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Fachinformation zu Glibenese®:Pfizer AG
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Orales Antidiabetikum 

Zusammensetzung

Wirkstoff: Glipizidum.

Hilfsstoffe: Amylum, Cellulosum microcristallinum, Acidum stearinicum, Lactosum.
Tabletten zu 5 mg.

Eigenschaften/Wirkungen

Glipizid ist eine oral hypoglykämisch wirksame Substanz vom Sulfonylharnstoff-Typ.

Wirkungsmechanismus
Der genaue Wirkungsmechanismus ist nicht vollständig bekannt. Man nimmt an, dass Glibenese über eine Stimulierung der endogenen Insulin-Synthese und -Freisetzung wirkt. Diese Wirkung ist auf funktionsfähige Betazellen im Pankreas angewiesen und tritt sowohl bei Gesunden als auch bei Typ-II-Diabetikern auf.
Bei Langzeittherapie mit Glibenese können extrapankreatische Wirkungen der oralen Sulfonylharnstoffe eine Rolle spielen.
Obwohl Glibenese ein Sulfonamid Derivat ist, wirkt es nicht antibakteriell.
Sulfonylharnstoffe, einschliesslich Glibenese, wirken bei einigen Patienten initial nicht (primäres Therapieversagen) oder verlieren ihre Wirksamkeit nach und nach während der Therapie (sekundäres Therapieversagen). Andererseits kann Glibenese bei einigen Patienten, die auf andere Sulfonylharnstoffe mit primärem oder sekundärem Nichtansprechen reagiert haben, wirksam sein.

Pharmakokinetik

Absorption
Die gastrointestinale Resorption von Glipizid erfolgt beim Menschen einheitlich, rasch und praktisch vollständig. Die maximalen Plasmakonzentrationen werden 1-3 h nach einer einmaligen oralen Dosis erreicht.
Die Blutzuckersenkung hält nach einer Einzeldosis von Glibenese 8-12 Stunden, in Einzelfällen nach morgendlicher Verabreichung bis zu 24 h an, obwohl die Plasmaspiegel zu diesem Zeitpunkt auf einen kleinen Bruchteil der Maximalwerte abgesunken sind.
Die therapeutische Plasmakonzentration beträgt etwa 1,8 µmol/l.
Es gibt jedoch keine allgemein gültige Konzentrations-Wirkungs-Beziehung.

Distribution
Das scheinbare Verteilungsvolumen nach intravenöser Gabe von Glibenese belief sich auf 11 Liter. Die Proteinbindung im Serum von Freiwilligen eine Stunde nach oraler bzw. intravenöser Verabreichung betrug 98-99%.
Es ist nicht bekannt, ob Glipizid die Placentarschranke passiert und ob es in die Muttermilch übertritt.

Metabolismus/Elimination
Glipizid wird beträchtlich, hauptsächlich durch die Leber, metabolisiert. Die Hauptmetaboliten sind unwirksame Hydroxylierungsprodukte und polare Konjugate, die hauptsächlich mit dem Urin ausgeschieden werden. Weniger als 10% unverändertes Glipizid ist im Urin nachweisbar.
Die Plasma-Eliminationshalbwertszeit nach intravenöser und oraler Gabe liegt bei Probanden im Bereich von 2 bis 4 h. Das metabolische und exkretorische Verhalten ist bei beiden Verabreichungsarten ähnlich. Dies deutet darauf hin, dass der First-pass-Metabolismus nicht signifikant ist.

Kinetik in besonderen klinischen Situationen
Bei Patienten mit einer Nieren- und/oder Leberfunktionsstörung kann die Elimination von Glipizid verlangsamt sein. Die Folgen davon sind noch nicht vollständig untersucht worden. Beschränkte Daten deuten darauf hin, dass bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung die renale Ausscheidung wesentlich herabgesetzt ist und die terminale Eliminationshalbwertszeit der Glipizid-Metabolite (pharmakologisch inaktiv) wesentlich verlängert ist.
Es ist nicht bekannt, ob Erkrankungen, bei denen der Plasmaspiegel von Albumin sinkt, die Verteilung und Wirkung von Glipizid beeinflussen.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Belegte Indikationen
Als Ergänzung zur Diät bei Typ II Diabetes (nicht insulin­abhängiger Diabetes mellitus), wenn sich mit Diät, körperlicher Bewegung und Gewichtsreduktion allein keine guten Blutzuckerwerte einstellen lassen.

Dosierung/Anwendung

Wie bei jeder blutzuckersenkenden Substanz, muss die Dosierung für jeden Patienten individuell eingestellt werden.
Für Glibenese oder andere Antidiabetika gibt es keine festen Dosierungs-Schemata für die Diabetes mellitus Behandlung. Zusätzlich zur routinemässigen Untersuchung des Zuckers im Urin muss auch der Stoffwechsel des Patienten (Blutzucker, Harnzucker, glycosyliertes Hämoglobin) regelmässig bestimmt werden, um die für den betreffenden Patienten niedrigste wirksame Dosis zu eruieren. Die regelmässige Stoffwechselkontrolle ist zudem notwendig, um ein primäres Therapieversagen (z.B. ungenügende Blutzuckersenkung bei empfohlener Maximaldosis) sowie um ein sekundäres Therapieversagen (z.B. nach anfänglich guter Wirksamkeit Verlust einer angemessenen blutzuckersenkenden Wirksamkeit) zu entdecken.
Eine kurzfristige Verabreichung von Glibenese kann bei Patienten, die normalerweise mit Diät gut eingestellt sind und deren Blutzucker nur vorübergehend ausser Kontrolle geraten ist, genügen.
Glibenese sollte ungefähr 30 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden.

Übliche Dosierung
Initialdosis:
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 5 mg. In leichten Fällen, bei älteren Patienten oder solchen mit Lebererkrankungen sollte mit 2,5 mg begonnen werden.
Dosierungsanpassung:
Dosiserhöhungen sollen - gemäss dem Ansprechen des Blutzuckers - üblicherweise in Stufen von 2,5-5 mg erfolgen. Die einzelnen Titrationsschritte sollen in Abständen von mindestens einigen Tagen erfolgen.
Die maximale empfohlene Einzeldosis beträgt 15 mg.
Erhaltungsdosis:
In vielen Fällen kann der Diabetes durch eine 1x tägliche Gabe von 2,5-15 mg gut kontrolliert werden. Tagesdosen von mehr als 15 mg sollten auf 2 Gaben verteilt werden.
Bei Langzeittherapie mit 2x täglicher Verabreichung wurden auch Gesamttagesdosen von 15-30 mg noch gut vertragen. Die maximale empfohlene Tagesdosis beträgt 20 mg, doch ist davon im allgemeinen keine Verbesserung der therapeutischen Wirkung zu erwarten (s.a. «Vorsichtsmassnahmen»).

Spezielle Dosierungsanweisungen
Bei älteren, geschwächten oder schlecht ernährten Patienten und bei solchen mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollten die Einleitungs- und Erhaltungsdosen vorsichtig gewählt werden, um hypoglykämische Reaktionen zu vermeiden (siehe «Vorsichtsmassnahmen»).

Kombinationstherapie mit Glibenese und Biguaniden
Wie bei anderen Sulfonylharnstoffen ist es möglich, dass bei Patienten, die mit Glipizid allein nicht optimal einzustellen sind oder bei sekundären Therapie-Versagern die Kontrolle durch gleichzeitige Verabreichung eines Biguanids verbessert oder wiederhergestellt werden kann.
Bei der Kombinationstherapie wird empfohlen, die Dosierung von Glibenese beizubehalten, das gewählte Biguanid anfänglich in niedrigen Dosen hinzuzufügen und allmählich bis zur Erreichung bzw. Wiederherstellung einer ausreichenden Blutzuckerkontrolle zu steigern.
Wenn eine angemessene Blutzuckereinstellung ohne Nebenwirkungen erreicht ist, sollte die Dosis von Glibenese und vom Biguanid langsam gesenkt werden (Dosisreduktion der zwei Medikamente nicht gleichzeitig), um die Blutzuckerkontrolle mit den niedrigsten möglichen Dosen aufrechterhalten zu können.
Beim Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen sollte versucht werden, die Dosis des Biguanids zu reduzieren.

Diabetiker unter Insulin
Beim Therapiewechsel von Insulin auf Glibenese sind folgende allgemeine Richtlinien zu beachten:
- Bei Patienten mit stabilem, nicht insulinabhängigem Diabetes mit einem täglichen Insulinbedarf bis zu 20 Einheiten kann Insulin abrupt abgesetzt und die Behandlung mit Glibenese in der oben empfohlenen Dosierung eingeleitet werden. Zwischen den einzelnen Glibenese Titrationsstufen sollten mehrere Tage liegen.
- Bei Patienten mit einem täglichen Insulinbedarf über 20 Einheiten wird die Insulindosis um 50% verringert, und die Glibenese-Therapie beginnt während der ersten Tage mit der oben empfohlenen Dosierung. Die anschliessende Verringerung der Insulindosis hängt vom individuellen Ansprechen des Patienten ab. Zwischen den Glibenese Titrationsstufen sollten mehrere Tage liegen.
Während des Absetzens von Insulin sollte der Patient seinen Urin mindestens dreimal pro Tag auf Zucker und Ketonkörper untersuchen und sollte die Resultate seinem Arzt häufig mitteilen. Bei abnormalen Resultaten sollte der Arzt unverzüglich informiert werden.
In einigen Fällen kann es ratsam sein, die Medikamentenumstellung unter Spitalbedingungen durchzuführen.

Patienten unter anderen oralen Antidiabetika
Bei der Umstellung der Patienten auf Glibenese ist keine Übergangsperiode notwendig. Beim Übergang von Sulfonylharnstoffen mit längerer Halbwertszeit auf Glibenese müssen die Patienten jedoch während 1-2 Wochen wegen der Gefahr hypoglykämischer Reaktionen sorgfältig überwacht werden.
Tagesdosen von 5 mg Glipizid senken den Blutzucker ungefähr gleich stark wie Tagesdosen von 5 mg Glibenclamid, 250 mg Chlorpropamid oder 1000 mg Tolbutamid.

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Glibenese ist bei folgenden Patienten kontraindiziert:
1. Patienten mit Überempfindlichkeit gegenüber Glipizid, anderen Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden oder den Hilfsstoffen von Glibenese-Tabletten.
2. Patienten mit Typ-I-Diabetes (Insulinabhängiger Diabetes), diabetischer Ketoazidose (auch in der Anamnese), diabetischem Präkoma oder Koma.
3. Patienten mit schwerer Funktionsstörung der Nieren, Leber oder Schilddrüse.
4. Patienten mit Stoffwechselentgleisung während einer Infektion, operativen Eingriffen oder beim Vorhandensein von anderen Stressfaktoren.
5. Schwangerschaft und Stillzeit.
6. Mit Miconazol behandelte Patienten (siehe Abschnitt «Interaktionen»).

Vorsichtsmassnahmen

Hypoglykämie: Alle Sulfonylharnstoffe können schwere Hypoglykämien verursachen. Eine gute Patienten-Auswahl, richtige Dosierung und adäquate Patienteninstruktion sind wesentlich zur Vermeidung hypoglykämischer Zwischenfälle. Regelmässige, pünktliche Kohlenhydratzufuhr ist wichtig. Im Falle verzögerter Mahlzeiten, unzureichender Nahrungsaufnahme oder unausgeglichener Kohlenhydratzufuhr ist das Risiko von hypoglykämischen Reaktionen erhöht. Nieren- oder Leberinsuffizienz kann einen erhöhten Glibenese-Spiegel im Blut verursachen. Eine Leberinsuffizienz kann zudem die Fähigkeit zur Glukoneogenese vermindern. Beide Faktoren erhöhen die Gefahr ernsthafter hypoglykämischer Reaktionen.
Eine eventuell auftretende Hypoglykämie kann bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion protrahiert verlaufen; für adäquate Behandlungsmassnahmen ist zu sorgen.
Ältere, geschwächte oder schlecht ernährte Patienten, und Patienten mit Nebennieren- oder Hypophyseninsuffizienz sprechen besonders empfindlich auf die hypoglykämische Wirkung der blutzuckersenkenden Medikamente an.
Bei älteren Patienten, wenn eine autonome Neuropathie vorliegt und bei mit Sympatholytica (z.B. Betablockern) behandelten Personen ist eine Hypoglykämie oft schwer zu erkennen. Zu einer Hypoglykämie kommt es häufiger zu Beginn oder bei Änderungen der Behandlung, bei ungenügender Kalorienzufuhr, nach grösseren und länger dauernden körperlichen Anstrengungen, nach Alkoholgenuss, bei Anwendung von mehr als einem blutzuckersenkenden Medikament und bei Funktionsstörungen der Nieren, Nebennieren, Leber, Schilddrüse oder des Hypophysenvorderlappens.

Verlust der Blutzuckerkontrolle
Der Blutzucker eines Patienten, der mit irgend einer Antidiabetika-Therapie gut eingestellt ist, kann unter Stress, wie z.B. Fieber, Traumata, Infektionen oder chirurgischen Eingriffen, ausser Kontrolle geraten. Dabei kann es notwendig werden, Glibenese abzusetzen und Insulin zu verabreichen.
Wenn der Blutzucker unter höchsten Dosen von Glibenese nicht mehr angemessen gesenkt werden kann, kann versucht werden, Glibenese durch ein anderes Antidiabetikum zu ersetzen.
Bei einer Gastroenteritis - insbesondere bei älteren Patienten - oder bei anderen Situationen mit ungenügender Kalorienzufuhr, sollte die Dosierung von Glibenese reduziert werden.
Bei vielen Patienten kann die Wirksamkeit von irgend einem oralen Antidiabetikum, einschliesslich Glibenese, den Blutzucker auf einen gewünschten Spiegel zu senken, im Laufe der Zeit abnehmen. Dies kann auf eine Zunahme des Schweregrades des Diabetes oder auf ein sekundäres Therapieversagen zurückzuführen sein.
Dosiseinstellung und Einhaltung der verordneten Diät­massnahmen sollten überprüft werden, bevor ein sekundäres Versagen diagnostiziert wird.

Andere Risikofaktoren
Beim Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren (Hypertonie, Rauchen) ist Vorsicht geboten.

Pädiatrie
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Glibenese bei Kindern und Jugendlichen sind nicht untersucht worden.

Labor-Kontrollen
Der Blutzucker sowie der Zucker im Urin sollen regelmässig untersucht werden. Die Bestimmung des glykosylierten Hämoglobins kann nützlich sein.
Da unter Sulfonylharnstoff-Antidiabetika Leukopenien oder Thrombozytopenien auftreten können, sind periodische Blutuntersuchungen angezeigt.

Information der Patienten
Die Patienten sollen über die möglichen Risiken und Vorteile der Glibenese-Therapie und der alternativen Therapiemöglichkeiten informiert werden. Sie sollen auch auf die Bedeutung der Einhaltung von Diätvorschriften, der Durchführung von regelmässigen Übungsprogrammen und der regelmässigen Urin- und/oder Blutzucker-Kontrollen aufmerksam gemacht werden.
Die Risiken einer Hypoglykämie, ihre Symptome, ihre Therapiemöglichkeiten und die Bedingungen, die eine hypoglykämische Reaktion begünstigen, sollten den Patienten sowie den verantwortlichen Familienmitgliedern erklärt werden. Zudem sollte das primäre und das sekundäre Therapieversagen erklärt werden.
Die Patienten sollten angewiesen werden, sofort Ihren Arzt aufzusuchen, wenn Sie Symptome einer Hypoglykämie oder andere Nebenwirkungen verspüren.

Wirkungen auf die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu lenken oder eine Maschine zu bedienen
Als Folge von Hypo- oder Hyperglykämie kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Dies kann die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr sowie zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Schwangerschaft, Stillzeit
Die Einnahme von Glibenese während der Schwangerschaft ist kontraindiziert. Bei schwangeren Frauen sollte der Diabetes mit Insulin und nicht mit Sulfonylharnstoffen behandelt werden. Neuere Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Hyperglykämien während der Schwangerschaft mit einer erhöhten Inzidenz von kongenitalen Anomalien einhergehen.
Schwangerschaftskategorie C.
Tierstudien haben unerwünschte Effekte auf den Föten gezeigt, und es existieren keine kontrollierten Humanstudien.

Teratogene Wirkungen
In Fortpflanzungsstudien mit Ratten wirkte Glipizid bei allen Dosierungen (5-50 mg/kg) leicht fetotoxisch. Eine ähnliche Fetotoxizität wurde auch unter anderen Sulfonylharnstoffen beobachtet. Die Wirkung ist perinatal und wird als direkte Folge der pharmakologischen (hypoglykämischen) Wirkung von Glibenese verstanden. In Studien mit Ratten und Kaninchen zeigten sich keine teratogenen Wirkungen. Mit schwangeren Frauen existieren keine adäquaten, gut kontrollierten Studien.

Nicht-teratogene Wirkungen
Bei Neugeborenen, deren Mütter zur Zeit der Geburt ein Sulfonylharnstoff-Präparat einnahmen, wurden langanhaltende (4-10 Tage), schwere Hypoglykämien beobachtet, und zwar häufiger nach Anwendung von Substanzen mit langer Halbwertszeit.
Da nicht bekannt ist, ob Glipizid (wie andere Sulfonylharnstoffe) die Plazenta passiert und möglicherweise beim Foetus eine unerwünschte Stimulierung des Pankreas (Hyperplasie der Beta-Zellen, foetale Hypoglykämie, Übergewicht des Foetus oder des Neugeborenen) hervorrufen könnte, ist bei Schwangeren mit Typ II-Diabetes auf Insulin umzustellen.

Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Glibenese in die Muttermilch ausgeschieden wird. Für einige Sulfonylharnstoffe ist es jedoch bekannt, dass sie in die Muttermilch ausgeschieden werden. Deshalb ist die Einnahme von Glibenese während der Stillzeit kontraindiziert.
Da beim gestillten Säugling eine unerwünschte Stimulierung des Pankreas und eine Hypoglykämie auftreten könnten, ist während der Stillzeit auf Insulin umzustellen.

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten Nebenwirkungen waren dosisabhängig und vorübergehender Natur und sprachen auf eine Dosisreduktion oder ein Absetzen des Medikamentes an. Die bisherigen klinischen Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass einige Nebenwirkungen, die einer Überempfindlichkeit zugeschrieben werden, wie bei anderen Sulfonylharnstoffen, schwer und in einigen Fällen letal verlaufen können.

Hypoglykämie
Es können hypoglykämische Reaktionen auftreten. Das Risiko einer Hypoglykämie ist erhöht zu Beginn oder bei Änderung der Behandlung, bei Nicht-Einhalten der Dosis und/oder der Diätvorschriften, bei körperlicher Belastung und anderen den Metabolismus beeinflussenden Faktoren. Siehe auch «Vorsichtsmassnahmen» und «Überdosierung».

Magen-Darm-Trakt
Bei etwa 1% aller Patienten treten Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Magenschmerzen auf. Diese Nebenwirkungen scheinen dosisabhängig zu sein und verschwinden gewöhnlich nach Aufteilung oder Herabsetzung der Dosis.

Haut
Gelegentlich kam es zu Photosensibilisierungen. In etwa 1% aller Fälle treten allergische Hautreaktionen (Hautrötung, masernähnliche oder makulopapulöse Ausschläge, Urticaria, Juckreiz und Ekzem) auf. Diese Erscheinungen verschwinden häufig unter Fortsetzung der Therapie. Bei Fortbestehen dieser Nebenwirkungen ist Glibenese jedoch abzusetzen.

Diverse
Schwindelzustände, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen treten bei 1-2% aller Patienten auf und sind meist auf eine milde Hypoglykämie zurückzuführen. Ausserdem wurden Verwirrung, Malaise, Tremor und Sehstörungen wie verschwommenes Sehen, Diplopie und Veränderungen des Sehvermögens einschliesslich Beeinträchtigung der Sehkraft und Einschränkung des Gesichtsfeldes bei Patienten unter der Behandlung mit Glipizid berichtet. Sie sind meist vorübergehend und erfordern nur selten ein Absetzen des Präparates. Es kann sich dabei um Symptome einer Hypoglykämie handeln. Diese unerwünschten Wirkungen traten teilweise aber auch bei normoglykämischer Stoffwechsellage auf.

Blut
Über Leukopenie, Agranulozytose, Thrombozytopenie, hämolytische Anämie, aplastische Anämie und Panzytopenie ist selten im Zusammenhang mit einer Sulfonylharnstoff-Therapie berichtet worden.

Leber
Gelegentlich wurden leichte bis mittelgradige Erhöhungen der SGOT, LDH, der alkalischen Phosphatase, des Blut-Harnstoff-Stickstoffs und des Kreatinins beobachtet.
Cholestatischer Ikterus, Störungen der Leberfunktion und Hepatitis wurden berichtet. Bei Auftreten eines cholestatischen Ikterus ist die Behandlung abzubrechen.

Metabolismus
Hepatische Porphyrie und Porphyria cutanea tarda wurden berichtet. Unter anderen Sulfonylharnstoffen wurden Antabus-artige Reaktionen beobachtet.

Endokrine Reaktionen
Hyponatriämie und das Syndrom der inadäquaten Sekretion von ADH (SIADH) wurde berichtet.

Interaktionen

1. Gefahr der Hypoglykämie
Medikamente, welche die blutzuckersendende Wirkung von Glipizid verstärken können:

Miconazol
Erhöhung der blutzuckersenkenden Wirkung, bis zu Symptomen von Hypoglykämie oder sogar Koma (siehe Abschnitt «Kontraindikationen»).

Fluconazol
Erhöhung der Halbwertszeit des Sulfonylharnstoffes, dadurch möglicherweise Symptome einer Hypoglykämie.

Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSARs), z.B. Phenylbutazon
Erhöhung der blutzuckersenkenden Wirkung von Sulfonylharnstoffen (Verdrängung der Sulfonylharnstoff-Bindung an Plasmaproteine und/oder Verminderung der Sulfonylharnstoff-Ausscheidung).

Salicylate (Acetylsalicylsäure - ASS)
Erhöhung der hypoglykämischen Wirkung von Sulfonylharnstoffen durch hohe Dosen von ASS (hypoglykämischer Effekt der ASS).

Alkohol
Erhöhung der hypoglykämischen Wirkung von Sulfonylharnstoffen bis zum Erreichen eines hypoglykämischen Komas.

Beta-Blocker
Alle Beta-Blocker maskieren einige Symptome einer Hypoglykämie, z.B. Palpitationen und Tachykardie. Die meisten nicht-kardioselektiven Beta-Blocker erhöhen Inzidenz und Schwere hypoglykämischer Episoden.

ACE-Hemmer
Die gleichzeitige Anwendung von ACE-Hemmern kann bei Patienten unter der Behandlung mit Sulfonylharnstoffen, so auch Glipizid, zu einer Erhöhung der hypoglykämischen Wirkung führen. Daher kann eine Reduktion der Glipizid-Dosis notwendig sein.
Die blutzuckersenkende Wirkung der Sulfonylharnstoffe kann im allgemeinen auch durch gleichzeitige Verabreichung von MAO-Hemmern und Medikamenten mit hoher Eiweissbindung verstärkt werden, wie z.B. Sulfonamide, Chloramphenicol, Probenecid und Kumarine, anabole Steroide, Bezafibrat, Clofibrat, Biguanid-Präparate, Fenfluramin, Fluoxetin, Guanethidin, Phenyramidol, Sulfinpyrazon, Tetrazykline, Zytostatika vom Typ des Cyclophosphamids und H2-Blocker.

Cimetidin
Bei Patienten, die mit Glipizid behandelt werden, kann die Einnahme von Cimetidin zu einem Abfall des postprandialen Blutzuckerspiegels führen.
Wenn bei einem Patienten unter Glipizid die Behandlung mit solchen Substanzen begonnen (oder abgebrochen) wird, sollte eine engmaschige Überwachung in Bezug auf Hypoglykämie (oder Entgleisung der Blutzuckerwerte) durchgeführt werden.

2. Gefahr der Hyperglykämie
Medikamente, welche eine Abschwächung der blutzuckersendenden Wirkung von Glipizid bewirken können:

Phenothiazine (z.B. Chlorpromazin)
in hohen Dosen (>100 mg Chlorpromazin pro Tag): Erhöhung des Blutzuckers (Reduktion der Insulin-Freisetzung).

Kortikosteroide
Erhöhung des Blutzuckers.

Sympathomimetika (z.B. Ritodrin, Salbutamol, Terbutalin)
Erhöhung des Blutzuckers aufgrund der Beta-2-Adrenozeptor-Stimulation.

Danazol
Diabetogene Wirkung von Danazol. Falls eine Kombinationstherapie unvermeidbar ist, muss der Patient gewarnt werden und angehalten werden, die Selbstkontrolle des Zuckerspiegels im Blut und im Urin häufiger durchzuführen. Gegebenenfalls ist die Dosierung des Antidiabetikums während der Behandlung mit Danazol und nach seiner Absetzung entsprechend anzupassen.
Weitere Medikamente, die zu einer Hyperglykämie und einer Blutzuckerentgleisung führen können: Thiazide und andere Diuretika, Thyreoideapräparate, Östrogene, Progesterone, orale Kontrazeptiva, Phenytoin, Nikotinsäure, Ca-Antagonisten, Isoniazid, Acetazolamid, Diazoxid, Glucagon, Rifampicin und in Einzelfällen auch trizyklische Antidepressiva.
Wenn bei einem Patienten die Behandlung mit derartigen Substanzen abgebrochen wird, muss eine engmaschige Überwachung bezüglich einer Hypoglykämie erfolgen.

3. Alkohol
Sehr selten kann die gleichzeitige Einnahme von Glipizid und Alkohol eine Disulfiram-ähnliche Reaktion hervorrufen.

Überdosierung

Symptome der Überdosierung
Überdosierung von Sulfonylharnstoffen, einschliesslich Glibenese, kann eine schwere Hypoglykämie verursachen.
Schwere Hypoglykämien können selten ein Koma, Krämpfe oder andere neurologische Störungen verursachen.

Therapie der Überdosierung
Leichte hypoglykämische Symptome ohne Bewusstseinsverlust oder neurologische Befunde sollen intensiv mit oraler Glukosezufuhr und Anpassung der Dosierung und/oder des Mahlzeiten-Schemas behandelt werden. Die strenge Überwachung wird solange weitergeführt, bis der Arzt sicher ist, dass sich der Patient ausser Gefahr befindet.
Schwere hypoglykämische Reaktionen mit Koma, Krämpfen oder anderen neurologischen Phänomenen sind selten, stellen jedoch eine Notfallsituation dar und erfordern sofortige Hospitalisierung. Wird ein hypoglykämisches Koma diagnostiziert oder vermutet, sollte dem Patienten konzentrierte (50%) Glukoselösung rasch i.v. injiziert werden. Darauf erfolgt die kontinuierliche Infusion einer weniger konzentrierten (10%) Glukoselösung mit einer Infusionsgeschwindigkeit, die den Blutzucker auf einem Niveau oberhalb von 100 mg/dl (5,55 mmol/dl) hält. Der Patient soll mindestens 24 bis 48 Stunden lang streng überwacht werden, anschliessend muss der behandelnde Arzt entscheiden, ob eine weitere Überwachung notwendig ist.
Wegen der ausgeprägten Proteinbindung von Glipizid dürfte eine Dialyse kaum Nutzen bringen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Glibenese soll nur bis zu dem auf der Packung mit «Exp.» bezeichneten Datum verwendet werden.

IKS-Nummern

38067.

Stand der Information

Juli 2000.
LPD23AUG00

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