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Fachinformation zu Stickoxydul medizinisch Messer:Messer Schweiz AG
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PackungenReg.InhaberStand d. Info. 

Zusammensetzung

Wirkstoff: Distickstoffmonoxid N2O Ph.Eur. 100% (verflüssigtes Gas unter 44 bar Druck bei 15oC).
Hilfsstoffe: keine

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Inhalationsgas
Bei 15oC enthalten die Gebinde 90% Flüssigkeit und 10% Gas (in Bezug auf das Volumen).
1,00 Liter Gas (1.013 mbar; 15°C) enthält als arzneilich wirksamen Bestandteil 1,00 Liter Distickstoffmonoxid (N2O, Stickoxydul med. Messer).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Stickoxydul ist indiziert:
als Anästhetikum, in Verbindung mit jedem anderen intravenös oder durch Inhalation verabreichten Anästhetikum;
als Analgetikum/Sedativum in allen Situationen, in denen eine schnell einsetzende und zu beendende Analgesie/Sedierung erforderlich ist.

Dosierung/Anwendung

Alle Personen, die medizinisches Stickoxydul verabreichen, müssen in der Anwendung dieses medizinischen Gases entsprechend geschult und geübt sein.
Bei der Verabreichung von medizinischem Stickoxydul müssen angemessene Geräte zur Freihaltung der Luftwege sowie zu sofortiger Reanimation bereitstehen.
Stickoxydul muss mit Sauerstoff gemischt verabreicht werden. Seine Konzentration muss zwischen 35% und 70% betragen. Die inspiratorische Sauerstoffkonzentration darf 30% nicht unterschreiten.
Dosierungen bei Kindern unterscheiden sich nicht von den Erwachsenen Dosierungen.
Bei Schwangeren Frauen muss die verabreichte Konzentration unter 50% liegen.
Bei Patienten mit gestörter alveolärer Sauerstoffaufnahme (z.B. Emphysem, Lungenödem) muss der inspiratorische Sauerstoffanteil erhöht werden.
Die Anwendungszeit richtet sich nach der Dauer der Narkose und sollte in der Regel 6 Stunden nicht überschreiten.
Stickoxydul darf nur im Operationssaal und im Behandlungszimmer verabreicht werden (Mischung Stickoxydul und medizinischer Sauerstoff 50% / 50% verwenden). Zur Vorschriftsgemässen Verwendung von Stickoxydul müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:
- eine Stickoxydul/Sauerstoff-Mischbatterie, die einen FiO2-Wert von
mindestens 21% garantiert, einen FiO2-Wert von 100% zulässt und mit
einer Rückschlagventilvorrichtung sowie einem Sauerstoffmangel-
Alarmsystem ausgerüstet ist;
ein Monitoring des FiO2-Wertes in der Inspirationsluft bei künstlicher
Beatmung.
Stickoxydul ist durch Inhalation, entweder bei spontaner Atmung oder durch kontrollierte Beatmung zu verabreichen.
Stickoxydul darf nur in ausreichend belüfteten Räumen und/oder unter Einsatz einer Absaugvorrichtung verabreicht werden. Zu hohe Konzentrationen in der Umgebungsluft gemäss den vor Ort geltenden Bestimmungen müssen dadurch vermieden werden.
Stickoxydul besitzt dosisabhängig analgetische und sedative Eigenschaften und beeinträchtigt dosisabhängig die kognitiven Funktionen.
Es wird in der Regel mit Volumenanteilen von 35% bis 75% in einem Gemisch mit Sauerstoff sowie gegebenenfalls kombiniert mit anderen Anästhetika eingesetzt.
Stickoxydul alleine reicht in der Regel nicht aus, um eine ausreichende Anästhesie zu erzeugen. Soll es zur Anästheise verwendet werden, ist es daher kombiniert mit einer angemessenen Dosis eines anderen Anästhetikums zu verabreichen.
Stickoxydul wirkt additiv zu den meisten anderen Anästhetika.
Die Wirkungen von Stickoxydul sind im Wesentlichen nicht altersabhängig. Die Wechselwirkung mit anderen Anästhetika ist jedoch je nach Alter unterschiedlich und bei höherem Lebensalter relativ särker ausgeprägt.
Stickoxydul darf nicht mit höheren Konzentrationen als 70% bis 75% und somit garantiertem sicherem Sauerstoffanteil verabreicht werden. Bei Patienten mit beeinträchtigter Sauerstoffversorgung ist ein sicherer Sauerstoffanteil zu verabreichen. Stickoxydul führt bei eingeatmeten Konzentrationen bis zu 50% bis 60% zu Analgesie/Sedierung/Anxiolyse, beeinträchtigt jedoch in der Regel weder das Bewusstsein noch die Ansprechbarkeit. Bei diesen Konzentrationen bleiben Atmung, Kreislauf und Schutzreflexe in der Regel sicher erhalten.

Kontraindikationen

Stickoxydul darf nicht verabreicht werden;
bei Patienten mit folgenden Erkrankungen/Symtomen: Pneumothorax, Gaseembolie, nach Tauchgängen und wenn die Gefahr einer Dekompressionskrankheit besteht, in Verbindung mit einer Pneumoenzephalographie, nach einem kardiopulmonalen Bypass, mit Herz-Lunge-Maschine oder bei einem ernsten Schädeltrauma, da sich Luftblasen (Emboli)/luft-gefüllte Räume aufgrund des Stickoxyduls ausdehnen können;
bei Patienten, die eine intraokuläre Gasinjektion (z.B. SF6, C3F8) erhalten haben, da die Gefahr einer weiteren Ausdehnung der Gasblase besteht, die zur Erblindung führen kann;
bei Patienten mit Anzeichen eines Darmverschlusses (lleus), da die Gefahr einer weiteren Ausdehnung des Darms besteht;
bei Patienten mit Herzversagen oder ernsten Funktionsstörungen des Herzens (z.B. nach einer Herzoperation), da hier die leicht kardiodepressive Wirkung von Stickoxydul zu einer weiteren Verschlechterung der Herzfunktion führen kann;
bei Patienten, die dauerhaft Zeichen von Verwirrung, Abweichungen der kognitiven Funktion oder andere Anzeichen zeigen, die auf erhöhten Schädelinnendruck zurückzuführen sein könnten, da Stickoxydul den Schädelinnendruck noch weiter verstärken kann;
bei Patienten mit eingeschränktem Bewusstsein und/oder verringerter
Fähigkeit zur Kooperation beim Einsatz als Analgetikum, da Schutz-
reflexe fehlen könnten;
bei Patienten, die eine Beatmung mit reinem Sauerstoff benötigen;
bei einer Verabreichungsdauer von mehr als 24 Stunden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die Verabreichung von Stickoxydul kann den Druck in den kleinen Ballonen der trachealen Intubationskatheter erhöhen.
Die Einführung von Stickoxydul in den Kreislauf der Inspirationsluft bewirkt eine Erhöhung der Konzentration der halogenierten Anästhetika (Second-Gas-Effect) und erleichtert somit die Einleitung der Anästhesie.
Die Einführung von Stickoxydul in den Kreislauf verringert die Verdampfungsrate der halogenierten Anästhetika durch den Verdampfer. Entsprechend steigt beim Abbrechen der Stickoxydulzufuhr die Konzentration der halogenierten Anästhetika. Es empfiehlt sich deshalb, erst die Verabreichung des flüchtigen halogenierten Anästhetikums und danach die Stickoxydul Einführung zu unterbrechen.
In den Minuten nach dem Abbrechen der Stickoxydulzufuhr tritt eine Diffusionshypoxie ein. Aus diesem Grund ist der FiO2-Wert in der vom Patienten inhalierten Luft während dieses Zeitraums zu erhöhen.
Tritt während einer Anästhesie mit einem Gerät mit Stickoxydul/Sauerstoff-Versorgung eine Zyanose auf, muss in einem ersten Schritt zwingend die Stickoxydulzufuhr unterbrochen und, falls die Zyanose nicht sehr schnell abklingt, der Patient mit einem Beatmungsbeutel mit Raumluft von Hand beatmet werden.
Stickoxydul beeinträchtigt den Vitamin B12- und Folatmetabolismus. Die Anwendung von Stickoxydul führt zur Inaktivierung des Vitamin B12, was den Folatstoffwechsel beeinträchtigt. Längere Verabreichung von Stickoxydul beeinträchtigt die DNA-Synthese. Diese Störungen führen zu megaloblastischen Veränderungen des Knochenmarks und möglicherweise zu Myeloneuropathie und subakuter kombinierter Degeneration des Rückenmarks.
Stickoxydul darf aufgrund der möglichen Auswirkungen auf die Vitamin B12-Methioninsynthetase nicht über längere Zeiträume hinweg verabreicht werden. Hierzu zählt etwa die Sedierung auf der Intensivstation. Bei längerem Einsatz über sechs Stunden müssen die potenziellen Wirkungen auf die Vitamin B12-Methioninsynthetase berücksichtigt werden.
Medizinisches Stickoxydul darf bei Patienten, die eine intraokuläre Injektion erhalten haben, nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Es ist sicherzustellen, dass diese ausreichend lange zurückliegt, da die Gefahr besteht, dass Sehstörungen auftreten.
Bei chirurgischen Eingriffen in den Luftwegen mithilfe eines Lasers darf Stickoxydul aufgrund des relativen Risikos explosiver Entzündungen nicht eingesetzt werden.
In folgenden Fällen ist bei der Verwendung von Stickoxydul besondere Vorsicht geboten:
- Herzinsuffizienz: Tritt bei der Stickoxydul-Verabreichung an einen Herz-
insuffizienten Patienten eine Hypotonie oder eine Kreislaufinsuffizienz auf,
ist die Stickoxydulzufuhr zu unterbrechen.
- Sinus- und Innenohrchirurgie.
Es ist dafür zu sorgen, dass die Stickoxydulkonzentration im Arbeitsbereich so gering wie möglich und im Rahmen der vor Ort geltenden Bestimmungen bleibt.
Bei Personen, die dauerhaft geringen Konzentrationen Stickoxydul ausgesetzt sind, ist eine gesundheitliche Gefährdung nicht völlig auszuschliessen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann kein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen dauerhaft niedrigen Konzentrationen von Stickoxydul in der Atemluft und einer Gesundheitsgefährdung hergestellt werden. Es ist jedoch auch nicht möglich, einen Zusammenhang zwischen dauerhaft niedrigen Konzentrationen von Stickoxydul in der Atemluft und der Entwicklung bösartiger oder anderer chronischer Erkrankungen, eingeschränkter Fruchtbarkeit, spontanem Abort und/oder Fehlbildungen völlig auszuschliessen. Es gibt zur Zeit keine absolut sicheren Grenzwerte für zulässige Dauerkonzentrationen von Stickoxydul in der Atemluft, unterhalb derer eine potenzielle Gesundheitsgefährdung sicher ausgeschlossen werden kann.
Zur Zeit lässt sich kein klarer Kausalzusammenhang zwischen Stickoxydul und den Fällen verminderter Fruchtbarkeit dokumentieren, von denen bei medizinischem Personal und Sanitätern berichtet wurde, die dem Gas wiederholt in nicht richtig belüfteten Räumen ausgesetzt waren. Die Räume, in denen Stickoxydul häufig eingesetzt wird, müssen ein ordnungsgemässes System für Lufterneuerung und Belüftung oder Absaugsystem besitzen, das die Stickoxydulkonzentration in der Umgebungsluft unterhalb der jeweiligen nationalen Richtlinien hält (zeitbezogene Durchschnittskonzentration, „Time Weighted Average“ TWA).
Stickoxydul muss in dafür angepassten Räumen verabreicht werden, die eine Sauerstoffversorgung und eine Absaugung besitzen und in denen Apparate für die künstliche Beatmung bereitstehen. Es müssen Mitarbeiter anwesend sein, die in Notfallmassnahmen geschult sind.
Es besteht ein Abususpotential.
Medizinisches Stickoxydul kann in hohen Konzentrationen (>50%) zum Verlust der laryngealen Reflexe und zu Bewusstseinseinschränkungen führen. Bei Konzentrationen über 60 bis 70% führt es oft zu Bewusstlosigkeit. Zudem steigt das Risiko der Beeinträchtigung der laryngealen Reflexe.
Nach einer Allgemeinanästhesie durch einen hohen Anteil Stickoxydul besteht das klinisch gut bekannte Risiko einer Hypoxämie (Diffusionshypoxämie). Dieses Problem ist neben der Gaszusammensetzung in den Alveolen auch auf die beeinträchtigten Körperreaktionen auf Hypoxie, Hyperkapnie und Hyperventilation zurückzuführen. Nach einer Allgemeinanästhesie empfiehlt es sich, zusätzlich Sauerstoff zu geben und pulsoximetrisch die Sauerstoffsättigung zu überwachen, bis der Patient ausreichende Zeichen einer Erholung zeigt.
Stickoxydul führt zu einer Erhöhung des Mittelohrdrucks.

Interaktionen

Stickoxydul verstärkt die hypnotischen Wirkungen intravenös oder per Inhalation verabreichter Anästhetika (Thiopental, Benzodiazepine, morphinhaltige, halogenisierte Anästhetika), so dass deren Dosierung reduziert werden kann.
Die myokardiale Kontraktilität kann bei einer Kombination von Stickoxydul mit Opiaten negativ beeinflusst werden.
Naloxon schwächt die analgetische Wirkung von Stickoxydul ab.
Stickoxydul verstärkt unerwünschte Wirkungen von Methotrexat.
Bei einer Kombination von Stickoxydul mit anderen Inhalationsanästhetika kommt es zu einer erhöhten Aufnahme der anderen Gase (Second-Gas-Effect).
Stickoxydul erniedrigt die MAC-Werte anderer Inhalationsanästhetika.
Bei einer Interaktion zwischen Stickoxydul und unvollständig resorbiertem ophthalmologischem Gas (SF6, C3F8, C2F6) kann eine schwerwiegende postoperative Komplikation bei steigendem intraokulären Augendruck auftreten.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft
Auch wenn bisherige Erfahrungen mit einer therapeutischen Anwendung von Stickoxydul in Kombination mit anderen Wirkstoffen bei Schwangeren kein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Missbildungen gezeigt haben, sollte Stickoxydul im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel nicht und im letzten Schwangerschaftsdrittel nur nach sorgfälltiger Nutzen/Risiko-Abwägung durch einen Arzt angewendet werden.
In Tierversuchen wurden nach Gabe von Stickoxydul Knochen- und Organmissbildungen, Wachstumsretardierungen sowie embryo- und fetoletale Effekte beobachtet.
Stickoxydul ist plazentagängig und die Narkosetiefe des ungeborenen Kindes entspricht der der Mutter. Bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Stickoxydul erhielten, sollte in den ersten Lebensjahren auf neurologische Entwicklungsstörungen geachtet werden.
Bei einem Einsatz von Stickoxydul in der Geburtshilfe ist bei Neugeborenen auf hypoxische Zustände zu achten. Bei Frühgeborenen kann das Auftreten von Hirnblutungen durch Stickoxydul zusätzlich erhöht sein. Diese Kinder sind daher besonders sorgfälltig zu überwachen.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, in welchem Umfang Stickoxydul in die Muttemilch übertritt. Daher sollte nach einer Stickoxydul-Exposition das Stillen erst nach sorgfälltiger Nutzen/Risiko-Abwägung wieder aufgenommen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Nach einer Narkose mit Stickoxydul darf der Patient nicht aktiv am Strassenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen; über den Zeitfaktor hat der Arzt individuell zu entscheiden. Der Patient sollte sich nur in Begleitung nach Hause begeben und keinen Alkohol zu sich nehmen.

Unerwünschte Wirkungen

Herz- und Gefässerkrankungen
Obwohl nur eine geringe Wirkung auf den Kreislauf zu erwarten ist, kann es zur Senkung des Blutdrucks, zur Abnahme des Schlagvolumens und zur Steigerung des pulmonalvaskulären Wiederstandes kommen. Stickoxydul kann zu einer Dilatation der Hirngefässe mit nachfolgender Steigerung des intrakraniellen Druckes führen.
Stoffwechselerkrankungen
Über das Auftreten einer malignen Hyperthermie unter Stickoxydul ist sehr selten (<1/10'000 Fällen) berichtet worden. Stickoxydul kann Vitamin B12 inaktivieren und dadurch die DNA-Synthese beeinträchtigen. Bei langer Anwendungsdauer besteht die Gefahr der Knochenmarksdepression und peripherer Neuropathien.
Erkrankung des Gastrointestinaltrakts
Übelkeit und Erbrechen können auftreten.
Psychiatrische Erkrankungen
Euphorien, Träume und Phantasien werden beschrieben.

Überdosierung

Als Symptome einer Überdosierung können Hypoxie, Kreislaufdepression, Agitation oder Somnolenz bis Bewusstlosigkeit auftreten. Der Patient ist mit reinem Sauerstoff kontrolliert zu beatmen, gegebenenfalls sind kreislaufunterstützende Massnahmen erforderlich. Ein spezielles Antidot existiert nicht.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: NO1AX13
Stickoxydul ist ein farbloses Gas mit schwach süsslichem Geruch, das brandfördernd wirkt und schwerer ist als Luft.
Pharmakodynamik
Stickoxydul hat eine dosisabhängige dämpfende Wirkung auf das Zentralnervensystem.
Es wirkt schwach anästhetisch, so dass es für die Anästhesie in Kombination mit anderen flüchtigen oder intravenös verabreichten Anästhetika verwendet werden muss. Aufgrund seiner geringen Löslichkeit in Blut und Fett weist es einen schwachen anästhetischen Effekt, einen raschen Wirkungseintritt sowie eine rasche Eliminierung beim Abbrechen der Verabreichung auf.
Seine analgetische Wirkung tritt bereits bei geringer Dosis auf (tiefe Konzentration). Sie beruht auf der Heraufsetzung der Schmerzschwelle. Es dämpft die synaptische Übermittlung der nozizeptiven Botschaften und aktiviert das sympathische Nervensystem, dessen noradrenergen Neuronen bei der Schmerzempfindung eine Rolle spielen.
Es wikrt gering amnestisch. Seine muskelentspannende Wirkung ist sehr schwach.
Auf Ebene der Atmung wird eine Erhöhung des Rhythmus mit Abnahme des Atemzugvolumens ohne Hyperkapnie beobachtet.
Auf Ebene des Herzens wird eine Myokarddepression beobachtet, die es bei Linksherzinsuffizienz zu berücksichtigen gilt. Es tritt eine mässige Herabsetzung der Kontaktillität auf, mit geringem Effekt auf die Linksherzbelastung. Die mässige Kreislaufdämpfung wird durch die Erhöhung des sympathischen Tonus grösstenteils kompensiert.
Die Wirkung von Stickoxydul auf die Wahrnehmung und die kognitiven Funktionen setzt bei etwa 15 Volumen-% ein und ist klar von der Dosierung abhängig. Bei Konzentrationen über 60 bis 70 Volumen-% ist der Patient nicht mehr ansprechbar. Bei endexpiratorischen Konzentrationen von etwa 20 Volumen-% zeigen sich dosisabhängige analgetische Eigenschaften.
Es gibt deutliche Hinweise, dass sich Stickoxydul direkt oder indirekt auf eine Reihe von Neurotransmittersystemen des Gehirns und Rückenmarks auswirkt. Einer der zentralen Wirkungsmechanismen könnte die Intraktion mit den endogenen Opioid-Rezeptorsystemen des Zentralnervensystems sein. Darüber hinaus gibt es Erkenntnisse, die die Theorie stützen, dass Stickoxydul die Freisetzung von Norepinephrin auf Ebene des Dorsalhoms des Rückenmarks fördert und einige seiner anti-anxiozeptiven Wirkungen durch spinale Inhibition entstehen. Obwohl also der Wirkungsmechanismus von Stickoxydul noch nicht vollständig geklärt ist, gibt es immer deutlichere Hinweise auf eine Wechselwirkung mit einer Reihe von Neurotransmittern.

Pharmakokinetik

Stickoxydul wird schnell über die Lunge resorbiert. Aufgrund seiner hohen Diffusion und geringen Löslichkeit erreicht die alveoläre Konzentration in weniger als 5 Minuten annähernd die inhalierte Konzentration.
Seine Verteilung erfolgt einzig in gelöster Form im Blut. In den stark durchbluteten Geweben, insbesondere im Gehirn, entspricht die Konzentration in weniger als 5 Minuten annähernd der inhalierten Konzentration.
Es erfährt keine Metabolisierung und wird beim normal belüftetem Patienten innert weniger Minuten über die Lunge eliminiert.

Präklinische Daten

Bisherige in-vitro-Tests mit Stickoxydul zur genetischen Toxikologie zeigen positive und negative Befunde, in-vivo-Tierstudien dagegen verliefen negativ.
Eine 78-Wochen-Studie an Mäusen zur Kanzerogenität von Stickoxydul verlief negativ.
Bei Ratten führte eine Studie die kombinierte Gabe von Stickoxydul und Ketamin über 3 Stunden zu einer histologische nachgewiesenen, weit erhöhten Neurotoxität als die Gabe der jeweiligen Stoffe allein.
In einer Fertillitätsstudie an männlichen Ratten zeigen sämtliche Tiere unter Begasung mit 20% Stickoxydul nach 14 Tagen reversible Spermatogeneseschädigungen.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit „Exp.“ bezeichnetem Datum verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Im Originalbehältnis aufbewahren. Das Behältnis fest verschlossen halten. Vor Sonneneinstrahlung und Wärmeeinwirkung schützen. Nur an einem gut belüfteten Ort und nicht über 30oC lagern. Ungewolltes Ausströmen von Stickoxydul in geschlossenen Räumen erhöht die Brandgefahr, es gilt Rauch- und Feuerverbot, mögliche Zündquellen sind zu beseitigen. Stickoxydul ist schwerer als Luft; bei hoher Konzentration besteht Erstickungsgefahr.
Druckbehältnis gegen Umfallen sichern. Nicht in Treppenhäusern, Fluren, Durchgängen und Aufenthalts- bzw. Verbrauchsräumen lagern.
Hinweis für die Handhabung
Um Zwischenfälle zu vermeiden, sind folgende Anweisungen zwingend zu befolgen:
Die Gebinde stets aufrechtstehend aufbewahren, um das Risiko von Flüssigkeitsspritzern zu vermeiden, die schwere Verbrennungen (Kaltverbrennungen) verursachen. Bei einer Verbrennung mit viel Wasser spülen.
Das Material ist vor dem Gebrauch auf seinen einwandfreien Zustand zu prüfen.
Es gilt zu beachten, dass der Gasdruck in den Flaschen, unabhängig vom Pegel der verbleibenden Flüssigkeit konstant bleibt (44 bar bei 15oC) und somit keinen Rückschluss auf die verbleibende Menge erlaubt. Erst wenn die Flasche nur noch Gas enthält, fällt der Druck rasch ab. Deshalb kann während des Gebrauchs einzig das Gewicht der Flasche Rückschlüsse auf den verbleibenden Inhalt zulassen.
Kein Gebinde handhaben, dessen Ventil nicht durch eine Schutzkappe oder eine Hülle geschützt ist.
Das Material mit sauberen, fettfreien Händen handhaben.
Zum Handhaben der Gebinde von 50 Liter und mehr, saubere Arbeitshandschuhe und Sicherheitsschuhe tragen.
Grössere Gasflaschen müssen mit einem geeigneten Wagen transportiert werden. Insbesondere ist darauf zu achten, dass sich keine angeschlossenen Geräte versehentlich lösen.
Die Gebinde mit geeignetem Material befestigen (Ketten, Haken oder ähnliches), um sie in aufrechter Position zu halten und vor dem Umfallen zu schützen.
Ein Gebinde niemals in eine Halterung zwängen, in die es nur schwer hineinpasst.
Das Gebinde nicht am Ventil heben.
Einen spezifischen Anschluss vom Typ „G 3/8“ rechts verwenden, welcher der Norm SN 219505-9 entspricht.
Einen Druckminderer mit Durchflussmesser verwenden, der einen Druck von mindestens 1,5-mal den maximalen Betriebsdruck der Flasche zulässt.
Bei den Flaschenbündeln nur Druckminderer verwenden, die mindestens auf 315 bar geeicht sind.
An den Wandanschlüssen Schläuche verwenden, die mit spezifischen Aufsätzen für Stickoxydul medizinal ausgerüstet sind.
Keine Verbindungsstücke verwenden, um zwei Vorrichtungen zu verbinden, die nicht zusammenpassen.
Ventil langsam öffnen.
Ventil niemals gewaltsam und nicht bis zum Anschlag öffnen.
Ausgangsanschluss der Gebinde vor dem Anschliessen des Druckminderers reinigen, um etwaige Staubartikel zu entfernen. Die Schnittstellen zwischen dem Gebinde und dem Druckminderer sauber halten.
Druckminderer niemals mehrmals nacheinander unter Druck setzen.
Sich niemals vor das Ventil stellen, sondern sich immer auf der dem Druckminderer entgegengesetzten Seite, hinter dem Gebinde und mit etwas Abstand dazu positionieren. Den Patienten niemals dem Gasfluss aussetzen.
Vorgängig die Kompatibilität der Materialien prüfen, die in Kontakt mit dem medizinischem Stickoxydul kommen, insbesondere am Druckminderer Anschlussdichtungen verwenden, die für dieses Gas vorgesehen sind.
Den Zustand der Dichtungen prüfen.
Nicht rauchen.
Keine Flamme in die Nähe bringen.
Nicht fetten.
Insbesondere:
a) Dieses Gas niemals in ein Gerät einführen, das feuergefährliche Stoffe,
insbesondere Fett, enthalten könnte.
b) Die Produkte, die dieses Gas enthalten, Ventile, Verbindungsstücke,
Leitungen niemals mit brennbaren Mitteln, fetthaltigen Stoffen reinigen.
Keine fetthaltigen Stoffe (Vaseline, Salben etc.) auf das Gesicht des Patienten auftragen.
Weder am Material noch in dessen Nähe, Vorrichtungen verwenden, die Aerosol (Lack, Deodorant etc.) oder Lösungsmittel (Alkohol, Benzin) freisetzen.
Gebindeventil nach dem Gebrauch schliessen, Druck des Druckminderers durch Offenhalten des Druchflussmessers abfallen lassen, Durchflussmesser schliessen und danach die Verstellschraube des Druckminderers lösen (nicht bei integrierten Druckminderern).
Ein defektes Ventil nicht zu reparieren versuchen.
Unter Druck stehendes Gas nicht von einer Flasche in eine andere umfüllen.
Druckminderer/Durchflussmesser nicht mit Hilfe einer Zange anziehen, um eine Beschädigung der Dichtung zu vermeiden.
Im Falle des Entweichens von Gas, undichtes Ventil schliessen. Raum gut lüften und evakuieren. Niemals ein undichtes Gebinde verwenden und die Einleitung der Notfallmassnahmen kontrollieren.
Bei starker Öffnung des Ventils mit Bildung von Reif am Druckminderer, das Gebinde nicht verwenden und es an den Verkaufspunkt zurückbringen.
Bei tiefen Raumtemperaturen oder wenn ein intensiver Gebrauch eine Abkühlung des Gebindes bewirkt, kann der Durchfluss aufgrund eines ungenügenden Drucks im Gebinde sinken oder ausbleiben.
Gebinde mit Stickoxydul medizinal nicht bei Temperaturen von unter 0oC verwenden, um Druckabfälle bei intensivem Gebrauch zu vermeiden.
Das Ventil der Gasflasche muss geschlossen werden, solange sich noch eine Restmenge Gas in der Flasche befindet (ca. 2 bar). Dieser kleine Restdruck muss unbedingt in der Gasflasche verbleiben, um sie vor Verunreinigungen zu schützen oder um eine Korrosion durch Feuchtigkeit zu verhindern.
Stickoxydul niemals für Dichtigkeitstest, für die Versorgung von pneumatischen Anlagen oder für das Durchblasen von Rohren verwenden.
Der Grenzwert für die mittlere Expositionszeit (während 8 Stunden/Tag) für die Exposition des Personals mit Stickoxydul ist auf 100 ppm festgesetzt worden.
Den Verwendungsort systematisch lüften. Die ausgeatmeten Gase evakuieren und die Orte wo sie sich ansammeln können, meiden. Es ist ratsam, sich vor jedem Gebrauch von der Möglichkeit zu versichern, die Gase im Falle eines Unfalls oder eines Lecks zu evakuieren.

Zulassungsnummer

61645 (Swissmedic)

Packungen

Stickoxydul medizinisch Messer ist erhältlich in;
Druckgasflasche 4 Ltr. mit einem Inhalt von 2,8 Kg = 1,51 m3 (N2O) / B
Druckgasflasche 10 Ltr. mit einem Inhalt von 7,50 Kg = 4,05 m3 (N2O) / B
Druckgasflasche 40 Ltr. mit einem Inhalt von 30 Kg = 16.24 m3 (N2O) / B
Bündel-Druckgasflasche 480 Ltr. mit einem Inhalt von 360 Kg = 194,8 m3 (N2O) / B
Bündel-Druckgasflasche 600 Ltr. mit einem Inhalt von 450 Kg = 243,5 m3 (N2O) / B

Zulassungsinhaberin

Messer Schweiz AG
Seonerstrasse 75
5600 Lenzburg

Stand der Information

Mai 2011

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