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Fachinformation zu Chloramon®:G. Streuli & Co. AG
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Sekretolytikum, Säuerungsmittel 

Zusammensetzung

Ammonii chloridum 400 mg; Excipiens pro compr. obduct. acidoresist.

Eigenschaften/Wirkungen

Ammonium-Ionen spielen eine wichtige Rolle im Säure-Basen-Haushalt des Organismus. Beim Abbau der Ammonium-Ionen in der Leber entstehen Wasserstoff-Ionen, wodurch es zu einer metabolischen Azidose kommt. Die Wasserstoff-Ionen reagieren mit Hydrogencarbonat-Ionen, so dass es zur Freisetzung und Abatmung von Kohlendioxid durch die Lunge kommt.
Da an die Stelle der Hydrogencarbonat- die Chlorid-Ionen treten, bleibt die Gesamt-Elektrolytkonzentration der extrazellulären Flüssigkeit primär konstant. Durch den Anstieg der Chlor-Ionen-Konzentration in der extrazellulären Flüssigkeit wird die tubuläre Ausscheidung aktiviert, so dass kurzfristig, d.h. während 3-4 Tagen, eine kräftige Diurese resultiert. Als Gegenion wird vor allem Natrium, weniger Kalium ausgeschieden. Dieser diuretische Effekt lässt sich sowohl bei ödematösen als auch bei normalen Patienten nachweisen.
Die expektorierende Wirkung wird mit einer Stimulation der Bronchialdrüsen in Verbindung gebracht.
Chloramon Lacktabletten enthalten Ammoniumchlorid in magensaftresistenter Form. Damit entfallen stärkere Reizungen der Magenschleimhaut, und Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen bleiben weitgehend aus.

Pharmakokinetik

Absorption
Nach peroraler Verabreichung wird Ammoniumchlorid schnell vom Gastrointestinaltrakt absorbiert, die vollständige Resorption dauert 3-6 Stunden.

Distribution, Metabolismus und Elimination
Ammoniumchlorid wird in der Leber zu Harnstoff metabolisiert. Das entstehende Wasserstoff-Ion interagiert mit Bikarbonat, während das Chlorid-Gegenion renal eliminiert wird.

Elimination in besonderen klinischen Situationen
Bei Leber- oder Nierenerkrankungen ist die Elimination von Ammoniumchlorid vermindert.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Als adjuvantes Expektorans zur Sekretolyse bei Bronchitiden mit zähem Schleim.
Zur Korrektur von metabolischen Alkalosen: nach Erbrechen, Pylorusstenose, Magendrainage, Überdosierung von alkalisierend wirkenden Medikamenten.

Dosierung/Anwendung

Gastrointestinale Nebenwirkungen können weitgehend durch eine Applikation mit den Mahlzeiten vermieden werden.

Erwachsene: 10-30 Lacktabletten (= 4-12 g) pro Tag in mehreren Dosen verteilt, mit Zeitintervallen von 4-6 Stunden zwischen zwei Dosen.
Chloramon soll 3-4 Tage eingenommen, dann eine Pause von einigen Tagen eingelegt werden, bevor die Behandlung wieder begonnen wird.

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Primär respiratorische Azidose mit hohem Gesamt-CO 2  und Pufferbase, schwere hepatische und renale Erkrankungen.

Vorsichtsmassnahmen
Bei einer Behandlung sollten die Patienten eng auf Zeichen einer Ammonium-Intoxikation überwacht werden: Pallor, Schwitzen, unregelmässiges Atmen, Erbrechen, Bradykardie, Arrhythmien, Zuckungen, Krämpfe und Koma.
Chloramon sollte bei Patienten mit Herz- und Lungeninsuffizienz mit Vorsicht angewendet werden.
Eine längerfristige Korrektur einer Hypochlorämie bei Patienten mit sekundärer metabolischer Alkalose aufgrund einer intrazellulären Kaliumverarmung kann nicht durch alleinige Administration von Chloramon erreicht werden. Die gleichzeitige Verabreichung von Kalium ist auch notwendig.

Schwangerschaft, Stillzeit
Schwangerschaftskategorie C.
Es sind weder kontrollierte Studien bei Tieren noch bei schwangeren Frauen verfügbar. Unter diesen Umständen soll das Medikament nur verabreicht werden, wenn der potentielle Nutzen das fötale Risiko übersteigt.
Ammoniumchlorid darf in der Schwangerschaft nur in Notfällen verabreicht werden.
Es ist nicht bekannt, ob Chloramon in die Muttermilch übertritt. Daher sollte Chloramon stillenden Frauen nicht verabreicht werden.

Unerwünschte Wirkungen

Magen-Darm-Trakt
Nebenwirkungen im Gastrointestinaltrakt sind selten.

Metabolismus, Elektrolyte
Hohe Dosen von Chloramon bei Patienten mit Niereninsuffizienz können eine Hyperchlorämie mit konsekutiver metabolischer Acidose verursachen.
Ein Kalium-Defizit kann gelegentlich beobachtet werden.

Andere
Insbesondere bei hohen Dosen: Kopfschmerzen, Hyperventilation, Bradykardie, Konfusion, Schläfrigkeit, Tetanie, Hyperglykämie, Glukosurie und Hyperreflexie.

Interaktionen

Infolge Ansäuerung des Urins wird die renale Ausscheidung saurer Arzneistoffe verlangsamt, die Ausscheidung basischer Arzneistoffe hingegen beschleunigt.
Ammoniumchlorid ist inkompatibel mit einigen anderen Arzneistoffen, wie Chlortetracyclin, Nitrofurantoin, Sulfadiazin und Warfarin.

Überdosierung

Symptome
Intoxikationssymptome treten erst nach Einnahme beträchtlicher Überdosierungen auf: Azidose, Hypokaliämie mit Herzrhythmusstörungen, Magenreizung.
Eine Dosis von 15 g pro Tag bewirkte Übelkeit und Hyperventilation. Nach der Einnahme von 82 g über einen Zeitraum von 48 Stunden wurde Verwirrtheit und das Eintreten in einen komatösen Zustand beobachtet.

Therapie
Die Intoxikationssymptome lassen sich durch eine i.v.-Infusion mit Natriumhydrogencarbonat beseitigen. Zur Therapie der Hypokaliämie genügt in der Regel eine Substitution mit Kaliumchlorid per os.

Sonstige Hinweise

Das Medikament darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

IKS-Nummern

34253.

Stand der Information

Juni 1995.
RL88

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