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Fachinformation zu Lysthenon®:Nycomed Pharma AG
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Kurzwirkendes depolarisierendesperipheres Muskelrelaxans 

Zusammensetzung

Wirkstoff: Suxamethonii chloridum.

1 Ampulle 2% zu 5 ml enthält:
100 mg Suxamethonii chloridum anhydr. entspr. 110 mg Suxamethonii chloridum dihydr.

Hilfsstoffe: Natrii chloridum, Aqua ad iniect. ad 5 ml.

1 Ampulle 5% zu 2 ml enthält:
100 mg Suxamethonii chloridum anhydr. entspr. 110 mg Suxamethonii chloridum dihydr.

Hilfsstoffe: Aqua ad iniect. ad 2 ml.

1 Einstichflasche enthält:
500 mg Suxamethonii chloridum anhydr. entspr. 550 mg Suxamethonii chloridum dihydr. als lyophilisierte Trockensubstanz.
Durch Auffüllen der Flasche mit 25 ml Aqua ad iniect. erhält man eine 2%ige Lösung.

Eigenschaften/Wirkungen

Lysthenon bewirkt eine periphere Lähmung der quergestreiften Muskulatur, die nach i.v. Injektion von 0,5-1 mg/kg KG binnen einer Minute eintritt, etwa 2 Minuten anhält und binnen 8-10 Minuten abklingt. Die Lähmung tritt in folgender Reihenfolge ein: Lidmuskeln, Kaumuskeln, ­Extremitäten-, Bauch-, Glottis-, Interkostalmuskeln, Zwerchfell.
Lysthenon ist ein Cholinderivat (Succinylcholinchlorid oder Succinylbischolin), das wesentlich geringere muskarinartige Wirkungen als Acetylcholin besitzt. Wie dieses bewirkt es eine Depolarisation der Muskelzellmembran (initiale Muskelfaszikulationen). Es wird nicht durch die Acetylcholinesterase des Gewebes, sondern durch die Serumcholinesterase inaktiviert. Daher bleibt die Depolarisation und somit die Unerregbarkeit gegen Nervenimpulse so lange bestehen, bis Lysthenon infolge Abfalls seiner Serumkonzentration aus dem Gewebe abdiffundiert.
Durch i.v. Dauerinfusion oder wiederholte Injektion (fraktionierte Verabreichung) kann eine Dauerrelaxation erzielt werden, deren Stärke den Erfordernissen der Operation rasch angepasst werden kann.

Pharmakokinetik

Lysthenon wird wie andere quarternäre Ammoniumverbindungen sehr schlecht und in wechselndem Ausmass vom Magen-Darm-Trakt resorbiert.
Nach intravenöser Applikation werden erste Wirkungen schon nach 30 Sekunden beobachtet. Die Wirkungsdauer beträgt etwa 2 Minuten; nach ca. 8-10 Minuten ist mit einem völligen Abklingen der Wirkung zu rechnen. Durch diesen raschen Wirkungseintritt und die kurze Wirkdauer unterscheidet sich Lysthenon von Muskelrelaxantien des Curaretyps.
Lysthenon, ein Bischolinester der Bernsteinsäure, wirkt nach üblichen Dosen nur etwa 10 Minuten, da die Substanz durch unspezifische Cholinesterasen rasch zu Succinylmonocholin abgebaut - das etwa 10mal schwächer relaxierend wirkt - und weiter zu Cholin und Bernsteinsäure hydrolysiert wird. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 1-2 Minuten; t ½  wird durch Niereninsuffizienz nicht, jedoch durch Leberfunktionsstörungen verlängert. Die Eiweissbindung beträgt 30%; die Plazentadurchgängigkeit ist gering; die Blut-Hirn-Schranke wird nicht passiert.
Suxamethonium hat im Vergleich zu anderen peripheren Muskelrelaxantien den raschesten Wirkungseintritt.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Kurzzeitige Muskelrelaxation zur Intubation vor operativen Eingriffen, auch in der Geburtshilfe. Zur Dauerrelaxation bei kurzen Eingriffen, die eine gut steuerbare Relaxation erfordern. Ferner zur Erleichterung der Reposition von Frakturen und Luxationen, zur Mitigierung der Krämpfe bei Elektroschockbehandlung.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung hängt vom Körpergewicht ab. Dosen von etwa 0,1 mg/kg KG haben eine Entspannung der Skelettmuskulatur im allgemeinen ohne nennenswerte Beeinflussung der Atemtätigkeit zur Folge. Dosen von 0,2 bis 1,0 mg/kg KG führen zur vollständigen Erschlaffung der Bauchdecke und der Skelettmuskulatur sowie zu weitgehender Einschränkung bzw. komplettem Stillstand der Spontanatmung.

Übliche Dosierung

Reposition von Frakturen usw.: 0,1-0,2 mg/kg i.v.

Elektroschock: 0,1-1,0 mg (Teil- bzw. Vollmitigierung).

Kurzrelaxation, z.B. Intubation: 0,5-1 mg/kg i.v. Wenn i.v. Verabreichung nicht möglich ist, i.m. 1-2 mg/kg, maximal 150 mg.

Kinderdosen: Bei Kindern nur in besonderen Notfällen anwenden - siehe «Vorsichtsmassnahmen» (Kinder/Jugendliche). 1 mg/kg i.v., Kleinkinder 1,5 mg/kg i.v. oder bis zu 2,5 mg i.m. (bei Säuglingen unter 1 Monat ist mit individuellen Schwankungen in der Wirksamkeit zu rechnen).

Dauerrelaxation: 2-4 mg/min als i.v. Infusion relaxieren die Skelett- und Bauchmuskulatur, 4-8 mg/min auch das Zwerchfell.
Verabreichung in 0,1-0,2%iger Konzentration mit isotoner Kochsalz- oder Dextroselösung.

Fraktionierte Verabreichung: Einleitung mit 20-80 mg i.v.
Nachinjektionen von 3-5 mg i.v. nach Bedarf.

Spezielle Dosierungsanweisungen
Eine verlängerte Wirkung ist häufig bei: Ileus, Herzinsuffizienz, Malignomen, vor allem Bronchus-CA, Anämie, chronischen Entzündungen, Kachexie, Dehydratation unter der Wirkung von Zytostatika und ophthalmologischen u.a. Cholinesterasehemmern.
Weitere Anweisungen siehe «Interaktionen».
Die verwendeten Dosen müssen entsprechend angepasst werden.

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Lysthenon ist kontraindiziert bei Patienten, die auf Grund morphologischer und funktioneller Defekte nicht künstlich beatmet werden können; Patienten, bei denen eine maligne Hyperthermie oder Disposition dazu aus der Vorgeschichte (persönliche oder Familienanamnese) bekannt ist; Überempfindlichkeit gegen Succinylcholin; Hyperkaliämie durch terminale Niereninsuffizienz; Verbrennungskrankheit, Polytrauma (nach Polytrauma, Verbrennungskrankheit kann Succinylcholin auch bei wenig erhöhten Ausgangswerten zu einem massiven Anstieg des Serumkaliums führen); neuromuskulären Erkrankungen (Querschnittslähmung, Myotonie, Poliomyelitis, Apoplexie); schweren Infektionen (Sepsis); Lungenödem; signifikant verminderter Pseudocholinesteraseaktivität (z.B. bei Hepatopathie); Engwinkelglaukom; offenen Verletzungen des Auges.

Vorsichtsmassnahmen
Kinder/Jugendliche:
Nach Anwendung von Suxamethoniumchlorid sind Fälle von nicht behebbarem Herzstillstand bei Kindern und Jugendlichen bekannt geworden.
Bei diesen lagen zum Teil bis dahin nicht erkannte neuromuskuläre Erkrankungen vor. Wegen der Schwere der Nebenwirkungen wird empfohlen, die Anwendung von Suxamethoniumchlorid auch bei augenscheinlich gesunden Kindern und Jugendlichen auf Situationen zu beschränken, in denen eine sofortige Intubation oder ein Freihalten der Atemwege in Notfallsituationen erforderlich ist.

Relative Einschränkungen: Herzerkrankungen, Phäochromozytom, paroxysmale idiopathische Myoglobinurie, respiratorische Insuffizienz, Exposition gegenüber Phosphorsäureester.

Vigilität, Reaktionsbereitschaft: Nach der Gabe von Lysthenon im Rahmen einer Allgemeinanästhesie dürfen die Patienten 24 Stunden nicht aktiv am Strassenverkehr teilnehmen und keine Maschinen bedienen. Diese Warnung bezieht sich eher auf die gleichzeitig verwendeten Narkosemittel als auf das Muskelrelaxans.

Schwangerschaft/Stillzeit
Schwangerschaftskategorie C. Es sind weder kontrollierte Studien bei Tieren noch bei schwangeren Frauen verfügbar. Unter diesen Umständen soll das Medikament nur verabreicht werden, wenn der potentielle Nutzen das fetale Risiko übersteigt.
Die Plazenta bildet zwar keine absolute Barriere gegenüber Muskelrelaxantien, doch finden sich bei Verwendung klinischer Dosen bei Neugeborenen kaum wirksame Mengen im Blut. Nur nach hoher Dosisgabe an die Mutter (ab 2-3 mg/kg KG) ist trotz geringer diaplazentarer Passage eine Relaxierung des Fetus bzw. Neugeborenen möglich.
Da weitere Daten über die Anwendung in der Schwangerschaft fehlen, sollte unter diesen Umständen das Medikament nur verabreicht werden, wenn der potentielle Nutzen das fetale Risiko übersteigt.
Der rasche Abbau der Wirksubstanz macht einen Übergang in die Muttermilch in nennenswerten Mengen unwahrscheinlich; gezielte Daten liegen nicht vor.

Unerwünschte Wirkungen

Lysthenon bewirkt einen Depolarisationsblock mit initialen Kontraktionen, die häufig als Muskelfaszikulationen sichtbar sind. In seltenen Fällen kann der Depolarisationsblock in einen langanhaltenden curareformen Block übergehen, wenn Lysthenon fraktioniert über längere Zeit mit einer Gesamtdosis über 3-5 mg/kg KG gegeben wird (Dualblock).
Häufig werden durch Muskelfaszikulationen postoperative Muskelschmerzen hervorgerufen.
Durch Histaminfreisetzung kann es zu Urticaria, Broncho- und Laryngospasmen sowie Ödemen kommen.
Tachykardie oder Bradykardie, Arrhythmien, Blutdrucksenkung oder -anstieg verschiedener Schweregrade, gesteigerter Speichelfluss, Myoglobinurie sowie Zunahme des intraokulären und intrakraniellen Druckes werden in Abhängigkeit von Dosis und individueller Ausgangslage gelegentlich bis häufig beobachtet.
In seltenen Fällen wird Erbrechen beobachtet, hervorgerufen durch die mögliche Erhöhung des Mageninnendruckes infolge starker abdomineller Muskelfaszikulationen und Erschlaffung des Ösophagussphinkters. Ebenso kann Lysthenon in seltenen Fällen eine maligne Hyperthermie induzieren. Das Risiko steigt bei gleichzeitiger Anwendung mit Inhalationsnarkotika vom halogenierten Kohlenwasserstofftyp.
In Einzelfällen kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Lysthenon und damit verbunden zum Auftreten eines anaphylaktischen Schocks kommen.
Periphere Muskelrelaxantien führen zur Kaliumfreisetzung aus dem Intrazellulärraum. Bei prädisponierten Patienten (s. unter Kontraindikationen) kann die K + -Erhöhung (normalerweise gering) jedoch zu schweren Herzrhythmusstörungen bis zur Asystolie führen.

Interaktionen

Vorgabe von Lysthenon verstärkt die Wirkung nicht-depolarisierender Relaxantien. Vorgabe nicht-depolarisierender Relaxantien mildert oder verhindert Nebenwirkungen von Lysthenon.
Die Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen werden verstärkt durch halogenierte Narkotika (Halothan), abgeschwächt durch Thiopental und Atropin.
Die neuromuskulär blockierende Wirkung von Lysthenon wird verstärkt durch Aminoglykoside, Polypeptidantibiotika und Tetrazyklin, Amphotericin B, Cyclopropan, Propranidid, Chinidin, Thiotepa, Parasympathomimetika inkl. Cholinestherasehemmer, Procain, Lidocain, Ajmalin, Betablocker, Calciumkanalblocker, Cyclophosphamid, Thiophosphamid, Oxytocin, Cimetidin, Metoclopramid, Perphenazin, Phenothiazin, Lithium und orale Kontrazeptiva.
Die gleichzeitige Administration von Inhalationsanästhetika muss vermieden werden, da sie das Risiko zur Bildung der malignen Hyperthermie erhöht und ausserdem die Lysthenon-induzierte Muskelschädigung verstärkt.
Die Wirkung von Digitalis wird durch Suxamethoniumchlorid verstärkt (Gefahr des Auftretens von Arrhythmien).
Die gleichzeitige Verabreichung von stark wirkenden Analgetika kann zu Atemdepressionen und Atelektasen führen.
Gleichzeitige Infusion mit Blut oder Plasma vermindert die Lysthenon-Wirkung.

Überdosierung

Überdosierung bewirkt verlängerten Atemstillstand, der mit künstlicher Beatmung behandelt werden muss.
Bei Vergiftung mit Suxamethonium kann ein kurz wirksamer Cholinesterasehemmstoff (10 mg Edrophoniumchlorid) versucht werden. Wenn eine offensichtliche Besserung für einige Minuten aufrechterhalten werden kann, dann ist die Anwendung von 1-2 mg Neostigmin möglich. Der sofortige Gebrauch von Neostigmin ist dagegen zu vermeiden.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten
Lysthenon darf nicht mit alkalischen Substanzen, z.B. Barbituraten, gemischt werden (Präzipitation).

Beeinflussung diagnostischer Methoden
Keine Daten bekannt.

Hinweise
Lysthenon darf, wie alle peripher wirkenden Muskelrelaxantien, nur von Ärzten mit anästhesiologischer Ausbildung und Erfahrung in endotrachealer Intubation und künstlicher Beatmung angewendet werden. Die erforderlichen Geräte müssen bereitstehen.

Kompatibilität: Lysthenon-Ampullen sind mit blutisotonischer Natriumchlorid-, Ringer-, 5% Fructose-, 5% Dextrose- und 6% Dextranlösung kompatibel.

Haltbarkeit
Lysthenon 2% Ampullen und Lysthenon 5% Ampullen sind im Kühlschrank (2-8 °C) zu lagern.
Verfalldatum beachten.
Lysthenon siccum ist bei Raumtemperatur 5 Jahre haltbar.

IKS-Nummern

19663, 31078.

Stand der Information

März 1997.
RL88

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