’000, <1/100), «selten» (≥1/10’000, <1/1’000), «sehr selten» (<1/10’000) (umfasst auch einzelne Fälle).

Störungen des Nervensystems
Gelegentlich: Schwindel, Gleichgewichtsverlust, Tremor und Parästhesien.
Selten: Kopfschmerzen.

Funktionsstörungen des Herzens
Gelegentlich: Herzklopfen und Blutdruckabfall.

Durchblutungstörungen
Gelegentlich: Arterienhypotonie.

Gastrointestinale Störungen
Gelegentlich: Xerostomie, Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, abdominale Schmerzen und Blähungen.
Selten: Verstopfung und Pyrosis.

Funktionsstörungen der Haut
Gelegentlich: Schwitzen, Urtikaria und Erythem.

Allgemeine Störungen
Selten: Asthenie, Schläfrigkeit und Schmerzen.
Quincke-Ödemen (Angioödem), anaphylaktischer Schock.
Durch die Pharmakovigilanz sind gelegentlich Fälle von Hypersensibilitätsreaktionen berichtet worden. In seltenen Fällen äusserten sich diese in Form eines angioneurotischen Ödems und vereinzelt als anaphylaktischer Schock.
Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion, muss die Behandlung mit Tolperison Orion sofort und definitiv abgebrochen werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen») und eine geeignete Therapie muss eingeleitet werden.

Interaktionen

Auch wenn zu dieser Frage keine spezifischen Studien durchgeführt worden sind, sind bisher keine medikamentösen Interaktionen mit Benzodiazepinen, nichtsteroidalen Entzündungshemmern und Analgetika berichtet worden. Studien haben keine Interaktion bei der Einnahme von Alkohol aufgezeigt.
In-vitro Studien mit menschlichen Lebermikrosomen sowie auch mit rekombinierten Enzymen haben gezeigt, dass Tolperison Hydrochlorid vorzugsweise durch das Isoenzym CYP 2D6 des Cytochroms P450 metabolisiert wird, und in geringem Ausmass durch das CYP 2C19, 2B6 und 1A2. Das CYP 3A4 ist nicht beteiligt. Es ist nicht bekannt, ob der hydroxylierte, so entstehende Metabolit eine pharmakologische Aktivität besitzt.
Basierend auf diese experimentellen Erfahrungen ist eine pharmakokinetische Interaktion mit anderen Substraten des CYP 2D6 zu erwarten, wie den meisten Antidepressiva, gewissen Neuroleptika, Dextromethorphan, Ethylmorphin, Codein, Antiarrhythmika und gewissen Betablocker. Die klinische Bedeutung dieser Interaktionen ist jedoch noch nicht bekannt.

Überdosierung

Symptome: Allgemeine Schwäche, Koma.
Behandlung: Magenspülung, Überwachen der Vitalfunktionen, bei Bedarf Unterstützung von Atmung und Kreislauf. Es ist kein spezifisches Antidot bekannt.

Sonstige Hinweise

Nicht zutreffend.

Beeinflussung diagnostischer Methoden
Laut bisherigen Erfahrungen hat Tolperison Hydrochlorid keinen Einfluss auf die Ergebnisse von Laboruntersuchungen.

Haltbarkeit
Tolperison Orion kann bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise
Nicht über 25 °C lagern. Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Die Filmtabletten sind in der Originalverpackung aufzubewahren.

Zulassungsnummer

59461 (Swissmedic).

Stand der Information

Februar 2010.

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