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Fachinformation zu Gluborid®:Grünenthal Pharma AG
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Orales Antidiabetikum 

Zusammensetzung

Wirkstoff: Glibornuridum 25 mg, Excipiens pro compresso.

Eigenschaften/Wirkungen

Glibornurid, der Wirkstoff von Gluborid, ist ein Sulfonylharnstoff-Derivat. Seine Hauptwirkung beruht auf dem betazytotropen Effekt. Hierdurch wird aus den Betazellen der Langerhans'schen Inseln des Pankreas endogenes Insulin freigesetzt. Wie andere Sulfonylharnstoffe ist Glibornurid bei Fehlen noch funktionsfähiger Betazellen unwirksam. Bei langdauernder Verabreichung scheinen extrapankreatische Effekte zu seiner Wirkung beizutragen.

Pharmakokinetik

Gluborid wird im Gastrointestinaltrakt rasch und praktisch vollständig resorbiert. Die Bioverfügbarkeit liegt über 90%.
Die Bindung an Plasmaproteine beträgt etwa 95%. Maximale Plasmakonzentrationen nach oraler Verabreichung werden in 2-4 Stunden erreicht, doch besteht keine direkte Beziehung zwischen Plasmaspiegel und hypoglykämischer Wirkung.
Der Wirkstoff wird vollständig metabolisiert. Im Harn lässt sich kein unverändertes Pharmakon nachweisen. Metaboliten sind praktisch hypoglykämisch inaktiv.
Die Eliminationshalbwertszeit beträgt im Mittel 8 Stunden.
Die Metaboliten werden zu etwa  2/3  renal eliminiert, der Rest gelangt über die Galle in die Fäces.
Es ist nicht bekannt, ob Glibornurid die Placentaschranke passiert oder in die Muttermilch übertritt.

Kinetik in besonderen klinischen Situationen
Bei niereninsuffizienten Diabetikern wurde im Vergleich zu einem nierengesunden Normalkollektiv kein Unterschied im pharmakokinetischen Verhalten des chemisch unveränderten Wirkstoffs festgestellt. Der Abfall der Gesamtradioaktivität im Blut - zusammengesetzt aus der Aktivität des unveränderten Pharmakons Glibornurid sowie dessen biologisch inaktiven Metaboliten - war bei niereninsuffizienten Diabetikern jedoch signifikant verzögert. Diese Verzögerung ist vom Grad der Niereninsuffizienz abhängig. Bei Diabetikern mit stark eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance Â≤ 5 ml/Minute) ergab sich eine Eliminationshalbwertszeit von etwa 30 Stunden. Die Anhäufung von Metaboliten spielt aber für die Blutzuckersenkung keine Rolle, da diese hypoglykämisch unwirksam sind. Jedoch muss bei einem niereninsuffizienten Diabetiker die verlängerte Insulinhalbwertszeit berücksichtigt werden.
Bei Diabetikern mit Lebererkrankungen wurden keine signifikanten Veränderungen im pharmakokinetischen Verhalten von Glibornurid gesehen. Unterschiede bestanden aber bezüglich der Pharmakodynamik. Bei Leberinsuffizienz trat eine ausgeprägtere Insulinfreisetzung verbunden mit einer verlängerten Insulinwirkung auf. Folglich war auch die Blutzuckersenkung ausgeprägter.
Es ist nicht bekannt, ob Erkrankungen, bei denen der Plasmaspiegel von Albumin sinkt, die Verteilung und Wirkung von Glibornurid beeinflussen.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Nicht insulinabhängiger Diabetes mellitus (Erwachsenen-Diabetes, Typ II-Diabetes), wenn eine ausschliessliche Diättherapie nicht ausreicht und eine Insulinbehandlung nicht erforderlich ist.

Dosierung/Anwendung

Bei der Ersteinstellung sollte die Therapie mit ½ Tablette Gluborid morgens zum Frühstück begonnen werden. Die Dosis kann dann bis zum Erreichen des erwünschten therapeutischen Effektes - jeweils unter laufender Kontrolle der Stoffwechsellage - bis auf 3 Tabletten pro Tag gesteigert werden.
Es sollten maximal morgens 2 Tabletten und abends 1 Tablette zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
Bei älteren Patienten und bei solchen mit Lebererkrankungen kann eine niedrigere Dosierung angezeigt sein.
Ist mit einer maximalen Tagesdosis von 3 Tabletten Gluborid der Diabetes mellitus nicht befriedigend eingestellt, sollte die Dosis nicht weiter erhöht werden, da im allgemeinen keine Verbesserung des therapeutischen Effektes zu erwarten ist.
Bei Umstellung von anderen oralen Antidiabetika je nach Stoffwechsellage mit ½-1 Tablette Gluborid beginnen. Eine Übergangszeit ist nicht notwendig, doch müssen die Patienten beim Übergang von Sulfonylharnstoffen mit längerer Halbwertszeit (z.B. Chlorpropamid) auf Gluborid wegen der Gefahr hypoglykämischer Reaktionen während 1-2 Wochen besonders sorgfältig überwacht werden.
Die Wirkung von 25 mg Glibornurid entspricht etwa der von 5 mg Glibenclamid, 250 mg Chlorpropamid oder 1000 mg Tolbutamid.
Bei besonderen Belastungen (z.B. Operationen und fieberhaften Infekten) kann eine temporäre Umstellung auf Insulin notwendig werden.

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Gluborid ist kontraindiziert bei Insulinmangeldiabetes (jugendlicher Diabetes; Typ I-Diabetes), Ketose, Acidose, Präcoma, Coma diabeticum, schwerer Nieren-, Leber- und Nebennierenrindeninsuffizienz, Funktionsstörungen der Schilddrüse, bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Glibornurid, bei durch physische Stress-Situationen (z.B. schwere Infekte, Operationen) ausgelösten Hyperglykämien sowie in der Schwangerschaft und während der Stillzeit.

Vorsichtsmassnahmen

Hypoglykämie: Sämtliche Sulfonylharnstoffe können schwere Hypoglykämien verursachen, und protrahierte hypoglykämische Zustände sind auch im Fall von Glibornurid beschrieben worden. Zweckmässige Auswahl der Patienten, richtige Dosierung und adäquate Instruktion der Patienten sind wesentlich, um hypoglykämische Zwischenfälle zu vermeiden.
Nieren- oder Leberinsuffizienz kann erhöhte Glibornurid-Spiegel und eine Verlängerung der Insulinwirkung verursachen, und Leberinsuffizienz kann die Fähigkeit zur Glukoneogenese vermindern, wodurch die Gefahr ernsthafter hypoglykämischer Reaktionen erhöht wird. Patienten mit Nebennieren- oder Hypophyseninsuffizienz sind besonders gefährdet. Bei älteren und bei mit Beta-Blockern behandelten Patienten ist eine Hypoglykämie oft schwer zu erkennen. Zu einer Hypoglykämie kommt es häufiger bei ungenügender Kalorienzufuhr, nach stärkeren und längerdauernden körperlichen Anstrengungen, nach Alkoholgenuss und bei Anwendung von mehr als einem blutzuckersenkenden Medikament.
Die Gefahren einer Hypoglykämie, vor allem die Möglichkeit einer nächtlichen Hypoglykämie, ihre Symptome und Behandlung und die Faktoren, die ihr Auftreten begünstigen, sollten dem Patienten und den Familienmitgliedern erklärt werden, ebenso das sekundäre und primäre Versagen.
Eine Hypoglykämie kann die Aufmerksamkeit des Patienten und deshalb die Sicherheit beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Nachlassen der Wirkung auf den Blutzucker: Bei Stress, wie z.B. Fieber, Traumata, Infektionen oder chirurgischen Eingriffen, kann der Blutzucker ausser Kontrolle geraten und die Notwendigkeit eintreten, Gluborid vorübergehend durch Insulin zu ersetzen.

Andere Risikofaktoren: Bei Bestehen einer Allergie gegenüber Arzneimitteln, die Sulfonamid-Gruppen enthalten (andere Sulfonylharnstoffe, Sulfonamide, Diuretika vom Benzothiadiazintyp, einige Schleifendiuretika, z.B. Furosemid) ist auf eine mögliche Kreuzallergie zu achten.
Vorsicht ist ebenfalls bei Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren (Hypertonie, Rauchen) geboten.

Pädiatrie: Sicherheit und Wirksamkeit von Glibornurid bei Kindern und Jugendlichen sind nicht ausreichend geklärt.

Schwangerschaft/Stillzeit
Schwangerschaftskategorie C. Es sind weder kontrollierte Studien bei Tieren noch bei schwangeren Frauen verfügbar. Es ist jedoch bekannt, dass viele Sulfonylharnstoffe die Placenta passieren und beim Fötus eine unerwünschte Stimulierung des Pankreas (Hyperplasie der Beta-Zellen, fötale Hypoglykämie, Übergewicht des Fötus oder des Neugeborenen) hervorrufen können und dass eine unzureichende Stoffwechseleinstellung (Hyper- und Hypoglykämie) während der Schwangerschaft zu teratogenen Schäden führen kann.
Des weiteren wurden bei Neugeborenen, deren Mütter zur Zeit der Geburt ein Sulfonylharnstoff-Präparat einnahmen, langanhaltende (4-10 Tage), schwere Hypoglykämien beobachtet, und zwar häufiger nach Anwendung von Substanzen mit langer Halbwertszeit. Aus diesen Gründen ist Gluborid bei Schwangeren mit Typ II-Diabetes kontraindiziert, und die Patientinnen sind auf Insulin umzustellen, sofern eine diätetische Behandlung alleine nicht zu einer befriedigenden Stoffwechsellage führt.

Stillzeit: Über die Ausscheidung von Glibornurid in die Muttermilch ist nichts bekannt, doch wurde sie für andere Sulfonylharnstoff-Derivate beschrieben. Da beim gestillten Säugling das Risiko einer unerwünschten Stimulierung des Pankreas und einer Hypoglykämie besteht, ist der Einsatz von Gluborid auch während der Stillzeit kontraindiziert, und es ist auf Insulin umzustellen.

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten Nebenwirkungen sind dosisabhängig und vorübergehend und verschwinden nach Dosisreduktion oder Absetzen des Medikaments. Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen können jedoch einige mit einer Überempfindlichkeit in Zusammenhang gebrachte Nebenwirkungen schwer oder sehr schwer verlaufen.
Hypoglykämien, die ein Absetzen der Therapie erforderlich machen können, wurden nur bei 0,13% eines grossen mit Gluborid behandelten Patientenkollektivs beobachtet. Zu Hypoglykämien kann es vor allem bei älteren Patienten, bei solchen mit zerebralvaskulärer Sklerose und bei solchen, die sich unregelmässig ernähren, kommen (siehe «Vorsichtsmassnahmen», «Interaktionen» und «Überdosierung»). Gegebenenfalls ist die Dosis entsprechend anzupassen.
Die Hypoglykämie kann über längere Zeit andauern und eine Hospitalisation notwendig machen.
Andere unerwünschte Wirkungen wie z.B. gastrointestinale Störungen (Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Magenschmerzen) oder allergische Reaktionen (Hautrötung, papulöse Ausschläge, Urtikaria, Juckreiz, Ekzeme) treten gelegentlich auf, verschwinden jedoch gewöhnlich nach Aufteilung oder Herabsetzung der Tagesdosis und zwingen nur selten zum Absetzen des Präparates.
Gelegentlich treten Schwindelzustände, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen auf, die meist vorübergehend und auf eine milde Hypoglykämie zurückzuführen sind, aber nur selten das Absetzen des Präparates erfordern.
Gelegentlich kann es zu einer vorübergehenden Abnahme der Blutplättchenzahl kommen.
Da das Auftreten einer Leukopenie oder Thrombopenie nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, ist eine periodische Kontrolle des Blutbildes angezeigt.
Die Leberfunktion bleibt unter der Therapie unbeeinflusst.
Sollten diese Nebenwirkungen nicht spontan verschwinden, ist Gluborid abzusetzen.

Interaktionen

Eine Verstärkung der blutzuckersenkenden Wirkung oraler Antidiabetika vom Sulfonylharnstofftyp ist grundsätzlich möglich bei gleichzeitiger Anwendung von:
ACE-Hemmern, Beta-Blockern, Guanethidin, Disopyramid, Imidazol-Derivaten, MAO-Hemmern, Fluoxetin, Fenfluramin, Tetracyclinen, Chinolon-Antibiotika, Sulfonamiden (z.B. Sulfaphenazol), Chloramphenicol, Ethionamid, Miconazol, Cyclophosphamid und Derivaten, anabolen Steroiden (Phenylbutazon-Präparaten), Salizylaten, Phenyramidol, Cumarin-Derivaten, Biguaniden (Metformin), Bezafibrat, Clofibrat, Sulfinpyrazin, Tritoqualin.
Interaktionsstudien haben jedoch gezeigt, dass Sulfaphenazol, Phenylbutazon und Phenprocoumon nicht zu einer wesentlichen Verlängerung der Halbwertszeit von Gluborid führen.
Eine Abschwächung der blutzuckersenkenden Wirkung ist möglich bei gleichzeitiger Gabe von:
Calciumantagonisten, Diazoxid, Diuretika (Acetazolamid), Sympathikomimetika, nikotinsäurehaltigen Präparaten, trizyklischen Antidepressiva (in Einzelfällen), Chlorpromazin, Phenytoin, Isoniazid, Rifampicin, Phenothiazin, oralen Kontrazeptiva, Östrogenen, Glucagon, Schilddrüsenhormonen, Kortikoiden.
Da Interaktionen anderer Substanzgruppen mit Sulfonylharnstoffen bzw. Eigeneffekte der Substanzen auf den Blutzuckerspiegel möglich sind, sollte generell bei einer Co-Medikation der Patient zu Beginn sorgfältig überwacht werden.
Zudem besteht bei Patienten unter Sulfonylharnstoff die Gefahr einer Hypoglykämie (bzw. Hyperglykämie), wenn ein gleichzeitig verabreichtes Medikament, das eine Hyperglykämie (bzw. Hypoglykämie) verursachen kann, plötzlich abgesetzt wird.

Überdosierung

Eine Überdosierung von Sulfonylharnstoffen, einschliesslich Gluborid, kann eine Hypoglykämie verursachen.

Leichte hypoglykämische Symptome ohne Bewusstseinsverlust oder neurologische Befunde sollen intensiv mit oraler Glukosezufuhr und Anpassung der Dosierung und/oder der Mahlzeiten behandelt werden. Eine strenge ärztliche Überwachung sollte so lange weitergeführt werden, bis sicher ist, dass sich der Patient ausser Gefahr befindet.

Schwere hypoglykämische Reaktionen sind selten, stellen jedoch eine Notfallsituation dar und erfordern eine sofortige Hospitalisierung.

Symptome
Meist langsam eintretende Hypoglykämie mit Psychose, Koma und Krämpfen. Oft langanhaltendes apoplektiformes Krankheitsbild, das unbehandelt in zerebralen Dauerschaden übergehen kann. Lungenödem bei kardialer Dekompensation. Exitus durch zentrale Lähmung.

Therapie
Sofortige i.v. Injektion von 20-40 g Glukose. Dann erst weitere Detoxikationsmassnahmen. Klinische Behandlung mit Blutzuckerkontrolle und intravenöser Glukosezufuhr über mehrere Tage, da sich die Hypoglykämie wiederholen kann. Glukokortikosteroide i.v., gegebenenfalls auch 1-2 mg Glucagon.
Wegen der hohen Proteinbindung von Glibornurid dürfte eine Dialyse kaum Nutzen bringen.

Sonstige Hinweise

Hinweise
Die Behandlung der Zuckerkrankheit mit diesem Arzneimittel bedarf der regelmässigen ärztlichen Kontrolle. Bis zur optimalen Einstellung bzw. bei Präparatewechsel sowie durch unregelmässige Anwendung dieses Arzneimittels kann die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden.
Die Grundlage jeder Diabetes-Behandlung ist die vom Arzt verordnete Diät. Ohne genaue Einhaltung dieser Diät ist weder mit Insulin noch mit Gluborid oder anderen oralen Antidiabetika eine wirksame Behandlung des Diabetes mellitus möglich. Auch Gluborid kann die Diät nicht ersetzen oder Diätfehler ausgleichen.

Haltbarkeit
Gluborid ist 60 Monate haltbar und soll nach Ablauf des auf der Packung aufgedruckten Verfalldatums nicht mehr angewendet werden.

IKS-Nummern

38982.

Stand der Information

Juni 1993.
RL88

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